Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: November 2013

Vodou statt „Voodoo“! (Achtung, Triggerwarnung. Enthält Darstellungen rassistischer Realgeschichte)

Merkwürdig ist das ja schon. Synchronizitäten nannte es C.G. Jung – wenn in unabhängig voneinander situierten Handlungsfäden und Zusammenhängen zueinander Passendes auftaucht.

Kaum, dass ich darauf hingewiesen wurde, dass mein Adorno entlehntes Blog-Motto „Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich“ ggf. auf ein Original in haitanischer Kreolsprache zurück geht, ist im Millerntor-Stadion eine „Voodoo“-Choreographie zu sehen (verlinkt im Sinne eines journalistischen Beleges).

„Kreyòl pale, Kreyòl konprann“ sei das Original des Adorno-Zitates:

Kreyòl speaks, Kreyòl understands,” it more broadly declares that the speaker intends her or his words for those who understand—and for those who don’t, no translation will help, nor be offered.

Eine Redewendung, die dem Kontext des Vodou offenkundig entstammt.

Weil, wie ich hier heute ebenfalls unten in den Kommentaren lernen durfte, „Voodoo“ immer schon die von Hollywood & Co rassistisch verzerrte Sicht auf eine komplexe Religion meint. Im verlinkten, ungemein spannenden Blog „Dreams of Ginen“ wird dies als „Imagined Voodoo“ im Gegensatz zur tatsächlichen Praxis des Vodou bezeichnet und unter anderem folgendermaßen eingeordnet:

„Imagined voodoo allows people to express racial anxiety–especially about the presence of blacks in America–while appearing to do something else, thus avoiding the charge of racism (perhaps most especially disguising it from themselves). It allows for the continued denigration of Haiti and Haitian culture as barbaric, uncivilized, in the thrall of demonic powers. This is a way of continuing to punish Haitians for being the only people in the hemisphere to successfully free themselves from Slavery.

Ich empfehle jedem dringendst die Lektüre des ganzen Textes, das ist ungemein lehrreich, um an einem konkreten Beispiel die verzweigten Wege der Sklaverei, des Kolonialismus wie auch der Missionsgeschichte nachzuvollziehen.

Schon im ersten Absatz steckt in ein paar Sätzen ein historisches Disaster, dass bis hin zur Schwulen- und Lesbenverfolgung in Uganda reicht. Nicht, weil diese Exempel der im folgenden zitierten, angeblich „bestialischen Natur“ vorchristlicher, afrikanischer Kulturen wäre – ganz im Gegenteil, das haben christliche Missionsbewegungen da hin transportiert.

Die Kirchen waren historisch und sind gegenwärtig u.a. so extrem wichtig für die Aufstiegsmöglichkeiten noch und ehemals Verslavter, Kolonisierter und Diskreditierter, um Anschluss an Mittelschichten zu gewinnen, dass sich daraus dann auch vieles andere erklärt.

So ist meines Wissens auf Haiti Vodou auch eine unauflösliche Einheit mit dem Katholizismus eingegangen – und Vodou wird doch bei jeder Naturkatastrophe in explodierenden Gewaltausbrüchen von christlicher Seite für diese verantwortlich gemacht.

Wie immer schon:

First, slavery was marketed in part as a soul-saving venture, so falsified depictions of Vodou as degenerate superstition served as propaganda for the Christianization of Africans. Additionally, portrayals of Africans and blacks as reduced to a bestial state by Vodou practices allowed writers to argue that they lacked civilization–perhaps were not even entirely human–and therefore slavery was no great crime. As the 18th century progressed, black religiosity, and Vodou most of all, became a tremendous source of anxiety as it was feared to possess revolutionary potential, a suspicion that was proven correct by the Haitian Revolution

.“

Das verweist derart tief in die Konstitutionsgeschichte des Rassismus hinein, dass man sich, denke ich, schon fragen darf, ob so eine beiläufige mit allerlei historisch und popkulturell schwerst aufgeladenen Bildern, wie sie auf der Süd zu sehen war, noch kombiniert mit Zitaten aus Beethoven-Symphonien, nun unbedingt die glücklichste Wahl war. Vorsichtig formuliert. Über Korrekturen freue ich mich, falls ich etwas nicht schnalle.

Da waren dann noch jene Maskenmotive zu sehen, die Picasso in die Kunstgeschichte einschleuste, während die Originale im „Völkerkundemuseum“ hängen und in komplexe, eher performative Praktiken eingewoben waren. Und am Rande war etwas zu sehen, was mich an comicartige Verballhornungen von Maya-Schriften erinnerte. Ich habe mal eine ungemein beeindruckende Doku über die Entschlüsselung derer gesehen, jene Schrift, die wie Gesichter aussieht, und auch, wie die bis heute gearschten Nachkommen der First Nations nun endlich wieder IHRE Sprache begierig lernten, die von der der Kolonisatoren überschrieben wurde.

Ich weiß bei beidem aber nicht, wer das mit welchen Gedanken im Kopf gemalt hat. Füge ich hier alles noch ein, wenn jemand da ergänzen möchte. Auch, weil es einem in antirassistischer Verve passieren könnte, nun auf einmal Werke davon Betroffener völlig falsch einzuordnen. Was, wird man darauf hingewiesen, dann aber auch produktives Lernen nach sich ziehen kann.

In dem Zitat oben aus „Dreams of Ginen“ steckt noch eine andere, ungemein gewichtige „Pointe“: Was ist denn, wenn die vom Rassismus Malträtierten sich wehren würden?

Eine PoC-Kommentatorin schrub dazu vor kurzem Gewichtiges hier ins Blog, dass sie noch bei jeder im Supremacy-Gestus geäußerten Belehrung, Zurechtweisung, bei jedem weißen Pochen auf Defintionsmacht diese Angst spure. Dabei sei es im Grunde genommen die Angst Weißer davor, dass Andere genau so grausam sein könnten wie sie selbst.

Das ist neben all den entwertenden Praktiken deutschen Alltagsrassismus‘ ja in allen Überlieferungen aus der Kolonialgeschchite ähnlich, ob nun in jenen der First Nations im Nordosten Nordamerikas oder anderswo: Die Fassungslosigkeit angesichts der unglaublichen Brutalität der Kolonisatoren. Dazu gehört auch, dass die Bundesregierung bis heute verniedlichend vom „Herero-Aufstand“ spricht und sich aus fadenscheinigen, definitorischen Gründen weigert, einen Völkermord einen Völkermord zu nennen.

In diesen historischen und gegenwärtigen Bedeutungsräumen situiert sich nun auch „Imagined Voodoo“.

Ich weiß ja nicht, welche Diskussionen bei der Choreo-Erstellung geführt wurden, wer daran beteiligt war und gucke vielleicht auch falsch. Wurde ja auch bei Twitter schon angerüffelt, solche und ähnliche Fragen nicht öffentlich zu stellen. Finde sie aber wichtig.

Ich wäre darum sehr gespannt, was die PoC-Antirassismusexperten unter meinen Freunden dazu sagen würden, wenn sie dazu überhaupt Lust haben.

Ansonsten schadet ein Blick in die Geschichte des Vodou auch dann nicht, wenn ich schief gucken sollte. Ich will hier ja auch nicht den Diskurs-Appropriator spielen. Das hat mich jetzt halt den ganzen Tag beschäftigt, auf Geheiß lösche ich sofort oder veröffentliche andere Texte an Stelle dieses hier.

Wobei ja selbst eine Anspielung auf die haitanische Revolution und dortigen schwarzen Widerstand entwertet würde, koppelte man sie nun ikonographisch an Siege des FC St. Pauli über den 1. FC Köln. Der ja dann auch nix wurde. Mir kam das ein wenig wie so was vor.

Ach so, und Pyro. War ja nun in diesem Fall integraler Bestandteil der Choreo, die wohl eigentlich Rausch-Trance-Magie als Stärke des FC St. Pauli zeigen sollte und entsprechendes Räucherwerk gleich mit. Und ich habe hier im Blog tatsächlich auch schon das „Voodoo“-Gefühl da in Anschlag gebracht und würde es nicht wieder tun.

Weil, wenn ich das richtig gelernt haben sollte, für einige meiner PoC-Freunde oft diese ahnungslose Beiläufigkeit der Verwendung von Zeichen und Praktiken bei Unkenntnis derer Geschichte, Zeichen und Praktiken, die PoC-cultures (im Plural) entnommen wurden, das Verletzende ist. Seien es nun Dreads oder Tablas. Erst recht, wenn dieses dann auch noch geschieht, dass Weiße sich damit Zeichen des „Exotischen“, „Wilden“ gar oder „Rebellischen“ antackern, bei gleichzeitiger Ignoranz der Ursprünge sowie der Verfasstheit der Schemata, in denen sie agieren.. Ich bitte um Korrektur, wenn ich das falsch darstelle.

EDITH: In der Kommentarsektion wurde darauf hin gewiesen, dass ich hier den Eindruck erweckte, deutsche PoC seien nun bruchlos mit Vodou oder Masken zu identifizieren oder würden sich damit identifizieren. Dann habe ich da was falsch gemacht, falsch dargestellt und bitte um Entschuldigung.

In den Diskussionskontexten, in denen ich mich bewege, werden solche Praktiken des ahistorischen und dekontextualisierten Zitierens harsch kritisiert, weil damit Geschichte zum Verschwinden gebracht wird, und ich teile diese Perspektive.

Das impliziert nicht, dass das eine zu generalisierende Sichtweise von PoC in Deutschland ist, da gibt es so viele Sichtweisen wie überall anders auch, noch, dass aktuelle Selbstverständnisse, Vorlieben, Verhaltensweisen oder sonstwas über die Geschichte des Vodou herzuleiten wären.

Falls ich diesen Eindruck erweckt habe, dann tut es mir sehr leid und ich gelobe Besserung

Die Realgeschichte des Vodou wie auch dessen Einsatz als „Vodoo“ in der Popkultur halte ich trotzdem für berichtenswert. Weil es halt die Choreo nun mal gab. 

Na, zurück zu Pyro: An dem Punkt, wo ich das Gefühl habe, dass die gezündet wird, DAMIT sich Andere auf den Tribünen so schön aufregen und man einen Scheintriumph über „die Spießer“ mit billigen Mitteln erzielt, finde ich es schwierig, das zu verteidigen. Was ich sonst immer machen würde.

Und – das ist jetzt gemein, sorry – dann noch bei Twitter darauf zu warten, dass doch bitte der Empörungsthread im Forum eröffnet werde. Ichweißjanicht.

Das sind eh so Momente in den Ultra-Kulturen, wo etwas sehr verkürzte Freiheitsbegriffe Symbolpolitik an die Stelle richtiger setzen. Das ist ja auch bei dieser Pseudo-„Reclaim the streets“-Tagging-Mode so, die ich anders als „samo“ einst als Aufstand der Zeichen gar nicht lesen kann.

Im Falle des Pyros finde ich es deshalb aber auch falsch, das nun auch noch durch Pfiffe zu adeln. Dann können sich manche noch daran ergötzen, an einer Rebellion zu partizipieren, die keine allzu dolle ist, wenn sie nicht mitpfeiffen.

Und dann war auch ein Spiel zu sehen! Ein tolles! Eines mit einer zwar teilweise fast schon liebenswert naiven, aber ganz zauberhaft spielenden Mannschaft des FC St. Pauli. Einer, die in Leidenschaft alles gab, die Kölner phasenweise überrannte und völlig zu recht beim Rückstand von 0:3 mit „You’ll never walk alone“ bedacht wurde. Das war schön. Sehr schön sogar!

