Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Der Lärmterror norddeutscher Spielmannszüge

Oje. Papa hat Geburtstag.

Amts- und Mandatsträger in einer niedersächsischen Kleinstadt war er – zur Scheidung meiner Eltern trug tatsächlich bei, dass er sich als Lokalpolitiker ständig mit Schützen betrinken musste. Schützenvereine sind ja auch so eine gruselige Kultur, nirgends sonst so stark wie rund um Hannover und gekleidet wie Jäger mit der Aura des Heimatschutzbundes – bei den Umzügen fuhr Papa dann im offenen VW-Käfer-Cabriolet mit und winkte wie die Queen.

Jeder Ortsteil – und das waren einige, lauter eingemeindete Dörfer – hatte seinen Schützenverein, und bei allen wurden wahlweise „Lüttje Lagen“ gesoffen (kann ja jeder googeln 😀 ) oder aus seltsamen Zinn-Geschirr, Löffel (!) wie auch Becherchen für „Kurze“, geschlürft – das Regal meines Vaters brach fast zusammen unter diesen Objekten, die wirkten, als seien sie aus Kriegsmunition gegossen und die Süppel-Variante der Zinnsoldaten. Man trank Korn zum Bier.

An seinen Geburtstagen war klar, dass wir von scheppernden Blechbläsern, von Pfeiffen und Klirren geweckt würden – es gab zwei Spielmannszüge, und beide boten ihm ein Ständchen, im Vorgarten in Reih und Glied postiert. Es durchfuhr uns. Wir beteten, dass sie es bei nur einem Stück beließen. Mein Vater tat so, als freute er sich und gab ihnen Getränke aus. Deren seltsamen Kostüme, ein Hauch von tschechischer Märchenfilmverfilmung war ja noch okay, da waren ja wenigstens leckere Prinzen zu sehen – aber das Paramilitärische, die Fantasieuniform, blaue Röcke, weiße Blusen die einen, goldgelb die Konkurrenz, gibt es auch im Karneval, da mag ich es aber auch nicht – der in Deutschland unterschwellig omnipräsente Wilhelminismus schlägt da durch. An preußischen Uniformen sich orientierend.

Zwar verfügte der Ort auch über ein ziemlich gutes Blasorchester samt Big Band-Swing-Ableger, das auch Verdi zu spielen in der Lage war (in dem spielte mein Sax-Lehrer damals); dennoch, dieser Lärmterror der Spielmannszüge, am schlimmsten die schrillen, tragbaren Glockenspiele und alles durchdringende Flöten- und Piccolo-Ensembles haben meinen Musikgeschmack nachhaltiger geprägt als vieles andere –  akustische Folter light. Bloß nicht so was hören! Musikalische Prägungen werden ja auch durch Abgrenzung bestimmt; das war das, was ich niemals wieder hören wollen würde.

Die Erinnerungen an den Gang durch überfüllte Festzelte zu Blasmusik, berstend von volltrunkenen Schützen mit knallroten Gesichtern über offenen, weißen Hemden, während ich Geld für die Karussells schnorrte – das Grauen. Aber auch das übt sich ja früh, für Entlohnung Unbill und Qual zu ertragen, nur weil man glaubt, das bißchen „Krake“ fahren, ein Karussell, danach würde das aufwiegen … manche Bestandteile deutscher Kulturen sollten eigentlich finanzielle Wiedergutmachung nach sich ziehen.

Als ich dann Madness‘ „One step Beyond“, Funk-Bläsersätze, David Sanborn und Grover Washington kennen lernte (die Fusion-Platten aus den 70ern, nicht dieser Bar-„Jazz“ später), erfuhr ich zum Glück die Lektion: Es geht auch anders!

Und zu meinem großen Glück durfte ich mit 14 samt Vater und Geschwistern nach Brasilien reisen und dort – er hatte durch diverse Austäusche von Chören und Orchestern gute Kontakte – eine Art Privatkonzert des Feuerwehrorchesters von Rio de Janeiro erleben. 50 Mann oder so, die das zwar klischeegesättigte „Aquarell des Brasil“ uns offerierten samt mitreißender Percussion-Truppe: Eine Offenbarung! So geht das ja auch! Hammer!

