Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Jongliere mit Deinen Zielen!“

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Ich habe geleuchtet, ich habe geschwelgt, ich habe geliebt. Und leuchte, schwelge und liebe. Es haben so viele so tolle Worte gefunden, da wäre jedes von mir nur Aufguss gewesen. Und ich merkte zudem, still will ich nicht genießen, aber doch nonverbal.

Klar, es geht um den wundervollen Abend letzte Woche Freitag am Millerntor, als Chöre auf allen Flächen, den neuen, den alten, rund um das heilige Grün erschallten und frohlockten, die neue Gegengerade zeigte, zu was sie fähig sein würde – und die Jungs auf dem Platz erst! Was haben die ein Spiel auf den Rasen gezaubert, ja, nicht umsonst ist vom Magischen FC die Rede nicht nur im Falle eines befreundeten Blogs.

In welchem Hotel irgendwo im süddeutschen Nichts sie wohl gerade mit der Playstation spielen, Musik hören und sich eingrooven auf den heißen Tanz morgen? Vor dem letzten Spiel waren sie meine Nachbarn fast, zwischen Musikhalle und Oper einquartiert, gegenüber des Gängeviertels, und genossen nicht nur den Anblick meines Hundes beim morgendlichen Lauf, sondern auch den Weg durch Wallanlagen und Planten & Blomen wohl – erlebe ich ja als meinen luxuriösen Vorgarten, heißgeliebt, mein Lebensraum, wenn nur der Knast mit Parkblick da nicht wäre. Da liefen sie mir nämlich über den Weg.

Das Leuchten des Freitags hielt an, das Bier schmeckte wohlig herb nach und das Wundervolle des Erfahrens beseelte sogar die Übe-Sessions mit dem Saxophon. Es ist so dermaßen cool, in Tönen zu schwelgen und all die Notenkämpfe von einst durch das freie Tröten zu ersetzen und ganz und gar eins mit dem Sound, den ich gestalte, inmitten des Lebens zu stehen, zu wippen, zu tröten und in Hingabe ans Geräusch den eigenen Rhythmus zu finden! Eines Tages werden hier Sax-Improvisationen als Spielberichte erscheinen. Das „Huhu“ aus Song2 übe ich schon 😀 …

Um mich von all dem Bewerten – „Gott, spielst Du lahm, hör Dir mal lieber „Giant Steps“ von Coltrane an!“ – und ähnlichem Spuk im eigenen Hirn zu lösen hat mir das Leben mal wieder wundervolle Bücher geschickt. Richtig, richtig gut ist „Der Mozart in uns“ von Barry Green und W. Timothy Gellway. Der offene Brief an die Mannschaft war unter anderem von diesem Werk inspiriert, die Überschrift dieses Eintrages gerade ist daraus eine Kapitelüberschrift (Frauenfeld 2000, S. 73). Es ist die Übertragung der Gedanken eines Buchs über das Tennisspielen auf das Musizieren und darüber hinaus auch ein wenig eine Anleitung zum Glücklichsein – wie man sich von all den inneren Kritikern und ständig quatschenden Stimmen löst, um zu seinem inneren Spiel zu finden.

Gestern habe ich die Passagen zu verschiedenen Arten der Zielsetzung gelesen und wurde verblüfft. Weil einem das so schön erläutert, wie zugenagelt und verbrettert man wird im staatlich reglementierten, realkapitalistischen Alltag. Bonus- und Maluspunkte gibt es ja nicht nur in Studiengängen, und passt man nicht auf, erwacht man eines Tages zwar nicht als Käfer, aber als Maluspunkt.

Die Autoren unterscheiden zwischen Lernzielen, Ausführungszielen und Erlebniszielen. Ausführungsziele: Bezogen auf die Musik also z.B.: „Giant Steps“ von Coltrane fehlerfrei nachspielen. Ich meine, wer sich solche Ziele setzt, hat echt selbst schuld 😀 … oder halt „Donna Lee“ vom Blatt mit all den richtigen pp und ff < und so.

Lernziel wäre, selbst so grandiose Improvisationen hinzukriegen – nur eben solche, die dem eigenen, inneren Spiel entsprechen.

Erlebnisziele, das kann sein, sich einfach wohlzufühlen, wenn man doch nur "House of the rising sun" zum Playalong spielt – zugleich aber, die Musik selbst zu erleben mit allen Erfahrungsdimensionen, die möglich sind. Die sind bei "Tristan und Isolde" halt etwas komplexer.

Ich behaupte mal, dass in dieser bundesdeutschen Apparatschik-Kultur zu 80% Ausführungsziele Beachtung finden, zu 15% Lernziele, die politisch noch nicht mal gewollt sind, und vielleicht zu 5% Erlebnisziele. Die nur dann erlaubt sind, wenn dafür bezahlt wird, dass man zugleich etwas konsumiert. Musicalwochenende in HH. Sonst gibt es Platzverweis, oder Strom und Wasser werden abgestellt.

Das hat viel mit dem zu tun, was Karl Marx "entfremdete Arbeit" nannte. Weil irgendwann ALLES zur Arbeit im Sinne gelungener Ausführung wird, wenn man nicht aufpasst. Und sonst nichts bleibt.

Dabei klappt die Ausführung doch viel besser, wenn das Erlebnis stimmt. Genau darin liegt doch der Hauch der Utopie bei Spielen wie jenem am letzten Freitag. Allein der Gesichtsausdruck von Kalla, als er nach dem Spiel einer ausgewählten Person im Publikum sein Trikot überreichte nach dieser so unglaublich souveränen Rockerei in der Innenverteidigung!

Hey, Erlebnisqualität IST Zentrum gelingenden Lebens, nicht das total gewordene Funktionieren des Regelauslegens und -befolgens, bei dem man nichts lernt und das doch wie eine Zwangsjacke all die Möglichkeiten abschnürt, die Erfahrung erst zur Erfahrung macht.

Bin mir aber sicher, dass die Boys in Brown morgen in Aalen wieder das Erlebnis suchen werden, dass wie wir auf den Rängen sie sich ganz in das Spiel verleben und die Magie leben wollen, die Passspiel, Kampf und Tore entfesseln können. Als Erlebnis, nicht Ausführen eines Plans.

Auf dass wir wieder danach alle leuchten … alle zusammen und jeder für sich, der beim Nippen am Bier aus dem Florian Bruns-Becher abends auf dem Sofa das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommt … an dem Rahmen für die Bruuuuuuuuuuuuuuns"-Sax -Impovisation erlebe ich schon herum und lern was dabei. Dann klappt auch das mit der Ausführung irgendwann wie von selbst.

18 Antworten zu “„Jongliere mit Deinen Zielen!“

  1. @michaelhein März 2, 2013 um 11:07 pm

    ❤ Toller Text.

  2. @_fanne März 3, 2013 um 1:39 pm

    Hey, ich freu mich jetzt schon auf deine „Bruuuuuuuuuuuuuuns“-Sax-Impovisation. xD

  3. momorulez März 3, 2013 um 7:13 pm

    Ich übe zumindest schon ordentlich, dass ich ihm da auch gerecht werde 🙂 …

  4. 00l0l00 März 26, 2013 um 4:35 am

    Hallo Momo,

    ergebener Herrscher des Lichts! (Die Narrenkappe kannst Du behalten!)

    Nachdem wir hier vor einiger Zeit mal etwas unschön (aber irgendwie doch noch sehr menschlich) aneinander geraten waren und ich auch – ohne dass das meine bewusste Absicht war – auch Noah ziemlich gedisst habe (was mir sehr Leid tut) und viele Dinge geschrieben habe, die ich mittlerweile schon wieder sehr viel differenzierter sehe – nachdem all das geschehen ist, freut es mich zu lesen, dass nicht nur ich mich weiterentwickelt habe, sondern dass Du ganz offensichtlich kurz vor der Schwelle zur Offenbarung – Deiner Erleuchtung – stehst, oder vielleicht auch schön längst viel weiter bist als ich. Im Englischen heißt Erleuchtung übrigens Enlightenmemt, was zugleich auch „Aufklärung“ bedeutet. Aber wie mit der Dialektik der Aufklärung, so ist es (leider und unvermeidlich) auch mit dem dualen oder dialektischen Charakter der Erleuchtung – weniger jetzt bei Dir selbst als vielmehr bei den Reaktionen, die Du bei Deinen Mitmenschen dadurch produzierst. Die Liebe und die Wahrheit verbreiten sich immer mehr, aber auch der Hass und die Lügen nehmen weiter zu. Nicht unbedingt bei Dir, aber im Rest der Welt was Du ja auch nicht immer alles mitbekommen musst (und manchmal ist das auch besser so). Aber es ist wie bei einem globalen „Exorzismus“ (was ich natürlich metaphorisch meine), und diese Dialektik geht jetzt so weiter bis zum finalen Showdown – wenn Du verstehst, was ich meine, Cinderella. Du wolltest die Mystik – jetzt hast Du sie. Und der Showdown wird leider immer auch „schlechte“ Früchte hervorbringen – um einmal zur deskriptiven Veranschaulichung diesen eingängigen wertenden Begriff zu verwenden. Dann aber in einem Maße, das vorher – und das sage ich ganz bewusst so, ohne damit irgendetwas relativieren oder irgendjemanden verletzen zu wollen – noch nie zuvor dagewesen ist. Das mag schockierend sein, aber es ist nichts, was sich irgendjemand herbeisehnt oder irgendein „Gott“ willkürlich so geplant hätte. Es ist einfach der natürliche Lauf der Dinge, der sich nicht vermeiden lässt, und der – unter den gegebenen Naturgesetzen – der natürliche Verlauf jeder kulturellen Evolution ist, die empfindungsfähiges Bewusstsein hervorgebracht hat. Entscheidend ist, dass das wahre „Gute“ sich da raushält und niemals mit Waffengewalt kämpft oder gar tötet. Das „Böse“ in der Welt schlachtet sich ja schon selbst gegenseitig ab – im Kleinen und im Großen. Weil jeder nur den Feind für das Böse hält, und sich selbst natürlich zu den Guten erklärt, weil man ja das „Böse“ (das eigene Spiegelbild) so sehr hasst und verachtet. So macht man dann natürlich Sozialdarwinismus draus. Aber in Wahrheit geht es ja gerade darum, nicht zu werten, nicht zu urteilen und nicht zu kämpfen. Weil das die Stufe der Evolution der Menschheit sein wird, – Vorsicht – Trigger! – in der die auf natürlicher Selektion basierende, sehr grausame Evolution selbst durch Liebe überwunden wird. (Gott sei Dank!) Und wenn die Liebe dann wirklich da ist, muss man auch keine Angst mehr vor neuen technischen Errungenschaften und Möglichkeiten haben – weil sich fast alles, was man für schreckliche Dinge missbrauchen kann, auch mit Liebe und Weisheit positiv nutzen lässt (selbst die Gentechnik). Wo aber Liebe und Weisheit fehlen, da wird der Kapitalismus bald anfangen, wieder besonders produktive, leistungsfähige und möglichst konformistisch denkende, schöne neue Menschen heranzuzüchten und nach und nach immer „aufgeklärtere“, pseudo-progressive Gründe dafür herbeizurationalisieren, warum es notwendig und zweckmäßig sei, die weniger „Produktiven“ zu dezimieren – zunächst pränatal, dann aber auch postnatal. Da muss man ja nur mal Peter Singer lesen. Das ist dann die herzlose, verstandesmäßig verkopfte Gegenaufklärung, die sich selbst natürlich für die fleischgewordene Aufklärung in persona hält. Und er meint es ja noch nicht einmal böse – sein Herz kennt nur den Unterschied nicht mehr, und dann fängt auch das Hirn an zu spinnen – denn die Motive und Beweggründe der eigenen Überzeugungen lassen sich nur intuitiv erspüren, nicht aber rational-analytisch erfassen. Das hat mittlerweile sogar die Neuropsychologie begriffen.

    Und wenn die Liebe erblüht, wird zunächst auch der blanke Hass und Wahnsinn regieren – in einer Form, in der er noch nicht dagewesen ist. Aber natürlich werden die Ego-Reflexe derer, die dabei zu bloßen Mitläufern ihres Zeitgeistes werden, ihnen weiter einreden, dass man das ja alles gar nicht miteinander in Bezug setzen dürfte. Weil sich dann ja die schmerzhafte Erkenntnis aufdrängen würde, dass man gerade selbst dabei ist, zum Nazi des pseudo-liberalen Anarcho-Kapitalismus zu mutieren. Respektive des Pseudo-Antifaschismus, denn da gibt es auch genügend Optionen für Gegenaufklärung, Täuschung und Lüge, in denen man sich herzlos verheddern kann. Hitler hielt sich ja sogar selbst für extrem progressiv – dem ging es identitär nicht darum, das Bestehende zu bewahren. Der wollte die Arbeiterklasse aus dem Joch des vermeintlich „jüdischen“ Kapitalismus befreien – „Klassenkampf“, nur eben auf nationaler Ebene und mit allen anderen Völkern als Untertanen. Anfangs gab es ja sogar Teile der NSDAP, die sich und ihren Antisemitismus identitär als links und sozialistisch definierten. Hitler erwartete ein tausendjähriges Reich, mit sich selbst als dem „Messias“ – und die Juden sah er als Brut des Teufels an. Aber anstatt sich wirklich einmal ernsthaft mit den „esoterischen“ Elementen zu befassen, die die Nazis an sich gerissen haben und auf perverseste Weise für ihre Zecke instrumentalisiert haben, gilt es heute in manchen Kreisen schon als braun, wenn man sich überhaupt für die Hintergründe interessiert. Denn hinter jeder Lüge steckt auch eine tiefere Wahrheit, die grotesk missverstanden und in menschenverachtender Weise entstellt wurde. Es geht nämlich nicht um Sozialdarwinismus – es geht vielmehr darum, durch die Kulturentwicklung des Menschen die Evolution mit ihren brutalen Mechanismen der natürlichen Selektion, die natürlich faktisch (deskriptiv) auch heute noch wirken, zu überwinden. Aber anstatt darüber zu reden, schreit es einem „Sozialdarwinismus“ entgegen, sobald man die bloße Existenz der Evolution auch nur im Kontext von Menschen erwähnt. „Jehova, Jehova!“ oder: „Kill the messenger!“ Dabei ist der Kapitalismus mit all seinen menschenverachtenden Auswüchsen doch letztlich nichts anderes als real angewandter Sozialdarwinismus: „Friss oder stirb.“ Das IST die Realität, auch wenn sie schrecklich ist. Das wird doch global ganz bewusst praktiziert, und bald kommen die nächsten Schritte. Wir betreiben doch schon längst Sozialdarwinismus, um unseren erbeuteten Reichtum aufrechtzuerhalten, und müssen unser Diebesgut daher immer mehr durch Festungen schützen. Und natürlich dadurch, dass wir moralisch klingende Vorwände erfinden, um permanent Kriege zu initiieren, die wiederum der Erschließung neuer Märkte und der Ausbeutung von Ressourcen dienen.