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Ein paar Worte zur JHV des FC St. Pauli 2013

Habe ja nur den Anfang mit bekommen. Von der JHV, meine ich. Wollte erst gar nicht hin gehen und dachte dann „Hey, wäre jetzt aber feige!“

Stellte schnell fest, dass Kontroversen mit einzelnen Mitgliedern meines ehemaligen Fanclubs (und weit darüber hinaus) trotz ggf. falsch verstandener Formulierungen doch sehr viel Substanz haben und nichts Beiläufiges sind. Da kann man sich noch so mögen und wechselseitig schätzen, der Konflikt ist, wie hier in den letzten Tagen oft wortreich ausgeführt, schon von einer nicht zu unterschätzenden Reichweite. Wie auch in ganz anderen Zusammenhängen geführte Gespräche mit wahren Urgesteinen der linken Szene Hamburgs offenbarten.

Sehr schöne Begegnungen erlebte ich mit aktiven Mitgliedern von 1910 e.V., das tat sehr gut.

Lauschte der Rede Stefan Orths und fand das inhaltlich, verglichen mit dem letzten Jahr, schon enorm, was in 12 Monaten alles bewegt wurde. Wie vorab geschrieben.

Heute lese ich nun, wie sich allesamt über die Wortfindungsschwierigkeiten eines offenkundig sehr Aufgeregten amüsieren.

Der Dünkel geht mir auf die Nerven – einerseits rote Fahnen schwenken, dann aber in die tiefste Distinktionsmottenkiste greifen, wenn es um Sprache geht.

Genau dieses Gelästere ist auch zentrales Element in der Stabilisierung der Klassengesellschaft und steckt noch hinter den Protesten gegen die Schulreform, übrigens. Wenn jetzt bei Twitter das „Repräsentieren“ so hervor gehoben wird – es ist schon lustig, wenn allesamt großartig gegen Gentrifizierung wettern, dann aber auf einmal so einen geschliffenen Lackaffen wie die ganzen Vorstandsvorsitzenden sonst so erwarten.

Noch kurioser wird das Ganze, vergleicht es mit Reaktionen auf Corny.

Dessen rhetorische Fähigkeiten nun echt großartig waren – und vieles an Hass, den er auf sich zog, speiste sich ja schlicht aus Unterlegenheitsgefühlen. Dem waren die Großsprecher auf den Rängen halt einfach nicht gewachsen.

Das ist nur in emanzipatorischer Perspektive ein ziemlich seltsames Spiel in vielerlei Hinsicht: An dem schwulen Präsidenten arbeitet sich die Crowd bis hin zu den seinen Sex-Witzchen unendlich aufgebracht ab. Der Papi mit der Kleinbürgeraura hingegen ist akzeptiert, weil man sich ihm in Habitus und Sprache so schön überlegen fühlen kann, weil er vermutlich auch an den zu Hause erinnert.

Das soll nun nicht heißen, dass es an Corny nicht auch viel zu kritisieren gegeben hätte.

Aber man merkt schon, wie eine heteronormative, durch Kleinfamilien geprägte Gesellschaft funktioniert, wenn man das vergleicht. Corny wurde noch Schauspielerei und werweißnichtwas angedichtet, letztlich sein Charisma vorgeworfen. Sich wahlweise wohlwollemd oder hämisch über den in die Witzigkeit getwitterten, weil in pubertärer Größenfantasie stets und immer neu überwundenen nicht ganz so Souveränen zu erheben – meine Güte, wie oft habe ich genau das Spiel in Familien beobachten dürfen. Da macht sogar Psychoanalyse auf einmal Sinn. In 20 Jahren Berufserfahrung fand ich eh immer frappierend, wie massiv sich psychologisch Familienschemata reproduzieren.

Womit sich ja immer auch die Frage stellt, wie ernst das nun eigentlich gemeint ist mit all den proklamierten Inhalten „der Fanszene“.

Gibt ja immer zwei Möglichkeiten: Entweder sucht man Identität in Abgrenzung, um sich geiler, cooler, toller als Andere fühlen zu können. Dann kann man es im Grunde genommen auch bleiben lassen; ist halt Ego-Futter, mehr nicht.

Oder man findet Inhalte richtig und steht zu ihnen ganz unabhängig davon, wie sie sich in Relation zu anderen darstellen. Da ist dann was draus zu machen.

Ich fand ja eher bedeutsam, dass bei einem bestimmten Panel bei „Fussball und Liebe“ Stefan Orth konsequent den Antisexismus-Aspekt vergaß und sich nur auf Homophobie fokussierte. Da wird dran zu arbeiten sein.

Ansonsten ist das schon bemerkenswert, was für eine gewaltige Kurve dieses Präsidium und die Geschäftsstelle hin bekommen haben. Wie schon vorab geschrieben. Da wäre echt mehr Applaus drin gewesen. Sie sind in der Lage, aus Fehlern zu lernen und sich trotzdem vor der „aktiven Fanszene“ zu verbeugen, das hat durchaus auch Größe.

Nachdem Corny eher in seiner ureigenen Art sich als „Macher-Visionär“ bis in die 1. Liga durchsetzte und dabei ganz schön was einstecken musste, wirkt das aktuelle Präsidium nach desaströsen Anfangsschwierigkeiten so, als würde es sich auf Moderieren, Konsolidieren, Ausbauen und auch die Pflege der eher kulturellen Fundamente verlegen. Um den Laden zusammen zu halten. Das ist eine ziemlich gute Entwicklung.

Mir wurde mal als Machtregel Nr. 1 gelehrt „Niemals anerkennen, was jemand anders tut“. Kann ich gut 😀 …

Das heißt im Umkehrschluss, dass wechselseitige Anerkennung einen Weg in machtfreiere Räume bahnen kann. Ich finde schon, dass das aktuelle Präsidium davon mehr verdient hätte als Gewitzel über Stilfragen.

Dann kann doch über alle weiteren Optimierungsschritte viel besser geredet werden. Denn das hört ja nie auf, dass solche folgen müssen.

Wollen wir die emanzipierte Gesellschaft wirklich?

Dieser Text ist zu wichtig, als dass man ihn unverlinkt lassen könnte:

Es ist ein Skandal, wenn auch keine Überraschung, dass das MCTC eine solch rückständige Philosophie befürwortet, die das Wohlbehagen von zwei weißen, männlichen Studenten als gesunden Schwerpunkt einer Diskussion um strukturellen Rassismus ins Zentrum rückt. Es mangelt nicht an Ironie, dass eine brilliante Woman of Color und Professorin für das Führen einer Diskussion um strukturellen Rassismus diszipliniert wird, wenn diese bei weißen, männlichen Studenten Unwohlsein auslöst, und weiterhin zu einem Training geschickt wird, das die Universität unverschämterweise als Nachhilfe in interkultureller Kompetenz für Prof. Gibney darstellt.“

Er ist deshalb so wichtig, weil – wie mehrfach in ihm hervor gehoben – ein weiß dominiertes System sich anmaßt, Women of Colour zu maßregeln, dass sie doch bitte weiße Männer zu „pleasen“ und Geschichte und Gegenwart zu klittern hätten.

Er wirft aber implizit eine Frage auf, die auch dieses Blog begleitet, zu allerlei Zerwürfnissen führte und Freunde von mir immer weiter in eigenen vier Wände treibt: Geht das überhaupt, freundlich-einvernehmliche Formen der Kritik zu üben, ohne den Paternalismus der „Toleranten“ zu bedienen? Wie denn? Erzählt mal!

Die ja von selbst wenig Mühe aufbringen, sich als Teil eines Systems zu begreifen, dass auf Ausgrenzung, Totschweigen und Dominanz immer der gleichen ruht. Es geht ja immer so lange gut, da es wahlweise „die Anderen“ sind oder die Assymmetrie halbwegs unangetastet bleibt. Bis hin zu Frau Merkel und Herrn Gabriel. Wenn irgendeine Form von Supremacy bedjent wird.

Wie bei Herrn Neumann, der dünkelhaft und wilhelminisch Betroffene auffordert und belehrt, doch das hehre Erbe des postnazistischen Rechtsstaates als tolle historische Leistung anzuerkennen – dass diese dann abschieben wird.

Und sich ganz fürchterlich verletzt zeigt, dass seinen Mitarbeitern gar Rassismus diagnostiziert wird.

Woher kommt eigentlich dieses abstruse Vorbeigucken, Wegsehen, Fantasieren?

Das muss ja mehr sein als nur die Abwehr aufgrund narzißtischer Kränkung – das ist immer auch die Erwartungshaltung an Andere, doch bitte zugewiesene Rollen zu spielen, weil man sich doch ach so rührend „kümmere“. Ein multiples Beleidigtsein, sozusagen. Wir tun doch so viel! Und hindern die Anderen an der Mitwirkung.

Was natürlich darin gründet, dass auch jene, die gegen Homophobie wettern, zumeist nicht in der Lage sind, Heteronormativität in Frage zu stellen.

Dass auch viele, die ach so wacker gegen Rassismus kämpfen, psychologisch so nachhaltig darauf angewiesen sind, Geschichte als unbestrittenen „Weg zu Besseren“ zu begreifen (notfalls in der je eigegen Subkultur) und um ihr mythisches Weltbild des Postrassismus kämpfen. Während sie eben diese Geschichte als Legitimation für jeden noch so blöden rassistischen Kalauer nutzen, für jegliche Ignoranz, das eigene Ungebildetsein in relevanten Fragen abzuschotten.

Die Kommentare weiter unten im Blog gehen mir nicht aus dem Kopf:

Es gibt einfach nichts, was GesamtSchland mehr auf die Palme bringt, als Schwarze Leute, die sagen, dass sie keine Ausländer oder Touristen oder unterwürfig sind, sondern dieses Schland ihres ist, und sie ihre eigenen Institutionen gern ohne rassistische Scheiße betrieben hätten. Da greift dann plötzlich auch nicht mehr der im Kindergarten erlernte Herablassungsreflex »Hilfe für die Menschen aus Afrika« (…)

Jedenfalls kenne ich genügend Leute mit genügend Grips und auch Eigeninteresse daran, rassistische sexistische Dominanzpräsentationen nicht gut zu finden, die in solchen Situationen über sehr leises und diffuses Bauchweh nicht hinaus kommen. Ich kenne das auch von mir selbst, immer seltener, aber es passiert noch. Weil wir und unsere Erfahrungen schon so entwertet wurden, dass das Hören auf das eigene Bauchweh automatisch lächerlich gemacht wird, dass es bestraft wird, sich selbst zu spüren, die Antwort auf “aua” allzuoft Drauftreten ist, kann nicht reagiert (genauer: interagiert) werden. Und weil unser Handeln, selbst wenn es unendlich konstruktiv ist, als Aggression fehlgedeutet wird. Nur im Verdrängen und Wegstecken/Wegsehen-statt-stop-sagen haben alle in Schland viel Übung. Wir müssen das alle ent-lernen und dafür das Menschliche er-lernen

.“

Die „Empfindlichkeiten“ in den USA sind bei manchen Fragen vermutlich deshalb noch etwas verschoben, weil die Geschichte der Sklaverei dort präsenter ist, während hier der Rekurs auf das „3. Reich“ sich vor die Historie von PoC in Deutschland, vom Profitieren in Dreieckshandel und Kolonialismus schiebt und alles noch viel schlimmer macht.

Ansonsten macht der Fall in den USA sehr deutlich, wessen Empfindlichkeit was zählt und wem sie wegtrainiert werden soll.

Das Schlimme ist: Der Preis für alle ist so verdammt hoch. Mrs. Next Match bringt es ja auf den Punkt: Das Menschliche im emphatischen Sinne wurde längst verlernt.

Die politische Herausforderung, die darin steckt, wird zumeist gar nicht begriffen.

