Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Zwischen Dresden und 1860: Kurz was zu Michael Frontzeck

Ich gebe es ja zu – ich habe es gemacht wie 2/3 des Magischen FC:

„2/3 dieses Blogs hatten alles richtig gemacht, als sie die Teilnahme an dieser Fahrt schon frühzeitig sein ließen und den Tag auch noch so vollpackten, dass sie das Grauen nicht einmal am Fernsehen ertragen mussten.“

Ahnend, dass im postdemokratischen Freistaat Sachsen sowieso irgendwas ganz besonders Blödes passiert. Ich war nur einmal in Dresden und fand die Stadt prima; habe Freunde und Kollegen in Leipzig und Leuna, die ich sehr schätze für ihre widerständige Ironie und tiefe Herzlichkeit, die sich den funktionalen Stahlgehäusen der Verwestlichung bis heute erfolgreich entgegen stellen: Sie grinsen über „Macher-„-Egos und kichern Poser einfach hinweg. Freue mich immer, wenn ich sie treffe.

Das sollen aber, so hört und liest man, trotz aller offenkundig intensiven Bemühungen bei Dynamo dagegen anzustinken, nicht jene Tugenden sein, die dort im Stadion sich an unseren Fanblock heran wanzten.

Wahlweise glauben die „hitlernden“  ja, sie würden „provozieren“ – haben die da keine besseren Ideen? – oder sie sind wirklich Nazis; kein Wunder, wo die sächsische Justiz, Staatsanwaltschaft und auch einige Richter, als in meinen Augen Nationalsozialismusförderungsprogramm immer wieder in die Schlagzeilen gerät, weil sie jene meiner Ansicht nach politisch verfolgt, die  was gegen Nazis tun:

„Im Stadion sammelte sich direkt neben dem Gästeblock auf den Aufgängen eine Gruppe von ca. 50 Hackfressen. Bemerkenswert dabei ist, dass diese fröhlichst mit den dort postierten Ordnern schnackten. Auch so eine Beobachtung, die man leider nicht zum ersten Mal macht. Bei uns am Millerntor darf man keine 30 Sekunden im Aufgang stehen, in Dresden kannst du auf dem Aufgang noch locker abhitlern und wirst von den Ordnern noch freundlich beschnackt.

Das Erstaunliche dabei ist aber, dass im gleichen Block auch reichlich Polizei steht, die aber Scheuklappenmäßig nur auf den Gästeblock guckte. Eigentlich ein echter Skandal, andererseits wohl eher traurige „sächsischer Normalität“. In diesem Bundesland ist es schon lange das schlimmere Verbrechen, gegen Nazis zu demonstrieren, als Nazi zu sein.“

Angesichts der grandiosen Leistung, vor solch strukturell menschenfeindlicher Kulisse noch mit 2 Toren in Führung zu gehen, muss man die Mannschaft wirklich herzen.

Nur wie es zu diesen Zusammenbrüchen danach kommt – so richtig verstehe ich das nicht.

Ich erinnere mich verdammt gut an das Hinspiel in München, und damals hatte ich das Gefühl: Wow, der Frontzeck hat eine durch Schubert und Präsidiumsvefehlentscheidungen scheintote Mannschaft aber so was von revitalisiert! Das war wirklich ein perfekt aus einer aber derart  kompakten und hochkonzentrierten Defensive „überfallartig“ (schrub der Kicker, glaube ich) aufgezogenes Konterspiel, geradezu atemberaubend und sogar eine Antwort auf den Stanislawski-Harakiri-Stil in Liga 1 (Ausnahme: Das Spiel in Hannover), das noch in manchen Köpfen saß. Lag auch sehr stark an Buchtmann, der da richtig gut war, aber auch ansonsten eine Souveränität der Boys in Brown zum Knutschen.

Man spürt nun immer mal wieder, dass der Michael Frontzeck das auch immer noch gerne so hätte. Gerade in bei Union Berlin. Das sah so aus, als sei seine Vorgabe, doch einfach wie ein Block in der eigenen Hälfte zu stehen, um dann plötzlich vorzustoßen. Ging schief.  Da wankte die Mannschaft schnell angesichts des Drucks, hielt kurz gegen und hat sich nach dem Ausgleich noch 2 gefangen.

Aber warum denn eigentlich?

Im Gegensatz zu der Schubert-Zeit ist ja Engagement zu sehen (weiß nicht, ob in Dresden, habe es nicht gesehen, aber sonst geht man nicht in Führung), aber die anfangs vom Trainer etablierte Struktur ist – auch wegen Verletzungspech, aber das allein kann es ja nicht sein – völlig in sich zusammen gebrochen, dass eher die Kombination aus Zufall, Wille und Einzelleistung zwischendurch mal was reißt.

Nun munkelt man im Forum, Trainingszeiten mit anderen Mannschaften vergleichend, dass Michael Frontzeck vielleicht  das ganze etwas zu locker anginge, nicht zur Akribie neige und und die letzten 10% selber nicht bringe.

