Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Warum gibt es so wenige langjährige, stabile Beziehungen unter Heterosexuellen?”

Zu diesem ganzen Desaster rund um Würtemberger Petitionen und französische Neo-Faschisten, prämoderne Thierses und ihre präferenzgeneralisierte Grundrechtsbegründung und Frau Maischberger als 5. Kolonne Putins wollte ich eigentlich gar nix bloggen. Dazu tobe ich mich allmorgendlich bei Facebook aus und habe dann auch genug; angesichts all der Gülle, mit der massendmedial aktuell LGBTQ wie aus Wasserwerfern bestrahlt werden, bin ich anschließend eh erst mal eine Weile damit beschäftigt, das alles innerlich wieder abzuwaschen. Und will auch nicht den Dreck, mit dem diese Heterosexuellen um sich werfen, hier wiederholen.

Nun ergab sich eher nebenbei in der Maischberger-Sendung ein Aspekt, der in die Programmatik dieses Blogs passt: Einer der Fortpflanzer und Ernährer, der seine 10 Kinder mit dem Terror der heteronormativen Matrix quält, zitierte einen GEW-Fragebogen an Schüler. Diese sollten gefragt werden, ob sie sich zur Änderung ihrer heterosexuellen Orientierung eine Elektroschocktherapie vorstellen könnten. So, als sei das der Plan derer in Baden Würtemberg, die die im Grundgesetz fest geschriebene freie Entfaltung der Persönlichkeit im Schulunterricht fördern wollen. Ist es natürlich nicht. Auch die taz findet die frage bescheuert; ist sie aber gar nicht, z.B. Lou Reed durfte das erleben, wie ihm seine „Neigungen“ mit eben dieser Methode ausgetrieben werden sollten.

Es ist schlicht der Versuch, Emphatiefähigkeit durch Hineinversetzen bei Schülern zu fördern, und das ausnahmsweise mal nicht die Einfühlung in das ach so harte Schicksal weißer, heterosexueller Männer. Wofür sie in der Regel „ihre“ Frauen missbrauchen.

Das arbeitet gut informiert Alexander von Beyme heraus. Die Frage entstammt einem Fragebogen des Psychotherapeuten Martin Rochlin, der treffsicher den Spieß umdrehte und Heten mal jene Fragen stellte, mit denen Lesben und Schwule fortwährend traktiert werden:

“Wann und warum hast du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?”
“Obwohl die Gesellschaft die Ehe so stark unterstützt, steigt die Scheidungsrate immer mehr. Warum gibt es so wenige langjährige, stabile Beziehungen unter Heterosexuellen?”
“In Anbetracht der Übervölkerung stellt sich folgende Frage: Wie könnte die Menschheit überleben, wenn alle heterosexuell wären?”

Quelle: http://www.alexandervonbeyme.net/2014/02/12/elektroschocks-bei-maischberger/

(die Verlinkungsfunktion der WordPress-App funktioniert gerade nicht)

Finde ich als Methode weit besser, als sich nun ständig für Lieben, Leben und Begehren zu rechtfertigen. Nur weil irgendwelche Evangelikalen der Bibel untreu missverstehen, was einst „Nächstenliebe“ hieß und ihre Mission stattdessen darin sehen, andere ins Unglück zu stürzen, muss man ihnen ja nicht auf den Leim gehen.

Alles weitere treffsicher bei Stefan Niggemeier. Der diagnostiziert eben jene Praxis, die Kommentator Loellie schon vor ein paar Jahren in Groß Britannien beobachtete:

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/der-unterschied-zwischen-schwulen-gegnern-und-schwulen-gegner-gegnern/

Dessen Server scheint allerdings dem Andrang aktuell nicht gewachsen 🙂 …

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2 Antworten zu “„Warum gibt es so wenige langjährige, stabile Beziehungen unter Heterosexuellen?”

  1. somluswelt Februar 12, 2014 um 8:45 pm

    Und wenn du dann noch dazudenkst, dass sehr viele Menschen der Generation des Typen mit den 10 Kindern ohne Väter aufgewachsen sind, wird immer deutlicher, dass die vielbeschworene „Heilige“ (Klein) Familie* ein Phantasam ist.

    *Der Titel „die heilige Familie“ ist ein kritisches feministisches Buch über die (Klein)familie aus den 80ern.

  2. momorulez Februar 12, 2014 um 10:12 pm

    Das kenne ich zugebenermaßen gar nicht. Aber die Ansätze, die die Kleinfamilie einfach als bürgerliches Scharnier in der Funktionsweise des Kapitalismus betrachten, haben einfach recht. Die dann halt auch in Landbevölkerung und Arbeiterschichten gezwungen wurde. Zudem ich spätestens seit dem, was Du über diese chinesische Kultur geschrieben hast, das eh nicht mehr sonderlich sinnvoll finde, über erotische Faszination definierte Beziehungen, und sei es auch Liebe, als optimal für das Aufwachsen von Kindern zu betrachten. Andere Formen können viel stabiler, bestätigender und auch freundschaftlicher sein. Zudem es für meine Mutter wie auch meine Oma besser gewesen wäre, meine Oma hätte sich nach dem Krieg nicht wieder mit dem „Erzeuger“ zusammen getan. Das ist echt Phantasma, Mythologie und Zwang, was als Glücksentwurf verkauft wird.

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