Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: Februar 2014

Status versus Einfühlung: A-Ha-Effekte beim Saxophon-Spielen und Filme gucken

Verzweiflungen. Durchbrüche. Das Stimmgerät. Genauer: Die App, die die Intonation gnadenlos aufdeckt – also, ob die Töne getroffen werden, blase ich in das Saxophon hinein, oder auch nicht. Fast alle Töne spiele ich zu hoch. Man bekommt sie eigentlich tiefer gelegt, lockert man die Lippenspannung. Gelingt mir nicht. Komme einfach nicht in den „grünen Bereich“. Will schon alles wieder bleiben lassen und meine Saxe einmotten.

Spuren. Erfahrungsspuren. Körpergedächtnis. Wie man wird, wenn man sich wappnen muss und mitten im Pubertieren auf einen Orchestermusiker trifft. Aus dem Blasorchester. Dem Rufe nach das „zweitbeste“ Deutschlands. Spielt auch Verdi, Swing, nicht nur Märsche. Zählen wird geübt. Notenwerte. Taktvorgaben. Jede Woche eine neue Etüde, um mittels Noten lesen auf die funktionalen Erfordernisse der Stimme als Teil des Ganzen trainiert zu werden. Damals, als ich schon mal Unterricht hatte.

Lese im Netz. Was mach ich falsch? Ich weiß gar nicht, wie – merke auf einmal, dass ich jedes Mal, wenn ich hinein blase, die Schultern nach vorne bewege, die Arme verkrampfe und mich beuge. Nix Lippenspannung: Instinktiv, als wolle ich mich schützen, verkrampfe ich – noch verschärft durch den Umstand, dass ich seit bald 25 Jahren an Computern sitze und dort so lange jederzeit auf einen Machtkampf gefasst sein musste. Lauernd, mit leicht vorgerecktem Kopf. So ist das, wenn man dummerweise dachte, man müsse um Status mitspielen.

Reiße die Schultern zurück. Richte mich auf. Drücke den Rücken durch. Lasse die Arme bewusst locker. Mache das berühmte Ö, um nicht immer so mit der Unterlippe gegen das Holzblatt zu pressen, das den Ton erzeugt.

Blase hinein – umwerfend. Alles intoniert genau richtig. Der Ton ist voller, weicher, nicht so schrill. Bin völlig verblüfft. Habe 4 Jahre einst und ein Jahr jetzt Saxophon gespielt wie ein Hund, der an der Leine zieht, weil er denkt, er könne sich sonst gar nicht vorwärts bewegen. Dabei war da gar keine Leine mehr. Aber Werktreue und Orchestermentalität haben sie mir symbolisch angelegt.

Spiele jetzt manchmal in einem Übungsraum gemeinsam mit 3 anderen Musikern. Jazz-Standards. „All Blues“, „Girl from Ipanema“, „Blue Bossa“, sowas. Wir alle versuchen, auch über die Akkorde zu improvisieren. Denke manchmal an den Blockflötenunterricht in der Grundschule zurück. Zählen, Noten lesen, Werktreue. Spielerisch war da nix. Eine Klasse mit 30 Schülern, die mit der Blockflöte improvisiert, ist zugegebenermaßen auch die Vorstellung eines akustischen Grauens. Trotzdem: Es wurde Folgsamkeit und Sich-Einfügen trainiert, nicht Spielen.

Mit den anderen 3 Hobby-Musikern das anders zu machen, das macht schon echt Spaß. Allerdings: 4 Männer in einem Raum, die ihre Instrumente spielen – habe beim ersten Mal das Gefühl: Es wird sich abgecheckt. Kann der am Ende sein Instrument besser als ich? Dann ist Angst mit im Raum. Angst kann nicht spielen. Beim zweiten Mal ging es aber schon viel besser. Vielleicht bin ich das ja auch nur, der so denkt.

„Tauscht ihr euch aus? Redet ihr miteinander?“ fragt mich mein Saxlehrer mit einem seltsam verzweifelten Lachen. „Ja, ein wenig …“. An der Musikhochschule unter Studenten fände das kaum statt. Da würde nur geprüft, ob der Andere mehr Leistung bringe, mehr drauf habe als der Konkurrent. Das kenne er so gar nicht in dem lateinamerikanischen Lamd, aus dem er kommt. Da hätte er sich mich Freunden getriffen, sie hätten gejammt, Spaß gehabt, sich wechselseitig geholfen, die, die es noch nicht so gut konnten, mitgezogen – hier würde einfach immer nur be- und vor allem abgewertet. Ausgegrenzt, wenn jemand als „defizitär“ gelte.

