Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Auch noch mal hier: Hört lieber Jazz, als in DIE ZEIT oder bei SpOn zu lesen!

Ich meinerseits habe aktuell echt ein Problem, mich noch mit diesen ganzen „meinungsführenden“ Heinis irgendwie schriftlich auseinanderzusetzen. Solche, die sich reihenweise als auch nur welche, an denen man sich produktiv abarbeiten kann, disqualifizieren. Solche, die einfach nur mächtig und machtbewusst Unsinn daher schwadronieren, um Andere ganz im Sinne des Sadismus des Autoritären Charakters herabwürdigen zu können.

Es kann mir auch keiner erzählen, dass die diLorenzos, die Massen durchgeknallter Antifa-Kids, Ex-Autonomer, Tsianos, Roenicke, Außenminister des Vatikan nicht selbst genau wissen, dass ihre ganzen Rassismus- und Homophobie-Legitimationsdiskurse obsolet sind und sie die Gegenargumente nicht in und auswendig kennen würden.

Das mag vielleicht bei irgendwelchen hirngewaschenen, vermeintlich Unpolitischen in Fankurven noch so sein, dass ihnen keiner Angebote machte, mal ein klein wenig vom eigenen Erfahrungshorizont zu abstrahieren und zu respektieren, dass Andere auch andere Erfahrungen machen als sie selbst.

Aber nicht bei diLorenzo, Fleischhauer oder Hacke. Das sind einfach solche, die es schon auf dem Schulhof witzig fanden, den Dicken oder den Brillenträger zu hänseln, weil die so lustig heulten, wenn sie ordentlich gemein wurden, und die wider besseren Wissens dann diese ganzen boshaften und erniedrigenden Pamphlete auch noch als „kritischen Journalismus“ behaupten.

Gedankenlosigkeit, die totale Befreiung von jeglicher Emphatie, als „Humor“ getarnter, menschenverachtender Zynismus – eben alles sehr, sehr deutsch. Shehadistan hatte Recht, auf den Faschismushintergrund zu verweisen.

Um so großartiger die nicht verebbende Mühe des Mädchenmannschafts-Teams, sich damit auseinanderzusetzen. Danke!!!

Ich freue mich meinerseits über das Zeitungssterben, wünsche SpOn den baldigen Konkurs und diLorenzo die Notwendigkeit, irgendwann Friede Springer allsonntäglich vollschleimen zu müssen.

Gestraft genug ist ja eh schon; wer so denkt und so lebt wie diese Typen hat eben auch nicht viel vom Leben, sondern simuliert es allenfalls. Weil es in diesen Biographien den Anderen nicht gibt, sondern nur den Rekurs auf Sätze, Regeln und Auflagen. Arme Schweine halt.

38 Antworten zu “Auch noch mal hier: Hört lieber Jazz, als in DIE ZEIT oder bei SpOn zu lesen!

  1. Hannah Januar 18, 2013 um 5:14 pm

    Ich weiss echt nicht, was die vielfältigen von dir genannten da oben miteinander gemein haben. In der Auseinandersetzung um das Nobordercamp waren Quertzu und ich auf der gleichen Seite wie Tsianos, bestimmt aber nicht auf der Fleischhauers. Und woher willst du wissen, wie bestimmte Journaillisten als Schüler waren?

  2. momorulez Januar 18, 2013 um 5:39 pm

    Schön, dass Du wieder vorbei schaust!

    Es sind einfach ähnliche Abwehrargumente, die sich da flächendeckend abbilden. Und die qwertzu so gar nicht formulieren kann als Betroffene. Und dann ergab sich die Paradoxie, dass sie sich von mir als Weißem „kanackisiert“ und auch nicht ernst genommen fühlte im Sinne einer mir diagnostizierten „White Supremacy“-Haltung, was ja sehr gut sein kann, dass ich die eingenommen habe, obwohl ich eigentlich das Gegenteil intendierte. Da aber gleichzeitig die Frage nach der Sprecherposition sehr vehement zurück gewiesen wurde, habe ich das in meinem Kopf nicht mehr aufgelöst bekommen. Dann habe ich PoC-Freunden davon erzählt, und sie meinten, das wäre doch alles super, eben wie im wahren Leben und nicht in irgendeiner abgehobenen Theorie. Und ich gab mich hin dem Gefühl, irgendetwas nicht verstanden zu haben und vielleicht lieber erst mal Musik machen zu lernen …

    Ich müsste jetzt echt noch mal in die Texte gehen, in dem aktuellen Fleischauer tauchen Argumente auf, die, wenn ich mich recht entsinne, auch bei Tsianos auftauchten – z.B. bei der Frage, was denn nun mit den russischen „MigrantInen“ ist. Was eben eine Derailing-Strategie darstellt, eine Relativierung, wie wenn Frau Roenicke über ihre Diskriminierung als Ostdeutsche herum lamentiert, wenn es um Noahs Buch geht, und bei Fleischhauer kommt dann das Spritzgebäck.

    Was man mir ankreiden kann, aber ich mache mich heute eh überall unbeliebt, ist, dass ich den Außenminister des Vatikan da hinein geschmuggelt habe.

    Woher ich das mit den Schülern wissen will? Das ist eine Mutmaßung; was ich gut kenne, ist dieser Schlag Leute und dass die eben so ticken – wenn jemand „Aua“ schreit, schlagen die erst recht zu und finden das witzig und provokativ und fühlen sich als große Tabubrecher. Und es ist doch frappierend, wie sie dann auf ihre Titel das N-Wort schreiben und einfach keinen einzigen Gedanken verschwenden, wie es Betroffenen dabei geht oder aber dann die Nummer mit den „Berufsbetroffenen“ auspacken. Diese Mentalitäten sind allgegenwärtig seit den 80er Jahren und typisch deutsch. Die würden solche Texte nicht schreiben, wenn sie das eh schon Diskriminierte ärgern nicht witzig fänden.

  3. futuretwin Januar 18, 2013 um 8:57 pm

    Du weisst doch gar nicht inwieweit qwertzu anders betroffen ist als Tsianos.

  4. momorulez Januar 18, 2013 um 10:02 pm

    Doch, natürlich, das hat sie doch selbst geschrieben. Und Tsianos kommt zwar aus dem „Kanack Attack“-Umfeld, aber das war ja nun gerade Sujet, dass aus den „türkisch-postmigrantischen“, diese Zuschreibungen sind alle doof, wenn sie von mir kommen, als auch aus deren Umfeldern mir zumindest massive Entsolidarisierungen in Richtung Schwarzer erschienen, was mir dann denn vermutlich ebenfalls richtigen Vorwurf einbrachte, nun fängst Du hier aber an, „teile und herrsche“ zu betreiben – vom Kommentator Alex kam aber eine ähnliche Perspektive. Und Tsianos hat äußerst dezidiert die Sprecherposition als relevantes Kriterium zurück gewiesen und fällt nach allem, was ich weiß, auch nicht unter PoC, was auch wieder gar nicht geht, dass das von mur kommt, das ist ein Zitat von Betroffenen.

