Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Polizist“ ist keine Eigenschaft von Menschen

„Für uns steht außer Frage, dass die Eigenschaft Bulle zu sein und gleichzeitig Teil der Südkurve oder gar Ultrà Sankt Pauli nicht zusammen passen können und einen nicht auflösbaren Widerspruch bedeuten.“

Rums. Hamburg bei Hitze. Das Textbausteinspiel beginnet.

Am lustigsten: USP spreche Berufsverbote aus.

Das ist analoger Unsinn zu diesem ewigen „Zensur“-Gequassel. Weil wie üblich zwischen der mit dem staatlichen Gewaltmonopol und ernsthaften Sanktionsbefugnissen ausgestatteten Exekutive und einem Häuflein Menschen von gesamtgesellschaftlich verschwindend geringer Wirkung ohne Befugnisse gar nicht unterschieden wird.

Mir geht diese völlige Unfähigkeit, zwischen strukturell-institutionell und individualpsychologisch oder auch kleingruppenbezogen zu unterscheiden, mittlerweile nur noch auf die Nerven. Da kann man im Grunde genommen auch aufhören zu reden. Berufsverbote waren das hier , und es war wie üblich die angeblich so hegemoniale Linke davon betroffen – und ich halte es für unwahrscheinlich, dass der weiteren Polizeilaufbahn ein Rausschmiss bei USP irgendwie im Wege stünde.

Umgekehrt ist es auch keine „Eigenschaft“, Bulle zu sein. Eigenschaften sind dick, dünn, laut, albern – oft sind das ergänzend so genannte Dispositionsbegriffe: Wie ein Glas zerbrechlich ist, wenn x passiert, reagieren Menschen gehäuft auf x mit y. Bei Pfaffen wird Momo wütend.

Das ist die Berufswahl- und -ausübung aber nicht. Gerade bei Polizisten würde man sich ja oft wünschen, dass sie auf x mal nicht mit y, sondern mit z reagieren würden. Dass sie freundlich, souverän, niemanden herab würdigend, gewaltfrei, bis es gar nicht mehr anders geht, hilfreich, ohne Ego-Allüren oder der Tendenz zum Machtmissbrauch, ohne Spaß an rassistisch motivierten Kontrollen und Kleinkrieg mit etwas, das als Gangs wahr genommen wird, agierten – und davon wird es auch sehr viele geben, die exakt das sind.

Was USP da macht, ist in der Hinsicht nun leider wirklich ein ähnlicher Kategorienfehler wie der, nun davon auszugehen, sie wären befugt, Berufsverbote zu verhängen.

Ich verstehe das total, was die BASCH da schreibt, hinsichtlich dessen, dass handfeste Interessenkollisionen eintreten bei einem Polizisten, agiert er in einer Gruppe, die gezielt und mit allen Mittel staatlicher Demagogie und Verordnungen kriminalisiert wird. Es ist auch  nicht auszuschließen, dass er eben doch spitzelt.

Umgekehrt daraus dann sozusagen eine persönliche Eigenschaft zu basteln, aaaaargh, Es gab da neulich schon diese treudeutsch heroisierende Formulierung, nunmehr sei auf  „Charakter, Persönlichkeit, Authentizität“ zu achten bei USP. Was ist denn das für eine Gehirnwäsche?

Ich finde schon auch ein starkes Stück, nun Berufsgruppen prinzipiell irgendwelche „Eigenschaften“ anzudichten. Ich glaube, das klappt nur bei Psychotherapeuten 😀 – aber ich gehe schon davon aus, dass auch heute noch sehr viele Menschen gibt, die in die Polizei, die Justiz, in Finanzämter, die Politik, ja sogar die Katholische Kirche gehen, weil sie im Positiven etwas bewegen wollen.  Die 68er nannten das „Marsch durch die Institutionen“, und die Frage ist, ob das geht.

Das ist auch viel schwieriger, als sich von den Eltern das Studium finanzieren zu lassen und als Revoluzzer zu gebärden, bis man dann fertig studiert hat und sich genau so einfügt.

Und was genau ist jetzt an Werbern besser als an Polizisten?

Da heißt es dann „so ist das im Kapitalismus“; Polizei gehört zu dem aber ebenso dazu. Eigentumsschutz.

Gab ja einen – heute in einem Gespräch wieder akut werdenden – Fall, da ich mich extrem darüber aufregte, dass bei einer Veranstaltung des FC St. Pauli ein katholischer Geistlicher in der Uniform seines Arbeitgebers saß. Wie ich finde, zu recht – das verstößt schlicht gegen die Stadionordnung, wenn jemand ALS VERTETER einer krass schwulenfeindlichen Organisation (obwohl so viele derer darin arbeiten), deren jüngst zurück getretener Chef in afrikanischen Staaten solche explizit segnet, die die Todesstrafe für Lesben und Schwule forderten, in Amtstracht da rum lungert. Das ist in der Frage nicht besser als Thor Steinar-Klamotten.

Nun kann trotz spiritueller Verirrung, Zuwiderhandeln gegen den Willen Gottes – ätsch 🙂 – und gruseligem Arbeitgeber das ein total netter Mensch sein, der in anderen Zusammenhängen sich vielleicht sogar gegen Schwulenhass in der Kirche einsetzt. Ist bei dem zwar unwahrscheinlich, der erläuterte ja Ring2 noch, wieso solche wie ich angeblich Gottes Willen zuwiderhandelten und ich fragte mich einmal mehr, wieso ausgerechnet die in solchen Fragen sich eine Expertise zusprechen – Rückschlüsse auf sonstige „Eigenschaften“ seiner Persönlichkeit lässt das nicht zu. Trotzdem hätte ich vermutlich kein Problem damit gehabt, wenn der nicht in Ornat als Vertreter der Amtskirche, sondern in zivil als Privatmensch und einfach katholisch-gläubig da gesessen hätte. Das ist dann dessen Sache, nicht jedoch, wenn er die geballte, institutionell bestens abgesicherte, globale Macht seiner Kirche aufträgt.

Nun finde ich die Polizei im Allgemeinen im Vergleich mit der Katholischen Kirche noch ungleich ambivalenter: Die regeln auch den Verkehr, klären im beste Falle Morde und auch Vergewaltigungen auf, letzteres wäre zumindest möglich und gut, wenn sie es denn täten, gehen im Falle heterofamiliärer Konflikte dazwischen, und ich vermute sogar, dass sie intervenieren würden, wenn schwule Paare von Rostock-Fans verprügelt würden.