Status. Nicht zufällig steht er als Vogelscheuche auch gleich auf dem nächsten Feld der Kunst, auf dem ich wilder. Christina Kallas, Kreatives Drehbuchschreiben.

Was ein Buch! Großartig!

Und wie in all diesen Büchern, sei es der Mozart in uns, Free Play oder Garantiert zeichnen lernen, entwickelt sie vor allem Methoden, das Urteil auszuschalten, um überhaupt wieder kreativ sein und kommunizieren zu können. Sich auf die Welt einzulassen. Nicht nur Regeln zu trauen, sondern die Spielmuskeln zu trainieren und überhaupt statt nur auf Technik auch Emotion und Wahrnehmung zu vertrauen. Sich selbst zu vertrauen. Dem Gespräch zu vertrauen, das gemeinschaftlich etwas entwickelt, anstatt das Gegenüber nieder zu machen.

Spannend ist, was Christina Kallas zu Status schreibt. Ich kannte die Regel für das Dialoge schreiben „Männer reden über Status, Frauen über Beziehungen“. Und nicht zufällig von Freunden beim Improvisationstheater, die, um Spannung aufzubauen, mit Hoch-Status und Niedrig-Status spielen.

Frau Kallas beschreibt Niedrig-Staus als den der Ja-Sager. Das seien die, die zustimmen müssten, dann aber auch die Abenteuer erlebten. Während Hoch-Status die Nein-Sager seien. Weil sie es sich leisten können. Diese würden vor allem durch Nein Sagen Zustände zemtieren, um ihren Status zu wahren, indem sie Veränderung verhindern.

Die Passagen krame ich demnächst noch mal raus, da steckt sehr komprimiert die halbe Diskussion um Privileg und Supremacy mit drin. Empowerment besagt ja auch, sich selbst als jemand, dem Niedrig-Staus zugewiesen wird von den Mächtigeren, das Nein-Sagen zuzugestehen. Und das ganz laut: So nicht!

Und was dann passiert, kann bei Matussek lesen und bei Denis Scheck sehen. Diese Status-Zuweisungen vollziehen sich ja in annähernd jedem Gespräch – wenn Nicht-Weiße mit Weißen reden, Nicht-Heten mit Heten, Nicht-Männer mit cis-Männern.

Auch politisch wirkt das gewaltig, die Politik Michael Neumanns und die von Dudde und Co belegt es.

Höhepunkt des Buches von Kallas ist freilich ein flammendes Plädoyer für die Pietas-Forderung des antiken Dramas, die doch auch im Kino zu erfüllen sei. Das ist insofern erstaunlich, weil exakt dieses Sich-Einfühlen und durch den Akt des Sich-Hineinversetzens eine Wandlung erfahren können bei derart viel rationalistischen Schein-Ästhetikern, die eine Logik der immanenten Stimmigkeit ein „Gelungen!“ abtrotzen, aber Möglichkeit der emotionalen Einsicht weder fühlen noch denken können, höhnische Zurückweisung – Nein-Sagen – erfährt, dass es nur so kracht.

All die Richter und ihre rekonstruierende Wahrheitsfindung prallen freilich ab an dem, was auch als Einwand von Carol Gilligan in der feministischen Moraltheorie gegen abstrakte Prinzipienmoral ins Feld geführt wurde: Dem konkreten Andere und dem Mitgefühl für ihn. Dann, wenn es gut läuft. Also eher selten. Dann aber richtig gut!

