Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Die Ehe als Gefahr für die Familie“

Um auch auf Mails zu reagieren, die ich zu dem Eintrag von heute mittag bekommen habe: Somlu hatte vor geraumer Zeit ein Modell ausgebuddelt, an dem unter anderem deutlich wird, wie unglaublich fantasielos und eben rein gar nicht „universell“ oder „natürlich“ diese Vater-Mutter-Kind-Nummer als Lebensform ist.

Daraus lässt sich halt entnehmen, dass das, was der Papst predigt, nicht Gottes Wille sein kann – sondern Freiheit, Erotik, Kreativität, Vielfalt und so viel Wunderbares, das man leben kann, weil es glücklich macht, dem entspricht 🙂 ! Ganz unabhängig davon, ob man an Göttliches glaubt oder auch nicht.

Somlu über die Moso:

 

„Ihre wichtigen Bezüge definieren sich über die mütterliche Linie und die wichtigen männlichen Bezugpersonen für Kinder sind die Brüder der Mütter. Meist leben mehrere Generationen von Frauen, Brüdern, Onkel in einem Haus. Liebe zwischen den Geschlechtern leben sie auch und ausführlich, aber diese Beziehungen haben keinen Einfluß auf die gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturen, da sie die Ehe nicht kennen, sondern leben, was die Anthropologie Besuchsbeziehungen nennen. Dies bedeutet, dass die Männer nachts die Frauen besuchen und morgens als Brüder und Onkel in ihre Familie zurückkehren, wo sie ihr sonstiges emotionales und ökonomisches Zentrum haben. Die Liebhaber spielen für das ökonomische Überleben der Frauen keine Rolle. Kinder kennen heutzutage zwar ihren Vater aber es hat keine weitergehende Bedeutung für sie.“

Das ist schon eine exquisite Lösung – die romantische Liebe wird intensiv gelebt, die Kinder wachsen in einem konstanten Familienverband auf, und auch die Scharnierposition im kapitalistischen Wirtschaften, die die christlich-bürgerliche Konzeption von Familie innehat, also ordentlich zum Schuften gezwungen sein, um die überteuerte Vierzimmerwohnung bezahlen zu können, wird anders definiert:

Aber wenn die Gesellschaft der Moso auch kein Matriarchat ist, bemerkenswert ist sie dennoch. In vielen sogar patriarchalischen Gesellschaften sind Frauen häufig weit mächtiger, als die sozialen Konventionen glauben machen möchten. Frauen können Hosen anhaben, die Macht hinter dem Thron dastellen oder wie die Redensarten alle heißen; mit anderen Worten: sie können die Authorität an sich reißen, die idealerweise den Männern zusteht. Aber Mosofrauen tun nichts dergleichen. Sie sind die legitimen Trägerinnen der Familienauthorität, die Verwalterinnen des Reichtums der Familie, Miteigntümerinnen des Familienbesitzes und Herrinnen über ihren Stammbaum. Und nicht zuletzt besitzen sie auf dem Gebiet der sexuellen Beziehungen persönliche Rechte und Freiheiten, die im Rest der Welt unvorstellbar sind. Tatsächlich ist die Gesellschaft der Moso, abgesehen von den Beziehungen zwischen den Geschlechtern, einzigartig wegen ihrer Institution der Besuchsbeziehungen. Die Moso können mit Fug und Recht den Anspruch erheben, ein unsiverselles Problem der menschlichen Existenz gelöst zu haben, de Zweispalt zwischen Sehnsucht nach Sex unhd Liebe und den Anforderungen der Familienkontinuität und -ökonomie.

Wie der französische Anthropologe Claude Lévi-Strauss gezeigt hat, stellt die Ehe einen Mechanismus dar, durch den Blutlinien, Familiennamen, Reichtum nd andere Formen von Privilegien und gesellschaftlichen Status ins Werk gesetzt und legitimiert werden, Mit anderen Worten, die Ehe ist der Kleister, der die Gesellschaft zusammenhält.

Wenn andererseits die Ehe auf den Idealen romantischer Liebe, sexueller Harmonie und der Gleichheit zweier Individuen basiert, statt auf der Sorge um Erblinien und Eigentum, gerät die ökonomische Stabilität, ja die Einheit der Familie selbst in Gefahr. Wie unsere gegenwärtigen Scheidungsraten zeigen, ist die Liebe zwar ein hehres Ideal, aber eine schwache Basis für eine stabile Ehe.“

(Yang Erche Namu; Christine Mathieu: Das Land der Töchter, Ullstein: 2005, S. 273ff.)

Was auch noch mal den Zusammenhang zwischen Wirtschaftsordnung, Privilegienabsicherung und Rechtsinsititution erläutert. Wer was zu vererben hat, braucht auch Erben …

Wollen wir das rund um den FC St. Pauli einfach mal einführen?

