Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Vielleicht mal Solidarität, statt sich gegeneinander ausspielen zu lassen?

Kurz hin gerotzt vor Anpfiff in der „Grand Prix“-Arena, aber vielleicht auch gerade deshalb passend, weil nicht zuletzt z.B. Jan Feddersen von der taz vor dem letzten „Eurovision Song Contest“ ja auch um kein noch so blödes, vermeintlich „pro-westliches“ Klischee rund um Aserbaidschan verlegen war, ein paar Worte zu „Pro Köln“ und dem dortigen CSD. Zwar findet auch Queer.de das Verhalten der Organisatoren völlig daneben:

 

„Das genau ist die Strategie, die „Pro Köln“ derzeit auf allen Ebenen fährt. „Hey, jeder Jeck ist doch irgendwie anders“ rufen sie uns fröhlich lachend zu. „Lasst uns mitschunkeln, sonst seid ihr die Intoleranten!“ schüchtern sie uns ein. „Der wahre Feind, dass seid doch nicht ihr warmen Brüder, das sind die Moslembrüder“, machen sie uns Angst.“

 

Was freilich NICHT thematisiert wird, obgleich es mittlerweile sogar im St Pauli-Forum unwidersprochen sind findet, das ist der ausgeprägte Rassismus in der schwulen Szene selbst. Und es würde Queer.de als ja einzig vernehmbaren, schwulen Medium in Deutschland, die laut Kuby und Co ach so mächtige „Schwulenlobby“ ist ja publizistisch erstaunlich schwach auf der Brust, wohl so gar nicht schaden, das vielleicht auch mal zu thematisieren.

Bei der Facebook-Präsenz von David Berger („Der heilige Schein“) merkte nunmehr ein als „schwarzhaarig = „Südländer“ = Muslim“ Gelesener an, wie er sich fühlte, wenn er auf dem CSD mit ging und als „heimlicher Feind“ misstrauisch beäugt wurde. Was dabei völlig unter den Tisch fällt, sind Mehrfach-Diskriminierungen; es ist NICHT so, dass es unter rassistisch Markierten keine gäbe, die jenes Bedürfnisspektrum haben, das hierzulande mit dem klinischen Term „Homosexualität“ gelabelt wird.

Zum einen entspricht es keineswegs meiner Lebenserfahrung, dass, wie im St. Pauli-Forum behauptet, „die Deutschen“ ja „liberaler“ seien, solche merkwürdigen Arierfantasien sind krudes Zeug. Da braucht man ja nur mal Merkel oder Geis zuhören, was wirklich Sache ist. Von Ratzinger ganz zu schweigen.

Insofern wäre produktiver, sich lieber mal damit auseinanderzusetzen, wieso es immer so gut funktioniert, dass die Mehrheitsgesellschaftler schon dafür sorgen werden, dass gesellschaftliche Minderheiten gegeneinander ausgespielt werden können.

Übrigens auch dann, wenn jüdische Gelehrte und katholische „Denker“ gemeinsam DIE WELT ein Interview geben, um sich über die LGBT-Community zu erheben. Wollte ich eigentlich noch eigens kommentieren; mach ich vielleicht noch die Tage. Das gibt eine Menge her; mir ist ein Rätsel, wie man katholischer Propaganda so auf den Leim gehen kann, eben jener Organisation, die bereits im Prozess der Kanonisierung dessen, was die Bibel werden sollte, all jene antisemitischen Muster implementierte, die während Jahrtausende währender Judenfeindschaft heran gezogen werden sollten (und an denen sich Luther auch orientiert hat).

Aber auch dann, wenn Klischees von den „reichen, privilegierten Schwulen“ auch auf feministischen Seiten gepflegt werden und irgendein Scheinlinker anschließend vor sich hin grummelt, dass diese verantwortungslose Gay-Party-Crowd „Migranten“familien die Wohnungen weggentrifizieren würden, funktioniert das alles super ganz im Sinne der Normierten.

Es sei zudem noch einmal auf die Ablehnung des CSD-Preises durch Judith Butler verwiesen (ganz, wie es der Facebook-Kommentator bei David Berger auch macht). Und dann kann jeder ja nachgrübeln, was das vielleicht alles damit zu tun hat … kann man auch nicht oft genug verlinken, den Text.

Stonewall was a riot, und vielleicht ist es an der Zeit, Alternativveranstaltungen zu organisieren, die sich klarer machen, welche Communities das damals waren, die durch ihr Uprising den CSD erst möglich machten.

 

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7 Antworten zu “Vielleicht mal Solidarität, statt sich gegeneinander ausspielen zu lassen?

  1. Mrs Next Match Mai 21, 2013 um 4:14 pm

    Ja, stonewall was a riot. Und wurde wie so viele essentielle Zivilisierungsbeiträge irgendwann weißgewaschen, inhaltsentleert und disneyisiert. Zum CDS kann ich schon lange nicht mehr safe.