Weil allesamt, die vorgeben, für eine emanzipierte Gesellschaft zu kämpfen, so darauf eingerichtet sind, sich ganztägig damit zu beschäftigen, wogegen sie sind – Nazis, Gentrifizierung, Kommerz, der Rassismus immer bei den anderen – dass ihnen irgendwie abhanden kommt, welche Ziele sie tatsächlich gerade schwerpunktmäßig verfolgen. Studium, Freundin/Freund, Job in der Werbeagentur oder dem Reisekonzern, Kinder, Kleinfamilie. Und sie gar nicht merken, wem sie dabei in der Regel NICHT oder kaum und schon gar nicht auf dem eigenen Terrain zu begegnen: Den tolerant Geduldeten halt. Und wenn es denn mal eine Chefin und kein Chef ist, dann möchte ich die Sätze in der Kaffeeküche lieber nicht hören.

Irgendwer fragte neulich bei Twitter, was wir mit einer emanzipierten Gesellschaft denn anfangen würden. Die gesamte linke Szene würde eine Nervenzusammenbruch bekommen, weil die ganzen Aktionsfelder weg wären.

Ich fände es so traumhaft, tatsächlich in einer Gesellschaft zu leben, in der Heteronormativität überwunden wäre, Mrs. Next Match sich nicht in ALLEN gesellschaftlichen und kulturellen Feldern den Raum erst erkämpfen müsste, um immer wieder neu mit Bevormundung, Herabwürdigung und im schlimmsten Fall den Drohungen von Mord und Totschlag belegt zu werden.

In der keine auf die Idee käme, #aufschrei zu starten, weil es schlichtweg nicht nötig wäre.

In der es als menschliche Selbstverständlichkeit verstanden würde, Menschen in Not zu helfen, statt sie mit graduell je brutaleren Waffen von Hartz IV bis zu Abschiebung zu bedrohen.

Es ist nicht so, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Machen wir uns doch nichts vor: So überragend großartig und akut immens wichtig die Solidarität mit unseren Lampedusa-Flüchtlingen ist, die gleiche Solidarität erfahren der Braune Mob oder der ISD nicht. Das führt zu symbolischen und tatsächlichen Toden, nicht zur Belebung.

Sobald die Symmetrie formal da ist, werden im stets geschürten Verteilungskampf einfach andere Mittel ausgepackt, von den Geldtöpfen und anderen Formen des Kapitals abzuhalten.

Eine Welt der Fülle und Solidarität ist möglich.

Aber wer will sie denn nun wirklich?

Gedanken und Gefühle vor der JHV des FC St. Pauli 2013

Erinnere mich sehr gut, wie es mir letztes Jahr ging. Ein Abwahlantrag gegen Gernot Stenger lag vor, den ich zu unterstützen bereit war.

Ich war eher verzweifelt, dass aus den Sozialromantikerprotesten so wenig Nachhaltiges entstanden war. Noch immer frustriert, dass auch, weil es unmöglich war, sich mit USP zu koordinieren, der Rückbau der Business-Seats gescheitert war. Frustriert, dass zwar sehr viel Bereitschaft herrschte, den Jolly Rouge zu schwenken, aber selbst bei symbolpolitischen Anträgen gegen Stangentänze die eine Seite eher die Haltung einnahm „MEINE Frau ist anständig, die zieht sich was an!“, während das Präsidium offenbarte, dass es sich mit einem Thema wie Sexismus offenkundig noch nie ernsthaft beschäftigt hat.

Ein Setting wie „Eine Seite zieht sich aus, die andere bleibt angezogen und bewertet, was sie sieht“ mag ritualisiert im SM funktionieren, bleibt ansonsten aber ambivalent.

Eine der Interviewantworten, die ich einst hörte und die mich am nachhaltigsten beeindruckte, war die einer schwarzen Feministin zum Thema „BHs verbrennen“. Während das nach 68 bei manchen weißen Frauen Symbol der Befreiung galt, waren schwarze Frauen froh, sich überhaupt mal was anziehen zu dürfen.

Ich lass das mal so stehen. Auch, dass sich Stefan Orth und Jens Duve vermutlich nie vorgestellt haben, wie es ist, an der Stange zu tanzen.

Egal. Eigentlich will ich ja auf was ganz anderes hinaus. Ich bin nämlich sehr froh über das, was sich in meiner Wahrnehmung auf Seiten von Präsidium und Geschäftsstelle getan hat. Und sag hier mal ausdrücklich Danke! – auf die Gefahr hin, Wichtiges übersehen zu haben. Mir scheint, dass sich wirklich Gedanken gemacht wurde und auch Handlungen folgten. Ich würde Gernot Stenger nicht mehr abwählen wollen

Tjark Woydt hat sich intensiv um die „Berliner Erklärung gegen Homophobie“ gekümmert. An der ist viel auch zu kritisieren, vor allem die Ignoranz Lesben gegenüber; trotzdem ist es ein bemerkenswerter Anfang auch deshalb, weil er in Kommunikation mit schwulen Aktivisten auf den Weg gebracht wurde, anstatt zu paternalisieren. Diese Kommunikation wurde auch fortgesetzt. Hoffentlich dann auch mit den ganzen LGBT-Communities.

Im Falle von unseren Lampedusa-St. Paulianern hat „der Verein“ wahnsinnig schnell reagiert, ohne große Diskussionen prompt und, so weit ich das beurteilen kann, an den artikulierten Bedürfnissen der Betroffenen orientiert. Ohne großes Gedöhns und auch ohne kontraproduktives Ausschlachten in der Öffentlichkeitsarbeit. Trotzdem blieb man diplomatisch und imposant konsequent in der Unterstützung,, als der Senat Kriminalisierungsversuche der Hilfeleistung versuchte. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt. Auch, dass sich für Hinweise ausdrücklich bedankt wurde,

Die neue Gegengerade ist das, was versprochen wurde: Ein Stehplatz-Ereignis, das der Cäsaren-Architektur der Haupttribüne wirkungsvoll etwas entgegen setzt. Auf die Kritik daran, dass bei bei Union Berlin viel mehr mit den Fans zusammen gebastelt wurde, reagierte man dahingehend, dass die Fans selbst die Gestaltung der Wände übernahmen. Jetzt kann man dort „Nur die Liebe zählt!“ lesen wie auch „Kein Mensch ist illegal“. Enorm. Ein blödes Motiv wurde sogar zurück gezogen nach Kritik.

Sogar zu der „Sicherheitsdebatte“ ließ man sich einen coolen Trailer einfallen, und mit KIEZHELDEN wurde eine Plattform geschaffen, die die Publizität und Reichweite des FC St. Pauli nutzt, um Gelder für soziale Projekte zu sammeln.

Das liest sich zwar mittlerweile, als wäre ich der Vereinssprecher, aber ich werde hierfür weder bestochen noch sonstwie bezahlt 🙂 – ich freue mich über all das. Dass Impulse aufgegriffen und weiter gedacht wurden. Es ist auch für Leute wie mich, die sich nicht in jedes zweite Gremium wählen lassen, leichter geworden, in den Verein zu kommunizieren, und das ist als Bilanz eines Jahres für Aktionen neben dem „Kerngeschäft“ echt schon eine ganze Menge cooles Zeug. Der Tag, als dann zeitgleich und eindrucksvoll die stadionweiten Choreos gegen Sexismus und Homophobie und jene für die Refugees das Stadion füllten, war großartig.

Ich durfte, mal etwas aktiver in der „Fanszene“, fest stellen, dass es neben den üblichen Lautsprechern (als Blogger bin ich ja auch einer derer) wahnsinnig tolle Leute hinter den Kulissen gibt, Gerd B., Stephan P. und @Fanne seien exemplarisch genannt, die mit einer stoischen Ruhe derart viel weg schaffen, dass es mir unglaublich imponiert. Die alles zusammen halten können, auch wenn es, so kurios das ist, das gibt es, in „fanszenenimmanenten“ „Politics“ es kracht. Ich durfte auch erleben, wie saucool und engagiert und unterstützend Spieler, denen man einst auf dem Platz zujubelte, bei einem Thema wie Homophobie und dem Kampf dagegen sich zeigen. Ralph Gunesch, Marius Ebbers und Florian Lechner zum Beispiel. Da haben wir nicht den Falschen zugejubelt.

Und dann gibt es noch die Schattenseite des Ganzen: Die ambivalenten Erfahrungen, wenn man versucht, die Debatten und Mechanismen rund um Antisexismus, Antihomophobie und Antirassismus in der Fanszene selbst mal ein paar Umdrehungen weiter zu treiben.

Einerseits viel Zuhören, gut besuchte Veranstaltungen, von unzähligen Schweigenden wahnsinnig unterstützt. Ein tolles Erlebnis.

Sehr schnell entstehen jedoch auch Situationen, in denen die Schwarzen, Schwulen und Frauen dem einzigen Schwulen „rüber geschoben werden“, außer ihm jedoch niemand Impulse in diese Richtung setzt. Dass Freunde schon witzeln, dass der Rest der Veranstaltung aber ganz schön hetero-weiß-männlich sei. Formal wird zwar unterstützt (und weit darüber hinaus, wenn grandiose Fahnen genäht werden!!!), aber es werden doch immer wieder und mit atemberaubender Konsequenz andere Themen genutzt , solche im Vereinsselbstverständnis zentralen Themen wahlweise zu überschreiben und aus anderen Zusammenhängen wieder auszugrenzen. Im Sinne medialer Wirkung und Massenkompatibilität – im Sinne der Mehrheitsgesellschaft halt. Das mag sich auch Unsicherheit und Überarbeitung verdanken. Es nervt trotzdem.

Dass grundsätzliche Hinweise auf unhintergehbare Regeln in der Antidiskriminierungsarbeit, so scheint es mir, hintenrum als Gezicke, Generve und Diva-Allüren ausgelegt werden und Platzhirsche zumindest so wirken, als würden sie sich dadurch bedroht sehen, nervt auch. Und so Doppelbödigkeiten in Kommunikationen enstehen, die jeder kennt, der sich in Antidiskrimierungsarbeit aufreibt. Weil die typisch sind. Und, ja, es gibt auch doofes Konkurrenzverhalten zwischen Männern. Auch von meiner Seite.

Dass aber auch Angebote zur Aussprache nicht angenommen werden, das ist problematisch, sonst würde ich jetzt nicht darüber bloggen.

Das macht aber auch deshalb Sinn, das zu tun, weil es ja nicht primär um Personen geht. Sondern, weil die Kommunikationen rund um Antidiskrimierungsarbeit selbst zentrales Element dessen sind, was Wandel bewirken könnte, aber wegen beleidigter Mehrheitsgesellschaftler oft vergiftet wird.

Wo deren Empfindlichkeiten dominant werden, da droht Ausschluss. Ist so.

Und man dann fassungslos zusieht, wie anschließend No Gos wie weiße „Gospelchöre“ mit ein paar wenigen schwarzen Frauen im Hintergrund in zweiter Reihe, aber mit einem weißen Mann ganz vorne, bei Facebook von allen geteilt werden. Man vergreift sich nicht mal eben so an einem Kernbestand der Kultur von Black Communities und macht sie sich so zueigen. Gerade der Gospel ist derart mit der Geschichte der Sklaverei verwoben, dem mit geschichtsloser Eingemeindung zu begegnen ist, das ist einfach krass. Diese Geschichte thematisiert man und überschreibt sie nicht. Selbst wenn das nur bei Facebook so heißt.

Es gibt da weiterhin erschreckende Informationsdefizite in „der Fanszene“ nach Jahrzehnten der Antirassismusarbeit am Millerntor. Da muss echt noch höllisch was getan werden. Das geht einfach nicht, dass sich da nur Einzelne auf dem Laufenden halten. Das geht auch nicht, das denen, die auf Bühnen agieren, zu überlassen, die reiben sich ja eh schon total auf. Da müssten mindestens zehn Leute sofort und automatisch eine Debatte anzetteln, ganz von selbst.