 

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24 Antworten zu “„Die Ehe als Gefahr für die Familie“

  1. futuretwin Januar 15, 2013 um 1:57 pm

    Sehr interessant!
    Weiss nicht ob’s für mich eine Alternative wäre, immerhin würde das ja bedeuten, dass ich mit meinem homophoben Bruder bei meiner Mutter leben würde……
    Und die hat vier Schwestern und nur einen Bruder (da ihre Eltern so lange weitergemacht haben bis sie einen männlichen Erben hatten). Bei den Moso würde wohl eher weitergemacht bis auch Töchter da sind: sonst stirbt die Linie ja aus, fänd ich ja auch schade, so ohne Kind im Haushalt.

    Außerdem wäre mensch auf die Familie angewiesen, auf Gedeih oder Verderb. Auch nicht immer so schön.

    Gab es in Sparta nicht auch Besuchsbeziehungen? Aber eher rein zu Fortpflanzungszwecken?
    Während die klassischen Liebesbeziehungen eher schwul Kodierte waren? Da ging es ja darum, dass der Mann von der Frau ferngehalten werden sollte, da er sonst verweichlicht. Paradox, wenn das heutige Stereotyp ja eher Schwule als verweichlicht konstruiert. Aber durch solche Beispiele sieht mensch, wie „gemacht“ alles ist.

  2. momorulez Januar 15, 2013 um 3:06 pm

    Wer weiß, ob Dein Bruder in so einer Konstellation überhaupt so geworden wäre? Mit meiner Schwester wäre das gegangen, und interessant ist ja die Ablösung der „Fortpflanzungsfrage“ von der Rechtsinstitution und der romantischen Liebe – und auch, dass eine Struktur die Mutter auffängt und die nicht mit einem Kind einfach so alleine gelassen wird, was zumindest in Städten ja oft passiert. Auch, dass die Kids mehr erwachsene Bezugspersonen im besten Falle haben, was diese pathologische Hermetik, die in manchen Kleinfamilien vorherrscht, auflöst.

    Sparta weiß ich ehrlich gesagt nicht. Das Modell, das Foucault beschreibt, ist der ältere, erfahrene freie Mann, der sich eine Jüngeren auch zu didaktischen Zwecken als Liebesverhältnis wählt parallel zur Frau, die eben „privat“ ist und sich ums Heim kümmert. Eine ziemliche patriachale Nummer und wohl das Athener Modell, das es international aber, glaube ich, z.B. auch in Regionen Chinas, auch gab – so lange sich Mann um Haus und Hof kümmerte, war schnurz, womit er rum vögelt. Im I Ging tauchen allerdings auch Haupt- und Nebenfrauen auf.

  3. somluswelt Januar 15, 2013 um 6:16 pm

    🙂 schön, dass du die Moso noch mal ausgegraben hast. Und vor allem, dass du sie in diesen Kontext gestellt hast, dass sie eben der universalistischen Propganda den Boden entziehen.

    Meine Güte, was das in Frankreich läuft – wobei die Meldungen ja sagen, dass die Demonstrierenden nicht die Mehrheit darstellen. Und ich muss ja auch nicht bis ins Himalayagebirge gucken. Ich kann bequem und ohne zu zucken dutzende Leute anführen, die in der Mutter-Vater-Kind-Familie nur übels erlebt haben.

    Ich bin da auch bei dir, dass viele Probleme, die wir so kennen, möglicherweise so nicht mehr auftreten. Was die Generationenfolge angeht, futurewin, wenn ich das richtig verstanden habe, gehört den Frauen gemeinsam das Land und der Besitz und da die Moso innerhalb ihres Familienverbandes entscheiden, wer sich am besten eignet für das Oberhaupt (wer am meisten für andere sorgt und auf andere achtet), denke ich nicht, dass sie solange Kinder kriegen, bis ein Mädchen zu Welt kommt. Da ja immer mehrere Schwestern zusammen leben, stellt sich das Problem sicher nicht.

    Wenn dich das interessiert, ich habe in meinem Beitrag diverse Links zu und über die Moso gesetzt, da lässt sich sicher auch dazu was finden. Ich hatte die letzten Tage zu wenig Zeit, sonst hätte ich mal geguckt.

  4. momorulez Januar 15, 2013 um 7:54 pm

    Die Moso haben mich damals einfach schwer beeindruckt – das hat was sehr Schlüssiges – und da ich das in Frankreich, aber auch, was hier auf dem CDU-Parteitag abging wie auch die gesammelten Zerwürfnisse hier im Blog, der Rassisten-Stammtisch beim Don usw. doch als hochgradig bedrohlich erlebe und der Papst ja einfach ausspricht, was viele denken, nämlich die Vorstellung, es gäbe „natürliche Ordnungen“, ist es als realexistierendes Gegenbeispiel einfach prima. Kann man gar nicht oft genug auskramen, Klasse, dass Du es gefunden hattest!