Ich verstehe fundamentale Staatskritik, sehe aber den Abbau des Sozialstaates eher als akutes Problem oder „Drittmittelwerbung“ bei Universitäten an. Man kann Polizisten nicht pauschal absprechen, in ihrem Amt wirklich Gutes tun und auch gesellschaftlich bewegen zu wollen. Und die Ausfälle sind eher der Politik, Neumann und Co, anzulasten, weil die ihre Aufgabe nicht nachkommen, Grenzen zu setzen.Problem ist doch, dass diese Institutionen von vielen wirklich aufgegeben wurden, aber weiterhin machtvoll bleiben.

Trotzdem finde ich es völlig legitim, wenn USP da mit Misstrauen reagiert und sagt „Lieber nicht“. Das ist einfach klug, nicht intolerant.

Wenn da nur diese Begründung nicht wäre … und die ist halt übergreifend relevant. Deshalb schreibe ich was dazu.

 

EDITH: Hier sei sozusagen die „Gegendarstellung“ verlinkt, der Fairness halber und sowieso – habe es selbst noch nicht gelesen. Via Magischer FC, Facebook.

Advertisements

43 Antworten zu “„Polizist“ ist keine Eigenschaft von Menschen

  1. VuVu//riotqueer Juli 24, 2013 um 8:53 pm

    Das ist echt nur hierarchisches Geplänkel in der Sex_welt von ‚Ultra‘-Mann hier und Leugnung, das auf den Spielfeld ein Bol’shevik läuft bzw. die Antifaschistische Arbeit in Hamburg-Mitte schon immer die Überschneidung kannte, dass es sich nicht vermeiden lässt, wenn es um Fragen der eigenen Karriere-Leiter auch mal dem kriminologischen Grundsatz bedarf im ‚common‘: warum gerade eine Einheit von mehreren Tausend in Uni_physh nun schlechter und/oder besser sein sollen…ewige ‚OK‘ von ‚reichen Kindern‘ seit der Paraphierung von Pfarrers-Dochter ‚Esslin‘ – wenn es dann um die ‚Unversehrtheit des Körpers‘ geht, weiß Mann welche faschistisch-konstruiertes Gedankengut dahinter steckt. Zur einer guten Navigation auf der Weltkarte, gehört der Badge of color,..und das Polizist sein heut mehr denn je Armuts-VW – ist und bleibt, sollte die Tatsache nicht hinweg täuschen, dass diese Aussagen von tiefen Unwillen zeugen, mal einen ‚Geistes‘-Wissenschaftlichen Progress zu suchen,…halt der Kult um den ’nationalen art coin’…wahrscheinlich vom Antifa-Professoir der HAW in die Leitplanken geschrieben zur weiteren Kachelung und Heroisierung des schnellen ‚one-pound-woundeers‘ bzw. weiteren Defam_zur Unterdrückung dienen..da sieht meine ‚Hood of truust‘ ganz anders…6 Mio.Bronx Kingz’n Queens never chained tha _Imp..bla, bla,..alter Hut halt…gutes Spiel in BAW zur Karlsruhe den Karl ‚BAFF’….bla,..bla,..danke für die Transparenz Momo….eine kühle motion für dich…mit AA-Brause…zu Peter,..traraaa…

  2. momorulez Juli 24, 2013 um 9:00 pm

    Das mit der Armutsverwaltung ist noch mal ein echt wichtiges Stichwort. Bzw. ein wichtiger Sachverhalt. Das ist ja der Punkt, wo ich es echt bigott finde, Coca Cola als „so ist das eben“ zu akzeptieren, aber das, was im eigenen Radar auftaucht, in so eine Burschenschaftslogik zu überführen. Das ist doch wie mit den ESSO-Häusern, wo Heidelberger „ihr Viertel“ verteidigen, aber wenn die Leute erst mal auf dem Mümmelmannsberg leben, sind sie ihnen scheißegal.

    Die Entscheidung verstehe ich trotzdem, aus oben genannten Gründen.

  3. lenny5aces Juli 24, 2013 um 9:13 pm

    puh, sich jetzt an dem einen Wort so aufzuhängen ist aber schon etwas mühsam!
    Stünde da jetzt sowas wie „berufliche Tätigkeit“ wäre gegen o.g. Zitat aus deiner Sicht doch nichts einzuwenden, oder? Zumindest liest sich das aus den ersten und letzten Zeilen.

    Eigentlich macht aber der ganze Text ab „Ich finde schon auch ein starkes Stück“ auch keinen Sinn, wenn du die Entscheidung an sich „legitim“ und „klug“ findest. Denn der Polizist in der Kurve kann für den politischen Aktivisten in der Kurve u.U. eine direkte Gefahr darstellen. Der Pope in Zivil wohl weniger (wenn sich das auch nicht ausschließen lässt, aber nicht aufgrund seines Berufs (es sei denn ich bin ebenfalls gläuber Katholik und müsste befürchten, dass er „da oben“ petzt)).

    Was „Abbau des Sozialsystems“ o.ä. damit zu tun haben verstehe ich nicht mal im Ansatz.

  4. momorulez Juli 24, 2013 um 9:32 pm

    Das ist ja eine ganze Logik, die hinter der Formulierung steht.

    Das eine ist halt eine Verallgemeinerung von Charakterzügen, die auf alle Polizisten projiziert werden, das ist doch Scheiße.

    Das andere das, was Du schreibst: Politisch wohl begründete Vorsicht.

    Zudem halt auch wirklich immer wieder zu betonen ist, dass viele, die da hin gehen, Anderen nun wirklich nichts Böses wollen; und wenn man das nicht anerkennt, verschärft man die Thematik doch nur und schwächt diese Fraktion auch noch.

    Der Pfaffe ist nicht im selben Sinne eine akute Gefahr – das triggert aber heftig, wenn der da sitzt, weil all die armseeligen Traktakte, mit denen man ein Leben lang als Schwuler gequält wird von denen, aktiviert werden. Durch die musste Dich ja erst mal durchkämpfen und willst den in Räumen, die sich als „gegen Homophobie“ gerichtet sehen, auch nicht begegnen. Dann wirst Du gezwungen, Dich damit zu beschäftigen. Das ist, als würdest Du da jemanden hin setzen, der Lebensformen Schwarzer als „primitiver“ behauptet, tut, als gäbe es solche „typischen“ Lebensformen überhaupt – und das als Antirassismusveranstaltung behaupten.

    Wie schnell die Gefahr aber akut werden kann, das hat man in Frankreich ja gerade gesehen, wo die Katholische Kirche die treibende Kraft war und auch mit Gewalt drohte, prompt gab es die auch und es wurde auch jemand ermordet. Gewalt gegen Shwule hat sich seitdem verdreifacht,

    Die Sozialsysteme kommen auf zwei Ebenen ins Spiel: Zum einen eben bei der Staatskritik im Allgemeinen. Haut man pauschal Staat in die Pfanne, wie Neoliberale das Jahrzehnte lang taten, kommt das totalitäre Hartz IV hinten eben auch hinten raus.

