Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: September 2013

Irgendwas fehlt – doch das Ziel ist die Liebe … FC St. Pauli – Fortuna Düsseldorf 1:1

20130924-221014.jpg

Ja, so unfertig steht es da, das Bild. Geschmiegt an das Saxophon. Ok, so viel ist gar nicht mehr dran zu machen. Aber zum Beispiel das eine Runde da vorne, das Weiße, da braucht noch eine Siena-Lasur.

Versuche, zum Fussball zu malen, verwandeln fast alles in eine runde Sache. Oder gleich in ein paar davon. Die wie mysteriöse Kräfte den Spieler bedrängen und das Spiel so prägen. Sogar eine Düsseldorfer Nickligkeit habe ich vorab gemalt, die auf dem Bild ins Auge geht.

Seltsam, dass so ein sonst sympathischer Club immer Truppen auf den Platz schickt, die den Geist eines Rösler atmen, selbst wenn der gar nicht mehr mitspielt. In der ersten Halbzeit spielten die Fortunen fast nur destruktiv, unschön, wider jede Fussballästhetik – aber immer gemein. Vermutlich haben die zu viel Die Toten Hosen gehört. Das verdirbt den Charakter. Dabei hatte doch die Stadt mal den Ratinger Hof und die kreativste Musik-Szene in ganz Deutschland. Wegen der Nähe zur Kunstakademie – DAF, Fehlfarben, Der Plan (ok, auch Wuppertal), KFC. Und nun so eine Mannschaft.

Dabei fing das Ganze ganz lustig an. Stehe in der Haupttribünenschlange, drängen sich ein paar Leute Richtung Logen an mir vorbei – schaue hinunter, sehe ein vertrautes Gesicht, will schon freundlich eine alte Bekannte grüßen. Stelle fest, dass das Vicky Leandros ist. Freue mich. Und löse den Widerspruch zu Fehlfarben, DAF, Der Plan und dem KFC jetzt nicht auf 😀 … der Schiri hat jedenfalls Thorandt nur Rot gegeben, weil er Vicky nicht mag. Sonst gab es ja keinen ersichtlichen Grund.

Unauflöslich auch das, was am Spiel ich nun eigentlich so rätselhaft fand. Fabian Boll hat ja recht, bei Facebook Zeit für die Mannschaft zu fordern und die Erwartungshaltung zu geißeln. Und die Mannschaft läuft, macht, tut, kämpft, ist unglaublich engagiert, unermüdlich auf diese in Halbzeit 1 als träge Masse ihren Strafraum verstopfende Truppe aus der Stadt Imi Knoebels einrennend.

Und doch bleibt das Gefühl, dass da der Wumms fehlt. Die Wucht. Andere Mannschaften von uns zuvor haben mit weniger spielerischen Fähigkeiten ausgestattet einfach mehr Druck entfaltet und den Gegnerauch mal überrannt. Das, was in Kringes Schuss steckte, krawumm, das fehlte sonst, von Bartels abgesehen in Halbzeit 1.

Was vielleicht falsch gedacht ist. Vielleicht steckt ja in diesem Fehlen genau die noch nicht ausgearbeitete Tugend. Vielleicht ist das Tänzerische, nicht das „Rasen fressen!“ ja auch die Zukunft des FC St. Pauli. Mehr Disco, House, Soul – „Reach out and touch!“.

Soul ist ja eine Musik, die im Weichen das Toughe verbirgt. Was für Erfahrungen sich da nieder geschlagen haben, das kann unsere ja leider rein weiße Truppe auch nicht mal eben klauen. Aber vielleicht in ihre Erfahrungen übertragen?

Erfahrungen mit Schmelz und Schmacht, und Verführung und Hingabe statt Wut und Kampf. Seducing People. Sich die Liebe trauen, locken, elegant, geschmeidig sein statt den Macker zu geben. Das als Erfolgsrezept in Liga 2 – das wäre visionär. Und immerhin hören sie schon „Ich liebe das Leben!“

Und es passt sogar zu dem, was ich gerade male 😀 … und am Wochenende heißt es schließlich: „Fussball und Liebe!“

20130924-223527.jpg

Advertisements

Disco-Inferno

20130916-210939.jpg

Das wird niemals fertig bis zum 28., und wenn doch, dann bestimmt nicht trocken 😦 …

Lieber an das denken, was ich will: FC St. Pauli – FSV Frankfurt 2:1

20130916-180909.jpg

Burnout-Kandidaten empfehlen jene, die sich damit auskennen, vor allem eine Übung: Konzentriere Dich nicht immer auf das, was Du nicht willst, nicht magst, nicht wünscht. Richte Dein Augenmerk ganz auf das, was Du willst und begehrst, was Du gut findest und gerne erführest.