  5. neumondschein Januar 15, 2013 um 9:12 pm

    Familienstrukturen stehen mit ökonomischen Verhältnissen in Zusammenhang. Statt der Moso hättest Du auch die ollen Germanen anführen können, die noch im 15. Jh. in matriarchalistischen Markgenossenschaften hausten. In der Neuen Welt waren vor der Landung Kolumbus‘ Volksgruppen, die nicht matrilinear organisiert waren, eher selten. Die Ethnologie kennt viele Formen von Familie, Ehe, und Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens. Die Hausfrauenehe der Adenauerzeit hat sich erst in jüngerer Zeit herausgebildet. Daß auch diese Eheform einmal verschwinden wird, und allgemeinen Alleinerziehendenelend Platz machen wird, zeichnet sich am Horizont schon ab. Die Moso werden bis dahin verschwunden sein. Schon heute trifft man überhaupt nur noch bei unmodernen Völkern matriarchalische Strukturen an. Die Moderne wird diese Strukturen aber bald hinwegfegen, zusammen mit ihren überlebten Normen des Gewohnheitsrechts wie Blutrache, „Ehrenmord“.

  6. futuretwin Januar 16, 2013 um 10:19 am

    Ich hab mal gelesen, dass gerade in frühen Ackerbau-Gesellschaften fast immer matrilinear vererbt wurde, allerdings möglicherweise aus dem etwas paranoiden Grunde, dass ja ein Mann nie sicher sein kann, dass der Nachwuchs wirklich „seiner“ ist, eine Frau hingegen in diesem Punkt sehr sicher ist. 😉
    Die patrilineare und auch patriarchaliche Geschichte kam meistens in Viehzüchter-Gesellschaften auf, wo nicht so sehr der Besitz an Ackerland im Vordergrund stand, sondern eben der Besitz der Viehherden. Die konnten auch leichter gestohlen werden, da war es wichtig, irgendwie kriegerisch rüberzukommen und das waren die „Macker dann am Start“. Kann aber ideologisch eingefärbt sein, die These, so nach dem Motto „Frauen taugen nicht für den Kampf“. Die Idee, dass ein Matriarchat zwangsläufig friedlicher wäre, halte ich ja tendenziell für differenzfeministischen Quark.
    Ich glaube mensch muss auch Matrilinearität und Matriarchat nochmal unterscheiden. Waren die Germanen wirklich matriarchalich? Oder nicht eher matrilinear?

    @somlu „denke ich nicht, dass sie solange Kinder kriegen, bis ein Mädchen zu Welt kommt. Da ja immer mehrere Schwestern zusammen leben, stellt sich das Problem sicher nicht.“
    Ein kleiner Denkfehler ist da drin, oder? Es muss überhaupt erstmal Schwestern geben. Wenn nur Jungs zur Welt kommen, stirbt die Linie aus. Das ist genau wie beim Patrilinearismus, nur eben umgekehrt. Ich denke, dass Problem stellt sich bei den Moso vermutlich deshalb weniger, weil die ohnehin mehr Kinder bekommen und dann praktisch immer auch Mädchen dabei sind. Könnte das sein?

    „Ich kann bequem und ohne zu zucken dutzende Leute anführen, die in der Mutter-Vater-Kind-Familie nur übels erlebt haben.“

    Das ist aber in jeder Form des Zusammenlebens denkbar, Matriarchat, Kommune, etc. Es geht ja immer darum, das mensch als Kind dem Haushalt in dem er/sie aufwächst immer auch erstmal ausgeliefert ist. Und die Kleinfamilienstruktur hat da halt für die/den Einzelne(n) den Vorteil, dass mensch da leichter rauskommt. Oft halt nur um dann selber den gleichen Fehler wieder zu machen: selbst mit dem Partner Kinder kriegen/adoptieren, die dann auch wieder dieser Umgebung ausgeliefert sind. Nur sieht mensch das dann durch ne rosa Brille: „Das ist ja jetzt mit MEINEM Partner, da wird alles viel besser, den liebe ich ja wirklich, wir sind nicht so wie meine doofen Eltern, die hinterher nur noch als Zweckgemeinschaft zusammenwaren.“ Allerdings ist das 1. nie garantiert, dass es so bleibt und 2. kommt es natürlich letztlich auf die Kinder an, wie wohl die sich dort fühlen.
    Jedoch unabhängig davon, ob mensch eine Familie hat, die um eine „romantische Zweierbeziehung“ organisiert ist oder in einer Struktur wie bei den Moso aufwächst: es kann dort immer auch scheiße sein! Mensch kann dort immer übles erleben!
    Interessant sind die Moso ja deshalb weil sie die RZB-Familien-Struktur nicht haben und so zeigen, dass diese nicht naturgegeben ist.(Nicht mal diese! Von der Heterokleinfamilie mal ganz zu schweigen.) Dafür sehe ich aber die Nachteile, die eine klassische Großfamilie auch hatte: auf Gedeih und Verderb dem Verein ausgeliefert in den man reingeboren wurde und nicht die Möglichkeit „was eigenes“ zu gründen mit Menschen die mensch sich ausgesucht hat. Das ist so ein Schmoren im eigenen Saft, dass ich da sehe.

