Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Lektüreempfehlung: Zwei Texte zum CSD und „ProKöln“

Ich verlinke hier jetzt noch mal zwei voll zustimmungsfähige Kommentare rund um die mögliche Teilnahme von „Pro Köln“ am dortigen CSD – beiden ist im Grund genommen nichts hinzu zu fügen, deshalb und nur deshalb hier kein längerer Text.

Das Ganze ist auch, nicht nur, übrigens deshalb so gefährlich, weil insbesondere von religiösen Hetzern, aber auch sonstwie sich als sowieso grundsätzlich außerhalb allen Übels wähnenden Vertretern der heterosexuellen „Mitte“ gerne mal gemunkelt wird, dass die Nazis ja sowieso alle schwul gewesen seien. Was halt eine historische Lüge ist, aber auch ich hatte auch schon das Vergnügen, als „Momo äh Röhm“ im Netz angepöbelt zu werden (der übrigens nicht zufällig so früh abgemurkst wurde; der noch von Adenauer und Co in der Nazi-Fassung gefeierte §175 wurde unmittelbar nach dessen Ermordung verschärft).

Das sind halt diese Heimatfilm-Reinwaschungen der Bürgerlichen und Bäuerlichen, die sich so was wie Faschismus nur als „Einbrechen“ irgendeines für sie angeblich nicht verständlichen Unheils in ihre Kitschwelten vorstellen können – was zu mörderischen Bestsellern wie „The Pink Swastika“ führte, die, insbesondere von US-Evangelikalen distribuiert, nicht zuletzt in afrikanischen Staaten zu allerlei Verwüstungen in  den Köpfen führten.

Faschismus und Heteronormativität gehören ebenso zusammen wie Faschismus und Rassismus und Faschismus und Patriarchat; wie sich letzteres in schwulen Subkulturen abbildet, das Patriachat und mit ihm korrespondierende Männer- und Körperbilder, das bleibt freilich auch dort wichtige Frage und Reflektionsgebot ebenso wie die Auseinandersetzung mit Rassismus in der Szene selbst. Gab wohl auch in Berlin einen ziemlichen Eklat, den ich allerdings nur über eine Facebook-Statusmeldung, die ich hier nicht verlinken kann, mit bekam.

Aber nun die zur Lektüre empfohlenen Texte; es ist schrecklich, wie dieses rechtsliberale Spiel, Minderheiten gegeneinander in Stellung zu bringen, bei manchen aufzugehen scheint. Dass die Gegenwehr z.B. bei Quer.de so deutlich ausfällt freut mich allerdings, hatte da Schlimmeres befürchtet.

„So verrennen sich Teile der Szene zunehmend in einen Rassismus. Das Gerede über dieses eine Thema von „Pro Köln“ führt letztlich dazu, dass weitere Thesen der Partei, von den fremden- über homose­xuellen- bis hin zu verfas­sungs­feind­lichen, nicht diskutiert werden, obwohl auch diese einen Grund zur Distan­zierung und zum Ausschluss vom CSD bieten. Es führt auch dazu, dass diese Thesen für weniger schlimm wahrge­nommen werden als sie sind.“

„Was für eine infame Strategie: Erst erfindet man eine Bedrohung, die es gar nicht gibt, dann greift man die an, die gegen die eingebildete Bedrohung nichts unternehmen wollen.“

Empfehle beide Texte zur Gänze; deutlich wird in beiden zudem, dass gegen eine eingebildete „linke Hegemonie“ gewettert wird, die es so seit ca. 30 Jahren nicht mehr gibt und vorher auch nur in manchen Bereichen des Feuilletons, nie jedoch gesamtgesellschaftlich auf den Westen bezogen, herrschte.

Dass sich nun die Opfer der Anti-PC-Rhetorik genau dieser bedienen – urgs, das kann schwer nach hinten los gehen. Plädiere vielmehr dafür, feministische, antirassistische und Homophobie bekämpfende Ansätze auch weiterhin zusammen zu denken bei Achtung aller Differenzen. Und insofern vor allem mehrfach Diskriminierten zu lauschen.

(Beide Texte übrigens via David Berger, Facebook – Dankeschön!)

 

 

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Eine Antwort zu “Lektüreempfehlung: Zwei Texte zum CSD und „ProKöln“

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