Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die Saxophon-Dialoge, Teil 10

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Sich in den Ton verlieben … beim Saxophon lernt man wohl was über das Chi. v

Vermute ich.

Einst, als in grauer Vorstadt inmitten von „Neue Heimat“-Bauten, kasernenartig dreigeschossige Häuser mit je sechs 3 bis 4-Zimmer-Wohnungen für brave Arbeiter bedeckten Quadratkilometer um Quadratkilometer, ich in jener Realschule Unterricht hatte, da kurz zuvor noch ausgerechnet die Scorpions geprobt hatten, da dachte ich, man spiele das Saxophon mit dem Mund.

Okay, die „Stütze“, das Anspannen des Zwerchfelles, die wurde sogar vom Lehrer kontrolliert, der fasste mir glatt an den Bauch – aber nun, da sowohl für den Coppertwink – hey, von dem habe ich ja noch gar nix geschrieben!

Also, für den Coppertwink habe ich nun heute auch noch ein neues Mundstück gekauft. Ein offeneres. Eines, das den Luftfluss durch den halben Körper erst so richtig ermöglicht. Das ist ein Gefühl von FREIHEIT, das kennen die meisten vielleicht gar nicht. Ständig mit Blicken und Bemerkungen Anderer beschäftigt, in ein funktionales Netz aus Seinsollen gezwängt und irgendeinem Ziel hinterher hechelnd …

Freiheit mit dem Coppertwink. Meine erste und bisher einzige eBay-Ersteigerung. Ein Altsaxophon mit einer zauberhaft tuntigen Kupferlackierung zu Messing-Applikatur und geheimnisvoll grünschillernden Knöpfen – wir hatten einen Lehrer, der manchmal Schüler als „grünschillernde Scheißhausfliege“ beschimpfte. Eine fiese Type mit gezwirbeltem Schnäuzer, bei dem ich trotzdem in Geschichte so viel lernte, dass ich heute noch manchmal davon profitiere. Zum Beispiel musste ich in einem Referat die „deutsche Lösung“, das war damals noch die Zweistaatlichkeit, mit jener in Vietnam vergleichen. Ja, liebe Youngster unter den Lesern, da googelt mal rum, wir haben das ja alles in Milos Formans „Hair“ gelernt 😀 …

Und dann begab es sich zu der Zeit (so ungefähr), da allesamt gegen die „Volkszählung“ protestierten und gegen die Punker-Kartei auch, NSA warf seine Schatten voraus, ich „Der Kuss der Spinnenfrau“ las. Jener für mich so paradigmatische Dialog zwischen Molina, dem sehr „femininen“ Schwulen, und Valentin, dem kommunistischen Widerstandskämpfer, im Knast zu Zeiten der argentinischen Militärdiktatur. Molina erzählt mitreißend kitschige Filme, auch völlig naiv einen üblen, antisemitischen Nazi-Propagandastreifen und einen hochgradig rassistischen Zombie-Film – und Valentin vermittelt im Gegenzug politische Bildung. Freilich selbst zugleich völlig kaserniert in Ideologemen – die so fühlige, sentimentale Beziehungswelt in den cineastischen Erzählungen Molinas kocht ihn weich – wie auch das von den Schergen der Junta vergiftete Essen. Nur anders. Gegenteilig, sozusagen.

In dem Festeinband, aus der Bibliothek geliehen, waren seitenweise Zusammenfassungen insbesondere der Studien zu Autorität und Familie der Kritischen Theorie, Fromm, Marcuse und Adorno vor allem, in die Fußnoten gekippt worden, die parallel zum Text verliefen.

Das war das erste Mal, dass ich bewusst auf diese Denker traf, die teils in Abgrenzung, teils sie adaptierend für mich noch so wichtig werden würden. Und jener Geschichtslehrer, der uns auch die „deutsch-französischen Beziehungen“ lehrte, brachte mir auf Nachfrage die Karteikarten aus seinem eigenen Studium mit, um mich vertiefend informieren zu können. Über den so genannten „Freudomarxismus“, der im Umfeld meiner Psychoanalytiker-Mutter so ungemein populär war und mir nach dem Coming Out erst mal mal massive und passiv-aggressive Konfrontationen mit Narzißmustheorien und Freudscher Neurosenlehre einbrachte. Da hatte dann Dieter, in den ich so verknallt war, vor mir Saxophonunterricht, ich schwärmte – und abends las ich widerwillig in schlauen Büchern, dass ich ja gar nicht ihn toll fände, sondern nur eine narzißtische Projektion meiner selbst aufgrund einer zu intensiven Mutterbindung oder so …