    Ich erlebe es halt selber gerade, dass ich das Modell RZB in gemeinsamem Haushalt + Kind in Frage stelle, weil es bei uns nicht so richtig funktioniert, ich bin in die Kleinfamilie so reingerutscht, geplant war meine Tochter nicht, schon das Zusammenziehen war keine Topidee…..
    Und jetzt denke ich halt über so Sachen nach, wie Hausgemeinschaften: die Leute in WGs zusammen, die miteinander klarkommen, ansonsten aber auch die in räumlicher Nähe, die mensch mag, mit denen mensch aber nicht zusammen leben könnte. Bevor wir ein Kind hatten habe ich schonmal theoretisch rumgesponnen: So jeder eine Wohnung im selben Haus, das wäre es doch: dann könnten wir auch gemeinsame Kinder haben, blabla bla.
    Zuerst sind wir in den gemeinsamen Haushalt reingerutscht, weil mein Mitbewohner (ratet mal) zu seiner Freundin gezogen ist. Und dann in die Familie.

  7. momorulez Januar 16, 2013 um 11:18 am

    Über solche Sachen grübel ich als eigentlich sehr glücklicher Single-Haushalt (mit Hund), ich brauche einfach verdammt viel Raum für mich alleine, in letzter Zeit auch oft – wie alleine die Städte aussähen, wenn Arbeiten und Wohnen verzahnt wären und nicht diese Mikro-Strukturen den Raum teilten … in Kibbuzim haben sie es ja versucht, aber da gibt es recht erschütternde Dokus, wie das bei den Kids ankam. Trotzdem sind da ja völlig andere Modelle denkbar.

    Zu den Germanen sind die hier sehr sehr spannend:

    http://www.nornirsaett.de/

    Sozusagen die Anarcho-Version, um gegen die rechten Aneigner anzustinken.

  8. futuretwin Januar 16, 2013 um 1:38 pm

    „Arbeiten und Wohnen verzahnt“ Du meinst jetzt nicht die Tendenz zum Home Office, nehme ich an…… Die gibt es ja auch, aber irgendwie braucht man ja dann doch auch Austausch mit den Kollegen, als dass man auf Örtlichkeiten zum Arbeiten komplett verzichten könnte. Aber du meinst es grundsätzlicher nehme ich an?

  9. momorulez Januar 16, 2013 um 1:47 pm

    Ja, klar. Wir haben ein eigenes, kleines Häuschen, gemietet, das auf diverse Hinterhöfe mit Büros, Ateliers usw. hinaus geht. Wenn sich da Wohneinheiten verschiedener Größe, ein Platz für die Kids, Gemeinschaftsküchen usw. hin imaginiert, entsteht ein ganz andere räumliche Ordnung, wenn der Zusammenhang mit dem Arbeiten im Häuschen gegeben wäre.

  10. futuretwin Januar 16, 2013 um 2:45 pm

    Also: zusammen Leben = zusammen Arbeiten Hat natürlich was. Wäre auch prima mit der matrilinearen Struktur vereinbar. Allerdings wollen wir (so denke ich jedenfalls) ja nicht zu einer Agrarkultur zurück, wie auch? Also müsste irgendein anderer gemeinschaftlicher Erwerb her.

    Möglich, dass Kapitalismus und Patriarchat generell nur gemeinsam abgeschaft werden können/sollten. Das entspräche ja der Wert-Abspaltungs-Theorie von Roswitha Scholz.
    Was die wirtschaftliche Seite angeht, so finde ich ja folgendes sehr spannend:

    https://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/die-andere-gesellschaft-gliederung-in-kapitel

    Kennst du das?

  11. momorulez Januar 16, 2013 um 7:17 pm

    Sorry, braucht noch nen Moment, antworte aber noch!

  12. momorulez Januar 16, 2013 um 10:25 pm

    Nee, kenne ich nicht – kriege ich jetzt auch nicht auf die Schnelle gelesen 🙂 …

    Und klar müssten das andere Eigentumsverhältnisse und andere Arbeitsorganisationsformen sein. Gibt ja neben der Agrargesellschaft noch Handwerk, Dienstleistung, Pflege … was wir machen, gilt landläufig als „Kreativwirtschaft“ oder „Medienarbeit“, aber das ist ja auch eine Form des Handwerks. Und ich träume ja immer von viel mehr dezentralen Einheiten im Wirtschaftsleben, obwohl die Realität auf immer mehr Konzentration mit abhängig Individualisierten hinaus läuft. Und freue mich dann z.B. immer drüber, wenn in unserer Mini-Einheit die Leute ihre Kinder oder Hunde mit bringen, mittags zusammen gekocht wird usw.. Oder wenn ich früher an das Jobben bei einem Pflegedienst in einem Behindertenwohnhaus denke mit sehr flacher Hierarchie, das waren Formen, die so weit weg von Strombergschen Menschenverachtngmaschinerien in großen Organisationen wie Banken, Krankenkassen oder großen Fabriken waren, das war keine entfremdete Arbeit. Und gerade die Leute aus sehr engen Zweierbeziehungen mit Kind blühen in solchen Biotopen oft richtig auf.