    Ich weiß auch gar nicht, ob ich die ganze Debatte im nachhinein als geglückt, völlig daneben, mit oder ohne Erklärungswert sehe und weiß auch echt nicht, ob das hier der Punkt ist, der einen weiter bringt. Tsianos, den Außenminister des Vatikan und Fleischhauer eint das Sich-Bedienen aus der rhetorischen Trickkiste eines vermeintlichen Antitotalitarismus von rechts. Dass also, wenn Marginalisierte, Diskreditierte und eh Zeit ihres Lebens Entwürdigte es wagen, auch mal die Regeln vorzugeben, sofort die ganze Kanonade von „Unterdrückung“, „Zensur“, „Mund verbieten wollen“ abgefeuert wird, dass unsinnige Vergleiche zur Entwertung von Erfahrungen angeführt, die Erfahrungen selbst als irrelevant abgetan werden und letztlich in immer nur normativ-kontrafaktisch anzunehmendes, formales Gleichheitskriterium als faktisch gegeben behauptet wird unter Ausblendung tatsächlicher Macht- und Dominanzverhältnisse. Was ein klassischer Trick der US-Rechtsliberalen und der dort agierenden wackeren Kämpfer gegen „Political Corectbess“, ursprünglich selbst ein Kampfbegriff der politischen Rechten, ist. Auf den wie auf Knopfdruck selbst vermeintliche Sozialrevolutionäre umschalten, wenn es um Privilegiensicherung geht. Und was all das betrufft, sehe ich in der Rhetorik keinen Unterschied zwischen Fleischhauer und Tsianos oder Roenicke und den „Bissigen Liberalen ohne Gnade“.

    Das will aber keiner wahr haben. Das ist reines Einschüchterungsverhalten und eine Machtdemonstration. Wie eben auch das Titelbild gestern auf DIE ZEIT. Das ist eines der drastischen Machwerke bundesdeutscher Publizistik überhaupt, mich hat das richtiggehend schockiert.

  5. futuretwin Januar 19, 2013 um 11:18 am

    Meiner Meinung nach hatte qwertzu nichts geschrieben, was daraufhingewiesen hätte, dass sie in anderer Form als Tsianos betroffen ist. Müsste ich jetzt nochmal nachgucken.
    Aber hier sind wir wieder mittendrin in dem, was sie genau nicht wollte, nämlich in „Opferhierarchien“. Ich werde trotzdem nochmal aufzählen, wo sie sich meiner Erinnerung nach „positioniert“ hat: nichweiße Deutsche, Nichtmuslima. Das wars.

  6. MelusineB Januar 19, 2013 um 11:58 am

    Der Tipp ist gut! (Besser Jazz als Greiner, Fleischhauer und Co.). Manchmal springt´s eine aber beim Vorübergehen am Kiosk so an! Leider! Aber ich arbeite dran. Das zu ignorieren. Mich mit dem zu beschäftigen, was mich interessiert, statt mich an diesen Leuten abzuarbeiten.

  7. momorulez Januar 19, 2013 um 6:51 pm

    @Futuretwin:

    Das hat meines Erachtens mit „Opferhierachie“ nix zu tun. Tsianos ist in ziemlich drastischer Weise auf PoC los gegangen und hat dabei meines Erachtens eine 1 a-White supremacy-Haltung eingenommen.

    Und nicht-weiße Deutsche, ja.

  8. momorulez Januar 19, 2013 um 7:01 pm

    @Melusine:

    Bei Facebook wurde darauf hin gewiesen, dass das zu einer Entsolidarisierung von den ja tatsächlichen Opfer von diLorenzo, Fleischhauer und Co führen könnte und Widerstand gegen Print-Gewalttäter eben auch notwendig sei, jeder aber seinen eigenen Ressourcenhaushalt habe. Stimmt ja leider auch. Weils eben auch ein Privileg ist, sich nicht drum kümmern zu müssen.

    An Jazz hören sollte das freilich nicht hindern 🙂 – schon deshalb, weil da ganz kräftig auf dem Hochkultur-Feld gewildert wurde und dieses zugleich filettiert und zerlegt wurde. Und guckt man sich, nachdem man z.B. John Coltrane gehört hat, Typen wie den Vorzeige-Trottel Fleischhauer und sein karrikaturhaftes „Ich bin bei Markus Peichls Montblanc-Füller stehen geblieben und lebe seitdem die progressive Regression“-Grinsen anguckt, kann man über so viel Clowneskes, Stilloses , Verlogenes und Grobes in einer Person nur noch schallend lachen.

  9. momorulez Januar 19, 2013 um 7:20 pm

    http://blog.derbraunemob.info/2013/01/19/zur-aktuellen-n-wort-debatte-stimmen-der-vernunft/

    Zu Kiyak muss ich wohl doch was schreiben. Oder einfach Shehadistan zitieren in einem eigenen Eintrag. Das ist nämlich mutmaßlich das gleiche wie bei Tsianos.

  10. momorulez Januar 19, 2013 um 7:34 pm

    Hier schon mal der Link auf Shehadistan – um noch mal auf die Russinnen und das Spritzgebäck zu kommen: Natürlich wendet auch Frau Kiyak die Methode, die IMMER in solchen Texten steht. Gegen Ende ihrer nicht verlinkbaren Kolumne kommt dann, ob man dann noch Märchen mit Prinzessinnen verlesen „dürfe“. Weil natürlich all die so grausam diskriminierten Prinzessinnen in Deutschland mit gewalthaltigen Stereotypen belegt werden, oder wie?

    http://shehadistan.wordpress.com/2013/01/19/liebe-meyi-kiyak/

  11. momorulez Januar 19, 2013 um 8:29 pm

    PS: Es gibt natürlich viele Möglichkeiten, „Prinzessin“ gekoppelt an bescheuerte, frauenfeindliche Sichtweisen zu verwenden. Ist aber nicht das gleiche wie das hier ansonsten diskutierte Wort, das ja schon deshalb nie neutral verwendet worden sein kann, weil es kein Äquivalent für Nicht-Markierte, Weiße, gibt, das mit ähnlicher historischer Wucht diskreditieren würde.