Vergraut die Ödnis bochumisiert – FC St. Pauli – Vfl Bochum 0:1

20140215-211613.jpg

Moosgrün. Mausgrau. Öde. Leere. Noch nicht mal meditativ. Buchtmann fehlt. Aber so was von. Kalla irrlichtert irgendwo rum, Trybull ist sexy, halleluja, der hat ja fast einen James Dean-Touch, aber so jung 😦 – und bemüht, reicht aber nicht. Keine Bindung zwischen Offensive und Abwehr. Ratsche nur ein Schatten seiner selbst. Zu viel Kleinklein. Einzig Nöthe blitzt manchmal auf, steht aber zu oft mit dem Rücken zum Tor und will Bälle verteilen, anstatt sie vielleicht mal hinein zu schießen. Sie spielen, als hätte wahlweise Neururer ihnen Meditationstee aus irgendeinem Eso-Shop in Castrop Rauxel in die Kabine geschmuggelt und heimlich verabreicht oder als dachten sie, Bochum mal eben so locker auszuspielen. Als seien sie angesichts der taktischen Disziplin und körperlichen Präsenz des Gegners wahlweise ängstlich oder beleidigt oder von einem „Na, dann eben nicht, vielleicht ein andernmal?“ in die Interesselosigkeit getrieben. Ideenloses Rumgekicke ohne Kick.

Die Süd hat irgendwann in den Archiven gewühlt, Walter Ulbricht selbstgefällig grienend bei der kleinbürgerlichen Massengymnastik entdeckt, juchhu, toll, machen wir auch so, und fordert seitdem uns Haupttribünensitzer zum „Aufstehen“ auf. Und das noch nicht mal im Sinne von bots 1980. Demnächst adaptieren sie vermutlich eine Gymnastikkeulen-Choreo, aber mit Clobürsten. Wie sang Georgette Dee noch so schön? „Immer, wenn ich traurig bin, dann muss ich keulen …“. Ich werd doch auch nicht hetero, nur weil Matussek, Maischberger und Thierse mir meine vermeintliche Minderwertigkeit ins Gesicht schreien. Und bleibe bewusst defizitär sitzen. Pfiffe. Ach, ihr süßen Vorzeige-Anarchisten, bißchen sehr Neumann, oder? Konformismus predigen und herbeipfeiffen wollen? Antifaschismus stelle ich mir irgendwie anders vor.

Im Bochum-Block gibt es wenigstens Philosophen. Steht zumindest auf einem Transparent. Die Nord hat eine großartige Don Scholz- und Sancho Neumann-Choreo vor dem Spiel gezeigt. Super! Mit sich drehenden Windmühlenflügeln. Aus Clobürsten. Das Spiel wird dem nicht gerecht. Bochum ist besser und gewinnt verdient.

Was haben die unseren eigentlich in der so intensiven Vorbereitung gemacht? Sich verstritten? Blutleer. Orientierungslos. Wirkt nicht wie eine Mannschaft.

Wünsche mich nach Pittsburgh, in die Liberty-Street. Da haben wenigstens nicht alle Männer einen Vollbart und eine Wollmütze wie die bei uns auf den Rängen. Sich selbst stereotypisierende Heterosexuelle sind soooo langweilig … nee, das nächste Heimspiel hätte ich gerne anders.

Stylish, sexy und tänzerisch ganz weit vorn ist unser Team ja. Gute Friseure kennen sie auch. Macht doch mal wieder was draus!

„That makes it much harder — and almost always much better.“

„That gap in our culture, the one that exists outside the mainstream — that’s where you find artists, gay people, all the outsiders. ‘Queer culture’ is bigger than most people think.“

Danke, Herr Matussek! Spätestens, als Sie sich in die Debatte eingeklinkt haben mit Ihrem chronisch talentfreien, aufmerksamkeitsheischenden Gekeife, das sich schon Überschrift zeigte, da war ich froh. Und es perlte nur noch ab.

Ich meine, wer will schon sein, denken, schreiben oder leben wie so einer?

Mir sind ja wenige heterosexuelle Beziehungen bekannt, angesichts derer ich denke: „Hey, da habe ich aber was verpasst!“ Mit einer davon fahre ich immer nach Sylt, eine andere, frisch verliebte mit bald 50, treffe ich nach Spielen vor der Domschänke. Die wissen um das, was im Rock’n’Roll über Appropriation hinaus geht.

Ich würde vielen Heten wie auch Regenbogenfamilien wünschen, dass gerade das Aufziehen ihrer Kinder gesellschaftlich so organisiert würde, dass sie es eingebettet in andere solidarische Zusammenhänge freier erleben könnten, als das, was der Fall ist. Wo man sie in das Hamsterrad ökonomischer Zwänge sperrt und sie erpresst, den Kapitalismus am Laufen zu halten. Dass Arbeiten, Wohnen, Kreativität Mehr von diesem Beitrag lesen

„Warum gibt es so wenige langjährige, stabile Beziehungen unter Heterosexuellen?”