Die Gefahr ist offenkundig: Überbordende Erwartungen, die in Frustration über Ist-Zustände umkippen. Realitätsverlust. Unkritisches Verhalten gar.

Umgekehrt tut es wirklich gut, sich auch dann, wenn irgendwas gerade nicht schön ist, sich vorzustellen, was man stattdessen gerne erleben würde. Eine Gesellschaft ohne Rassismus, Sexismus und Homophobie – wow!, wie die wohl aussehen würde? Eine ganz ohne aufgeblasene Egos, stattdessen vernetzt in Kooperation, Kommunikation, Solidarität, Mitgefühl, dem Wunsch, voneinander zu lernen – ich komme ins Schwärmen …

Und auf wundersame Weise könnte man manches davon sogar in sein Leben ziehen … und immer dann, wenn Unangenehmes widerfährt oder Handlungen dazu nötigen, vollzogen zu werden, einfach eine angenehme Erfahrung und das, was Spaß macht und gut tut, sich und Anderen, anschließend von ganzem Herzen gönnen.

Politisch sind die Systemgewalten eh so gewaltig, gewalthaltig und gewalttätig, dass ich nostalgischer Demokratieverfechter gar nicht weiß, wen ich wählen soll. Aber in individueller Lebensführung hat sich das Rezept jüngst tatsächlich bewährt.

Aber wie überträgt man das denn nun auf Spielberichte? Große Freude, dass auf der Süd endlich mal wieder eine Choreographie zu sehen war voll politischer Wucht, die jeden schlichten Lokalpatriotismus weit hinter sich ließ wie auch chronische Beschäftigung mit sich selbst und eine Reduktion auf „Polizei doof“, „Viertelschutz“ und „HSV ist Scheiße“? Begeisterung darüber, dass Halstenberg auf seiner Seite nicht fortwährend allein gelassen wurde, die Abwehr stand wie ein Bollwerk und nie der Eindruck einer 85 Minuten währenden Abwehrschlacht entstand?

Man soll sich ja immer vorstellen, was man gerne erleben würde …

Und auf das konzentrieren, was richtig prima lief! Fantastischer Spielzug zum 1:0 nach 3 Minuten! Verhoek trifft und trifft! Tschauner haut Geniestreich-Glanzparaden raus wie Bach einst Fugen! Trotz Hulk-artiger Körperlichkeit und konsequenter Konzeption hervorragen Fussballs auf Seiten des FSV Frankfurt haben wir 2:1 gewonnen! Waren das Brecher, S. neben mir fühlte sich an American Football erinnert.

Und in der Pause waren schöne Trailer für das „Fussball und Liebe“-Love Inn vom 26. bis zum 28.9. im Millerntor-Stadion zu sehen.

Weil man sich ja auf das konzentrieren soll, was man mag, will und erleben will … Fussball und Liebe halt.

Malen für „Fussball und Liebe“ mit Sax-Begleitung

20130912-194455.jpg

Da jetzt noch Lasurweiß drüber. Fläche, Schicht.

Erstmals das Bild mit Leinöl fein bestrichen – Zitronengelb verteilen, ganz dünn. Damit das etwas zu erbeereisrosa Gewordene darunter einen orangenen Schimmer erhält. Die Farbe verläuft, bin fasziniert von den Strukturen, die Pigmente und Öl mir schenken.