  12. vuvuzela//riotqueer Januar 20, 2013 um 4:39 am

    Yo Momo,..ich habe dich und dein Blog als literarischen Support für die stille Verbundenheit zu einem St.Pauli, der hier so unheimlich lebendig bleibt, verstanden,..Hallo aus Hamburg-Bramfeld,..ich möchte jetzt nicht auffallen hinsichtlich nur fragmentarische Er_innerungen hinsichtlich Zweisamkeit und//oder Kollektivität eines sehr singularen Gebildes innerhalb der all_sonntäglichem Austausch der Gemeinden zu einem Phänomen, einer gegenwärtigen Kritik der Kommunikationen, da im Alter der ‚Hardcore-Sex‘ dann doch als Erklärungsansatz kein Jazz, aber einem ’soulfly‘ suggeriert,..denn als wissenschaftlicher Ansatz dann doch Hierarchisierung den Ausschluss von der ‚Pornografie der Gesellschaft‘ der Attentats_punkt etwaiger ‚Frauenrechtlerinnen‘ mal eben eine Generation akademischer Neuerfindungen zur Politik zumindest versucht zu gestalten.

    Denn mal ehrlich, eine Politik des Defizit_kapitalismus und ewigen ‚bereit‘ sein zur absoluten Null-Aesthetik, hat mich am Samstag wirklich mit einer gewissen Vorfreude auf ein literarisch_geschwungenes ‚drunken sailor‘ -hier- ja hier – ‚Metalust‘ ‚out of it’….kommen lassen.

    Habe nämlich absolut kein Plan zur Thematik! Aber ein Ohr auf der Schienen des queer_feministischen Feuilletons!

  13. somluswelt Januar 20, 2013 um 8:08 am

    Es ist echt so krass, als der Newsletter der Zeit in mein E-Mail einlief, war ich schockiert. Jetzt lese ich das N-Wort auch noch bei der „wir möchten so gern gerettet werden“ Fr. Seit Jahren wird über Erwerblose verächtlich geschrieben (Schmarotzer etc.). Jetzt seit dieser Woche haben die Gazetten endlich einen Weg gefunden, das N-Wort wieder groß rauszubringen. In gewissen Kreisen wird über Feministinnen in einer Art und Weise gesprochen und geschrieben, die unglaublich ist (Fem-N*zis usw.). Der ganze Neusprech, der ohne zu Zucken von den Gazetten gedruckt wird.

    Ziemlich übel das alles, immerhin spare ich inzwischen dauerhaft das Geld für ein Zeitungsabo. Wenn die Fr untergeht, mir der ich mich noch immer ein bisschen verbunden fühle, weil ich mit ihr aufgewachsen bin, ist es auch nicht wirklich schade. Das Format, dass sie mal hatte, ist eh verloren.

    Der Punkt ist für mich nicht, dass Menschen diese Worte verwenden, sondern, dass sie abgedruckt und vervielfältigt werden und dass es im Mainstream offensichtlich so ein „Tabubrechen-Ding“ zu geben scheint. In deren Augen ist political correctness so eine Art rigides authoritäres Regelwerk, das es zu bekämpfen gilt und nicht die Bezeichnung den Versuche inklusiver zu sein. Irgendwie macht es auf mich den Eindruck, dass hier gegen die falschen Authoritäten gekämpft wird. Aber solange man die „Sprachpolizei“ bekämpft, muss man ja auch nix sinnvolles mit seiner Energie anfangen.

  14. momorulez Januar 20, 2013 um 12:48 pm

    Das isses ja, dieses imaginiert gegen „Autoritäten“ z.B. beim N-Wort anzuschreiben, zeigt einfach, wie recht Adorno damit hatte, dass man von der Mündigkeit verdammt weit entfernt ist – ja nicht nur in westlichen Gesellschaften, liest man die von den USA gepimpten Muslimbrüder, isses ja nicht anders.

    Dieser ganze Rekurs auf „dürfen“ und „nicht dürfen“, als habe jemand die Macht, etwas zu verbieten in solchen Fragen, ist schon Zeichen dessen, dass die nach Kohlberg allesamt auf einer kindlichen Stufe der Moralentwicklung stehen geblieben sind. Die pubertieren gegen etwas an, was es gar nicht gibt. Nimmt man noch Gilligans Kritik an Kohlberg hinzu, dann ist einfach frappierend, dass so etwas wie „nicht verletzen WOLLEN“ und überhaupt frei entscheiden zu können, wann man verletzen will und wann nicht, bei denen gar nicht möglich ist, weil die so verblendet sind. Darum geht es ja in dem „Insert Insult here“ auf dem Noiseaux-Album. Ich will hier ja auch eifrig zurück verletzen, weil ich echt ein wenig unter Schock stehe – kurz hintereinander diesen vatikanischen Außenminister und das unsägliche Titelbild von DIE ZEIT, das hat mich echt ausgeknockt, auch, weil den Außenminister ja wie üblich niemand zur Kenntnis nimmt. Ein solidarischer Aufschrei aus den PoC oder auch den feministischen Communities bleibt da ja auch aus. Schwule und Lesben sind eh längst vogelfrei und Verhandlungsmasse. Und, wo wir hinter unter uns sind: Aus dem Feminismus heraus gab und gibt es halt auch krass schwulenfeindliche Perspektiven. Teils völlig zu recht, wie im Falle der Mahnmaldebatte, die wir ja auch schon hatten. Aber diese „Pink Swastika“-Nummer, das 3. Reich als schwules Projekt, das habe ich zuerst bei Feministinnen gelesen. Das wurde wie die Dworkin eifrig von Evangelikalen adaptiert. Und das gehört schon auch ins Thema hinein, weil in Deutschland eh alles aufs „3. Reich“ bezogen ist und es christliche Mütter- und Frauenverbände waren, die gegen die Knef in „Die Sünderin“ protestierten. Zu recht? Ich glaube nicht. Wo ja tatsächlich der männliche Blick Thema ist, ein Maler malt eine nackte Frau – dann geht die Kamera aber auf Hildes Gesicht, nicht irgendwelche Körperteile, und zeigt ihre Verletzlichkeit.

    Ich meine damit ausdrücklich NICHT Hinweise wie den oft Zitierten von Dir, auch Schwule hätten ihre Rolle im Patriachat zu reflektieren. Natürlich haben sie das.

    Bin noch etwas wirr, sorry. Ich kriege das noch nicht ganz sortiert, was ich gerade denke und bin emotional ziemlich verstört von dieser ganzen Diskussion. Auch, weil da ja sehr vieles zur Disposition steht, was prägend für die Biographie ALLER weißen Nachkriegsdeutschen war, eben all diese Methoden, sich ein Lernen aus dem „3. Reich“ zu bescheinigen. Darum geht es ja – die Kinderbücher, mit denen WIR aufgewachsen sind, waren doch was ganz anderes als unter Adolph! Waren sie auch, aber trotzdem ist bis in die Popkultur hinein, in die Hochkultur hinein, in ALLE Mainstream-Medien hinein diese rassistische Matrix eben einfach allgegenwärtig. Das meint ja Noah mit dem „Wir sind alle Rassisten“.

    Die heteronormative aber auch.