Da waren die „Pompeiros“, auch nur Samba-Feeling für Einsteiger, ein nachhaltig prägende Erfahrung nach all dem Traktierwerden durch Spielmannszüge.

Im Süden Brasiliens dagegen, wo viele Abkömmlinge deutscher Vorfahren auf Geldsäcken sitzend die Oberschicht bildeten, mit rassistischen Sprüchen nur so um sich warfen (zur aufrichtigen Empörung meiner Familie, immerhin, das gab richtig Zoff mit den Gastgebern) und Städte „Blumenau“ heißen, wurde „deutsches Volksgut“ gepflegt, na, eher karikiert und eher an Bayern orientiert.Der Kontrast hätte kaum größer sein können als zu dem wundervollen Feuerwehrorchester von Rio de Janeiro.

Und ja, es war die Zeit der Militärdiktatur und der Mega-Inflation, wir schüttelten Schergen tatsächlich die Hände … als bei jedem starken Regen die Favelas von den Hängen rutschten. Ich habe damals erstmal solche Armut gesehen, während wir, fett, weiß und privilegiert, bei, kein Witz, ausgerechnet bei Dr. Wolf (!!!) am Swimming Pool auf dem „Germanenhügel“ Rio de Janeiros Maracuja-Saft schlürften und den Vater anblafften, er solle nicht so viel Caipirinha trinken.

Da alles sitzt tief und hallt bis heute nach. Wie auch die Spielmannszüge. Und als Kontrast das Feuerwehrorchester von Rio de Janeiro.

Der Anlas, all das zu schreiben?

„Mit einem höchst ungewöhnlichen Vorschlag hat Matthias Waldraff, Oberbürgermeisterkandidat der CDU, das Publikum einer Diskussionsveranstaltung in der HDI-Arena am Maschsee überrascht. Spielmannszüge von Schützenvereinen und Kapellen hannoverscher Feuerwehren sollen künftig während der Bundesliga-Spiele von Hannover 96 auf den Tribünen für Atmosphäre sorgen. „Meine Idee ist, eine Gegenkultur zu den Ultras aufzubauen, die glauben, ihr größtes Kapital wäre es, im Stadion allein für Stimmung sorgen zu können.“ Musikzüge wären eine bunte Ergänzung zur ritualisierten Stimmung und ließen ein Stück Hannover Einzug in die Arena halten. „Das ist nicht nur Rum-Ta-Ta, sondern ein relativ hohes musikalisches Niveau.““

Oje. Akustische Anschläge durch die Reaktion – die armen ’96-Fans. Passt aber zu Deutschland 2013 – treudeutsche Blasmusik als Waffe gegen relevante Subkulturen.

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20 Antworten zu “Der Lärmterror norddeutscher Spielmannszüge

  1. ziggev Juli 3, 2013 um 8:57 pm

    aber das ist ja wirklich krass ! „Roll-Back“ in iterierender Potenz ! Hab ich ja hier schon mal erzählt : Jahrzehnte keine Spielmannzüge mehr hier in Norddeutschland gehört, und die waren ja schon selbst hier und für mich unbedarftes Kind nervig gewesen – wie die unmotivierte Wiederholung des Immergleichen der Bass-Trommel durch den Stadtteil dröhnte.

    Neulich kam aber ein Spielmannszug in meiner abgelegenen Straße vorbei, mit Uniformen, und alles dabei, aber das waren ausschließlich ganz junge Leute, keine degenerierten Gestalten, die irgendwie im Vereinsmeiertum versauert waren. Jugendliche, fast Kinder.

    Die spielten Pop-Sachen, so Richtung Abba, … Und wie schwer es doch ist, z.B. auf einer Demo, Protestgesänge nicht hoffnungslos ausufern zu lassen, nur rettbar, wenn sie flugs zum Canon umgestaltet werden, so schwer, viel schwerer muss es sein, bei so einem Umzug das Timing zu halten.

    Es war ein kleiner Zug, etwa 100 Meter. Aber schon von weitem war zu hören, dass die gelernt hatten, diese Entfernungen miteinzukalkulieren. Vermutlich, weil die einfach ein Gefühl fürs Timing gelernt hatten, sprich, sie wussten, was sie da machten.