    Zum anderen das, was Vuvu ergänzte: Anschließend wird dann aus Polizei schlicht Armutsverwaltung. Was für die Akteure auch nicht witzig ist.

  5. lenny5aces Juli 24, 2013 um 10:03 pm

    Danke für die Erklärung.
    Die Sache mit dem Pfaffen versteh ich komplett. Über die anderen Sachen können wir diskutieren, müssen wir aber auch nicht. Denn darum geht es doch garnicht. Klar kannst du das Statement von USP als verkürzt bezeichnen. Ist es sicher auch. Find ich aber – an der Stelle – nicht weiter schlimm.

    Dass es sich bei der Wortwahl um eine ganze Logik und „eine Verallgemeinerung von Charakterzügen, die auf alle Polizisten projiziert werden“ handelt glaube ich beim schlechtesten Willen nicht. Klar können solche Worthülsen auch immer einer inneren Logik folgen (wie die meisten sexistischen, homophoben oder antisemitischen Äußerungen im Stadion), sie können aber auch einfach nur eine unpassend gewählte Formulierung aus dem Alltagssprachgebrauch sein, die eben nicht allzu tiefe Einblicke in die Seele und die zugrundeliegende Logik der Verfasser erlauben sondern höchstens in deren Reflexionsfähigkeit ihres Sprachgebrauchs (was dann wiederum auf den geringeren Teil o.g. Beleidigungen zutrifft).

    Aber da muss ich dann in dem Fall sagen: so what?

  6. momorulez Juli 24, 2013 um 10:05 pm

    Kann ja gut so sein; dann könnte das oben ja dabei helfen, dass es klarer wird, und das ist dann doch prima! Bin ganz solidarisch mit USP und freu mich dann.

  7. Ichnusa Juli 24, 2013 um 10:27 pm

    ein teil fehlt mir komplett. nämlich den der im text von usp durchschimmernden persönlichen kränkung durch das umfeld des bullen. sprich das sie schlicht angelogen wurden als sie der sache auf den grund kamen.
    ich frage mich ob ohne dies die reaktion seitens der gruppe usp so krass ausgefallen wären..

  8. momorulez Juli 24, 2013 um 10:30 pm

    Danke für den Hinweis! Das ist halt von außen so gar nicht durchschaubar; im Forum schreibt ja einer aus dem Fanclub, alles sei ganz anders gelaufen. Das weiß ich ja nicht.

  9. VuVu//riotqueer Juli 25, 2013 um 12:42 am

    Also noch mal ein Gruß an den Crischii aus der Schanzenburg 48a,..im weiteren auch der Verantwortliche ‚BiiKuup‘ der Welle an Wiesengrund zu Wiesbaden Sub_ordination im Geflecht der Neuengamme-Abschaffung 2003 [JVA] und Beamten-Statut weiterer sog. linksradikaler Ökonomien…ganz toller Prom…auch nicht zu vergessen die stetigen LK’es in der Brigittenstr. im Reisefieber und auch nur heterogen an politischen Prozessen beteiligt…da sollte sich Mensch echt mal fragen – gerade im IN-side-Trade, …wen denn der Saftkorn zur deploitation des Parlamentarismus Idio_lem lokal mit einem Minus von Flensburg nach Berlin, immer wieder in der Jugend-Zucht auftaucht da radikale Politik, mit sektionalen Negotiation des zweischneidigen Paragraphen-Bet too Zeitraum im Verkehr, nicht auch Uniformierungen tragen, diejenigen in der ganzen 1000jährigen ’67/77-Debatte am Sterben sind aus Altersgründen, da arrangiert mit dem Gewimmel – Pimmel von Cops im Stadtteil und Landesamt, auch der/die homosensuale Dienstvorschrift sich in einem täglichen Frust der visuellen Darstellungen von ‚Lust‘-Skrupel_loseren Herren mit Frauendienst zur Alibi_zierungen, sich finden lässt,..hat der Text aus den Spektrum heraus nur eine Nabel-Show im Sniff snuff offenbart…lasst Euch nicht ‚othern‘..bla,..bla,…think global, act local…mit einem Verweis zur aktuellen Justiz-Sn hinterm Flora-Park,…und Fritz Bauch geplapper mit paki-Justiz zu Lahore…all over now Bibliz due…Verschwörung ick hör die Spinnen tanzen…

  10. jeky Juli 25, 2013 um 7:11 am

    Eine weitere interessante Frage: warum musste das so plakativ aufgehängt werden? Es scheint sich um eine USP-interne Exkommunizierung aus für sie wichtigen Gründen zu handeln, bis dahin also kein Problem. Wenn ich jemanden nicht in meinem Club haben will, schmeiße ich ihn raus. Darf ich auch.

    Nur dieses USP-übliche Begehren, das Aufenthaltsbestimmungsrecht über die Südkurve haben zu wollen und das in dieser mit heißer Nadel gestrickten Tapete zu manifestieren, schießt das Ding wieder weit über ihre Berechtigungen hinaus. Das hatten wir ja schon mal und ja, Momo, wir waren und sind auch da verschiedener Ansicht. Aber den Diskurs von vornherein mit den Worten „Es bleibt dabei: Keine Gespräche mit Zivis und sonstigen Bullen!“ abzulehnen, ist eben wieder typisch. Ich halte weder was von Sippenblockade noch von Sippenhaft und natürlich werden alte Wunden und dazugehörige Gräben wieder aufgerissen.

    Abschließend: im Grunde sind sie mir mittlerweile eher unwichtig geworden, das unterstreicht auch die neue GG, auf der man sie kaum noch hört. Wenn sie sich mit solchen Pamphleten weiter ausgrenzen wollen, bitte schön. Auch recht. Und was den stellenweise „unglücklich“(?) formulierten Text angeht: ich habe in der Basch schon richtig gute Artikel gelesen, die davon zeugten, dass der Schreiberling schreiben kann und das auch unmissverständlich. Warum man bei einem solchen Thema dann den unredigiert den Formulier-Azubi dranlässt, erschließt sich mir nicht.

    Vorgestern waren es die Sexarbeiterinnen von Susi am Millerntor, gestern war es der Schlager, heute sind es die „Bullen“ in der Südkurve, ich bin schon gespannt auf morgen. Kommerzgeile Werbefuzzis oder ausbeuterische Banker? Wie heisst es im angesagten Sprech: was für eine Kackscheiße.

