Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Der Schattensenat fordert: „Hamburg, you must learn from us!“

Wohl wahr. Zu recht.

Endlich hat Hamburg wieder eine politikfähjge Regierung. Hätten wir wirklich demokratische Gesetze, also nicht lediglich solche, die sich annähernd ausschließlich auf Abstammung und Staatsbürgerschaft fokussieren, müssten sie nur noch gewählt werden. Und könnten dann auch gewählt werden.

Gestern Abend in der St. Pauli-Kirche präsentierten sie Personal und Programm sowie eine neue Ordnung der Senatorenposten. Nicht wie jetzt Gefängnis-, Abschiebungs- und Gentrifizierungsbeauftragte. Stattdessen eine Ordnung jenseits des Lippenbekenntnisses. Einen Senator der Freiheit. Einen der Liebe. Einen des Lichts. Eine Senatorin für die Entkolonisierung, einen für die Ernährung, einen für die Zeit, einen für Amnestien.

Lichtzeit im Sinne der Freiheit dank der Lampedusa-Gruppe Hamburg. Und, zentral: Die verwaiste Position eines Senatoren für Menschenrechte wird wieder eingerichtet. Wiederholt und zutreffend wiesen sie darauf hin, dass die Konzeption der Menschenrechte in Europa durch eine der Rechte nur für Europäer ersetzt worden sei.

Die Begründung dieser Politik aus der Kolonialgeschichte wurde ins Bild gesetzt: Die Senatorenanwärter präsentierten sich im Film an Orten, da diese Historie in Hamburg überdeutlich zu sehen ist. Sie rechneten vor, was alleine die geraubten Diamanten aus der Ära „Deutsch-Südwestafrikas“ wert waren und wären und dass der geplünderte Kontinent, von dem sie zum Glück zu uns kamen, um Licht zu bringen und Menschlichkeit zu lehren, schlicht der reichste wäre, hätten die Kolonisatoren nicht ihr Diebstahls- und Vernichtungswerk vollzogen.

Und diese Politikgeneration der Zukunft ist im Gegensatz marschbetonten Aktualität auch musikalisch, ist verständlich und wirklich pointiert: „Europa, Du hast uns Kaffee und Herzen gestohlen und uns zerrissen und getrennt!“ sangen sie und rappten zu komplexen Rhythmen. Und brachten zum Schluß ein Lied über den Jäger, dessen Suppe so süß schmeckt, auf die Bühne – dessen Hemd doch in Blut getränkt ist. Präsentierten es so, dass die Farce, die ein Musical wie „König der Löwen“ auf der anderen Seite der Elbe ist, musikalisch überdeutlich hörbar wurde.

So groß ihre Performance, so bitter der immer wieder betonte Hintergrund: Einer äußerte, dass er sich fühle, als würde er nur noch zum Schlafen existieren. Er schäme sich; er wolle doch in Menschenwürde arbeiten, warum ließe man ihn nicht?

Arbeit für alle war so auch eine zentrale Forderung des Schattensenates.

Denn so toll es ist, wenn so viele in der Kirche den Refugees lauschen wie gestern, so großartig, dass die Solidarität noch lebt: Ein Leben als auf Spenden angewiesenes Unterhaltungsprogramm für die Nachfahren der Kolonisatoren ist nicht ihr Ziel gewesen, als sie aus Libyen und dann Italien vertrieben wurden. Sie wollen autonom sein. Auch das ein Menschenrecht.

They are here to stay. Um jene ihnen und allen zustehenden Rechte einzufordern, über die der Großteil derer im Publikum ja auch verfügt. Im Sinne der Menschenrechte, nicht jener nur für Europäer.

Es möge Politik werden. MIT dem Schattensenat, nicht an dessen Stelle agierend.

3 Antworten zu “Der Schattensenat fordert: „Hamburg, you must learn from us!“

  1. mrs next match Dezember 20, 2013 um 10:57 am

    hat jetzt was zum Träumen, einen solchen neuen Senat. hach. *wünschwünsch*

  2. momorulez Dezember 20, 2013 um 11:00 am

    Mich haben die auch echt ins Träumen gebracht … da ist so derart viel utopisches Potenzial in dem, was sie machen.

  3. Pingback: UNIVERSAL SCHATTENSENAT | wanja saatkamp

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