Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Verbetzt und gutgemacht und ganz viel Zukunft …

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Eurodance im Sonderzug – nein, ich war nicht dabei, aber die Fortsetzung von Disco mit anderen Mitteln ist allemal besser, als in abgestandenen Punkrock-Gitarren-Saucen den FC St. Pauli zu konservieren. Und es ist deutlich schöner, auf dem Betzenberg zu gewinnen, als dass dort schwarzen Spielern frei nach dem Motto „Ist ja eh nix wert“ die Beine gebrochen werden. Und dass hinterher Region-Spieler an Eckfahnen in blöd grienendem Triumph und Pepita-Hut noch schlecht tanzen, Herr Basler. Nee, der war nicht der Knochenbrecher, das war Lincoln, war nur damals in meiner zweiten Saison eines der Spiele, die sich negativ einprägten, da bin ich nachtragend – obgleich J. von der „Breiten Masse“ am Tag danach strahlend im Büro auflief und beseelt ausrief „Wir haben den Betzenberg gerockt!“. Weil die St. Paulianer-Chöre die Region-Sänger zu Teufelchen degradierten. Trotz 5 Gegentoren, wenn ich mich recht entsinne.

Gestern auf Sky waren eigentlich auch nur St. Pauli-Gesänge zu hören, und der Fussball in der ersten Halbzeit war neben dem Spiel bei 1860 und dem Heimspiel gegen Frankfurt – das gegen Braunschweig zählt wegen verkaterter Gegner irgendwie nicht ganz – wohl der beste in dieser Saison. Bin ja manchmal am Zweifeln, ob Michael Frontzeck bei aller Dankbarkeit dafür, dass er uns zum Nichtabstieg führte und sich zudem bis zum Schluß höchst sympathisch im Hintergrund hielt, sich so ganz und gar nicht inszenierte, sondern der Mannschaft den Jubel ließ, der richtige Trainer für einen Neuaufbau ist. Weil man auch gestern wieder das Gefühl hatte, konditionelle Schwächen zu erspüren und eben doch Teile der Saison von Ratlosigkeit auf dem Platz geprägt waren.

Umgekehrt meint man ja eine Ahnung zu haben, was seine Vision sein könnte, guckt man sich insbesondere die ersten Halbzeiten gegen die 60er und nun gegen die Region an. Das war schon richtig, richtig gut, auch wenn „aus einer kompakten Defensive schnelle Vorstöße wagen“ sich wie eine Floskel liest, scheint es ja so leicht nicht zu spielen zu sein, guckt man sich Zweitligafussball so an …

Insofern hat Pathos recht: Es ging sehr wohl noch um etwas. Um ein gutes Gefühl angesichts dessen, was kommt.

Azzouzi hatte ja schon ordentlich vorgelegt mit Neuverpflichtungen, da man sich zugleich erstaunt und erfreut die Augen reibt. Willkommen!

Keine Leihgeschäfte, kein Jugendstil um jeden Preis, potenzielle Führungsspieler mit viel Erfahrung – Hut ab. Auch die Signale, dass jemand, der die Vereinsseele in und auswändig kennt wie Florian Bruns, ggf. noch in die Zweite als Leitwolf eingebaut und zugleich in die Geschäftsstelle integriert werden könnte. lässt hoffen, dass doch nicht aus irgendeinem verborgenen Machtkalkül das „alte St. Pauli“ nun vollends abgeräumt werden könnte . Meggle als Trainer der Zweiten ist ja auch so ein Signal. Dann geh ich da auch mal gucken 🙂 …

Überhaupt, die Zweite: Gestern in der O-Feuer-Bar war ich umgeben von solchen, die sich regelmäßig deren Spiele anschauen – ein echter Himmelmann-Fanclub. Ganz schön beruhigend, ihn spielen zu sehen und zu wissen, dass wir ihn als Backup oder gar potenzielle Nr. 1 haben.

Dass freilich mit der Tradition gebrochen wurde, sich verhuscht auf dem Betzenberg abschießen zu lassen, erfreut um so mehr. So brennt sich nicht ein in den Hirnen der Spieler die bleiben, dass Auswärts-Führungen sowieso wieder vergeigt werden, macht ebenfalls Hoffnung.

Bisher dominierte ja der Eindruck, dass Restbestände des Alten uns noch irgendwie zusammen mit Ginczek den Arsch gerettet haben und das, was neu war, allzu viel Hoffnung noch nicht machte.

Nun so ein Gefühl von – ja, kitschiges und langweiliges Bild, dennoch: Morgenröte. Dass man sich auf die neue Saison freuen kann. Dass Azzouzi im Hintergrund sich als prima Gestalter erweist. Und dass sogar „der Verein“ mit Trailern wie dem „Komm ins Stadion, da bist Du sicher!“ Akzente setzt, die richtig, richtig gut sind. Weiter so!

Und dass die Mannschaft auf dem Betzenberg siegt – Danke!

Wünsche der Region ja wirklich viel Glück gegen Hoffenheim und drücke die Daumen,; blieben sie ihn Liga 2, wäre das für uns halt trotzdem schön. Weil mit Düsseldorf und Fürth Angenehmes zurück kehrt, und ob nun Dresden oder Osnabrück mit dabei ist, ist beides doch was anderes als Sandhausen oder Heidenheim.

Insofern auf einmal ganz viel Zukunft, auf die ich mich freue – wie auch auf dje erste Staffel von „Mad Men“ (EDITH: Es war die „Big Bang Theory“, peinlich). Dankeschön!!! Ist toll, mitzubekommen, wer hier so alles mit gelesen hat in all den Jahren 🙂 … ein gutes Gefühl!

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42 Antworten zu “Verbetzt und gutgemacht und ganz viel Zukunft …

  1. jeky Mai 20, 2013 um 7:05 pm

    „Wünsche der Region ja wirklich viel Glück gegen Hoffenheim und drücke die Daumen..“
    Das hier bei Ihnen zu lesen, überrascht mich allerdings nach den Vorkommnissen der jüngeren Vergangenheit zumindest gelinde, auf jeden Fall so sehr, dass ich mir tatsächlich diesen Kommentar nicht verkneifen wollte.