    Langer Rede kurzer Sinn: ich ging raus und runter und hätte am liebsten applaudiert. Die Kinds so von 9 oder 12 bis 16 hatten einfach einen unglaublichen Groove !

    Als ich Leute aus Brasilien kennen lernte, stellte sich heraus, dass die den entsprechenden Stil in ihrer Heimat eher ansehen wie wir (hier im Norden) bayrische Volksmusik. Ein verächtlicher Zug im Mundwinkel. Eher Nina Hagen und brasilianische psychedelische Musik aus den 70ern !

  2. momorulez Juli 3, 2013 um 9:29 pm

    In der Straße, wo mein Büro ist, war neulich, ich vermute lediglich, eine Sinti- oder Roma-Hochzeit. Auf einmal tönten sehr laut duverse Blasinstrumente und sehr lustvoll diverse Tonleitern parallel, was sich für mich eher dissonant anhörte, aber sehr spannend – und klar, man muss sich da vor dem „exotisierenden Blick“, den es auch als Gehör gibt, hüten, aber das war schon dolle, ereignishaft, traumhaft desorganisiert, so ein Hauch von dem, was man in den 20er Jahre Jazz-Aufnahmen aus den USA so hört, nur technisch nicht annähernd so ausgefeilt.

    Und dann habe ich neulich Mo Blow‘ auf dem Elbjazz gehört, und das ist jetzt gemein, aber die haben im Grunde genommen noch in Spielmannszugsmentalität improvisiert. So freudlos 😀 – ich weiß gar nicht, wie ich das anders nennen soll. Das war alles technisch super und ganz viele Funklicks hatten sie toll geübt und erfunden …

    Wenn ich mir jetzt junge Leute im Spielmannszug in den Walddörfern vorstelle, die ABBA spielen 😀 – ich LIEBE ABBA, aber verzeih mir, ich stelle mir das ganz schlimm vor.

    Ich habe jetzt einen Band „Sax Ballads“ mit ziemlich orchestralem Playalong, „Sound of Silence“, „Back for Good“, „Baker Street“, „Love you just the way you are“ – das macht auch Spaß, das meiste ist sogar noch zu schwer für mich, „Sound of Silence“ ging halbwegs – aber der Unterschied, ob man nun die Jazz-Methode fürs Saxophon von John O’Neill oder selbst die Blues Licks aus „Saxophon für Dummies“ übt oder die „Sax-Clinic“ von Herrn Skringer, wo man eigentlich präzises Timing üben soll – der ist derart gewaltig, allein schon, weil man sich die Phrasierung erst suchen muss, die Töne auskosten und Scheißdrauf, dann spielt man den halt länger, während das Payalong schon woanders ist, Skringer gibt auch die Skalen an, mit denen man variieren kann. Das zu Pop-Songs zu versuchen ist kurioserweise viel schwieriger.

    Ich hatte ja, siehe oben, einen Orchester-Lehrer, der hat mir Spontanität jahrelang ausgetrieben, um dann zwar irgendwann mit „Girl from Ipanema“ und „Take Five“ um die Ecke zu kommen – das hat trotzdem echt was versaut. Das ist im Orchester, auch den Swing-Orchestern der 30er Jahre viel schwieriger gewesen. Und ich peile erst jetzt das Sensationelle an den frühen New Orleans- und Oldschool-Jazz-Geschichten aus den 20ern, weil wir auch da über diese ganzen altväterlichen Dixieland-Fischmarktauktionshallen-Scheiße gewatet sind, die das Gehör komplett verbildet haben.

    Meine Brasilien-Reise ist ja jetzt ewig her, und damals hatte ich da seiend das Gefühl, viel zu jung dafür zu sein – jetzt bin ich immer wieder erstaunt, wie viel da hängen geblieben ist.

