Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Momo on the radio

„On the radio““ ist ja einer meiner Lieblingssongs von Donna Summer. Traumhafter Track.

Um sie ging es allerdings nicht, das kommt bestimmt noch, bei meinem ersten Radioversuch seit einer studentischen Streiksendung einst im offenen Kanal zu Zeiten der „alten BRD“.

Das Freie Senderkombinat trat aufgrund eines Textes über Lou Reed an mich heran, 3 Stunden Programm zu gestalten. Das schmeichelte meinem Ego, ist ja klar 😀 … . Da ich die Idee des Freien Radios aber auch vollends prima finde und es prompt zu sehr angenehmen Kommunikationen kam, habe ich mich dort mal ausprobiert. Die Sendung lief bereits am 2.1.; nun wird sie morgen, Sonntag, um 17 h wiederholt, sagte man mir. Da es einige Nachfragen gab, sei es angekündigt. Wer also mal eine durch den „Gated Voice“-Filter von „Logic 9“ gejagt eine Stimme zu diesem Blog hören will …

Die Arbeit an dem Programm war für mich ganz schön aufregend und schweißtreibend. Ein wenig so, wie als ich zu bloggen begann. Der Grund damals war, ganz pathetisch geschrieben, der Wunsch nach Freiheit: Bereits seit 15 Jahren in teils hochkommerziellen, teils auch sehr massenwirksamen und dann wieder inhaltlich durchaus hochkarätigen Sphären des Kulturjournalismus aktiv, nervten mich zusehends all die formalen Vorgaben, all die Kompromisse, all die vermachteten Räume, in denen ich agierte. All die Menschen, die herein reden und die eigene Existenz gefährden dürfen. Obgleich ich aufgrund toller Partner noch viel mehr Freiräume hatte als andere und bei vielen Produktionen so ganz und gar nicht meckern konnte.

Bis irgendwann Vergessen einsetzte, was ich wirklich dachte, fühlte, war und sein wollte. Von „Politics“ getränkt nur noch das Denken der „Entscheider“ zu antizipieren suchte. Was sich zu schreiben lohnt, weil diese Seite der Medienarbeit (und nicht nur der) aus Angst oft nicht erzählt wird. Dabei ist das nicht unüblich und zieht oft Burnouts nach sich.

Das Bloggen war eine Art Wiederentdeckungsreise. Bandwurmsätze! Verschroben schwurbeln! Politisch eindeutig und emotional sein dürfen! Empowerment! Regeln auf den Kopf stellen! Beziehungen zwischen als getrennt gedachten Sphären herstellen! Für Florian Bruns schwärmen! Abstraktion nicht unterbunden bekommen. Über Philosophen grübeln. Musik lieben. Themen selbst bestimmen. Die steile These wagen! Mit Sprache und Stilen spielen! Neue Formen suchen. Hach! Mich macht das glücklich!

Beim Radio muss ich das nun erstmal alles suchen und werde es irgendwann hoffentlich auch irgendwann finden. Ein Anfang ist gemacht. Ich habe viel mit professionellen Sprechern gearbeitet, solche vom Radio wie auch Schauspieler – ich wollte sie nicht imitieren. Könnte ich auch gar nicht. Und wurde ganz schön langsam 😀 – weil ich auch nicht aufschreiben und ablesen wollte, nur bei zitierten Originalquellen wie Andy Warhol und Lester Bangs und Laurie Anderson. Geht ja ums gesprochene Wort. So suchte ich sprechend Sinn und kultivierte unfreiwillig die Kunstpause. Ließ das aufkeimende Schluchzen drin und schnitt es nicht heraus, als es zum Tode von Lou Reed kam. Sentimental, wie ich bin, passieren mir solche Schluchzer immer mal. Habe erst versucht, Tonalität und Timbre konstant zu halten. Wie man das so macht bei Sprachaufnahmen, da am Ende vorsichtshalber noch mal in den ersten Take gehört wird, ob der noch passt. Und fand es irgendwann unsinnig, modulierte extra und setzte Soundeffekte dazwischen. Lies eindeutig Schnitte hörbar werden. Am Anfang legte ich auch Sounds unter die Sprache, dann drückte die Zeit und ich kam nicht mehr dazu, es durchzuziehen. Aber es gibt ja mit Adorno und Benjamin auch gute Gründe für das Fragmentarische, Unfertige. Sind Redundanzen, definitiv enthalten, bei einem flüchtigen Medium wie dem Radio halb so schlimm wie bei geschlossenen Werken? Kann man die große These einfach so raus hauen, wenn zu langes Quatschen auch nicht Ziel ist, Musik soll zu hören sein, und drum einiges in Andeutung bleibt oder Vorwissen erfordert? Ist es okay, die Songs einfach nur teilweise anzumoderieren, weil ich nicht Ansager sein mag? Erklärt sich das Assoziative selbst? Kann ich es mir als Medienprofi leisten, so „amateurhaft“ zu agieren, ohne die schützende Fassade der etablierten Form?