    Das mit dem Sozialdarwinismus ist derselbe Blödsinn wie der, dass es strukturell antisemitisch sei, Ausbeutung oder Intrigen zu kritisieren. Wenn dem so wäre, dann würde ja derjenige, der dies unterstellt, als Prämisse seiner Argumentation voraussetzen, dass Kapitalismus, Ausbeutung und Intrigen „identitär jüdisch“ seien. Ich rede den Sozialdarwinismus also nicht herbei – ich will ihn in seiner krassesten Form, die v.a. in den USA erkennbar nahe bevorsteht, verhindern. Denn natürlich kann man so ein Programm durchziehen, und natürlich hätte es dann auch entsprechende genetische Konsequenzen, wenn sich nur ein Teil der Bevölkerung die „frisierten Gene“ ihrer Kinder leisten könnte. Herrenrassen und Sklavenrassen. Arbeiterrassen und Akademikerrassen. Und keine Liebe, keine Kreativität, nur Monotonie und leere, ideale „Schönheit“. Oppurtunistisches, konformistisches Denken. Man sollte auch als Linker nicht so naiv sein zu glauben, Gene hätten gar keine Wirkung.

    Wichtig ist aber – um diesen Faden wieder aufzugreifen -, dass das so genannte „Gute“ das „Böse“ und den Hass niemals verachtet, weil wir wissen, dass sich all das, dieser ganze faschistoide Dreck, auch in uns selbst in unterschiedlichen Ausprägungen, Facetten und Variationen widerspiegelt. Daher ist jedes moralische Werturteil, das ich fälle, auch mit der Errichtung oder dem Erkämpfen eines Platzes in der sozialen Rangordnung verbunden – und wenn es auch nur meine eigene, subjektive moralische Rangordnung betrifft. Denn auch die Moral speist sich nicht nur aus Liebe und Mitgefühl, sondern auch aus Hass auf die eigene Fratze, die man da ständig im Zerrspiegel sieht. Wir sind alle Spiegel voneinander – mit unterschiedlichen Anteilen und Ausprägungen. Daher ist jede moralische Überhebung über einen anderen Menschen auch mit einem verborgenen Werturteil über die verleugneten Anteile der eigenen Persönlichkeit verbunden. Fixiert sich der Hass auf bestimmte Schatten-Aspekte, suchen sich diese im Leben meist andere Kanäle, um sich in einer scheinbar unverfänglichen Form zu äußern (Sublimierung und dann gfs. Rationalisierung). Die Psychoanalyse liegt ja in vielem nicht grundverkehrt – das Problem ist natürlich nur, dass der Analytiker selbst auch seine eigenen Abwehrmechanismen hat und auch die Deutungen zur Abwehr eigener schmerzlicher Erkenntnisse – auf Kosten des Klienten – missbrauchen kann. Und natürlich gibt es da vieles mehr zu sagen, denn im Alltag gibt es keine reinen Projektionen ins Leere hinein, weil kein Mensch vollkommen „leer“ ist. Wir haben ja alle alles in uns – mehr oder weniger eben. Und alles dual, gespalten über verschiedene Schichten des Unbewussten verteilt. Daraus resultiert das Potenzial, sich die eigene Mitte wieder bewusst hervorzuholen. In Wahrheit ist sie aber immer schon da. Die Frage ist also, ob wir unseren Lebensweg bewusst oder unbewusst-ferngesteuert gehen. Wirklich verlassen können wir ihn niemals – und letztlich hat auch jeder Mensch, selbst jeder Täter, genaue Gründe, warum er so geworden ist, wie er ist. Die wir natürlich nicht wahrnehmen.

    Und das ist nur das humanistische Ideal – die anzustrebende Utopie, von der man sich leiten lassen kann: Die Persönlichkeit jedes Menschen ist eine komplexe Mischung aus seiner Umwelterfahrung und seiner genetischen Veranlagung, für die letztlich natürlich niemand etwas kann, weil sich niemand das ausgesucht hat. Jemanden für seine Prägungen verantwortlich zu machen, würde an Victim Blaming grenzen (denn denen war er weitgehend passiv und unbeteiligt ausgesetzt) – die Gene dieses Menschen nach ihrer moralischen Nützlichkeit für die Gesellschaft zu bewerten, wäre letztlich sozialdarwinistisch. Und doch tun wir – unbewusst – eben das immer wieder, wenn wir über einen anderen Menschen urteilen, dessen Weg wir gar nicht kennen. Du weißt sehr wenig über mich und meine wirklich traumatisierenden Lebenshintergründe, und ich weiß ebenso wenig über Dich.

    Natürlich geht aber letztlich darum, zwischen biologisch-genetischem und soziokulturell-prägendem Determinismus (den es so eben auch nicht gibt) so etwas wie einen freien, bewussten Willen zu entwickeln und für das, was man tut, auch Verantwortung zu übernehmen. Diese Verantwortung ist altruistisch und empathisch orientiert, während Scham- und Schuldgefühle letztlich immer narzisstisch um den eigenen Selbstwert kreisen – so wichtig sie aus evolutionspsychologsicher Sicht vielleicht auch einmal zur Regulation des sozialen Miteinanders gewesen sein mögen. Jetzt gilt es, Scham und Schuld zu überwinden und Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung basiert auf Liebe, und wo die Liebe den freien Willen führt, bedarf es keiner Schuld und keiner Scham mehr, sondern nur der Bereitschaft, sich intuitiv leiten zu lassen. Sein Verhalten nicht mehr durch duale Affektgefälle (Vermeidung von Schuld, Befriedigung von Bedürfnissen und Trieben, etc.) motivieren zu lassen, sondern sich nur noch von der Liebe führen zu lassen. Der freie Wille ist in allerletzter Konsequenz nämlich willenlos – aber natürlich nicht passiv-willenlos-lenkbar und verführbar (das wäre ja nur das duale Gegenteil des aktiven Willens), sondern frei im Fluss dessen, was sich wie Liebe anfühlt. Das Herz ist der Kompass. Denn Du kannst im analytischen Verstand die größten Erkenntnisse haben – er macht es Dir niemals möglich, „Gut“ und „Böse“ im wahren (deskriptiven, nicht-wertenden Sinne) voneinander zu unterscheiden. Denn für den Verstand werden Gut und Böse letztlich irgendwann fast deckungsgleich aussehen, was die rein äußere Form angeht – und genau das ist einer der Hauptgründe für die Dialektik der Aufklärung: Dass die Menschen das Lieben verlernt haben. Nur das Herz vermag den wahren Unterschied zu spüren. Diese Erkenntnis ist dem analytischen Verstand nicht vermittelbar – sie kann nur gespürt werden, aber jeder Mensch hat das Potenzial dazu. Insofern ist sie zwar eine Offenbarung, aber eine durchaus real erfahrbare.

    Die Liebe liebt alles und liebt sogar den Hass und das Böse, um auch immer mal wieder, wenn es sich stimmig anfühlt, ein bisschen was davon dosiert rauszulassen, oder auch lieber zurückzuhalten. Aber im Laufe der Zeit löst die Liebe den Hass auf, indem sie ihn umschließt und integriert. Denn Hass, Angst und Abwehr (Ego-Reflexe) basieren auf der Spaltung der wahren Liebe in einen positiv bewerteten und einen negativ bewerteten Anteil – Gut und Böse. In das, was wir begehren (und was wir fälschlicherweise für Liebe halten) und das was wir verachten. Aber die wahre Liebe ist letztlich ganz frei von Begehren – sie ist nicht dual gespalten, sondern die integrierte „Mitte“ des Ganzen. Vollkommen wertneutral, aber ein absolut erfüllender, beglückender Zustand. Der positiv bewertete duale Anteil dieser Liebe wird meist Teil der eigenen bewussten Identität, die natürlich in Wahrheit nur die äußere Erscheinungsform einer leeren Hülle voller kreativem Potenzial ist. Wichtig ist, sich das zu vergegenwärtigen, und sich nicht so sehr mit der konkreten Form zu identifizieren. Die negativ bewerteten Anteile werden häufig abgespalten und begegnen einem dann immer mal wieder in den Zerrspiegeln unserer selbst, in anderen Menschen wieder. Oder wir projizieren sie in andere hinein (wobei es keine leeren, reinen Projektionen gibt, nur Spiegelungen) – was bis zur Paranoia führen kann – wobei die Paranoia der Nazis z.B. 6 Millionen Juden das Leben gekostet hat. Wenn wir sie dann im anderen verachten, schwingt da immer auch Selbsthass und Selbstverdammnis mit – und vor allem Selbsttäuschung, die es den unbewussten und verleugneten Schatten-Anteilen in uns ermöglicht, uns in unserem täglichen Verhalten fernzusteuern. Reiz und Reaktion eben.

    So haben auch wir uns vor kurzer Zeit hier wohl ganz gut gegenseitig gespiegelt, als wir aneinander geraten sind. Was die Identität betrifft, so hat ja jeder seine eigene Geschichte, auch sein eigenes, individuelles Marginalisierungstrauma. Und doch läuft es für die Marginalisierten oft nach folgendem Schema ab: Entweder, ich lasse mir das Stereotyp von der Mehrheitsgesellschaft aufdrücken, definiere es dann positiv um und beschränke meine Identität aber auch auf eben diesen Aspekt – oder ich identifiziere mich mit der Normalität der Mehrheitsgesellschaft und versuche, allen zu beweisen, dass ich auch völlig genormt sein kann. Beides ist in irgendeiner Form eine Identifikation mit dem Aggressor – direkt oder indirekt durch Umkehrung. Für mich als Schwulen heißt das: Entweder Ficken im Namen der Freiheit und des Fortschritts (- das ehemals Verbotene oder Vorenthaltene ist eh immer besonders attraktiv und verleitet zu Suchstrukturen -), oder aber lebenslange Zwangsmonogamie. Zwischen Trieb und rigider heteronormativer Moral scheint es da nicht mehr viele Optionen zu geben. Aber auch die exzessive sexuelle Triebbefriedigung kann zur subkulturellen quasi-moralischen Norm erhoben werden und den Leuten neue Identitätsschablonen aufdrücken, während zugleich andere Bedürfnisse, die der Mensch ja auch hat, etwa nach Liebe, Halt und Geborgenheit, aus der bewussten Identität verbannt werden, weil sie mit einer Schwäche assoziiert werden, die man sich in einer narzisstischen, androzentrischen Gesellschaft wie unserer, in der liebende Menschen als Opfer und Looser gelten, ohnehin nicht mehr eingestehen darf, weil eben das dann nämlich peinlich und schambesetzt wäre: seine eigene Menschlichkeit und Verletzlichkeit zu zeigen. Irgendwo dazwischen – und ganz unabhängig davon – liegt der Weg zu unserer wahren Essenz, die es gibt und doch nicht wirklich gibt, weil sie nämlich in ihrer letzten Formlosigkeit außer vollkommener, bedingungsloser Liebe (nicht abhängiger Liebe!) und Wahrheit nichts Weiteres mehr enthält. So wirst Du quasi zum Medium, das jede äußere Erscheinungsform annehmen und mit ihr spielen kann, v.a. um anderen Menschen ganz bewusst und liebevoll da zu begegnen, wo sie gerade sind, und ihnen eben das zu spiegeln, was sie gerade brauchen – während Du selbst nur noch liebst und bist.

    Du wirst aber die Erfahrung machen, dass Dich die Welt oft nicht mehr verstehen wird, wenn Du nicht mehr unerkannt in der Masse untertauchst, sondern wirklich über Deinen Weg zur Wahrheit und zum Leben sprichst. Denn damit triggerst Du einen Ego-Reflex nach dem anderen – und je nachdem, mit wem und mit welchen schablonierten Fix-Identiäten Du Dich da anlegst, kann das sogar sehr gefährlich werden. Du musst nicht meinen, dass es da draußen nicht genügend verbohrte, fanatische Spinner gäbe, die Dich für die Inkarnation des Leibhaftigen halten werden, weil sie in Dir ihren eigenen gewaltigen Schatten wiedererkennen (und Du Deinen in ihnen!) Die gibt es aber nicht nur in den Kirchen – die gibt es quer durch alle politischen Identitäten. In Zeiten, in denen feste Identitätskonstrukte zunehmend an Bedeutung verlieren, kannst Du aber auch fast in allen Lagern Menschen begegnen, die die Liebe in sich tragen, und die Dich achten, wertschätzen und respektieren. Denn die Motive, warum sich jemand als links, liberal oder wertekonservativ definiert, sind ja sehr verschieden und erwachsen aus dem individuellen Lebenshintergrund. Wir begreifen uns eher als links, aber es gibt ja auch durchaus verständliche Gründe, in Zeiten, in denen die Liebe zunehmend dem suchtartigen Konsum von Waren und Menschen (z.B. beim herzlosen Sex) geopfert wird, auch wertekonservativ zu werden – denn all das hat ja auch sehr viel mit Kapitalismus zu tun und damit, dass ich den Wert eines Menschen nach seiner ökonomischen Produktivität oder seinem Lustmaximierungspotenzial bemesse. Das heißt nicht, dass die sexuelle Revolution keine wichtige Befreiung gewesen wäre – aber sie zieht eben, wie jede Revolution, wie jedes bisschen Aufklärung, auch den Schatten nach sich. V.a., wenn die Liebe fehlt.

    Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind verwirklicht im kreativen Schmelztiegel aus Liberalismus, Sozialismus und Wertekonservatismus/Liebe. Ihre Schattenaspekte, die die jeweiligen Revolutionen nach sich zogen, manifestierten sich in Kapitalismus (Pseudo-Freiheit als Konsumsucht – ohne Gleichheit und Liebe), Stalinismus (Pseudo-Gleichheit als individualitätseliminierende Gleichmacherei ohne Freiheit und Liebe) – und Faschismus (zu Rassenhass und Patriotismus pervertierte „Liebe“ bzw. nationale Solidarität – ohne Freiheit, ohne Gleichheit und erst recht natürlich ohne die wirkliche Liebe). Aber auch wenn Du es vielleicht anders betrachtest als ich: Die Liebe ist in der heutigen Zeit im Grunde das Wertkonservativste, für das Du einstehst – und zugleich das Tor zur wahren Revolution der Herzen.

    Ohne Gewalt, ohne Guillotine im wörtlichen oder metaphorischen Sinne einer sozialen Hinrichtung des politischen Gegners. Wenn Du weißt, dass die anderen Dir nur Anteile deiner selbst widerspiegeln – Deiner geformten Identität – dann wirst Du sie ebenso lieben wie Dich selbst, selbst wenn sie im äußeren Leben deine größten Feinde sein mögen, die Dich hassen und verachten. Dann wird es in letzter Konsequenz gar keinen Unterschied mehr zwischen Selbst- und Nächstenliebe geben, weil Du und alle Menschen und Tiere eins sind. Wir waren das schon immer, aber wir werden uns dessen zunehmend bewusst. Das ist dann der wahre Sozialismus, in dem das Teilen aus freiem Herzen geschieht, und in dem es wirklich keine Hierarchien mehr gibt – noch nicht einmal mehr moralische Hierarchien zwischen „guten“ und „bösen“ Menschen. Aber eben dann in letzter Konsequenz auch nicht mehr zwischen Opfern und Tätern (Unterdrückern), weil ja jeder Mensch ohnehin beide Aspekte auch in sich trägt. Der sehr menschliche verständliche Wunsch, den Unterdrücker abzuwerten, zu hassen und zu degradieren, dient ja letztlich auch nur dazu, meine eigene Position in der sozialen Hierarchie nach oben zu verschieben. Wenn ich dann aber irgendwann auch weiß, wie die Welt von oben aussehen kann (weil ich ja nicht nur schwul bin, sondern auch weiß, cis, männlich, nicht-behindert, etc.) – habe ich natürlich immer auch mit der Versuchung zu kämpfen, mich da, wo ich Macht bekomme, mit ihr zu identifizieren und süchtig nach der Droge zu werden, die mir vorher vorenthalten wurde. Und sei es auch nur dadurch, dass ich der Herr in meinem eigenen Blog bin und mich da manchmal auch aufführe wie Napoleon kurz vor der Schlacht von Waterloo. (Ich ja auch.) Was ja völlig legitim ist. Es geht halt nur – für das persönliche Wachstum, die Individuation – darum, bei allem die innere Mitte wiederzufinden. Das gilt natürlich auch beim Empowerment. Das setzt Selbstsicherheit voraus – denn Narzissmus und Macht-Identifikation basieren auf Traumatisierung, auf Minderwertigkeitsängsten und auf Angst vor Ohnmacht. Und ja, das ist mir alles sehr wohl bekannt. Deshalb führe ich ja auch so gerne Monologe.

    So, lieber Momo! Ich hoffe, das kann vielleicht so stehen bleiben … und wünsche Dir schöne Ostern, Pfingsten, Himmelfahrt, und was dann sonst noch so alles kommt … Und von Herzen alles Liebe. Die kannst Du übrigens niemals erzwingen – manchmal kannst Du einfach nicht lieben, und dann ist es OK. Alles andere wäre ja auch sehr ungesund und ein Rückfall in die klerikal-faschistoide, hierarchische, ja satanische Dualität von Gut und Böse. Die ein Teil von mir und Dir und dieser Welt ist. Und unserer Sprache. Aber Du darfst es lernen, und wir sind ja alle dabei, es zu lernen.

    Und jetzt sag mir, ob Du die Narrenkappe behalten willst, oder ob ich Sie mir wieder aufsetzen soll.

    Sind wir nicht alle ein bisschen luna? Im Grunde ist die ganze Welt doch ziemlich schizophren, oder?

    PS: Du darfst (!) mich gerne anmailen, wenn der virtuelle Trip zu wirken beginnt oder irgendetwas Besonderes in Dir auslöst … 😉 Und natürlich auch, falls Du irgendetwas wissen möchtest. Ansonsten wünsche ich Dir eine angenehme Reise durch die Nacht und viele schöne Entdeckungen in den Tiefen Deiner selbst, denn Du bist Wahrheit und Liebe, und Du bist der Weg zum Leben. Fairerweise muss ich Dir aber sagen, dass mir gerade der Kopf etwas schwirrt – also verlass Dich lieber nicht darauf, denn wahrscheinlich war der Kanal nicht so hundertprozentig rein. Also prüfe alles sehr gut.

  5. momorulez März 26, 2013 um 8:34 am

    Da habe ich jetzt lange überlegt, ob ich den ja recht umfangreichen Kommentar frei schalte. Weil der mir Psychologie, Politik, Spiritualität, auch biologistische Elemente und eine seltsame Amageddon-Vorstellung zu sehr verrührt. Wobei ich selbst ja auch diese manchmal spirituell inspirierte Coaching-Literatur zu Politik in Beziehung setze und gar nicht wüsste, wie man ein nicht-duales Weltbild und meine analytischen Trennungen in Denksphären verbinden können soll. Trotzdem wird mir immer ziemlich mulmig, wenn Gedanken von Tolle und Anderen den großen Endkampf beschwören oder so ein verdrehtes Victim-Blaming im Sinne von „Der Aggressor ist nur Teil meiner selbst bzw. spiegelt diese“ angeführt wird, weil da zwei bis 3 Ebenen ineinander fallen. Schwulenfeindliche und heteronormative Arschlöcher sind das auch dann noch, wenn ich für mich eher den Akzent darauf setze, dass es schön ist, Männer zu lieben. Ich kann für Achtsamkeit plädieren und TROTZDEM rassistische, sexistische und homophobe Überschreibungsversuche harsch zurück weisen, ohne mich dabei den Arschlöchern anzuähneln, weil ich überhaupt nur so Raum für das, was die östlichen Mystiker meinen, schaffen kann.

    Ich habe ihn trotzdem mal frei geschaltet, steckt ja viel Arbeit drin.

  6. ziggev März 27, 2013 um 1:19 am

    also 00I0I00, es gibt überhaupt gar keine Notwendigkeit, sich abgesehen von einem historischen Intresse sich mit dem Sozialdarvinismus zu beschäftigen. – Ich bin mir jedenfalls nicht sicher, ob Du Dir da berechtigt solche Sorgen machst. Es müsste zwischen einem Biologismus, wie er, wenn Deine Beobachtung stimmt, in USA auf bedenkliche Weise auf dem Vormarsch ist, und einem Sozialdarvinismus unterschieden werden

    Darvin funktioniert immer. Das Kapital ist aber noch stärker. Will meinen: Weshalb machen wir uns Sorgen? Geht es uns um die genetische Zukunft unserer Gattung, die weitere biologische Ausgestaltung, oder um die soziale? Nach den sozialen Umständen unserer Existenz zu fragen, ist doch viele naherliegender. Das Versäumnis, dies nicht zu tun, bedeutet m.E. ein Mangel an sozialem Bewusstsein und nicht felendes Gattungsbewusstsein

  7. 00l0l00 März 27, 2013 um 12:53 pm

    Lieber Momo!

    (Du kannst ja mal überlegen, ob Du das auch noch freischalten möchtest, oder lieber löschst, oder lieber für Dich irgendwo separat abspeicherst, um es später noch mal zu lesen. Ich will Dir hier mit meinem grenzüberschreitenden Wesen nicht auf den Keks gehen oder Dich gar bedrängen – aber vielleicht habe ja auch ich meine Gründe, warum ich das alles jetzt schreibe. Ich habe leider selber keinen eigenen Blog und bin mit so was auch technisch überfordert. Daher verzeihst Du mir vielleicht, wenn Ich Dein Forum für meinen Gedankensalat nutze. Wenn nicht, kannst Du es ja auch einfach ungelesen löschen. Ist ja auch wieder extrem lang.)

    Vielen Dank fürs Freischalten meines ersten Beitrags! Gestern hatte ich einen längeren Beitrag getippt, den ich dann aber am Ende gar nicht gepostet habe, weil ich mich da irgendwie zu sehr drauf verbissen hatte – und das endete dann irgendwann mit massiven Spannungszuständen in meinem Neocortex – und damit, dass ich irgendwann abwechselnd im Hintergrund die Kirchenglocken läuten hörte (was definitiv nicht real war) oder „Auferstanden aus Ruinen“ in meinem Kopf laut wurde und ständig durch die phonologische Schleife meines Arbeitsgedächtnisses geisterte – um jetzt mal die bizarren Neologismen der kognitiven Neuropsychologie zu gebrauchen. Was einerseits sehr beflügelnd und rührend war, mir andererseits aber auch gezeigt hat, dass die hypnotisierten Augen in meinem Gravatar nicht ganz von ungefähr kamen. Wobei ich aber das Gefühl hatte, dass – trotz aller Blendung durch die vielen sich drehenden Lichter – jene Aspekte des kollektiven Unbewussten und der Vergangenheit meiner Ahnen, die ich hier wahrnahm, doch eindeutig „aufsteigende“ Energien waren. Denn irgendwie war sie ja noch da – die Liebe in meinem Herzen. Später ist sie dann doch etwas erkaltet, als meine Mutter mich anrief und mir mitteilte, dass sie sich große Sorgen mache, weil ich wieder zu viel im Internet hänge, statt zu lernen. Recht hatte sie. Und doch machte mich dieser für sie so typische Bevormundungsversuch innerlich unglaublich wütend. Und da war sie dann wieder im Arsch, die Liebe. Also beschloss ich kurzerhand, meinen Beitrag nicht zu posten – zumal ich ja auch weiß, dass der Verfassungsschutz von der NPD infiltriert ist und Big Brother daher unglaublich paranoid werden kann, wenn er etwas wittert, worin er seinen eigenen Fundamentalismus wiederzuerkennen glaubt. (So viel also zu meiner latenten Paranoia.) Na ja, die alte Geschichte mit der Projektion. Was aber die aufsteigenden und absteigenden Geister und Dämonen der Vergangenheit angeht, die in unseren Köpfen herumspuken, und die auch die ganz „normalen“ Menschen aus ihrem Unbewusten heraus lenken und fernsteuern, indem sie ihnen sagen, was sie für Bedürfnisse haben oder tun sollen/müssen: Da frag mal C.G. Jung, der kennt diese ganze schizophrene Scheiße nur zu gut. Und wenn ich nun sage, dass die Schizophrenie, der gespaltene Geist, des Teufels ist – dann darf ich das wohl, weil ich ja selbst dieses Etikett trage. Nur dass es damals bei mir damit losging, dass ich irgendwann bei anderen Menschen die Abwehrmechanismen nur so durch die Luft fliegen sah, mich von lauter ferngesteuerten und reflexionsverweigernden Zombies umgeben fühlte (was ich damals noch metaphorisch meinte), und mich fragte, wie Menschen nur so unreflektiert sein können. Daraus erwuchs dann eine ziemlich narzisstische Überheblichkeit, die mich zunächst vor meinen eigenen Traumatisierungen und Verletzungen schützte – die aber aufgrund meiner Vulnerabilität allmählich dahinzubröckeln begann, so dass sich darunter eben jener dogmatische Wahnsinn offenbarte, den ich zuvor nur als die Quelle der vielen unreflektierten Vorurteile all der anderen Menschen wahrgenommen hatte. Tatsächlich reflektierte sich all dies aber in mir.

    So viel also dazu. Wenn ich nun hier im Schutze der Anonymität darüber spreche, dann ist das für mich einerseits heilsam und ein wichtiger Bestandteil meines Empowerments. Denn mein Trauma – das musst Du verstehen, denn ich bin in einem sehr konservativen Milieau aufgewachsen – mein Trauma ist es, dass man mir stets das eigenständige Denken verbieten wollte, während ich aber andererseits eben für meine Intelligenz und Klugheit so viel Anerkennung und Bestätigung erhielt, dass ich begann, meine Identität und das, was mich ausmacht, nur noch über meinen Verstand zu definieren. Also im Grunde das, was auch bei der Aufklärung geschehen ist: Irrational sind immer nur die anderen, und die Liebe und das ganze Gefühlsgedöhns braucht man ja nicht zum Denken – glaubt man. Dumm nur, dass auch das Denken von unbewussten Motiven und Bedürfnissen gesteuert wird (früher nannte man sie Dämonen) – und die lassen sich eben nur intuitiv erspüren und nicht rational erfassen. Da scheitert die kopflastige Aufklärung – also die traditionelle europäische Aufklärung – dann letzten Endes an ihrem eigenen Dogmatismus. Und ich weiß aus eigener Erfahrung nur zu gut, wohin das führen kann – insbesondere, wenn man dann auch noch permanenter massenmedialer Reizüberflutung ausgesetzt wird und versucht, all diese Informationen nur mit dem Hirn und ohne Herz für sich zu ordnen. Irgendwann brennen die Sicherungen durch. Also sieh es vielleicht als einen Gruß aus der Zukunft unserer zunehmend haltlosen Gesellschaft.