    Kleiner Literaturtipp übrigens: Lese gerade eine Sammlung von Kurzgeschichten und Erzählungen von Josef Skvorecky, „Das Bassaxophon“. Und gleich die erste sehr schöne, sehr schrecklich endende Geschichte, nicht zufällig einem ermordeten Mitglied der „Ghetto Swingers“ in Theresienstadt gewidmet, „Eine kleine Jazzmusik“, fasst derart gut verdichtet zusammen, worüber ich seit Jahren blogge, worüber wir zwei diskutieren, kann ich nur empfehlen. Wie der Jazz ins „Protektorat“ Böhmen-Mähren dringt und was dann passiert – ganz kurze, eindringliche Geschichte.

  3. ziggev Juli 3, 2013 um 11:43 pm

    Aber da musst Du mir einfach vertrauen. Seit der Techno-Zeit habe ich anscheinend etwas analoges einem Computer-Chip im Gehirn eingebaut, der jede minimalste Timingabweichung sofort meldet. Vielleicht nicht gerade ABBA. Aber so die Zeit, und die Pop-Songs, die jeder kennt. Nach menschlichen Maßstäben bemessen muss stimmt das Timing ja nicht immer mit jedem Sechzehntel stimmen, aber dann wieder alle zwei, vier, acht, 16 Takte usw. wieder stimmt – um das hinzubekommen, brauchst Du halt die nötige Lässigkeit. Und das hatten die einfach drauf. Hauptsache der Chip funkt weiter und nach 8, 4, 2 Takten oder alle 2/8 Achtel sind wieder alle auf der eins. Also glaubs mir einfach, die kamen hier einfach echt alienmäßig vorbei.

    Was das Üben allerdings betrifft, ist´s bei mir leider in letzter Zeit etwas hinten runtergefallen. Hab mich allerdings wieder drangesetzt, immer so morgends zw. 6:00 h und 7:00 h und dabei herausgefunden, dass ich es mir bei dieser einen Stelle in Off Minor (Monk) seit Jahren etwas zu leicht gemacht hatte. Der Notentext sagt etwas anderes. Ich rechne so mit 2 bis 3 Jahren, bis sich erste Erfolge zeigen werden. Mal sehen (fange jetzt ganz langsam mit dem Gillespie/Parker-Ding mal wieder an).

    Leider habe ich nicht die Kohle, um mir Bücher zu kaufen. Dafür habe ich Notentexte für die nächsten, na, so ca. 65 Jahre auf Lager.

    Was Du vielleicht nicht so weißt: 60er, 70er-Jahre – noch aus der Nachkriegszeit herüberschwappend – gab es hier eine sehr lebendige Jazzszene. Alles Oldtime. Stadtweit bekannt spielten die Leute, die ich als Kind bewunderte, 20 Jahre später bei der Eröffnung des „Hauses der Moderne“. Alles vor der Zeit, als die Coltrane-Sachen gelernt, d.h. sie wurden gelehrt, werden konnten – an Universitäten. Da gings auch mal Cross-Over zu: mit dem Rhodes zu Oldtime grooven, krasser Stilbruch, aber Hauptsache spielen! Als das mit dem Fischmarkt kam, war das alles nur noch eine blasse Erinnerung.

    Das war ermutigend, und der erste Jazz-Blues, den ich lernte, war von Ornette Coleman: Broadway Blues. (Die Metheny-Aufnahme galt damals als stilbildend.) Also los, ein paar unverzichtbare theoretische Kenntnisse hast du ja : ausprobieren! Wir machten psychedelisch-free-punk-country-rock-jazz. Erst Jahre, Jahrzehnte später suchte ich mir die Fingersätze für Desafinado heraus. Bis mich die Fingersätze anfingen, zu langweilen. Jetzt geht es also wieder alles von vorne los, Metronom, langsam, Takte auszählen, Notentext, Charlie Parker!

    Ich bin also den umgekehrten Weg gegangen. Von der Spontaneität zur Form. Hat aber sehr, sehr lange gedauert, um am Ende doch wieder zur Form, als Notwendigkeit, zurückgeführt zu werden.

  4. momorulez Juli 4, 2013 um 7:49 am

    Ich bestreite ja gar nicht die Form als Notwendigkeit; kommt halt einfach drauf an, wie man sich in ihr bewegt und dass sie Möglichkeiten bietet, DASS man sich in ihr bewegen kann. Was ja in dem, was der scheußlichen, niedersächsischen Blasmusik mal voraus ging, eben all das Fiedeln und Flöten vergangener Jahrhunderte, auch möglich war, bevor dann alles Marsch wurde, was vorher Tanz war. Und die Gefahr besteht bei ABBA durchaus auch.

