Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Tagesarchive: Juli 18, 2013

Ist das so im Kapitalismus? „Relentless“ auf FC St. Pauli-Brust

„Relentless“, Teil des Coca Cola-Konzernes, ist Hauptsponsor des FC St. Pauli.

Jetzt diskutieren es eh alle. Dann mache ich mit.

Natürlich höhnen als erstes irgendwelche „Antideutschen“, nicht zufällig aus Rostock, über „letzte Kämpfe der Antiimps“. Weil sie vermutlich Kritik am Coca Cola-Konzern, wie üblich rein „kulturell“ argumentierend, mit „Antiamerikanismus“ assoziieren. Selbst – solidarische Grüße – die Kollegen vom Magischen FC hauen in diese billige Kerbe.

Was immer das sein mag, Antiamerikanismus. Ich liebe Jazz, Soul, Stephen King, Joan Baez und unendlich viele Filme und bin heilfroh über die Befreiung ’45. Nur der Schwulen ja leider nicht 😦 …

Anderes finde ich gruselig. Ich bin da zu keinem pauschalen Pro oder Contra fähig.

Andere rufen resigniert aus „So ist das im Kapitalismus“.

Ist das so?

Klar hängt im Kapitalismus alles mit allem zusammen. Klar spiele auch ich seit 20 Jahren immer wieder irgendwo mit, wo man nach Recherchen auf Dreck am Stecken stößt. Schreibe an einem unter unmenschlichen Bedingungen produzierten Computer, habe iPhone und iPad und stecke mittendrin, mit white privilege versorgt.

Klar braucht der FC St. Pauli Geld und ist Teil des Profigeschäfts. Klar ist es cool, wenn die Geschäftsführung solche Summen an Land zieht.

Aber gibt es nicht doch noch Unterschiede zwischen z.B. Nestlé, Pharmakonzernen und Coca Cola einerseits und anderen Playern?

Ich stimme Stpauli.nu da zu:

„Coca-Cola wäre gut beraten, in diesen Diskurs einzusteigen, denn das zeigte die Ernsthaftigkeit dieses Engagements.“

Nach kurzen Recherchen ergab sich prompt, dass Coca Cola wie viele andere auch sehr zwiespältig agiert: Einerseits Profitmaximierung mit je nach Region grausigerweise üblichen Mitteln, die auch in Lateinamerika, wie jeder weiß, krass und harsch sind. Wie genau es sich verhält, dazu gibt es auch zwei Darstellungsweisen. Kann jeder weiter googeln.

Zum anderen gibt es auch eine Stiftung und Aktionen, die in – Triggerwarnung – krasser kolonialrassistischer Tradition im Gestus des Helfers, natürlich mit schwarzem Kind abfotografiert ganz oben auf der Seite, sich als helfende Hand da verkündet, wo es zuvor, ausdrücklich metaphorisch und nicht tatsächlich gesprochen, höchstselbst das Wasser abgegraben hat.

Metaphorisch, weil ich zwar googeln kann, aber nicht überprüfen, was wahr ist und was nicht.

Dass generell Weltkonzerne eben so agieren, wie Weltkonzerne  eben agieren, das ist ja bekannt und trivial. Ob das gut so ist und wie man sich dazu verhält ist, das ist aber eine andere Frage.

So läuft das ja ganz im Allgemeinen postkolonial überall: Sich immer noch als Retter, Helfer und Erzieher da aufspielen, wo man zuvor gewütet, ausgebeutet und unterdrückt hat. Und das auch auch weiterhin tut.

Ich würde dem Verein dringend empfehlen, mit all dem offensiv umzugehen. Das geht ja mitten ins Herz des Selbstverständnisses – einerseits Wirtschaftsunternehmen, andererseits eben auch viel Ethos, und dabei stellt sich immer die Glaubwürdigkeitsfrage. Wegen der Paradoxien, die das erzeugt, gehen ja viele auch nicht mehr ins Stadion. Während ich denke, dass die Publizität, die der Verein zu erzeugen vermag, auch Schlaglichter auf allgemeine Fragen wirft. Die wichtig sind.

Dann nur auf das „unkonventionelle“ Marketing von Relentless zu verweisen, das ist mir einfach zu wenig.

Ich warte auf eine Informationsveranstaltung im Ballsaal. Weil ich an die Revolution eh nie geglaubt habe 😉 …

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