Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: Dezember 2012

Vorwärts, und nicht vergessen …

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… wohin unsere Reise geht – beim Hungern und beim Essen: Die Solidarität!

Denn die Entsolidarisierung altlinker Lügenbolde, Ignoranten und anderer Drecksäcke bleibt unvergessen. Drum suchen wir doch da, wo sich anknüpfen lässt: Indem wir zu Sylvester Sylvester hören, zum Beispiel. In die Musik und den Gesang von Donna Summer hinein lauschen, Rest in Peace! Sie ist bei uns und weist uns Wege.

Schluss mit Antifa-Folklore und ständiger Belehrung derer, für die zu agitieren die postautonom Kostümierten vorgeben – hinein ins Leben und das Wissen darum, dass Mensch „Freiheit!“ eben immer noch nicht den Liberalen zum Verzerren und Entsorgen überlassen darf und trotzdem Sicherheit auch jene vor ungebührlichen und antidemokratischen Umtrieben der Exekutive und anderer Großorganisationen bedeutet.

Die Freiheit liegt in Queer-Feminismus, Critical Whiteness, Empowerment, wohl verstandenem, individualrechtsbasiertem Sozialismus und dem Wissen, dass Rechte eben gar nix Formales sind. Sondern etwas, das Mensch tanzen kann. Weil es ums Glück geht. Für alle gleichermaßen. Die Exkludierten, Herabgewürdigten, Ein- und Ausgeschlossenen, Diffamierten und Diskreditierten bitte zuerst. Eines Tages wird auch gelingende Intersubjektivität gelebt werden.

Danke an alle, die hier lasen, diskutierten, hierher verlinkten – ganz besonders an Hannah und Qwertzu, weil sie nicht locker ließen. Danke an Noiseaux für das großartige Album, das für mich sozusagen das Ereignis des Jahres in positiver Hinsicht war. Jetzt kaufe ich mir sogar wieder ein Saxophon.

Danke an die tollen St. Paulianer, mit denen ich so viel Zeit verbringen darf, die Bezugsgruppe, die Desorganisierten, die Blogger und Twitterer und Gesprächspartner auf eine Zigarette bei mir im Büro – und den Verein kriegen wir irgendwie auch wieder auf die Höhe der Zeit. Wird noch sehr viel Arbeit, aber wenn wir uns an der Spielweise von Florian Bruns orientieren, dann kriegen wir das schon hin 🙂 …

Danke an alle, die sich auf die Wirrwege, Irrungen und gezielten Chaotisierungen dieses Blogs eingelassen haben, all die Crossover und Suchbewegungen.

Dank auch an jene, die weg blieben, dafûr, dass sie weg blieben.

Wünsche allen ein wundervolles 2013 – einfach ein bißchen mehr auf das konzentrieren, was wir wollen und nicht immer nur auf das, was wir nicht wollen, und wir kommen dem dann auch näher. Davon bin ich überzeugt! Denn unsere Ideen sind die besseren.

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Der Hetzer sät Gewalt …

… was ja nichts Neues ist, dass der Chef eines Weltkonzerns namens „Katholische Kirche“ sich durch die Herabwürdigungen von ihm nicht genehmen Lebensformen – das begreife ich als Hetze, diese Herabwürdigung, das „Abstandsgebot“ – profiliert.

Und auch nicht, dass er damit aktiv dafür sorgt, dass Schwule in allen irgendwie christlich geprägten Regionen auch weiter auf Schulhöfen verprügelt und in den Selbstmord getrieben werden, dass in manch afrikanischen Ländern Mord und Totschlag sowie menschenverachtende Rechtsprechungen Gegenwart sind und Frauen sich auf den Papst berufend vergewaltigt werden, weil sie Lesben sind. Korrektur dessen halt im Sinne des Friedens und der Gerechtigkeitkeit. Das ist kein Witz, das findet statt.