  11. momorulez Juli 25, 2013 um 8:22 am

    Puh, ob die Frage der allgemeinen Südkurvenhoheit da eine Rolle spielt, ist das so? Im Forum habe ich dazu widersprüchliches gelesen. Ich denke generell, dass es eine Art Abschottungsrecht von Repression unterliegenden Subkulturen gibt. Und das eine Mal, wo ich politisch organisiert tätig war, hatten wir auch prompt Zivis in der Gruppe. Man kann das auch nicht diskutieren, ohne die Anfragen beim Senat zur Kenntnis zu nehmen, dass die Polizei ja tatsächlich mit V-Männern im Kontext von Fussballfans agiert, und wie die so agieren, das wurde bundesweit zwar viel zu wenig diskutiert – dass es gute Gründe gibt, zu vermuten, dass vieles, was als „kriminell“ gilt, ohne die gar nicht passieren wird, dass es keine Verschwörungstheorie, sondern wahrscheinlich ist, dass es Agents Provocateure gibt, das spielt da ja alles mit rein. Das ist keine Frage, wo es nur um „kulturelle Hegemonien“ oder Mentalitäten ginge, um Toleranz oder auch nicht. Da ist auch sehr viel legitimer Selbstschutz im Spiel. Das ist auch so ein Grundrecht, das gemeinhein in Vergessenheit geraten ist – eigentlich betrifft das alle Grundrechte: Sie sind SCHUTZRECHTE VOR DEM STAAT. Das ist historisch tatsächlich so. Das wird zwar bei jeder zweiten Demo ausgehebelt, das ist aber der Erfahrung des „3. Reiches“ geschuldet.

    Ich würde das deshalb auch deutlich von der Schlager-Diskussion trennen wollen, weil das zwei verschiedene, gesellschaftliche Ebenen sind.

    Ich denke auch nicht, dass es Aufgabe von USP ist, mit der Polizei zu quatschen. Umgekehrt denke ich, dass aus den Dilemmata eigentlich nur vernünftige Polizisten selbst hinaus führen können. Und das passiert ja gerade immer häufiger, dass z.B. Polizisten ihre Kollegen anzeigen. Das war auch ein Grund für den Zusammenbruch der DDR übrigens, dass die „Sicherheitsorgane“ nicht mehr mit spielten.

    Aber das sind doch eher Themen für uns Ältere, oder?

  12. jeky Juli 25, 2013 um 9:16 am

    Alter schützt vor Torheit nicht, aber Jugend entschuldigt nicht alles. Erklärt, ja, aber nicht entschuldigt. Ich spreche der Gruppe auch nicht das Abschottungsrecht ab, das für ihre Gruppe gilt. Der Rest betrifft die „Kurvenhoheit“ und dass es diesbezüglich Ansprüche gibt, ist ja nun nicht neu.

    Ihren Satz „Umgekehrt denke ich, dass aus den Dilemmata eigentlich nur vernünftige Polizisten selbst hinaus führen können“ finde ich insofern interessant, als das der fragliche Fan offenbar in den Monaten davor die passende Gesinnung aufwies und nicht bewiesen ist, dass er Übles im Schilde führte. Ergo erwies er sich bis zur Enttarnung als offenbar vernünftiger Polizist.
    Hilft ihm aber auch nicht weiter, der Dialog ist ja nicht gewünscht. Es scheint im Forum eine Stellungnahme des betreffenden Fanclubs zu geben, aber meine Maximaldosis Forum wurde bereits kürzlich erreicht, ich lese das nicht nach.

  13. momorulez Juli 25, 2013 um 9:21 am

    Da hast Du jetzt aber zwei Argumente vermengt – das „vernünftige Polizisten“ kann aich nicht auf den konkreten in der Kurve beziehen in der Hinsicht, die ich meinte – der hat notwendig einen Interessenkonflikt in Zeiten, da vom Innenminister ausgehend ein politisches Interesse besteht, Fussballfans zu kriminalisieren. Allgemein-Politisch hingegen besteht Bedarf an Polizisten, die sich diesen Quatsch auch nicht mehr bieten lassen wollen. Du bringst ständig Konkret-Zwischenmenschliches und Allgemein- Strukturelles und Politisches durcheinander.

  14. jeky Juli 25, 2013 um 9:24 am

    Dann meinen wir eben etwas Unterschiedliches, ich meine eben nun mal den konkreten Polizisten, der analog zur Kriminialisierung der Fussballfans quasi polizeilisiert wird. Und durcheinander bringe ich es deswegen, weil alles ineinander greift und eben gar nicht so strikt zu trennen ist. Zumindest nicht für den „Durchschnittsleser“, also Leute wie mich.

  15. momorulez Juli 25, 2013 um 10:23 am

    Es gibt diese Analogie nicht, weil USP über KEINERLEI INSTITUTIONELLE MACHT verfügt. Die können keine Personenkontrollen durchführen, nicht inhaftieren, keine Handschellen anlegen, haben keine Staatsanwaltschaft im Rücken, keine Gefängnisse oder sonstige Zwangsmittel – und keine Politik, die sie stützen würde, NICHTS DAVON.

    Und das ist ganz und gar für jeden auch nachvollziehbar, diese Differenz, der nur ein einziges Mal in einer Verkehrskontrolle gelandet ist oder Punkte in Flensburg hat. Die kann USP auch nicht durchführen. Das ist nichts Kompliziertes, was nur für Fachsoziologen durchschaubar wäre.

  16. jeky Juli 25, 2013 um 10:27 am

    Da ich selbst schon erlebt habe, in welcher Form USP Macht demonstriert und auch ausübt, ohne irgendwelche Genehmigungen, belasse ich es mal dabei, sonst fangen wir wieder beim Ei an.

  17. jeky Juli 25, 2013 um 10:29 am

    P.S.: Doch, noch eins: unter dem Basch-Artikel wird ja auch schon mit körperlicher Gewalt gedroht – wenn Sie das gelesen haben. Ist das keine Androhung der Anwendung von Zwangsmitteln? Halt nur eben illegal.

  18. momorulez Juli 25, 2013 um 10:34 am

    Und in keiner Form vergleichbar mit einem Staatsapparat! Das ist nun echt ein Scherz. Zudem die Polizei den gesamten öffentlichen Raum zunehmend aggressiv und Bürger entrechtend okkupiert, nicht ein kleines Stück Stadion. Zwischen legal und legitim gibt es auch noch einen Unterschied; exakt dieser ist die Grundlage von Rechtsgebungsverfahren und eben einer, der die Gewaltenteilung ausmacht.

    Du kannst nun wirklich nicht 10 Minuten Südkurvenblockade mit einem Staatsapparat vergleichen, ich bitte Dich!

    Die Androhung körperlicher Gewalt finde ich allerdings prinzipiell Scheiße.

  19. jeky Juli 25, 2013 um 10:54 am

    Nein, das ist kein Scherz. Und wenn ich keinem diese Erfahrung bei den „10 Minuten“ gönne, Dir hätte es vielleicht gut getan, das mitzuerleben, damit Du weisst, wovon viele sprechen.

    Aber wenigstens können wir uns auf das mit der körperlichen Gewalt einigen. Immerhin.