    Ein ganz wichtiges Buch will ich dazu nochmal durchsagen, weil es so wenige darüber gibt und es auch noch sehr gut ist: „Karriere eines konstruierten Gegensatzes: zehn Jahre «Muslime versus Schwule». Sexualpolitiken seit dem 11. September 2001“ von Koray Yılmaz-Günay: http://yilmaz-gunay.de/index.php?option=com_content&view=article&id=47 und http://tinyurl.com/os288h9

  2. momorulez Mai 21, 2013 um 4:33 pm

    Danke für den Buchtipp! Und ergänzend möchte ich doch erwähnen, dass der CSD zumindest eine der wenigen Gelegenheiten ist, wo man als Lesbe, Schwuler oder Transmensch sich in der Öffentlichkeit ALS eben das auch zeigen kann, da ist man ja ansonsten auch selten safe. Und das mir da nun explizite Solidarität bei POC-Aktivisten zumindest auch noch nicht aufgefallen wäre. Rund um das Thema „Homonationalismus“, wo ich inhaltlich einiges teile, bricht eher häufiger mal echt deftige Ressentimentpflege auf. Stonewall wurde definitiv auch weiß gewaschen, bin da voll bei Dir. Und weiße LGBT haben immer noch das White Privilege. Etwas mehr Intersektionalität fände ich trotzdem manchmal auch schön. Es gibt Rassismus in der Schwulenszene en masse, aber …

  3. momorulez Mai 21, 2013 um 4:39 pm

    PS: Es gab tatsächlich mal Solidaritätsadressen von muslimischen Verbänden, und Lamya Kadfor wundert sich bei Facebook immer um die, die meinen, im Koran stünde was gegen Schwule.

  4. momorulez Mai 21, 2013 um 5:33 pm

    Und der hier noch zum Thema „Safe Place“ und Schwule – in Frankreich hat sich die Zahl der Übergriffe verdreifacht meines Wissen, seitdem die Klerikalfaschisten gegen die Homo-Ehe mobil gemacht haben:

    http://www.independent.co.uk/news/uk/crime/gay-couple-beaten-in-park-urge-mps-to-moderate-language-on-gay-marriage-8624531.html

    Und grauenhaftes Kuriosum der Geschichte ist, dass es da Analogien zur rechtlichen Gleichstellung und Assimilation von Juden, historisch, gibt. Denen hat man dann auch deutlich die Unterschiede gezeigt …

    Was ja zum einen die Thesen der Homonationalismus-Kritiker deutlich bestärkt: Dieses Ranwanzen an den bürgerlichen Mainstream und das Nähren des Mythos eines „liberalen Westens“, der sich dann wie auch immer gearteter „Barbarei“ gegenüber sieht, ist eine rassistische Folie.

    Umgekehrt ist nun auch nicht so in meiner Wahrnehmung, dass es unter PoC hierzulande weniger LGBT-Feindlichkeit gäbe als in der Mehrheitsgesellschaft.

  5. Mrs Next Match Mai 28, 2013 um 1:46 pm

    ? – als Antwort auf meine Anmerkung, ich könne nicht safe zum CSD, schreibst Du: „ergänzend möchte ich doch erwähnen, dass der CSD zumindest eine der wenigen Gelegenheiten ist, wo man als Lesbe, Schwuler oder Transmensch sich in der Öffentlichkeit ALS eben das auch zeigen kann, da ist man ja ansonsten auch selten safe. Und das mir da nun explizite Solidarität bei POC-Aktivisten zumindest auch noch nicht aufgefallen wäre.“

    – ??

    Meine Antwort wiederum: doch, selbstverständlich ist die explizite LGBT Solidarität bei POC-Aktivist*nnen sehr präsent, uns LGBT POC hast Du doch nicht etwa gerade gedanklich oder CSD-festiv nicht wahgenommen? :-I

  6. momorulez Mai 28, 2013 um 1:59 pm

    Ich sach ja, dass sie mir nicht aufgefallen ist, diese explizite Solidarität, außer bei Accalmie und gelegentlichen Vorträgen bei Queer AG und z.B. den Lesmigras, welche ich ja superunterstützenwert finde.

    Das kann sehr wohl auch an mir liegen, dass ich es wirklich nicht mit bekommen habe, jetzt gar nicht aus CSD-Festivitäten heraus, da gehe ich ja selbst nicht mehr hin.

    Was ich so im Allgemeinen lese und mitbekomme, auch und gerade bei NICHt-LGTB in veröffentlichten Meinungen, da wird der Bezug doch eher nicht auf gemacht in der deutschen Diskussion (in den USA ist das zum Teil noch was anderes)?

    Bin da ja für jeden weiteren Hinweis dankbar. Aber gerade was das Zusammendenken von männlicher Homosexualität und Rassismus – und auch Auseinanderdividieren – fühle ich mich manchmal ziemlich einsam. Da habe ich vor allem die „Homonationalismus“-Diskussion teilweise verfolgt, und die ist, so treffend manches da auch ist, manchmal anderserseits sehr verletztend und auch politisch gefährlich.

  7. Marsha Gallegos Juni 15, 2013 um 7:10 pm

    Natürlich sind wir mit einer großen Fraktion im Stadion vertreten. Da gibt es auch mal ein großes Lob an den Fanladen, der uns da immer gut mit Karten versorgt. Ganz besonders drücken wir natürlich unserem guten Freund Deniz Naki die Daumen, vielleicht bekommt er ja in diesem Spiel seine Startelfpremiere und macht auch gleich eine Hütte. Wir versuchen ja auch schon länger mit Deniz Kontakt aufzunehmen, so dass er sich auch hier wohl fühlt. Allerdings schießen wir drei Stürmertore und gewinnen somit 3:1. Mindestens einmal auch Marius Ebbers mit Tor Nummer 100!

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