    Also gehört es zu meinem Empowerment, mir auch das eigenständige Denken nicht verbieten zu lassen – denn eben dieser konservative, autoritäre Paternalismus hat mich ja krank gemacht. „We don’t need no eduation, we don’t need no thought control. No thought’s a hazard in the classroom – teachers, leave them kids alone!“ Das taten die Lehrer dann auch, denn in den 68ern galt Erziehung als Akt der Gewalt. Mit der Konsequenz, dass auch diese Revolution die Gegenrevolution gleichzeitig nach sich zog .(Die Dialektik der Aufklärung). Also muss man sich doch nicht darüber wundern, wenn die junge Generation von heute keinen Bock mehr hat, sich von irgendjemandem die Welt erklären zu lassen, und warum ihr die intellektuellen Autoritaristen der Alt-68er irgendwie total spießig, verbissen und unfrei vorkommen. Die Nebenwirkung ist dann natürlich die Geschichtsvergessenheit und die Unfähigkeit, auch mal anderen zuzuhören, statt ständig nur die eigenen oberflächlichen, pseudophilosophischen Gedanken in die Welt hinaus zu twittern und für die Schaumkrone der Freigeistigkeit zu halten. Oder – in manchen Fällen – auch zu glauben, dass jede Form von Political Correctness oder Minderheitenschutz auf das faschistoide Wirken der Gedankenpolizei zurückgehe, die die Alt-68er eingeführt haben – weil sie ja stets ihren eigenen Konformismus, ihren linken Traditionalismus, Autotitarismus und Konservatismus verleugneten – weil sie diesen ja nur noch in ihren Feindbildern wahrnahmen und verachteten (wo er ja auch tatsächlich war). Und so hat er gelegentlich eine Eigendynamik entwickelt – die rein kausal (und komm mir jetzt bitte nicht mit dem moralistischen Fehlschluss vom Sollen aufs Sein) mit dazu geführt hat, dass es heute Menschen gibt, die Pro NRW für eine liberale und progressive Widerstandsbewegung gegen den ihrer Ansicht nach vorherrschenden „Gesinnungsterror der Gutmenschen-Nazis“ halten. Und trotz aller berechtigten Kritik an diesen Entwicklungen besteht heute auch real die Gefahr, dass Political Correctness von der Mehrheitsgesellschaft für ihre eigenen Zwecke instrumentalisiert wird – z.B. um den Iran anzugreifen, weil ja jeder moderne, „postrassistische“, aufgeklärte Bürger der westlichen Welt weiß, dass die Muslime eh alle voraufgeklärte Antisemiten sind, die ihre Frauen verprügeln und vergewaltigen. Ganz anders als wir natürlich.

    Aber die Triebfeder all dieser Projektionen ist die eigene und auch die deutsche Schuld, die natürlich heute auch noch eine Rolle spielt – systemisch betrachtet, und aller modernen Geschichtsvergessenheit zum Trotze. Denn die Nazis haben ja eben diese junge Generation über ein oder zwei Zwischengenerationen hervorgebracht und errzogen. Im Gegensatz zu prospektiver, in die Zukunft gerichteter Verantwortung, die auf Altruismus und Empathie basiert, dreht sich Schuld immer um den eigenen Selbstwert und hat insofern auch wieder viel mit Narzissmus zu tun. Insofern dient natürlich auch die auf Schuld basierende Moral der Stabilisierung des eigenen Selbstwerts – denn das Böse wird gerade heute auch wieder gerne in die Außenwelt verfrachtet, damit man es in den eigenen Sündenböcken verachten kann.

    Ich beschreibe jetzt mal aus meiner eigenen Regressionserfahrung heraus, wie sich der Selbstwert und die Dualität von Gut und Böse im Menschen entwickeln, sobald er in diese lieblose Gesellschaft hineingeboren wird: Der Säugling hat weder ein Selbstkonzept, noch ein Selbstwertkonzept. Insofern machen auch Begriffe wie primärer Narzissmus nicht viel Sinn, weil sie nur die Projektion des Narzissmus erwachsener Psychoanalytiker in die Erlebenswelt des Säuglings sind. Ohne Selbstkonzept kein Selbstwert, ohne Selbstwert kein Narzissmus.

    Beim Säugling geht es also nicht um Allmacht oder Ohmmacht im Sinne von Selbstbewertung, sondern um Selbstwirksamkeitserfahrungen, also um das Ausmaß, zu dem sich die äußere Welt kontrollieren lässt, um die eigenen Bedürfnisse zu befrieidigen. In einer Welt, in der die erwachsenen Menschen Angst vor ihrer eigenen Schwäche, Hilflosigkeit und Ohnmacht haben, lernt das Kleinkind dann später, sich für seine Ohnmacht zu schämen („Du Opfer!“) und auf seine eigene Leistungsfähigkeit und Produktivität stolz zu werden: Da liegt die Wurzel der narzisstischen Störung, die wir alle in uns tragen: die Spaltung, die das Angenehme, das Schöne, das, was wir mögen und begehren und sein wollen, zu unserer bewussten Identität macht – und das, wofür wir in dieser Welt entwertet und beschämt werden, ins Unbewusste verdrängt, weil es bedrohlich ist. Über diese Scham-Stolz-Dualität kommt dann später die Dualität der Moral drüber – wenn moralische Werte und Normen (aus Angst vor der Übermacht der entwertenden, moralischen Aggressoren) durch Identifikation internalisiert werden. Da bekommt der Narzissmus dann auch noch mal ein neues Betätigungsfeld: Denn natürlich ist es viel angenehmer, andere Menschen moralisch zu verurteilen als sich selbst moralisch verurteilen zu lassen. Dasselbe gilt für den Spott, der auf der Ebene von Scham und Stolz funktioniert. Auch hier spielt Spiegelung die zentrale Rolle.

    Wenn ich nun beginne, die Dualität von Schuld-Moralität und von Scham-Stolz zu überwinden, fängt das natürlich in der oberen Schicht des Unbewussten an. Dieser regressive Prozess ist derzeit schon kollektiv im Gange – daher leben wir ja auch heute eher in einer Schamkultur als in einer Schuldkultur. Der Autoritarismus der vor-indvidualistischen Zeit war eine Schuldkultur – aber darunter steckte natürlich auch die Scham. Der Autoritarismus gipfelte dann natürlich in der Pervertierung aller Moral unter den Nazis. Die Leute hatten sich ja daran gewöhnt, sich von anderen vorschreiben zu lassen, was gut und was böse ist. Gehorsam und Disziplin galten als Tugenden. Im heutigen Indvidualismus spielt Schuld nicht mehr eine so große Rolle. Aber der Schuld-Katholizismus hat – Vorsicht, Trigger (nicht böse gemeint) – teilweise auch im „Gutmenschentum“ und der Selbstgerechtigkeit mancher Linker überlebt und erscheint in einer individualistischen Zeit, die die Moral über den Haufen wirft und die teilweise rücksichtslose Selbstverwirklichung predigt (was ja auch eine Spätfolge der 68er ist) irgendwie wie ein Anachronismus. Daher gelten die 68er und die Moralisten der Linken heute vielen jungen Menschen, die mit Moral nicht mehr viel zu schaffen haben, irgendwie als spießig und bieder – also als konservativ. Und im gewissen Sinne ist das ja auch so, denn Schuld ist eine ziemlich katholische Sache, genauso wie der Ablasshandel und die ritualisierte, emotionslose Beichte durch lieblose, ritualisierte Schuld-Bekenntnisse, die dann irgendwie der Befreiung von der Schuld und somit der Regulation des eigenen Selbstwerts dienen sollen. Aber all diese Schuld, die trotzdem immer weiter aufrechterhalten wird und nie verschwindet, und mit der die Menschen trotzdem weiter klein und minderwertig gehalten werden, produziert natürlich moralische Angst (vor moralischer Unvollkommenheit oder Sünde), projektive Abwehr und Sündenböcke – und daher ist es gerade in der heutigen Zeit geradezu fahrlässig, den Menschen aggressiv und moralisch entwertend ins Gewissen zu reden (auch wenn es gut gemeint sein mag). Ins Gewissen reden ist OK – aber mit Liebe und Verständnis, nicht mit Hass. Denn die Freiheit sucht der moderne Mensch immer im Tabu. Es sollte also weniger um narzisstich orientierte Schuldfragen gehen, als vielmehr um eine Kultivierung der Liebe und der sich daraus ergebenden prospektiven, in die Zukunft gerichteten Verantwortung aus Liebe und Menschlichkeit. Und natürlich trägt da die heutige Generation auch eine besondere prospektive Verantwortung dafür, keinen zweiten Holocaust aufkommen zu lassen. Weil die Vergangenheit unserer Kultur ja über die Erziehung und die Medien – systemisch betrachtet – in uns weiter lebt. Aber gerade die Angst vor unserer eigenen Schuld lässt uns manchmal das übersehen, was sich da gerade am Horizont abzeichnet. Wenn kritiklose, widerspruchslose Unterwerfung als Tugend gilt – wie in dem ganzen Katholizismus und in der Kaiserzeit vor Hitler – dann folgen die Menschen nicht aus Liebe, sondern aus Angst. Und dann gibt es immer ganz viele Tote. Und was sich derzeit abzeichnet, ist ja, dass die sog. „Political Correctness“ allmählich von der Mehrheitsgesellschaft zur Regulation ihrer eigenen Befindlichkeiten missbraucht wird. Da wird aus der Singularität des Holocaust heraus die Überzeugung kultiviert, dass jede aufgezeigte Parallele zur heutigen Zeit nur ein Versuch der Relativierung der deutschen Schuld sei. Das dient natürlich auch der Abwehr der Erkenntnis, dass der Geist der Nazis auch in uns weiterschlummert. Weil sie ja unsere Ahnen sind. Und irgendwann kommt die schreckliche Realität dann wieder über die Hintertür zu uns. Das ist ja auch das, was mir oft vorgeworfen (weil nicht verstanden) wurde: Ich habe nie gesagt: „Die wahren Faschisten sind die Antifaschisten“. Ich sehe mich ja selbst als Antifaschist. Ich habe nur gesagt: „Schuld und Hass statt Verantwortung und Liebe führen immer zu Sündenböcken. Und wenn der Faschismus (in der Variante der entmenschlichten kapitalistischen Verwertungs- und Nützlichkeitslogik) heute wieder Einzug hält, dann wird er sagen: „Ich bin der progressive, liberale Antifaschismus, das gute Gewissen der Nation, der demokratische Rechtstaat“. Oder alternativ: „Ich bin der progressive linke Antifaschismus, der die bösen Faschisten (die als Kollektiv so bezeichnet werden, z.B. „die“ Muslime) ausrotten muss, damit sie uns und die Juden nicht ausrotten.“ Und die Menschen, die aus ihrem Unbewussten heraus ferngesteuert werden, werden diesen selbsternannten „Führern des guten Gewissens“ dann bereitwillig in den Abgrund folgen. Hitler hat ja auch die Moral instrumentalisiert. Antifaschistisch zu sein, war aber damals so was von „politisch unkorrekt“. Der Faschismus war die Zukunft, der Fortschritt. Da galt Sophie Scholl – in diesem soziokulturellen Kontext – fast schon wieder als Reaktionäre, Konservative. Und für die Nazis waren all ihre Feinde ja auch „Reaktionäre“ – die Gegenaufklärung eben. Damit will ich jetzt nicht das Konservative als das Gute verklären – ich bin ja selber auch eher progressiv. Aber immer wenn „der Fortschritt“ zu schnell kommt, kippt er selbst ins Reaktionäre.

    Wenn ich mich nun aber regressiv enthäute und nach und nach meine fixe, geprägte Identität/Persönlichkeit ablege – zu gunsten einer scheinbar multiplen, in Wahrheit aber nur sehr flexiblen und vollständig integrierten Identität, deren Essenz letztlich nur noch Wahrheit und Liebe sein wird – also der Weg zum leeren Medium, das äußerlich jede Erscheinungsform annehmen kann, um bewusst damit zu spielen und manchmal auch bewusst das Gegenüber zu spiegeln – dann schreit der orthodoxe Psychoanalytiker natürlich, dass das unweigerlich in die Psychose führen muss – weil eben dieser Wahnsinn sich bei ihm ja unterhalb der dicken Ego-Schicht befindet. Und dass ich ja eh nur größenwahnsinnig und narzisstisch sei (was ich ja irgendwie auch bin). Natürlich kann es dabei auch immer wieder zu spirituellen Krisen oder gar schweren Psychosen kommen – nämlich dann, wenn die Schwelle zum Unbewussten aufbricht und konkrete Formen, Aspekte der geformten Pertsönlichkeit, ins Wachbewusstein geraten, mit denen das Wachbewusstsein nicht mehr zurecht kommt und überfordert ist. Wenn die Regression dann aber einmal eingesetzt hat, dann lässt sich die Häutung der menschlichen Psyche nicht mehr aufhalten. Und diese „Regression“ (im positiven Sinne) hat im Grunde schon mit der Aufklärung begonnen, die Gut und Böse hinterfragt hat. Also bleibt nur, in sich selbst und im Kanal zu allem Sein die innere bedingungslose Liebe zu finden, die alles miteinander verbindet, und wo alles in der Welt eins ist. Da schreit der orthodoxe Psychoanalytiker: „Symbiose!“ Und das ist dann in dem Fall wieder eine Projektion. Denn die Symbiose ist tatsächlich die Erlebenswelt des Säuglings in einer Welt, der er passiv und hilflos ausgelifert ist. Das sind wir heute nicht mehr. Symbiose basiert auf Pasivität – unser narzisstisches, drübergestülptes Ego basiert auf der Kompensation eben dieser Ängste vor Ohnmacht. Daher werden viele Menschen ja auch süchtig nach Macht, Leistung und Erfolg. Das All-Eins-Sein, von dem ich hier spreche, ist aber gerade keine Symbiose, sondern das Gewahrwerden darüber, dass dieses Einssein ohnehin immer da ist. Symbiose basiert ja auf Mangel, Narzissmus und feste Persönlichkeiten basiert auf der Kompensation dieses Mangels. Und der Narzissmus hält ja diese festen Persönlichkeiten zusammen – denn das, womit wir uns bewusst identifizieren, das ist ja in der Regel das, was wir positiv bewerten. Was wir in uns zu verachten gelernt haben, haben wir ja ins Unbewusste verbannt. Insofern ist das wahre All-Eins-Sein die genaue Mitte, das Gleichgewicht zwischen passiver, abhängiger Symbiose und aktiver, pseudo-unabhängiger narzisstischer Kompensation. In diesem Mittelzustand nimmt man natürlich auch die Grenzen des eigenen Ichs und des Körpers bewusst wahr. Aber es sind eben keine starren, festen Grenzen. Es ist vielmehr ein Zustand, in dem Selbstbegrenzung und Grenzenlosigkeit irgendwie eins sind.