Vielleicht finde ich bei der voraussichtlich nächsten Sendung im Februar ja Antworten 😀 … . Ohne bisher ein Wort gesprochen zu haben, danke ich im voraus bereits Alex Weheliye, in Chicago lehrender Professor für Kukturwissenschaft, für die Genehmigung, diese auf seinen Vortrag „White Brothers with no Soul? Wie Berlin Techno weiß wurde“ aufbauen zu dürfen, gehalten im Frühsommer vor der Queer AG der Universität Hamburg. Um diese brilliante Abhandlung durch queere und Hamburger Perspektiven zu ergänzen. Bei der Eröffnung des „Opera House“ im Grünspan einst war ich ja zugegen. Und im „Front“ auch manches Mal.

Sonntag nun erst mal Lou Reed. Ich habe dessen Musik neu lieben gelernt und hoffe, an einigen Stellen trotzdem zumindest die richtigen Fragen aufgeworfen zu haben. Und danke dem FSK, mich ausprobieren zu dürfen!

EDITH: Läuft heute um 17 h noch mal. Und die auf Alex Weheliyes Vortrag aufbauende Sendung „White Brothers with no Soul“ wird (mit dessen Genehmigung, dass ich darauf aufbaue) am 10.2. von 14-16 Uhr zu hören sein.

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8 Antworten zu “Momo on the radio

  1. pauliane Januar 11, 2014 um 8:26 pm

    „Das Bloggen war eine Art Wiederentdeckungsreise.“ Danke, dass ich dabei sein durfte… ❤
    Auch wenn ich meist höchstens die Hälfte verstanden habe von diesen "verschroben verschwurbelten Bandwurmsätzen"..
    Ich mag dich und ich mag es wie du mir immer neue Denkansätze auf meine Sicht der Dinge gibst.
    Und Lou Reed mag ich auch und deshalb werd ich morgen Freies Senderkombinat hören.

  2. momorulez Januar 11, 2014 um 8:33 pm

    Dankeschön! Und die ganz frühen Anfänge, als wir uns immer mit den Wirtschaftsliberalen kabbelten und ich Zur WM Balkonpflanzen. Malerei und Fussball zusammen zu denken versuchte, hast Du, glaube ich, noch gar nicht mit bekommen?

  3. Erik P. Hauth Januar 11, 2014 um 11:37 pm

    An den WM Blog hab ich vor kurzem auch wieder denken müssen. Der war toll.

  4. Erik P. Hauth Januar 11, 2014 um 11:38 pm

    Ist das morgen 1700 Uhr Lorettas Leselampe, oder hab ich mich da verlesen?

  5. momorulez Januar 11, 2014 um 11:42 pm

    Mir wurde gemailt, da liefe stattdessen noch mal die Lou Reed-Sendung, aber vielleicht war das ja ein Irrtum? Der WM-Blog war herrlich absurd 😀 – aber ich habe das Prinzip durchgehalten!!!

  6. cut Januar 12, 2014 um 10:21 pm

    Hey, hab ich verpasst. Und so ganz klar ist mir auch nicht, wie und wo ich mir das anhören kann. Hoffe aber, ich habe es bis zum 10.2. kapiert.

  7. momorulez Januar 12, 2014 um 10:27 pm

    Du kannst einfach den Livestream auf der verlinkten Seite anklicken. Weiß nicht, ob das in Düsseldorf auch irgendwie anders empfangbar ist, aber ich erfrage es einfach noch mal!

  8. cut Januar 12, 2014 um 10:49 pm

    Stimmt. Livestream anklicken. So gehts. Eigentlich gar nicht so schwer. 🙂

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