Dann sieht man das und schweigt zunächst lieber, als nun wieder als die Diva vom Dienst zu gelten. Auch ein typischer Mechanismus. Es gibt immer Saures, spricht man so was an. Es wird immer alles so fürchterlich kompliziert, also zieht man sich zurück.

Die Reaktionen Einzelner (!!) waren mir drastisch genug, dass ich mich aus dem 1910-Museumsverein lieber wieder raus gezogen habe, trotz der vielen tollen Leute da, trotz Michael Pahl und Roger Hasenbein. Und da bin ich nicht der einzige.

Da muss sich im Gremiendschungel schon überlegt werden, wer integrativ wirkt und wer nicht und wer Vereinsmeierei und eigenes Machtspiel im Ehrenamtlichenbereich (!!!) vor die Sache schiebt. Trotz der Aufopferung, die alle leisten.

Und auch, welche Tätigkeiten mal lieber bezahlt werden sollten. Ehrenamt kann auch in Ausbeutung münden. Dass Leute nicht mehr dazu kommen, Geld zu verdienen, ist auch ein No Go.

Und in einem Verein, wo halbe JHVs einen Präsidenten nieder buhten, der wagte, darauf hinzuweisen, dass er schwul ist und dass das in seiner Sicht auf die Welt eine Rolle spielt, ist es auch nicht so einfach, wie es manchmal scheint, nun immer wieder die Hose runter zu lassen, was ja keine Hete je zu machen braucht.

Das wird chronisch vergessen, dass Diskrimierungserfahrungen NICHT berichtet werden, weil mensch sich interessant machen will oder „selbst opferisieren“ oder andere „erpressen“ – mensch will, dass sie ausbleiben. Und gibt dabei jedes Mal etwas preis, das Andere problemlos für sich behalten können. Das macht nicht automatisch Spaß, und noch der übereindeutigsten sexualisierten Selbstdarstellung auf CSDs spürt man an, was es heißt, sich über Sexualität in einer Kultur definieren zu müssen, wo andere heiraten und Taufen veranstalten und 99% des Fernsehprogramms für Heterosexuelle nicht als „Sexualität zur Schau stellen“ gilt. Gerade das Demonstrative als Antwort ist ein „OBWOHL ihr mich bedroht, zeige ich es. Auch WENN ich eure heile Hetenwelt störe, reiße ich jetzt Sex-Witzchen. Gerade deshalb.“

Gerade wegen solcher Ambivalenzen dann, wenn man mal tiefer rein geht in die „fanszenenimmanenten“ Kommunikationszusammenhänge, haben mich diese Facebook-Pamphlete nach den Pfiffen gegen die „Nazischwein“-Rufe so nachhaltig schockiert.

Es gibt ja nix Unpolitischeres als ein pauschales „Gegen Nazis!“, von Horden weißer Deutscher gerufen. Das ist in Deutschland die Garantie dafür, dass auch ja alle ausgegrenzt bleiben, die es eh schon sind – nämlich die tatsächlichen und potenziellen Opfer der Nazis, die ja in Deutschland allesamt weiter der Diskriminierung unterliegen.

Die sich nicht mal eben den Iro abschneiden und den Anzug anziehen können. Die nicht vieles verstecken müssen, bevor sie sich zeigen.

Das ganze mündet dann nur in die übliche, deutsche Selbstbespiegelung, und PoC-Freundinnen von mir können immer noch nicht ungefährdet ins Stadion gehen.

Wo zwar alle für Refugees fighten, aber der Alltagsrassismus trotzdem wuchert. PoC-Frauen gegenüber am stärksten. Polizeigewalt erliegen eher die Männer, die Frauen kriegen alltäglich von Mitmenschen einen verpasst.

Dieses Wegdrücken anderer Erfahrungen, die noch als „Erpressung“ rezipiert werden, passiert erfahrungsgemäß gerade da besonders krass, wo alle sich „gegen Nazis“ wähnen. Bei denen selbst ist es allerdings noch schlimmer.

Wenn dann noch von allen in Social Media relevanten Fan-Organisationen differenzierten Sichtweisen auf Rufe und Pfiffe mit Ausschlussdrohungen begegnet wird – viele Pfeiffende hatten z.B. die Sicht, dass es gerade kontraproduktiv für jene in Cottbus ist, dje sich gegen Nazis sperren, als „Nazischwein“ beschimpft zu werfen – und aus dem eigenen Fanclub Kritik daran als „Ausfälligkeiten“ gebrandmarkt, somit als eine Form der Beleidigung gewertet wird, dann ist das nicht trivial. Eigentlich kann man dann nur noch die Flucht ergreifen. Und weiß auch, wer sich schon darüber freut.

Dann spritzt genau jenes Gift, das so unerträglich typisch deutsch ist: Dass sich all die „Antifaschisten“ von links bis rechts, da gibt es die seit Franz-Josef Strauss ja auch, an die Stelle der Opfer setzen. Um sich mit denen und deren „erpresserischem Potenzial“ nicht mehr herum schlagen zu müssen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwie habe ich bei Präsidium und Geschäftsstelle derzeit ein deutlich besseres Gefühl als bei „der Fanszene“.

Wie ausdifferenziert diese ist, vergesse ich dabei selbst zu oft. Dafür sorry.

Bestandsaufnahme

Ja, ich bin viel zu lange im Zentrum mit geschwommen und habe mir den Kopf anderer Leute zerbrochen, die dann innerhalb der Institutionen befördert wurden, während ich immer härter am Limit segelte und mich selbst lieber an den Rand drängte. Weil die Zentren so unendlich grausam sind.

Trotzdem: In dieser Stadt, diesem Land stimmt ja nix.

Die Universitäten völlig verschult, Anstalten, das Denken auszutreiben seit der Einführung von „Bachelor“, Master“, „Bologna“ und jenseits der Reflektion verortet – im besten Fall üben noch Befristete für Hungerlöhne Kritik am Neoliberalismus in anderen gesellschaftlichen Bereichen, dem sie doch selbst unterworfen sind. Aber trauen sich natürlich nicht, Strukturen beim eigenen Brötchengeber öffentlich zu benennen.

Die Kämpfe der linken Szenen haben nachhaltig vor allem „Wohnraum für uns“ bewirkt – Hafenstraße, Gängeviertel, Bauwagenplätze, Flora ist noch insofern die Ausnahme, weil da ja jede Menge veranstaltet wird -, Flüchtlinge werden aber immer noch abgeschoben.

Trotzdem wird der eigene Widerstand derart glorifiziert, dass zwar keiner mehr weiß, wer nun eigentlich in den Lichtenhagener Häusern lebte und wie die das alles wahrgenommen haben, aber die Antifa hat sie gerettet.War ja akut auch gut und richtig so. Aber darüber hinaus?

Nazis gibt es immer noch verdammt viele. Ja, sie sind sogar auf dem Vormarsch, zum Beispiel in Stadien. Vielleicht ja auch, weil man sich in Deutschland bis heute so völlig fasziniert von den Nazis zeigt, dass man völlig vergessen hat, was jenseits von ständig formal proklamierten „Rechtsstaat und Demokratie“ so alles derart cool sein könnte, dass die Nazis schlicht unattraktiv und lächerlich wirken. Vergessen wird, wovon man sonst noch lernen könnte als aus der eigenen Naziaustreibungsgeschichte. Wie wäre es mal auch nur ein ganz klein wenig der Beschäftigung mit dem reichen Erbe jüdischer Kultur in Deutschland? Ist interessanter als die Geschichte der „Antifa“.

Der Großteil derer, die in der „linken Szene“ aktiv waren, haben sich in ihren Nischenökonomien eingerichtet oder sind in Mainstreammedien und Werbeagenturen gewandert (ich ja auch, obgleich ich nie wirklich Teil der „linken Szene“ war, eher Teilzeit-Peripherie) und verkleben ergänzend mit ehrenamtlicher Arbeit noch jene Bereiche, in die mal allmählich Geld fließen sollte. Sorgen mit letzterem dafür dafür, dass ökonomisch relevante Strukturen gar nicht erst entstehen können, sondern das punktuelle Spenden allenfalls über die Runden helfen. Dass zudem gesellschaftlich relevante Bereich weiterhin als jene gelten, die man sich irgendwie in Güte umsonst holen kann. Du, ich hab da sogar ’nem Schwulen zugehört. Ja, es gibt jetzt „Crowdfunding“ und so, aber selten für den Aufbau tatsächlich alternativer Strukturen, sondern vor allem projektbezogen. Und es gibt Off-Thater-, Galerien und so. Ja. Aber nimmt die wer wahr außerhalb des eigenen Dunstkreises?

Es gibt allerlei „Gründerhilfe“ – habe ich selbst in Anspruch genommen, bekam ich, weil ich „Eigenkapital“ aufbringen konnte, weißer Cis-Mann bin, bildungsbürgerlich geschult – und sie nahmen höhere Zinsen als die Commerzbank. Und ohne „Eigenkapital“ geht nix.

Universitätsprofessoren machen derweil dergestalt dem Nachwuchs Mut. Heroisierung des Scheiterns statt Klassenkampf, sozusagen.

Oder man hängt sich an die ganz Großen und verreckt in Abhängigkeit von Telekomm, NDR und Co.

In den ganzen Gründerberatungen sitzen dann vermutlich alte, resignierte Säcke wie ich, die irgendwann fest stellten, dass sie sich auch überangepasst und bis ins Burnout oder nahe dran aufgerieben haben und der Preis, mal was Anderes oder Neues zu versuchen, verdammt hoch ist. Weil immer die Attacken fahren, die es sich gemütlich im Halbgaren eingerichtet haben und ihre Mittelmäßigkeit verteidigen. Oder sie haben ihre gemütliche Nische gefunden und bewerten Andere. Oder sitzen da selbst auf  einer ABM-Stelle.

Und alles wurschtelt parallel, nicht aufeinander bezogen. Die Gay Community und „migrantische“ Strukturen haben sich abgekoppelt und pflegen eher Parallelökonomien, was auch daran liegt, dass grundsätzlich in den Zentren weiße, männliche (im Kulturbereich auch weibliche, da lässt man sie ja ran), heterosexuelle Platzhirsche den Weg versperren und alles, was ihre Hegemonien infrage stellen könnte dann, wenn es sich nicht paternalisieren lässt, bekämpfen und ausgrenzen. Machen ach so wohlwollend die Anderen zum Thema, verweigern aber, dass man auf sie selbst mal blickt. Kritik wird dann als ungebührlicher, persönlicher Angriff ausgelegt, blödes Generve von Vollzeitzicken und „Trouble Makern“, die sich ja angeblich nur davon nähren, sich ständig über irgendwas aufzuregen, was da gar nicht sei.

Alle Sparten nebeneinander her. Zwar werden Saxophonisten und DJs für Vernissagen gebucht, aber die Hochschule für Musik und Theater ist nicht vernetzt mit der Hochschule für bildende Künste, und lediglich das Stichwort „Medien“ kann gelegentlich eine Brücke schlagen, wo aber leicht die von Supremacy sich nährende „Wissenschaft“ Blickumkehren verweigert und parallel die „Macher“ sowieso diesen ganzen reflexiven Unsinn umgekehrt für obsolet erklären. Weil er im besten Falle ihre Praxis gefährden könnte. Was er aber gar nicht mehr tut.

Vereinzelt kümmern sich dann Großbürger paternalisierend um die Abgehängten und fördern punktuell „Hip Hop Theater“ und so was für Wilhemsburger Kids, aber bestimmt nicht unter der Regie von PoC, die mal die Blickumkehr auf Weiße vollziehen.