    Nun also zu der Sache mit „Armageddon“, wie Du es genannt hast: Letztlich steigen ja alle Seelen auf. Aber unsere Räder drehen unterschiedliche Runden, und dann kommt es bei manchen Menschen vorübergehend zu massivem Hass auf das eigene Spiegelbild: die Gegenaufklärung. Die traditionellen, orthodoxen, autoritären Linken hassen die Konservativen, weil bei diesen Linken der Traditionalismus und die autoritäre Führung zwar gelebt wird, aber kein bewusster Bestandteil der eigenen Identität, kein expliziter Wert ist, sondern vielmehr etwas, was irgendwie von der bewussten Selbstwahrnehmung abgespalten ist. Das könnte dann z.B. eine Deiner Baustellen sein. Meine ist, zu erkennen, dass ich in meinen Versuchen, mich der autoritären intellektuellen und moralischen Gewalt anderer zu widersetzen, selber manchmal auch ganz schon autoritär, arrogant und abwertend geworden bin (wie auch viele LIberale, die Minderheiten diskriminieren). Daher sehen wir im jeweils anderen manchmal die Gegenaufklärung wieder. Genau wie z.B. mein Empowerment, das für mich und meine Genesung wichtig ist – also mir das Sprechen über meine Lebenerfahrungen und mein eigenes Denken und Fühlen nicht verbieten zu lassen – ja aus der Perspektive anderer für deren Empowerment wieder problematisch sein kann – z.B. weil ich aus meiner Perspektive heraus anfange, die Aspekte des Opfer- und Täterseins miteinander in Verbindung zu setzen (weil ich das für mich so erkannt habe) – und dann schreit mir z.B. Jutta Dittfurth entgegen: „Halt die Fresse, Du brauner Esoteriker! Lass Dich lieber mal psychiatrisch zwangsbehandeln, denn Du bist ja offensichtlich völlig durchgeknallt. Und bitte lass‘ die philosophischen und religiösen Elemente der anderen Kulturen alle da, wo sie hingehören – wir wollen zwar Multikulti, aber bitte nur auf kulinarischer und folkloristischer Ebene. Die „Primitiven“ sollen uns nicht auch noch die europäisch-abendländische Aufklärung versauen – denn wir haben den Auftrag, die zu missionieren und nicht umgekehrt.“ Was ja im Grunde auch wieder Neokolonialismus, Eurozentrismus und v.a. eine Art kultureller Ethnopluralismus ist. Wobei aber andererseits Jutta natürlich nicht ganz Unrecht hat, dass sich da in der „Esoterik“ auch viele sehr unschöne und bedenkliche Tendenzen abspielen. Bloß: Auch die sind die Folgen der Aufklärung und des „Selbstverwirklichungsstrebens“ von Menschen, und auch die „offizielle“ Aufklärung, also das, was uns heute als Aufklärung verkauft wird, transportiert ja im Verborgenen eben diese problematischen Aspekte, z.B. den philosophischen Eurozentrismus von Jutta Dittfurth und die (nicht offen ausgesprochene, aber oft unterschwellig verinnerlichte) Überzeugung, dass nur die europäisch-abendländische Kultur den Fortschritt in der Welt repräsentiere – und alles andere, was nicht diesem Denken entspricht, zwangsläufig rückschrittlich und unterentwickelt sei.

    Und wo sie sich natürlich auch am meisten dran stört, ist, dass irgendwie die klare Trennung zwischen Opfer- und Täteraspekten verwischt werden soll – oder dass vielmehr ihr (und wohl auch Dir, Momo) das so erscheint. Daher will ich dazu noch mal etwas sagen: Es gibt eine Ebene des Bewusstseins, da ist wirklich alles eins. Es gibt aber natürlich auch die anderen, getrennten Ebenen persönlicher Identitäten und Lebenserfahrungen, und natürlich ist es fahrlässig und ziemlich verletzend, wenn dann irgendwelche „superschlauen“, aber oft eben auch sehr verkopften und herzlosen Esoteriker anfangen, ein Opfer, das massiv traumatisiert ist, darüber zu belehren, dass es eigentlich eins mit dem Täter sei und der Täter eigentlich nur das Spiegelbild des Opfers sei. Das stimmt so natürlich auch nicht – denn was unsere Persönlichkeit, unsere Identität als Opfer oder als Täter ausmacht – das ist ja nur das, was auf der bewussten Ebene repräsentiert ist, und womit wir uns identifizieren. Letztlich tragen wir natürlich aber auch das Potenzial(!) zum jeweiligen Gegenteil in uns. Die Täterpersönlichkeit hat sich einst durch das narzisstische Over-Empowerment des hilflosen, passiven Säuglings ein ziemlich stabiles, süchtiges und skrupelloses Ego (falsches Selbst), eine Persönlichkeit aufgebaut. Die Opferpersönlichkeit ist tendenziell in der Passivität und Symbiose geblieben (oder später durch die Traumatisierung in diesen hilflosen Zustand zurückgeworfen worden). Während der Täterpersönlichkeit auf der bewussten Ebene die Erfahrung von Passivität und Hilflosigkeit (Leid) fehlt und die Täterpersönlichkeit eben dadurch, dass sie dies (vielleicht später mal) erlebt, wieder liebevoll und menschlich werden kann (oder auch vorübergehend noch sadistischer) – während es sich also bei der Täterpersönlichkeit so verhält, ist es bei der Opferpersönlichkeit genau umgekehrt: Deren Lebensaufgabe ist es, die Wut und Aggression wiederzufinden, um aus der Passivität herauszukommen und sich verteidigen zu können. Denn nur über diesen Weg lässt sich langfristig – und das ist das große Ziel, vielleicht in weiter Ferne – bedingungslose Liebe und auch Vergebung verwirklichen, die aber dann, wenn es dafür an der Zeit ist, nicht erzwungen werden muss (was immer krank macht), sondern tatsächlich als Befreiung erlebt wird. Da aber unser Ego auf der bewussten Ebene der Triebbedürfnisse zum rücksichtslosen Egoismus strebt (die meisten Menschen quälen lieber, als selbst zu leiden), kannst Du bei jemandem, der sich ganz bewusst mit seiner Täterschaft und Macht identifiziert, eigentlich nichts bewirken. Das Opfer hat aber natürlich die Motivation und den Wunsch, aus seinem Leiden zu entkommen – und daraus kann man sehr viel mehr machen. Daher verdienen die Opfer ja auch unsere Unterstützung – und die Täter frühestens dann, wenn sie selbst die Erfahrung von Leid gemacht haben und ihre Taten durch wachsendes Mitgefühl bereuen. Natürlich gibt es aber nicht nur Täter, die später wieder zu Opfern werden und dadurch gereinigt und geläutert werden – sondern natürlich ist grundsätzlich für jedes ohnmächtige Opfer – mehr oder weniger stark – auch die Versuchung da zu glauben, dass die Welt aus der Perspektive des Täters doch viel angenehmer ist. Ist sie natürlich auch, denn sadistische Lust fühlt sich subjektiv weitaus besser an als Qual und Leid. Und natürlich weiß das auch jedes Opfer, und dann kann bei einigen(!) Opfern so ein Gefühl entstehen, dass sie irgendwie neidisch auf die Macht der Täter werden und anfangen, sich in einem Anflug von narzisstischem (ohnmachtsflüchtenden) Over-Empowerment Anteile der Täterpersönlichkeiten zu eigen zu machen oder zu leben, was sie natürlich leugnen und bestreiten. Das ist die Gegenaufklärung, die mit jeder Revolution einhergeht. Natürlich macht es aber einen riesigen Unterschied aus, ob ein Opfer da mal anfängt, laut rumzubrüllen und andere zusammenzustauchen – was ja ein wichtiger Weg ist, die eigene Wut wiederzufinden, um darüber irgendwann zur Liebe zu kommen – oder ob ein Opfer wirklich die Seiten wechselt und zum Täter wird, wie es (als ganz exztremes Beispiel) z.B. Hitler gemacht hat, der ja als Kind und Jugendlicher immer wieder massiv gemütigt worden war – was keine Relativierung seiner Schuld ist, sondern nur eine deskriptive psychologische Erklärung für das, was seinen Größenwahn angetrieben hat. Und da ist es natürlich wichtig, diese Mechanismen zu verstehen und auch den kleinen Fascho, der in jedem von uns steckt, im Auge zu behalten. Also sich auch als Antifaschist hinzustellen und zu sagen: Klar ist diese Gesellschaft faschistoid, und wir wollen etwas dagegen tun – aber der Hass alleine macht es noch nicht besser, weil er die gefährliche Illusion heranwachsen lassen kann, dass man selbst mit alledem gar nichts mehr zu tun hätte. Und dann kommt dabei so was raus wie die islamophobe antideutsche Linke oder die antisemitischen Linken der 68er. Das sind alles Resultate dessen, dass Menschen sich weigern, die Welt in all ihrer Komplexität und Vielschichtigkeit wahrzunehmen und zu differenzieren. Eben konsequent keine kollektiven Identitäten mehr zu konstruieren – weil eben das nur dazu führt, dass die Gegenaufklärung immer nur im Feindbild wiedererkannt wird, der das externalisierte Böse darstellt. Und dann fängt die Gegenaufklärung – der kleine Fascho in Dir und mir und uns allen – an, riesengroß zu werden und sich aufzublähen und uns aus dem Unbewussten heraus fernzusteuern – weil er weiß, dass er Macht hat, weil wir ihn nicht sehen wollen. Dann gibt es wieder neue Sündenböcke. Das mal zu reflektieren, ohne sich deshalb gleich selbst verurteilen zu müssen (denn es geht ja gerade um die Überwindung von Scham und Schuld durch Liebe) – das ist die Lösung. Und die „göttliche Vergebung“ (als menschliches Konzept) ist ja im Grunde immer da – weil in „Gott“ ohnehin kein Hass ist, sondern nur Liebe ist, für jeden Menschen und jedes Lebewesen, für die gesamte Schöpfung, für die All-Einheit des Universums – das wie ein großer „Quantencomputer“ mit ganz viel Liebe ist: Die neueren Erkenntnisse der Physik zielen ja immer deutlicher erkennbar in eben diese Richtung: die Ursubstanz der Welt ist die Information, die Software, die sich für uns als Hardware organisiert und strukturiert. Womit der „aufgeklärte“ (in Wahrheit aber sehr traditionelle, konservative und auch dogmatische) moderne westliche Mensch natürlich seine Probleme hat – wo er doch seine Aufgeklärtheit immer durch die diametrale Abgrenzung von derlei esoterisch anmutendem Kram definiert hat. Aber wie Einstein schon sagte, ist der gesunde Menschenverstand das, was wir für rational halten, natürlich massiv kulturell geprägt und letztlich nicht mehr als die Summe unserer Vorurteile über das Wesen der Welt. Die Relativitätstheorie mutet dem gesunden Menschenverstand auch irrational an. Und spätestens wenn Du einem „normalen“ Psychiater das Wesen der Quantenphysik erklären willst, kannst Du davon ausgehen, dass er mindestens zu dem Schluss kommen wird, dass du schizotyp seist. Das ist dann quasi die Vorstufe oder die abgeschwächte Form der Schizophrenie: „Bizarre Überzeugungen“. Das gilt natürlich auch für philosophischen Kram, etwa den Dekonstruktivismus. Psychologen und Psychiater haben nämlich oft sein sehr naives Verständnis darüber, was Realität und Wirklichkeit ist, und was Wahn. (Sie sind ja auch keine Philosophen, sondern diejenigen, die die Störungen bei anderen diagnostizieren und sich selbst für ganz normal und gesund halten). Der Wahn besteht ja darin, dass ich hartnäckig versuche, die äußere Realität dem Bild anzupassen, das ich von ihr habe. Dass ich nicht mehr korrigierbar und festgefahren bin. Und wenn mich dann natürlich das, was ich immer für Wahn gehalten habe, hinterrücks über die Realität wieder einholt (z.B. über neue wissenschaftliche Erkenntnisse), dann kann ich das entweder anerkennen und annehmen, oder aber weiterhin so verbissen mein eigenes Konzept von Realität verteidigen, dass ich am Ende selbst durchdrehe, weil ich mich von lauter Wahnsinnigen umgeben fühle und weil mich das, was ich immer für Wahnsinn hielt, nun auf einmal in der Realität einholt. Und weil das so viel Angst und Stress auslöst, dass mein Wachbewusstsein damit nicht mehr zurecht kommt. Wir werden ja schon permanent mit dem kollektiven Unbewussten (die sog.“Geister und Dämonen“, etc.), also mit ausfteigenden Energien (zur Liebe hin) und mit absteigenden Energien (zum Hass hin) über die Medien bombardiert. Das sind ja alles die Inhalte des Unbewussten unserer Kultur, das wir lebenslang über unsere fünf Sinne in uns aufgenommen haben. Andere haben aus den Kräften in ihrem Unbewussten Kunst werden lassen. Liebevolle und düstere Kunst. Aber letztlich führt das alles ins Licht und zur Liebe – direkt oder auf Umwegen. Und was uns davon liebevoll oder düster erscheint, ist oftmals gar nicht objektiv, sondern hängt auch von uns ab und von der Frage, was für uns gerade wichtig ist, und wie sich unsere Räder in Relation zu den Rädern drehen, die wir bei anderen wahrnehmen. Denn die Zeit hat sich in unserer Welt immer nur vorwärts gedreht – von der „Hölle“ (metaphorisch gesprochen: der Vertreibung aus dem Paradies im Mutterleib) in den „Himmel“, wenn Du so willst. Das ist die Grundrichtung. Die Zwischenschritte können aber zum Teil sehr grausam sein.