  20. momorulez Juli 25, 2013 um 11:05 am

    Sorry, aber solche Vergleiche zeigen einfach einen derart krassen Mangel an politischem Sachverstand, dass Du Dich fragen solltest, wieso Du solche Fragen diskutierst. Das ist echt brutal. Frag mal die Refugees in der St. Pauli-Kirche oder Homo-Aktivisten in Russland, was es mit staatlicher Macht so auf sich hat. Die Vergleiche mit mal 10 Minuten gefühlter Betroffenensituation sind einfach hanebüchen.

  21. jeky Juli 25, 2013 um 11:34 am

    Meine Güte, Du begreifst aber auch alles nicht, was sich unterhalb Deines komplexen Verständnishorizontes abspielt. Das Blöde dabei ist, dass dann offenbar die Mehrheit der Stadionbesucher Deinen hohen Anforderungen an politischen Sachverstand in keiner Weise entsprechen. Man kann natürlich immer die globale Keule auspacken, um eine regionale Scheisse schön aussehen zu lassen. Funktioniert aber nicht immer. Totschlagargumente sind zwar ein Mittel, führen aber in der (kleinen) Sache zu nichts. Diese Diskussionsverwässerungen hast Du drauf, unbestritten, aber es geht um einen Polizisten in der Südkurve und nicht um Refugees oder Homo-Aktivisten. Und nun führt das echt zu nichts mehr.

  22. Pingback: Und dann hat‘s Basch gemacht | Curi0usities

  23. momorulez Juli 25, 2013 um 11:59 am

    @Jeky:

    Sorry, das hat nun wirklich nix mit Komplexität zu tun, den Unterschied zwischen Inhaftierung und der Möglichkeit der Ausweisung von Refugees durch Polizisten und einer Südkurvenblockade zu sehen. Das sind doch Binsenweisheiten.

    Das sind auch keine Totschlagargumente – je nachdem, wo Du in der Gesellschaft stehst, erlebst Du Kontakte mit der Polizei bzw. dem staatlichen Gewaltmonopol anders und auch häufiger, und die Differenz ist keineswegs „kriminell/nicht-kriminell“ in der aktuellen politischen Lage.

    Du hast das einmal eine Erfahrung gemacht, die für Dich Scheiße war, die Dich tief getroffen hat und die Dich bis heute wütend macht. Das verstehe ich ja vollkommen. Auch wenn ich die Blockade anders sehe, verstehe ich, dass das für Dich furchtbar war und ahne zumindest, was da psychologisch noch dahinter steckt, völlig undespektierlich. Weil ich Gefühle der mangelnden Anerkennung, der Stigmatisierung, des Ausschlusses usw. nun ziemlich gut kenne.

    Was Du dabei manchmal vergisst, ist, dass Du aus der Perspektive von Subkulturen den gesellschaftlichen Mainstream vertrittst, von dem diese sich übermächtigt fühlen und werden. Das muss nicht Deine Eigensicht sein, daraus entstehen aber die Konflikte. Bei der schwulen Frage sehe ich das übrigens nicht so.

    Andere machen ähnliche, aber doch völlig andere Erfahrung weit häufiger und sind dabei mit ganz anderen Mächten und auch Konsequenzen konfrontiert. Das sind einfach zwei paar Schuhe. Es gibt keinen USP-Knast, in den Jeky geraten könnte.

    Du könntest aber sehr wohl in einem Polizeikessel landen, in dem es irgendwo kracht, Du stehst zufällig daneben, landest in der Datei Gewalttäter Sport, bekommst bundesweites Stadionverbot. Geht ganz fix. Dann kannste nicht ins Ausland reisen, wenn irgendwo Fussballereignisse statt finden, wenn Du Pech hast, und weißt noch nicht mal was davon.

    Hat USP irgendeines dieser Befugnisse????????

    Du siehst ja noch nicht mal die gemeinsamen Interessen.

    Die Homo-Aktivisten sind ein Beispiel dafür, dass das Gewaltmonopol des Staates nun keineswegs per se legitim ist. Es gab hier ja Ähnliches bis 1969, hat Helmut Schmidt durchgesetzt in Hamburg. Da heißt es schlicht wachsam bleiben.

  24. biber Juli 25, 2013 um 12:59 pm

    Berufsverbot? Analogie zur irgendwelchen Pfaffen in Soutane? Werber als nächste ausgegrenzte Gruppe? Streng genommen ist das alles Humbug (auch wenn ich mir wünschen würde, wenn die ein oder andere Berufsgruppe Millerntorverbot bekäme. Aber das ist meine Privatmeinung und damit gehe ich nicht hausieren).
    Mal abgesehen vom „Ultra-spezifischen“ Ton, der ja durchaus spätpubertierenden Charakter in Verbindung mit Verschwörungstheorien hat, halte ich die Reaktion, Schergen (alternativ )auch Bullen/Polizisten/Team Green uvm.) aus der Kurve zu komplementieren für absolut richtig und ich würde mich für ein entsprechendes Vorgehen auch in unserer Ecke massiv einsetzen.
    Und das hat nichts mit Bespitzelung oder mit Berufsverboten zu tun, sondern mit dem Berufsstatus eines Polizisten zu tun.
    Polizisten sind im Allgemeinen Beamte und sie stehen „in einem besonderen Treueverhältnis zu ihrem Dienstherren“; ihr Verhalten muss sich an die „hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums“ (vgl. auch Art. 33 GG) orientieren und das 24 Stunden am Tag.
    Und man muss jetzt nicht mal Böses (Der gemeine Polizeispitzel) unterstellen, sondern kann sogar von einem legitimen Freizeitinteresse ausgehen. Was aber nichts daran ändert, dass ein Beamter, erst Recht, wenn er im Vollzugsdienst tätig ist, entsprechend seines Diensteides auch in seiner Freizeit (die er in diesem Sinne gar nicht hat) Straftaten, die ihm zu Ohren/vor die Augen kommen verfolgen oder zur Anzeige bringen muss. Das macht ihn zwangsläufig zum Spitzel. Tut er dies nicht (und ich gehe jetzt mal davon aus, dass es in der Süd genau wie in der Gegengerade den einen oder anderen strafrechtlichen Gesetzesverstoss während des Spiel gibt), dann besteht die Gefahr, dass dies, so es denn seinem Dienstherren zu Ohren/Augen kommt (und die Möglichkeit ist ja angesichts der Medienpräsenz durchaus gegeben) für die betreffende Person berufliche Konsequenzen bis hin zur Entlassung haben kann.
    Ich sage nun nicht, dass es zwingend so ist, aber die Option muss ich mitdenken und von daher würde ich einen Polizisten, der bei uns stehen will, auch sehr höflich und nachdrücklich auffordern, sich ein anderes Plätzchen zu suchen (idealerweise vor seinem Fernseher).