    Sollte es Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein, dass sich um die homophoben Ausfälle des Lauterer Spielers Idrissou http://www.kicker.de/news/fussball/2bundesliga/startseite/585511/artikel_idrissou-redet-sich-um-kopf-und-kragen—dfb-ermittelt.html der Verein FCK eindeutig positioniert hat zum Thema, nämlich durch Verharmlosung? http://www.sport1.de/de/fussball/artikel_712908.html
    Und sogar dafür „ausgezeichnet wurde http://www.queer.de/detail.php?article_id=19127?

    Vielleicht stört ja auch nur mich das so vehement, dass ich so ziemlich jedem Verein, der gegen den FCK in die Relegation müsste, eher die Daumen drücken würde. Also auch Hoffenheim. Kommerz stört mich eindeutig weniger als Fussballvereine, die mit schicken Anti-Homophobie-Plakaten durchs Stadion laufen lassen, aber wenn es mal richtig ernst wird, zeigen, aus welchem Holz sie wirklich geschnitzt sind.

    Vielleicht haben Sie es ja aber tatsächlich nicht mitgekriegt, anders kann ich mir das eigentlich nicht erklären.

    Wie auch immer.

  2. momorulez Mai 20, 2013 um 7:19 pm

    Doch, ich habe das mit bekommen – auch, dass Idrissou sich danach mit einem schwulen Fanclub zusammen gesetzt hat, offenkundig tatsächlich in Reue, und die Klischee hinsichtlich dessen, was denn nun „schwul“ sei und was männlich, nun nicht unbedingt ihm anzulasten sind, das teilen ja sogar in der Szene nicht allzu wenige, die sich dann gegen „Tunten“ abgrenzen.

    Und man zudem in einer zumindest schwierigen Situation landet, wenn man als Weißer Schwarze über Homophobie belehrt. Dann entsteht nicht im Falle Beanie Mans, sehr wohl aber im Falle Idrissous eine Paradoxie.

    Anders bei dieser dümmlichen Verlautbarung der Vereinsführung – da gab es vom BVB-Präsidenten allerdings noch viel schlimmere. Weiß auch nicht, ob der sein Treffen mit schwulen Fanclubs arrangiert hätte. Was ja der „Ernstfall“ ist – sich mit Betroffenen auseinander zu setzen, statt über sie oder an ihnen vorbei zu reden. Und ich würde bei Kaiserslautern von einem eher ausdifferenzierten Gebilde ausgehen.

    Unverzeihlicher finde ich die antisemitischen Ausfälle vor geraumer Zeit. Da weiß ich ehrlich gesagt auch gar nicht, wie es weiter ging.

    Trotzdem sind mir so lebendige, wenn auch ambivalente Szenarien wie auf dem Betzenberg allemal lieber als die sterile Ökonomie in Hoffenheim.

    Ich hatte mich übrigens erst gefreut, dass Du kommentierst. Schade, dass sich das beim Lesen dann legte.

  3. jeky Mai 20, 2013 um 7:34 pm

    Dieses ganze Hoffenheim-Gebashe von den Fans der Traditionsvereine ist doch an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Wenn da Fans des FC Bayern München, die ihre lebendigen Szenarien mittels Klatschpappen inszenieren oder andere jährlich ihren Stadionnamen anderweitig versilbern oder die Präsentation der Ecken durch Sponsoren mittlerweile gängige Praxis ist und vor allem die lebendigen Strukturen sich in den meisten Stadien auf die Supporter-Kurven beschränken – so sie denn noch supporten dürfen- bleibt doch bezüglich Hoffenheim nicht mehr viel übrig, was man nicht woanders ebenfalls findet. Die vermutete Einflussnahme des Herrn Hopp dürfte nicht intensiver sein als die eines Herrn Hoeneß, wobei ich dem deutlich mehr Einflußnahme zutrauen würde.

    Eins steht fest: es ist leichter, als fast überall willkommener St. Pauli-Fan durch die Republik zu reisen als sich als Hoffenheim-Fan zu outen. Vielleicht sollten Sie doch öfter mal auswärts fahren, auch gerne mal auf den Betzenberg, Da spielt sich nämlich außer auf der Fankurve auf den Rängen auch nicht mehr viel ab. Zumindest nicht die letzten drei Male, als ich dort war. Die Erinnerung an frühere Tage mag da einiges verklären, kann ja sein.

    Wenn Sie diese Entschuldigung von Idrissou so kaufen, unabhängig von den Strukturen, in denen er aufgewachsen ist und die sich womöglich nicht durch ein Informationsgespräch in Nullkommanichts ausradieren lassen, dann ist es ja gut.

    Was die sich legende Freude über meinen Kommentar angeht, bin ich nicht überrascht, mir war das klar. Manche Dinge ändern sich eben nicht und bei manchen ist das sogar gut so.

  4. momorulez Mai 20, 2013 um 7:55 pm

    Diese Saison bin ich tatsächlich zu wenig auswärts gefahren. Und Bayern ist ja zumindest ein Verein mit Geschichte. Ansonsten finde ich die Operettenarena, da war ich ja zumindest, auch albern und hab gegen die Rechten da bei den 60ern parallel auch ernsthafte Aversionen entwickelt, so dass ich da keinerlei Sympathien aufbringe, die Sprüche unseres Stadionsprechers gegen „die Scheichs“ aber auch grenzwertig fand.

    Aber dieser satte, finanziell hochgerüstete Hoffenheimkomplex inmitten deutscher Provinz, das ist immer die Welt, die ich viel bedrohlicher finde als die, na, post-proletarische. Habe gerade einen neuen Mitarbeiter aus Ramstein, der mich über das auch œkonomische Nichts im Schatten Kaiserslauterns belehrte, was dann ja zu all den „wichtig für die Region“-Sprüchen führte. Da habe ich irgendein Gefühl zu, dass ich bei Hoffenheim nicht habe. Diese Wirtschaftsfunktionärsteuerung ist ein gravierendes, gesellschaftliches Problem, da bilden sich ja fast schon feudale Strukturen heraus. Der FC Bayern ist da viel komplexer, die mag ich aber ja auch nicht, und die sind Vorreiter bei allerlei Übel gewesen.

