Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Na, stolz darauf, Genosse Schröder? Jubeln Sie, Herr Bundespräsident Gauck, und schreien laut „Freiheit!“?

HARHARHAR, liebe FAZ.

 

„In der „Sozialen Marktwirtschaft“ sollen am Ende alle ihren Nutzen haben. In ihr muss niemand mit dem Mittel der Einschüchterung arbeiten. Nur: Warum braucht Amazon dann eine Sicherheitsfirma namens H.E.S.S? Mitarbeiter dieser Firma, so wurde in dem Beitrag deutlich, bewegen sich im rechtsextremen Milieu und bedrohten die recherchierenden ARD-Journalisten. Vielleicht, weil nur so das Amazon-Geschäftsmodell sicherzustellen ist? Mit der „sozialen Marktwirtschaft“ hat das jedenfalls nichts mehr zu tun.“

In was für einem Wolkenkuckucksheim neoliberaler (im ursprünglichen Sinne, also auch ordoliberal) Lehrbücher lebt ihr denn eigentlich? Mal was von Empirie gehört? Das, was seit der „Wieder“vereinigung als „soziale Marktwirtschaft“ auftrumpft, Sozialsysteme den Deutschen, „Asylanten raus!“, und Gängelung, Entmündigung, Entrechtung, Erpressung und Nötigung mittels Hartz IV für die, die den Herren Steinbrück, Müntefering, Fischer und Frau Merkel nicht den Gefallen tun, einfach zu verrecken, obwohl die keiner braucht in der der durchfunktionalisierten Republik, bringt dergleichen geradezu notwendig hervor. Und jeder, der die SPD, die Grünen, die CDU und die FDP und natürlich auch die NPD gewählt hat, die als systemstabilisierender Faktor dazu gehört, hat dazu beigetragen und ist mitverantwortlich.

Was treibt denn wohl spanische „Wanderarbeiter“ hierher? Bestimmt nicht die ach so hehre „deutsche Kultur“. Vielleicht eine späte Prägung mancher derer durch Francos Klerikalfaschismus, okay. Aber vor allem eine mittels Hartz IV forcierte Niedriglohnpolitik mit nach unten offener Skala, da braucht man doch nur den Artikel lesen, da wird es deutlich.

Das neoliberale Programm ist ja Ludwig Erhardt in der Hinsicht treu geblieben, dass der Staat als Möglichkeitsbedingung kapitalistischer Schweinereien fungiert. Was eben das Gegenteil von Demokratie und Grundrechten ist. Und die Lohnverzicht proklamierende und die ehemalige Sozialhilfe mit Arbeitslosenhilfe zusammen legende Politik hat so Verhältnisse geschaffen, dass die Produktivität so hoch und Lohnstückkosten in Deutschland so niedrig sind, dass südeuropäische Länder nicht mehr konkurrenzfähig sind.

So zwingt man die „Wanderarbeiter“ in solche Situationen. Und es kann mir auch keiner erzählen, dass das aus Versehen passiert, das weiß doch jeder, dass im Sinne des Modells China im Sinne des Kapitals Politik gemacht wird. Dass Rechtsextreme das Ganze flankieren und absichern, das war auch schon vor 33 und ist immer so: Es sind immer die Kirchen und die Rechten, die je unterschiedlich flankieren. Die einen, indem sie karitative Kompensationen entern und betreiben, die anderen, um die Besitzstände des zugleich bedrohten Bürgertums abzusichern.

Das haben Propagandisten wie die Bertelsmann-Stiftung und Akteure in der Exekutive wie die zuvor genannten zu verantworten, was da in Bad Hersfeld abgeht. Interessant übrigens auch das Warten auf die „unbefristeten Verträge“. Genau diese „Hire & Fire“-Möglichkeit wurde gezielt forciert und wird so übrigens auch und gerade von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten betrieben: Besteht die Gefahr, eine Festanstellung einklagen zu können, gibt es keine Aufträge mehr für die „Fest-Freien“, wenn ich richtig informiert bin. Also mal an die eigene Nase fassen, liebe ARD.

Nun bin ich doch noch Marxist genug, um der These, dass die Produktivkraftentwicklung treibende Kraft der gesellschaftlichen Dynamik ist, doch ein wenig zu  vertrauen. Auch durch Distributoren wie Amazon, Youtube usw. verändern die sich nämlich schon. Weil es neben dem Zentrallager (der ARD zufolge ja im buchstäblichen Sinne) eben auch noch den „Amazon-Marketplace“ gibt, der kleineren Akteuren neue Verkaufsflächen bietet. Weil z.B. der eBook-Markt für den  kleinen Buchhändler um die Ecke zwar Scheiße ist, aber eine bis dato unbekannte Autonomie der Werkgestaltung bietet und eben auch die Möglichkeit, nicht unerheblich mitzuverdienen. Weil ich tatsächlich über diese Plattform schon häufig in Antiquariaten eingekauft habe, zu denen ich auf normalem Verkehrswege nie käme. Und die meisten Buchläden meine Special-Interest-Bedürfnisse oft nicht bedienen können.

Das ist ein wenig wie bei Apple: Einerseits stehen die Produktionsbedingungen zu recht unter Beschuß. Andererseits ermöglichen Apps und „Logic“  tatsächlich eine Demokratisierung der Musikproduktion. Was denen, die unter schlimmsten Bedingungen die Rohstoffe abbauen, auch nicht weiter hilft. Insofern kann ein Bad-Hersfeld gleich um die Ecke zwar schockieren; jene Länder, die gezielt destabilsiert werden, um Bodenschätze bestmöglich sich unter den Nagel reißen zu können auf dem afrikanischen Kontinent, seien dabei nicht vergessen. Weil alles mit allem zusammen hängt in der Ökonomie.

