Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Das wächst zusammen, was zusammen gehört …

„Zur Demonstration aufgerufen hatte insbesondere die katholische Kirche, aber auch evangelikale und muslimische Organisationen schlossen sich den Protesten an. Der katholische Kardinal André Vingt-Trois traf sich vor der Demo mit Organisatoren der Protestaktion. Auch dutzende Politiker der konservativen UMP und des rechtspopulistischen Front National marschierten zur Protestaktion an den Eifelturm.“

Wie heißt der Fortpflanzer und Ernährer vom BVB noch, der meinte, gegen Homophobie z.B. in Fussballmannschaften könne man doch schon deshalb nicht ohne weiteres anstinken, weil da ja „andere Kulturen“ anwesend seien?

Mal ab davon, dass es sich bei der Schwulenfeindlichkeit um eine jüdisch-christliche Erfindung handelt (dieses ist wohl der einzige Fall, in dem diese „jüdisch-christlich“-Formulierung Sinn macht, die neben den marcionitischen Paulus-Briefen am häuftigsten zitierte Formel ist aus dem Buch Leviticus des „Alten Testaments“; dass bei der Story rund um „Sodom und Gomorrah“, kann ja jeder nachlesen, nie Vergewaltigung als Problem erkannt wird, spricht für die Dominanz der „Rape Culture“) und „Homosexualität“ als Konzept eh von der Psychiatrie des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde – das ist das, wovor ich schon häufiger bloggend warnte. Dass eben die Konservativen unter den Muslimen sich mit Rechtsradikalen aus der CDU und der Katholischen Kirche, sächsischen Evangelikalen, Opus Dei-Juristen aus Sachsen-Anhalt und Nazis zusammen sich auch hierzulande zu einer neofaschistischen Einheitsfront formieren. Ja, Zwangsheterosexualität IST konstitutiv für Faschismen und dient auch der Absicherung des Patriachats.

Wie stark Gegenwehr längst bröckelt (und notfalls der Kampf gegen Homophobie einem falsch verstandenen Antirassismus geopfert werden kann), zeigt sich daran, dass mittlerweile neben jeden Schwulen und jede Lesbe mindestens 1, meistens mehrere Schwulenhasser in Talkshows im Sinne „ausgewogener Berichterstattung“ gesetzt werden. Glasklarer Rechtsruck. Dass es ergänzend auf der Wieauchimmerlinken mittlerweile auch kein Interesse mehr gibt, sich bei diesem Thema zu engagieren, konnte man in der Kommentarsektion dieses Blogs ja auch nachvollziehen. Da bündelte man auch lieber mit Katholiken; gerade der Hetzer in Rom bedient dieses Kalkül vortrefflich, indem er ständig suggeriert, dass die salbungsvollen Worte seiner manipulativen Traktate irgendwas mit „Kapitalismuskritik“ zu tun hätten. Der Bundestag jubelte ihm prompt auch zu, als er seine schwulen- und lesbenfeindliche Naturrechtsbegründung – ohne Lesben und Schwule einmal zu erwähnen – dort referierte und Typen wie Augstein und auch Herr Thierse die Kritiker nieder brüllten. So ist ja eh vieles, was aktuell „links“ sich labelt, einfach eine Variante des christlichen Konservatismus.

Die Strategie der CDU ist, seitdem sie bei der Klage gegen die Homo-Ehe von Karlsruhe abgewatscht wurde, weil ihr das Grundgesetz ja ganz wie der SPD eh zumeist am Arsch vorbei geht, ebenfalls darauf ausgelegt, mit konservativen Muslimen zu bündeln. Zum Glück gibt es Stimmen wie Lamya Kaddor, die dagegen anstinken – die ganze Diskussion rund um die Aufnahme des Diskriminierungsschutzes für „sexuelle Identitäten“ ins Grundgesetz war von Seiten der Rechten darauf angelegt, dass nachwachsende und demographisch relevanter werdende Muslime sich auf ihre Seite Seite schlagen könnten in Zukunft. Die menschenverachtende Propaganda der christlichen Partei ging – auch da ist wieder ein Bezug zu dem Herren vom BVB herzustellen – perfide so weit, dass eine solche Festlegung ja ein „Integrationshindernis“ sein könne. Es wäre zu wünschen, da allmählich mal lautstark Unterstützung aus dem PoC und Antira-Lager zu erfahren, um den entgegen zu wirken. Alleine schon, um auch nicht-weiße und muslimische Lesben und Schwule, als Mehrfachdiskriminierte, zu unterstützen. Judith Butler hat ja gezeigt, dass das geht, darauf hinzuweisen. Weil auch das Rassimusproblem in schwulen Szenen etwas ist, woegegn anzugehen ist und der systematische Zusammenhang zwischen Rassismus, Homophobie, Sexismus und Klassismus nun mal ganz real besteht.