    Und nun Hoffenheim-Fans als ernsthafte Diskriminierungsopfer zu sehen, so weit würde ich nicht gehen.

    Gab ja parallel eine ähnliche Diskussion zu Dynamo Dresden bei Twitter. Da weiß ich nicht, was ich davon halten soll; verstehe aber die, die meinen, dass eine immerhin in Bewegung seiende, leidenschaftliche Fanszene da zu finden sei.

  5. jeky Mai 20, 2013 um 8:17 pm

    Schauen Sie sich die Kommentare auf der Hoffenheim-Facebook-Seite mal an. Und diese Getippselten gibt es auch in „echt“ als direkte Ansprache. Das ist nicht nur Diskriminierung, das ist schon ein bisschen mehr und mir persönlich würde es Angst machen, diese Leute, die sich derartig äußern, im Umfeld eines Stadions zu treffen. Das ist Hass, nicht Diskriminierung, blanker Hass.

  6. momorulez Mai 20, 2013 um 8:51 pm

    Diskriminierung gibt es nur da, wo sie strukturell Dominante, solche, die hegemoniale Positionen besetzen, die auch administrativ und ökonomisch herrschen, über jene ausüben, die nix für das können, wofür sie diskriminiert werden. Deshalb wollen uns doch irgendwelche Katholiken immer einreden, wir hätten uns das Schwulsein ausgesucht und es wäre „heilbar“.

    Ich will ja hier auch gar nichts an denen gut finden, die sich bei Facebook hasserfüllt ausleben und fand z.B. das Hopp-Fadenkreuz-Plakat Scheiße.

    Das ist aber doch aber ein ganz anderes Phänomen als Sexismus z.B., der in allen Beziehungen, wenn als Männer und Frauen Gelesene aufeinander treffen, irgendwie wirkt.

    Das ist ein Reflex dagegen, dass viele Menschen das Gefühl haben, dass Geld und Geschäft ihre vertrauten gewachsenen Bezüge zerstören und dass es tatsächlich immer mehr Abgehängte gibt, während zugleich sittsame Mittelschichten sich abschotten. Und dass „Unterschichten“ in Deutschland strukturell diskriminiert werden, nicht Leute wie Hopp.

    Das Kuriosum ist, dass das in Frankreich sich mit dem Kampf gegen die Homo-Ehe gekoppelt hat, wofür der jüngst zurück getretene Papst auch einiges getan hat mit seiner Kapitalismuskritik light.

    Viele „Antideutsche“ würden die Hopp-Kritiker auch der „personalisierten Kapitalismuskritik“ wie auch des „strukturellen Antisemitismus“ bezichtigen. Letzteres halte ich für Unfug, weil Hopp meines Wissens kein Jude ist. Und eben ein tatsächlicher Akteur in der Wirtschaft, solche gibt es halt. Die eben aufgrund ihrer ökonomischen Macht auch Hegemonie sind, wie all die Bestrebungen, England nachzueifern, nicht nur, aber auch in den Debatten rund um das Sicherheitsdingens zeigten.

    Trotzdem passiert da, was passieren MUSS und historisch auch immer wieder passiert ist, wenn keine sozialistische Theorie zur Verfügung steht oder diese letztlich sogar von Ulbricht und Stalin bekämpft wurde, übrigens tatsächlich: Es wird irgendwas Heiles konstruiert, in das dann Typen wie Hopp angeblich exklusiv einbrechen, da hast Du in Deiner Kritik ja recht, dass der allein nun wirklich nicht das alles angerichtet hat, und was den FC St, Pauli betrifft, bin ich und sind andere da auch tatsächlich nicht frei davon, weiß Gott nicht.

    Aber das ändert doch alles nichts daran, dass es einfach cooler ist, in richtige Stadien zu fahren in irgendeinem urbanen Umfeld und auch bei uns einen vollen Gästeblock zu haben mit Leuten, die Fussball leben, und das nicht erst, seitdem ein Mäzen sich eingekauft hat.

    Ich muss doch hier nicht in irgendwelche Hasstiraden einstimmen, mir persönlich sind Hoffenheim-Fans schnurz, und kann es trotzdem spannender finden, wenn Lautern oder Düsseldorf bei uns anreisen.

  7. momorulez Mai 20, 2013 um 8:59 pm

    PS: Wobei ich ja zugeben muss, das eines der geilsten Spiele der letzten Jahre das Heimspiel gegen Hoffenheim in deren Aufstiegsjahr war, auch wenn ich mir da vollkommen widerspreche 😀 – das, welches mit Ralph Guneschs Solo-Lauf zum Siegtor endete.

  8. jeky Mai 20, 2013 um 9:24 pm

    An dieses Spiel erinnere ich mich auch gerne. Und das zweitgeilste war das Heimspiel von Hoffenheim gegen den HSV. 3:0. Powerplay gegen Standfussball. Das nur am Rande.

    Ansonsten. wenn Sie K-town und Düsseldorf bei uns spannender finden, sollten Sie Hoffenheim am Donnerstag die Daumen drücken. Strategisch bedingt.

  9. momorulez Mai 20, 2013 um 9:25 pm

    Da ist natürlich was dran, und das ist richtig 🙂

  10. jeky Mai 20, 2013 um 9:29 pm

    Also nicht fas zweitgeilste überhaupt. sondern das zweitgeilste mit Hoffenheim-Beteiligung. Nicht, dass da Missverständnisse entstehen!

  11. cut Mai 20, 2013 um 9:32 pm

    Da sieht man sich also wieder. Das zumindest freut mich! 🙂

  12. momorulez Mai 20, 2013 um 9:35 pm

    Mich auch 🙂 – fand zwar eure Aufstiegsmannschaft furchtbar, aber den Verein und die Stadt mag ich ja. Nur die Abfahrt vom Stadion, die war das Grauen, weil alles verstopft war.