    Und bevor es jetzt zu Mißverständnissen kommt: Nein, ich frage nicht jeden um mich stehenden nach seiner Profession, aber sollte es mir zu Ohren komme, definiere ich Handlungsbedarf.

    Ich habe auch nichts dagegen, dass jemand die Berufswahl „Polizist“ trifft. Aber die Person muss dann eben mit Konsequenzen leben, die die Berufswahl so mit sich bringt. Von daher: Ich versteh‘ die Ultras und würde sie da auch unterstützen

  25. Pingback: Was wäre eigentlich, wenn Fabian Boll (#17) nu USP (Ultrà Sankt Pauli) Mitglied werden wollte? | St. Pauli NU*de

  26. momorulez Juli 25, 2013 um 1:08 pm

    @Biber:

    Danke für den Kommentar! Dient erheblich der Versachlichung und stützt ja, was ich hier die ganze Zeit schreibe.

    Der Pfaffen-Vergleich diente ja nun der Erklärung zur Differenz zu Polizisten, obgleich es auch da einen Unterschied zwischen „in Uniform“ und „in zivil“ gibt.

    Das mit den Werbern finde angesichts der Zusammensetzung des Publikums aus ganz anderen Gründen aber auch relevant. Nicht, sie zu dissen, sitz ja selbst neben einem, den ich sehr liebe und der einer meiner besten Freunde ist.

    Trotzdem verstehe ich manchmal nicht, warum nun eigentlich was jeweils am Kapitalismus als „Kommerz“ und Scheiße gilt, wieso anderes aber nicht thematisiert wird, während gefühlt das halbe Stadion in der Werbung arbeitet oder an diese angedockt ist. Das ist aber ein ganz anderes Thema.

  27. Pingback: Nachtrag zum Nachtrag zur "Polizisten Debatte": Können Polizisten ultrà sein? | St. Pauli NU*de

  28. Headnut Juli 25, 2013 um 2:17 pm

    Der Kommentar von Biber gilt dann jedoch für alle Beamte. Nur mal so…

  29. Hans Juli 25, 2013 um 2:17 pm

    @Biber und Momo: Dann sind also Staatsdiener diejenigen, die per se abzulehnen sind, weil sie aufgrund ihres Beamtenstatus den Joint-Rauchenden Nebenstehenden anzeigen müssten, da ihnen sonst berufliche Konsequenzen drohen. Was für ein Quatsch. Die Wahl eines Berufes mit Beamtenstatus kann durchaus eine bewusst darauf abzielende sein, sich in gewissen Grenzen der kapitalistischen Verwertungslogik zu entziehen. Das unterscheidet sie von Werbetreibenden und anderen in der freien Wirtschaft Tätigen, da sie nicht jede Party zum Knüpfen neuer beruflicher Kontakte nutzen und jederzeit Kündigung und/oder Zeiten ohne Aufträge/Bookings befürchten zu müssen. Es stimmt zwar: Das antiquierte Dienstrecht verpflichtet Beamte zur Anzeige von Straftaten, aber das unterscheidet sie nicht wesentlich von Anderen, die ebenfalls rechtlich verpflichtet wären, solche Dinge anzuzeigen. Was der Beamte daraus macht, ist seine Sache, so wie bei jedem anderen auch. Das Leben im Kapitalismus ist widersprüchlich und so ist es auch für Angestellte des Finanzamtes, Lehrer und Polizisten. Am Beamtenstatus festzumachen, ob jemand in der Kurve sein darf oder von anderen herausgeschmissen werden darf, ist Quatsch. Wer entscheidet, welcher Beruf dann noch OK ist und welcher nicht? Wenn überhaupt, dann hoffentlich nicht USP oder sonst eine Fangruppierung. Denn sonst bleiben am Ende nur Studierende, die den Luxus haben, sich weitgehend kapitalistischer Logik und anderer gesellschaftlicher Widersprüche entziehen zu können, sofern die Finanzierung irgendwie gesichert ist.

    Hier geschieht der gleiche Fehler, der auch USP unterlaufen ist: Das grundsätzliche Problem ist nicht in erster Linie, welchen Beruf jemand ausübt. Es gibt Berufe, die dem einen oder anderen (im Falle des Polizisten aus meiner Sicht verständlicherweise) erst mal sympathischer oder nachvollziehbarer sein mögen als andere. Wenn sich jemand als Polizist bei USP vorstellt wird er es entsprechend schwer haben, sich Vertrauen zu erarbeiten. Zu hoffen wäre, dass er dennoch diese Chance hätte, auch wenn die Gruppe USP sich natürlich dagegen entscheiden kann. Im konkreten Fall hat das Verschweigen/Lügen/… dieses in den Einzelnen gesetzte grundsätzliche Vertrauen zerstört. Deswegen ist der Ausschluss aus der Gruppe in Ordnung, nicht aber der Verweis aus einem Bereich des Stadions.

  30. momorulez Juli 25, 2013 um 2:37 pm

    Na, ich sehe aber schon noch einen ungleich höheren Druck auf dem Polizeibeamten lasten als auf einem verbeamteten Lehrer, das sehr ernst zu nehmen.

    Was schlicht an dem liegt, was ich die ganze Zeit auf Jeky antworte – der hängt höchstwahrscheinlich ziemlich nah an einem ziemlich furchterregenden Vollstreckungsapparat dran, und USP ist eine Gruppierung, die steter Gefahr pauschaler wie auch ganz konkreter, personalisierter Kriminalisierung unterliegt. Ich verstehe auch dieses ganze Derailing nicht; liegt das jetzt daran, dass nunmehr Verbeamtete sich angepisst fühlen?

    Ich sehe das ganz und gar nicht als Fehler in der aktuellen politischen Situation, da misstrauisch auf Abstand zu gehen.

    Die anderen Fässer, die Du aufmachst, passen mir allerdings sehr gut in den Kram 😉 … ich arbeite für staatliche Institutionen besonderer Art freiberuflich. Und da bekomme ich doch die Zwänge in diesen Institutionen ganz alltäglich mit, wo man immer auf der Hut vor dem aus dem Nebenbüro sein muss, der auch befördert werden will. Da kommt ja sogar noch Erpressbarkeit mit ins Spiel.

    „Das unterscheidet sie von Werbetreibenden und anderen in der freien Wirtschaft Tätigen, da sie nicht jede Party zum Knüpfen neuer beruflicher Kontakte nutzen und jederzeit Kündigung und/oder Zeiten ohne Aufträge/Bookings befürchten zu müssen.“

    Kannste noch nicht mal mehr auf Universitäten anwenden, siehe oben: Drittmittelwerbung. Und in meiner Branche gibt es kaum noch Festanstellungen, deshalb auch immer weniger Kündigungen 😉 … da ist natürlich viel dran, und manchmal sehne ich mich auch nach einem 8.30 h – 15.30 h-Job in einer Behörde mit festen Urlaubszeiten, Pensionsansprüchen und so. Was irgendwie auch zum Thema gehört; das ist aber ja auch nicht das Leben durchschnittlicher Polizisten beschreibt.

