Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Latente und manifeste, strukturelle Gewalt und die psychischen Folgen für Betroffene

Ein wichtiges Interview in der taz. Selbst bei dem Fragenden schimmert der Zweifel daran durch, dass Menschen erleben könnten, was sie tatsächlich erleben. Das ist eine brutale Technik ist, dieses Absprechen von tatsächlich Erlebtem. Erzieht man Kinder so, werden die buchstäblich verrückt.

Vergleiche mit Handtaschenraub – man lese den Text – mögen zwar Erklärungswert haben, an Betroffene gestellt ließe die Analogie diese freilich erst mal nach Luft schnappen.

Hierzulande ist ein mehrgesellschaftlicher Diskurs allgegenwärtig und dominant, was auch immer für „gar nicht rassistisch, gar nicht homophob, gar nicht sexistisch, gar nicht antisemitisch“ zu erklären und völlig verdreht mit gänzlich anders gelagerten Erfahrungen von Mehrheitsgesellschaftlern zu verknüpfen, dass schon darin ein Gewaltverhältnis sich zeigt. Auch in den Fragestellungen, die aber vermutlich einfach der Aufklärung eben dessen dienen, hoffentlich.

Die Dynamiken im Falle manifester, körperlicher Gewalt skizziert das Interview vortrefflich:

„Ja. Oft versuchen die Opfer das zu überwinden, indem sie begründen, warum sie nicht Opfer hätten werden dürfen: Sie sind doch integriert, sie haben Deutsch gelernt, sie haben niemandem etwas getan – sie sind nicht wie die, die der Täter eigentlich meint. Sie versuchen sich von der Zielgruppe des Täters abzuheben – und identifizieren sich so mit dessen Motiven. Das ist ähnlich wie bei Beziehungstaten.“

Und macht eben deutlich, wie in dieser Gesellschaft Dominanz fortwährend aufrecht erhalten wird. Die Auswirkungen im Falle von körperlich Attackierten sind ungleich krasser; derartige Gewalttäter agieren jedoch nur aus, was als Latenz permanent wirkt, in manchen Fällen gar päpstlichen Segen erfährt und so Subjektivitäten Betroffener formt:

„Wir verlassen uns bei der Einschätzung von Gefahr auf unsere Instinkte. Jetzt ist der Glaube, dass man sich darauf verlassen kann, zerstört worden. Man weiß nicht mehr, wem man vertrauen kann, wer gefährlich ist und wer nicht. Dass kann zu der Reaktion führen, dass man alle Menschen für potenzielle Täter hält. Es gibt aber auch Opfer, bei denen das zu Schamempfinden führt.“

Gerade diese chronische Unsicherheit ist abgeschwächt auch in jeder mir bekannten schwulen oder lesbischen Sozialisation zu finden – Mensch weiß nicht, wer wie reagiert, outet man sich. Es gibt kein Grundvertrauen unbekannten Menschen gegenüber außer in als schwul und lesbisch ausgewiesenen Räumen, da die Reaktionen sehr überraschend ausfallen können – sogar in langjährig gewachsenen Beziehungen. Das ist der Grund, aus dem es – wiederum in Analogie – Frauencafés und -Kneipen gibt, weil eine latente Gewaltandrohung gegen Frauen eben auch den Alltag auf den Straßen prägt und da ebenfalls die Masche, den Spieß umzudrehen und die weibliche Perspektive erst mal unter Rechtfertigungsdruck zu stellen, den Diskurs prägt.

Es ist Freunden von mir passiert, dass sie nach körperlichen, offenkundig rassistisch motivierten Angriffen erst mal eine generelle Rassismusdebatte, den es in Deutschland ja gar nicht wirklich gäbe, aufgenötigt bekamen – Emphatie wurde ihnen vollständig verwehrt.

Und der Unterschied ums Ganze (!!!) zu schwuler Sozialisation liegt eben darin, dass man entscheiden kann, wann man sich zeigt und wann nicht und dann, wenn man es bleiben lässt, alle männlichen und ggf. auch weißen Privilegien ja leben kann.

