Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die taz als Hüter und Bewahrer rassistischer Üblichkeiten und Gewohnheiten

Die taz ist ja bereits häufiger als führende Rassismus-Postille z.B. vom Braunen Mob prämiert worden – nun wechselt sie vollends auf Seiten der Neuen Rechten und feiert weiße Gewohnheiten im Herabwürdigen, Mundtotmachen, Niederbrüllen, Zensieren und der Lächerlichkeit Überführen von PoC als „Grenzen austesten“. Sozusagen Mario Barth toppen auf einem anderen Feld.

Dabei natürlich nie die eigenen Grenzen; lieber Menschenversuche zur allgemeinen Belustigung durchführen, wie weit man gehen kann, lädt man eine Vertreterin des ISD auf ein Panel. Um sie und Solidarische im Publikum in einer Art des symbolischen Schauprozesses in die Segregation zu überführen. Nichts anderes ist es ja, sich gezielt so zu verhalten, dass man Sharon Otoo  vom Podium ekelt, dass man Räume schafft, in denen Schwarze nur um den Preis der Diffamierung sich äußern können, weil sowieso Typen wie Yücel das Rumpelstilzchen geben und sich gewitzt finden, wenn sie sich in rassistische Traditionen einreihen und permanent das N-Wort brüllen wie Kinder auf dem Schulhof, die sich einüben ins Gesellschaftssystem.

Diese jämmerliche, sich auch noch ganz wie Sarrazin als „tabubrechend“ inszenierende taz – und das ist ja keineswegs ihr Alleinstellungsmerkmal, die anderen von DIE ZEIT bis DIE WELT machen das ja genau so – breitet nun nicht etwa im Online-Auftritt ihrer „Zeitung“, wohl eher ein Anachronismus denn eine weiterhin ernst zu nehmende Publikation, sondern im Blog einen Phrasenreigen aus, der schlicht dem Missbrauch der verwendeten Gedanken gleich kommt:

„Moderiert wurde die Veranstaltung von unserem Kollegen Deniz Yücel, taz-Journalist und Kurt-Tucholksy-Preisträger, der bekannt ist für seine provozierenden Texte, die oft das tun, wofür die taz gegründet wurde, warum es sie gibt: Grenzen auszutesten, sich nicht unhinterfragt von Traditionen und Tabus abhalten zu lassen, neue Denkräume zu betreten – und das auch mittels Satire, die weht tut. Die taz publiziert mithin Texte, die verschrecken mögen – um neue Erkenntnisse zu gewinnen.“

Armer Tucho. Das hat er echt nicht verdient.

Wen denn wohl verschrecken? Herrn Yücel, Frau Pohl oder Herrn Feddersen wohl kaum. Und was für „Traditionen“ denn? In Deutschland vorherrschend ist jene des Rassismus, jahrhundertelang, strukturell und institutionell bestens gefestigt und im Alltag höchstwirksam. Wie kann denn bitte die Verwendung jenes Wortes, das, ausgesprochen oder geschrieben, als Gewaltakt genau diese Tradition verdichtet wie kein anderes, irgendein „Tabu“ brechen?

Tabuisiert wird schwarze Geschichte in Deutschland, tabuisiert werden Geschichte und Gegenwart deutschen Kolonialismus‘, tabuisiert werden schwarze Perspektiven, notfalls schreit man oft genug das N-Wort, um dieses Tabu zu festigen – und wenn nun dieses N-Wort ein neuer Denkraum wäre, warum steht es dann in Pip Langstrumpf, also Werken anno dazumal? Warum bei Cassirer, dessen „Philosophie der symbolischen Formen“ aus den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, die übrigens kritisch gelesen als Einführung in „White Supremacy“ herhalten kann, wieso in Jazz-Historien bis zum Erbrechen, wieso auf der Titelseite von DIE ZEIT? Also, wenn das ein „neuer Denkraum“ sein soll … aber die taz beliebt, sich lächerlich zu machen.

Würde sich die taz in Satiren mal Autoren wie Feddersen, Pohl, Yücel, Greiner, Scheck, diLorenzo widmen, die Borniertheit, Arroganz und die permanente Selbstaufwertung auf Kosten von Minderheiten durch genau solche Leute, wie sie es sind, annehmen, das hätte ja was. Scharfe, tabu brechende Witze über Alltagsrassisten und deren Dünkel, deren albernen Welterklärungswillen, deren Emphatielosigkeit, deren Gedankenlosigkeit und Selbstgerechtigkeit und Ignoranz – ja, auch mich und meine – immer her damit! („Ein Ehepaar erzählt einen Witz“ von Tucholsky ist z.B. eine herrliche Antwort auf „Die Wächter“ in Frankreich derzeit.)

Aber „Grenzen austesten“, bis geladene Gäste das Podium verlassen und einfach der rassistische Normalzustand wieder her gestellt ist – das ist lediglich dumpfdeutsche Traditionspflege. Und kein Stück mutig. Der Applaus gröhlender, weißer Horden und deren innerer Pickelhaube kann ihnen sowieso sicher sein.

EDITH: Auf Wunsch eines Lesers noch Direktlinks zu Interventionen bei der taz im Schwarzen Blog:

http://blog.derbraunemob.info/2011/06/10/zweiter-offener-beschwerdebrief-gegen-rassistische-glosse-in-der-taz-vom-19-04-2011/

http://blog.derbraunemob.info/2011/05/05/bevor-white-supremacy-bei-der-taz-noch-versehentlich-von-selbst-verschwindet/

http://blog.derbraunemob.info/2010/06/25/die-taz-bewirbt-sich-auch-2010-um-den-preis-rassistischste-mainstreampublikation-deutschlands/

http://blog.derbraunemob.info/2008/06/06/die-taz-wird-von-tag-zu-tag-lustiger/

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5 Antworten zu “Die taz als Hüter und Bewahrer rassistischer Üblichkeiten und Gewohnheiten

  1. Pingback: tazlab, oder : So wird sich in die Scheiße geritten | shehadistan

  2. Pingback: “Einfach mal zuhören” | Initiative Schwarze Menschen in Deutschland

  3. Pingback: “Einfach mal zuhören” | Initiative Schwarze Menschen in Deutschland

  4. Pingback: Offener Brief an die taz / Stellungnahme der ISD | Initiative Schwarze Menschen in Deutschland

  5. Pingback: Dokumentiert: “Einfach mal zuhören” (www.isdonline.de / Sharon Dodua Otoo) | ecoleusti

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