Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Tagesarchive: Januar 14, 2013

Die Saxophon-Dialoge – Teil 2

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Die Unterlippe schmerzt wohlig.

Ich habe geübt – gespeicherte Körpererfahrung, dieses Unterlippengefühl, das leicht Wunde, das sich dennoch anfühlt, als habe man an guten Saxophon-Dialogen gearbeitet.

Vom „modernen Ansatz“ habe ich gerade vor Kurzem erstmals gehört! Trotz 4 Jahren Unterrichts. Damals, als es noch kein Internet gab. Und ich Stunden neben dem Festnetztelefon verbrachte, auf Dieters Anruf wartend.

War halt auch Klarinettenlehrer, der meine einst. Immerhin Profi-Musiker, Blasorchester, Big Band. Irgendwo zwischen Swing und Klassik beheimatet. Solche lehrten den „klassischen Ansatz“.

Ein karger Klassenraum in einer Realschule aus den 60ern. Dort fand der Unterricht gleich am Fenster statt. Der Hausmeister züchtete Wellensittiche in einer Voliere. Das Gefühl, durch das kühle, weite Treppenhaus die Treppe hinauf in den 1. Stock zu steigen ist in mir jederzeit reaktivierbar. Diese leicht angstvolle Nervosität des Wissens, wieder nicht genug geübt zu haben. Weil ich lieber „What shall we do with the drunken sailor“ gespielt hatte, statt mich unermüdlich den Intervall-, Triolen- und sonstwie ausgefeilten Reihen von Noten Jimmy Dorseys hinzugeben.

Ich verstand die nicht, wusste nicht, wieso ich so was Kompliziertes spielen sollte. Mittlerweile weiß ich genug über Jazz-Improvisation, um zu begreifen, worauf ich da vorbereitet werden sollte: Sowohl auf das Spielen im Swing-Orchester als auch in die Automatisierung bestimmter Klangfolgen und Rhythmen und somit bestimmter Bewegungsabläufe.

Aber so, wie Wissen Angst haben kann, taugt es nicht dazu, Klänge hervor zu bringen. Da kann ich noch so oft Interviews mit Lee Konitz über das modale System der Jazz-Improvisation lauschen – heute hat er ganz schön gequietscht und geschrien, mein neuer, silberner Weggefährte. „What shall we do with the drunken Sailor“ ging noch lange nicht. Lieber erst mal C-Dur-Tonleiter hoch und runter und mich freuen, wenn ich das tiefe C und den Übergang vom mittleren C zum D“ wenigstens mit Scheppern und Quietschen und Überblasen hin bekomme …

In den Dialog mit einem Saxophon tritt man ja ganz anders als im Falle eines Klavieres, zum Beispiel. Das kann verstimmt sein, man trifft falsche Töne und haut in die Tasten, dass es schmerzt. Aber der Ton als solcher ist eben irgendwie da. Wie auch beim Vibraphon.

Beim Saxophon muss man ihn machen. Mit Zwerchfell, Luft, Zunge, Lippen und einem Holzblatt, auf Plastik fixiert. Und meine ersten Dialoge mit meinem neuen Freund zeigen mir doch, dass wir erst mal eine gemeinsame Sprach finden müssen. Das ist zwischen menschlichen Individuen ja auch so, das merken die meisten nur gar nicht, weil sie vielleicht „das Objektive“ und „das Subjektive“ kennen, aber nicht das Du. Manche schmeißen mit jedem Satz Klaviere auf die Füße Anderer und schreiben dann noch lange Traktate in Feuilletons, dass alles andere ja Zensur sei. So was wie den Anderen erst mal kennen lernen und einen wirklich eigenen Sound im Zweierli kreieren, diese Mühe geben sich wenige.

Der „klassische Ansatz“ ist: Man lege die Unterlippe auf die unteren Schneidezähne und nutze die Lippe dann, gegen das Holzblatt ge-, äh, gepresst wäre schon falsch, an das Holzblatt geschmiegt?, um den Ton zur Entfaltung zu bringen. Nee, eben nicht kontrollieren.