Mit erstaunt dennoch das Erstaunen. Wer gegen Hartzi IV nix macht, erntet Bad Hersfeld. Ganz einfach.

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5 Antworten zu “Na, stolz darauf, Genosse Schröder? Jubeln Sie, Herr Bundespräsident Gauck, und schreien laut „Freiheit!“?

  1. lichterkarussell Februar 14, 2013 um 12:29 pm

    Oder auch: Ganz normal Kapitalismus. Vielleicht findet ja irgendwann dieses unerschütterliche wie falsche Grundvertrauen in die „soziale Marktwirtschaft“ als „gutem“ Kapitalismus ein Ende. Allein der Glaube fehlt. 3-4 Tage raffen sich die Empörten auf und finden, dass man SO mit Menschen ja nun wirklich nicht umgehen darf und dann geht alles weiter seinen Gang…

  2. momorulez Februar 14, 2013 um 12:40 pm

    Zudem, wie sagte ein Facebook-Alliierter so treffend:

    ‎“Irgendwie witzig, aus Kapitalismus einen lokalisierbaren Skandal zu machen und das Gerücht zu verbreiten, bei entsprechender Betätigung der „Konsumentenmacht“ könnte die Plusmacherei ein menschliches Antlitz erhalten. Moral – das gute Gewissen der Klassengesellschaft.“

    Man ändert am Struktuellen NIX, wenn man nun irgendwo anders die Bücher bestellt. Und auch bemerkenswert, dass sich über kasernierte „Asylbewerber“ oder Flüchtlinge, die von Polizisten mit rechtsradikalen Tendenzen drangsalisiert und irgendwann abgeschoben werden, ja auch kaum noch wer interessiert, und wer sich dafür interessiert, wird vom Verfassungsschutz als „linksextrem“ beargwöhnt. Der zugleich mit V-Leuten in den „Dönermorden“ mit drin hängt. Erst flächendeckende Dehumanisierung und Funktionalisierung betreiben und dann bei so einem einfach typisch für bestimmte Strukturen sich etablierenden Subsystem auf einmal entsetzt tun ist wirklich ein Witz.

    Dafür wird aber unter Garantie keiner die politische Verantwortung nehmen. Die bewerben sich derweil aus dem Bundestag heraus um eine möglichst bequeme Managementposition bei Amazon.

    Ich hasse ja selbst diese Rhetorik gegen die „Quasselbude“, weil die so auch von rechts möglich ist und nun tatsächlich zum Ende von Weimar beitragen hat.

    Insofern besteht ja der eigentliche Appell darin, die Politik zu repolitisieren. Was die aktuellen Protagonisten eben nicht ausfüllen, und die Exekutive tut auch alles dafür, dass das so bleibt.

    Ist echt NOCH schlimmer geworden in den letzten zwanzig Jahren. Die Lücke zwischen Verfassungsbegründung und sozioökonomischen Realitäten ist derart klaffend geworden, dass man sich echt fragt, wer da bei der FAZ eigentlich schreiben darf. Totalisierte Ideologie.

  3. momorulez Februar 14, 2013 um 1:24 pm

    Hier noch mal zur Bestätigung des oben Geschriebenen:

    http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36094&key=standard_document_47527877

    Stützt, was ich meinte. Und dass die Gewerkschaften abgedankt haben und in ihren Läden selbst oft auch die gleichen, neoliberalen Programme durchziehen nach allem, was man so hört, gehört zum Problem mit dazu.

    Interessant auch der Punkt, dass es quasi Saisonarbeiter sind, die „vergleichweise gutes Geld verdienen“ und denen vor allem die Security zu weit ging. In anderen Fällen, auf dem Bau, beim Spargelstechen, gibt es nicht noch schlimmere Bedingungen?

  4. vuvuzela//riotqueer Februar 15, 2013 um 12:29 am

    Sorry Momo,…ich schweife sehr gerne meine technokratischen Fühler in deinem Stadtteil-Blog farbenfroher Literarischen,..baer ich kann immo nicht,…das Gefühl der a_sexualisierung bei einem Bier zum Schwung des örtlichen Rufes bei den Cops, lässt mich wirklich omni_Männer_potent an einem Komplex scheitern: das Kommunikationsphänomen nach ‚Unity!‘

    Ich weiss jetzt nicht welche _protestantische Lehne in welchen Squat auch immer,..aber geht nicht, ein Generationen-Konflikt baut sich auf! Und das ist auch _gut_ sooo….Salaam verehrter Momo A_llah!

  5. basti Februar 27, 2013 um 10:21 am

    Auch alles nur Halbwahrheiten. Ich komme naemlich aus Hef und arbeite dort

    Zum Anderen: Ich glaube kaum das Deutschland niedrigere Loehne hat und deswegen die Suedlaender nicht mehr Konkurenzfaehig sind.

    Andere Laender haben eben nicht so ein Niveau wie Deutschland, besonders im Maschinenbau. Ausser die Schweiz

    Konkurenzfaehig waren andere Laender noch nie. Es gibt eben in Griechenland keine nennenswerte Industrie, von Werften mal abgesehen.

    Es hat schon seine Gruende wieso alle deutsche Autos fahren wollen. Kennt jemand auch nur eine griechische Automarke??

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