Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Irgendwas fehlt – doch das Ziel ist die Liebe … FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf 1:1

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Ja, so unfertig steht es da, das Bild. Geschmiegt an das Saxophon. Ok, so viel ist gar nicht mehr dran zu machen. Aber zum Beispiel das eine Runde da vorne, das Weiße, da braucht noch eine Siena-Lasur.

Versuche, zum Fussball zu malen, verwandeln fast alles in eine runde Sache. Oder gleich in ein paar davon. Die wie mysteriöse Kräfte den Spieler bedrängen und das Spiel so prägen. Sogar eine Düsseldorfer Nickligkeit habe ich vorab gemalt, die auf dem Bild ins Auge geht.

Seltsam, dass so ein sonst sympathischer Club immer Truppen auf den Platz schickt, die den Geist eines Rösler atmen, selbst wenn der gar nicht mehr mitspielt. In der ersten Halbzeit spielten die Fortunen fast nur destruktiv, unschön, wider jede Fussballästhetik – aber immer gemein. Vermutlich haben die zu viel Die Toten Hosen gehört. Das verdirbt den Charakter. Dabei hatte doch die Stadt mal den Ratinger Hof und die kreativste Musik-Szene in ganz Deutschland. Wegen der Nähe zur Kunstakademie – DAF, Fehlfarben, Der Plan (ok, auch Wuppertal), KFC. Und nun so eine Mannschaft.

Dabei fing das Ganze ganz lustig an. Stehe in der Haupttribünenschlange, drängen sich ein paar Leute Richtung Logen an mir vorbei – schaue hinunter, sehe ein vertrautes Gesicht, will schon freundlich eine alte Bekannte grüßen. Stelle fest, dass das Vicky Leandros ist. Freue mich. Und löse den Widerspruch zu Fehlfarben, DAF, Der Plan und dem KFC jetzt nicht auf 😀 … der Schiri hat jedenfalls Thorandt nur Rot gegeben, weil er Vicky nicht mag. Sonst gab es ja keinen ersichtlichen Grund.

Unauflöslich auch das, was am Spiel ich nun eigentlich so rätselhaft fand. Fabian Boll hat ja recht, bei Facebook Zeit für die Mannschaft zu fordern und die Erwartungshaltung zu geißeln. Und die Mannschaft läuft, macht, tut, kämpft, ist unglaublich engagiert, unermüdlich auf diese in Halbzeit 1 als träge Masse ihren Strafraum verstopfende Truppe aus der Stadt Imi Knoebels einrennend.

Und doch bleibt das Gefühl, dass da der Wumms fehlt. Die Wucht. Andere Mannschaften von uns zuvor haben mit weniger spielerischen Fähigkeiten ausgestattet einfach mehr Druck entfaltet und den Gegnerauch mal überrannt. Das, was in Kringes Schuss steckte, krawumm, das fehlte sonst, von Bartels abgesehen in Halbzeit 1.

Was vielleicht falsch gedacht ist. Vielleicht steckt ja in diesem Fehlen genau die noch nicht ausgearbeitete Tugend. Vielleicht ist das Tänzerische, nicht das „Rasen fressen!“ ja auch die Zukunft des FC St. Pauli. Mehr Disco, House, Soul – „Reach out and touch!“.

Soul ist ja eine Musik, die im Weichen das Toughe verbirgt. Was für Erfahrungen sich da nieder geschlagen haben, das kann unsere ja leider rein weiße Truppe auch nicht mal eben klauen. Aber vielleicht in ihre Erfahrungen übertragen?

Erfahrungen mit Schmelz und Schmacht, und Verführung und Hingabe statt Wut und Kampf. Seducing People. Sich die Liebe trauen, locken, elegant, geschmeidig sein statt den Macker zu geben. Das als Erfolgsrezept in Liga 2 – das wäre visionär. Und immerhin hören sie schon „Ich liebe das Leben!“

Und es passt sogar zu dem, was ich gerade male 😀 … und am Wochenende heißt es schließlich: „Fussball und Liebe!“

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6 Antworten zu “Irgendwas fehlt – doch das Ziel ist die Liebe … FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf 1:1

  1. Pingback: Montags könnt’ ich schubsen » Magischer FC

  2. Pingback: Die Frage nach dem Warum bleibt… | Blutgrätsche Deluxe

  3. cut September 25, 2013 um 12:56 pm

    Irgendwas fehlt. Das denke ich seit der Rückrunde der vorigen Saison. Naja. Freue mich aber schon auf das Spiel gegen Euch hier im D-Dorf!

  4. momorulez September 25, 2013 um 12:58 pm

    Vielleicht komme ich ja rum 🙂 – bin ja in Düsseldorf eigentlich sehr gerne. Nur die Stadion-An- und Abfahrt mit dem ÖPNV ist das Grauen.

  5. Boris Schneider September 27, 2013 um 5:52 pm

    Freue mich auf das Spiel 🙂 Gegen den ÖPNV habe ich eigentlich nichts einzuwenden 😉

  6. momorulez September 27, 2013 um 10:17 pm

    Es war einfach so superbrechendvoll – ansonsten hab ich mich in der Stadt wie auch im Stadion sehr wohl gefühlt!

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