Zwei weitere Punkte werden bei der Diskussion überdeutlich: Zum einen, dass der vielgescholtene Privilegienansatz völlig richtig ist. Was in Paris und rechtsradikalen CDU-Hirnen vor sich geht IST ja nichts anderes als die Verteidigung eines in diesem Fall rechtlich abgesicherten Privilegs zur Aufrechterhaltung der Supremacy-Haltung: MEINE Lebensform ist die überlegene und verdient deshalb eine positive, rechtliche Sanktionierung, die der Arschficker und Schwanzlutscher aber nicht. Ist auch so was ähnliches wie „Deutschland den Deutschen“. Um die rechtliche Gleichstellung der Juden zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es auch solche Kämpfe, by the way, die sich im modernen Antisemitismus pseudowissenschaftlich bündelten und diskursiv die Shoah vorbereiteten. Die katholischen und protestantischen Kirchen haben erst Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts von den Begründungen für die Nicht-Gleichstellung mal allmählich abzulassen.

Zum anderen wird deutlich, wie grundfalsch diese Fokussierung auf die „Homo-Ehe“ auch von LSVD und Co war. Sachliche Gründe wie jene, dass man kranke Lebenspartner auch im Krankenhaus besuchen können möchte etc. – wieso das nun weiterhin in diesem Anachronismus „Ehe“ nun unbedingt nur rechtlich möglich sein soll oder nicht vielmehr die Vertragsfreiheit da ausnahmsweise mal ernst genommen werden könnte, das war mir immer schon ein Rätsel.

Ich finde die Position weit konsistenter, die Ehe als Rechtsinstitut abzuschaffen und dafür jene, die Kinder haben, steuerlich zu privilegieren – und dann sollen doch die Katholiken ihre vermeintlich heiligen Sakramente abfeiern, bis sie am Weihrauch ersticken. Ganz, wie sie sonst auch einst zumindest teilweise intelligente, spirituelle Schriften  ja verdrehen und verbiegen bis zur Unkenntlichkeit. Diese Blasphemie will ihnen ja auch keiner verbieten.

Das kann von mir aus auch unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes stehen.

Ansonsten ist diese Anbiederei an Fortpflanzer und Ernährer doch auch gar nicht notwendig. Die Solidarität mit alleinerziehenden Müttern wäre viel wichtiger. Sollen sich die anderen doch einbilden, da irgendwas Höheres zu pflegen, während sie Neurosen produzieren, Kinder verziehen und reglementieren, den Kapitalismus am Laufen halten, manche ihre Töchter befingern und diese vielleicht das Glück haben, dass es auch noch Nachbarn, Freunde und Lehrerinnen gibt.

Irgendwie war die Debatte, als „Autorität und Familie“ erschien, schon mal weiter … cool finde ich hingegen in vielen „migrantischen Communities“, wie Arbeiten und Großfamilie (!!!) zusammen wachsen, zum Beispiel. Das wäre dann eine Diskussion, in der man mal wieder darüber reden könnte, was man so alles lernen kann von nicht-weißen Nachbarn, was über „Vater, Mutter, Kind“ hinaus weist.

Dessen können sich dann ja auch jene St. Paulianer, die inflationär Hochzeitsbilder verbreiten, mal annehmen 😉 … es lebe die Utopie!

 

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6 Antworten zu “Das wächst zusammen, was zusammen gehört …

  1. kleinertod Januar 14, 2013 um 2:35 pm

    Gegen die auch nur annähernde rechtliche Gleichstellung von Mitmenschen auf die Straße zu gehen zeugt von einer äußerst menschenfeindlichen Grundeinstellung. Dieses homophoben „ich will gleicher als gleich bleiben“-Denken enthüllt auch die klassisch-konservativen Strukturen – geht es doch um den Machterhalt auf Kosten der an den Rand gedrängten Personen. Da packt mich nur abgrundtiefer Ekel.