    Aber es passiert halt durchgehend das Gegenteil: Alle tragen Klamotten, die in Ausbeuterfirmen in Vietnam billig gefertigt werden, und erleben ja gar nicht mehr das Herstellen, sondern nur Arbeit.

    Dachte auch, als ich mein Sax kaufte in einer kleinen Holzbläserwerkstatt in Hamburgs Norden: Wie geil! Begegnete da einer strahlenden Frau an ihrer Werkbank, die – wirkte zumindest so, sagte sie auch – ganz zufrieden Instrumente überholte, so zumeist für Leute, die zweckfrei spielen, einfach, weil es ihnen Spaß macht. Das mag sogar eine recht konservative Vorstellung sein, aber das vernetzt und an andere Familienvorstellungen gekoppelt in Städten, bei mir schmeißt das die Fantasie an … und überall gewinnen die Ausbeuterketten stattdessen.

    Bin neulich auch auf die Geschichte von Arbeiter-Bandoneon-Vereinen gestoßen, dieser „Quetschkommode“, die im Tango so prominent wurde. Das sind so Solidaritäten, die mir zunehmend dem Konsum in Vierzimmerwohnungen geopfert scheinen – und die, die nicht konsumieren können, bedroht die Arbeitsagentur.

    Ist jetzt alles angerissen und romantisierend, eher Bilder … aber das löst die „Mietskaserne“, auch den 8-Wohnungen-Altbau irgendwie auf, wenn man das mit den Moso zusammen denkt. Und dann entsteht was sehr Lebendiges vor meinem assoziativen, inneren Auge …

  13. futuretwin Januar 17, 2013 um 8:57 am

    Ja, „Die Andere Gesellschaft“ ist nicht mal eben gelesen. 😉 Die Hauptidee ist: den Kapitalismus abschaffen, dabei aber Geld, Markt und auch ein gewisses Unternehmertum zu behalten. Und da kommen dann auch so Ansätze wie Grundeinkommen rein.
    Weswegen ich da jetzt dran denke: Jäger denkt auch in die Richtung, dass eher in kleineren Räumen gedacht werden sollte, da es ja eigentlich keinen Sinn macht Waren um den ganzen Globus zu karren. Es soll Marktwahlen geben, in denen darüber entschieden wird, was produziert werden soll, also letztlich was gebraucht wird.
    Und ich versuche gerade solche kleineren, lokal mehr verankerten Wirtschaftseinheiten, u.U. auch genossenschaftlich oder noch anders organisiert mit der Mosofamilie zusammenzudenken.

  14. MartinM Januar 17, 2013 um 11:07 am

    Obwohl ich neumondschein darin folge, dass Familienstrukturen mit ökonomischen Verhältnissen in Zusammenhang stehen, muss ich ihm hinsichtlich der „Germanen“ widersprechen. Es stimmt einfach nicht, dass „die Germanen“ noch im „15. Jh. in matriarchalistischen Markgenossenschaften hausten“.
    „Die“ Germanen hat es nie gegeben, jedenfalls als Einheit, „Rasse“ oder Volk. Es ist, salopp gesagt, ein Oberbegriff für eine Reihe Stammesgesellschaften, die bestimmte kulturelle Merkmale teilten. Woraus sich automatisch ergibt, dass es nach dem Übergang von der Stammesgesellschaft zur (feudalen) Staatlichkeit, die im 15. Jahrhundert längst vollzogen war, nicht mehr sinnvoll ist, von „Germanen“ im historischen oder ethnographischen Sinne zu reden. Dass mag haarspalterisch aussehen, aber unter der Prämisse, dass Famlienstrukturen mit ökonomischen Verhältnissen in Zusammenhang stehen, ist klar, dass es im Feudalismus matriarchalische Strukturen allenfalls als Randerscheinungen geben kann.
    Eine einheitliche „germanische Gesellschaft“ gab es nicht, war angesichts der in Rede stehenden Zeiträume und geographischen Entfernungen auch nicht überrascht: die Verhältnisse in Island um 1000 u. Z. waren ganz andere als z. B. um 500 u. Z. bei den eingewanderten Goten im heutigen Spanien, den Cheruskern im heutigen Ostwestfalen um 0, oder um 500 v. u. Z. bei den Bauern der Jastorf-Kultur im heutigen Norddeutschland.
    Als historisch gesichert gilt, dass alle heute als „Germanen“ bezeichneten Stammesgesellschaften patriarchalisch organisiert waren. Dabei gab es enorme Unterschiede, was die konkrete Stellung der Frauen in der Gesellschaft anging. Übrigens gab es auch keine einheitliche Einstellung „der Germanen“ zur gleichgeschlechtlichen Sexualität, die Idee, „die Germanen“ hätten Schwule automatisch ins nächste Moor geworfen, ist so nicht richtig, was allerdings nicht bedeutet, dass es keine ausgesprochene Homophobie in einigen germanischen Stämmen gab.
    Wenn man z. B. die altrömische Gesellschaft mit den Verhältnissen der „Germania libra“ nimmt, oder die Verhältnisse im schon feudalen Mitteleuropa mit dem noch stammesgesellschaftlich geprägten Skandinavien vergleicht, dann war die Stellung der Frau bei „den Germanen“ in der Tat stärker. Vor allem im Norden hatte die (Ehe-)Frau die „Schlüsselgewalt“ über Haus und Hof, was allerdings auch mit der häufigen Abwesenheit der Männer zu tun hatte. Aber selbst im wikingerzeitlichen Island, wo sogar eine von der Frau ausgehende einseitige Scheidung möglich war, kann von „Matriarchat“ keine Rede sei. Selbst der matrilineare Erbgang ist bei den meisten „germanischen“ Stämmen nicht mehr nachweisbar.
    Immerhin dürfte die relativ selbst zu Mitteleuropa starke Stellung der Frauen in den nordeuropäischen Staaten unten anderem auch in der Tradition des weniger stark ausgeprägten Patriarchats im „germanischen Norden“ begründet sein. Salopp gesagt: das Erbe der „Wikingerfrauen“ beeinflusste die Stellung der Frau in den nordeuropäischen Ländern über das Ende der Stammesgesellschaft – das unzufälligerweise mit der Christianisierung zusammenfällt – hinaus.