Interessant freilich ist, dass auch der Papst der Ansicht ist, dass dergleichen kriegerische Handlungsaufforderungen gegen Minderheiten eben NICHT mit der Religionsfreiheit zu begründen seien. Auf die können sich somit jene, die dem Oberhirten dieser zu Tode kanonisierten Schriften aus dem ersten und zweiten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung, – vieles, was noch irgendwie sinnvoll war, wurde erst bekämpft und später lieber gleich vernichtet (und trotzdem  in einem Tonkrug gefunden wurde), gar nicht berufen. Der Papst macht sehr deutlich, dass es sich um keine Glaubensfrage handelt, wenn queer.de richtig zitiert, sondern um eine totalitäre, POLITISCHE Bewegung handelt, als deren Führer er sich weit über den eigenen Konzern hinaus gehend begreift:

„Der Einsatz der Kirche zu (…) Förderung [der Überzeugungen zur Ehe] hat also keinen konfessionellen Charakter, sondern ist an alle Menschen gerichtet, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit. Solch ein Einsatz ist um so nötiger, je mehr diese Grundsätze geleugnet oder falsch verstanden werden“. Denn das stelle eine „Beleidigung der Wahrheit des Menschen dar, eine schwere Verletzung der Gerechtigkeit und des Friedens.“

Was man als einigermaßen unterreflektierte und durch keinerlei Fakten zu belegende These – Alexander der Große mag ja Männer gemocht haben, aber der Großteil der Kriegsherren war nach aktuellem Verständnis wohl strikt hetero, und Krieg führen manche Heten gegen Schwule, ganz alltäglich, nicht umgekehrt – und begrifflichen Nonsens abtun könnte, gewinnt freilich an Brisanz, wenn es eindeutig an politische Forderungen geknüpft ist.

Der Papst fordert hier das, was traditionell den Kommunisten vorgeworfen wurde, nämlich die totale Gleichschaltung von Menschen anhand einer präfigurierten Vorstellung davon, wie denn ein Mensch zu sein habe – und nicht zufällig haben ja auch Honecker und Mielke auch vom „Großen Friedenslager“ im Falle des Warschauer Pakts gesprochen. Dass zudem ein klarer, naturalistischer Fehlschluss vorliegt, das weiß der Papst ja selber. Das lässt man noch Erstsemestern durchgehen, aber nicht Professoren. Eigentlich ist das ein Witz über analytische Urteile, den er da reißt.

Da das alles nach Worten des Papstes aber gar nichts mit der Konfession zu tun habe, liegt es nahe, folgt man der Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichtes, die Katholische Kirche als eine totalitäre, verfassungsfeindliche, politische Bewegung zu betrachten. Bei denen ist des Papstes Wort ja sozusagen Gebot.

Warum also nur ein NPD-Verbot?

Und jeder, der an Weihnachten in die katholischen Kirchen schlendert, kann sich klar machen, wo er da sitzt: Bei einer Art Partei- oder Betriebsversammlung.

Sag nicht ich, sagt der Papst. Okay, irgendwas Konfessionelles wird er schon auch noch gesagt haben, und es gibt viele sehr aufgeschlossene Katholiken.

Aber auf Religionsfreiheit kann man sich jetzt als Katholik zumindest bei diesem Thema nicht mehr berufen. Schade, wa?

Ach, und übrigens: Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

Antwort des Senates u.a. auf den Polizeiübergriff vor dem Fanladen

Ich mache da noch mal einen eigenen Eintrag draus, auf dass das in der Kommentarsektion nicht untergeht. Danke, ma! Ist etwas unübersichtlich, aber sehr interessant, weil da sehr viel über die Systematik und die Zuständigkeiten der Polizei aus Sicht des Senates erzählt wird. Danke auch an Christiane Schneider für die Aufklärungsarbeit.

Hier ein kurzes Zitat, ich empfehle die Lektüre – auch, weil der Abwerwitz, dass nach den NSU-Morden weiterhin diese absurde, extremismustheoretische Sicht der Dinge einfach so weiter daher geplappert wird, ohne die mutmaßlichen und tatsächlichen Vernetzungen der „Sicherheitsorgane“ mit der rechten Szene auch nur zu erwähnen.

Obgleich die Lehre aus ’33 ja gar nicht „zerrieben zwischen rechts und links“ ist, sondern dass die Nazis den „Marsch durch die Institutionen“ zu Beginn der 30er Jahre sehr erfolgreich antraten und dabei von den „Bürgerlichen“ noch unterstützt wurden, wie auch das Abstimmungsverhalten im Falle des „Ermächtigungsgesetzes“ zeigte. Wer dafür stimmte, konnte später sogar Bundespräsident werden, Theodor Heuss halt. Der laut Wikipedia zwar Vorbehalte hatte, sich aber dem Fraktionszwang des bürgerlichen Lagers anschloss.