Eine Freundin hat die auch im Interview im Fall manifester Gewalt skizzierten Mechanismen treffend als „Überschreiben von Erfahrung“ bezeichnet. Anstatt ein der Situation angemessenes Selbstgefühl zu entwickeln, ist man in die Reaktion auf Zuschreibungen verfangen. Das ist par excellence das, was Jean-Paul Sartre in „Das Sein und das Nichts“ als Dynamik des „Für-Andere-Seins“ beschrieben hat: Statt als Subjekt selbstbestimmt zu agieren, verfängt Mensch sich in Perspektiven – oft diskreditierenden – Anderer und ist genötigt, sich zu ihnen zu verhalten. Es macht Sinn, den Begriff „Entfremdung“ hier zu verwenden. Und das findet ganz alltäglich immer und überall statt.

Deshalb ist die Schlussfolgerung in dem Interview so wichtig:

„Wir können aber die Angst verringern und das Gefühl von Minderwertigkeit – zugunsten des Gefühls, wieder selbst bestimmen zu können, wer man ist. Dann kann auch die Wand zwischen dem Opfer und anderen Menschen wieder durchlässiger werden in der Erwartung, auch wieder positive Erfahrungen zu machen.“

All das sind Lehren aus der Traumatisierungsforschung – latente Gefahren als manifeste wahr nehmen als Effekt der Traumatisierung -, und das ist nichts anderes als das auch hier von Kommentatoren oft wüst und aggressiv bekämpfte Empowerment. Wieder andere anderswo meinten, es würde beschämen, wenn man darüber schreibt und fordern damit das folgende ein – Reviktimisierung:

„Sie müssen beschreiben, was passiert ist, wiederholen, was zu ihnen gesagt wurde. Das ist eine Reviktimisierung, oft durch weiße deutsche Männer, die eventuell den Tätern ähneln.“

Das ist auch weißen Frauen gegenüber außerhalb der Konfrontation mit der Staatsmacht mutmaßlich nicht ganz so schlimm, aber eben trotzdem grausam auch bei nicht ganz so schlimmen Erfahrungen wie dem Erleben körperlicher Gewalt. Da dann noch Ansprüche zu erheben, WIE denn nun bitte die eigene Erfahrung zu artikulieren sei, ist einfach nur eine Stabilisierung der Dominanzverhältnisse.

Aber das weiße Deutschland ist halt zu weiten Teilen verwalsert, seit geraumer Zeit auch und gerade bei Menschen mit linkem Selbstverständnis. Die Rede hatte ich ja gestern schon am Wickel; in ihr tauchen prototypisch all die Muster auf, die heute bei der „Leftist Elite“ und anderen Derailingprofis Anwendung finden:

„Immer wieder das altmodische Wort „Schande“. Das ist auffällig, und Ignatz Bubis ist es aufgefallen: „Viermal spricht Walser von der Schande. Aber nicht ein einziges Mal von den Verbrechen.“

Empfehle noch einmal dringlichst die Lektüre des verlinkten Textes. Das steckt wirklich alles drin, was quält.

Andere formulieren das heute dergestalt, dass man den Leser nicht beschämen solle.

Darauf noch einmal zurück zu kommen ist nicht abwegig; als ich das taz-Interview eben gelesen habe, packte mich einfach noch einmal die nackte Wut auf genau diese Art des Diskurses, die alles dafür tut, die Stimmen der Opfer zum Verstummen zu bringen oder sie gar zu Tätern zu stilisieren.

Es ist der taz zu danken, dass sie, was in der Tat auffällig selten statt findet, und sei es auch nur die über Therapeuten als legitimierende Instanz vermittelte Erfahrungen der anderen Seite zu veröffentlichen.

 

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9 Antworten zu “Latente und manifeste, strukturelle Gewalt und die psychischen Folgen für Betroffene