Zu diesem ganzen Desaster rund um Würtemberger Petitionen und französische Neo-Faschisten, prämoderne Thierses und ihre präferenzgeneralisierte Grundrechtsbegründung und Frau Maischberger als 5. Kolonne Putins wollte ich eigentlich gar nix bloggen. Dazu tobe ich mich allmorgendlich bei Facebook aus und habe dann auch genug; angesichts all der Gülle, mit der massendmedial aktuell LGBTQ wie aus Wasserwerfern bestrahlt werden, bin ich anschließend eh erst mal eine Weile damit beschäftigt, das alles innerlich wieder abzuwaschen. Und will auch nicht den Dreck, mit dem diese Heterosexuellen um sich werfen, hier wiederholen.

Nun ergab sich eher nebenbei in der Maischberger-Sendung ein Aspekt, der in die Programmatik dieses Blogs passt: Einer der Fortpflanzer und Ernährer, der seine 10 Kinder mit dem Terror der heteronormativen Matrix quält, zitierte einen GEW-Fragebogen an Schüler. Diese sollten gefragt werden, ob sie sich zur Änderung ihrer heterosexuellen Orientierung eine Elektroschocktherapie vorstellen könnten. So, als sei das der Plan derer in Baden Würtemberg, die die im Grundgesetz fest geschriebene freie Entfaltung der Persönlichkeit im Schulunterricht fördern wollen. Ist es natürlich nicht. Auch die taz findet die frage bescheuert; ist sie aber gar nicht, z.B. Lou Reed durfte das erleben, wie ihm seine „Neigungen“ mit eben dieser Methode ausgetrieben werden sollten.

Es ist schlicht der Versuch, Emphatiefähigkeit durch Hineinversetzen bei Schülern zu fördern, und das ausnahmsweise mal nicht die Einfühlung in das ach so harte Schicksal weißer, heterosexueller Männer. Wofür sie in der Regel „ihre“ Frauen missbrauchen.

Das arbeitet gut informiert Alexander von Beyme heraus. Die Frage entstammt einem Fragebogen des Psychotherapeuten Martin Rochlin, der treffsicher den Spieß umdrehte und Heten mal jene Fragen stellte, mit denen Lesben und Schwule fortwährend traktiert werden:

“Wann und warum hast du dich entschlossen, heterosexuell zu sein?”
“Obwohl die Gesellschaft die Ehe so stark unterstützt, steigt die Scheidungsrate immer mehr. Warum gibt es so wenige langjährige, stabile Beziehungen unter Heterosexuellen?”
“In Anbetracht der Übervölkerung stellt sich folgende Frage: Wie könnte die Menschheit überleben, wenn alle heterosexuell wären?”

Quelle: http://www.alexandervonbeyme.net/2014/02/12/elektroschocks-bei-maischberger/

(die Verlinkungsfunktion der WordPress-App funktioniert gerade nicht)

Finde ich als Methode weit besser, als sich nun ständig für Lieben, Leben und Begehren zu rechtfertigen. Nur weil irgendwelche Evangelikalen der Bibel untreu missverstehen, was einst „Nächstenliebe“ hieß und ihre Mission stattdessen darin sehen, andere ins Unglück zu stürzen, muss man ihnen ja nicht auf den Leim gehen.

Alles weitere treffsicher bei Stefan Niggemeier. Der diagnostiziert eben jene Praxis, die Kommentator Loellie schon vor ein paar Jahren in Groß Britannien beobachtete:

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/der-unterschied-zwischen-schwulen-gegnern-und-schwulen-gegner-gegnern/

Dessen Server scheint allerdings dem Andrang aktuell nicht gewachsen 🙂 …

Viele Worte zur „Cultural Appropriation“

„Cultural appropriation is the adoption of some specific elements of one culture by a different cultural group. It describes acculturation or assimilation, but can imply a negative view towards acculturation from a minority culture by a dominant culture.[1][2] It can include the introduction of forms of dress or personal adornment, music and art, religion, language, or social behavior. These elements, once removed from their indigenous cultural contexts, can take on meanings that are significantly divergent from, or merely less nuanced than, those they originally held.“

http://en.wikipedia.org/wiki/Cultural_appropriation

In diesem Blog, oft auch und da eher noch mehr, wenn ich Leute kennen lerne, die dieses Blog lesen, ist die Abwehr gewaltig, kritisiere ich diese Praxis.