Kein Wunder, dass das damals weder mit dem Dieter noch dem Saxophonspielen wirklich etwas wurde. Mit Dieter bin jetzt immerhin bei Facebook befreundet – und es war tatsächlich ein Brief von ihm, in dem mir erstmals das Konterfei Michel Foucaults begegnete, kopiert und in den Brief geklebt. Ja, so war das damals – man schrieb sich nicht Mails, an denen irgendetwas dran hing, sondern ging zum Kopierer, schnitt etwas aus, klebte es auf Papier und schrub mit der Hand Worte und Sätze drumherum.

Es war das berühmte Bild des Hinterkopfes Foucaults, die Glatze im Gegenlicht. Und der Foucault wurde so eine Art neues Mundstück für mich: Endlich tief durchatmen! Weg mit diesem ganzen Geschrei von gesellschaftlich deformierten Trieben, bei denen das Echo des guten, natürlichen, heterosexuellen Genitalsex immer mit zu erlauschen war und das im Freudomarxismus einen jeden in die Pathologisierung eines wohlfeilen Diffamierungsrasters presste. Der Jargon, der Wut nicht konnte, in der Selbstdiagnose jedoch mit „Ich bin ja so aggressionsgehemmt!“ die nächste übergriffige Attacke vorbereitete, die hinter jeder Regung stets etwas Anderes, meist Sexuelles witterte und durch dies indirekte Schließen auf das Unbewusste des jeweils Anderen ein ausgefeiltes Manipulationsrepertoire entfaltete. Der Jargon, der statt „Du Arschloch!“ „Du bist aber auch neurotisch!“ ausrief und mit bedächtigem Tonfall voller unterschwellig zitternder Wut den halben Bekanntenkreis mit finsteren Diagnosen überzog – zumeist in deren Abwesenheit. Kann man ja in manchen Blogs heute noch lesen, so was.

Dem galt das geballte Hohngelächter Foucaults – Psychoanalyse, das sei nur die Fortsetzung der christlichen Beichte, und statt so blöd zu sein, „die Homosexualität“ „in uns“ zu befreien, sollten wir uns lieber erst mal als schwul erfinden und über Freundschaft reden. Und sie leben.

Völliger Quatsch, dass „Sexualität“ unterdrückt worden sei, sie sei fortwährend produziert worden – vor allem die abweichende: In Kliniken, vor Gericht, in psychiatrischen Sitzungen und Forschungen. Vor allem natürlich jene Formen, die nicht der guten, heterosexuellen Fortpflanzung dienten – Frauen, die keinen Bock auf ihre Gatten hatten, erklärte man so für hysterisch, und „homosexuell“ wurde klinisches Phänomen, das mittels normalisierender Sanktion zu behandeln sei. Dass das bis zu Kastrationen, dem Einpflanzen „männlicherer Hoden“, Elektroschocktherapien und Lobotomien ging, das haben Lammert und Kauder auch wieder vergessen – Folter bis hin zur Gehirnamputation. Ich mag das Wort deshalb nicht.

So rettete mich Foucault – nur wurde dummerweise ungefähr zur selben Zeit mein Altsaxophon geklaut. Sogar eines der legendären Mark VI. Okay, mein DDR-Tenorsaxophon hatte ich noch, bis ich es einem Freund lieh und nicht wieder bekam. Aber ich habe auch damals viel zu sehr auf die Diskursanalyse, zu wenig auf die Zurichtung der Leiber in den Disziplinen, die Foucault ebenso beschrub, in meinen Lektüren geachtet. Sonst wäre vielleicht noch ein richtiger Saxophonist aus mir geworden …

Nun freilich ist das Equipment wenigstens wieder komplett. Sogar zwei Tenöre, der wundervolle Haudegen der Marke „Akustik“ und mein geliebtes Goldie Horn. Und nun auch noch der Coppertwink. Auf einem Altsaxophon habe ich auch viel länger gelernt, damals, als Dieter vor mir Sax-Unterricht hatte … heute habe ich ihm Töne entlockt, von denen ich damals nur träumte!