    Übrigens, danke Momorulez, für den Link auf unsere Website und die Empfehlung unserer Heilsgemeinsschaft (nicht zusammenzucken, wir verstehen unter „Heil“ etwas anderes als jene, die „Sieg Heil“ schreien).
    Ob die Nornirs Ætt wirklich die „Anarcho-Version“ des „germanische Neuheidentums“ ist, lasse ich mal dahingestellt sein. Dass wir gegen die rechten Aneigner anstinken, stimmt allerdings voll und ganz..

  15. momorulez Januar 17, 2013 um 10:53 pm

    Danke Dir für die Erläuterungen! Und ich finde das immer wichtig, darauf zu verweisen, dass es euch auch gibt, weil die Okkupation von Wieauchimmermandasversteht von etwas, das vom hochaggressiven Christentum gewissermaßen überlagert wurde, durch die Nazis, durch Wagner und Co (den ich ja als Komponisten wahnsinnig bewundere und gerne höre, ändert aber nix an der politischen und kulturhistorischen Scheiße, die er eben bedeutet), die ärgert mich ja auch immer mal wieder.

  16. georgi Januar 19, 2013 um 10:47 am

    Ich wollte noch schnell an MartinM einwenden:

    Daß die Bezeichnung „Germanen“ etwas oberflächlich ist, und von den ollen Römern für alle menschlichen Lebensformen verwendet wurden, die in den unzivilisierten, also nicht eroberten Weltteilen nördlich der Alpen auftreten, stimmt natürlich. Möglicherweise ist auch das Matriarchat der Markgenossenschaften urban legend, genau wie die platte Gegenüberstellung, Georgien sei matriarchalisch, Armenien hingegen patriarchalisch.

    Dabei sind aber die Kennzeichnungen „Matriarchat“ (= „Mütterherrschaft“) und „Mutterrecht“ irreführend, da hierdurch keine Herrschafts- oder Rechtsordnungen bezeichnet werden, sondern die Abwesenheit derselben. Matriarchat ist nämlich nichts als Nicht-Patriarchat. Patriarchat bezeichnet die persönliche ökonomische und daraus folgend die rechtliche Abhängigkeit des Weibes vom Manne, dem Ehemanne oder dem Vater. Patriarchat ergibt sich in Gesellschaften, in denen Besitz an Produktionsmitteln in männlicher Hand liegt. Besitz an Produktionsmitteln muß mit Hilfe der öffentlichen Gewalt verteidigt werden. Recht ist eine Funktion dieser öffentlichen Gewalt. Und eine Aufgabe des Rechtes ist es, die Erbfolge zu regeln. In Gesellschaften, in denen Väter an die Söhne erben, müssen die Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb des männlichen Teils der Menschheit zweifelsfrei festgestellt werden können. Von Natur aus geht das aber nicht. Zweifelsfrei erwiesen ist eine Vaterschaft nämlich nur dann, wenn der Umgang der Weiber mit Männern streng kontrolliert wird. So und nicht durch irgendeine Paranoia ergeben sich die patrilinearen Strukturen in den Familien und die persönliche Herrschaft der Männer über die Weiber. Das ist dann das Patriarchat, wie es von Friedrich Engels verstanden wird.

    Matriarchat bedeutet nicht, daß es zwischen den Geschlechtern keine Arbeitsteilung, keine Geschlechterseparation, keine verbindliche unwidersprochene Rollenverteilung gäbe, oder daß Mütter oder Frauen auf irgendeine Art privilegiert wären. Matriarchat bedeutet auch nicht, daß es keine Gewalt gegen Frauen gäbe oder Kinder von ihren Eltern über deren Köpfe hinweg verkuppelt werden würden. Friedrich Engels und Feministen haben da nämlichen einen anderen Begriff vom Patriarchat.