  1. vuvuzela//riotqueer Januar 8, 2013 um 10:56 pm

    Okay,..in einem tiefen Respekt für die Menschen, die diesen strukturellen Gewalt-Szenen ausgesetzt waren, einer Ideologie des Hasses und Herrenmenschen_tums,…es ist einfach zum kotzen: die letzten Monate auf dem freien Radio FSK die positiv zu bewertenden Engagement für einen Ramazan-Avci-Platz am S-Bhf. Landwehr, … und der Lokalpresse zu entnehmenden Erinnerungen der Jungengangs in Hamburg der 1980er: ich fühle mich da wirklich in zwei Teile am Anus zerrissen [pathologisch ein Gefühl des sich in der BRD-West sich nicht riechen könnens]…diese ganzen Jungengangs mit freundlicher Unterstützung diverser Proletten und anderen Schabernack zum Thema ’struktureller Gewalt auf der Straße‘,..die ja auch in einem sich gleicht, der Erniedrigung des Anderen aus Gründen die nicht nachvollziehbar bleiben, außer es ist politische Manifestation….wie beim militanten Antifaschismus als Reaktion der neofaschistischer Skinhead_welle parallel zu dieser Erscheinung. Ich bin damals in Steilshoop aufgewachsen und mit meinem Zwilling auch unterschiedlichster Gewaltszenarien ausgesetzt gewesen [welches mir auf St.Pauli zwischen 1994-2003 vom Vorteil war und ist],…engagierte mich in der Amiga 500 ‚bass_ism against racism‘-Austausch und schrieb vieles zum Thema linksradikaler Militanz, da meine Halbschwester, die neun Jahre älter war und in den 1980ern in der Paul-Roosen-Str. wohnte in tiefer, für damalige Verhältnisse linken – gegenwärtig doch evangelikal rechtsradikal die besetzten Projekte supportete, beeinflusst von dieser Form der auch für mich in der Sozialisation erniedrigten Gewaltszenen sexuell ausgesetzt…ohne jetzt Reflexe zum Thema des ‚other_ing‘ zu provozieren, …war mein damaliger Kampf als halb-Pakistani ein Minderheits-K[r]ampf um Straßendeutungen und ja,..auch die Aesthetik spielte in den 1980/90ern eine wirklich wichtige Rolle,…es gab diese Glorifizierung in der damaligen und gegenwärtigen Auseinandersetzungen um türkische Gangs, die damals als Verbündete in der Deutschen Geschichte sich nochmal als marginalisierte Ausländer und Asyl-Bittsteller_innen gemeinen Vorurteilen ausgesetzt waren,…aber [das große ‚aber],..waren die türkischen Faschisten gleichzeitig in der Linguistik dieser strukturellen Gewalt_szenarien auch mitten mang,…und ja,.. MULTI_optionale Männlichkeit kam zum ersten Mal in meinem Leben einer strengen Kritik innerhalb der ‚HdJ’s‘, den Häusern der Jugend der Stadtteil_politiken, die damals vor harten Drogen und sexuellen Übergriffen keinen Schutz boten. Ich weiß, das dies absolut Schizo ist, denn der Anti-Nazi-Kampf wurde von denen erfolgreicher geführt, als die dann in den 1990ern aufkommende Stadtteil-Antifa,..aber was ich alles einstecken musste von gerade diesen Mormon der strukturellen Gewalt seitens türkischer Männlichkeiten, steckt noch tief und ich weiß auch nicht wie daran Gedenken, wenn ich an Ramazan-Avci [ge]denke und diesen ganzen Jungengangs.

    Gerade für die Geschichte von St.Pauli ein besonderes bon mot, auf diesen Blog über die EFX-Hascherei der MoPo mal hinaus zu denken, was hätte eine intensivere linksradikale Politik bedeutet, wenn doch mehr oder schon früher auf dieses Gewalt_potenzial mäßigend eingegriffen werden konnte. In Steilshoop gelang das damals zwar auch nicht, und es gibt die Mythen um einzelne Personen und Aktionen, die leicht ins kriminelle des Staatsapparates den Daumendruck hinterließ,…aber mein Gefühl des Unwohl-Seins von denen, die damals in den sog. sozialen Brennpunkten nichts verloren hatten, heute so’n Scheiß von MoPo und FSK serviert zu bekommen.

    Es musste mal raus,..danke Momo, das wird und ist ein langer Prozess,..und ja,..ich kenne das Gefühl ‚allein‘ gelassen zu werden im Ammon der hetero_sexuell, strukturierten Gewalt von Jungengangs u.a. Männlichkeiten. Mit Schamesröte,…

  2. momorulez Januar 8, 2013 um 11:57 pm

    Ich muss den Mopo-Artikel, auf den Du anspielst, noch mal lesen – dass damals die Grauen Wölfe (? – hießen die so?) ziemlich einflussreich waren, an die Diskussionen erinnere ich mich. Und @ring2, der hier manchmal kommentiert, hat auch recht viel von türkischstãmmigen Gangs erzählt, mit denen er zum Teil unterwegs war, die wenig mit Vorstellungen eines linken Antifaschismus gemein hatten.