Die Möglichkeit dieser Koalition ist es ja, die autoritär orientierte Politiker wie Michael Neumann oder Hape Friedrich so gefährlich macht und strukturell auch das freie Morden des NSU ermöglicht hat. Eine inhaltliche Brücke, die zu schlagen aufgrund der Rolle der V-Männer sowohl beim letzten NPD-Verbotsversuch als auch bei dem, was rund um die NSU-Schlächter offenbar wurde, nahe liegt.

 

Aber zurück zu dem Fussball, der Polizei und dem Senat:

 

„Senat: Der Einsatz von verdeckten Ermittlern (VE), Vertrauenspersonen (VP) und Informanten stellt ein unverzichtbares Mittel zur vorbeugenden Bekämpfung bzw. Aufklärung von Straftaten von erheblicher Bedeutung dar.

Eine – auch teilweise – Offenlegung der Umstände konkreter Einsätze kann Rückschlüsse auf strafprozessuale oder gefahrenabwehrende verdeckte Maßnahmen der Polizei zulassen, die den Erfolg der Maßnahmen gefährden würden. Dieses gilt sowohl für Positiv- wie für Negativauskünfte: auch aus Angaben zum Nichteinsatz von Verdeckten Ermittlern in der Vergangenheit könnten Anhaltspunkte erlangt werden, in welchen Kriminalitäts- oder Gefahrenabwehrfeldern aktuell ein bzw. kein Einsatz erfolgt.

Diese Rückschlüsse würden die Wirksamkeit polizeilicher Maßnahmen erheblich beeinträchtigen.

Darüber hinaus gilt es zu berücksichtigen, dass durch Angaben zu aktuellen wie zu zurückliegenden Einsätzen von Verdeckten Ermittlern deren Enttarnung und in der Folge Gefahren für Leib oder Leben der eingesetzten Beamten zu befürchten sind. Auch würde die Enttarnung den weiteren Einsatz der Beamten in anderen Fällen unmöglich machen und so dieses unverzichtbare Instrument der Verbrechensbekämpfung und Gefahrenabwehr erheblich gefährden.

Insofern steht die Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Polizei als Strafverfolgungs- und Gefahrenabwehrbehörde einer Beantwortung verschiedener Fragen entgegen.

Das offene Ansprechen von Fußballfans ist in der polizeilichen Arbeit gängige Praxis und dient der Konversation mit den Fanszenen im Rahmen der Präventionsarbeit und der Erkenntnisgewinnung, beispielsweise hinsichtlich geplanter Auseinandersetzungen. Diese Ansprachen finden nicht konspirativ statt.

Für das Landesamt für Verfassungsschutz ist die Fußballszene insgesamt in Hamburg kein Beobachtungsobjekt. Es gibt allerdings Hinweise auf Einzelkontakte von Angehörigen der Fanszene mit links- oder rechtsextremistischen Spektren und deren Aktivitäten sowie personelle Überschneidungen. Im Rahmen des gesetzlichen Beobachtungsauftrages des Landesamtes für Verfassungsschutz Hamburg können auch Erkenntnisse im Bereich der Fußball-Fanszene über geplante oder begangene Straftaten anfallen. Solche Erkenntnisse werden den zuständigen Strafverfolgungsbehörden grundsätzlich auf der Basis der gesetzlichen Übermittlungsvorschriften zur Verfügung gestellt.“

Usw.

 

 

 

Mal was ganz anderes (oder auch nicht): Harmonielehre, Klaus Kauker und das „Best of Musikladen“

Im Zuge meiner teilweisen Wiedererinnerung, teilweise auch Neuerwerbs der Aneignung von Harmonielehre und Musiktheorie bin ich auf jemand enorm Spannendes gestoßen: Klaus Kauker. Den vermutlich eh viele schon kennen, er hat bei Youtube ein Portal mit enormer Reichweite aufgebaut und sogar schon den Grimme-Online-Award gewonnen. Zu recht; wenn man sich durch die Videos durchklickt, lernt man ungeheuer viel über Intervalle, Jazz-Akkorde bis hin zur Rhythmik – auch, wieso der Groove eben so wichtig ist. Habe da wirklich gerade noch mal ganz viel gelernt, und da der eine oder andere Musikmachinteressierte hier ja mitliest, kann ich das nur empfehlen, da Wissen wahlweise zu gewinnen oder zu erweitern oder zu erinnern.