    Wie dem auch sei, die Hausfrauenehe ist nicht das einzige Modell auf unserem Planeten, nachdem Frauen und Männer ihre Kinder aufziehen. Atheisten wie ich halten sowieso nichts von „Gottes Wille“. Aber auch genetische Ursachen für die Hausfrauenehe sind Unfug.

  17. momorulez Januar 21, 2013 um 11:24 am

    Sorry, Georgie, dass ich Dich erst so spät im SPAM entdeckt habe.Und danke für diese Einbettung in ein paar marxistische Grundüberlegungen.

  18. lars Januar 21, 2013 um 12:19 pm

    Hmm, finde Diskussionen zur besseren Familienstruktur immer etwas schwierig.
    1. Obwohl ich all das teile, was gegen eine naturrechtliche oder biologische Legitimation der Kleinfamilie inkl. Ehe angeführt wird, ist die Sache etwas komplizierter. Schon in dem Zitat von Namu/Mathieu. Die Scheidungsraten allein sind noch kein Anzeichen für den Verfall der Familie oder für eine Bruchlinie Ehe/Familie. Die Raten nehmen zwar zu, aber man muss schon schauen, wann geschieden wird, und dann wird zumeist geschieden, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Zwischen 80 und 85% der Kinder wachsen in Deutschland noch immer mit beiden leiblichen Eltern auf. Daher sehe ich auch nicht ein Anwachsen der Alleinerziehenden in einem Ausmass, das problematisch wäre (unbenommen davon bleibt allerdings deren hohes Armutsrisiko).
    2. Was in der Gegenüberstellung von großfamiliären Oikos verschiedener patriarchalischer und matriarchalischer Clanstrukturen mit der Kleinfamilie immer wieder ausfällt, ist die zweite Herrschaftsdimension, nämlich die über das Alter (da hat Georgi recht) und die ist in dem, was mir an ethnologischem und historischem Material bekannt ist, stets präsent. Und aus der Perspektive ist es dann allemal gleich, welches Geschlecht die Gruppe Alter hat, denen sich die jüngere Generation unterzuordnen hat.
    3. Schließlich kennt West- und Nordeuropa seit dem frühen Mittelalter die Großfamilien als relevanten Zusammenschluss nicht mehr. Dafür hat die Kirche als aufstrebende Zentralmacht mit ihren Verboten von Adoption, Leviratsehe, Erbregelung und Loslösung der Heirat von der Zustimmung der Eltern gesorgt. Andererseits sprechen die wenigen Daten, die wir über die Zusammensetzungen der Haushalte haben, dafür, dass diese kleinen Einheiten doch vergleichsweise recht bunt waren, etwa wenn die Personen, denen der Status der „Eltern“ zukam, jünger waren als die Kinder.
    Kurzum, sich in der Gegenüberstellung von Familie und Ehe auf die Seite ersterer zu schlagen, halte ich für problematisch, ohne jetzt die Ehe bevorzugen zu wollen, die in ihrer rechtlichen (Ehegattensplitting) und heterosexuellen Bevorzugung ja problematisch genug ist. Der Impetus, die Hegemonie der modernen Kleinfamilie aufzulösen ist ja richtig. Nur der Rückgriff auf Clanstrukturen scheint mir da keine Lösung zu sein.

  19. futuretwin Januar 21, 2013 um 12:34 pm

    Was 2. angeht, da bin ich komplett bei dir. Ich hatte ja auch den Gedanken, dass bei dem Modell der Moso bestimmte Probleme nicht wegfallen, konnte das nur nicht auf die Herschaftsdimension Alter konkretisieren. Danke dafür. 😉

    zu 3.: Von was für Großfamilien sprichst du hier? Ist nicht eher die moderne Kleinfamile kaum mal 150 Jahre alt? Was gab es denn vom Hochmittelalter bis zur Industriellen Revolution?

    zu 1. Bei Ehen, die geschieden werden, wenn die Kinder aus dem Hause sind, frag ich mich inwieweit da nicht schon viel vorher schwelt und inwieweit dass so super ist für die Kinder. Meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 18 war und ich glaube nicht, dass das den Riesenunterschied gemacht hätte, wenn das ein Jahr später gewesen wäre, als ich schon ausgezogen war.