Aber Adorno quält natürlich immer noch. Leider ist er ja der, der über Musik die nun wirklich tiefsinnigsten Gedanken, oft versteckt inmitten von Borniertheit und White Supremacy, dachte.

Dieses Wechselspiel zwischen aufgeblasenem Gelaber und emanzipatorischer Wucht des Gedankens macht mich auch der Lektüre seiner „Einführung in die Musiksoziologie“ ganz wuschig.

Einerseits die Freiheit der Kunst in der Befreiung der Stigmatisierten und Unterjochten und deren Leids zu suchen, nicht etwa in dem Einfordern der Freiheit zur Herabwürdigung, wie das im Feuilleton üblich geworden ist – um dann umgekehrt hochnäsig dem Jazz unterzuschieben, doch nur das noch einmal anzugehen, was die atonale Musik Europas 50 Jahre zuvor schon besser beantwortet habe. Der Text ist von 1961/62.

Und das u.a. an der ausgeklügelten Notation, den Noten halt, fest zu machen. In Antwort auf Ornette Coleman. Schuft. Macht er.

Da denkt jemand von der Komposition her, nicht vom Spiel. Die Schriftkultur gegen die Rhythmik ausspielen – seine Allergie gegen Synkopierung verdankt sich auch eher der Rechtfertigung eigener Leibfeindlichkeit und der Verachtung des Tanzes -: Auch so ein rassistischer Klassiker.

Denkt man an all die Jazz-Malocher, die trotzdem so Grandioses hervor brachten, während sie wie Lester Young von Rassismen buchstäblich in den Wahnsinn getrieben wurden, kringeln sich die Fussnägel, und vor Wut bekäme man aus dem Sax keinen Ton mehr heraus.

Es sei denn, man konzentrierte sich einfach ganz auf ihn. Im saxophonforum.de wurde jüngst darüber diskutiert, dass in manchen Bänden mit Noten zum Sax üben vermutlich einfach so Soli transkribiert wurden, dass der Solist sie nach Noten vermutlich selbst gar nicht spielen könne. Weil der Moment der Improvisation all das Kalkül des Komponisten locker toppen kann. Nicht muss. Und ich rede nicht von Orchestern.

Während, wenn ich an dem neuem Mundstück am Coppertwink nuckel und selbst gar nicht mehr weiß, ob ich es bin, der durch Atmung den Ton erzeugt oder ob es ihn mir atmet und mir etwas geschenkt wird zum zweckfreien Genießen dieses samtenen Klangs … dann denke ich vielleicht daran, wie schön es war, in Dieter verknallt zu sein.

Aber bestimmt nicht an Noten.

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8 Antworten zu “Die Saxophon-Dialoge, Teil 10

  1. ziggev Juli 12, 2013 um 2:08 am

    ich lese Adorno als Text als Jazz. Er bleibt seinem Sound treu, die Perioden stimmen, ohne diesen dünkelhaften Duktus würde etwas fehlen. Ist ja sympathisch zu versuchen, den eigenen Sound zu finden, nur kann dies in der Sprache nur über die Kenntnis allermöglichen vorvergagenen Formen geschehen. Adorno ist aber dennoch kreativ, nicht schlecht, begrüßenswert, sympathisch. Aber dennoch will er sich gern an einen Archaismus dranhängen, den er – aus Eitelkeit?, sonst ja kein Problem! -, für sich selbst erst neuerfinden muss. Und da wirkt es abgestanden. Beeindrucken kann er mich jedenfalls nicht mehr, wenn er eine falsche Nachricht nach der anderen übern Jazz verbreitet. Genauer hingeschaut ist jede seiner Aussagen zu diesem Stil fachlich falsch und hält einer Überprüfung, die die Geschichte mit ins Auge nimmt, nicht stand, wie ich jetzt gerade bei bersarin nachgewiesen habe.