    Von der Ehe als solches halte ich zwar nichts, doch solange es dieses Rechtsinstitut gibt, dürfen daran keine staatlichen Diskriminierungen geknüpft sein. Die Religionen können ja weiterhin menschenverachtende Bestandteile fortführen (schlimm genug), aber der Staat hat die Menschenrechte zu beachten. Wenigstens diese Erkenntnisse dringen bei einigen jetzt durch, die Zeit scheint für diese minimale Erkenntnis bei einigen reif genug zu sein – was anderen offensichtlich höllische Angst bereitet. Diese Angst gönne ich denen von Herzen. Muß ja echt schlimm sein, wenn sich die Sonne nicht mehr um einen dreht…

  2. momorulez Januar 14, 2013 um 2:48 pm

    Den zweiten Absatz, das sehe ich ja auch so, und so argumentiert auch das Verfassungsgericht: Dass der besondere Schutz der Ehe und der Familie im christlichen Sinne als Ehe zwischen Mann und Frau nicht daran hindert, alternative Rechtsinstitutionen im Sinne der Gleichstellung zu schaffen. Das hat die CDU zwar auf ihrem letzten Parteitag geflissentlich ignoriert, insofern ist sie eigenen Verlautbarungen zufolge als extremistische Partei anzusehen. In Frankreich ist die Historie noch etwas anders, da gab es ja diesen „Paque“, der auch Heten offen stand.

    Das Schlimme an diesen Debatten ist ja, dass dadurch ein Freibrief verfasst wird, Schwule und Lesben im Alltag für vogelfrei zu erklären. Die Abwertungen sind so militant und hochaggressiv bis hin zu Frau Merkel, das legitimiert einfach Gewalthandlungen. Und da wir halt die Minderheit sind, interessiert das auch große Teile der Mehrheitsgesellschaft auch einen Scheißdreck, notfalls gibt es halt ein paar vor’s Maul. Das ist ein ganz tief sitzender Sadismus, der sich da zeigt und der vom Papst auch fortwährend angestachelt wird. Das Bündnis mit Muslimbrüdern und Co sucht er ja ganz offensiv. Und er segnet Aktivistinnen in Uganda, die die Todesstrafe fordern. Das ist alles nicht mehr witzig, was die da treiben.

  3. kleinertod Januar 14, 2013 um 3:07 pm

    Die Nähe, wenn nicht eher die Grenzüberschreitung zu einem offenen Aufruf zur Gewalt wurde in letzter Zeit immer offener überschritten. Das Entlarvendste daran ist aber das Ausbleiben angemessener Reaktionen – zeigt sich hier doch eine immer breiter werdene Zustimmung oder auch Gleichgültigkeit. Gerade das Ausüben, Gutheißen oder Dulden von Gewalt ist auch nichts anderes als eine Form des Extremismus – der der Mitte (auch wenn ich ihn an sich als deutlich rechts einstufen würde, doch so etwas findet sich überall, auch auf sog. linker Seite).

    Wer ein so schwaches Selbst hat, daß Hass und Gewalt gegen andere zur Selbstbestätigung benötigt wird, verdient noch nicht einmal Mitleid, sondern einfach nur Verachtung.

  4. Pingback: Für die Abschaffung der Zivilehe by Commentarium Catholicum

  5. momorulez Januar 14, 2013 um 10:12 pm

    Kurze Anmerkung zum frei geschalteten Trackback: Würde ich normalerweise ja gar nicht machen, nun bornierten Katholiken hier auch noch Raum zu geben, und sei es für ein Trackback, das mich des „Indiskutablen“ bezichtigt.

    Es lohnt aber, das zu lesen, was da steht! Auch und gerade hinsichtlich dessen, dass es sich im Falle der BRD anders als im Falle Frankreichs um keinen laizistischen Staat handelt, der trackbackende Text da aber eigentlich auch gerne hin wollte, wenn ich es richtig verstehe. Eine Fortsetzung der Geschichte ließe sich schreiben, wenn man die Etablierung christlicher Gewerkschaften, um den sozialistischen das Wasser abzugraben, noch mal aufrollen würde. Das ist für die bundesrepublikanische Geschichte etwas unterschwellig sehr Wirksames, weil ein Helmut Kohl, ein Heiner Geißler und ein Norbert Blüm – früher als Vertreter des „Arbeitnehmerflügels“, gibt es so was heute noch? – nachhaltig durch die Katholische Soziallehre geprägt waren und selbst ich zugeben würde, dass das immer noch besser ist als das reine Technokraten- und Sozialingenieurstum der Regierung Schröder danach.

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