Irgendwann begann Klaus Kauker sich der Analyse von Casting-Show-Songs zu widmen. Wie ich finde, auch das ungeheuer lehrreich. Richtig Spaß macht seine symbolische Vernichtung Dieter Bohlens, wozu nicht nur Plagiatsanalysen zählen. Sondern eben auch ein Song, den er nach Bohlen-Mustern gebaut hat: „I can not wait for you“. Am witzigsten und ja auch wieder lehrreichsten finde ich die Remixe, die daraufhin andere Youtube-User davon erstellten. Weil durch die aktive Auseinandersetzung mit der ziemlich lustigen Vorgabe sozusagen schrittweise Einblicke in die aktuellen, nachhaltig demokratisierten Musikproduktionsweisen vom erschwinglichen „Logic Pro 9“ bis hin zur unglaublichen Vielfalt von iPad-Apps hörbar wird.

Keine Ahnung, womit die nun jeweils geremixt haben; was dabei in Ansätzen nachvollzogen werden kann, Mehr von diesem Beitrag lesen

Allerlei Stänkern und Besserwissern – von der Disziplinargesellschaft, dem Kampf gegen „Unterschichten“ und einem Spiel gegen Aue

TEIL 1: Zum Spiel

Soll ich zu dem Spiel noch was schreiben, dem gegen Aue?

Auf dem Hinweg zwei Mal nass geworden bei der Hundelandverschickung auf die Hoheluft und mich über einen überdachten Sitzplatz gefreut. Ein Spiel auf einer versumpften Wiese gesehen, das meines Erachtens verloren wurde, weil der Gegner in den Augen der Mannschaft „nur“ eine Art Holzmicheltruppe sei, der man erst mal die eigene, individuelle technische Überlegenheit demonstrieren wollte. Die Auer kicherten sich daraufhin einen und schossen uns ab. Mal sehr kurz gefasst. Hochverdient gewonnen haben sie.

Man verstehe mich nicht falsch, im Gegensatz zu anderen im Forum habe ich, seitdem Frontzeck da ist, keinerlei Identifikationsproblem mit der Mannschaft. Zwar fehlt mir der Florian Bruns auf dem Platz doch schmerzlich, schnief, wann werden wir uns wieder sehen?, aber vom Einsatz und der Energie her kann man bei den Jungs da echt nicht meckern. Und man hat schon das Gefühl, dass sie selbst dann, wenn sie sich für ihren Erstligaverein empfehlen wollen sollten, in steter Kommunikation mit denen auf den Rängen und somit dem Gesamtphänomen FC ST. Pauli spielen,. Weil man ihnen auch nachlassenden Support deutlichst anspürt. Wobei ein Buchtmann ja so was von ackerte, dass sein so gar nicht mehr weißes Trikot Twitter-Freunde glatt zu Soccer-Kit-Fetisch-Parties inspirierte. Hut ab. Auch Gogia in Halbzeit 1 war schon prima; dass die rote Karte für Bartels auch zur Niederlage beitrug, weil er halt für schnelle Vorstöße und Flügelspiel nicht da war, zeigte nur, dass der Kader einfach nicht optimal zusammen gestellt ist. Wenn das nur einer kann und Gyau noch lernt.

An dieser anfänglichen Überheblichkeit sind nun kurioserweise unsere Mannschaften immer wieder gescheitert, seitdem ich ins Stadion gehe. Ist vermutlich einfach eine allgemeine Männermacke, die sich ebenso bei anderen Mannschaften zeigt. Und die sich nicht zeigt gegen die Hertha oder die Region.

Trotzdem war das wieder ein echtes Präsidiums-„Top 18 im Profifussball-Spiel“, die verliert man nämlich

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Grenzüberschreitung – Stellungnahme und Bewertung zum zivilpolizeilichen Vorgehen am 1. Dezember in der Brigittenstraße

Der Bitte der Sankt Pauli-Mafia um Veröffentlichung komme ich doch gerne und aus vollster Überzeugung nach. Ein Staat, der sein Personal ungeachtet sozialer Realitäten und tatsächlicher Kommunikationsprozesse stasi-like in jene vor-staatlichen Räume eindringen lässt, die idealerweise seine Voraussetzung sein sollten, kehrt die Verhältnisse demokratischer Souveränität um. Und mutiert so zum Polizeistaat.