Dabei ist das, was ständig weg geschrieben wird, nämlich Critical Whiteness, in letzter Pointe die Befreiung vom Dünkel, von Supremacy (die Rechtschreibprüfung wollte da gerade „Supermacht“ draus machen). Haltungen, die in deutschen Kulturen und Institutionen, ganz gleich, ob Kunst, Theater, Universitäten, Medien, Banken eingeschrieben sind wie etwas, das Luft, Denken und Adern abschnürt.

Nimmt man CW hingegen ernst, ergibt sich ein Denk- und Handlungsspielraum für alle, und eben vor allem auch endlich mal für PoC und andere Ausgegrenzte, der gerade die permanent aufrecht erhaltenen Trennungen der verschiedenen Bereiche und gesellschaftlichen Subsysteme aufzulockern vermöchte jenseits dieses ewigen Sich-über-Andere-Erhebens.

Ja, ich habe oben auch die Kritik der Mittelmäßigkeit in Supremacy-Haltung formuliert, meine damit aber dieses DDR-Prinzip, dass jeder, der den Kopf raus streckt und mal was anderes versucht, mit Sicherheit einen Kopf kürzer gemacht wird von Vertretern in Großorganisationen oder solchen, die irgendwas schon immer so gemacht haben.

Was stattdessen Not täte, sind Intermedialität und Intersektionalität.

Das machen aber nur wenige. Es gibt kaum künstlerischen Journalismus, obgleich man sich doch mit „Medienkunst“ tot schmeißen kann – dass Verkaufsausstellungen der Galerie „Affenfaust“ wirken wie Formatfernsehen, wo jeder versucht, sich eine marktfähige Nische durch Ausarbeitung einer wiedererkennbaren Technik anzueignen und auszuarbeiten, das merkt aber keiner oder weiß es und glaubt nicht mehr an Alternativen.

Und verschiedene Diskriminierungs- und Ausgrenzungsformen mal systematisch aufeinander zu beziehen, dass das möglich ist, wurde zwar hier und da erkannt, aber außer Ausnahmen wie der Hamburger Queer AG zieht das doch kaum wer durch und alle bleiben unter sich. Oder habe ich was Wichtiges übersehen?

Es gibt Filme ÜBER Musik und Theater; da, wo zusammen gedacht würde, bricht zumeist Häme aus. Z.B. das Musical ist ja eigentlich eine Form, die wenigstens ein paar Grenzen einzustoßen vermochte, „Cabaret“, „Rocky Horror Picture Show“, hier überlässt man die übergreifenden Formen den Busreisenden und guckt stattdessen Kraftclub. Während die Oper sich musealisiert (ja, auch da gibt es Versuche, das zu ändern, in Off-Szenen).

Alles, wo mal irgendwo eine Grenze eingerissen wird, wird sofort wieder weiß und heterosexuell dominiert, und dann steht wieder Jan Delay vorne und die schwarzen Backgroundsängerinnen singen dahinter viel besser.

Wie bekommt man denn da mal Bewegung rein? Ja, ich habe es in meinem Feld versucht, aber gegen das Wirtschaften von Familienvätern, die alles zur paternalistischen Sauce mit sich im Mittelpunkt verrühren, will man auch nicht immer ankämpfen müssen.

Ich nehme die Millionenspenden gerne entgegen, um ein „House of Diversity“ zu gründen. Zusammen mit Frauen und PoC. Intermedial, intersektionell.

Einer der Kardinalfehler ist doch diese linke Verachtung des Geldes. Anstatt mal zu überlegen, wie man dafür sorgt, dass auch was damit angefangen wird, was nicht „Abschiebung“, „Ausgrenzung“, Paternalisieren und Depotenzieren bedeutet. Es ist doch Quatsch, sich auf die eigene Bescheidenheit etwas einzubilden. Luxus für alle kann doch nur Ziel sein.

Her damit! Für alle!

Und als allererstes für Refugees! Die uns ja die ganze Zeit vormachen, wie es geht, trommelnd, malend, mit Jelinek-Stück und dem Beharren darauf, nicht Objekt und Bittsteller zu sein. Mit Blickumkehr, einem Politikverständnis, dem man folgen möchte und viel Kreativität.

So was wird aus Hamburg zugunsten der Elbphilharmonie abgeschoben, um als Hauptstadt der Stagnation und zementierten Grenzen kulturell abzusterben.

Freedom now!

Auf dem Cover sind vier weiße Menschen in einem Kochtopf auf einer Feuerstelle abgebildet. Ein in Blackface-Manier, also schwarz bemalter Weißer stakst unbeholfen mit einem Messer in der Hand auf die Gruppe zu. Die “kannibalistische” Bildbotschaft ist eindeutig. Ein Blick auf die Homepage der Band versucht einen literarischen Bezug mit dem Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann herzustellen. Sich diesen Zusammenhanges bewusst, erinnert Knorkator damit an die Geschichte der drei weißen Jungen, die einen M* ärgern und zur Strafe in ein Tintenfass gesteckt werden, um noch schwärzer als der M* gemacht zu werden. Die subtile Botschaft hinter der vermeintlich gut gemeinten Moral dieser Geschichte: Es ist eine Strafe, schwarz zu sein. Tagtäglich sind Schwarze Menschen mit kolonialen Darstellungen konfrontiert, die rassistische Klischees und Stereotypen aufrecht erhalten. In Zeitungen, Büchern oder Filmen begegnen sie schwarz geschminkten Menschen mit Knochen in den Perücken, knallrot bemalten Lippen und weit aufgerissenen Augen. Neben der Darstellung des N* steht auch die des M* für eine Abwertung Schwarzer Menschen. Als Begriff war er von Anfang an negativ belegt und versinnbildlichte den unterwürfigen, versklavten, afrikanischen Diener.

Habe gerade eine Tagung erlebt. Durfte sogar referieren. Ich sag nicht, wann und wo, das ist zweitrangig. Ich will da niemand einzelnem was.

Wichtig ist, was man als „Rockism“ bezeichnen kann – jene Musikgeschichtsschreibung und jener männliche Habitus, die sich einbilden, die Geschichte der Rockmusik habe mit Bill Haley begonnen. Sei dann vom elektrifizierten Dylan, den Beatles, den Stones, Psychedelic, Led Zeppelin, Bowie, AC/DC, Punk, Grunge und Hamburger Schule fort geschrieben worden und habe sich noch in Alternative, Hardcore und bei Thees Ullmann heroisch gegen – ich zitiere einen Autor, der das einst ausgerechnet auf Wham! textete – „Gleitcreme-Pop“ und andere „Fließbandmusik “ heroisch behauptet. Passen ja auch Knorkator dazu. Habe gerade noch mal rein gehört – mehr als 30 Sekunden habe ich nicht ausgehalten.

Es gibt einen wundervollen Track von den Pet Shop Boys: „That’s how I learnt to hate Rock’n’Roll“.

Das ist gegenüber Chuck Berry und Little Richard tatsächlich ungerecht. Die zwei wurden auch prompt in der Diskussion angeführt, als ich diese krude Popmusikgeschichtsschreibung kritisierte und einen Gegenkanon forderte – Jazz, Gospel, Blues, Cole Porter, Soul, Aretha Franklin, Stevie Wonder/Curtis Mayfield/Gil Scott Heron, Philly Sound, Disco, Reggae, Synthie- und New Pop, HNRG, House, Hip Hop, R&B.

So detailliert kam ich gar nicht dazu. Vorher schon nickten sich zwei weiße Männer zu, das sei ja wohl Old School, Rockmusik auf „weiß-hetero-männlich“ herunter zu brechen. Alles ausdikutiert, Schluss, aus. Alles schon erzählt, vorbei und überholt. Von wem erzählt und ausdiskutiert, das berichteten sie nicht.

Am Tag zuvor war ein Vortrag zu hören gewesen über vom Rock’n’Roll inspirierte Teenie-Filme in Deutschland und Frankreich. Von Little Richard und Chuck Berry war da keine Rede gewesen. Aber von Peter Kraus, Horst Buchholz und James Dean und davon, wie weiße Kids mit dem im Vortrag voll ausgesprochenen – „Diktion jener Zeit“ – N-Wort verglichen worden seien. Obwohl sie doch ganz sittsam getanzt hätten. Das wurde in Filmausschnitten gezeigt. Empörung und Süffisanz zog nicht primär nach sich, mit was für kruden Vorstellungen Schwarze überzogen wurden, sondern, dass man diese Vorstellungen auf weiße Jugendliche bezogen habe. Und DEREN Befreiung infolge war Thema. Referiert wurde eine ganz interessante Unterscheidung zwischen „Takt“ als kultiviert und „Rhythmus“ als „urwüchsig-körperlich“ (nicht wörtlich) im Diskurs der 50er. Und zum Glück für die weiße Musikgeschichtsschreibung kam dann ja Dylan, versorgte die Jugend wieder mit Taktgefühl, auf dass man Chuck Berry und Little Richard nur noch zum Derailing erwähnen brauchte und Big Mama Thornton schon mal gar nicht. Und seltsam, die Jugendlichen im Film hätten doch zu Jazz getanzt, gar nicht zu Rock’n’Roll. Trotz Vorgeschichten im Jitterburg und Swing-Phrasen im Saxophon-Solo inmitten von Billy Haley-Songs wurde an der Zäsur Rock’n’Roll fest gehalten. Habe ich früher ja auch. Bin ja auch weißer Cis-Mann.

Vorher durften die Versammelten einem US-Professor lauschen, der u.a. über „Gimme Shelter“, jene „legendäre“ Documentary über den Auftritt der Rolling Stones beim Altamont-Festival 1969, sprach als Form des „Direct Cinema“. „Legendär“, weil während ihres Auftritts vor der Bühne ein schwarzer Konzertbesucher von einem Hells Angel, die als Ordner Unheil anrichteten, erstochen wurde.

Die Szene, da Alan Passaro das Messer in die Luft reckte hinter Meredith Hunter, bevor er es in dessen Körper stieß, wurde als Still mehr als 10 Minuten im Rahmen einer Power Point-Präsentation auf eine Großbildleinwand geworfen. Später wurde die Tat als „Notwehr“ gewertet; Meredith Hunter, ich meine, seine Freundin neben ihm war weiß?, habe versucht, unter Drogeneinfluss mit einem Revolver auf die Bühne zu gelangen, so wurde behauptet.

Darüber redete der US-Professor aber gar nicht. Ein Bild, da ein Rocker einen Schwarzen ersticht, wurde wie zur Dekoration vor einem weißen Publikum ewig an die Wand projiziert. Thema war lediglich die Erzählweise des Films.

Danach: Ein Vortrag über Grunge. Anhand des Films „Singles“ folgte die Ausführung, dass dieser die Domestizierung und Verbürgerlichung eines Wild Styles mit Hollywood-Mitteln vollzogen habe. Um das zu belegen, wurden Fotos von headbangenden, weißen Musikern neben die „braveren“ Inszenierungen aus dem Film projiziert. In der Diskussion fällt die Behauptung, 1992 habe es keine hegemoniale Kultur mehr gegeben. Zu der Zeit der L.A. Riots also, Aufständen gegen Polizeigewalt und einer nach dem Ende der Segregation einsetzenden gezielten Verelendungs-, Kriminalisierungs- und Inhaftierungspolitik gegen die schwarze US-Bevölkerung. Zu der Zeit, da Snoop Dog medienwirksam verhaftet wurde und der „Gangster-Rap“, Mitte der 80er Jahre enstanden, massenwirksam wurde. Ja, erst dann. Und ja, oft besonders stark von einem weißen Mittelklassepublikum rezipiert.