„Modern“: Man nimmt nur die Lippen und knutscht. Letzteres habe ich ja nie gelernt 😀 – also, im Falle des Saxophons. Und es gab ja noch kein Internet. Gerade aktuell fällt mir wieder auf, wie gewaltig der Wandel dank dieses Mediums doch ist. Damals hatte ich meine Saxophon-Schule und ein paar Liederbücher mit rotem Ballon drauf. In einer Band spielen hab ich mir nicht getraut. Für alles weitere hätte ich in die Stadt fahren müssen, und da gab es ein paar Musikgeschäfte … Platten, zu denen man spielen konnte, musste ich lange suchen. Gab kein Amazon. Habe dann meistens zu Grover Washington Junior geübt, „A Secret Place“, glaube ich, hieß das Album.

Vor mir hatte immer Dieter Unterricht. Man grüßte sich … viel später traf ich ihn in Politgruppen wieder. Wuuuuuuuusch! War ich verknallt! Wir trafen uns dann zum gemeinsamen Spielen in der Waschküche des Reihenhauses seiner Eltern. Hoch in Richtung Küche oder Esszimmer durfte man nicht schleichen, die Mutter zog immer Schutzbezüge über alle Sitzkissen und assoziierte Besucher mit Dreck und Unbill.

Wir legten die Crusaders auf, er spielte Tenor, ich Alt. Wie fand ich das lässig, wenn er sich beim Spielen locker anlehnte, die Knöchel über Kreuz. Und was mit juvenilen 17 ein rot-weiß gestreiftes Hemd mit Stehkragen, unfrisierte, dunkle Locken und ein paar Grübchen, eine weiße Bundfaltenhose, ein Lächeln für ein Universum von Gefühlen mit galaktisch weichen Knien auslösen kann …. ich stand er verkrampft daneben und habe ihm erst Jahre später erzählt, was damals in mir vorging. Heute können die Jungschwulen ja bei Gayromeo und Co stöbern … für mich gab es nur solch Begegnungen wie mit Dieter. War aber auch schön, die musikalischen Dialoge zu den Crusaders … jetzt habe ich das ganze Wochenende in Saxophon-Blogs, eBooks und -Foren gelesen. Wer weiß, was aus mir geworden wäre, hätte es die damals schon gegeben.

Alle homophoben Klischees internalisiert habend hielt ich allerdings meinen Saxophonlehrer für schwul, weil der immer so kreischend lachte und so tuntig Witze riss. Machte immer einem auf witzig, während ich mich durch Jimmy Dorsey quälte, stolpernd wie ein Rad, das über Geröll fährt – und doch fürchtete ich seine sich zu unterdrücktem Zorn steigernde, unterschwellige Ungeduld, weil er mich wohl für recht talentiert, aber chronisch faul hielt. Zu recht, letzteres zumindest. Was dazu führte, dass ich immer mehr verkrampfte, beim Ansatz presste, die Arme in die Seiten drückte und gar keine Note mehr zu den Griffen auf meinem Instrument korrekt in Relation setzte. Aber wenigstens sabberte er nicht für mich das Mundstück an …

Totzdem: Wie einen späten Widerhall bemerkte ich heute beim Quietschen, wie ich mich immer mehr verkrampfte, wenn ich mich dem Notenständer näherte, je weiter ich mich jedoch von ihm entfernte, desto klarer wurden die Töne …

Dieter hat mir übrigens später Michel Foucault erstmals zugeführt. In einem wundervollen Brief aus Freiburg, in den unter anderem das berühmte Hinterkopf-Porträt dieses Meisteranalytikers der Körperdisziplinierung als Kopie hinein geklebt war … irgendwo habe ich den Brief bestimmt noch. Anders als e-mails bewahrt man die ja auf.

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„Die Ehe als Gefahr für die Familie“

Um auch auf Mails zu reagieren, die ich zu dem Eintrag von heute mittag bekommen habe: Somlu hatte vor geraumer Zeit ein Modell ausgebuddelt, an dem unter anderem deutlich wird, wie unglaublich fantasielos und eben rein gar nicht „universell“ oder „natürlich“ diese Vater-Mutter-Kind-Nummer als Lebensform ist.