  15. somluswelt Januar 20, 2013 um 1:50 pm

    Du hast vollkommen recht mit dem „dürfen“ und „nicht-dürfen“, das fällt der erwachsene Menschen, der eigene Entscheidungen trifft und sagt, „ich will nicht“, vollkommen hinten runter. Auch dass wir ein Teil von Strukturen sind, an denen wir natürlich nicht „Schuld“ sind, für die wir aber heute verantwortlich sind, im Sinne von so weitermachen oder Widerstand leisten und sei es nur im „Kleinen“.

    Klar, gibt es unter Lesben* Schwulen*feindlichkeit, wie auch nicht, du weißt schon Männer* und Frauen*. Das mit dem „Pink-Swastika“ kenne ich nicht, guck ich nachher mal nach.

    Ich kann deine Verstörung gut verstehen, irgendwie rollt da eine übele Welle nach der anderen und ich sitze fast sprachlos da. Die ganzen Diskussionen vor 30 Jahren müssen wieder geführt werden. Das schockiert mich besonders, wie sollen wir denn auf etwas aufbauen können.

    Und es geht offenbar noch tiefer. Scheinbar hat die Existenz des Internets zu einer Verschärfung geführt – ist zumindest mein Eindruck – vor 30 Jahren konnte man mißliebige Meinungen gut wegignorieren – so ist es ja auch gekommen, dass irgendwie so viele Feminismus nur mit A. Schwarzer assozieren – also im Mainstream. „Tabubruch“ sag ich nur. Ich merke beispielsweise, dass ich mit meinem Beitrag zu meinen Experimenten gegen Gewalt im Öffentlichen Raum offenbar ein Tabu gebrochen habe. Nicht so ein vorgeschobenes, wie der Aufmacher bei der Zeit. Sondern ein echtes. Und werde dann in den Trollkommentaren darauf hingewiesen, ob es sich nicht lohnt, sich für eine bessere Gesellschaft einzusetzen. Da werden munter die Ebenen ge- und verwechselt, ich kann da nur noch bass erstaunt vor sitzen. Soviel Verleugnung und Selbstverleugnung ist mir total fremd.

    Und das ist die Sache mit dem Priviegien, das können „die“, weil sie nur bei Widerstand, nur bei der Vorstellung, dass sie möglicherweise von einer unbekannten Frau* einfach so aufs Maul bekommen könnten, merken, dass es bedrohlich ist. Aber sie können das nicht antizipieren, es geht immer nur um sie und ihr Wohlbefinden und es ist ihnen halt irgendwie ein bisschen unwohl dabei, dass Bücher geändert werden.

    Ich bin auch ein bisschen wirr, ich hoffe das macht nix.

    Gerade bei Büchern, tz. die Eingriffe in Bücher via Lektorart und Verlag sind eh schon so krass. Nur ein Beispiel, ich habe hier zwei „Versionen“ des Kunstseidenen Mädchens stehen, die, die seit dem 2. Weltkrieg publiziert wurde und die ursprüngliche nicht geglättete Version. Und das ist nur ein Beispiel von Hunderten und da heulen die rum weil, ein Wort aus einem Buch entfernt wird, dass hunderten Kindern* schmerzhafte Erfahrungen verpasst und das überhaupt nichts am Buch ändert? Ich kann das nicht fassen.

    Heute lief über Twitter, dass irgend so ein bescheuerte homophober Richter entschieden hat, dass verpartnerten Menschen nicht dasgleiche Kindergeld zustehe, wie verheirateten. Zu krass, von wegen Kindeswohl, heuchlerische Bande.

  16. momorulez Januar 20, 2013 um 2:53 pm

    Du schreibst gar nicht wirr, bin in allem bei Dir! Auch bei dem Tabubruch mit Deinem Text – ich hatte, ganz männlich privilegiert, diesen permanenten Zugriffsanspruch, durch Gewaltandrohung flankiert, dem Frauen ausgesetzt sind, ja auch bis vor gar nicht so langer Zeit auch noch nicht vollumfänglich geschnallt. Da habe ich auch viel aus Nadines Texten gelernt, von Dir auch.

    Deshalb ist das Netz aber ja auch eine Möglichkeit, bestimmte Sachen überhaupt erst zu thematisieren. Und dadurch schnallt man dann, wie vieles im Verborgenen wuchert, das man überwunden glaubte.

    Dieses Urteil ist deshalb skandalös, weil da wider besseren Wissens die CDU-Progrmmatik über die Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichtes als oberstem Gericht gestellt wird. Den Richter müsste man echt wegen Rechtsbeugung angehen.

  17. somluswelt Januar 20, 2013 um 3:19 pm

    „Deshalb ist das Netz aber ja auch eine Möglichkeit, bestimmte Sachen überhaupt erst zu thematisieren. Und dadurch schnallt man dann, wie vieles im Verborgenen wuchert, das man überwunden glaubte.

    Ja, das hast du recht, ein gutes Abbild unserer Gesellschaft in allen Belangen. Ich glaube, das ist es auch, was mich so schockiert, dass eben nix überwunden ist und dass offenbar, wie du mal argumentiert hast, die Kohljahre ihren Beitrag dazu beigetragen haben, dass es jetzt wieder quasi von vorn losgeht.

  18. momorulez Januar 20, 2013 um 3:25 pm

    Ist, glaube ich, wirklich so. Dessen „Die Gnade der späten Geburt“ ist flächendeckendes Drecksbandentum geworden. Und würde jemand wie Weiszäcker genau die gleiche Rede halten, die er ’85 hielt, der Shitstorm von Augstein bis zu DIE WELT wäre ihm sicher und er müsste zurück treten.

  19. Hannah Januar 20, 2013 um 4:46 pm

    @Tsianos ist in ziemlich drastischer Weise auf PoC los gegangen und hat dabei meines Erachtens eine 1 a-White supremacy-Haltung eingenommen.

    Hat er das? Wenn ich lese, was Du über den so schreibst so gewinne ich den Eindruck, die griechische und türkische community in Deutschland bringe sich gegen die Schwarzen in Stellung und Tsianos sei dabei ein Exponent. Das ist absurd. Die ganze Auseinandersetzung von Leuten wie Tsianos und Bernau mit RS ist eine Diskussion innerhalb eines antirassistischen, mit Flüchtlingen solidarischen Spektrums um den richtigen Weg. Das Nobordercamp stellte dabei eine Aktionsplattform dar. Vom Camp aus sollten Flughafenterminals blockiert und Abschiebungen notfalls handgreiflich verhindert werden. Die das organisiert haben sind seit vielen Jahren in funktionierenden sozialen Netzwerken tätig, die bemerkenwert wenig hierarchisiert, sehr frei von Paternalismus sind. Da arbeiten Flüchtlinge, sonstwie Migrierte und Weißdeutsche sehr solidarisch zusammen. Die Wenigsten wollten sich auf dem Norbordercamp Soziodramen mit Claqueren und chormäßigen UnterbrecherInnen reintun. Die RS-Leute, großenteils nicht aus der Flüchlingsszene, sondern junge Studierende, viele mit Fach Afrikawissenschaften, sind rücksichtslos in die gewachsenen Zusammenhänge der Flüchtlingszene reingeknallt und haben mit all der Arroganz, zu der studentische Zirkel so fähig sind da ihre Performance durchgezogen. Tsianos hat das, wie ich finde zurecht kritisiert. Es gibt ja schon Stimmen die meinen, RS hätten da als Contras gewirkt: Beschäftigung mit sich selbst, um die Aktionen gegen Abschiebungen gar nicht erst stattfinden zu lassen. Das halte ich allerdings für paranoiden Blödsinn.