    Ich selbst komm ja aus einer bildungsbürgerlichen Mittelstandsfamilie, beides „Aufsteiger“ aus Arbeiter- und Landarbeiter-Zusammenhängen, und bin in einer Vorstadt voller „Neue Heimat“-Siedlungen, falls sich an die wer erinnert, aufgewachsen und war auf einer IGS mit vielen Arbeiterkindern. Es gab krassere Gegenden rund um Hannover, Garbsen auf der Horst, Laatzen, Vahrenheide – und mit Steilshoop war das ebenso wenig vergleichbar wie mit dem St. Pauli damals. Insofern kann ich irgendwie nur zulesen und mache das auch, ich hatte immer Schiss und Rückzugsräume, in denen ich mich verstecken konnte, konnte vom „Klassensprecher-„-Bildungsprivileg profitieren, und die Typen aus der Wehrsportgruppe, die mir im Landschulheim die Haare schneiden wollten, haben sich nicht näher ran getraut.

    In der hannöverschen Innenstadt etwas später war es allerdings gemeingefährlich, weil die Nazi-Skins und auch rechten Psychs da echt, flankiert von der Bahnpolizei, echt eine Gewaltherrschaft gegen Ökos, Punkige, „Penner“ und auch Waver ausübten. Mir ist, außer das das Auto meiner Mutter mal vorm „bad“ komplett zertreten wurde, da nie was passiert, aber vielen die ich kannte. Da war ich aber noch nicht offen schwul. Aber da waren die rechten Skins so massiv, die haben sich ja sogar gegenseitig abgemurkst, dass das, was Du schreibst, da für mich nicht wahrnehmbar war.

    Später habe ich das immer als Stress erlebt, auf offener Straße mit Lover zu knutschen, selbst Mittags am sehr vornehmen Dammtor, was für mich schon einen Wandel bedeutete, dieses ambivalente Gefühl, dass da sehr schnell rund um mich was eskalieren könnte, weil ich mich zeige. Kannte ja genug Schwule, die auch mitten auf St. Pauli vermöbelt worden waren. Die Drohung wird früh etabliert und bleibt.

    Schreibe das nur so ausführlich, nicht, weil ich weg drücken will, was Du schreibst, ganz im Gegenteil: Das ist ein völlig anderer, biographischer Hintergrund, vor dem ich auch blogge. Ich kann deswegen nur zulesen, hinhören; ich kann das, was Du schreibst, nicht ergänzen oder kommentieren. Ich lese aber so genau hin, wie es mir möglich ist, wirklich!

  3. vuvuzela//riotqueer Januar 9, 2013 um 2:20 am

    Danke Momo für den warmen Schweif deiner Literatur! Ich denke auch, das sich hinsichtlich des ‚pass_ing‘ von Orten und Räumen sich -nicht- auf ein Gemeinsames bezogen werden kann. Es ist leider so, das sich jeder mit seiner Ambivalenz, eigene Techniken aneignen muss, um an gerade den frequentierten Plätzen, wo darauf geschaut wird, wie und was sich bewegt, zu ‚überleben‘ [ein Wort welches ich hasse] Habe mal mit angesehen, bei einem Auswärtsspiel des FC St.Pauli in Hannover 1992, wie die damaligen Leute vom Fanladen echt Keule gaben für die dort anwesenden Neo-Nazis und willigen Nachlauf an Jungen.

    In meiner Biografie gab es nichts zu deuten, außer das immer irgendwo das Alltags-Kapital knapp war und meine Eltern sich nicht für ein höheren Bildungsweg entschieden – eher im Gegenteil…aber Danke für den autonomen Freiraum den Du mir geöffnet hast…