    Egal, die Fortuna am Millerntor, das war eigentlich immer ganz spannend und immer nette Leute dabei.

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  14. Trude Mai 21, 2013 um 5:40 pm

    Hopps Zigmillionen verhalten sich zur Bundesliga wie frauenfeindliche Pickup Artists zu Frauen.

    Wenn ganze Fußballbundesligavereine zum privaten Hobby einer einzigen Person werden dann stimmt da etwas nicht. So etwas ist einfach nur dreist. Ich würde es massivst scheisse finden wenn ein Verein mit einer Fanbasis wie Kaiserlautern in der Relegation der finanziellen Übermacht eines Milliardärs unterliegt.

    Von dem Geld was Hopp in seinen dämlichen Privatverein reinpumpt könnten in Deutschland ganz locker mehrere tausend PoC ein komplettes Ingenieursstudium finanziert bekommen. Ich finde es pervers wenn ein einzelner Mensch so reich ist und dann sein Geld so komplett sinnlos verballert.

  15. momorulez Mai 21, 2013 um 5:44 pm

    Mal ab von der Problematik des Begriffs „pervers“ seh ich das ja irgendwie auch so, wobei man mit dem Ansatz auch das gesamte Fussballgeschäft in Frage stellen kann – was ja viele auch tun, die dann z.B. lieber zu Altona 93 gehen als zum FC St. Pauli …

  16. jeky Mai 21, 2013 um 7:32 pm

    @Trude: Interessanter Ansatz. Was sagen Sie dann in diesem Zusammenhang zu den Kühne-Millionen für van der Vaart inklusive Einmischung ins sportliche Geschäft beim HSV?

    Haben Sie sich schon mal mit den zig Millionen (genauer gesagt 300 Millionen) beschäftigt, die dieser einzelne Mensch in der Dietmar-Hopp-Stiftung http://www.dietmar-hopp-stiftung.de/ für anderes als Fussball locker gemacht hat? Wohl nicht, sonst würden Sie nicht solche haltlosen Vorwürfe raushauen. Macht aber nichts, ist man im Zusammenhang mit Hopp ja auch gewohnt.

    Wie momorulez sagt, mit dem Ansatz stellen Sie mal besser alles in Frage. Aber auf Hoffenheim zu dreschen ist so schön einfach und der Applaus ist einem immer sicher.

  17. momorulez Mai 21, 2013 um 8:07 pm

    Das mit dem „3. Weg“ ist halt immer so eine Sache. Eine Kühne-Stiftung gibt es ja auch, trotzdem haben die HSV-Supporters noch ein großes Gewicht in ihrem Verein, weil nicht alles Demokratische entkoppelt wurde. Und die durch staatliche und internationale Politik seit Friedman/Reagan/Thatcher, Bankenrettung und Co immer weiter gepäppelten Reichen und Superreichen und Konzerne dann einfach kompensieren, indem sie in Felder vorstoßen, da traditionell den Städten und Gemeinden viel mehr möglich war, wo die Akteure zumindest teilweise auch gewählt werden. Nach meinem Vater ist auch ein Stadion benannt, weil er sich als gewählter Bürgermeister um die Leute im Verein gekümmert hat.

    Und Staat investiert stattdessen in immer aufgeblähtere Sicherheitsinfrastruktur.

    Analog das „Drittmittel einwerben“ an Unis, was Formen nicht funktionalen Wissens zerstört.

    Da ist Hopp Symptom, hängt aber mittendrin in einem System, das ganze Bevölkerungen enteignet (Griechenland, Spanien), hierzulande mittels Hartz IV Menschen erpresst zu „Lohnzurückhaltung“ und Arbeitszwang, um das tun zu kœnnen, und spielt sich als großer Macher und Mäzen auf. Um dann noch so ein scheinbar egalitäres, sportliches Miteinander auf die Seite seiner Stiftung zu packen – er kann ja mal in einen x-beliebigen Knast, möglichst mit angeschlossenem Abschiebeknast, um zu sehen, was für eine rassistische Realität sich immer weiter auf amerikanische Verhältnisse zubewegt – und dieses ganze „3. Weg“-Konzept hat zwar auch hiesige Wurzeln, siehe z.B. die Hamburger Staatsoper und deren Geschichte, ist ansonsten aber am US-Vorbild orientiert und zeigt vor allem, dass nicht mehr Restbestände demokratischer Strukturen entscheiden, sondern die mit Geld, wo es lang geht. Ist vermutlich sogar ehrlicher als adenauersche Märchen, aber ist es richtig?

  18. jeky Mai 21, 2013 um 8:21 pm

    Da kommen wir der Sache schon näher. Die Stiftung habe ich nur erwähnt, weil „Trude“ offenbar davon nichts wusste. Das lief auch bereits lange vor seinem Engagement im Fussball, was ich nicht ganz unwichtig finde.
    Ihn als Stellvertreter für alles, was nicht nur im Fussball schiefläuft, an den Pranger zu stellen, finde ich allerdings zu einfach. Einfach auch deshalb, weil das mit den Wölfen heulen auch ohne sinnvolle Argumentation diesbezüglich viel zu gern betrieben wird. Dass SIE sich da andere Gedanken drüber machen, ist mir schon klar, aber wenn ich Trude so lese…

    Wie hat den Kaiserslautern letztendlich überlebt? Durch massive finanzielle Unterstützung der „Region“. Aber das scheinen -wie auch Kühne- verzeihliche Eingriffe zur Erhaltung oder Verbesserung von Traditionsvereinen zu sein. Augen zu, umdrehen und lieber wieder auf den Hopp konzentrieren, da macht wenigstens jeder mit.

    Der Fussball, wie wir ihn gern hätten -und mal gehabt haben- ist schon längst tot. Und das ist nicht Hopps Schuld. Er ist nur auf den fahrenden Zug aufgestiegen.