Das Gesicht links unten ist nun zu gelb. Also mit Lasurweiß- und Lasurocker übermalen. Es glänzt. Ein wenig speckig und doch entsteht die transparente Tiefe, die nur der Ölfarbe möglich ist. Doch je länger ich pinsele, gar nicht mehr aufhören kann zu pinseln, desto mehr schwindet die Ähnlichkeit. Dabei habe ich sogar den Beamer zur Vorzeichnung genutzt. Doch das Bild verlangt seine eigene Wirklichkeit und immanente Logik. Das Verlangen des Bildes, das Verlangen nach dem Bild …

Gedanken ziehen vorbei wie überflüssige Kommentare. Es rauscht, fortwährend, doch es rauscht vorbei. Während ich ganz in Farbe mich artikuliere und die Formen nach keiner anderen Wirklichkeit bilde als der, die in dem Bild schon angelegt ist. Wo kann ein Fehler weiter ausgebaut werden? Wo gruben in der Untermalung Borsten Furchen, die nun mit Preußischblau nachvollzogen werden können? Ich liebe es, mit dieser Farbe Linien um hellere Flächen zu ziehen …

Das Bild wird immer – unheimlicher. Will Musik und Fussball zusammen malen. Es hat etwas von Kiss-Maskierungen. Werde es wohl „I was made for loving you“ nennen und nie jemandem zeigen. Doch es macht Spaß und mich glücklich, mit ihm beschäftigt zu sein.

Wie irgendwelche Österreicher darauf kamen, Chöre über den „schwulen DFB“ als Schmähung einzusetzen, ist mir malend erst recht rätselhaft. Wenn da wer verunglimpft wurde, dann ja wohl Schwule. Das ist der Berichterstattung irgendwie entgangen. Die Homophobie zeigt sich ja wenn schon dann darin, dass unsereins mit einem Verband, der einer derartigen Gerichtsbarkeit folgt, in Verbindung gebracht wurde. Statt aber „Nette Komplimente für jene, die es nicht verdienen“ zu titeln, liebe Zeitungen, und von einem DFB, der schweigt, statt sich zu bedanken, in öffentlichen Verlautbarungen zu lesen, nun lauter völlig weltfremde Kommentare. Malend merke ich doch, wie schön es ist, sich liebevoll mit Männerkörpern zu beschäftigen …

Wobei: Was dem Bild die Zeichnung, ist dem Musikstück ja die Note, die Tonleiter, der Akkord – anstrengend! Nur weil wir hier so früh mit Noten gequält werden, Blockflöte!, entwickeln wir ja gar kein Gehör mehr – wenn es da steht, wird es schon richtig sein. Diese blöden Noten sind mir aber so was von verleidet worden … notiere jetzt quasi-tabellarisch. Mit Buchstaben. Die sind mir jenseits aller Schriftvergessenheit vertrauter. Takt 1 + 2: Gmaj7, G-Dur (fis), (1) 3 7 9 = (g) h fis a. Takt 2 + 3: A7, A mixo (cis, fis), (a) cis g h. Das ist zwar bei 40 Takten „Girl from Ipanema“ auch mühselig, aber damit komme ich prima klar. Mein Sax-Lehrer dachte, er guckt nicht richtig 😀 – und ist da gar nicht durchgestiegen. Klappte aber. Auch wenn ich die Akkordwechsel vor lauter Spielen immer noch nicht mit bekomme und zählen nicht hin bekomme und mich frage, wie ich mir all das jemals MERKEN soll.

Das Saxen und das Malen haben ja viel miteinander zu tun. Nicht umsonst spricht man von „dunklen Klangfarben“, zum Beispiel. Sind die schönsten auf dem Saxophon.

Der Weltbezug ist ähnlich, auch das Changieren zwischen Technik und Freestyle, erfahren wollen und lernen müssen. Frage mich die ganze Zeit, welches Medium es nun eigentlich wäre, was beides mal wirklich zusammen brächte. Film ist das nur in ganz seltenen Momenten. Das ist zu nah an der Fotografie, die von der Malerei transzendiert wurde, schon bevor es sie gab – trotz Bewegt- und Zeitbild ist Film da zu nah dran, Deleuze hatte ja genau das Problem in seinen Schriften zum Kino: Der Flow des Lebens und die Logik des Abbildens passen nicht zusammen, schaut man von außen drauf: Dem Bild sieht man das Prozessuale zwar an, aber es gerinnt. In Opern ist wenig spontan. Im Film liegt die Musik hinter und unter den Bildern, sie bricht sie nicht auf. Man kann wirklicher INTERAKTION in der Jazz-Improvisation anlauschen, wie Malen ist. Aber nicht dem Bild ohne weiteres abgucken. Danke, T. Albert.