  2. momorulez Juli 12, 2013 um 7:53 am

    Das stimmt nicht ganz – in dem Aufsatz von 1938 steht ja auch viel Kluges und auch manches, was Jazzfans nicht in der Musik hören. In der Einführung in die Musiksoziologie steht schon mehr Unsinn, da ist auch so eine alberne Überbietungsrhetorik für Zuhörer drin, die in der echten Verzweiflung der geschriebenen Werke so massiv nicht zu spüren ist – und es vor allem auch so, dass einiges des Sichlustigmachens über Hörertypen auf ihn selbst genau so zutrifft.

    Was man aber nicht los wird, das ist z.B., dass Musik auf Beat sich anders entwickelt innerhalb des Werkes als jene der europäischen Avantgarde.

    Als Jazz kann ich ihn auch nicht lesen – Stil ist ja nicht automatisch Sound. Und er hat im freien Vortragen wohl auch viel improvisiert, ansonsten ist das aber Komposition, was er macht.

    Ich halte ja auch viel von ihm, weil das gerade im Falle der Musik schon ein anderes Niveau ist.

    Bei Bersarin lese ich trotzdem nicht mehr 🙂 …

  3. Kleinersschreiherausling Juli 13, 2013 um 5:01 pm

    Randnotiz: Adorno hörte privat sehr gerne finnischen Tango. Ja, sogar fast ständig. Gemessen an den Analysen von Adorno verwundert es, dass er einer Version des Tango zuneigt, bei der neben dem ursprünglichen Tango ausgerechnet deutsche Marschmusik zu den wesentlichen Einflusskomponenten zählt. Der eigenen kulturellen Herkunft entkommt man eben nicht so leicht, auch den den übleren Anteilen darin, auch wenn man das mit seinen Texten noch so vehement versucht. So deute ich das. Das wäre jedenfalls der Schluss, der zu meinem eigenen Leben passt, in dem es mir nicht so recht gelingt, anders als im Kern eben kleinbürgerlich zu sein.

  4. momorulez Juli 13, 2013 um 5:56 pm

    Das wusste ich gar nicht – aber gerade seine Allergie gegen Synkopierung, dazu passt das ja.

    Eine wirklich gemeine Ergänzung: In der Erzählung „Eine kleine Jazzmusik“ von Josef Skvorecky gibt es eine Auflistung durch die Nazis verbotener, musikalischer Elemente, unterzeichnet von „Baldur von Blödheim, Reichsmusikführer“. Die ist zwar fiktiv, kursiert im Netz aber lustigerweise als historische Realquelle. Die Geschichte spielt im vermeintlichen „Protektorat“ Böhmen und Mähren zu Zeiten der deutschen Besatzung – und da taucht einiges von dem auf, wo auch Adorno drauf eindrischt. Er hat aber auch gute Gründe, natürlich entwickelt sich Musik anders, wenn quasi ein Beat durchläuft, als wenn Tempi und Rhythmen variieren, z.B.. Und die Modi im modalen Jazz fallen, Skalen, Tonleitern, fallen dann hinter die atonale Musik zurück, wenn man eine lineare, aufeinander aufbauende Musikentwicklung annimmt. Auch hinsichtlich der Einflüsse aus dem Impressionismus, Debussy und Co, hat er völlig recht, damit hat sich z.B. Miles Davis tatsächlich intensiv auseinander gesetzt. Deshalb lohnt die Lektüre ja trotzdem immer.

    Und Du hast ja recht, dass diese Prägungen einfach da sind. Auch darum geht es mir ja bei den Saxophon-Dialogen, die frei zu legen. Bei mir hat Kirchenmusik zum Beispiel wahnsinnig rein gehauen, dass ich mich manchmal wundre. Während Marsch bei uns zu Hause nicht gehört wurde, eher Georges Moustaki, Demis Roussos, Milva, Alexandra und Klassik. Aber auch Truck Stop und Mike Krüger 😀 … habe ich trotzdem Schwein gehabt.

  5. ziggev Juli 14, 2013 um 2:33 am

    Nunja, obgleich der Wickie-Artikel zur exprssionistischen Musik treffend mit einem Adorno-Zitat anhebt, muss Adorno uns nicht als immerwährender Gewährsann gelten, da er sich als inkompetent, was den Stil ‚Jazz‘ betrifft, erwiesen hat.

    Ich möchte daher einfach das Interesse auch mal auf die expressionistische, nicht nur auf die impressionistische Harmonik lenken, was den Jazz betrifft. Klangfarben, insbesondere die erhöhte Fünf bzw. die verminderte Sechts, aber zumeist dann doch übermäßige Akkorde.