  19. momorulez Mai 21, 2013 um 8:39 pm

    Na, die Unterstützung für Lautern ist immerhin noch die zumindest idealerweise und auf dem Papier demokratischer Gremien.

    Den Unterschied kann man schlecht weg diskutieren.

    Dann muss man aber auch den Börsengang des BVB, die auch nicht demokratischen Strukturen bei Vereinen, wo der gesamte Profisport längst reine Ökonomie ist usw. aber tatsächlich mit thematisieren und auch, wieso es mœglich ist, dass Holger Apfel in Braunschweig mit feiert, wenn die Fotos kein Fake waren, die sich ja insbesondere gerne gegen Wolfsburg profilieren, dem Verein des „Kraft durch Freude“-Wagens, und Bayer als IG Farben-„Nachfahre“ hing in Auschwitz und den dortigen Buna-Werken auch tief mit drin. Während Hopp seine Milliarden wenigstens nicht geerbt hat und so auch nicht wie die Quandts schweigen muss. Finde ja Wirtschaftsgeschichte da auch relevant. Aber eben auch, dass die ganze „Antikommerz“ und „Traditions“-Abteilung gerne mal nach rechts weg kippt.

    Und wenn ich mir den FCSP angucke, gab es zwar zum einen auch einen Weisener, aber die Antwort war, dass immer mehr Fans sich im Verein engagiert und organisiert haben und so auch die Ausgliederung der Profisportabteilung verhindert haben, dass wir, wie wir beide wissen 🙂 , SEHR kurze Wege zum Präsidium haben und ja nun auch der Einfluss auf das Geschehen im Verein TROTZ Anbindung an die Ufa z.B. so gering nun auch wieder nicht ist.

    Und das sehe ich schon noch als Gegenmodell zu Hopp, Bayern München oder dem BVB.

    Deswegen kann ich auch auf ein Champions-League-Finale verzichten, wenn sich der Klassenerhalt in Liga 2 sooooo gut anfühlt 😀 und Abschied von ans Herz gewachsenen Spielern wie Ebbers und Bruns sooooo emotional ist, man auf einmal mit Marcel Eger in der Millerntor-Gallery plaudert und Ralph Gunesch bei Twitter dabei ist.

    Was ja irgendwie Bindungen an den FC St. Pauli sind, wo ich nicht weiß, ob Hoffenheim die so hervor bringt – aber der 1. FCK definitiv. Insofern ist noch nicht alles verloren 🙂 …

  20. jeky Mai 21, 2013 um 8:48 pm

    D´accord. „Nur“ Hopp ist eben einfach zu kurz gedacht. Aus der ersten Liga gibt es kaum einen Verein bzw. Anhänger eines Vereins, die unverzagt den ersten Stein werfen könnten.

    Fängt ja, was den Kommerz angeht, schon beim Versilbern des Stadionnamens an, was wir ja immerhin verhindern konnten. Von verkauften Ecken gar nicht zu reden. Wir konnten uns ja auch der LED Werbung erwehren. Und die kurzen Wegen, in der Tat. Bei anderen eigentlich auch gar nicht vorstellbar, so ein direkter Draht 😉

    Wie gesagt, die Schnittchen-Galerien scheinen auch beim FCK Einzug gehalten zu haben, wenn ich mir die beiden großen Tribünen so ansehe und das früher Gehen ist auch dort en vogue geworden.

    Ich sehe den Twitterabenden anlässlich der Relegationsspiele jedenfalls interessiert entgegen. Sie wissen ja nun, dass Sie für Hoffenheim sein müssen 😉

  21. momorulez Mai 21, 2013 um 8:52 pm

    Das twittere ich aber nicht 😀 – auch wenn ich müsste, können kann ich da irgendwie nicht. Nicht aus Hass, sondern aus den genannten Gründen. Da bin ich dann zu fussballemotional.

  22. Trude Mai 21, 2013 um 9:48 pm

    Sonderlich effektiv ist es jedenfalls nicht was die Stiftung leistet. Er fördert eine unwirtschaftliche hochteure Gerätemedizin was ja irgendwie nobel ist aber längst noch nicht so viel bewirkt wie der gleiche Förderbetrag wenn er denen zugute kommt, die bislang zu arm sind um auch nur mit Antibiotika behandelt zu werden. Seine sozialen Projekte sind vollständig auf ältere Menschen beschränkt und dann auch noch diejenigen welche in einer der reichsten Regionen der Erde wohnen. Ich finde das scheiße und wenig nobel. Zu den geförderten Sportarten gehört ausgerechnet Golf als eine von vier Sportarten. Das ist völlig verstrahlt und typische Millionärsdenke.

    Es ist nicht gut wenn ein Mensch über so viel Reichtum verfügen kann. Seine Stiftung verfolgt eine klassizistische Stiftungspolitik und verwendet die Mittel hochgradig ineffizient. Ausgerechnet der Unternehmer als Ökonom macht mit seiner Stiftungspolitik mehr als deutlich daß er von gesellschaftlichen Knappheiten wirklich nichts versteht.

    Mir wäre lieber wenn er sein Stiftungsvermögen bevorzugt widmen würde welche auf der Schattenseite des Kapitalismus stehen. Auf der Schattenseite von seinem irrsinnigen Reichtum. Wenn er dann auch diese Hilfe effizient leisten würde was er aber in seinem Leben niemals zustande bringen wird weil ihm die Maßstäbe längst schon jeden Halt verloren haben.

    Einige Beispiele

    Das Seniorenzentrum in St. Leon Rot richtet sich ausschließlich an Besserverdiener. Trotz Förderung durch Hopp und volle staatliche Förderung müssen die Heimbewohner rund 2000 Euro pro Monat dazu zahlen. Arme und Normalverdiener müssen draußen bleiben.

    Das Hospiz Agape ist erneut eine Besserverdienerveranstaltung.