Next Day. Auf meinen Vortrag darüber, dass Prozesse in institutionellen Ordnungen, nicht Individuen kulturelle Produkte hervor brächten und je nachdem, wie die Sozialstruktur in diesen Ordnungen beschaffen sei, dies zu Verzerrungen und Ausgrenzungen führen könne in der Darstellung der sozialen Realitäten, die Sujets in diesen Produkten sind – und dass eine dieser Verzerrungen, Weglassungen, Ausgrenzungen bewirkende institutionelle Ordnung weiße, heterosexuelle und männliche Dominanz sei -, folgt ein Vortrag über Laibach.

Laibach wird in der slowenischen Kunstszene verortet als ein Spiel der „Überaffirmation“ totalitärer Ästhetiken, die den, der damit konfrontiert würde, dann hilflos und irritiert zurück ließen. Ausschnitte aus einem stalinistische Sowjet-Propaganda reproduzierenden Film sind zu sehen. Das Publikum lacht wissend. So was kennen sie. Köstlich. Gegen Nazis!

Der Vortragende führt aus, dass Laibach ein im antifaschistischen, jüdischen Widerstand entstandenes Symbol aus vier Äxten von John Heartfield in ihre „Überaffirmation“ totalitärer Ästhetik integriert hätten.

Ein anderer Künstler aus Slovenien hätte in Nigeria tatsächlich 15.000 Pässe einer fiktiven Republik an Menschen verscherbelt. Das Publikum lacht. Witzig.

Draußen jagt die Polizei die lampedushh-Gruppe.

Frage aus dem Publikum, sinngemäß: Habe die faschistoid inszenierte Männerbündlerei von Laibach nicht was mit Homosexualität zu tun?

Außer mir opponiert keiner.

Nächster Vortrag: Konzertfilme über Prodigy und die Chemical Brothers. Der Referent hatte mich immerhin vorher für meinen Vortrag gelobt. Sehe der Verrockung der Dancefloor-Szenarien zu. Deren Errungenschaft bestand u.a. darin, dass nicht irgendwelche Macker auf der Bühne in ihre Gitarren wixten, sondern die Crowd selbst, jede Tänzerin, jeder Tänzer, der Star war. Wie schon zu Disco-Zeiten, als häufig Marginalisierte und mehrfach Diskriminierte, LGBT-Latinos und -Schwarze, das einzige, was temporär ihnen gehörte, auf den Tanzflächen der Gay-Clubs zelebrierten: Ihren Körper.

Prodigy haben das aufgehoben und setzen auf Stadionrock. Publikum ist auch zu sehen..

Diskussion wieder mit dem US-Professor: Sollte man Dokumentarfilme über Musik nicht generell „Rockumentary“ nennen – als Überbegriff für alle populäre Musik?

Gehe ins Raucherzimmer und fluche unaufhörlich. Zetere. Wettere. Fühle mich fast beschmutzt, dass mir und meinen musikalischen Welten so ein Etikett angeklebt werden soll. „Rockumentary“ für Filme über Soul und House?

Finde immerhin Zuhörer. Es zogen sehr, sehr viele nicht mit. Wir surften gemeinsam melancholisch durch Paralleluniversen.

Manche aber mögen mich jetzt nicht mehr.

Und dann lese ich, zu Hause auf dem Sofa, dieses erbärmliche Statement von Knorkator. Rocker, die mit üblen Stereotypisierungen aus der rassistischen Mottenkiste, ausgerechnet Struwwelpeter, der schon in den 70ern als miese Propaganda für Kinderköpfe auf den Müll gewandert ist, herum hantieren und sich fürchterlich verunglimpft fühlen, wenn sie freundlicherweise darauf hin gewiesen werden, was sie da treiben. Anstatt sich zu bedanken und derartigen Scheiß in Zukunft einfach bleiben zu lassen. Vor unterschwelligen Drohungen gar schrecken sie nicht zurück – das sei ja wohl für beide Seiten nicht gut, schreiben sie und sehen sich stereotypisiert. Wie man in den Wald ruft …

Als sei nicht offenkundig, für wen Rassismus nicht gut ist.

Freedom now!

Ich will eine Welt, in der das alles anders ist!

Eine In der alle bell hooks lesen, verstehen, in der Diversity möglich ist und nicht nur behauptet wird.

Im Büro, da geraucht wurde, läuft Jazz. Einer der Veranstalter legt mir eine Aufsatzsammlung auf den Tisch mit dem Titel „Respekt!“. Aufsätze über Archie Shepp, Gil Scott Heron und andere. Erzählt von Diskussionen in Südafrika – nein, keine unter Buren, die „überaffirmierend“ inszenierte Appartheids-Propaganda vor weißem Publikum vorführen und einverstanden herrlich finden. In der dann noch Symbole des Widerstands verhackstückt werden. Nein, andere Dislussionen.

Man tauscht Telefonnummern aus.

Es gibt Hoffnung.

PS: Oder auch nicht. Bis auf eine Person waren keine PoC bei der Veranstaltung. Same danger, as it ever was.

Danke, Dieter Hildebrandt!!! R.i.P. .

Es wurde ja wirklich vieles nicht besser. Im Westen zumindest.

Was heute gestorben ist, das ist auch eine der wortgewaltigsten und virtuosesten Stimmen der „alten Bundestepublik“. Das ist die Gefahr, wenn einem die Nachricht vom Tode eines großen Künstlers derart in den Magen rammt, dass man, also ich, kurz heult. Lese ich bei Twitter und Facebook, ging es wohl vielen so. Dass dann so ein blöder „Früher war alles besser“-Diskurs startet, das ist die Gefahr.War es manches aber.

Dass ein 86jähriger stirbt, das ist der Lauf der Dinge. Dass dieser 86ährige stirbt jedoch, das macht so überdeutlich, was schon länger einfach schmerzlich fehlt.

Ist zwar nicht so, dass es zu seinen Glanzzeiten nicht auch Fips Asmussen, Willy Millowitsch und andere Albernheiten gab. Schlimm ist, was dafür sorgte, dass solche wie er zunehmend marginalisiert wurden, Mario Barth stattdessen Stadien füllt und die Titanic fast nur noch als reaktionärer Herrenwitz über eh schon Diskrimierte funktioniert.

Dieter Hildebrandt stand auch dafür, die von den Nazis unterbrochene Tradition des Weimarer Kabaretts und der „Weltbühne“ in „Kleiner Freiheit“ und „Lach und Schießgesellschaft“ irgendwie fortzusetzen mit anderen Mitteln. In der „Kleinen Freiheit“ hat Hildebrandt angefangen, traf Menschen wie Erich Kästner, der der Verbrennung seiner eigenen Bücher beiwohnte und das „3. Reich“ nur deshalb überlebt hatte, weil er in Unterhaltung machte und kein Jude war. Die „Kleine Freiheit“ hieß das Kabarett, weil es die große Freiheit nach dem Krieg dann doch nicht geworden sei … da lebte fort, freilich „ideologisch“ stark entschärft, die Tradition eines Erich Mühsam, eines Walter Mehring, eines Kurt Tocholsky, eben jener „verbrannten Dichter“, die heute kaum noch wer kennt, um sich ganz Thomas Mann und Ernst Jünger hinzugeben. Auf dem Theaterschiff von Heiko Schlesselmann wird sie zum Glück gepflegt.

Hildebrandt hat nicht im Chanson- oder Gedichte-Fach geglänzt und doch eine derart ausgefeilte Performance-Prosa auf die Bühne gebracht, dass ihn manch einer heute vermutlich gar nicht mehr verstehen würde. Bei Scheibenwischer-Sendungen gab es, so hörte es sich an, offenkundig eine Art Wettbewerb im Publikum, möglichst laut einverstanden lachen als der, der die Pointe zuerst verstanden hat. Nach manchem wohl versteckten Florettstich oder raffinierten Aufwärtshaken war oft ein, zwei Sekunden Stille, bevor die Pointe sich erschloss. Das würde öffentlich-rechtlichen Redakteuren heute die nackte Panik in die Knochen treiben.

Das geschah jedoch auch damals: Hildebrandt wurde, las ich soeben, während des Wahlkampfes 1980 von der Mattscheibe verbannt. Das war jener, da Franz-Josef Strauß für die Kanzlerschaft kandidierte. Wir trugen Aufkleber mit „Ich bin eine Ratte“, da Strauß politische Gegner als „Ratten und Schmeißfliegen“ zu beschimpfen pflegte. Auch Bonmots wie „Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder“ seinerseits haben sich mir eingeprägt.

Hildebrandt beherrschte die Kunst, solche wie Strauss bis kurz vor der Demütigung zu sezieren. Kanonaden von Wortwitz und in Stammeln verborgene Schärfe und vor allem auch profunde Recherche und breites Wissen zerlegten den, über den gewitzelt wurde, in eine Art Ragout der Lächerlichkeit. Das war nicht liebevoll, aber es saß. Während heute als Satire verkauft und verteidigt wird, jedes noch so diffamierende Klischee über Minderheiten und eh schon Deklassierte aufzuwärmen, bis es verbrannt stinkt, hat Hildebrandt sich noch mit den tatsächlich Mächtigen angelegt. In einer Zeit wohlgemerkt, da es nur 3 Programme gab und Aufmerksamkeit leichter zu erzielen war. Hildebrandts Pointen nach der „Wende“ 1982 gegen das „Genschern“, Wendungen um 180 Grad, waren für meine politische Sozialisation vorbildlicher als die Politik von Helmut Schmidt, der damals gestürzt wurde. Hildebrandt ist ein Stück eigener, politischer Biographie wie sonst kaum einer. Nicht nur für mich, für viele.

Aber Helmut Kohl hat natürlich nicht nur Schmidt und Strauss, sondern auch Hildebrandt besiegt, als er mit politischen Freunden das Privatfernsehen aus der Taufe hob. Was Lederhosen-Pornos und „Volks“theater nicht gelang, das schafften später wohl unfreiwillig Wiegald Boning und Olli Dittrich.

Da war was los m deutschen Feuilleton! „Die Doofen“ und „RTL-Samstag-Nacht-Show“ gegen vermeintliche Belehrung, die doch nur Aufklärung war. Im Siegestaumel über diese vermeintlich didaktische Linke herfallend, schruben Schmierfinken das klassische, politisch-lietrarische Kabarett nieder und vollzogen erneut mit harmloseren Mitteln, was schon der Bücherverbrennung gelungen war. Fast wiedergängerisch entlud sich der Konflikt noch einmal in einer ZDF-Sendung namens „Unsere Besten“ in den Nuller-Jahren, da ausgerechnet „Palim-Palim“-Didi-Hallervorden über nun allerdings zurecht Oliver Pocher her fiel und diesen Streit „Comedy“ versus „Kabarett“ noch einmal aufwärmte. Meines Wissens war Hildebrandt selbst das zu doof, diese Auseinandersetzung überhaupt zu führen.

And the winners are: Mario Barth und Harald Schmidt. Über ersteren braucht man kein Wort zu verlieren; der Thomas Bernhard-Schüler Schmidt führte hingegen sie wieder ein, die Minderheitenwitze. Zuerst gegen die Polen. Er, der sich so auf David Letterman bezog und auf den sich dann ihrerseits all die noch nicht mal Zyniker wie Stuckrad-Barre beriefen, über den sich noch jene entlasteten, die es besser wussten, schillert heute mit zwischen den Zeilen. Gefaket diabolisch.

Dabei ist erstaunlich, schaut man sich heute alte Scheibenwischer-Sendungen an, wie stark manches an US-Stand Up-Comedy erinnert.

In den 90ern wurde halt aus House und Techno Ballermann, aus Politik Pop und aus der Bundes- die „Berliner Republik“ samt ihrer schmierigen Hauptstadt-Journaille und den allseits regierenden, überangepassten Kohl-Kindern und ihrer selbstgefälligen Technokratie.