    Wenn es um strukturelle Gewalt geht, gerade von Jungen und Männern, und da versuche ich zu verstehen was Du mit der ‚Walser-Debatte‘ meinst [kenne nur aus der Bahamas-Publikation einen kleinen Ausschnitt und in meinem letzten Semester war es der ‚Hohmann-Skandal‘]…ist der Ursprung richtiger weise, die männliche Selbstverleugnung in der Verbindung, die seit der Aufklärung zwischen Vernunft, Moral und Männlichkeit gezogen wurde. Ein ewig wiederkehrendes Thema….auch wenn die moderne Welt weltlich war, bot sie doch eine säkularisierte Form der protestantischen Kultur als Begründung ihrer universalen Vorstellung von Vernunft und Handeln…von FrauenLesben oder gar Queers u.a. ganz zu schweigen.So kommt es, dass die Probleme bei heutigen Männlichkeiten gerade in dem plumben Ödipal-Journalismus von Bild/Mopo diese Argumentation zugrunde legt, dass diese Welt in der Wahrnehmung einer Identifikation bedeutete, die nach Verteidigung dieser Aufklärung sucht und höchstwahrscheinlich auch gefunden wurde vorm Amtsgericht…Die protestantische Vorstellung sich vor einem Höheren sich zu beweisen zu müssen, verbindet sich mit traditionellen Männlichkeitskonzepten. Wenn wir nicht endlich aus dem ‚Sich-selbst-Anderen-beweisen‘ herauskommen, werden es andere Menschen aus dieser strukturellen Gewaltwahrnehmung -schwer- haben, wirklich Bedeutung für uns zu gewinnen…Naja,..dir erst mal einen angenehmen Start in den Tag verehrter Momo,..ich komme wieder ins kotzen wenn ich weiter ausführe, wie sich Männerfreundschaften sich zumeist bei mir gestalteten….

  4. momorulez Januar 9, 2013 um 10:24 am

    Oje … das mit der Walser-Debatte muss ich wohl noch mal genauer ausführen. Der hat da Abwehr-Muster etabliert, die sich von Tsianos bis Roehnicke, von Milton Friedman bis Schwarzer, von Ex-Autonomen bis hin zu Fleischauer, Augstein und Antifa-Kids wirklich inflationär ausgebreitet haben.

    In dem Zusammenhang wird das Protestantismus-Argument dann auch gefährlich – das wirkt ja exakt von denen angeführt, die sich in dessen Paradigma bewegen, als Abwehr z.B. gegen feministische Positionen, auf dass sie dann weiter ihre Übergriffigkeiten, Grenzverletzungen und Anmaßungen ANDEREN, nicht etwa einer höheren Instanz gegenüber leben können. Gab hier ja sogar eine gemischtgeschlechtlicge Hetenkonstellation, die endlos fierte, dass er sie vergewaltugt hat, und sie tröstete ihn dann immer dafür. Das sind genau die, die dann bei Rassismus-, Heteronormativitäts und Sexismusdebatten das Protestantismusargument anführen, weil sie selbst durch und durch davon geprägt sind.

    Ich glaube, das, was Du final schreibst, ist das Zusammenwirken von Status und Ego, was auch in schwulen Beziehungen Gift ist. Das wird immer „Migranten“ als „Kultur der Ehre“ rüber geschoben, ist aber für den patriachal-kapitalistischen Komplex ebenso konstitutiv und zeigt sich bei jeder Gehaltsverhandlung. Das wirkt bei Männern einfach noch viel nachhaltiger, und da habe ich echt Noah viel zu verdanken, das wenigstens temporär abschalten zu können. Einfach mal loslassen. Das ist ein ständiges Gift in allen Konstellationen und macht letztlich alle, auch die Männer, unglücklich. Weil da lauter nicht wechselseitig einvernehmlicher, psychologischer SM-Kram hinten dran hängt. Ich glaube jedenfalls, dass Du das meinen könntest.

    Ich gebe auch zu, da nachhaltig von Ekkehard Tolles „Leben im Jetzt“ beeinflusst zu sein. Das Buch hat mich völlig ausgeknockt und wendet ein paar Grundgedanken Sartres an. Letzteren muss ich hier echt mal wieder vertiefen.