Bestimmt gibt es in allen „Kulturkreisen“ der Welt für so was Traditionen, nur hier nicht. Dabei wäre das doch the way out aus so vielem Unbill – würden Innensenatoren mit Refugees malen und Musik machen, die kämen gar nicht auf so abwegige Ideen wie „Abschiebungen“.

Aber es regiert halt das Urteil statt geteilter Sinnlichkeit, hinsehen und zuhören – und nur deshalb habe ich diesem Eintrag eben nicht meine spooky „I was made for loving you“-Kreation voran gestellt, sondern eine iPad-Spielerei. Aus Angst vor eurem Urteil.

Das Schöne ist: Malend und saxend kann man die überwinden 🙂 …

An Bildern für „Fussball und Liebe“ werkeln :D …

20130905-204859.jpg

Ihr auch schon? Macht Spaß! Das Geisterhafte ist nur die Untermalung – „Weißhöhungen“ eines Hobby-Malers ohne jeden Ehrgeiz, auch nur in die immer noch ganz weit entfernte Nähe Tizians zu geraten. Kann cool aussehen, lasiert man da mit Ölfarbe drüber. Ist viel spannender als Fernsehen, weil ich beim Malen viel weniger weiß, was als nächstes passiert als bei dem meisten, was da so läuft. Auch was in den Hintergrund noch geraten wird: Keine Ahnung. Text? Abstraktes? Fischschwärme? Herzen? Draufgekleisterte, vergilbte Zeitungsartikel zu unvergessenen Heldentaten, emotionalen Räuschen, erfüllter Sehnsucht nach dem Last-Minute-Tor? Die Noten von „All of me“? Bin für Vorschläge offen so, wie es die Zukunft es zum Glück auch immer ist.

„Moments in Love“

20130904-173015.jpg

Ein amouröser Ruf, der liebevoll befolgt das „Love In“ im Millerntor-Stadion ungemein bereichern würde, findet sich unter:

http://www.fussball-und-liebe.de/liebesgeschichten/

Ist ja eh schon enorm, was da so alles zusammen gekommen ist, um ganz und gar verliebt vom 26. bis zum 28.9., entflammt in leidenschaftlicher Zuneigung, in allen erdenklichen Medien und Formen diesem schönsten aller Gefühle zu huldigen.

Sollen sie doch anderswo Spieler auspfeiffen und beschimpfen, tobt ansonsten allzu oft der Hass auf den Rängen, leben manche auch nur vom dissen, degradieren, diffamieren – Energie folgt der Aufmerksamkeit, und den Fokus mal ganz auf die Liebe in all ihren Formen zu richten, wo würde das besser hin passen als dorthin, wo „Das Herz von St. Pauli“ gesungen wird? Ich liebe Dich, ich träum von Dir …

Bin schon ganz gespannt auf all die Kunstwerke, Skulpturen, Geschichten, Transparente, Songs und Gedichte, werde ihnen auf der Gegengeraden beschwingt lauschen, jenen Stories, die eintrudeln werden und freu mich sehr auf 3 Tage, so ganz erfüllt von Liebe, im Millerntor-Stadion!

Über die Liebe und das Sich-Kümmern: Union Berlin – FC St. Pauli 3:2

20130901-164717.jpg

Ja, also, ich bitte euch, was ist denn bitte am Tag zuvor Paderborn und Düsseldorf passiert? Waren die nicht auch auswärts in Führung gegangen?

Wie viele Spiele haben wir denn schon am Millerntor gedreht? So what!

Es ist an der Zeit, sich auf das Thema „Fussball und Liebe“ einzustellen. Wartet’s ab. Und Liebe kennt keine Vorwürfe und ist immer zunächst mal Selbstliebe. Was das Gegenteil von narzißtischer Selbstverliebtheit, aufgeblähtem Ego und selbstgefälligem Rumgemackere ist. Ist kein Posen und kein „Wir sind geiler als ihr!“.

Liebe kennt keine Konkurrenz. Deshalb ist der Kapitalismus ja so lieblos.

Wollte gerade schon schreiben „Liebe ist …“, dann fielen mir diese heteronormativen Cartoons aus meiner Jugend wieder ein, diese Sinnsprüche zu Männlein und Weiblein, die es, meine ich zu erinnern, sogar auf Radiergummis gab. Urrghs. Etwas ausradieren wollen ist eh schon Lieblosigkeit den eigenen Fehlern gegenüber. Liebe will keine Perfektion. Liebe ist dieses wohlige Gefühl von Geborgenheit und Vertrautsein, das der schlafende tollste Hunde der Welt auf meinem Sofa gerade erlebt.