  20. lars Januar 21, 2013 um 1:02 pm

    Ad 1. Zu den Scheidungsraten: Bin da auch ganz bei Dir. Aber das Argument lautet ja eher: Die Vorteile und Verpflichtungen der Rechtsinstitution der Ehe scheint die möglicherweise eintretenden familiären Konfilkte aufzuwiegen. Ist doof so, weil rechtlich bevorzugt. Und die Lebensplanung der Ehepartner führt dann bei Scheidung zur finanziellen Schlechterstellung der Frauen (obwohl sie es den Großteil derer sind, die tatsächlich die Scheidung einreichen). Die Scheidungsraten sind aber definitiv kein Kriterium für Lebensqualität in Familien.
    Ad 2. Ja, der Mythos der Großfamilie. Das European Marriage Pattern ist seit dem frühen Mittelalter relativ stabil. D.h. das Paar heiratet relativ spät (weil es ökonomisch auf eigenen Beinen stehen musste), die Frau bekommt relativ wenige Kinder (so im Durchschnitt um die drei, die überleben) und relativ spät (Anfang bis Mitte 20) und das wirtschaftende Ehepaar siedelt neolokal, heißt: wohnt nicht bei einem der Elternpaare. Der Haushalt ist also vergleichsweise klein. Nimmt man die relativ neidrige Lebensdauer bis in die Neuzeit dazu, dann ist die Chance, von lebenden Großeltern was zu haben, relativ gering. Das trifft vorwiegend auf Nord und Westeuropa zu. In Süd-, Zentral- und OSteuropa war das anders. Die Hajnal-Linie (nach dem Historiker, der die Daten kompilierte), läuft ziemlich genau durch das heutige Polen.
    Aber wei gesagt: Die Zusammensetzung des Haushalts ist dann durch Tode von Familienmitgliedern und Wiederverheiratung relativ bunt.

  21. momorulez Januar 22, 2013 um 12:55 am

    Den „Mythos von der Großfamilie“ bekomme ich allerdings jeden Mittag beim Griechen mit, wo noch die Omma mit dem Rollstuhl dazu geschoben wird und einfach Teil des sozialen Mikrokosmos ist, und auch bei Freunden mit Verwandten in afrikanischen Ländern. Zudem das reale Leben nun auch noch mal jenseits von Heiratspraktiken statt fand; bin doch selbst Nachkomme einer Magd, über die der Gutsherr vermutlich drüber gestiegen war – oder ein Knecht. Letzteres ist nun so gar nicht Leitfaden der Utopie (aber Thema in Mozarts „Don Giovanni“). Aber die Vorstellung einer wohlgeordneten Welt, die der Papst proklamiert, ist doch von der historischen Dominanz der Abweichungen einfach widerlegt. Selbst bei so gruseligen Realkriminalfällen wie „Hinterkaifeck“ bei Augsburg heiratet der Gruberbauer eine deutlich ältere Frau, um einen Hof zu erhalten und seine eigene Tochter zu poppen – das Kind, was mit erschlagen wurde, könnte wahlweise ihn oder den mutmaßlichen Mörder zum Vater gehabt haben. Mal ab von dem Mord war das doch keine Ausnahme.

  22. lars Januar 22, 2013 um 1:27 pm

    Momo, prinzipiell Zustimmung (Ich habe aber im Freundeskreis auch das deutsch-griechische Pärchen, denen die Eltern, ebenfalls Restaurantbetreiber, die Hölle heiß machten und mit sehr spezifischen Erwartungen bzgl. Kindererziehung und Lebensführung konfrontierten, von deren Erfüllung dann Unterstützungsleistungen abhängig gemacht wurden. Im Restaurant sind die auch immer ganz herzlich – das ist aber auch eine andere Bühne).
    Man kann auch gut zeigen, dass diese Familien keineswegs immer einen biologischen Verwandschaftsverband darstellten (die älteren Kinder im Haus dürften dank Lebensalterdienstbotenschaft auch vorwiegend nicht die eigenen gewesen sein) und damit dem päpstlichen Idealen widersprechen.
    Ich bin nur skeptisch, ob man jenseits der Zurückweisung der Annahme einer natürlichen Familienform, andere Familienformen als strukturell bessere Lösungen heranziehen sollte. Viel wichtiger wäre doch eine Loskopplung von familiären Abhängigkeiten, sollen die Leute doch zusammenleben wie sie wollen. Das fatale ist ja, dass die Teilhabechancen an Gesellschaft eben an das Leben in Normfamilien (bei uns eben: weiße, mittelständische heterosexuelle Pärchen mit wenigen eigenen Kindern in der der Man das Geld verdient; in Kirgistan: patriarchale erweiterte Familien, bei denen man es tunlichst vermeiden sollte, die Großmutter väterlicherseits nicht an den Tisch zu setzen – die macht ihrer Schwiegertochter und den Kindern ansonsten die Hölle heiß, wenn sie übergangen wird) gebunden ist. Und das löst man meines Erachtens nicht, indem man jetzt systematisch andere Familienstrukturen präferiert. Man kann gerne variieren wie man möchte. Aber gesellschaftlich würde ich mir jenseits einer Etablierung einer Pluralität von Familienstrukturen nichts versprechen. Dafür ist Familie als Vergesellungsform zu privat und zu traditional mit ihren Machtasymmetrien der generationalen und Geschlechterordnung.

  23. momorulez Januar 22, 2013 um 2:12 pm

    Ja, da bin ich dann wieder ganz bei Dir.

  24. lars Januar 22, 2013 um 3:29 pm

    geht doch 😉

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