Das ist analog zu widerrechtlichem Eindringen in Anwalts- und Arztpraxen oder zu dem Rumschnüffeln bei Journalisten zu verstehen, meiner Ansicht nach, was da geschehen ist. Und sei es in diesem Fall auch nur im Rahmen eines rechtlich informellen Systems.

Da ist Widerstand jedoch Pflicht: Durch das Formieren von Gegen-Öffentlichkeiten.

(Anmerkung: Ich hatte auch eine Art  Flugblatt-Version mit dem schönen Logo der St. Pauli-Mafia; das wäre aber auf Kosten der Leserlichkeit gegangen. Man verzeihe mir.)

Grenzüberschreitung – Stellungnahme und Bewertung zum zivilpolizeilichen Vorgehen am 1. Dezember in der Brigittenstraße

Am vergangenen Samstag wurde eines unserer Gruppenmitglieder im Eingangsbereich des Fanladens St. Pauli unvermittelt von einem Zivilpolizisten auf massive Weise angegangen. Der Mann stellte sich weder vor, noch wies er sich aus, war jedoch mehreren der anwesenden Fans als Zivilbeamter bekannt, da er sich offenbar mit Regelmäßigkeit an den Heimspieltagen des FC St. Pauli dort aufhält. Es wurde von Anfang an und unprovoziert eine auf Einschüchterung angelegte Drohkulisse aufgebaut, die die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich zog und dies wohl auch sollte. Unser Gruppenmitglied wurde  in druckvoller Weise aufgefordert, ihm allein in einen Randbereich der Straße zu folgen, und als es dies verständlicherweise verweigerte und – vergeblich – nach dem Grund dieses Auftritts fragte, wurde dies mit mehrfachen Drohungen, z.B. dass er „auch die harte Tour haben“ könne beantwortet. Erst einem Mitarbeiter des Fanladens gelang es schließlich, diesem Spuk ein Ende zu bereiten.

Es wurde später noch ausgesagt, es sei hier lediglich um eine Personalienfeststellung gegangen. Dies halten wir jedoch angesichts dieses bühnenreifen Auftritts für wenig wahrscheinlich, zumal dieser dadurch in keiner Weise erklärt wird. Der Mann hätte sich einfach und in aller Ruhe als Polizeibeamter identifizieren können, und unser Gruppenmitglied hätte sich ausweisen müssen und dies auch getan, ein Vorgang der von den meisten Umstehenden wahrscheinlich unbemerkt geblieben wäre. Eine Notwendigkeit, statt dessen jemanden unter lauten Drohungen zu nötigen, ihm in eine „stille Ecke“ zu folgen, bestand zu keiner Zeit.

Wir stellen uns zum einen die Frage, warum unser Gruppenmitglied unbedingt von den anderen isoliert werden sollte – in Verbindung mit der auf Einschüchterung angelegten Szenerie müssen wir annehmen, dass unter diesem Druck Informationen beschafft werden sollten.

Noch schwerer wiegt aber die Tatsache, dass dies im engsten Einzugsbereich des Fanladens St. Pauli stattfand, was einen absoluten Tabubruch darstellt, der nicht unbewusst und daher auch nicht zufällig erfolgt sein kann.

Ein soziales Projekt wie der Fanladen, der eine wesentliche Anlaufstelle der Fans darstellt und eine wichtige und erfolgreiche Arbeit leistet, die nicht zuletzt auch gewaltpräventiv ist, wird aus genau diesem Grunde üblicherweise als ein weitgehend geschützter Raum geachtet, damit diese durch nichts zu ersetzende Arbeit nicht gefährdet wird. Allein schon die ständige polizeiliche Beobachtung eines solchen Bereiches torpediert diese Arbeit zwangsläufig durch ihre abschreckende Wirkung gerade auch auf jugendliche Fans, deren Betreuung zu den wichtigsten Funktionen dieses Projektes zählt.  Umso schwerwiegender muss sich auswirken, wenn nun Leute buchstäblich aus der Tür heraus abgegriffen und unter Druck gesetzt werden, ohne dass irgendeine Gefahrensituation bestünde.