    Und zu meinem angeblichen Essenzialismus oder Biologismus: Die Gene prägen unser Verhalten und Erleben mit, das ist eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache. Und während sich die Konservativen da im naturalistischen Fehlschluss vom Sein aufs Sollen fixieren, neigen die Progressiven oft dazu, umgekehrt vom Sollen aufs sein zu schließen. Natürlich spreche ich hier nicht von kollektiven biologistischen „Essenzen“, die ja in der Regel nur zugeschrieben werden (wobei es auch hier natürlich einen Unterschied macht, ob wir von Sexismus, Rassismus oder Homophobie sprechen). Der Mainstream der Schwulen und Lesben hält den Essenzialismus ihrer sexuellen Orientierung ja gerne mal hoch, im Sinne von „I was born this way“. Da geht es um die Abgrenzung von den menschenverachtenden reparativen Therapien. Also auch wieder ein Schluss vom Sollen aufs Sein – wenn auch nicht explizit, sondern unbewusst motiviert. Die Menschen und das, was sie ausmacht, ist eine komplexe Mischung und Interaktion aus Biologie und Prägung, wobei sich irgendwann beide Konmponenten gar nicht mehr auseinanderhalten lassen, weil die Gene (das Karma, wenn Du so willst) einerseits auch die Umwelt mit beeinflussen, die wir uns aussuchen, und andererseits aber die Umwelt den epigenetischen Code verändert, der darüber bestimmt, welche unserer Gene aktiv und inaktiv sind. Einfach anzunehmen, der Mensch als Krone der Schöpfung sei der Natur bereits vollständig entwachsen und nur noch Produkt seiner Kultur – das ist irgendwie auch wieder ziemlich anthropozentrisch und quasi-religiös. Auf der anderen Seite ist aber genau das, die Überwindung unserer Fernsteuerung und Programmierung durch die Gene, das, was uns unsere Zukunft bringen wird. Unsere Gene sind also nur Tendenzen und kein Schicksal – genau wie auch unsere Vergangenheit den Weg in die Zukunft nur prägt, aber nicht determiniert – weil wir irgendwo ja auch Wesen mit einem freien Willen sind (und weil der ach so moderne Neurodeterminismus z.B. auch die Erkenntnisse der Quantenphysik, der Heisenbergschen Unschärferelation und der daraus resultierenden Chaos-Theorie ignoriert.)

    Zurück zur Religion:

    Kennst Du das von den Helden? (Als Schizophrener muss man natürlich auch überall Botschaften sehen und verborgene Zusammenhänge in objektiv-rational Bedeutngsloses hineininterpretieren. So komme ich hier mal meiner Aufgabe nach, das Stereotyp zu erfüllen):

    „Hol den Vorschlaghammer! Sie haben uns ein Denkmal gebaut, und jeder Volliditiot weiß, dass das die Liebe versaut. Ich werd‘ die schlechtesten Sprayer dieser Stadt engagier’n – die sollen nachts noch die Trümmer mit Parolen beschmier’n. Siehst Du die Inschrift dort unten bei den Schuh’n? Da steht in goldener Schrift, wir soll’n in Ewigkeit ruh’n. Hol den Vorschlaghammer!“

    Und wenn Du jetzt mal den Vorschlaghammer nach und nach zur Seite legst und stattdessen anfängst, wirklich in Ewigkeit zu ruhen, dann kannst Du den heiligen Krieg oder das jüngste Gericht, das ja letztlich auch über schmerzvolle Umwege ins Licht führt, ruhig den anderen überlassen. Heilig ist dieser Krieg deshalb, weil er Dich am Ende genau in diese ewige Ruhe führen wird. Aber wenn Du mitten im Krieg drin bist, dann ist da überhaupt nichts heilig dran.

    Krieg bedeutet Frieden oder führt zumindest ganz am Ende irgendwann zum Frieden – Freiheit ist die vermeintliche Versklavung des vermeintlich freien (aber oft genug aus dem Unbewussten ferngesteuerten) dualen Willens durch intuitive, aber konsequente Führung durch (nicht-duale) Liebe – und Deine Unwissenheit ist die Stärke, die Dich blind bis an eben diesen Punkt geführt und ferngesteuert hat, wo Du sie durch Wissen und Erkenntnis ersetzen kannst. Du kannst das alles utopisch oder distopisch betrachten. Der „Himmel“ ist die Utopie, die „Hölle“ die Distopie, wo Liebe und Erkenntnis fehlen und nur „Zwang“ zum vermeintlich Guten herrscht. Wo alle das gleiche meinen und denken, weil sie sagen, sie hätten da irgendeine Wahrheit erkannt und seien nun erleuchtet oder aufgeklärt. Und so hat der Mensch unglaubliche Angst davor, seinen Willen nur noch konsequent (aber eben nicht erzwungen, sondern frei) durch (nicht-duale) Liebe führen zu lassen – weil ihm das ja die vermeintliche Entscheidungsfreiheit raubt, die er zuvor zwischen „Gutem“ und „Bösen“ hatte. Die Erkenntnis von Gut und Böse (der „Sündenfall“) führt ja letztendlich auch wieder über Umwege zur Wahrheit, zur Liebe und zum großen Leben. Nur dass es da dann eben kein Gut und kein Böse mehr gibt, weil alle Menschen bedingungslose Liebe erfahren. (Trotzdem ist es natürlich wichtig, im Herzen zu prüfen, was sich gut und was sich böse anfühlt). Sozialistische Liebe, die alle Hierarchien aufhebt. Aber natürlich auch liberale, freie Liebe. Liberaler Sozialismus als Alternative zum Sucht-Kapitalismus, der mit seiner Beschaffungskriminalität über Leichen geht. Unzählige Leichen, und da werden noch viele weitere kommen, bis das große Werk der Liebe vollbracht ist. Der Kapitalismus ist insofern die Herrschaft des entfesselten Es, der Ostblock-Stalinismus die des rigiden Über-Ichs. Und der Faschismus die braune Synthese aus Es und Über-Ich, in der sich die sadistischen Es-Impulse im Namen des Über-Ichs den Weg gebahnt haben. Was jetzt kommt, wird die Herrschaft der Liebe, die Synthese des Lichts sein: Anarchie durch die Monarchie des freien, von Liebe geführten Willens jedes „einzelnen“ – wobei die Indviduierten zum wahren Kollektiv werden. Und dieses Kollektiv wird durch Herrschaftslosigkeit herrschen – dazu braucht es irgendwann keine Regierung, keinen Staat mehr, sondern nur noch Liebe. Es braucht auch kein Geld mehr, weil der technische Fortschritt den Wohlstand aller garantiert – wahren Reichtum ohne Konsumsucht – und weil Arbeit nur noch der freien Enfaltung des eigenen kreativen Potenzials dienen wird. Wahre Selbstverwirklichung eben, weder Zwangs-Brötchenerwerb, noch animalisches Dominanzverhalten in Form des Statusstrebens oder geistiges Territorialverhalten durch Identitäten, die sich über die Abgrenzung von den Formen der anderen Identitäten definieren. Dann wird es auch niemanden mehr geben, der passiv und träge dahindümpelnd seinen Tag auf der Couch vergammelt (was die Konservativen und Neoliberalen ja befürchten, z.B. wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt – was es wohl auch bald als Übergang zur geldlosen Gesellschaft geben wird) – denn das Leben ist doch viel zu schön, um sich nicht kreativ zu verwirklichen. Die Liebe macht eben den Unterschied.

    Das wäre dann eine wirklich schöne neue Welt – vor der viele Menschen natürlich Angst haben, weil die Dinge, mit denen sie sich identifizieren, und nach denen sie süchtig sind (wie Geld, Macht, materieller Besitz, Status – politische und religiöse Identitäten, die sich über die Abgrenzung vom vermeintlichen Gegenteil definieren) dann keine Rolle mehr spielen werden.

    Und denk dran: Jeder Schritt hin zur Utopie zieht auch distopische Aspekte nach sich, wenn die Utopie nämlich mit Zwang durchgesetzt wird, obwohl die Menschheit noch nicht bereit dafür ist.

    Imagine …

    Alles Liebe! Und bitte verzeih mir mein ausuferndes, grenzüberschreitendes Wesen – aber so bin ich nun mal: Wassermann Aszendent Löwe – „I was born this way!“ Love me or hate me. So viel zum Thema Essenzialismus. Aber ich bleibe ja auch nicht da stehen – ich lerne viel dazu …

    Und wenn Du zufällig Jutta Dittfurth siehst, sag ihr bitte, sie möge mal endlich damit aufhören, ihre Vision von der gerechten Gesellschaft durchzusetzen, indem sie Marginalisierte stigmatisiert, psychiatrisiert oder als Faschisten verteufelt – und damit das Empowerment derer unterdrückt, die in ihrem Leben vermutlich weitaus mehr gelitten haben als sie selbst, und die in der Öffentlichkeit eben noch über kein Sprachrohr verfügen. Wobei ich sie eigentlich sogar ganz nett finde – denn Menschen, die für ihre Ideale kämpfen, sind mir durchaus sympathisch. Das ist übrigens das Hauptproblem der Aufklärung, dass das Empowerment der Schwachen manchmal auf Kosten der Schwächsten geschieht, die gar nicht wahrgenommen werden.

    Und alleine darüber könnte man ganze Romane schreiben. Frag Adorno.

  8. 00l0l00 März 27, 2013 um 3:19 pm

    Danke 🙂

    Manchmal ist es eben wichtiger, den Verstand ruhen zu lassen und lieber menschlich und mitfühlend als klug und gelehrt zu sein. Bist ein Lieber. Wer Menschlichkeit sät, wird Liebe ernten.

    Die abendländische Philosophie der toten weißen Männer ist halt genauso verkopft wie ich und Du. Aber wir arbeiten ja an der Vervollkommnung der Aufklärung. Einfach mal die Zeit abwarten …

  9. momorulez März 27, 2013 um 4:38 pm

    Ich habe Dir kein wie auch immer „Wesen“ zu verzeihen – ich wäre jetzt überfordert, zu allem was zu schreiben. Für mich gehen da trotz allem Psychopathologisierung, Spiritualität – unter die ich kontrafaktisch auch die Quantenmechanik zählen würde, von mir aus auch Metaphysik – und andere „Diskurstypen“ eine Liaison ein, die ich so nicht vertreten würde, obgleich ich Dir an manchen Punkten weit mehr folgen würde, als Du glaubst. Allerdings nicht bei den Genen 😉 – da widersprichst Du Dir auch. Wenn man die Quantenphysik und deren esoterische Interpretation wirklich ernst nimmt, kannst Du das so auch gar nicht vertreten.

    Wo Du glaube ich Unrecht hast, das ist Deine Vorstellung von Moral und deren Relation zu PC, weil Du, jetzt mal dem Schema Kohlbergs folgend, im Grunde genommen nur den autoritären und konventionellen Typ betrachtest. Es gibt auch die Moral wechselseitiger Anerkennung wie auch die ja viel mit fernöstlichen Typen korrespondierende „Mitleidsethik“ z.B. Schopenhauers, auch auch Gilligans. Das sind in Kombination Haltungen und Praktiken, auch von Jessica Benjamin in „DIe Fesseln der Liebe“ hervorragend beschrieben, bei denen was ganz anderes raus kommt als das, was Du beschreibst. PC ist die Forderung nach Anerkennung des Marginalisierten, Weggedrückten, Verdrängten im Sinne der Emphatie; und die Wut, die bei Betroffenen auftritt, entsteht, wenn beides versagt und vorenthalten wird im ganz real gesellschaftlichen, nicht lediglich psychologischen Sinne.

    Was Du zum Ego schreibst, sehe ich auch so, es geht aber nicht um die Anerkennung des Egos, sondern von Seinsmöglichkeiten. Man kommt da mit Sartre erstaunlich weit, auch ohne Rückgriffe auf die Psychoanalyse und ähnliche manipulative Manöver der Geistesgeschichte.

  10. 00l0l00 März 27, 2013 um 9:29 pm

    Sicherlich hast Du mir gegenüber den Vorteil, dass Du Dich in der europäischen Philosophie viel besser auskennst als ich. Ich habe ja nicht umsonst Psychologie studiert – im Nachhinein betrachtet ging es mir da wohl auch darum, aus der Position des Marginalisierten auf die Seite derer zu wechseln, die die Diagnosen stellen. Vermutlich kommt das bei mir auch hin und wieder noch durch. Andererseits könnte ich mir aber auch vorstellen, dass Deine Aversion gegenüber der Psychoanalyse als solcher aus dem pathologisierenden und etikettierenden Missbrauch resultiert, der damit betrieben wurde und zum Teil auch heute noch betrieben wird. Meine Perspektive ist da eine etwas andere, da die Psychoanalyse in meinem Studium fast keine Rolle spielte und immer als „esoterisch“ verschrien war – wobei sich das derzeit auch wieder etwas ändert. Die Verpönung der Psychoanalyse ging für mich immer mit einer geradezu behavioristischen Psychologie einher, die alles, was man nicht unmittelbar messen kann, als wertlos betrachtet, dabei aber zugleich die erkenntnistheoretischen Grundlagen ihrer eigenen empirischen Forschung gar nicht mehr hinterfragt. Wo Introspektion und Selbstreflexion als wissenschaftlich wertlos betrachtet werden. Das psychoanalytische Wissen habe ich mir immer selbst angeeignet -.im Studium kriegt man das heute gar nicht mehr vermittelt (außer, dass es unwissenschaftlich sei). Und auch wenn ich diese Begriffe dafür verwende, habe ich meine Eigenanalyse doch im Wesentlichen selbst vollzogen – und zusammen mit einigen anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen hatten. Da stand ich dann immer irgendwo zwischen tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie und „New Age“ – wobei ich mich auf beiden Seiten auch immer abgrenzen musste, weil mir da vieles nicht gepasst hat. Aber der Kontakt mit „New Agern“ (das meine ich jetzt auch nicht als feste Kategorie, denn da gibt es genug Humbug, und auch das ist ja wieder eine Identitätsschablone) – der war für mich extrem wichtig, um wieder im Leben kar zu kommen. Die Perspektive, die man mir mit 20 in der Psychiatrie damals eröffnet hatte, wäre lebenslange Arbeit in einer Behindertenwerkstatt gewesen, und auf keinen Fall ein Studium, weil mich das überfordern würde. Aber ich habe mich durchgesetzt. Und dann kommt z.B. so eine Jutta Dittfurth daher, unterstellt mir, ich wollte mich mit meinen angeblich „besonderen Fähigkeiten“ nur über andere erheben und bekämpft Leute wie mich derart aggressiv im Namen der Aufklärung, dass mich das oft so massiv verletzt hat, dass es mich in meinem Genesungsporozess wieder weit zurückgeworfen hat, wenn ich damals so etwas im Fernsehen gesehen oder gelesen habe. Angeblich seien diese Leute ja alle Bessergestellte aus der Oberschicht, Zahnarztfrauen. Das ist Victim Blaming. Das hat mich derart verletzt und beschäftigt, dass ich manchmal fast wieder durchgedreht bin. Weil ich ja wusste, dass es diese Dinge gibt – aber weil ich dank „Aufkärung“ heute in einer Gesellschaft lebe, in der ich darüber kaum normal kommunizieren kann – und wenn doch, kommt sofort, dass wir das ja zum Glück heute alles überwunden hätten, diesen ganzen Aberglauben. Und dann der ganze Spott und die Ridikülisierung, auch von Linken wie Jutta Dittfurth. Was glaubst Du, wie weh das tat? Und was glaubst Du, wie oft mich alleine das schon wieder krank gemacht hat? Überleg mal: Die erzählen Dir so lange, dass Du verrückt bist, dass Du merkst, wie Du es genau deshalb wirst, weil Du diesen ganzen sozialen Stress und die Ausgrenzung nicht mehr ertragen kannst und Dich aus lauter Verzweiflung über die Ausweglosigkeit dieser Situation immer mehr in Deine eigene kleine autistische Welt zurückziehst, wo Du dann versuchst, das alles mit Dir alleine auszumachen. Únd klar macht es einen krank, wenn man täglich erklärt bekommt, dass es die Dinge, die man wahrnimmt oder spürt, gar nicht geben würde. Dass man sich das alles nur ausgedacht und in seinem kranken Hirn zurechtgesponnen hätte. Und wenn Du versuchst, es ihnen alles ruhig zu erklären, dann kommen sie als Autoritätsargument mit Deiner Diagnose an, selbst wenn Du mit ihnen nur über Quantenphysik reden willst oder darüber, wie Du Dir diese ganzen Dinge, die Du erlebt hast, erklärst. (Übrigens ist es nicht so, dass die QM darauf hinauslaufen würde, dass die äußere Realität als solche gar nicht objektiv existieren würde. Wenn Du Ockhams Rasiermesser wirklich(!) rational anwendest (und nicht bloß im Sinne des vermeintlich gesunden Menschenverstandes), dann läuft es auf ein statisches und in sich selbst deterministisches Multiversum hinaus, das viele Zeitstränge enthält, von denen wir aber eben nur immer einen ganz bestimmten Ausschnitt gleichzeitig wahrnehmen können, weil unser ans Gehirn gekoppelte Bewusstsein uns die Dekohärenz förmlich aufzwingt. Und ob das dann bloßer Zufall ist, wo wir „landen“, oder irgendwie sinnhaft – oder ob diese Frage vielleicht am Ende gar keinen Sinn ergibt – das ist die eigentliche Frage. Die ist natürlich spirituell).