Daraus lässt sich halt entnehmen, dass das, was der Papst predigt, nicht Gottes Wille sein kann – sondern Freiheit, Erotik, Kreativität, Vielfalt und so viel Wunderbares, das man leben kann, weil es glücklich macht, dem entspricht 🙂 ! Ganz unabhängig davon, ob man an Göttliches glaubt oder auch nicht.

Somlu über die Moso:

 

„Ihre wichtigen Bezüge definieren sich über die mütterliche Linie und die wichtigen männlichen Bezugpersonen für Kinder sind die Brüder der Mütter. Meist leben mehrere Generationen von Frauen, Brüdern, Onkel in einem Haus. Liebe zwischen den Geschlechtern leben sie auch und ausführlich, aber diese Beziehungen haben keinen Einfluß auf die gesellschaftlichen und ökonomischen Strukturen, da sie die Ehe nicht kennen, sondern leben, was die Anthropologie Besuchsbeziehungen nennen. Dies bedeutet, dass die Männer nachts die Frauen besuchen und morgens als Brüder und Onkel in ihre Familie zurückkehren, wo sie ihr sonstiges emotionales und ökonomisches Zentrum haben. Die Liebhaber spielen für das ökonomische Überleben der Frauen keine Rolle. Kinder kennen heutzutage zwar ihren Vater aber es hat keine weitergehende Bedeutung für sie.“

Das ist schon eine exquisite Lösung – die romantische Liebe wird intensiv gelebt, die Kinder wachsen in einem konstanten Familienverband auf, und auch die Scharnierposition im kapitalistischen Wirtschaften, die die christlich-bürgerliche Konzeption von Familie innehat, also ordentlich zum Schuften gezwungen sein, um die überteuerte Vierzimmerwohnung bezahlen zu können, wird anders definiert:

Aber wenn die Gesellschaft der Moso auch kein Matriarchat ist, bemerkenswert ist sie dennoch. In vielen sogar patriarchalischen Gesellschaften sind Frauen häufig weit mächtiger, als die sozialen Konventionen glauben machen möchten. Frauen können Hosen anhaben, die Macht hinter dem Thron dastellen oder wie die Redensarten alle heißen; mit anderen Worten: sie können die Authorität an sich reißen, die idealerweise den Männern zusteht. Aber Mosofrauen tun nichts dergleichen. Sie sind die legitimen Trägerinnen der Familienauthorität, die Verwalterinnen des Reichtums der Familie, Miteigntümerinnen des Familienbesitzes und Herrinnen über ihren Stammbaum. Und nicht zuletzt besitzen sie auf dem Gebiet der sexuellen Beziehungen persönliche Rechte und Freiheiten, die im Rest der Welt unvorstellbar sind. Tatsächlich ist die Gesellschaft der Moso, abgesehen von den Beziehungen zwischen den Geschlechtern, einzigartig wegen ihrer Institution der Besuchsbeziehungen. Die Moso können mit Fug und Recht den Anspruch erheben, ein unsiverselles Problem der menschlichen Existenz gelöst zu haben, de Zweispalt zwischen Sehnsucht nach Sex unhd Liebe und den Anforderungen der Familienkontinuität und -ökonomie.

Wie der französische Anthropologe Claude Lévi-Strauss gezeigt hat, stellt die Ehe einen Mechanismus dar, durch den Blutlinien, Familiennamen, Reichtum nd andere Formen von Privilegien und gesellschaftlichen Status ins Werk gesetzt und legitimiert werden, Mit anderen Worten, die Ehe ist der Kleister, der die Gesellschaft zusammenhält.

Wenn andererseits die Ehe auf den Idealen romantischer Liebe, sexueller Harmonie und der Gleichheit zweier Individuen basiert, statt auf der Sorge um Erblinien und Eigentum, gerät die ökonomische Stabilität, ja die Einheit der Familie selbst in Gefahr. Wie unsere gegenwärtigen Scheidungsraten zeigen, ist die Liebe zwar ein hehres Ideal, aber eine schwache Basis für eine stabile Ehe.“

(Yang Erche Namu; Christine Mathieu: Das Land der Töchter, Ullstein: 2005, S. 273ff.)