Oft wird dann gar nicht verstanden, wo denn bei Dreadlocks, Voodoo-Choreos und Co das Problem sei.

Das Problem entsteht freilich – ich bitte um Korrektur, wenn ich falsch liege!!! – auch nur in assymetrischen Konstellationen, da dominante Kulturen sich bei Marginalisierten und auch Deklassierten bedienen und davon auch noch ökonomisch profitieren. So dass alles beim Alten bleibt und die Herabwürdigung der Marginalisierten einfach Stabilisierung erfährt. Weil sie wieder zum Schweigen verdammt und an den Rand gedrängt werden und leer ausgehen.

Während zugleich die Erfahrung, die sich in den jeweiligen kulturellen Praxen zeigt, und deren Geschichte gleich mit verschwindet.

Und keinerlei Versuche unternommen werden, im Zuge der Auseinandersetzung mit dem, was sich angeeignet wird, diese unterschiedliche Positionierung der jeweils Handelnden auch zu reflektieren. Das auch im eigenen Werk, Look, Sound selbst zu thematisieren mit dem Ziel, Assymetrien zu überwinden und Bereitschaft zu zeigen, zurück zu treten, wenn Marginalisierte ihre Erfahrungen selbst zum Thema machen wollen. Und ihnen Raum dafür zu verschaffen bzw. zu lassen.

Da nun gerade weiße, linke „Gegenkulturen“ nur so strotzen vor Praktiken der kulturellen Appropriation, Mehr von diesem Beitrag lesen

„White Brothers with no Soul“ – Radiofeature orientiert an einem Vortrag von Alexander Weheliye, 10.2., FSK, 14 h

Momo on the radio die zweite: Morgen ab 14 h läuft beim FSK-Hamburg ein weiterer Versuch, mich in diesem für mich neuen Medium zu orientieren. Damit ich mich nicht völlig verlaufe, habe ich mich an einem Vortrag von dem in Chicago Kulturwissenschaft lehrenden Prof. Alexander Weheliye orientiert: „White Brothers with no soul – wie der Berliner Techno weiß wurde“. Er hat ihn vor der Queer AG der Universität Hamburg gehalten, mir freundlicherweise die Power Point-Vorlage zur Verfügung gestellt und auch genehmigt, dass ich da drumherum die Sendung baue. Ich danke ganz herzlich dafür!!!

Wo ich mich verplapper, Unsinn rede oder etwas falsch verstanden habe, da bin ich freilich selbst voll und ganz verantwortlich. Selbst ja ein white brother, ob mit ein klein wenig Soul oder nicht, das mögen andere beurteilen, habe ich lediglich hier und da queere und Hamburger Perspektiven ergänzt.

Alex‘ Vortrag rekonstruiert virtuos und profund die oft verschwiegene Vorgeschichte dessen, was als Techno teutonisiert und als Sound von Berlin behauptet und vermarktet wurde: Zu weiten Teilen eine der PoC in den USA, Schwarze und Latinas und dortiger, queerer Clubkultur. Und nimmt darauf basierend das Selbstverständnis weißer, männlicher, heterosexueller „Macher“, „Schöpfer“ und „Erzeuger“ in der Musikproduktion hierzulande auseinander.

Ich bringe einiges an frühen House-Sounds auch zu Gehör, Frankie Knuckles, Phuture, Remixe von Larry Levan, Jamie Principle, schrecke auch vor zu Tode gespielten Disco-Krachern nicht zurück – einfach, weil sie es verdient haben, vor dem kulturellen Hintergrund gehört zu werden, vor dem sie entstanden.

Ich habe aus schlichter Unkenntnis nicht vertiefend einen ebenso wichtigen Aspekt ausführlich behandelt, die Rolle der G.I.-Discos in Berlin – hoffe aber, trotzdem deutlich genug gemacht zu haben, dass ich PoC keineswegs ausschließlich in den USA verorte. Ganz im Gegenteil. Alex hat mir u.a. ein sehr bedrückendes Gedicht zur „Wieder“vereinigung einer deutschen Autorin vorbereitet.