    Andererseits habe ich im Laufe all dieser sog. psychotischen Episoden, die sich für mich immer mehr zu einem klaren Bild zusammengefügt haben, in einer derart überwältigenden Weise Synchronizitäten und andere sog. „paranormale“ Phänomene erlebt, die ich mit den gängigen psychologischen Standard-Erklärungen nicht mehr erklären konnte. Es war ja sogar so, dass ich irgendwann aus lauter Unsicherheit andere Leute gefragt habe, ob sie denn diese Dinge jetzt auch sehen und wahrnehmen. Weil ich z.B. unmittelbar zuvor an das gedacht hatte, was dann unvorhergesehen passierte – oder weil ich z.B. damals, als ich Tarot-Karten legte (was ich heute aus gutem Grunde nicht mehr tue) 5 mal hintereinander dieselbe Karte an derselben Position hatte. Die statistische Wahrscheinlichkeit bei 78 Karten kannst Du Dir dabei ausrechnen. Wäre es nun also rational zu glauben, dass es Synchronizität gar nicht gäbe? Ich könnte Dir noch etliche andere solcher Erlebnisse erzählen. Das war nur ein Beispiel.

    Das war so heftig, dass ich selbst angefangen hatte daran zu zweifeln, ob meine Wahrnehmung überhaupt noch real ist. Aber eigentlich hatte ich nie Probleme, die Ebenen voneinander zu unterscheiden. Wenn ich mal Visionen hatte (was eher selten vorkommt und eigentlich erst in letzter Zeit), dann habe ich sie auch als solche erkannt – und wie gesagt, ich habe mir diese Dinge ja auch von anderen bestätigen lassen, denen das, was ich erlebt habe (oder auch Synchronizitäten mit deren Gedanken) zum Teil auch Angst gemacht hat. Natürlich habe ich dann angefangen, nach „rationalen“ Erklärungen dafür zu suchen. Und die gibt es ja prinzipiell auch – sie widersprechen nur dem, was wir aus einer verzerrten und zugleich verleugneten Intuition heraus als unseren „gesunden Menschenverstand“ betrachten. Was natürlich auch mit scientistischer Arroganz zu tun hat: „Wir wissen ja heute alles, und was die abendländische Wissenschaft noch nicht genau entschlüsselt hat, das gibt es auch nicht. Und wenn parapsychologische Studien dann doch signifikant werden, dann kann das nur daran liegen, dass Betrug im Spiel war – oder der Publication Bias.“ Übrigens bin ich damals auch deshalb durchgerdreht, weil ich diese Dinge bewusst forciert hatte – aus narzisstischen Motiven heraus (besondere Fähigkeiten, etc.) Aber als es dann im Gang war, konnte ich es irgendwann nicht mehr aufhalten, weil es immer von alleine weiter geschah. Daher gibt es ja auch bei solchen Symptomen kein Zurück mehr, wenn es einmal angefangen hat – denn diese Schübe kommen immer wieder. Aber es geht halt darum, was man daraus macht: „Erleuchtung“ oder Psychose? Wenn man narzisstisch motiviert daran geht, geht es meistens schief – denn darum geht es nicht. Man kann nur lernen, es zu verstehen, um besser damit klar zu kommen. Aber genau das wird ja in der Psychiatrie in aller Regel verhindert und mit allen Mitteln unterdrückt.

    Dass ich psychopathologisierende Begriffe verwende, magst Du mir nachsehen, aber Worte haben erst mal nur die Bedeutung, die Menschen ihnen geben oder auch im Laufe der Kulturgeschichte gegeben haben. Ich meine das gar nicht so pathologisch. Vielmehr habe ich mich durchaus immer sehr kritisch mit der klinischen Psychologie auseinandergesetzt, die sich im Englischen sogar „abnormal psychology“ nennt und die sowieso immer davon ausgeht, dass das „Normale“, Durchschnittliche gesund ist, und das Abweichende (sei es nun im Sinne statistsicher Durchschnittsnormen oder auch sozialer Normen) krank sei. Das ist natürlich faschistoid. Deshalb brauchst Du von vielen Psychologen auch keinen Widerstand gegen menschenverachtende Entwicklungen zu erwarten, wenn die sich abzeichnen – viele darunter definieren sich selbst über ihre „Normalität“ und sprechen unreflektiert von „guter Anpassung“, wenn sie Gesundheit meinen. (Wobei mir diesees Schubladendenken aber allgemein nicht so sehr zusagt, denn es gibt immer und überall solche und solche. Ich versuche, keine Feindbilder mehr zu haben.)

    Zu Kohlberg: Da geht es nicht um das, was hinter der gesellschaftlich etablierten Moral steht, sondern um die Motive, die bei jedem Individuum hinter dessen moralischen Überzeugungen stehen. Natürlich baut Political Correctness als Konzept ursprünglich auf der Empathie mit den Marginalisierten auf. Da wärst Du dann auf der Stufe 5 oder vielleicht sogar 6. Aber wenn es aggressiv vertreten wird, sollte man doch nicht so naiv sein zu glauben, dass die MOTIVE, warum aggressiv vertretene Aufklärung von manchen Leuten angenommen wird, sich dann auch auf Stufe 5 oder 6 bewegen würden. Überzeugen kannst Du mit leisen Tönen, mit liebevoll vorgetragenen Argumenten, und auch indem Du Dich mal traust, Deine eigene Verletztheit zu zeigen. Damit kannst Du viele Menschen beendrucken und zum Nachdenken anregen. Wenn sich Political Correctness aber aus aggressivem „Over-Empowerment“ speist, das über die innere Mitte hinausschießt, dann hast Du – insbesondere in der heutigen Zeit, in der viele Menschen die mediale Reizüberflutung nur passiv konsumieren – auf der einen Seite diejenigen, die sowieso alles glauben, was im jeweiligen Zeitgeist als korrekt gilt (und die dann eben auch politisch-korrekt-angepasst sind – und wenn der Zeitgeist sich dreht, wirst Du die gar nicht mehr kontrollieren können) – und auf der anderen Seite die Gegenreaktion, die Du damit nicht überzeugst, sondern eher noch immer weiter radikalisierst – dann hast Du nämlich die Trotzreaktionen (Reaktanz). Die haben dann das Gefühl, ihre Freiheiten werden aggressiv beschnitten – und die Folgen kriegst Du dann irgendwann wieder um die Ohren geknallt. Mit aggressiv vertretener Moral, egal wie gut und wie reflektiert sie ist, bringst Du niemanden auf die oberen Stufen der Kohlberg-Skala, sondern eher zurück auf Stufe 2, nämlich Gehorsam aus Angst vor Strafe. Und dann machen die irgendwann evtl. auch wieder ihre eigene Konterrevolution. Im Grunde ist das Gegenaufklärung, Katholizismus. Was früher die Angst vor der Hölle war, ist heute bei vielen die Angst vor sozialer Ächtung. Und zwar ganz egal, wie berechtigt Dein Anliegen sein mag. (Die 7. Stufe bei Khlberg, die er später ergänzt hat, wäre dann übrigens die transzendentale Ethik, die sich nur noch aus LIebe und nicht mehr aus Moral im traditiionell-christlich-dualen Sinne speist.) Und wir sind ja auf dem Weg in diese postmoralische, postdualistische Gesellschaft. Das lässt sich sowieso nicht aufhalten – denn das ist Aufklärung. Und dann brauchst Du die Liebe, denn wenn Du keine Moral mehr hast, geht ohne Liebe natürlich alles den Bach runter. Mit Liebe brauchst Du die Moral im Gut-Böse-Sinne nicht mehr. Denn dese Moral ist – systemisch und intergenerational betrachtet – ein Erbe des Katholizismus, auch wenn sie heute im säkularen Gewand der Aufklärung daherkommt. Insofern ist dieses radikale, schwarz-weiße Gut-Böse-Denken auch typisch abendländisch.

    Versteh mich doch nicht falsch: Gerade weil ich Minderheitrenschutz so wichtig finde, finde ich es fatal, wenn gut gemeinte aggressiv vertretene Veränderungen letztlich das genaue Gegenteil von dem bewirken, was sie bewirken sollen. Sie schüren die Motivation für die Reaktion, denn was Du hasst und bekämpfst, das machst Du erst so richtig stark. Ich weiß, dass Du das nicht so siehst. Aber Du kannst Dich doch jetzt auch nicht einfach hinstellen und sagen, nur weil Du Sartre gelesen hast, seien die kompletten empirischen Erkenntnisse der modernen Sozialpsychologie für die Tonne. Nur weil Du vielleicht aus biographischen Gründen im Allgemeinen eine verständliche Aversion gegen Pychologen hast. Es gibt Gruppendynamik, und die spielt sich in einer medial vernetzten Gesellschaft im zunehmend größeren Rahmen ab. Konflikte führen immer zu Polarisierungen und zur Verschiebung der Positionen einer Gruppe zum Extremen hin – insbesondere, wenn sich die Identität einer Gruppe über ihre Feindbilder definiert. (z.B. kalter Krieg). Aggressive Beeinflussungsversuche führen entweder zu Anpassung aus Angst (das ist dann wirklich nur operante Konditonierung) – oder aber zum Aufbegehren, also zu Reaktanz und dazu, dass die Freiheit in einem Tabu gesucht wird, das erst durch die Tabuisierung attraktiv geworden ist. Willst Du Dich damit überhaupt befassen?

    Denn wenn Du Dich hinstellst und sagst: „Meine Moral ist reflektiert und speist sich aus der Empathie mit den Marginalisierten – daher erreiche ich meine Ziele um so eher, je aggressiver und je lauter ich sie vertrete, damit sich die Leute meinem ethisch überlegenen Willen beugen (der ja durchaus ethisch überlegen sein kann)“ – aber wenn Du das sagst, dann argumentierst Du im Grunde behavioristisch. Dann bist Du dann bei Skinners Vision „Walden Two“ – gesellschaftliche Stabilität durch kosequente operante Konditionierung und soziale Bestrafung von Abweichlern. Nur dass Du sicherlich andere gesellschaftliche Werte vertrittst als Skinner. Das hat mit Kohlberg dann nicht mehr viel zu tun, denn damit förderst Du auch keine Liebe. Natürlich ist es manchmal wichtig, sich auch lauter Gehör zu verschaffen – v.a. wenn man es selbst zur Überwindung seines eigenen Ohnmachtstraumas braucht. Aber auf Dauer erreichst Du mit Liebe und Verständnis wirklich mehr. Du kannst keine Liebe ernten, wenn Du Aggressivität säst. (Ich meine, Du säst ja im Moment noch beides und auch ziemlich viel Liebe. Das will ich Dir ja gar nicht absprechen). Du kannst ja im entscheidenden Moment immer noch bestimmend werden und Grenzen setzen und dann auch ganz authentisch sagen, dass das nicht geht, weil es Dich verletzt. Das ist dann gewaltfreie Kommunikation. Giraffensprache.

    Das Problem ist ja auch, dass dieses aggressive Empowerment Gefahr läuft, immer auch jene zu unterdrücken, die noch schwächer sind als man selbst, deren Emanzipationsbewegung noch in den Anfängen steckt, oder die gesellschaftlich gar kein Gehör finden. Es gibt ja auch Interessen- und Ressourcenkonflikte zwischen marginalisierten Gruppen. Z.B. in Nahost.

    Ich meine, das Empowerment der Frauen bzw. des radikalen Feminismus in den 1960ern und 70ern hat ja auch dazu geführt, dass Pädophile (damit meine ich die nicht willkürlich beeinflussbare Neigung, und nicht die Tat) heute in der Gesellschaft die Stellung haben, die sie haben. Natürlich wird das nicht wahrgenommen, weil die dann still vor sich dahinleiden oder sich umbringen, auch wenn sie nie einem Kind etwas angetan haben.