Ich habe keine Ahnung, ob das stimmt, aber dieser Zusammenbruch der Struktur, die er selbst ja zu schaffen vermochte mit eben diesem tatsächlich falsch zusammen gestellten Kader, wofür er nichts kann, wirkt zumindest wie ein Indiz – als habe er steil los gelegt, für Selbstbewusstsein nach den (vom Hörensagen) Niedermachanfällen Schuberts gesorgt. Und selbst eben auch stark nach gelassen.

Diese lockere Art, die er an den Tag legt, finde ich ja sehr sympathisch – trotzdem, diese extreme Verunsicherung, da KANN man gegen steuern. Bestimmt nicht durch die allseits geforderte, öffentliche „Kritische Betrachtung“. Aber dadurch, dass man die Aufmerksamkeit auf die Stärken legt, die man selbst etablieren half.

Und nein, ich bin nicht beim Training, stecke nicht drin, habe auch nichts gegen den Trainer und finde gut seine Bereitschaft, in widrigen Umständen aus nicht allzu guten Vorraussetzungen, deren Keim das Präsidium legte, als es Schubert erst demontierte und dann mit ihm verlängerte, klaglos etwas machen zu wollen. Ich will hier auch gar nicht „Frontzeck raus!“ schreiben, er hat mich positiv überrascht.

Trotzdem: Vielleicht einfach noch mal das Hinspiel gegen 1860 vor Samstag gucken. Auf Fehler konzentrieren bringt nix, das werden dann nur immer mehr. Immer wieder das Hinspiel gucken. Bis es wieder sitzt. Und anschließend so tun, als sei man mental noch so drauf wie damals. Notfalls schauspielernd.

Sie können es ja. Auch Fin Bartels kann schnelle Vorstöße, auch Gyau kann lernen, sich mal weniger nur auf seine Dribbelkünste und Sprints zu konzentrieren, sondern auch mal den Kopf hochzunehmen und auf das Spiel zu schauen. Auch Gogia braucht seine Technik gar nicht zu demonstrieren, sondern kann mal mehr auf die Anderen achten und vor zündenden Ideen sprühen.

Bruns KANN gefährliche Freistöße schießen, Boll KANN das Tor treffen, Kringe und Funk KÖNNEN als Doppel-6 funktionieren, wenn Kringe nicht ständig das Gefühl hat, den Spielmacher geben zu müssen, weil es sonst keiner es tut, und den Paddy alleine lässt.

Mohr, Avevor, Thorandt, Kalla SIND Top-Verteidiger – vielleicht haben sie das einfach vergessen? Dann sollte man sie daran erinnern,

Herr Frontzeck, Energie folgt der Aufmerksamkeit, und jetzt im Schlußspurt gegen den Abstieg ist es vielleicht an der Zeit, dass auch SIE noch mal eine Schippe drauf legen – nicht durch böse gucken und aufregen an der Seitenlinie, sondern durch ein paar extra trainierte Geniestreiche? Machen sie ja bestimmt eh schon, und ich nerve hier nur klugscheißend und besserwissernd rum 😉 … wie es so meine Art ist.

Deshalb müssten wir jetzt eigentlich eine Siegesserie starten …

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7 Antworten zu “Zwischen Dresden und 1860: Kurz was zu Michael Frontzeck

  1. Pingback: Heimsieg gegen 1860: So kann es gehen ... | St. Pauli NU*de

  2. ring2 April 9, 2013 um 1:22 pm

    So könnte das gehen … und danach schleunigst Flos Vertrag verlängern!

  3. Headnut April 9, 2013 um 1:26 pm

    Mein Liebster, warum Pingbackst du eigentlich nicht mehr? Das erschwert das auffinden der Perlen.

    Öffentliche Kritik verbietet sich meines Erachtens immer. Sie bringt nix und führt einen Spieler / die Spieler nur dem öffentlichen Pöbel vor. Ein Trainer soll intern kritisieren. Ob ein Sportchef in Sammer Manier mal öffentlich auf den Tisch haut, ist eine andere Frage, dann muss es aber auch so elegant sein, wie der Sammer das macht.

  4. momorulez April 9, 2013 um 1:56 pm

    @Headnut:

    Ich dachte, das hier pingbackte automatisch 😦 – guck mal in Deinen Spam-Ordner!

    Und Kritik will echt gekonnt sein – zumindest bei Sport, Musik usw. und gerade dann, wenn die eh schon zermürbt sind, ist auf Stärken konzentrieren und Wege des Besseren erkunden die richtigere Wahl, glaube ich.

  5. Pingback: Anti-Rassismus Demo und #FCSP verliert in Dresden | KleinerTods FC St. Pauli Blog

  6. Trude April 9, 2013 um 4:45 pm

    Noch ein Heimspiel gewinnen danach geht es nur noch um die goldene Ananas. Die Mannschaft spielt viel besser zusammen als am Anfang der Saison das sollte gutes für die nächste Saison bedeuten. Drei Punkte und Pauli ist durch.

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