Was auch noch mal den Zusammenhang zwischen Wirtschaftsordnung, Privilegienabsicherung und Rechtsinsititution erläutert. Wer was zu vererben hat, braucht auch Erben …

Wollen wir das rund um den FC St. Pauli einfach mal einführen?

 

Das wächst zusammen, was zusammen gehört …

„Zur Demonstration aufgerufen hatte insbesondere die katholische Kirche, aber auch evangelikale und muslimische Organisationen schlossen sich den Protesten an. Der katholische Kardinal André Vingt-Trois traf sich vor der Demo mit Organisatoren der Protestaktion. Auch dutzende Politiker der konservativen UMP und des rechtspopulistischen Front National marschierten zur Protestaktion an den Eifelturm.“

Wie heißt der Fortpflanzer und Ernährer vom BVB noch, der meinte, gegen Homophobie z.B. in Fussballmannschaften könne man doch schon deshalb nicht ohne weiteres anstinken, weil da ja „andere Kulturen“ anwesend seien?

Mal ab davon, dass es sich bei der Schwulenfeindlichkeit um eine jüdisch-christliche Erfindung handelt (dieses ist wohl der einzige Fall, in dem diese „jüdisch-christlich“-Formulierung Sinn macht, die neben den marcionitischen Paulus-Briefen am häuftigsten zitierte Formel ist aus dem Buch Leviticus des „Alten Testaments“; dass bei der Story rund um „Sodom und Gomorrah“, kann ja jeder nachlesen, nie Vergewaltigung als Problem erkannt wird, spricht für die Dominanz der „Rape Culture“) und „Homosexualität“ als Konzept eh von der Psychiatrie des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde – das ist das, wovor ich schon häufiger bloggend warnte. Dass eben die Konservativen unter den Muslimen sich mit Rechtsradikalen aus der CDU und der Katholischen Kirche, sächsischen Evangelikalen, Opus Dei-Juristen aus Sachsen-Anhalt und Nazis zusammen sich auch hierzulande zu einer neofaschistischen Einheitsfront formieren. Ja, Zwangsheterosexualität IST konstitutiv für Faschismen und dient auch der Absicherung des Patriachats.

Wie stark Gegenwehr längst bröckelt (und notfalls der Kampf gegen Homophobie einem falsch verstandenen Antirassismus geopfert werden kann), zeigt sich daran, dass mittlerweile neben jeden Schwulen und jede Lesbe mindestens 1, meistens mehrere Schwulenhasser in Talkshows im Sinne „ausgewogener Berichterstattung“ gesetzt werden. Glasklarer Rechtsruck. Dass es ergänzend auf der Wieauchimmerlinken mittlerweile auch kein Interesse mehr gibt, sich bei diesem Thema zu engagieren, konnte man in der Kommentarsektion dieses Blogs ja auch nachvollziehen. Da bündelte man auch lieber mit Katholiken; gerade der Hetzer in Rom bedient dieses Kalkül vortrefflich, indem er ständig suggeriert, dass die salbungsvollen Worte seiner manipulativen Traktate irgendwas mit „Kapitalismuskritik“ zu tun hätten. Der Bundestag jubelte ihm prompt auch zu, als er seine schwulen- und lesbenfeindliche Naturrechtsbegründung – ohne Lesben und Schwule einmal zu erwähnen – dort referierte und Typen wie Augstein und auch Herr Thierse die Kritiker nieder brüllten. So ist ja eh vieles, was aktuell „links“ sich labelt, einfach eine Variante des christlichen Konservatismus.