    Aber Tsianos jetzt mit Fleischauer und Solchen in einem Atemzug zu bringen, das geht gar nicht.

  20. momorulez Januar 20, 2013 um 5:12 pm

    Na ja, der Paranoia gescholten zu werden, das bin ich als Schwuler gewöhnt 🙂 – die Pathologisierungsstrategie hat einst zu Lobotomien geführt.

    Ich kenne einen aus diesen Zusammenhängen, die Du beschreibst, persönlich, und der ist das paternalistischte und verlogenste Arschloch, das ich kannte.

    Ansonsten kann das ja alles in der praktischen Arbeit so sein, wie Du beschreibst. Das kann ich nicht beurteilen und freu mich ja, wenn das so ist.

    Ich kenne ja nur dessen Texte, und das sind liberale Traktate, Relativierungen, und sie sind politisch gefährlich. Und sie stimmen inhaltlich mit dem überein, was im Migazin und bei Frau Kiyak sich findet. Und bei Fleischauer und diLorenzo und Hasse. Kann ja sein, dass er ansonsten ein ganz toller Typ; Kommentator Alex hat das damals ähnlich verortet, Kommentator Hassan fand es wie Du blödsinnig. Kann aber nicht schaden, da mal drauf zu achten.

  21. futuretwin Januar 21, 2013 um 9:04 am

    Hannah schrieb, dass sie es für paranoiden Blödsinn hält, dass die RS als Contras gewirkt hätten. Du warst also gar nicht gemeint.

  22. futuretwin Januar 21, 2013 um 9:53 am

    Und was deine konstruierte Gegenüberstellung von qwertzu und Tsianos angeht: Ich denke, dass Tsianos durchaus auch als Nicht-Weißer gelten kann. Aber merkst du, wohin wir grade kommen? Das sind Diskurse á la „wer hat die gerechtfertigtste Sprecherposition im ganzen Land?“, Diskurse also, die analog zu Rassismen funktionieren können. Überspitzt formuliert: Wenn qwertzu dunkler ist als Tsianos, darf sie dazu eher was sagen. Merkste was?
    Und ich erinnere auch an Loellies Kommentar gegenüber qwertuzu, in der er ihr eine „Ich bin doch kein N*“-Haltung unterstellt hat. Dabei war der Witz an der Sache ja der, dass sowohl Tsianos als auch qwertzu sich explizit gegen solche Diskurse verwahrt haben.
    Das ist ja die Stossrichtung ihrer Kritik an CW. Klar, sind bei Tsianos kritikwürdige Formulierungen drin. Es ist halt die Frage, ob mensch ihn gleich in einen solche Kontext stellen muss, wie du das getan hast.

  23. momorulez Januar 21, 2013 um 10:55 am

    Siehste mal, so paranoid bin ich 😉 … und nein, das was Du glaubst, dass ich es zu merken hätte, hättest Du schon bei der letzten Diskussion selbst merken können: Herr Tsianos weißt die Sprecherposition als relevantes Kriterium zurück, dann kann er sie auch schlecht in Anspruch nehmen. Der Satz, dass er nach gängigen Kriterien gar nicht unter PoC fallen würde – nicht-weiß -, stammt nicht von mir, sondern von PoC selbst. Qwertzu changierte, sie fand in manchen Fällen die Erfahrungsdimension relevant und nahm sie in Anspruch, in anderen nicht. Da, wo sie sie es nicht tat, habe ich auch nicht darauf Bezug genommen. Das sind ja keine theoretischen Fragen. Hier hat jahrelang ein homophober Jude mit kommentiert. Er hat darauf nie Bezug genommen, lediglich 1 mal in einem anderen Blog, dann spielt es auch keine Rolle.

    Zudem diese „Ich bin doch nicht schwul“-Haltung bzw. eine, die vor allem damit beschäftigt ist, nach bundesdeutschen Kriterien „normal“ zu erscheinen, nun mal existiert. Ich hätte das so wie Loellie nicht geschrieben; es taugt aber vielleicht dazu, ein Problem, das real existiert und das nur Diskredierte so überhaupt haben können, zu erhellen.

    Und ja, man muss diese Leute in genau diese Kontexte stellen, weil sie einfach alle die gleichen Argumentationsmuster bedienen, die mir aber so was von aus beiden Ohren raus kommen.

  24. futuretwin Januar 21, 2013 um 11:37 am

    Mit anderen Worten: qwertzu und Tsianos sind vielleicht in gleichem Maße betroffen von Diskriminierung, aber da qwertzu dies thematisiert, ist sie von Tsianos zu unterscheiden. Obwohl beide ganz ähnliche Meinungen vertreten, verurteilst du dies jedoch nur bei Tsianos. Dabei sind die Selbstpositionierungen qwertzus m.E. eher diskussionsimmanent, will sagen: sie hat das eher zu Veranschaulichungszwecken getan. Vermutlich hätte sie es sogar bevorzugt, ganz von der Sprecherposition zu abstrahieren, das ging in der Diskussion jedoch nicht. Es gab da für sie (vielleicht auch nur aus rethorischen Gründen) einen gewissen Druck, sich zu positionieren und kaum gab sie diesem nach, wurde sie von dir anders in der Debatte verortet. Gesetzt den Fall, Tsianos hätte hier mitdiskutiert und ähnlich argumentiert, hätte er u.U. nur deshalb nicht die gleiche Behandlung erfahren, da wir ja wissen, wie er aussieht und auch von PoC wissen, das er jedenfalls keiner ist.

  25. momorulez Januar 21, 2013 um 11:54 am

    Nein, der Unterschied ist der, dass Tsianos im Zuge einer mutmaßlich organisierten Kampagne von Indymedia über Analyse und Kritik bis hin zu Freitag und taz zur Diskreditierung „Critical Whiteness“ die Sprecherposition ganz generell als obsolet bezeichnete, die bei dem Ansatz nun mal eine große Rolle spielt und dass er selbst nun tatsächlich Schwarzen, was keine Frage des Verdunkelungsgrades, sonder eine soziale Zuweisung ist, gegenüber eine „White Supremacy“-Haltung eingenommen hat. Und das mit Argumenten, die einfach protoptypisch für die Diskussion sind und zusammen mit anderen, die auf Universitätssesseln Platz genommen haben. Das es so was wie ein kollektives „Diskussionsklima“ gibt, Zeitgeist, wie auch immer, haben die allesamt auch zu so Unsäglichkeiten wie dem aktuellen Titel auf DIE ZEIT nachhaltig beigetragen. Und das inmitten der Linken.