Wem man die Chance auf Vertrauen nicht gewährt, lernt auch nicht lieben. Ganz einfach. Übrigens ein hochpolitischer Satz.

Habe aus diversen Gründen das Spiel gestern gar nicht gesehen; lese ich jetzt bei so vielen die Verzweiflung und das Niederquatschen des Kaders im Sinne des Funktionalen, nee, den Herzfahnen auf der Nordkurve entspricht das nicht. Aber diese wundervolle Aktion von Marius Ebbers zur Nöthe-Verteidigung, hat ja jeder mit bekommen, die entspricht dem.

VERSTÄNDNIS!

Auch so ein dem Wirtschaftssystem fremdes Wort. Da betreiben die Leute Marktforschung, um noch die hintersten Winkel der Motivitation zum Kaufen auszuspionieren – doch Bilder wie jenes, da Nöthe den Arm um Ratschkowsky legte und sie das Dom-Feuerwerk hinter der Gegengeraden verzückt betrachteten, bevor sie das Spielfeld verließen, gerade dabei, sich zu verlieben in ihren neuen Verein, sind mit solchen Instrumenten eben nicht erfassbar.

Der ganze Zauber des Lebens erschließt sich doch nicht, wenn man über fehlende Spieler auf der 6er-Position die Liebe der Union-Fans zu ihrem Verein außer acht lässt und dabei schnöde dem eigenen, amourösen Reigen die Qualifikation abspricht.

Liebe lebt von Respekt und Achtung auch der Grenzen und der Dünnhäutigkeit des Anderen. Deshalb grabbelt man auch nicht einfach drauflos. Die Erotisierung des ganzen Lebens als Utopie kennt es, in Tönen, Farben, Lächeln, dem Blick auf Haut und Glitzern in den Augen, der Art, ein Wort so auszusprechen wie niemand sonst wahre Wunder zu entdecken – aber kennt nicht „Boah, Titten!“. Das ist das Gegenteil.

Und wenn es dann mal nicht läuft, kann man sich kümmern. Um sich und das, was glücklich macht. Mein Saxophon zum Beispiel. Bekam auf einmal die tiefen Töne nicht mehr. Schwer sind die eh auf dem Tenor zu spielen. Aber es kam nur noch Kreischen. Alles zu hoch, alles grausam, das tiefe D flatterte, beim C war Gewalt vonnöten, und weiter abwärts Geräusche wie von Verkehrsunfällen.

Es schrie.

Doch ich schnallte es nicht, stellte meinen Ansatz, das ist die Lippenstellung, in Frage, verzweifelte, scholt mich, schwitzte, erklärte mich zum Versager, machte mich fertig – anstatt mich mal zu fragen, ob diesem so traumhaften neuen Partner, Goldie Horn, vielleicht irgendwas fehlt.

Zermürbt, zerschmettert, wankend, verunsichert stand ich beim Sax-Lehrer und klagte über meine Unzulänglichkeit, er beobachtete mich beim Spielen – und drückte auf eine Klappe viel weiter oben auf dem Instrument.

Auf einmal ging es. Die Gis-Klappe, die eigentlich geschlossen sein müsste, war nicht ganz dicht. Und Goldie Horn wollte mir das die ganze Zeit erzählen – hätte ich mal zugehört. Also auf zum Sax-Doc, der ihn liebevoll versorgte. Alles wieder gut.

Dann noch einfach mal eine halbe Blattstärke reduzieren – Sax spielt man mit Rohrblättern aus Holz, die erzeugen den Ton -, und auf einmal klingt das abgeschmackte „Girl from Ipanema“ so, als hätte ich einen Koma-Patienten ins Leben zurück geholt. In meinen Ohren. Und das reicht mir. Was ein Sound! Meinem und Goldies Glück steht nix mehr im Wege.

Ja, einfach mal die Latte tiefer legen, sich kümmern, und schon klappt es.

Das kriegen Team, Trainer und Manager mit uns zusammen jetzt auch wieder hin. Wenn wir nur alle gut zu uns sind.

Der Kapitalismus verlangt unmenschliche Härte gegen sich selbst. In einem gewissen Rahmen kann man das ruhig mal bleiben lassen.