Eine „Scheibenwischer“-Sendung hat sich mir nicht zufällig besonders eingebrannt. Da sang Konstantin Wecker „Renn lieber renn“, es muss um 1985 gewesen sein. Das war das Jahr, da mit Richard von Weiszäcker erstmals, 40 Jahre nach Kriegsende, ein hochrangiger Politiker überhaupt erwähnte, dass auch Homosexuelle im „3. Reich“ verfolgt wurden. Joachim Gauck würde es bestimmt schaffen, irgendeinen Diskurs zu begründen, dass gerade WEIL es das „3. Reich“ gegeben habe, man nicht widerstandslos Homosexuellen einfach so Rechte zugestehen könne (obwohl der, glaube ich, gar nichts gegen uns hat, aber wenn Merkel ihn freundlich bittet und es irgendwie gelingt, es mit einer Totalitarismus-Theorie zu verbinden, die die „Mitte“ rein wäscht, wird er das schon ändern).

Habe in den Wecker-Song eben noch mal rein gehört und dachte nun selbst schon „Oje, nach all den Jahren bestimmt schlimm“. Fand ich aber gar nicht. Das ist schon der Versuch der Einfühlung statt der „Toleranz“. Damals, als ich noch zu Schule ging, war es befreiend, das zu hören. Ungemein befreiend. Dieser Welt gab Hildebrandt eine Bühne.

Ich glaube, dass da der Grund für die ja allseits fühlbare Erschütterung angesichts des Todes von Dieter Hildebrandt verborgen liegt.

Dieses Wissen noch bei all denen, die es vollbrachten, dass für das komplette Plattmachen der alten BRD-Linken ein verdammt hoher Preis zu zahlen war.

Weil da auch nicht alles nur schlecht war.

Wenn ein Gigant wie Dieter Hildebrandt stirbt, dann fällt das plötzlich wieder auf.

Die Refugees antworten Mr. Hyde

Aber es geht um alle von uns, es geht um eine Gruppenanerkennung. Wir haben alle eine gleiche traumatische Geschichte in gleicher Zeit, die von Libyen nach Lampedusa und Italien geführt hat. Dort wurde dies bereits anerkannt. Wir sind Europas anerkannte Flüchtlinge und brauchen das Recht, leben und arbeiten zu können. Seit fast 3 Jahren sind nicht nur wir, sondern auch unsere Familien in großer Not. Wir kämpfen für unser Recht, unser Leben neu aufzubauen. Dafür steht unsere Gruppe der libyschen Kriegsflüchtlinge „Lampedusa in Hamburg“. Das haben wir immer gesagt. Wir haben auch gesagt, dass jede Hilfe, Unterstützung und Rat willkommen ist. Aber wir mussten auch immer wieder klar stellen, dass wir selbst über unser Schicksal und unsere Zukunft entscheiden, dass wir Opfer der Ungerechtigkeit und Kämpfer für Gerechtigkeit sind

.“

Eben! Unbedingt ganz lesen.

Im Gegensatz zu Senat und nun leider auch Bischöffinnen, nachdem die Evangelische Kirche Großes leistete, SIND sie Freiheitskämpfer und solche für Gerechtigkeit.

Während die BRD Menschenrechte an „Drittstaaten“ delegiert, pochen die Flüchtlinge auf deren Geltung.

Die NATO wirft wie blöd mit Bomben im Namen jener „Menschenrechte“ um sich, die dann denen, die davor flüchten, versagt bleiben.

Es sollte offenkundig sein, dass die einzige politische Möglichkeit die uneingeschränkte Freizügigkeit von Flüchtlingen in der ganzen EU ist. Also das, wofür Menschen in der DDR einst auf die Straße gegangen sind, liebe Schneeberger. Wir sind DAS Volk gilt im demokratischen Sinne eben auch für die Refugees. Sonst ist es keine Demokratie; das stellen sie unmissverständlich klar, und deshalb sollte man auch lieber sie selbst als die Verlautbarungen der Flora lesen. Wir sind EIN Volk war ja einst bereits die völkische Wende. Es gibt keinen Grund, Rostockern und Möllnern Freizügigkeit und Reisen nach Malle zuzugestehen, den Refugees aber nicht, außer glasklarem Rassismus. Um mit Gerhard Schröder zu sprechen: „There’s no Alternative“ zu den Forderungen der Refugees.

Es sei übrigens betont, dass keiner der im Aufruf erwähnten Akteure, die Flüchtlinge unter Druck setzen, auf Hamburgs Straßen jagen und Traumatisierte durch die Weltgeschichte treiben wie Vieh, „Nazischwein“ ist. Herr Neumann ist keines. Der bewegt sich komplett im „postnationalsozialistischen Paradigma“. Der argumentiert so: „Gerade WEIL im Nazi-Deutschland Willkür und Terror gegen die eigene Bevölkerung herrschten, haben wir nun eine regel-geleiteten Rechtsstaat, in dem demokratisch gewählte Volksvertreter Gesetzgebungen erlassen. Diese setzt die Exekutive um. Und gegen die Maßnahmen der Exekutjve kann jeder klagen, auch die Refugees“.

Das ist eines dieser Beispiele, wo GERADE das „Postnationalsozialistische“ sich unfehlbar wähnt und Unrecht im vielleicht nicht rechtlichen, aber moralischen Sinne ausübt. Weil das Formale sich dem Materialen verwehrt, der Empirie. Weil Verfahrensfragen Priorität vor Grundrechten genießen.Weil fast wie in einer quasi-religiösen Überhöhung irgendeine Lehre aus „finsteren Zeiten“ der Gegenwart in einer Form aufgeprägt wird, dass buchstäblich Knochen krachen und mit Blick auf Wallanlagen Menschen ihrem Leben ein Ende setzen.

An der Mauer vor dem Knast, in dem sie im Namen des Rechtsstaates in Abschiebehaft zum Selbstmord getrieben werden, hängen Blümchen an gilbenden Gedenktafeln für von den Nazis Hingerichtete.

Ich habe zunehmend den Eindruck, dass der Rekurs auf das „3. Reich“ einen emphatisch-realistischen Blick auf die Gegenwart oft verstellt. Eine Freundin nannte das gestern bei Twitter „Mr. Hyde BRD“. Ist nicht neu, aber aktuell.

Der Dr. Jekyll sind die wohlfeilen Sonntagsreden, all das „Ich doch nicht!“, die ganzen „Stunden Null“.

Der Mr. Hyde ist die sich immunisierende Selbstverständnisdebatte, die dazu führt, dass im Falle der NSU-Morde Victim-Blaming betrieben wurde, dass Oury Jalloh mal eben abgefackelt, ermordet werden konnte und noch jene strafrechtlich verfolgt wurden, die darauf hinwiesen. Weil nicht sein darf, was trotzdem ist. Wo sich narzißtische Kränkung vor Erkenntnis schiebt.

Das Konstatieren dessen, dass institutioneller Rassismus, struktureller Heterosexismus und eine latente Gewaltandrohung gegen Frauen den Alltag in Deutschland prägen ruft so regelmäßig massive Abwehr hervor, lautstarke Empörung, WIR doch nicht, ruft Dr. Jekyll – während Mr. Hyde rachlüstern jene sanktioniert, die es thematisieren. Auch der von Broder immer wieder zitierte Satz „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“ gehört in diesen Zusammenhang.

Aber ebenso das ständige Okkupieren, Enteignen und Sichzueigenmachen der Kulturen der Opfer struktureller Faschismen. Deren unfreiwillige Eingemeindung, diese unbefragte Verknüpfung mit eigenen „Widerstandsgeschichten“. Das ist der Motor weißer „Gegenkultur“, die sich historisch-genetisch aus Adaptionen der US-, teils der GB-Kultur speiste, in den Nuller-Jahren freilich zwischen Retro (Amy Winehouse, Electroclash), und freiwilliger Selbstverbiederung à la Silbermond und Thees Ullmann ins Stocken geriet. Durch die „Wieder“vereinigung ist ja Supremacy von Sarrazin bis Gauck wieder angesagt, da ist man selbstbewusster national oder macht „antideutsch“ das gleiche.

Zuvor war die Struktur dominant, bei Marginalisierten abzugreifen, nach dem – danke, Mrs. Next Match – Motto „Euer Überlebenskampf ist unsere Kirmes“. Wie Kerouac in „Unterwegs“ sich erlebnishungrig ins Jazzleben zu stürzen, da aber jederzeit wieder raus zu können, während schwarze Musiker nicht mal die Clos benutzen durften. Wie die Stones beim Blues zu klauen und Stadien zu füllen, während Chuck Berry gerade so die Stadtparkbühne bespielen kann und immer noch muss. Dylan und die Beatles feiern, während Motown als „Fließbandware“ gilt.

Im Glamrock den Glitter der schwulen Sub zu kapern, im Wave eben da auch klauen gehen, House-Music die schwarzen und schwulen Wurzeln kappen und es zu „Berlin Techno“ umzudeuten – und nun Fettes Brot in der Flora mit dem Schicksal der Refugees zu koppeln.

Natürlich sind all diese Aneignungen kulturhistorisch von der Swing-Jugend an immer auch Gegenmodelle zu den Nazis gewesen. Das ist ja zunächst mal auch gut so. Aber es drückt ratzfatz wieder jene weg, die in diesen Kulturen buchstäblich ihren Überlebenskampf ausfochten. In Garage- und Chicago-House HÖRT man, was AIDS bedeutet hat. Betrauert wurde das öffentlich NIE. Danke, Judith Butler, mir wäre das noch nicht mal aufgefallen.

Das Schlimme ist, dass das alles mitten in die Ökonomie ragt. Adele räumt ab, und alternde schwarze Helden des Soul werden mit Gnadenbroten bei Nothern- und Baltic Soul-Weekendern abgespeist.

Mir ist nicht bekannt, dass Ver.di schon mal ein paar Jobs im eigenen Apparat für die Refugees frei geräumt hätte und Rosa-Luxemburg-, Heinrich Böll-Stiftung und NDR es ihnen gleich taten.

Das wäre ja mein Verständnis von Politik: Nicht Aktionismus und temporäre Spendenwellen, sondern etwas, das STRUKTURELL etwas ändern.

Nicht für das Bewahren des Molotows fighten, sondern stattdessen ein „House of Diversity“ fordern, das hätte was! Mitgestaltet von den Refugees!

Man muss all den „Politik!“-Krakeelern auf der Süd doch mal unter die Nase reiben, dass der ihnen verhasste Corny Littmann als einer der ersten offen schwulen Kommunalpolitiker immerhin zwei queere Theater und ein neues Stadion auf der Habenseite hat. Stattdessen wird eine Kultur auch noch gestützt, da der festangestellte (!) Marketingbeauftragte dem ehrenamtlichen (!), schwulen Moderator mailt, dieser solle doch nicht so viel Geld ausgeben.

Weil darauf doch alles hinaus läuft. Auf Ökonomie.

Wo sind denn aktuell in der Öffentlichkeit Frank Otto oder Frau von Sothebys, die neulich noch für Viva con Agua Bilder versteigerte? Vermute, dass kräftig gespendet wurde. Aber darüber hinaus?

Können die nicht mal auf den Senat einwirken im Falle der Refugees? Klappt doch bei Arzthonoraren und Notargebühren auch. Und all die Reeder, die noch heute bestens von postkolonialen Strukturen profitieren? Die Waffenhändler?

Wo zum „Postnationalsozialismus“ auch Wirtschaftsnationalismus und Kriegsführung mit Mitteln der Ökonomie gehören, kann man ja mal was zurück geben an die Opfer dieser Politik. Die Refugees weisen unaufhörlich darauf hin. Völlig zurecht.

Die Refugees haben ein Recht darauf (!!!), dass für sie auch mal richtige Lobbyarbeit geleistet wird.

Denn das ist hier alles kein Drumrumrede um deren Situation.