    Mit Qwertzu habe ich hier die ganze Zeit ein intensives Gespräch geführt. Das ist doch noch mal was ganz anderes, und ich habe da ja auch offenkundig was verbockt, was ich zu verstehen versuche. Ist mir bisher noch nicht gelungen.

    Und natürlich gilt für Tsianos AUCH, wie der sich positioniert. Aber der ging ja so weit, dass „Weißsein“ gar keine Rolle spiele, sondern „Deutschsein“. Klar sieht er das als unter „Grieche“ verortet so, weil er eher mit „Südländer“-Klischees belegt wird. Er hat das aber explizit so gedreht, dass er eine schwarze Perspektive marginalisiert hat. Das gibt es aber schon noch Unterschiede, weil Platon und Aristoteles weiterhin einen ganz guten Ruf haben, das Osmanische Reich auch in vielen Köpfen eine Rolle spielt – diese „geschichtslose Primitivisierung“ und „Identifikation mit Natur“ kennt der aber offenkundig gar nicht und behauptet es als irrelevant für die hiesige Diskussion. Das sind schon eine Menge Klopper, die viel stärker generalisieren, Qwertzu ist ja bei den No Border-Camp-Leuten geblieben, wenn ich mich recht entsinne.

  26. futuretwin Januar 21, 2013 um 12:21 pm

    Du hast ja auch recht, da gibt es problematische Sachen. Ich habe nur immer das Gefühl, du bist bei qwertzu in so eine Art Positiv-Rassismus-Falle reingetappt, die gerade bei Critical Whiteness auftreten kann.

  27. hannah Januar 21, 2013 um 2:41 pm

    Dass indymedia, AK, Freitag und taz sich zu einer Kampagne gegen CW verabredeten, das anzunehmen halte ich allerdings für völlig abwegig. Und Tsianos referierte lediglich eine Diskussion, die seit längerer Zeit bei den Antirassismusgruppen läuft. Da geht es um die Nichtübertragbarkeit des US-Konzepts von Critical Whiteness auf Deutschland und Schengenland allgemein. In den USA und GB erfolgt Diskriminierung primär anhand der Hautfarbe. In Deutschland gibt es aber zum Beispiel einen von tiefer Verachtung erfüllten Rassismus gegen Menschen aus Russland und Osteuropa auch bei Leuten, die vielleicht mit Türken oder Schwarzen keine Probleme haben. Einweisungen in Lager und Abschiebungen werden anhand (mitunter auch fehlender) Papiere vorgenommen, nicht nach Hautfarbe.

  28. momorulez Januar 21, 2013 um 3:32 pm

    @futuretwin:

    Das kann ja sein, wobei es „Positiv-Rassismus“ eh nicht gibt. Und ich meine mich eher zu erinnern, dass ich das bei ihr völlig verständlich fand, dass sie von Fall zu Fall das mal relevant fand und mal nicht. Aber das sagt sie uns ja vielleicht selbst noch.

    @Hannah:

    Ich halte das für so abwegig nicht, weil das doch sehr geballt und am Stück kam in den verschiedenen Medien. Und diese Nicht-Übertragbarkeit halte ich einfach für falsch. Es gibt natürlich krude Stereotype über „Slaven“ (und „Asiaten“) ja auch, der Arier ist aber eben weiß. Für mich ist das einfach Derailing, weil Du bis in die Kunstgeschichte hinein, insbesondere bei „Les Fauves“ und den Expressionisten, bei Picasso auch, eben eine koloniale Struktur hast, die hier sowieso immer weg geschoben wird, z.B. Joschka Fischer und die Hereros. Und das ziemlich Scheiße ist, einer Schwarzen gegenüber zu sagen: „Komm, ey, der alltägliche Rassismus, den Du erlebst, spielt doch gar keine große Rolle angesichts der Polenherabwürdigung.“ Das ist genau die Quäl-Methode, mit der PoC hier ganz alltäglich mundtot gemacht werden und übrigens von Kindesbeinen an von Polizeiseite kriminalisiert werden. Das ist einfach eine ungeheure Überheblichkeit, Menschen ihre Erfahrungen abzusprechen, weil es besser in das eigene Herkunftstkonzept passt.Und es ist um so kruder, das auch noch zu behaupten, wenn man das Titelbild von DIE ZEIT gesehen hat. Das ist einfach falsch und reproduziert das, was Weiße sowieso seit Jahrhunderten mit Schwarzen anstellen.

  29. futuretwin Januar 21, 2013 um 3:57 pm

    „Das kann ja sein, wobei es “Positiv-Rassismus” eh nicht gibt.“

    Wo würdest du den „edlen Wilden“ denn einordnen?

    „Ich halte das für so abwegig nicht, weil das doch sehr geballt und am Stück kam in den verschiedenen Medien.“
    Das Thema war auf der Agenda, da braucht es keine aktiver Verabredung, dass kommt mir jetzt auch etwas weit hergeholt vor. Aber das prinzipiell bestimmte Sujets thematisiert werden ist auch nicht völlig zufällig. Vieles hat wohl auch mit dem No-Border-Camp zu tun.

  30. momorulez Januar 21, 2013 um 5:05 pm

    Der „edle Wilde“ ist nichts als ganz ordinärer Rassismus. Das ist wie die Behauptung eines „Schwulenkultes“, der von der NPD über Migazin-Autoren bis hin zu irgendwielinken Bloggern immer wieder unsinnnigerweise und vorzugsweise von Heterosexuellen behauptet wird. Das heißt einfach „Halt die Schnauze“ und „Mach Dich mal nicht so wichtig“.

    Dieser Mythos vom „Positiv-Rassismus“ ist gerade im CW-Zusammenhang sogar gemeingefährlich. Sinn und Zweck ist ja, dass Weiße los lassen und ihr historisch manifeste und sich in konkreten Beziehungen reproduzierende Definitionsmacht über das Sein Schwarzer (und der First Nations, der „Latinos“, der „Asiaten“ usw.) mal ausnahmsweise nicht nutzen, um Betroffene darüber aufzuklären, was Rassismus sei und was nicht, auf dass sie nun auch da noch mit aller Macht durchdrücken, was ihnen gerade in den Kram passt. Sondern das Personen, denen jede eigene Sprache ausgetrieben wurde, mal wieder selbst zu Worte zu kommen, was eben fast nie und nirgends passiert. Und dass man sich als Weißer klar macht, wann man in Dominanzverhalten über geht, um stattdessen einfach mal zuzuhören. Ich verstehe ja immer nicht, dass Menschen zuhören als Unterwerfung begreifen. Und wie sehr in unserer Gesellschaft Menschen auf dem Standpunkt von Kindern gehalten werden, das zeigt sich immer, wenn das ganze „dürfen“ und „verbieten“-Vokabular auf den Plan tritt. Dazu hat kaum ein Schwuler, kaum ein Schwarzer, mittlerweile ein paar mehr Frauen überhaupt die Macht und Sanktionsmöglichkeit. Das sind infantile, kindliche Filme, die dann ablaufen, weil die meisten gar nicht autonom genug sind, WEGEN DES ANDEREN das ja zu WOLLEN, ihm Raum zu lassen.