Ebenso habe ich mich bemüht, mich vor den großen schwarzen Sängerinnen des Sounds zu verbeugen und hoffe, dass dieses gelang. Adeva habe ich nicht mehr unterbekommen und werde es nachholen. Das Thema verträgt noch einige Sendungen. Auch die Bezüge zu Hip Hop und Synthie-Pop muss ich in die Zukunft verlagern. Wollte ja nicht nur quatschen, sondern auch Musik spielen.

Eventuell wird die Sendung um 23 h noch einmal wiederholt, was angesichts der gespielten Tracks auch Sinn machen würde.

Wer also zu diesem Blog eine Stimme hören möchte, der kann das morgen mal probieren. Habe wiederum nix vorformuliert, hatte ja Alex‘ pointierte Texte – insofern sind alle „diediedie“, irgendwies, Wortdopplungen (3 mal „Wurzel“ in 30 Sekunden), nicht zu Ende gesprochenen Sätze und Versprecher auch weitestgehend drin geblieben. Im Sinne von Emotion und Spontanität. Vielleicht gefällt’s ja.

Wer integriert denn bitte mal die SPD in die Gesellschaft?

Dieser Senat verblüfft immer wieder neu durch Weltvergessenheit (vielleicht verstehen sie Heidegger ja besser als Marx oder Bebel. Alle nicht-biodeutschen Bezüge bleiben ihnen ja sogar bei Eheschließungen wie im Falle Neumanns noch irgendwie verborgen oder sie wagen es nicht, ihr Wissen zu offen zu zeigen, insofern macht der Verweis auf internationale Quellen bei den bornierten Provinzgermanen um Scholz wohl eh keinen Sinn).

Sich selbst und all die weißen, biodeutschen Männer an Behörden- und Bezirksamtsspitzen als Nabel der Welt wähnend und glaubend, es gäbe eine Identität von Staat und Gesellschaft, aus der heraus sie selbst mittels Polizeirecht verfügen, wer drinnen sein darf und wer draußen bleibt, haben sie ja schon im Falle der Lampedusa-Flüchtlinge eine semantische Suppe angerührt, die erbärmlich stank.

Später gelöschte Kommentare im Blog des Innensenators, die von „kaukasischem Aussehen“ schwadronierten und auf rassistische „Phänotypenlehren“ zurück griffen, die „Racial Profiling“ begründen, erstaunten nicht, erschreckten dennoch.

Unfähig zeigte sich der Senat auch, Menschen als Subjekte mit freiem Willen und eigenen Bedürfnissen, nicht lediglich als Objekte scheinrechtsstatlicher Manöver zu begreifen – wiederum im Falle der Lampedusa-Refugees. Und Herr Scholz konnte sich eh nicht vorstellen, dass Schwarze in dieser Stadt eine Perspektive hätten im selben Fall.

Nun ist er immerhin bereit, nicht nur 10 Millionen Euro für die Polizei raus zu hauen, mal eben so nebenbei (bei ca. 500 verletzten Demonstranten macht das eine Kopfprämie von ca. 20.000 Euro pro Stück, was ein Anreiz!). Sondern auch für … und schon fehlen dem Senat wieder die angemessenen Worte. Deshalb lasse ich lieber eine Expertin zu Worte kommen, die sich da besser auskennt als ich:

 

„Unsere Eltern waren in der ersten oder fünften Generation in Deutschland. Wir wurden rassistisch beleidigt, gemobbt, getötet. Wir gehörten nicht dazu. Unsere Kinder bekamen bei guten Leistungen keine Gymnasialempfehlungen, wurden immer noch als »nicht Deutsch« betrachtet, und sollten gefälligst nicht so empfindlich sein.

 Und jetzt sollen auch noch unsere Enkel in ein Haus gehen, das angeblich zu Ihrer Förderung da ist, aber schon dem Namen nach deutlich sagt “Ihr seid übrigens kein Teil der Gesellschaft, ihr gehört nicht dazu.”

 Ihr könnt ein 10 Millionen teures Zentrum gegen Ausgrenzung von Jugendlichen, gebaut von unseren Steuergeldern, 2014, doch nicht “Du stehst aufgrund deiner türkischen Eltern sowieso schon außerhalb unserer Gesellschaft” nennen.“

Bitte auch den Rest lesen.