Ihnen gelingt es vielmehr, sich in diesem ganzen Schlamassel zu behaupten. Ihre eigene Stimme zu wahren. Mir imponiert das wahnsinnig.

Ich bin ihnen so ungeheuer dankbar für jedes Wort, das sie schreiben.

Weil sie uns wieder lehren, was Politik heißt: Ermächtigung der Machtlosen, den Anteil der Anteilslosen einfordern (Zizek), Emanzipation.

Nicht etwa das Gegenteil von all dem: Mr. Hyde, auch BRD genannt.

Wäre ja schön, wenn die das Grundgesetz mal wieder ernst nehmen würde. Einige Gerichte tun das zum Glück schon. Dann haben die richtigen Nazis ausnahmsweise mal wirklich einen Grund, gegen die BRD zu wettern.

Wieso #lampedusahh und ESSO-Häuser zu einem Thema zusammen fassen?

(habe ich eben auch schon bei Facebook gepostet, sorry für den Doppler, ist aber auch noch mal ein Kommentar zu den „Nazischweine“-Rufen beim letzten Heimspiel)

Ich verstehe diese „Zusammenlegung“ „Flora – ESSO-Häuser – Refugees“ nicht.

Kann mir das mal wer erklären? Und ja, ich habe den Text gelesen und natürlich haben die Refugees irgendwie auch etwas mit Stadtentwicklung zu tun. Aber das, was dje geleistet haben, das ging doch ganz gewaltig über „Gegen Gentrifizierung“ hinaus, sorry. Oder peile ich da was nicht? Deren Erfahrungen nun gleichschalten?

Für mich wirkt diese Zusammenfassung wie eine Annektion und Überschreibung dessen, was die Refugees erreicht haben: Dass sie endlich ihre EIGENE Geschichte, IHRE Erfahrungen zum Thema machten und ausnahmsweise mal nicht die ach so heroische, weiße Widerstandsgeschichte irgendwelcher Antifa-Macker alles zuschiss. Ja, ich weiß, dass auch die in manchen Regionen schon tot geschlagen wurden.

Natürlich kann man da problemlos „Gegen die Gesamtscheiße“ drüber schreiben, aber auch das Plädoyer gegen die patriachalen Normen hinten hängt völlig unvermittelt dran.

Wer wohnt denn eigentlich in den „ESSO-Häusern?

Kein Bezug zu „Patriachat“ im sonstigen Text.

Dieses Aufsaugen von Sujets durch männlich dominierte, weiße linke Subkulturen, bis ein identitärer „Antifaschismus“ auch ja alles Queere, jede PoC-Perspektive, jedes jüdische Selbstverständnis, feministische Sichtweisen weg gedrückt hat und durch die eigene „Gegen Nazis!“-Historie ersetzte oder gar „Lesbenherrschaft“ und „Erpressung“ durch Schwule herbei fantasiert wird (letzeres ist mir jüngst gerade widerfahren) ist ja Teil des Problems und nicht die Lösung.

Ich weiß nicht, wie die Refugees das sehen, aber Flucht vor dem NATO-Krieg über’s Mittelmeer und der Widerstand gegen Musical-Theater in „Szene-Vierteln“ sind nun echt zwei Paar Schuhe.

Finde ich hochproblematisch. Kein gutes Zeichen.

In 10 Jahren sitzen dann die Protagonisten mit ihren frisch geborenen Kindern und vom Daddy besorgten Job inmitten von Weißen in lauschigen Cafés mit vergilbten „Lampedusa“-Plakaten an der Wand unter Heten beim Mate-Nachfolger und plaudern anekdotenreich vom Herbst 2013 und wie widerständig sie doch waren, während unsere St. Paulianer längst abgeschoben sind.

Und all das, was diese uns berichteten, verschwindet wieder hinter den Stories, was selbst auf Demos erlebt wurde und wie mutig man doch damals noch war, als noch keine Kompromisse eingegangen werden mussten …

Die Geschichte weißer „Gegenkulturen“ muss echt noch mal neu geschrieben werden.

Von Politics, Politik und Potenzial: FC S. Pauli – Ernergie Cottbus 3:0

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Verwirrungen.

Im Taxi auf dem Weg zum Flug nach Köln dringt aus dem Radio: „Frontzeck entlassen!“

Sitze ganztägig in Katakomben unweit des Dom und simuliere Arbeit und kann noch nicht mal ins Netz – Kunden rollen Augen angesichts des Habitus eines von mir Engagierten. Verbünde ich mich offen mit ihm, habe ich hinterher definitiv höhere Kosten. Weil alles länger dauert, Machtfragen gestellt werden, Gezerre beginnt. In den Rücken fallen will ich ihm aber auch nicht. Dabei bin ich von ihm genau so genervt. Politics.

Hat Stefan Orth mal wieder an der falschen Stelle losgemackert? Sitze abends im „Spitz“ unweit des Rudolphplatz, esse Schnitzel (kleine Portion) und diskutiere per Handy mit @ring2 bzw. stpauli.nu die Lage.

Es kristallisiert sich heraus, dass Frontzeck wohl wissen wollte, wer im sportlichen Bereich die prägende Persönlichkeit, der „starke Mann“ ist – und dass er seine Antwort prompt bekam. Soll mir recht sein, mir ist auch lieber, Azzouzi ist es. Verstehe viele einfach nicht, die sich ereiferten, wie schlimm und peinlich dieser Vorgang sei. Freue mich, dass auf Roland Vrabec, ein noch recht unbeschriebenes Blatt, gesetzt wird und die Stani-Rückkehr-Fantasien so im Keime ersticken. Bitte nicht, bei aller Verehrung. Wittere NEULAND. Frische. Das Unbekannte. Schön!

Verwirrung auch bei Cottbus‘ Mannschaft gestern Abend. Ebenso bei mir als Zuschauer des Spiels. Was spielen wir da eigentlich? Irgendwer schrub irgendwo „4 – 1 – 4 – 1“. Für mich sah das eher nach 4 – 2 – 4″ aus in der ersten Halbzeit mit vorstoßendem Kalla und vier höchst Variablen vorne. Auf jeden Fall wirkte es viel flexibler, inspirierter und undurchschaubarer als unter Frontzeck. Mehr Überraschungspotenzial. Als sei das Korsett des „Ordnung Haltens“ zugunsten des Tänzerischen, das diese Mannschaft auszeichnet, aufgehoben. Spannend.

Und all das Gelästere über Nöthe – hey, so ein Ensemble braucht auch dessen Eleganz. Die Verunsicherung tanzen kann vorübergehend auch mal expressiv-schön aussehen. Prima, dass der Rest der Mannschaft ihn sucht und stützt. Weil die ja auch alle wissen, dass, wenn der erst platzt, das Nußknacker-Ballett dagegen Laientheater sein wird. Wobei sich ja auch der Nussknacker zum Prinzen wandelt.

Metamorphose! Transformation! Prozesse, die ich liebe …

Noch will er zu oft die Bälle verteilen und antizipiert wohl im Geiste dumpfes Stöhnen auf Rängen, falls ein Ball daneben geht, was dann auch wirklich passiert – der wird schon noch Nurejevmäßig den Solo-Tänzer geben.

Bartels Pirouhetten: Ein Traum gestern. Toll. Thorandts Kopfball: Formvollendet. Buchtmann: Quirlig. Ein Hauch von Breakdance. Und dass Schachten wieder da ist: Sooooo unendlich wichtig.

Die Mannschaft nähert sich ja vielleicht nun wirklich der Ausschöpfung ihres Potenzials an.

Verwirrung. Die Süd stimmt „Nazischweine“-Chöre gen Cottbusser Fans an, und mir erschließt sich der Anlass nicht. Klar ist das eine der rechtsoffenen Fanszenen und darüber hinaus, berüchtigt wegen antiziganistischer und antisemitischer Ausfälle und vielem anderen mehr. Das ist mir schon klar. Das Transparent aus dem letzten Heimspiel hatte ich allerdings nicht mehr auf dem Zettel.

Es ist trotzdem so simpel, da im Pulk auf der Süd den Chor „Nazischweine!“ als politischen Akt abzufeiern. Angesichts dieses Häufchens Erbärmlichkeit in deren Fanblock am anderen Ende des Stadions. Da weiß ich dann auch immer nicht so recht, ob das nun Politik ist oder nicht eher Antifa-Folkore.

Im Gegensatz zur Spielweise der Mannschaft ist das auch so wenig überraschend. Fast jeder Ossi, der in den letzten 20 Jahren ans Millerntor kam, geht doch eh davon aus, als potenzieller Nazi beschimpft zu werden. Da fühlen sich manche glatt noch von aufgewertet.

Was ändert das nun, wenn „Nazischweine“ skandiert wird? Dass die, die sich von dieser Sorte im Cottbus-Fanblock aufhielten, tief beeindruckt in die Lausitz reisen, in tiefer Scham in sich gehen und Besserung geloben?

Gegen Nazis sind irgendwie auch Herr Neumann und Frau Merkel. Mehr als irgendwie ist cooler.

Dann komme ich nach Hause, gucke ein wenig bei Facebook rum und verliere kurzzeitig die Fassung.

Lauter Leute, die ich kenne, schätze und mag, drehen völlig ab. Die Pfiffe angesichts dieses Skandierens seien nun der Untergang des FC St. Pauli. Fans, die ihre Mitfans auspfeiffen! NIE hätten sie daran geglaubt.

Als hätte nicht die Süd alle Nase lang Haupttribünensitzer, die vor Abpfiff ihre Plätze verlassen, völlig zu recht ausgepfiffen.

Die Pfiffe werden als Indikator des Willens zum Unpolitischen gedeutet. Das kann ja bei einigen zutreffen; dieser Quatsch mit „Linksfaschismus“ keimte im Forum tatsächlich wieder auf.

Es kann aber ja auch ganz andere Gründe gegeben haben. Statt darüber jedoch zu grübeln, bricht sich wieder nur die narzißtische Kränkung die Bahn in die Stagnation hinein, die dann ganze Tribünen nach Braunschweig verwünscht und mit einem Apparat von Unterstellungen operiert, dass mir ganz schwindelig wurde beim Lesen.

Was ich manchmal nicht minder gefährlich finde als diese vermeintlich „Unpolitischen“. Auch Punkrock-Folklore und ein stumpfes, nicht weiter gedachtes „Gegen Nazis!“ kann ins Unpolitische umkippen. Wenn dabei stehen geblieben wird in Formelhaftigkeit.

Das ist angesichts vieler so großartiger Entwicklungen so schade. Die Unterstützung der Refugees bis in die Geschäftsführung hinein. Die dollen Aktionen gegen Sexismus und Homophobie, unterstützt auch vom Präsidium. Die politisch eindeutige Bemalung der Gegengeraden. Klar kamen auch da blöde Sprüche (und plakativ ist es auch), aber es ist doch gewaltig, und es ist jetzt da zu sehen.

Das beste Mittel gegen Nazis ist immer noch die Stärkung derer, die sie vernichten oder unterjochen wollen: PoC, Schwule, Lesben, Transmenschen, Juden, Sinti, Roma, Linke und deren Politik. Selbstbewusste, eigenständige Frauen in Stadien.

All das verschwindet in „Nazischweine“ immer gleich mit. Das Anagitieren gegen die „Fortress Europe“ ist doch ein viel stärkeres Zeichen. Das war super!

Ich habe gestern dieses „Nazischweine“-Chöre eher als Rückfall in die Zeit davor gehört. Dieses Mackerhafte, das sich über das hinaus, wogegen es ist, nicht viel Gedanken macht.

Und ich habe zwar nicht gepfiffen, aber es hat mich genervt. Ich fand es überflüssig. Schenke dem Aufmerksamkeit, was Nazis nicht wollen. DAS ärgert die wirklich.

Ich war genervt, weil wir das doch viel besser können, wenn wir wollen.