Vor dem Hintergrund der zur Zeit hochaktuellen Debatte um Gewalt im Rahmen von Fußballspielen gehört der Fanladen zu den Projekten, die deutliche Zeichen für Konfliktlösung und Konfliktprävention setzen, was auch von Seiten der Behörden bislang verbal immer anerkannt wurde. Daher müssen wir fragen, ob die Hamburger Polizei mit der nun erfolgten Grenzüberschreitung  ein gegenteiliges Zeichen zu setzen beabsichtigt, und ob sie und ihre aufsichtführenden Stellen dies tatsächlich für zielführend halten.

In einer weiteren aktuelle Debatte – der um eine Stadionwache in unmittelbarer Benachbarung von Fanräumen und Fanladen –  werden die Argumente für deren Auslagerung durch diesen Vorfall aufs Plastischste unterstützt. Eine solche Nachbarschaft ist mit der unverzichtbaren Arbeit eines Fanprojektes unverträglich und daher ein No Go.

Sankt Pauli Mafia

am 06. Dezember 2012″

Drunken Sailor in Ekstase …

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S. sagte, er habe jetzt Lust zu gröhlen.

Ich legte los.

Weil mir nichts Besseres einfiel, war’s halt „What shall we do with the drunken sailor“.

Ich finde das ja wunderschön, das hat so eine tiefe Melancholie, und es singt sich so prima. Erik und S. stimmten freudig ein, und auf einmal umring2te uns eine Horde begeisterter Jungs und machte mit ..wir jammten. Irgendwann am späten Nachmittag an der Budapester Straße. Begeistert. Es gibt sie tatsächlich, die Lebensfreude.

Klar, Klischee: Betrunkene Fussballfans nach Spielen johlen lautstark in den Straßen – aber es war so schön. Und tat so gut.

Und wo gibt es außerhalb der verorgelten „Lobe den Herren“-Welt der disziplinierenden Kirchen eigentlich jenseits der Stadien noch eine Kultur des gemeinsamen SINGENS? Das ist derart befreiend, dass viele, glaube ich, gerade deshalb ins Stadion gehen …

Wie ja nun gerade gestern deutlichst zu spüren war, wie befreiend das ist.

Die ersten zwölf Minuten kein Support aus Protest gegen diese vermeintlichen „Sicherheitspläne“ der DFL – war das gruselig! Es war auf einmal wie überall, Grundrauschen, nur der Emotionsausdruck, das „oh“ und „ah“ und „oh nein!“ war zu hören – war Kallas wunderschöner Kopfball gegen den eigenen Pfosten noch in jenen ersten 12 Minuten?

Weiß ich jetzt gar nicht mehr … auch das ist ja einer der Gründe, den Weg ins Millerntor-Stadion immer wieder anzutreten: Der therapeutische Effekt. Würde ich bei Kundengesprächen oder auch nur tagsüber am Schreibtisch derart singend meine Gefühle zum Ausdruck bringen wie während eines St. Pauli-Spiels, die hielten mich alle für verrückt. Im Stadion geht das. Ich werde deshalb in Spielpausen echt unausgeglichen.

Dabei – kein Geringerer als Eric Burdon hat mir das mal vorgemacht – war doch das Synchronisieren mittels Gesang gerade der Unterjochten bei der Arbeit das, was noch in jedem Charts-Heuler nachbebt. Burdon wollte mir den Backbeat demonstrieren. Ich solle mir schwarze Arbeiter vor und nach dem formalen Ende Sklaverei vorstellen, die Eisenbahnschwellen verlegten. Beim Ausholen mit dem Vorschlaghammer ein „Be my Baby!“ angestimmt, und dann rumms, der Schlag – der Backbeat.

In den europäischen Disziplinargesellschaften, wo es für Proletaier ja auch nicht nur lustig war, da wurde freilich im Zuge des alles durchdringenden Panoptismus (kann man beim Lichterkarussell nachlesen, was das ist) und der Parzellierung des Raumes den Menschen das Singen ausgetrieben.

Ob die das beim Dreschflegeln überhaupt je machten? Vermutlich mussten wir das auch wieder erst durch die Black Cultures lernen und leben es trotzdem nur verschämt punktuell in Stadien, wir Feiglinge, die wir noch jede Unterdrückung und Körperverformung zur ach so überlegenen „Kultur“ verklären, während wir uns und andere ausbeuten. Während Gesang an die Marsch- und Militärkapelle delegiert wurde und an das brave Sitzen im Konzert. Ohne Backbeat. Wenn’s groovet, kann man nicht marschieren.