    Oder es werden behinderte Föten legal bis zum 9. Monat abgetrieben, weil ihnen die Menschenrechte erst dann zugesprochen werden, wenn sie den Geburtskamal durchschritten haben. Vorher ist noch nicht einmal eine Betäubung gesetztlich vorgeschrieben – bei Spätbatreibungen im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft wird bei der Partial Birth einfach der Kopf zermartert, wenn er schon draußen ist und der Rest des Kindes noch nicht. Das heißt dann auch Fetozid – das mit den Euphemismen hatten wir ja schon mal. Das ist auch Gegenaufklärung, denn dem liegen eigentlich abergläubische Vorstellungen zu Grunde, die implizit voraussetzen, dass die Seele des Menschen quasi erst mit der Geburt in diesen hineinfährt und ihm dadurch in einer Art magischen Transformation die Menschenrechte verliehen würden, die er als Fötus noch nicht hatte. Selbst Amnesty International argumentiert da genau so, wie es halt der typisch westlichen Denke entspricht. Das hängt natürlich auch historisch mit dem zusammen, was vorher war: Da war Abtreibung dank des Einflusses der katholischen Kirche ganz verboten. Also gilt heute das genau Gegenteil als progressiv, ohne dass die Tatsache, dass pränatale Entwicklung ein gradueller Prozess ist, überhaupt noch näher reflektiert würde. Der katholische Aberglaube besagt, dass die Seele mit der Befruchtung in die Blastozyste fahre – die „progressive“ Mtyhologie besagt, dass das beim Durchschreiten des Geburtskanals passieren würde.

    Da wird auch immer wieder aggressiv rumgebrüllt, die Behindertenverbände hätten doch die Fresse zu halten, weil es da ja nur um ungeborenes Leben geht und um das körperliche Selbstbestimmungsrecht der Frau. Dass die aber das Kind eigentlich haben wollte und jetzt nur deshalb nicht mehr haben will, weil es z.B. das Down-Syndrom hat (diese KInder werden mittlerweile zu 90% abgetrieben) – das wird nicht näher betrachtet. Und dass in der Praxis oft der Vater die Entscheidung genauso trifft, weil es hier doch in Wahrheit gar nicht mehr zentral um körperliche Selbstbestimmung geht, sondern um das Recht auf die freie, auch berufliche Selbstverwirklichung der Eltern – und da passt ein behindertes Kind dann halt nicht mehr rein. Und der Staat lässt die Familien auch alleine, weil es natürlich billiger ist, die Frauen vor lauter Not in eine Situation zu treiben, in der sie so verzweifelt sind, dass sie das Gefühl haben, sie haben gar keine andere Wahl mehr. Sonst müsste man ja Gelder für die menschenwürdige Betreuung solcher Kinder bereitstellen, um den Familien zu helfen. Ergo: Der Staat betreibt pränatale und perinatale Selektion im Sinne der kapitalistischen Verwertbarkeitslogik – im Namen des Marginalisiertenschutzes – und das ganze nennen wir dann „Fetozid“, weil das Kind ja noch nicht ganz geboren sein darf, wenn es umgebracht wird. Daher wird es ja auch im Mutterleib getötet (oder halb drinnen, halb draußen) – weil alles andere ein Tötungsdelkit wäre. Da sagt Peter Singer ja dann durchaus zurecht, dass ein Fötus im Spätstadium denselben moralischen Status hat wie ein Neugeborenes (nur dass man natürlich auch das körperliche Selbstbestimmungsrecht mitberücksichtigen muss). Aber dieselben Leute, die Peter Singer zu Recht Euthanasie-Propagierung vorwerfen, wenn er vorschlägt, man solle doch auch Säuglinge grundsätzlich töten dürfen, solange sie noch kein Selbstkonzept haben (was er, der er sich so sehr über seine Ratio definiert, ja irrtümlich für das relevante Kriterium hält) – dieselben Leute befürworten die Legalität von Spätabtreibungen bis zum 9. Monat, wenn das Kind behindert ist. Aber natürlich ausdrücklich nur dann, wenn es behindert ist. Würden schwule, lesbische oder schwarze Föten selektiv abgetrieben, wäre das Geschrei selbstverständlich groß. Aber welche Mutter und welcher Vater will schon ein behindertes Kind haben? Und das Schlimmste: Heute ist es in der Linken kaum mehr möglich, sich damit differenziert zu befassen – weil es dann sofort heißt, das sei frauenfeindlich. Kürzlich sagte noch eine Dame aus der Linkspartei, ein Fötus vor der Geburt hätte grundsätzlich nur das Bewusstsein einer Kaulquappe und sei daher auch nicht anders zu behandeln. Klar, und die amerikanischen Ureinwohner haben keine Seelen, deshalb durften die Weißen sie ja auch töten. Und die perinatale Euthanasie (denn Eugenik ist das eigentlich schon nicht mehr) betrifft ja auch nur Behinderte. In Holland sterben mittlerweile im Namen des Fortschritts ca. 1% der Bevölkerung an unfreiwilliger Euthanasie, weil die Angehörigen oder Ärzte das so entscheiden.

    Und wenn ich jetzt noch mit der Tierrechts- oder Antispeziesismus-Bewegung anfange, die in der Linken zum Teil auch ganz aggressiv im Namen des Humanismus bekämpft wird, weil menschliches Leid ja angeblich auch ganz unabhängig von der Intensität und den Aspekten des Leidens schon alleine dem Grundsatz nach viel mehr zähle als tierisches Leid – dann steigst womöglich auch Du aus. (Womit ich natürlich nicht bestreiten will, dass man Menschen v.a. psychisch viel intensiver und schmerzvoller demütigen kann, weil sie einen Selbstwert haben. Dafür haben höhere Wirbeltiere aller Wahrscheinlichkeit nach intensivere Emotionen als wir, weil die evolutionär früher wichtiger waren). Da fühlen sich ja dann regelmäßig auch PoC und Frauen diskriminiert, wenn Antispezisismus in einen Kontext zu Antirassismus oder Antisexismus gesetzt wird (wobei es da natürlich auch zentrale Unterschiede gibt, die man auch nicht verwischen sollte). Aber die Schwulen fühlen sich ja heute auch diskriminiert, wenn man die Situation der Pädophilen mit ihrer vergleicht, etc. Jeder diskriminiert hier jeden.

    Merkst Du was? Auch das ist die Dialektik der Aufklärung. Dass stets konservativ der Konsens verteidigt wird, dass man das Leid derer, die vermeintlich zu Recht oder nachvollziehbarerweise verachtet oder ausgebeutet werden, nicht mit dem Leid derer vergleichen dürfte, die sich bereits halbwegs emanzipiert haben, weil die ja viel mehr wert seien. Wir halten uns für so wahnsinnig aufgeklärt, blicken auf die Vorurteile unserer Ahnen zurück, aber haben keinen blassen Schimmer davon, was man in der Zukunft über UNS denken wird. Vor 30 Jahren war das auch mit den Schwulen und Lesben noch nicht anders – klar war Rassismus verachtenswert, aber dass Schwule und Lesben pervers sind, wusste doch eh jeder. Und selbst die, die das nicht so sahen, waren immer noch der Ansicht, man dürfte Homophobie nicht mit Rassismus gleichsetzen, weil Homophobie doch damals irgendwie noch als ziemlich natürlich und normal angesehen wurde. Und wer spricht heute schon über die psychisch Kranken, die unter Hitler ermordert wurden? Was bringt Dir also dann am Ende die ganze Aggressivität? Nur neue Unterdrückung und Gegenaufklärung. Was Du hasst, das machst Du stark, weil der Hass die Kehrseite des Begehrens ist. Und Du machst eben diese Schatten-Anteile dann auch in Dir selbst stark, weil Du sie in Dir selbst verleugnest und abspaltest, und sie Dein Handeln dann unbemerkt kontrollieren können. Weil Du sie ja nur in Deinem Gegenüber wahrnimmst. Ohne allumfassende Liebe kommst Du hier auf lange Sicht nicht raus. Aber Du hast ja noch Zeit.

    Ich jetzt nicht mehr, da ich nächste Woche eine mündliche Prüfung habe und bis dahin wieder runterkommen muss, weil ich natürlich im Moment etwas überdreht bin, zu wenig schlafe, etc.

    Also dann: Vielleicht bis irgendwann noch mal.

  11. vuvuzela//riotqueer März 27, 2013 um 10:02 pm

    In deiner Anonymität hier die Bereitschaftspolizei bzgl. Rechts-philosophischen Deutungen eines ‚irr_gen‘ einen Leviathan von Thomas Hobbes in die Nationalsozialistische Aufarbeitung von Kelsen zu Carl Schmitt, hat eh nur eines zum Vorschein gebracht, dass es keine Opfer-Pathologien hinsichtlich der Einzelschuld-These der damaligen rot-grünen Bundesregierung geben konnte, und die derzeitigen Unions-Frauen auch nicht weiter wissen, als links sich die Kritik aneignen als Werkzeug um Rechts nach zu bessern und Führung eines vollend verblödeten Gemeindewesens. Tut mir Leid, in Zeiten wo die sozial_demokratische Individualisierung hinsichtlich von §§ 129 ganze Territorien blamieren, ist das hier eher wohl ein hetero_sexistisches Ausscheren bzgl. erlittenen Gewalterfahrungen und folgenden Diffamierungen.

    Meine 5 Cent!

  12. 00l0l00 März 27, 2013 um 10:40 pm

    @ Vuvuzela:

    Wie soll ich denn als Schwuler heterosexistisch sein? Oder meinst Du internalisierte Homophobie?

    Keine Angst, Vollmond ist ja morgen schon wieder vorbei. Dann bin ich wieder ruhig, und Du kannst auch wieder normal in den Spiegel schauen, ohne Selbsthass abwehren zu müssen.

  13. vuvuzela//riotqueer März 27, 2013 um 10:46 pm

    Mann sollte in all seinen positiven Erscheinungen auch ein wenig an Paragraphen der deutschen Geschichte denken können, wenn es um körperpolitische Deutungen geht. Und ich denke ganz klar ‚ja‘, ein sich als homosexuell begehrender Mensch auch hetero_sexistisch bzw. Ausschluss_mechanismen re_produzieren kann. Nur so meine Minute im Gedenken an den tollen Anschlag am 27.3.1993 in Weiterstadt..für einen emanzipierten Umgang mit sozial determinierten Bildern.

    http://www.scarleteen.com/

  14. 00l0l00 März 27, 2013 um 11:01 pm

    Natürlich, das würde ich ja auch niemals abstreiten. Ich hatte lange genug Homophobie bzw. Heterosexismus auf die eine oder andere Weise internalisiert. (Da gibt es nämlich zwei Möglichkeiten bzw. zwei einander entgegengesetzte fixe Identitäten: die Internalisierung und positive Umbewertung des Stereotyps – oder die Verkehrung des Stereotyps in ihr Gegenteil, um sich der Mehrheitsgesellschaft anzupassen. Beides ist Fremdbestimmung und Identitätsverlust).

    Aber warum Du ausgerechnet jetzt, wo ich mich davon befreie, mir eben diese unterstellst, gibt mir Rätsel auf.

    Ich schreibe davon, seinen Willen nur intuitiv von der Liebe führen zu lassen, schreibe von einer utopischen herrschaftslosen Gesellschaft, und Du glaubst, Leviathan darin wiedererkennen zu können. Den ich noch nicht einmal gelesen habe.

    Ich ziehe mich jetzt aber hier zurück, denn eben lief „Born to be wild“ im Radio. Das hat mich ein wenig aus meiner inneren Mitte geworfen. Die Dualität, Du verstehst. Wild ist die Evolution. Da geht’s um Fressen oder gefressen werden. Wild war ja auch der Adolf.

    Jetzt läuft gerade Toto: „Hold the line. Love isn’t always on time.“ So ein Mist aber auch. 🙂

    Pass nur bitte auf, dass der Leviathan nicht anfängt, Dich zu steuern, ohne dass Du es merkst.

    Ist nur lieb gemeint.

  15. momorulez März 27, 2013 um 11:15 pm

    Sorry, ihr zwei, dass ich das erst morgen in Ruhe lesen kann und dann ggf. moderieren, antworten und so. Der Tach heut war hart, irgendwie.

  16. 00l0l00 März 27, 2013 um 11:39 pm

    Kein Problem, war ja auch sehr viel. Du musst Dich nicht entschuldigen. Was ich hier gemacht habe, bewegte sich ja wohl auch ein wenig an der Zumutbarkeitsgrenze. Alles Liebe, gute Nacht, und träum was Schönes.

    Hey, jetzt läuft gerade: „Let it be …“

    Whisper words of wisdom …

  17. Fuchur März 29, 2013 um 9:51 pm

    Was wir brauchen, ist eine Post-Postmoderne, die alles miteinander vereint und mit Dekonstruktivismus ebenso flexibel spielen kann wie mit allem anderen. Die sich auch den Dekonstruktivismus nicht als Identität aneignet. Denn die Postmoderne ist ja auch nur ein KInd ihrter Zeit. Also irgendwie auch modern und irgendwie auch wieder typisch abendländisch. Das schlechte Gewissen und die Beichte der Kinder der Kolonialisten, der Katholiken und der Nazis.

    Wir brauchen eine Philosophie der Liebe. Ich weiß nicht, ob Du mich noch verstehen kannst, Momo, denn ich habe nicht Philosophie studiert. Wir sprechen nicht dieselbe Sprache – und ich habe Deine Bedenken ja auch manchmal erst im Nachhinein verstanden. Ich scheine Dich nicht mehr ereichen zu können und gebe gleich vielleicht dann auch auf. Für den Moment.

    Wer weiß, welche Beweggründe Du hast. Oder auch ich. Ich hoffe nur, ich habe Dir keine Angst gemacht, denn das war nie meine Absicht. Meine Perspektive war nur eine andere als Deine, weil mein ganzer Lebensweg ein anderer war. Scheinbar. Ich habe Deine Verletzbarkeit nicht mehr gesehen, weil Du immer so laut geschrieen hast wie mein rasssistischer, sexistischer und homophober Vater, der mir immer schon die Welt erklären wollte. Wer hat Dir nur so weh getan?

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