    Kann die Geschichte mal einscannen und Dir zumailen bei Gelegenheit. Die wird Dir gefallen. Blogge da auch noch drüber.

    Aber cool, dass Du wieder zum Üben gekommen bist! Ich merke immer wieder, dass völlig 70er-„Fusion“ geprägt bin in Sachen Sax, diese Sachen zwischen Funk, Soul und Jazz mit ’ner Prise Disco. Was ja erschütternderweise den meisten weißen, deutschen Saxophonisten, also denen, die das im Gegensatz zu mir auch können, so geht – alles „Tower of Power“-mäßig. Während ich Be Bop zwar bewundere, aber da fremdel ich auch sehr. Mit den modalen Sachen kann ich mehr anfangen.

    Meine Pointe lag übrigens noch viel mehr auf der Freude als auf der Spontanität 🙂 – hängt zwar zusammen, aber ich glaube ja, das Grauen wie der Schlagermove oder Schützenfeste Effekte dieser technokratischen Freudlosigkeit und Unsinnlichkeit hier in Deutschland sind. Die von Hartz IV über „populäres Fernsehen“ und „populäre Musik“ bis hin zu Uni-Lehrplänen wirklich ALLES durchzieht. Dann kommen zur Kompensation diese Gröhl-Explosionen zustande, in denen doch immer wieder der Marsch durch kommt.

  5. futuretwin Juli 4, 2013 um 8:30 am

    Schützenfest ist schon immer ein bisschen scary……. Mich hatte in meiner Jugend auch stark irritiert, dass Schulkameraden, die sonst mit Pali-Tuch, Lederjacke und „Anarchie ist machbar, Herr Nachbar“-Aufnähern rummrannten, uniformiert beim Schützenfest mitmarschierten, ohne dass denen das auch nur ansatzweise inkompatibel erschien. (Exkurs: Was übrigens die totale Beliebigkeit des Palituchs schon in den 90ern aufzeigt und somit imho ein Argument gegen die Kritik der „Anti“deutschen daran ist und nicht dafür.)

    Bei der Erwähnung dieses tragbaren Glockenspiels muss ich immer an die Stelle in „Cryptonomicon“ denken, wo „Pearl Harbor“ aus der Sicht eines „Spielmanns“ beschrieben wird. In sein Glockenspiel schlägt ein Schrappnell ein, dass Ding rettet ihm also das Leben. Vor allem das absurde, fast schon erregende Vibrieren der Halterung in der Nähe der Schrittgegend……. 😉
    (Lustig auch der Background: So ist der Typ nur im Spielmannszug gelandet, weil er Musiker ist, dass er ein Mathematik-Genie ist hatte man bei der Rekrutierung nicht erkannt, da sein scheinbar wirres Gekritzel auf eine einfache Matheaufgabe in der er einen neuen Beweis herleitet niemand interpretieren kann. Er hatte seinerseits die Aufgabenstellung für eine Fangfrage gehalten….)

    Das mit den deutschen Geldsäcken in Brasilien wusste ich nicht, aber es leuchtet natürlich schon ein. Zum Teil waren die Vorfahren der Brasillianer mit deutschen Namen aber auch ziemlich „arme Säcke“, wie man hier lesen kann:

    ACHTUNG! TRIGGERWARNUNG! N-WORTE, RELATIVIERUNG VON SKLAVEREI UND KOLONIALISMUS – ALS QUELLE, WIE DABEI VORGEGANGEN WIRD, TROTZDEM BRAUCHBAR:

    http://www.kriegsreisende.de/imperialismus/dompedro.htm

    Da schliesst sich der Kreis übrigens mit einer kurzen „Fußnote“ zu Trommlerjungs…