    Der Montessori-Kindergarten Zuzenhausen wurde von der Hoppstiftung mit Fördermillionen geradezu zugeschissen. Im Gegenzug ist er fast ausländerfrei und es gibt dort fast nur prächtige weißdeutsche Akademikereltern.

    Im Astor Stift wurden 20 idyllische Seniorenwohnungen geschaffen. Ausschließlich für diejenigen, die sich das leisten können. Wie zum Hohn wird das im Stiftungsbericht der Dietmar Hopp Stiftung auch noch „sozial“ genannt.

    Die sogenannte Jugendförderung im Sport orientiert sich überwiegend an Leistungssport oder dem Nachwuchs von Bestverdienern, denen dann hübsche Golfplätze geschenkt werden. Ein Zitat verdeutlich die Spendenphilosophie:

    „Wie im Freien stehen den Sportlern auch beim Indoor-Training modernste High-Tech-Geräte zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem das hochkarätige Golfschwunganalyse-System GASP, außerdem das Sam Putt Lab, derzeit das modernste Gerät für das Putt-Training, sowie der Launch-Monitor Trackman, mit dem Schlag- und Ballflug-Daten ermittelt werden können.“

    Ich hatte Schlimmes erwartet. Die Wirklichkeit übertrifft die Befürchtungen um ein Vielfaches.

    Ihr Mäzenatentum ist ZUM KOTZEN, Herr Hopp!

  23. momorulez Mai 21, 2013 um 9:53 pm

    Da hast Du tiefer geforscht als ich … kannst Du jeweils die Quelle angeben, oder steht das alles auf der Stiftungs-Seite (z.B. die Zusammensetzung der Kinder, die in dem Montessori-Kindergarten sind)? Nicht, dass ich zweifele; bei falschen Tatsachenbehauptungen wird die Sache aber heikel.

  24. Trude Mai 22, 2013 um 10:09 am

    Mit „fast nur“ bist du in diesem Fall auf der sicheren Seite zumal klageberechtigt allenfalls der Kindergarten wäre und eine Gruppenbeleidigung rechtlich nur schwer konstruierbar ist. Das mit der Verfolgung falscher Tatsachenbehauptungen funktioniert nur wenn relevante Rechtsgüter tangiert sind zum Beispiel Persönlichkeitsrechte von Einzelpersonen oder geldwerte Interessen beispielsweise in Bezug auf Produkte oder den Ruf einer Firma. Zur Erreichung maximalster Sicherheit kannst du die Akademikereltern aber auch zu „fast nur Eltern aus guten, akademischen und allerbesten Verhältnissen“ umtexten. Ist aber unnötig. Da passiert nichts.

    Unabhängig davon finde ich daß das klassisch klassizistische Mäzenatentum von Hopp stinkt. An Stelle von diversen Millionen Euro für einen elitären Montessori-Kindergarten könnte Hopp einfach mal tausend gewöhnliche Kindergärten bevorzugt in sozial schwachen Wohngegenden mit einem Spielzeug- und Lernspielzeugpaket im Wert von 3500 Euro bedenken.

    Das wäre sozial.

    Das was Hopp als Mäzen in den letzten Jahren betreibt verachte ich hingegen überwiegend. Das sieht deutlich mehr nach Millionärsmarotte aus als nach sozialer Tat. Sorry Jeky. Wenn du Hopps Mäzenatentum bejubelst dann hast du dir das offenkundig nicht sehr gründlich angeschaut was er da tatsächlich macht. Eine Art schöner Wohnen für Golfclubsmitglieder.

    Ich finde das zum Kotzen.

  25. jeky Mai 22, 2013 um 11:28 am

    Und weil es einfach schöner aussieht, lassen Sie dann schon gerne mal ein bisschen weg?

    Hier der Link zur Übersicht der geförderten Projekte http://dietmar-hopp-stiftung.de/s2_die-stiftung/uebersicht-gefoerderte-projekte

    Wer hat jetzt nicht genau geschaut?

    Das ist relativ billige Polemik, sich die Projekte auszusuchen, die man mit Millionärsmarotte etikettieren kann, die anderen aber wegzulassen.

    Davon abgesehen könnte der böse Milliardär das auch komplett sein lassen und sich wie Abramovic einfach einen kompletten Verein in der Premier League kaufen und den Rest seines Geldes behalten. Ich finde es immer leicht vermessen, jemandem vorschreiben zu wollen, was, wieviel und wo er zu spenden hat.

    Die Darstellungsweise und Reduzierung auf den Golfsport unter Weglassung von alem anderen finde ich nun wieder zum Kotzen.

    Soll sich jeder selbst ein Bild machen und auf die Seite mit den Projekten gehen, das dürfte sinnvoller sein als sich durch die Kotzpfützen hier zu arbeiten.

  26. jeky Mai 22, 2013 um 11:29 am

    Spende auch was, nämlich noch ein fehlendes „l“ für „allem“.

  27. momorulez Mai 22, 2013 um 11:41 am

    Ich finde die Liste aber auch so aussagekräftig nicht, wenn ich ehrlich bin – da war jetzt ein Projekt aus der Überschrift als auch für „Unterprivilegierte“ erkennbar, bei dem Rest scheint ja ein Schwerpunkt auf medizinischer Forschung zu liegen, aber wer da letztlich was von hat, das ist im Rahmen dieses Gesundheitssystems so klar nun auch nicht mehr gerade dann, wenn das an Pharmaindustrie gekoppelt sein sollte.

    Zwei Hospize sind dabei; AIDS taucht auf im Zusammenhang mit Kindern. Dass da nun aber irgendwie entkräften würde, was Trude schreibt, habe ich zumindest beim Überfliegen nicht gesehen; auch, dass er da nun tatsächlich in einer Region aktiv ist, die anders als Meck-Pomm nun auch nicht zu den Abgehängten zählt, ist ja auch weiterhin so.

    Und prinzipiell ist es doch gut, das auch mal zu hinterfragen. Sonst bleibt es doch billige Gegenpolemik, mit Verlaub.

