Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Malen für „Fussball und Liebe“ mit Sax-Begleitung

20130912-194455.jpg

Da jetzt noch Lasurweiß drüber. Fläche, Schicht.

Erstmals das Bild mit Leinöl fein bestrichen – Zitronengelb verteilen, ganz dünn. Damit das etwas zu erbeereisrosa Gewordene darunter einen orangenen Schimmer erhält. Die Farbe verläuft, bin fasziniert von den Strukturen, die Pigmente und Öl mir schenken.

Das Gesicht links unten ist nun zu gelb. Also mit Lasurweiß- und Lasurocker übermalen. Es glänzt. Ein wenig speckig und doch entsteht die transparente Tiefe, die nur der Ölfarbe möglich ist. Doch je länger ich pinsele, gar nicht mehr aufhören kann zu pinseln, desto mehr schwindet die Ähnlichkeit. Dabei habe ich sogar den Beamer zur Vorzeichnung genutzt. Doch das Bild verlangt seine eigene Wirklichkeit und immanente Logik. Das Verlangen des Bildes, das Verlangen nach dem Bild …

Gedanken ziehen vorbei wie überflüssige Kommentare. Es rauscht, fortwährend, doch es rauscht vorbei. Während ich ganz in Farbe mich artikuliere und die Formen nach keiner anderen Wirklichkeit bilde als der, die in dem Bild schon angelegt ist. Wo kann ein Fehler weiter ausgebaut werden? Wo gruben in der Untermalung Borsten Furchen, die nun mit Preußischblau nachvollzogen werden können? Ich liebe es, mit dieser Farbe Linien um hellere Flächen zu ziehen …

Das Bild wird immer – unheimlicher. Will Musik und Fussball zusammen malen. Es hat etwas von Kiss-Maskierungen. Werde es wohl „I was made for loving you“ nennen und nie jemandem zeigen. Doch es macht Spaß und mich glücklich, mit ihm beschäftigt zu sein.

Wie irgendwelche Österreicher darauf kamen, Chöre über den „schwulen DFB“ als Schmähung einzusetzen, ist mir malend erst recht rätselhaft. Wenn da wer verunglimpft wurde, dann ja wohl Schwule. Das ist der Berichterstattung irgendwie entgangen. Die Homophobie zeigt sich ja wenn schon dann darin, dass unsereins mit einem Verband, der einer derartigen Gerichtsbarkeit folgt, in Verbindung gebracht wurde. Statt aber „Nette Komplimente für jene, die es nicht verdienen“ zu titeln, liebe Zeitungen, und von einem DFB, der schweigt, statt sich zu bedanken, in öffentlichen Verlautbarungen zu lesen, nun lauter völlig weltfremde Kommentare. Malend merke ich doch, wie schön es ist, sich liebevoll mit Männerkörpern zu beschäftigen …

Wobei: Was dem Bild die Zeichnung, ist dem Musikstück ja die Note, die Tonleiter, der Akkord – anstrengend! Nur weil wir hier so früh mit Noten gequält werden, Blockflöte!, entwickeln wir ja gar kein Gehör mehr – wenn es da steht, wird es schon richtig sein. Diese blöden Noten sind mir aber so was von verleidet worden … notiere jetzt quasi-tabellarisch. Mit Buchstaben. Die sind mir jenseits aller Schriftvergessenheit vertrauter. Takt 1 + 2: Gmaj7, G-Dur (fis), (1) 3 7 9 = (g) h fis a. Takt 2 + 3: A7, A mixo (cis, fis), (a) cis g h. Das ist zwar bei 40 Takten „Girl from Ipanema“ auch mühselig, aber damit komme ich prima klar. Mein Sax-Lehrer dachte, er guckt nicht richtig 😀 – und ist da gar nicht durchgestiegen. Klappte aber. Auch wenn ich die Akkordwechsel vor lauter Spielen immer noch nicht mit bekomme und zählen nicht hin bekomme und mich frage, wie ich mir all das jemals MERKEN soll.

Das Saxen und das Malen haben ja viel miteinander zu tun. Nicht umsonst spricht man von „dunklen Klangfarben“, zum Beispiel. Sind die schönsten auf dem Saxophon.

Der Weltbezug ist ähnlich, auch das Changieren zwischen Technik und Freestyle, erfahren wollen und lernen müssen. Frage mich die ganze Zeit, welches Medium es nun eigentlich wäre, was beides mal wirklich zusammen brächte. Film ist das nur in ganz seltenen Momenten. Das ist zu nah an der Fotografie, die von der Malerei transzendiert wurde, schon bevor es sie gab – trotz Bewegt- und Zeitbild ist Film da zu nah dran, Deleuze hatte ja genau das Problem in seinen Schriften zum Kino: Der Flow des Lebens und die Logik des Abbildens passen nicht zusammen, schaut man von außen drauf: Dem Bild sieht man das Prozessuale zwar an, aber es gerinnt. In Opern ist wenig spontan. Im Film liegt die Musik hinter und unter den Bildern, sie bricht sie nicht auf. Man kann wirklicher INTERAKTION in der Jazz-Improvisation anlauschen, wie Malen ist. Aber nicht dem Bild ohne weiteres abgucken. Danke, T. Albert.

Bestimmt gibt es in allen „Kulturkreisen“ der Welt für so was Traditionen, nur hier nicht. Dabei wäre das doch the way out aus so vielem Unbill – würden Innensenatoren mit Refugees malen und Musik machen, die kämen gar nicht auf so abwegige Ideen wie „Abschiebungen“.

Aber es regiert halt das Urteil statt geteilter Sinnlichkeit, hinsehen und zuhören – und nur deshalb habe ich diesem Eintrag eben nicht meine spooky „I was made for loving you“-Kreation voran gestellt, sondern eine iPad-Spielerei. Aus Angst vor eurem Urteil.

Das Schöne ist: Malend und saxend kann man die überwinden 🙂 …

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