Die Strategie der CDU ist, seitdem sie bei der Klage gegen die Homo-Ehe von Karlsruhe abgewatscht wurde, weil ihr das Grundgesetz ja ganz wie der SPD eh zumeist am Arsch vorbei geht, ebenfalls darauf ausgelegt, mit konservativen Muslimen zu bündeln. Zum Glück gibt es Stimmen wie Lamya Kaddor, die dagegen anstinken – die ganze Diskussion rund um die Aufnahme des Diskriminierungsschutzes für „sexuelle Identitäten“ ins Grundgesetz war von Seiten der Rechten darauf angelegt, dass nachwachsende und demographisch relevanter werdende Muslime sich auf ihre Seite Seite schlagen könnten in Zukunft. Die menschenverachtende Propaganda der christlichen Partei ging – auch da ist wieder ein Bezug zu dem Herren vom BVB herzustellen – perfide so weit, dass eine solche Festlegung ja ein „Integrationshindernis“ sein könne. Es wäre zu wünschen, da allmählich mal lautstark Unterstützung aus dem PoC und Antira-Lager zu erfahren, um den entgegen zu wirken. Alleine schon, um auch nicht-weiße und muslimische Lesben und Schwule, als Mehrfachdiskriminierte, zu unterstützen. Judith Butler hat ja gezeigt, dass das geht, darauf hinzuweisen. Weil auch das Rassimusproblem in schwulen Szenen etwas ist, woegegn anzugehen ist und der systematische Zusammenhang zwischen Rassismus, Homophobie, Sexismus und Klassismus nun mal ganz real besteht.

Zwei weitere Punkte werden bei der Diskussion überdeutlich: Zum einen, dass der vielgescholtene Privilegienansatz völlig richtig ist. Was in Paris und rechtsradikalen CDU-Hirnen vor sich geht IST ja nichts anderes als die Verteidigung eines in diesem Fall rechtlich abgesicherten Privilegs zur Aufrechterhaltung der Supremacy-Haltung: MEINE Lebensform ist die überlegene und verdient deshalb eine positive, rechtliche Sanktionierung, die der Arschficker und Schwanzlutscher aber nicht. Ist auch so was ähnliches wie „Deutschland den Deutschen“. Um die rechtliche Gleichstellung der Juden zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es auch solche Kämpfe, by the way, die sich im modernen Antisemitismus pseudowissenschaftlich bündelten und diskursiv die Shoah vorbereiteten. Die katholischen und protestantischen Kirchen haben erst Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts von den Begründungen für die Nicht-Gleichstellung mal allmählich abzulassen.

Zum anderen wird deutlich, wie grundfalsch diese Fokussierung auf die „Homo-Ehe“ auch von LSVD und Co war. Sachliche Gründe wie jene, dass man kranke Lebenspartner auch im Krankenhaus besuchen können möchte etc. – wieso das nun weiterhin in diesem Anachronismus „Ehe“ nun unbedingt nur rechtlich möglich sein soll oder nicht vielmehr die Vertragsfreiheit da ausnahmsweise mal ernst genommen werden könnte, das war mir immer schon ein Rätsel.

Ich finde die Position weit konsistenter, die Ehe als Rechtsinstitut abzuschaffen und dafür jene, die Kinder haben, steuerlich zu privilegieren – und dann sollen doch die Katholiken ihre vermeintlich heiligen Sakramente abfeiern, bis sie am Weihrauch ersticken. Ganz, wie sie sonst auch einst zumindest teilweise intelligente, spirituelle Schriften  ja verdrehen und verbiegen bis zur Unkenntlichkeit. Diese Blasphemie will ihnen ja auch keiner verbieten.

Das kann von mir aus auch unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes stehen.

Ansonsten ist diese Anbiederei an Fortpflanzer und Ernährer doch auch gar nicht notwendig. Die Solidarität mit alleinerziehenden Müttern wäre viel wichtiger. Sollen sich die anderen doch einbilden, da irgendwas Höheres zu pflegen, während sie Neurosen produzieren, Kinder verziehen und reglementieren, den Kapitalismus am Laufen halten, manche ihre Töchter befingern und diese vielleicht das Glück haben, dass es auch noch Nachbarn, Freunde und Lehrerinnen gibt.

Irgendwie war die Debatte, als „Autorität und Familie“ erschien, schon mal weiter … cool finde ich hingegen in vielen „migrantischen Communities“, wie Arbeiten und Großfamilie (!!!) zusammen wachsen, zum Beispiel. Das wäre dann eine Diskussion, in der man mal wieder darüber reden könnte, was man so alles lernen kann von nicht-weißen Nachbarn, was über „Vater, Mutter, Kind“ hinaus weist.

Dessen können sich dann ja auch jene St. Paulianer, die inflationär Hochzeitsbilder verbreiten, mal annehmen 😉 … es lebe die Utopie!