  5. vuvuzela//riotqueer Januar 9, 2013 um 3:04 pm

    Ich muss ja zugeben, in Sachen Beziehungen bin ich durch strukturierte Gewaltszenen doch extrem eingeschränkt und meine letzte Beziehung war im letzten Jahrtausend, im Jahr 1998,..mit ganz vielen Hetero_sex_sidelines im Internationalen Austausch,..tja ,..und dann meine Vorstellung bei meinem Zwilling, für den ich während unserer Pubertät des Messianismus den Kopf hinhalten musste, als Bauwagenpunker, Philosophie und UNA-Bomba_mäßig – anti_patriarchal den Vorwurf machte, dass mein Vater nach einer Eheschließung mir nicht mehr mein Unterhalt zahlte im Jahr 2002,..und er mit mir doch eine Lösung suchen sollte, wie denn weiter,…die amtsrichterliche Anmaßung zwang weiser Zuführung in einer Geschlossenen veranlasste. Tja,..und da war ich dann in den letzten Zügen im Stadtteil St.Pauli auch raus. Dieser anti_judaistische Beißreflex meines Zwillingsbruder zollte gerade denjenigen Ihren Nominalismus, dass es schwer wurde aus diesem Abstraktionsvermögen auch nur etwas positives abzugewinnen, außer das die Kommunikations_referenzen als jetziger Bürokaufmann, mich ins wirkliche lachen lassen über eine geistige Regression und Vergreisung diverser Beziehungen, dass die Verschwörung[en] meiner damaligen linksradikalen Strukturen, bei aller philologischer Unschärfe, es dennoch mit einem ‚poly_//BDSM‘-Diskurs wohl auch nicht schafften diesen Nominalismus zu entrinnen.

    Wenn es denn mal zur Sache im meinem hetero_sexuellen Kontext kommen sollte, war immer ein Opfer_statut vorhanden, der/die anti_legalistischen-anti_judaistischen Deutungen eigener protestantischer [a]sozialer Herkunft im Ritus zitieren lassen. So auch der ewige Zwang während eines Studiums mit Quellverweisen umzugehen, wo dann doch eher dieser Komplex um patri_linearer Konformität die Gerade zwei lässt. Nun gut,..mir geht es gut,..und bewerbe mich auch eher Motivation_los im Bereich des Sozialen,…dennoch denke ich, das, um es flexibler zu gestalten einer psycho_analytischer Kritik des Phänomens im Stadtteil und Stadions bedarf.

    In so einem verschwommenen Voluntarismus der Mopo/Bild ist einfach kein Platz für das Unbewusste, schon gar nicht für ein unlösbares, soziales Problem das von solchen Leuten in die sog. ’sozialen Brennpunkte‘ hinein getragen werden, da eher Jungenkriminalität als multi_optionale Männlichkeits-Kritik formuliert wird. Entschieden offener gegenüber der Psycho_analyse war ja die Darstellung der/die Literatur diverser linker Autor_innen vorhanden,..und ja,..die Psychologie meiner Männlichkeit liegt halt substanziell im problematischen Wesen der _Ismen und Weiblichen,..wo es nur einer Beziehung im Kontext des defizitären Kapital als Produktion bedarf, um aus einer Lithurgie auch etwas lustvolles und generöses Zustande kommen zu lassen. Deswegen auch Supporter des FC St.Pauli als Möglichkeit meiner Punker-Biene den Bruch mit der Identifikation zu ermöglichen.

    Nur so’n Ton mal von mir! Danke!

  6. momorulez Januar 9, 2013 um 4:12 pm

    die amtsrichterliche Anmaßung zwang weiser Zuführung in einer Geschlossenen veranlasste.“

    Oha. Grausam. Komme ja aus einem „Psychoanalytikerhaushalt“ mütterlicherseits, wo mit Pathologisierungen und Diagnostiken um sich geworfen wurde wie mit Schimpfworten, insofern ist mir die Denke solcher, die Zwangseinweisungsnotwendigkeit sich zu beurteilen anmaßen, allerdings geläufig.

    Den Rest muss ich mir noch genau nachvollziehbar machen; verzeih mir, aber ich bin dran, weil auch hinsichtlich dessen, was ich verstehe, da viel Wahres drin steckt, glaube ich. Da muss ich mich jetzt aber erstmal einarbeiten, glaube ich.

  7. vuvuzela//riotqueer Januar 9, 2013 um 7:27 pm

    Nur wenn Du willst und einem Marvin Gaye sein ’sexual healin‘ mit ein hauchst,…bin mir sicher, dass die Rückrunde ziemlich lang und kontrovers sein wird. In diesem Sinne…

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