  28. jeky Mai 22, 2013 um 12:15 pm

    Ich werde jetzt sicher nicht diskutieren, wem medizinische Forschung nützen könnte, ich bin zumindest persönlich über jeden Cent, der in die Herzforschung geht, froh. Aus Gründen. Und gegen Krebsstammzellenforschung im Wert von $ 15 Mio. kann ich auch nicht wirklich was sagen.

    Ja, und da sind zum Beispiel zwei Hospize dabei, da taucht AIDS im Zusammenhang mit Kindern auf, eine halbe Million für Bestrahlung bei Tumoren bei Kindern, Begegnungsstätte für Kinder mit und ohne Handicap – soll ich jetzt wirklich noch mehr raussuchen?
    Ich finde es nur absolut unzureichend, die Argumentation auf ein Seniorenstift und Golf-Förderung zu beschränken und damit glaubhaft machen zu wollen, dass Hopp ein „Luxusstifter“ ist.

  29. jeky Mai 22, 2013 um 12:17 pm

    P.S.: Und dass er in „seiner“ Region aktiv ist, finde ich legitim. Diese ganze Diskussion ist ohnehin irgendwie skurril. Am besten, er hätte seine Kohle komplett behalten, dann könnte man ihn wenigstens völlig vogelwild als egoistischen Millionärsgeizkragen beschimpfen. Blöd jetzt mit den Spenden, ich weiss.

  30. jeky Mai 22, 2013 um 12:20 pm

    Ich spende auch immer mal was, würde mich allerdings jetzt hüten zu sagen, wofür. Könnte ja politisch oder sonst wie inkorrekt oder unzureichend oder doof sein. Was an meiner Spendenbereitschaft für Diverses, was dem einen oder anderen hier auch wahrscheinlich überflüssig vorkommt, nichts ändert. Ist nämlich mein Geld 😉

  31. momorulez Mai 22, 2013 um 12:26 pm

    Dazu hatte ich ja oben schon einiges geschrieben, zu dem, was auch problematisch am Mäzenatentum in sozialen Fragen ist, da hängen ja Fragen der Gesundheitsversorgung unmittelbar mit dran. Ebenso wird damit die Frage ja nicht gelöst, dass ein derartiges Ungleichgewicht in der Vermögensverteilung einfach an sich schon schlecht ist. Ich plädiere da ja immer für Luxus, Gesundheit und Bildung für alle und nicht nur jene, die Herr Hopp und seine Stiftung sich aussuchen. Da würde ich die Differenz markieren.

  32. momorulez Mai 22, 2013 um 12:29 pm

    Na ja, wessen Geld das warum jeweils ist, das halte ich eher für eine Anschlussfrage 🙂 … Eigentumsfragen sind im Kapitalismus eh nur sehr absurd zu beantworten.

  33. jeky Mai 22, 2013 um 12:39 pm

    Wir hatten ja weiter oben schon geklärt, dass er es zumindest nicht nur geerbt hat. Und wenn wir so weiter machen, frage ich mich bald, wem mein Geld gehört. Frage mich nur, ob ich für das Ungleichgewicht in der Vermögensverteilung, was zum Beispiel bei Herrn Hopp und mir ganz eminent auffällig ist, jemanden zur Rechenschaft ziehen kann. Mich vielleicht, weil ich keine erfolgreiche Firma gegründet habe. Oder Herrn Hopp, weil er es gemacht hat. Dilemma.

  34. momorulez Mai 22, 2013 um 1:08 pm

    Oder man fragt sich, was für ökonomische Strukturen denn gerechter wären 😉 – und ich glaube, das ist ganz verzerrt und auch in die rein symbolische Richtung gedreht der Hintergrund des Hasses, den Hoffenheim so auf sich zieht. Was durch fürchterlich viel Heimatschutz, auch Rassismus und sonstige Ressentiments z.B. gegen Griechen oder „Südländer“ im Allgemeinen usw. nicht durch dringt, und das wird auch mit allen Mitteln verhindert, dass solche Frage gestellt werden können.

    „Mein Geld“ ist letztlich ja auch auf diversen Wegen über staatliche Instanzen zu mir hin verteilt, teils über den Beamtenvater, teils über meine jetzigen Kunden. Ob Dein Verhältnis zu Deinem Arbeitgeber von Gerechtigkeit geprägt ist, das weiß ich nicht. Und SAP ist ja nicht nur über die Software, sondern über den Börsengang so milliardenschwer geworden, und ob und inwiefern da nun Gerechtigkeit im Spiel ist, das halte ich für eine offene Frage. Ich will jetzt aber gar nicht „richtige Arbeit“ dagegen ausspielen, weil es meines Erachtens ein Recht auf Faulheit gibt und ich ja eigentlich denke, dass genug für alle da ist, wenn man denn andere Verteilungsregeln ersinnen würde.

  35. jeky Mai 22, 2013 um 1:45 pm

    Wobei ein Börsengang in der Regel auch nur erfolgreich ist, wenn die Geschichte des Unternehmens dahinter stimmt. Und die Börse ist nun so ziemlich der letzte verbliebene Ort, bei dem der Preis schlicht durch Angebot und Nachfrage abgebildet wird.

    Wenn ich mir allerdings die Ecken anschaue, aus denen dieser Hoffenheim-Hass herauskommt, möchte ich in diversen Fällen nicht Ihrem Ruf nach wirtschaftlicher Gerechtigkeit zuordnen. Oder finden Sie Hater aus dem Umfeld des FC Bayern unbedingt in der Schublade „Schrei nach wirtschaftlicher Gerechtigkeit und gleichmäßiger Vermögensverteilung“ wieder? Ich nicht so.

    Womit wir bei allem Hin-und Herdrehen wieder bei dem Schluss angesagt sein dürften, dass nicht Hopp das Problem selbst ist, sondern er als Stellvertreter den prominenten Kopf hinhalten muss. Teilweise unter nicht akzeptablen und nicht nachvollziehbaren Umständen. Das Plakat mit dem Fadenkreuz haben Sie sicher noch in Erinnerung.