    Während umgekehrt die Geschichte Weißer darin besteht, Schwarzen zu verbieten und zu erlauben. Die läuft doch immer mit, diese Geschichte. Ich komme hier auch nicht mit Lobotomie in erpresserischer Absicht um die Ecke, das haben Heten mit Schwulen gemacht. Das ist nicht weg aus irgendeiner Kommunikation, dass die so was machen, wenn sie sich zusammen rotten. Deshalb kann man sich auf drauf verlassen, dass, wenn man deren Spiel nicht mit spielt, sehr schnell beleidigte Leberwürste mit irgendwelchen Psycho-Diagnostiken um die Ecke kommen. Diese Psychiatrisierung wird als Drohung aufrecht erhalten, und manche Blogs sind voll mit Diagnostiken hinsichtlich meiner Person. Das weiß man aber vorher, dass das kommt.

    Und mit „Positiv-Rassimus“ um die Ecke zu kommen ist einfach die Wiedereroberung der dominanten Position, weil Du damit ja indirekt qwertzu entwertest.

    Da nun so einen gigantischen publizistischen Aufwand zu betreiben, diese recht simplen Erwägungen zu diskreditieren, das finde ich völlig absurd. Das reiht sich einfach nahtlos ein ins eh schon waltende, rassistische Regime.

  31. hannah Januar 21, 2013 um 5:07 pm

    Und das ziemlich Scheiße ist, einer Schwarzen gegenüber zu sagen: “Komm, ey, der alltägliche Rassismus, den Du erlebst, spielt doch gar keine große Rolle angesichts der Polenherabwürdigung.” Das ist genau die Quäl-Methode, mit der PoC hier ganz alltäglich mundtot gemacht werden und übrigens von Kindesbeinen an von Polizeiseite kriminalisiert werden.

    Das sind jetzt aber verschiedene Bedeutungsebenen auf einmal. „Komm ey“ und so weiter hat niemand gesagt, um diese Teileundherrschepraxis ging es in der ganzen Diskussion nicht. Sondern um unterschiedliche Rassismen. Antisemitismus ist auch nicht an der Hautfarbe festgemacht. Antiraprotest richtet sich vor allem gegen behördlichen Rassismus, und da hängt in Deutschland nunmal sehr viel an der Staatsbürgerschaft. Racial profiling, das von der Polizei aufgrund des Äußeren praktiziert wird ist natürlich genauso Scheiße und betrifft auch PoC mit deutschem Pass, keine Frage. Vielleicht ist mein Blickwinkel auch durch die Perspektive „ohne deutschen Pass“ geprägt, keine Frage dass ich das subjektiv sehe.

  32. momorulez Januar 21, 2013 um 5:32 pm

    Es ist aber so, dass Schwarze mit deutschem Pass eben AUCH diskreditiert werden. Der Sohn meines Kompagnons darf sich gerade prophylaktisch (!!!) polizeilich erkennungsdientslich behandeln lassen, weil er eben nicht weiß ist. Dabei waren das Marginalien, die bei keinem weißen Jungen aus Blankenese je solche Folgen hätten. Aber das schreibst Du ja. Und Deine Subejktivität des Erlebens ohne deutschen Pass ist nun ja genau so erheblich. Es gibt da ja keine Hierarchien, es geht darum, dass Du den Raum für die Relevanz Deiner Erfahrung mit all den politischen Forderungen, die da dran hängen, erhälst – PoC aber eben AUCH. Was normalerweise nicht klappt, weil irgendwelche Weißen ihnen ständig die Welt erklären.

    Und es geht darum in CW. Dann lange Texte schreiben, in dem über den Umweg der Flüchtlingsthematik mal eben das Thema gewechselt wird, um sich mit CW nicht weiter beschäftigen zu müssen, nur weil man dann nicht mehr der Platzhirsch beim Nobordercamp ist, das ist einfach zum Kotzen. Das heißt ja nicht, nun die Flüchtlingshilfe für obsolet zu erklären, das ist ungemein wichtig und toll. Aber man es nicht dazu nutzen, andere Fragen von der Tagesordnung zu streichen.

    Antisemitismus wurde traditionell übrigens sehr wohl an Bildern des Archaischen und Orientalismen in der ganzen Ikonographie fest gemacht. Das ist vorsichtshalber vergessen worden. Zunächst wurden orthodoxe Juden in drastischem Vokabular als vormodern gebrandmarkt, und irgendwann waren dann die „Getarnten“ die Schlimmsten in den Augen der Hetzer. Es wurde ihnen auch ganz wie Schwarzen diagnostiziert, sie könnten nicht „kulturschöpferisch tätig sein“, sondern würden nur schmarotzen. Nein, es war nicht die Hautfarbe, sondern die Nase und bezeichnerweise auch „Wulstlippen“. Aber auch da sind zumindest Bezüge herstellbar. Es gab die Diaspora-Erfahrung und die Zwangstaufe und Verfolgungen, aber ja z.B. auch NICHT die Geschichte der Sklaverei. Und es werden halt Schwarze gerne für dumm erklärt, während man Juden „zersetzenden Geist“ und besondere „Verschlagenheit“ diagnostizierte.

    Natürlich gibt es erhebliche Differenzen, aber „weiß“ ist eben nicht nur die Hautfarbe, sondern auch das Kultivierte, Zivilisierte – anders als Tschaikowsky und diese „Mongolen“, so hieß es einst – „edle“, „feine“, diese ganze seit der Renaissance auf eine bestimmte Art idealisierte Physiognomie, die sich auf die Antike berufen hat. Wovon die Karrikaturen der Antisemiten deutliche Abweichungen inszenierten. Es gibt da viele Unterschiede zwischen Antisemtismus und Rassismus gegenüber PoC, ja, Aber dadurch wirst Du „weiß“ als Kategorie ja nicht los.

    Der Text passt gerade sehr gut:

    http://buehnenwatch.com/uber-den-artikel-die-kleine-hexenjagd-von-ulrich-greiner-in-der-aktuellen-zeit/#.UP1kd6hKkb4.twitter

    vor allem, wenn man zu der Passage mit Gauguin herunter fährt. Ich habe den Scheiß in DIE ZEIT ja gar nicht erst gelesen, das macht ja so noch nicht mal die „Junge Freieit“. Da hat Herr Greiner aber mal wieder ganz tief in die Rassismus-Kiste gegriffen, um sich zu munitionieren. Deshalb ja „Critical Whiteness“ – gerade bei einem Gaugin kann man ja mal anfangen. Da muss man nicht stundenlang Schwarzen einen vom Pferd zu erzählen, da hat man sich die eigene Geschichte anzugucken.