Vielleicht sollte sich der Senat mal von solchen, die kompetenter sind als er, beraten lassen, BEVOR er derartige Signale setzt.

Sonst entsteht allmählich der Eindruck, ihm passiere seine völkische Politik nicht einfach so, sondern sie sei Programm.

We will survive! (Schwulenhass im Fussball trifft „Queer as Folk“)

20140203-190443.jpg

(ACHTUNG: Text enthält lauter Spoiler im Bezug auf den „Queer as Folk“-Plot)

„Während es sogar in Männerbünden wie der katholischen Kirche und der Bundeswehr offen schwul lebende Männer gibt, findet sich im bezahlten Fußball immer noch keiner.“

Schreibt Martin Krauß in einer Ankündigung zu einer Veranstaltung im Golem. Ein Vortrag namens „Brutal normal – Schwulenhass im Fussball“.

Er hat einen meines Erachtens ganz guten Artikel im Freitag zu dem Thema verfasst. Warum ich den nicht verlinke, wird später deutlich. Obwohl ich das bei Facebook schon getan habe. Er arbeitet ganz gut heraus, wie die Kommerzialisierung des Fussballs zu einem Verschwinden offener, aber einer weiterhin präsenten, nur vornehmeren Homophobie geführt habe – während wieder andere wie die Titanic sich außerhalb des Diskurses wähnten und Schwulenwitze vermutlich herrlich „politisch unkorrekt“ fänden. Weil es ja gar keine Diskriminierung mehr gäbe.

Das ist ja auch meine Rede von den vollends Aufgeklärten, die sich in irgendwelchen Post-Sphären vermuten, postrassistisch, postsexistisch und natürlich so ganz und gar nicht mehr homophob sich glauben – und die aus dieser Erkenntnis neue Legitimationen ableiten für dieses so typisch deutsche Gewitzel über die, die eh schon ein Lebtag lang rüde angegangen werden. Dann, wenn sie nicht bereit sind, mitzulachen und sich ins Schicksal der Witzfigur für alle Fälle zu begeben. Freiwild jener, die die Jobs für’s „Ernsthafte“ und „Verantwortungsvolle“ beackern. Die Geschichte und über Geschichte schreiben.

Auch jene sind zu erwähnen, die sich diese Herabwürdigungsalbernheiten abgewöhnt haben, aber frei von Emphatie unfähig sind, queere, PoC- und weibliche Perspektiven automatisch einzubeziehen, wenn sie Themen behandeln. Das liest sich wie ein ödes Mantra dieses Blogs, es macht aber einfach niemand.

Das zeigt schon der Einleitungstext zu der Veranstaltung gestern: Diese freiwillige Selbstentwürdigung, als schwuler Priester sich in einem Weltkonzern zu engagieren, dessen Führungskräfte jene segnen, die in afrikanischen Ländern die Todesstrafe für LGBT fordern – ist das vorbildlich? Dann noch dieses Stichwort Männerbund, das immer auftaucht, wenn linke Formen der Homophobie, von Wilhelm Reich und anderen beschwingt, sich die Bahn brechen.

Vorab schon: Das ist NICHT die Stoßrichtung des gestrigen Vortrages gewesen. Martin Krauß hat sich echt Mühe gegeben. Er arbeitet für die Konkret und für die Jüdische Allgemeine, lehrt Sportsoziologie und war vor allem bemüht, zweierlei aufzuzeigen: Die „zivilisatorische Kraft des fortschreitenden Kapitalismus“ oder so ähnlich, dass in verbürgerlichten Zusammenhängen manch Derbheit schwindet, und die trotzdem nachzuweisende Fortexistenz der Homophobie im. fussballzusammenhang.

****

Pittsburgh. Ich bin nachhaltig verblüfft, ja verstört fast, was diese Serie „Queer as Folk“ mit mir macht. Storys, aus deren Alter ich raus bin – und natürlich trotzdem alte Wunden und Themen, die fort wirken.

Die Serie hat zwei lesbische Hauptfiguren und wird diesen definitiv nicht gerecht. Sie werden annähernd durchgängig auf Probleme rund um Mutterschaft und Karriere reduziert,

Mehr von diesem Beitrag lesen