  36. jeky Mai 22, 2013 um 1:46 pm

    Ich wollte nur einen einzigen Kommentar…. *seufz*

  37. Trude Mai 22, 2013 um 2:27 pm

    Ist doch alles interessant. Niemand wird Jeky jetzt an den Pranger stellen und mit Eisenspießen durchbohren weil er nicht meine Meinung hat und nicht Momorulez Meinung. Einfach Meinungsaustausch. Gepräch. Ohne dieses Gespräch hätte ich mich überhaupt nicht mit dem Mäzenatentum von Hopp beschäftigt! Für mich war das sehr interessant.

    Für mich erscheint eine Vermögenssteuer nach der Beschäftigung mit Hopps sogenannten sozialen Taten sogar noch weitaus einleuchtender als es vorher schon der Fall war. Ein bis zwei Prozent. Jedes Jahr. Es ist auch die Gesellschaft die Hopp so reich gemacht hat.

    Allein wäre er ein Niemand.

  38. momorulez Mai 22, 2013 um 2:37 pm

    Ach, ist doch aber gut, wenn wir mal wieder miteinander reden, und sei es auch nur virtuell. Und vom Fadenkreuz-Plakat hatte ich mich oben schon distanziert!

    Bei den Bayern-Fans glaube ich das auch eher nicht – bei vielen beim BVB schon, da gibt es ja neben den neuen Nazis auch noch als Arbeitervereinsmentalitäten. Und wenn ich dann Oberhausenern (die mittlerweile auch ein Problem mit den Rechten haben, ich weiß, die ich da kenne nicht) zuhöre, für die ist Hopp Sinnbild des Niedergangs. Aber ich bin ja in Teilen bei Dir, was die Symbolpolitik betrifft, aber aus Gründen eben nicht nur. Weil da auch Instanzen entstanden sind, die einfach alles andere weg drücken.

    Zum Börsengang nur so weit: All die Analysten und Klugschwätzer auch in den begleitenden Banken setzen auf Hypes für’s schnelle Geld. Durfte ich mal erleben.

  39. jeky Mai 22, 2013 um 2:55 pm

    Ich wollte es nur noch mal erwähnt haben, falls Trude nochmal reinschaut.

    Der Börsengang von SAP und die Unternehmensentwícklung seit Gründung sind allerdings ein nicht ganz so gutes Beispiel für Hype und schnelles Geld. Wegen Nachhaltigkeit.

    Aber egal, schön, dass wir mal (drüber) gesprochen haben.

  40. momorulez Mai 22, 2013 um 3:15 pm

    Ein Kommentar von Trude war im Spam gelandet, sorry.

  41. jeky Mai 22, 2013 um 3:31 pm

    @Trude: der Jeky ist die Jeky und Momo ist das ohnehin gewohnt mit mir und mir würde auch ein Pranger nichts ausmachen, ich bin sowas als unbequemer Ex-Blogger gewohnt 😉

    Laut Spiegel spendete Hop vor 15 Jahren die Hälfte seines Vermögens. Ohne Gewähr.

    Ohne seine zwei Mitbegründer hätte es SAP nicht gegegen, hätte es keine Kunden gegegen, hätte es kein Vermögen gegeben. Jeden Unternehmer macht die Gesellschaft reicht, viele machen überhaupt nichts spendentechnisch und geben es einfach aus. Geht auch. Von denen hört man nur nichts…

    Und ja, sich mit etwas intensiver beschäftigen aufgrund solcher Blogdiskussionen ist die Essenz des Bloggens, deswegen finde ich das ja auch gut.

  42. Trude Mai 23, 2013 um 9:17 am

    Ich finde das Unterrnehmen an sich es nicht unwichtig. Das Ergebnis einer Unternehmung ist aber nicht allein den Bemühungen eines Unternehmers bzw. Betriebseigentümers zuzurechnen sondern ein gemeinschaftliches Ergebnis bei dem Kunden und zugekaufte Unternehmen eine Rolle spielen und nicht zu knapp die Mitarbeiter zum Beispiel die hauseigenen Entwicker. Wenn diese besonders fehlerarm arbeiten kann das der entscheidende Wettbewerbsvorteil gegenüber Oracle sein. Eine wirklich gute Ausbildung von Informatikern an deutschen Universitäten ist einer der Faktoren die Hopp am Ende schwerreich gemacht haben. Hopp ist nicht der entscheidende Erfolgsfaktor für die Firma SAP. Dazu ist das Unternehmen viel zu groß und vernetzt Jeky.

    Die meisten Unternehmen funktionieren sogar ohne herausragende Unternehmerpersönlichkeit einfach weil das betreffende Unternehmen in der passenden Marktlücke sitzt. Dann läuft es halt. An der Spitze einer Unternehmung zu sitzen bedeutet in diesen Fällen nicht den wichtigsten Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten sondern primär eine Machtposition.

    Wenn ich mir das teils richtiggehend irre Mäzenatentum Hopps anschaue dann bin ich davon überzeugt daß SAP an Hopps Maßstablosigkeit völlig gescheitert wäre wenn er nicht gezwungen gewesen wäre weit über 99 Prozent aller Entscheidungen und Tätigkeiten innerhalb von SAP zu delegieren. Hopp ist alles andere als ein Alleskönner.

    Es ist ein ulkiges Ergebnis im Kapitalismus daß sich der finanzielle und soziale Erfolg so stark auf einige wenige und in ihrer Bedeutung maßlos überschätzte Personen an der Spitze konzentriert. Genauso wenig wie ich es bin ist Hopp ein Übermensch. Seine Fähgkeit als Mäzen soziale Knappheiten sinnvoll zu managen sind exakt die einer Null. Umgekehrt wäre ich an der Spitze von SAP eine ebensolche grobe Versagerin.

    Es sind in erster Linie andere Menschen gewesen die Hopp zu einem sogenannten Erfolgsmenschen gemacht haben. Fast jedes Unternehmen ist in vorrangig eine kollektive Veranstaltung. Das wird viel zu leicht vergessen.

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