  33. momorulez Januar 22, 2013 um 12:15 pm

    Noch so einer:

    “Das politisch korrekte Sprechen ist eine Sprachstellung der bürgerlichen Verklemmungen.”

    Für einen offenen, unverklemmten Rassismus, sozusagen. Auch einer aus der Kanak-Attack-Richtung, die ich ja bisher gut fand; da hatte der Alex damals wohl recht mit seinem Kommentar.

    http://erenguevercin.wordpress.com/2013/01/20/die-sprachhygieniker-konnen-uns-schreiber-mal/

    Im Tagesspiegel wird gar das “Ende der Literatur durch Zensoren” beschworen. Die sollten sich mal wieder mit der Realität von Zensur beschäftigen – die ging mal von staatlichen Stellen mit Gewaltmonopol aus, ihr Pappnasen. Und findet als Schere in den Köpfen von Chefredakteuren, öffentlich-rechtlichen Senderverantwortlichen (Schwule bitte nicht am Nachmittag) usw. aus, bei der Besetzung von Universitätsstellen usw., ganz alltäglich.

  34. Ludwig Januar 25, 2013 um 2:16 pm

    Für notorische Facebook-Verweigerer: Diese Mely Kiyak-Fanseite kann man auch ohne Facebook-Account ansehen.
    https://www.facebook.com/FansAndFriendsOfMelyKiyak
    mit momorulez, Sehrmin Langhoff, Mekonnen Mesghena, sheadistan…

    Die exakt gleiche Kolumne von Frau Kiyak in der „Junge Freiheit“ mit Familienministerin „Kristina Schröder“ als Autorin, die ganzen selbsternannten Anti-Rassisten und Moralapostel würden toben.
    Der Staatsschutz würde schon längst ermitteln wegen Verdacht auf Volksverhetzung.
    Aber es war eben eine muslimische, links-grüne, türkische Migrantin in der Frankfurter Rundschau.

    Von der Frau Kiyak hätte ich das nie erwartet!

  35. momorulez Januar 25, 2013 um 2:57 pm

    Was sind denn „selbst ernannte Antirassisten“? Gibt es da irgendein Ernennungskomitee, das ansonsten zuständig wäre und autorisiert? Und ich glaube, mich deutlich wie hier als auch bei Facebook geäußert zu haben. Es mag Dich vielleicht verstören, dass auch postmigrantische von niemandem zu besseren Menschen erklärt wurden noch ein homogenes Meinungsspektrum aufweisen, ist aber so. Von Frau Kiyak hätte ich dergleichen auch nicht erwartet.

    Und diese verquatschte Anspielung auf Treitschkes Antisemitismus redigiere ich Dir jetzt weg. Diese alberne Triumphgeheul ist ja schon Selbst-Demütigung genug.

  36. Ludwig Januar 26, 2013 um 12:01 pm

    “selbst ernannte Antirassisten”

    „…Es mag Dich vielleicht verstören, dass auch postmigrantische von niemandem zu besseren Menschen erklärt wurden…“

    Kann mir aber nicht vorstellen, daß sich die Verteidiger der Frau Kiyak auf dieser Facebookseite als Rassisten bezeichnen würden! Hab auch mal ein paar Facebook-Accounts von denen angesehen: Das sind Bilderbuch-Linke: z.B. Prenzlauer Berg-Grüne/Die Linken, Dresden Nazifrei, gegen Homophobie in Russland, APO…Dazu am Besten noch der richtige Migrationshintergrund und Glaube.
    Es sind die Besseren Menschen, die zwar niemand „offiziell“ dazu erklärt hat. Sie sind es aber, genau so wie es einmal die Pfaffen waren.

    Lese Deinen Blog schon länger und ich kann mich noch dunkel an einen Kommentar von Dir hier erinnern. Es ging um ne Aussage von Noah Sow, die sich „fast“ wieder die alten Zeiten mit den CSU-Spießern als ihre „Feinde“, Gegner… zurückwünscht.
    Ich glaube nach einer Mely Kiyak, „Die Zeit“,… wünschen sich diese alten Zeiten ein paar Leute mehr zurück.

  37. momorulez Januar 26, 2013 um 5:59 pm

    Es ist leider wirklich so, dass gerade in den skizzierten Milieus sich ganz besonders fiese Formen des Rassismus, der Homophobie und des Sexismus heraus gebildet haben, das stimmt tatsächlich. Und dass man bei der irgendwie klareren Haltung Konservativer manchmal besser klarkommt als mit den verlogenen Narzißmen dieser irgendwie Linken, die unter ihrer bornierten Oberfläche viel fieser sind. Da braucht man ja nur in die Blogs ehemaliger Kommentatoren hier gucken. Die sind ja nicht umsonst einer nach dem anderen raus geflogen. Schwarze Freunde von mir fahren z.B. auch nicht mit diesem linken Hamburger Taxiunternehmen, das früher auch immer bei Demos mit gefahren ist, weil, so wörtlich, sie keinen Bock auf diese Rassisten haben. Das ist ja so eine klassische Status-Umkehr-Situation, weil der weiße Deutsche Schwarze als Taxifahrer, aber nicht als Fahrgast erwartet. Es ist auch kein Zufall, dass die Debatte gerade in DIE ZEIT so krass los getreten wurde. Guck Dir den Greiner doch an. Das sind exakt die Nasen, die überall quälen. Zensur. Was für ein Schwachsinn. Der Typ veröffentlicht seit Jahrzehnten auflagenstark. Und dass diese Boulevardisierung der ZEIT seit diLorenzo, die bewegen sich ja auf dem Mopo ’89-Niveau, NICHT als „Zensur“ begriffen wird, die erzwungene Popularisierung oder der Quotendruck bei RTL , das ist auch typisch für die Gesamtscheiße.

    Kiyak ist diese typische Aufsteiger-Nummer: Da fassen erste Einzelne aus marginalisierten Gruppen Fuss in hegemonialen Räumen und treten sofort nach „unten“. Das erlebst Du bei Schwulen, die glauben, sie seien „etabliert“, genau so.

    Man muss allerdings umgekehrt sagen, dass nun in den Milieus, die wir meinen, trotzdem die Mœglichkeit besteht, dass steter Tropfen den Stein höhlt. Das erlebe ich in der FC St. Pauli-Community ja auch, seitdem ich da wahr genommen werde. Da ist in vielen Köpfen zumindest in meiner Wahrnehmung auch echt was in Bewegung gekommen. Und das wirst Du bei Konservativen so nicht erleben.

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