  6. momorulez Juli 4, 2013 um 8:33 am

    Das „Cryptonomicon“ gibt es wirklich? 😀

  7. futuretwin Juli 4, 2013 um 9:37 am

    Von Neal Stephenson. Ist eins meiner Lieblingsbücher…

  8. momorulez Juli 4, 2013 um 9:42 am

    Ich kenne halt nur das nicht-existente von Lovecraft, und da ist es sehr lustig, sich die Diskussionen bei der Wikipedia durchzulesen 😀 …

  9. futuretwin Juli 4, 2013 um 9:52 am

    Was Du meinst ist das Necronomicon 😀

  10. momorulez Juli 4, 2013 um 9:53 am

    Stimmt! Habe ich jetzt glatt verwechselt 😀 …

  11. futuretwin Juli 4, 2013 um 10:06 am

    Übrigens finde ich die mitschwingende Relativierung der Sklaverei im verlinkten Text auch etwas bedenklich.
    Das erinnert mich an ein anderes Erlebnis aus der Schulzeit: Willi Fährmann las in unserer Schule aus einem Buch vor und kommentierte auch. Er wog dabei die Situation von Auswanderern und Sklaven in den Schiffen ab, die zur Hochzeit des Imperialismus den Atlantik überquerten. Im Vergleich zu dem Text von Kriegsreisende ging der aber wesentlich krasser ab, „die eigentlichen Geschädigten dieser Zeit seien die Auswanderer gewesen“, usw.

  12. futuretwin Juli 4, 2013 um 10:11 am

    Puh, und N-Wort-Nennungen, sind auch drin, stell ich grade fest.

  13. momorulez Juli 4, 2013 um 10:13 am

    Ich habe den nur überflogen; aber da sind viele Kategorien sehr, sehr schief – aber dieses „halbwegs freiwillige Auswanderer waren schlimmer dran als Versklavte“ ist schon zynisch und eine dieser typischen weißen Opfergeschichten. Und was angesichts des Großgrundbesitztums, der bis heute Sozialstrukturen in Lateinamerika prägt, nun „gescheiterte Kolonisten“ sein sollen, das frage ich mich auch.

  14. momorulez Juli 4, 2013 um 10:14 am

    Soll ich den Link weg nehmen?

  15. futuretwin Juli 4, 2013 um 10:25 am

    Ich steh halt auf Action-Stories. Und Cryptonomicon ist auch eine. 😉
    Alan Turing sagt Dir aber was, oder?

  16. momorulez Juli 4, 2013 um 10:27 am

    Entfernt und ein ganz klein wenig nur 😦 …

  17. futuretwin Juli 4, 2013 um 10:34 am

    Der kommt am Rande im Buch vor, ein Cameo-Auftritt würde es im Film heißen. 😉
    Erfinder der Turing-Maschine, Vorläufer des Computers und im 2. Weltkrieg Entschlüsselungsexperte der Alliierten. Das Schwulsein sollte ihm jedoch aberzogen werden, woran er zerbrochen ist.

  18. Kleinersschreiherausling Juli 9, 2013 um 9:47 am

    Kriegsvorbereitende Musik.

    Eigentlich unfassbar, dass es sowas überhaupt gibt. Aber genau das ist Herkunft und Grundwesenszug von Spielmannszügen, welche als besonders eigentliche Marschmusik eben nicht musikalisch orientiert waren, sondern der Unterstützung von Militärmärschen dienten.

    Besonderer Beliebtheit erfreuten sich die Spielmannszüge zu NS-Zeiten. Logisch. Beispiel:

    Kein Wunder, dass einem vernünftigen Menschen fast schon Blut aus den Ohren heraus läuft, wenn er die „Musik“ von Spielmannszügen zu hören bekommt. Verschärft kann das allerdings noch werden, indem zu den Klängen von Spielmannszügen schneidige Heimatlieder geschmettert werden.

    Seit ich denken kann, mehr noch, seit ich hören kann, empfinde ich bei den Klängen von Spielmannszügen massive Missempfundungen, nicht selten nahe an der Kotzgrenze.

  19. momorulez Juli 9, 2013 um 10:37 am

    „Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann verachte ich ihn schon; er hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde. Diesen Schandfleck der Zivilisation sollte man so schnell wie möglich zum Verschwinden bringen.“

    Albert Einstein

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