    Dass Verweise aus Stadionbereichen nicht gehen, da sind sich doch im Grunde genommen alle einig.

    Und gerade im Ehrenamtlichen-Kosmos von St. Pauli sollte sowieso mal mehr darüber geredet werden, wer sich das warum eigentlich leisten kann, während sich andere im „Freundeskreis“ vermutlich wechselseitig die Aufträge zu schieben.

    Und zudem darüber, was denn nun vielleicht ökonomisch doch machbar wäre jenseits dieser Struktur, im Stadion Kommerzkritik zu üben und parallel beim Klassenfeind zu jobben.

    Geht jetzt über das Thema weit hinaus, ist aber schon diskussionsfähig, glaube ich, in anderen Zusammenhängen.

  31. momorulez Juli 25, 2013 um 2:54 pm

    Daraus:

    „1) Südkurvenverbot für alle Millerntor Devils und alle, die es gewusst und den Polizisten gedeckt haben. Man schränkte natürlich ein, dass man den Zutritt nicht verbieten darf, aber man nicht möchte, dass wir dort erscheinen.“

    Das finde ich allerdings übel. Und „Annäherungsverbot“, Gott.

    „Um es hier mal klar zu stellen, es handelt sich weder um einen Bereitschaftspolizisten, noch um einen Streifendienstler. Unser Mitglied ist spezialisiert für Todes-, Brandermittlungen und Sexualdelikte und ist Polizist geworden, um den Bürgern zu helfen und nicht in einem Schlägertrupp, wie der BFE, zu landen.“

    Hebelt das jetzt auch meine Argumentation aus? Sehe ich nicht so. Da weiß ich jetzt aber auch nicht, wie hilfreich das nun wieder für den Betroffenen ist, steht halt da und es lesen eh gerade alle.

    Was eben auf den Punkt oben verweist: Wenn man in dem System drin hängt, stelle ich mir nicht so leicht vor, dessen Kriterien und die eigene, weitere Laufbahn da irgendwie raus zu halten.

    Ich lese und gucke aber auch gerne Krimis 😉 …

  32. biber Juli 25, 2013 um 3:08 pm

    „Headnut
    Der Kommentar von Biber gilt dann jedoch für alle Beamte. Nur mal so…“

    Mir hätte auch was gefehlt…

    Aber ernsthaft und auch für die, die meine Argumentation auf alle Beamten verallgemeinert haben: Der Handlungsdruck in Bezug auf Straftaten einen Polizeibeamten ist doch ein ganz anderen als z.B. einen beamteten Juristen im Finanzamt (wobei man denen auch zutiefst misstrauen muss). Oder hat von Euch schon jemand den gummiknüppelschwingenden Sturm der Finanzbeamten aufs Jolly oder auf den Fanladen erlebt?

    Und Hans: Wie ich schrub: Die Wahl eines Berufes, egal welcher, hat hoffnungsweise immer irgendeine Motivation zum Grund. Darum geht es auch gar nicht (wobei ich zugebe, dass ich erklärter Gegener des Berufsbeamtentums bin); es geht vielmehr darum, dass eine Berufswahl auch Konsequenzen beinhalten kann, mit denen man leben muss; als banales Beispiel: Wenn meine Berufung darin besteht, auf dem Dom zu arbeiten, dann besteht die Konsequenz darin, während der Öffnungszeiten des Doms kein St. Pauli Spiel besuchen zu können. Jetzt klarer?
    Und ob die Wahl, als Beamter tätig zu sein, eine gelebte Kapitalismuskritik ist, das möchte ich doch stark bezweifeln (Mal völlig davon abgesehen, dass dieser Kommentar mit dem Thema nun so gar nichts zu tun hat).

  33. Hans Juli 25, 2013 um 3:17 pm

    ich lasse nun mal dahingestellt, ob das Kapitalismuskritik ist oder nur mein Versuch meine eigene Berufswahl (in einem weniger umstrittenen Bereich) vor mir selbst zu rechtfertigen. Wichtiger finde ich: Das Beispiel mit dem Dom hinkt, denn, wie der Fanclub des Betroffenen richtig schreibt: Es gibt keinen Ausschluss bestimmter Berufsgruppen in der Stadionordnung. Das wäre auch mehr als verwunderlich und ärgerlich. Daher darf prinzipiell auch ein Polizist im Stadion und auch in der Südkurve stehen. Das muss erst mal jeder Einzelne und jede Fangruppe akzeptieren.

  34. momorulez Juli 25, 2013 um 3:32 pm

    Nein, jede Fangrupppe eben nicht. Das ist ja nicht der „Alte Stamm“, der sich vor Polizei in den eigenen Reihen schützt. Das ist USP, ich wiederhole mich, eine Gruppe, die auf Willen des Innenministers zu jenen gehörte, die im Focus dieser absurden „Sicherheitsdebatte“ stehen, die multimedial befeuert alles dafür tut, solche wie sie zu kriminalisieren.

    Und auch wenn der Fall Lothar König etwas anders gelagert ist, kann doch niemand mehr behaupten, dass das alles noch was mit rechtsstaatlichen Prinzipien zu tun hätte; die ganze Kritik aus Fan-Reihen argumentiert ja durchgängig rechtsstaatlich.

    Das sind Leute, auf die mittels Polizeigewerkschaft, Fernseh-Off-Kommentaren und Schlagzeilen in großen Zeitungen Jagd gemacht wird – und eben auch von Polizisten. Wobei Transparente wie beim letzten Spiel und dieses ACAB-Grütze auch Scheiße sind.

    Die ganze Reaktion von USP belegt das doch, was für eine Atmosphäre geschaffen wurde, in der sie agieren.

    Es wurde zudem von Seiten des Senates zugegeben, dass V-Männer in der Fussballszene eingeschleust SIND. Und dann fragen sie nach, und es wird vom Umfeld verleugnet.

    Ich weiß nicht, wie fit Du historisch bist, aber es ist schlicht Usus staatlicher Apparate, mit solchen Methoden politisch nicht genehme Gruppen zu zerstören – indem Staat auf die Art auch gezielt Misstrauen sät. Prominentestes Beispiel sind die Black Panther, die exakt so zerstört wurden.

    Ich würde jetzt USP nicht den Rang der Black Panther zubilligen, wäre ja auch ein Witz, aber deren Reaktion zeigt doch, wie diese ganze Hetze auf ihr Verhalten wirkt. Und ich finde es völlig absurd, ihnen keinen Selbstschutz zuzugestehen.