Hätten die Weißen nicht den Blues geklaut … um nun zu verschweigen, wo er her kommt. Als hätte den ausgerechnet diese Kirmeskapelle Rolling Stones erfunden. Howling Wolf wurde dann zumindest erwähnt im Geburtstags-Special von DIE ZEIT. Einmal. Mehr nicht. Ansonsten war der Blues da die Musik Frank-Walter Steinmeyers.

Eric Burdon hätte denen einen rein gehauen, den Schmierfinken vom Speersort. Der weiß nämlich, wo was her kam, und ging dann einen Schritt zurück. Na, nicht ganz. Hieß trotzdem „Eric Burdon & War“. Trotzdem. Beschäftigt hat der sich mit all dem allemal und sich als Vermittler gesehen.

Und klar, all das hallt auch im Shantie nach. Irgendwie.

Ob die an Deck wohl auch gesungen wurden, während unten im Rumpf die angeketteten Menschen verreckten, während sie auf Schimmelmamns Plantagen deportiert wurden?

Ja, diesen Schatten des Grauens muss man halt auch mit singen. Die kann man auch hören, wenn man lauscht, wie Shanties gebaut sind. Was machten die denn vor Madagaskar, als sie die Pest an Bord hatten?

Gerade in Hamburg: Bedenke. Gerade, wenn ein Tjark Woydt im Vorstand des eigenen Vereins sitzt.

Und drunken Sailor entziehen sich wenigstens trotzdem dem Funktionalen. Wie auch Menschen auf Rängen, die gegen Sicherheitspapiere demonstrieren. Wobei es denen ohne Ketten, Kielholen und Skorbut im Vergleich erheblich besser geht. Und in der Behörde tragen sie Krawatte.

Ja, ich habe getanzt, noch auf dem Heimweg, im Dunkeln, im Park. Den Wallanlagen. Der Dom funkelte durch Gehölze, ein Disco-Groove aus meinem iPhone drang durch die Stöpsel in mich hinein und durch mich hindurch. Da konnte ich nicht anders, als einsam neben der Wiese noch ein wenig zu zappeln. Denn ich war glücklich.

Was war das wieder Millerntor gestern! Hätte ich nicht gedacht, das im neuen Stadion mal zu erleben.

Danke. Wirklich Danke, Team des FC St. Pauli!!!!!! Ich fand euch schon gegen Hertha toll, die zweite Halbzeit gegen Braunschweig ein absolutes Highlight – und mochte das ZDF-Sportstudio auch unken, als ich meinen Rausch ein wenig ausgeschlafen hatte, ich fand euch überwältigend. Ihr habt mich mit gerissen.

P.A. neben mir raunte irgendwann nach dem 1:0, Lautern sei ja völlig konsterniert. Die machten zeitweise kaum noch was. Und ja, sie hatten ihre Pfostenschüsse, sie hatten ihre Chancen, die Tschauner grandios hielt – aber was ihr da für eine Energie und Spielfreude und Wille und Leidenschaft auf den Platz gezaubert habt, das war die so oft bechworeme Magie. Das war sie. Das war so Millerntor.

Als nach 12 Minuten alle platzten, nun, endlich,wieder lautstark und singend fühlen, wollen, fiebern, schreien … zusammen singen ist sooooooooooooo wichtig!

Als auf einmal wieder von der Gegengerade Chöre initiiert wurden, als plötzlich Wechselgesänge Nord und Gegengerade gleichzeitig mit den USP-Chants auf der Süd zu hören waren, während unsere Jungmänner, Avevor, Funk, Buchtmann den Rasen umpflügten, Gogia seine Tänze aufführte und Ginzcek traf … ja, selbst H8 mittlere Höhe war diesmal sehr lebendig, sprang auf, klatschte, sang mit.

Müsste den Blog-Eintrag jetzt eigentlich singen. So wie die Shanties vor der Domschänke.

Weil das derart befreit … und wenn es denn endlich mal alle befreien würde und nicht nur die an Deck.

Nachschlag: http://vimeo.com/54680999