    Wieder so ein Fall, wo ich nicht weiß, ob ich nicht besser Mussorgsky oder Duke Ellington zuhören sollte.

  6. momorulez Juli 14, 2013 um 9:10 am

    Ich halte – wenn man das jetzt typologisch, nicht historisch versteht, das mit dem Expressionismus und dem Impressionismus – von der Trennung ja gar nicht so viel. Von nix kommt nix, kein Output ohne Input, und klar, Differenz besteht in der Art, wie ich mich selbst dann thematisiere. Und da gibt es im Jazz ja beides – Miles Davis ging in den Klang hinein und ließ ihn als solchen wirken. Das aber auch als Ausdruck des Sich-Entziehens, raus aus der rassistischen Gesellschaft, rein in die Musik – seine ganze Auseinandersetzung mit europäischer Komposition steckt aber trotzdem mittendrin, insofern ist sein eskapistischer Sound immer auch Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Coltrane ist viel expressiver, was aber die objektive Historizität des Materials, mit dem er arbeitet, nicht aufhebt. Wozu natürlich auch die Klanggeschichte des Saxophons selbst zählt, seine Reaktion auf den BeBop usw.

    Das sind nun aber alles adornitische Kategorien. Ich glaube, der Hauptunterschied ist der zwischen Komposition und Improvisation, und ob man in letzterer nun an Debussy denkt oder an Wagner, das Selbstverhältnis wie auch das der Zuhörer ist ein anderes. Beim Jazz weißt Du ja im besten Falle beim Konzert nicht, was da nun wirklich passiert, und ebenso ist im besten Falle das Ganze ein Kommunikationsgeschehen zwischen Musikern im Hier und Jetzt. Während beim Beethoven-Konzert lediglich die Interpretation variiert und die Musiker Vorgaben des Komponisten und Dirigenten folgen. Und das ist doch genau der Punkt, den Adorno nicht gepeilt hat, auch wenn er über Improvisation irgendwas in dem 38-Aufsatz geschrieben hat. Du bist viel tiefer drin in der Logik der Produktionsverhältnisse in der konzertant-klassischen Musik. Was sich schon daran zeigt, dass nicht-prozessuale Kunst in der bildenden am besten als Wertanlage taugt. Und Jazz kannste zwar auch auf Platte pressen, aber was das eigentlich ist, Jazz, das habe ich ja auch erst vollumfänglich geschnallt, als ich den Redman auf der Bühne gesehen und gehört habe. Obwohl der da auch nur ein Programm abspulte, den will ich mal hören, wenn der richtig abgeht. Und da hebt sich das Impressionistische und Expressionistische in der Interaktion auf.

    Was immer auch auf die oralen Traditionen der Black Culture verweist. Die durften nicht schreiben, oft auch nicht lesen, miteinander reden auch nur in der Kirche – und aus der Kompensation haben sich Traditionen entwickelt, durch und durch gesättigt mit emanzipatorischem Gehalt. Dass Adorno dem dann ausgerechnet die Notation entgegen stellt ist einfach übelste „White Supremacy“. Weil ergänzend ja auch noch der Mythos von den „schriftlosen“ afrikanischen Kulturen gepflegt wird, was auch nicht stimmt, aber zudem auch noch klassistisch die Tradition des Erzählens verunglimpft.

    Das ist doch der Grund, aus dem ich bei Bersarin nicht mehr lese – der vertritt ja auch diesen bornierten Konzeptionsscheiß.

  7. momorulez Juli 14, 2013 um 11:08 am

    PS:

    Nachdem ich nun noch den Link gelesen habe – sorry -: Was die musikalischen Merkmal betrifft, ja, klar. Den Tristan-Akkord hat mir lustigerweise z.B. mein Sax-Lehrer neulich am Klavier erläutert.

    Dieser Passus mit der „Unmittelbarkeit“ ist ja auch reine Strategie bei Adorno. Das behauptet der immer und überall da, wo er irgendwas unmittelbar nicht mag, und baut dann irgendeinen Popanz auf. Dass Kunst IMMER medial ist, und dass diese Medien eine Geschichte haben, das ist ja trivial.

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