    Ich finde ja auch, dass sie sich politisch maßlos überschätzen, mag sie trotzdem sehr – und solche Reaktion entstehen doch nicht aus dem Nichts. Und sie dann großflächig auch noch zu Tätern zu stempeln, das spielt dann auch noch den Hape Friedrichs in die Karten.

    Ich finde diesen Südkurvenverweis, wenn das denn stimmt, Scheiße. Aber nicht, dass sie keinen Bock auf Unterwanderung haben – und ob der nun Mordfälle oder sonstwas untersucht, da ist immer noch richtig, was Biber da schreibt.

  35. snief Juli 25, 2013 um 3:33 pm

    @biber: der Vergleich mit dem Dom ist nun ganz weit hergeholt, verdeutlicht aber gut die Problematik.
    Wer auf dem Dom arbeitet muss als Konsequenz damit leben, kein Spiel zu den Dom-Öffnungszeiten sehen zu können, ja – aber doch nicht weil der Dom-Mitarbeiter ist, sondern schlicht, weil er parallel arbeiten muss. Ist doch ganz was anderes, als wenn er ausgeschlossen werden sollte, weil der Dom-Mitarbeiter ist…

  36. biber Juli 25, 2013 um 3:33 pm

    Hans,
    Du hast völlig recht mit Deiner Argumentation. Verbieten lässt es sich nicht; ansprechen kann man es schon; vor allem mit der betroffenen Person.
    Und, bevor jemand auf die Idee kommt: Käme es zu einer entsprechenden Debatte um die Stadionordnung, würde ich mich immer gegen ein Verbot qua Beruf aussprechen.

  37. momorulez Juli 25, 2013 um 3:37 pm

    Darum geht es doch gar nicht, es geht doch immer noch um USP. Die haben kein Plädoyer „Bullen runter von der Gegengeraden“ gehalten, sondern sich abgeschirmt.

  38. momorulez Juli 25, 2013 um 4:54 pm

    Hatte ich schon zwei Mal verlinkt, aber von mir aus auch gerne noch einmal 🙂 …

  39. biber Juli 25, 2013 um 5:49 pm

    Hans und snief:
    mir ging es um praktische Konsequenzen aus der Berufswahl.
    Aber, um es noch einmal zu verdeutlichen (und es passt inhaltlich auch besser): Die Landessprecherin der GRÜNEN ist aus dem Jolly geflogen, weil sie in ihrer Eigenschaft und in ihrem Handeln als GRÜNEN-Politikerin die Polizeieinsätze gegen das Jolly im weitesten Sinne legitimiert hat.
    Ich habe diesen Rausschmiss seinerzeit für richtig gehalten, denn das war die Konsequenz aus der Entscheidung, Landesvorsitzende der GRÜNEN in Hamburg zu sein.
    Wie gesagt, Konsequenzen!

  40. Bel bellus damme whoe Juli 25, 2013 um 7:24 pm

    Also verehrte Menschen der tagtgl. Wandlung zum Medien-Spott des Off und Radikalisierungen eines lokalen Raumes, der ja wahrscheinlich aus reinster, gezupfter Wolle zu scheinen sein muss: wenn ich mir überlege, wie es in den Parlamenatischen Hof der Medien um 1989/90 so aussah, mit Bilderberg zu Hafen/Flora bleibt bla, bla,..und ferner lief der soziale Brennpunkt Heroin zu E-Schicht: dumme Jungen werden sich erinnern..bla, bla,..da weiß ich ja nicht im geringsten dem im Sexual-Verkehr der radikalen Linken des öfteren kritisierten Discour zu im Off Polizei bzw. Nazi und im Bett legitim, da im Filz der Landschaften ja eh egal: Phänomen von politischen Strukturen im Semester-Wechsel zum Turnus.

    Was daraus dann geschürt; damals wie heute ist erstens: narzisstisches Abgrenzen zur Hegemonie des deutschen Kinderzimmers und Propaganda bzw. Rollenbilder zu Bonn/Berlin.

    Auch in der Schrammel-Szene, vom Schlager Attila Holm will ich ja gar nicht erst anfangen mit seiner militanten Leipzig-Nom,..war es sehr opportun daraus eine Sozial-Pädagogik zu ziehen, den vermeintlichen Pubescent zur blow der Adulterie, einen ersten Abgrenzungshinweis zu geben mit den Verweis auf den ja Anna Ahrend [haltens Maul..] liegendem Staat und Vernichtung jeglicher Welle zur weiteren Kritik, da ja Radikal und wohl auch finanziell Super-Auto-boom,..Menschen können darüber lachen und müssen es ja auch, da eh Hetero im Abstraktionsvermögen des näxt besten,…nicht die Hamburg Polizei mit allen Sonder-Unterbau zu Babel da jetzt besonders hinterher telefoniert und Abends dann den Porn mit Ziege am Herd,..es geht mir da um eine blinde, und so gar ganz blinde Männer-Polis, die es echt schaffte sich so weit zu isolieren, das nur beim bloßen Auge des Betrachtens klar scheint, ihr habt Euch soweit dann doch in der Hierarchisierung der Massen verkauft und -ploop- war es dann wohl nix mit der ach so -quality PoliZikk auf der näxten Super-Party im Verkauf von Getränk und weiteren ‚WG‘-Schnack…der Inoffizielle Statut von Beamten und Bereitschaft ist tagtgl. Kalkül und sollte so weit ‚transparent‘ und für jeden 100m gegen den Wind spürbar sein, sonst war es ja wohl nichts mit den ganzen Sober-Analys und Theo im Remus zu Leiche der beiden Weltkriege und Vergleich..

    Also da noch Gegen-Off zu schüren, von wegen die Welle zu Stürm den Sturm an der Holstenstr. bzw. bla, bla der Statistiken, …ist die Kritik daran zu setzen, warum denn gerade Jetzt der Pariser gezückt wird? Hat da jmd. nicht einen ominösen Auftrag mit ganz viel Plump-Perspektive und Zoo-Zulu-Schwert,..ich meine ja nur,..im Grunde eine ganz gemeine revisionistische Indoktrination..wenn ich da an die Köter von damals denke, die um den Tod am Hauptbahnhof im Zufuhr des Stoff zu Speck #gentri‘ zu Spiegel,..bla, bla,..ja dann meine verehrten Kritiker und Kritikerinnen im Altersfrust, dann die Schraube zurück und BFC Dynamo als Konstrukt neu betrachtet im so genannten urbanen Raum…denn am Ende ist es die dialektische Rhetorik, die auf den Doppel-Standart zum Gerichtsviertel Auswirkungen haben wird…mein Paragraph zuckt da nicht die Bohne…

    Gutes Spiel in Bundes-Karl…boouuiii

  41. Pingback: #FCSP mit Hitzepunkt beim KSC, Big Hooley Festival, USP und die Polizei | KleinerTods FC St. Pauli Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s