Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Der FC St. Pauli, die „My Fair Lady“ unter den Fussballvereinen: Ein Grundkurs in Demokratie und wieso Herr Orth mal Aretha Franklin hören sollte

Ich hatte mein Kreuz schon beim „Ja“ gemacht. Weil ich Herrn Stenger ernst nehme. Die Antragsteller offenkundig nicht, die wollten nur mal ein bißchen diskutieren. Das könnte sich rächen.

Und so zogen sie den Antrag zurück. Ich bin sauer.

Unter anderem.

Auf ein Präsidium, für dessen Auftreten ich mich stellvertretend geschämt habe. Was eine Selbst-Demontage!

Auf „aktive Fans“, die über „Papa, Du musst mir aber auch mal zuhören“ bei den Anträgen zum Schluß zum Glück hinaus gingen, aber sonst nicht. Wie absurd die Kleinfamilienstruktur sich noch bei Vereinsversammlungen abbildet – beim Paternalismus des Präsidiums ebenso wie bei den an „Autoritäten“ orientierten Fans.

Als Knaller empfand ich gar nicht diesen kalkulierten Ausfall von Herrn Spies. Ich setze die Teilnahme an der Veranstaltung jetzt einfach mal voraus; Protokolle werden dankenswerterweise andere schreiben. Herr Spies, der (zum Glück ausfallend) wie in einem Gerichts-B-Movie aus Perry Mason-Zeiten theatralisch den Ankläger gab und so den „Mob“ gegen sich aufbrachte, um vom devot sich präsentierenden Herrn Stenger abzulenken. Herr Stenger, das hat mir weh getan, diese gespielte Unterwürfigkeit, können Sie nicht mal wenigstens offensiv vertreten, wofür Sie stehen? So rauben Sie dem Amt dem Würde.

Wo schon allesamt den ganzen Abend mit bürgerlichen Stil- und Benimmfragen beschäftigt waren und das mit der moralischen Kategorie „Respekt“ verwechselten – ein vehementes „Du Arschloch!“ nimmt das Gegenüber oft schlicht ernster als dieser zelebrierte Zwang zum Selbstzwang, Wut und Schmerz zu verbergen, indem man den Kreidefresser spielt.

Die Verbürgerlichung des Vereins hat sich gestern wieder aufs Unerträglichste gezeigt. Sich immer noch irgendwie auf Postpunk berufen, aber das Kratzen, Spucken, Pöbeln, das dieser Musik innewohnte, als „My Fair Lady“ unter den Fussballvereinen der Ungebührlichkeit zuzuschlagen: Rock’n’Roll ist das nicht. Das ist so brav wie die Artikel in der BASCH.

Deshalb nun zu dem Punkt, der mich da in Groll wühlend sitzen ließ, so dass tatsächlich der Respekt vor der ganzen Veranstaltung temporär dahin schmolz wie ein Stück Eis im Kamillentee. Es ist die Rede von Stefan Orth. Den nimmt zwar eh niemand ernst, aber genau das ist gefährlich – diese weißen, heterosexuellen Familienväter aus der „Neuen Mitte“ sind ja gerade wegen ihrer undifferenzierten Hirnverclaimung so bedrohlich und dominieren einfach alles mit ihrer ureigenen Form der Reflektionsunfähigkeit, die zähflüssig ist wie Apfelgelee aus dem Einmachglas und alles zumatscht mit ideologisch verblendeter Klebrigkeit.

Genau diese Bornierten, Halbgebildeten, Unpolitischen entwerten noch das Wichtigstee durch stupide Verformelung. Am schlimmsten immer bei diesem „Gegen Nazis“,

das zum Verschwinden bringt, was das meint, „Nazi“, und wie viele Spuren dessen in der so genannten „Mitte“ sich finden.

Ich würde mir ja einen Präsidenten wünschen, der sich dafür begeistert, dass Aktionen zum Gedenken an die Edelweißpiraten durchgezogen wurden – und sich darüber beklagt, dass bei aller Wichtigkeit des Rekurses auf den Widerstand im „3. Reich“ die Fanszene schon wieder nichts zustande gebracht hat, keine Aktion, keine Choreo, kein gar nichts, um die allgegenwärtigen Spuren der Kolonialgeschichte in Hamburg sich zu vergegenwärtigen. Deshalb habe Tjark Woydt jetzt eine Arbeitsgruppe initiiert, in der die Rolle der Reedereien und Banken im Kolonialzeitalter damals und wie heute, ist ja nicht vorbei, beleuchtet wird. Er freue sich schon darauf, eine Ausstellung zur Aufklärung dazu in sämtlichen Gängen der Haupttribüne zu organisieren. Das Finden von Sponsoren hierfür war ein Leichtes; insbesondere die „Fernsehlotterie“, die ihren Kolonialslogan „Ein Platz an der Sonne“ dankenswerterweise abgeschafft hat, ließ sich nicht lumpen.

Nein, Orth schaffte es stattdessen, ritualhaft von in Nebensätzen mal angesprochenen „Antirassismus, Antisexismus“ – man erinnere sich an die Diskussion zu Susis Showbar, Herr Orth weiß vermutlich gar nicht, was das besagt – und „Antihomophobie“ mittels einer Brücke über sinnentleerte Floskelketten wie „Respekt“ und „Toleranz“ zu dem vor sich selbst, dem weißen, heterosexuellen Mann, überzuleiten. Wie man das heute so macht in Deutschlands „Neuer Mitte“.

Womit er das Motto des Abends vorgegeben hatte: „Respekt zuvorderst für mich selbst“. Ich erlebe als Schwuler solche Überleitungen und verbalen Darmentleerungen hinsichtlich der Antidiskriminierungsfrage, die direkt zu albernen Diskussionen um Stilfragen überleitete, als persönliche Beleidigung und erwarte eine Entschuldigung. Weil sie eine Entwertung der Erfahrungen und Biographien derer, die tatsächlich Diskriminierung ausgesetzt waren und sind, darstellt, und damit meine ich jetzt gar nicht die meine, sondern vor allem die derer, die täglich sexualisiertern Übergriffen, Racial Profiling oder der Gefahr der Abschiebung ausgesetzt sind.

Aber er setzt noch eins drauf, der Herr Präsident: Er stellt tatsächlich die steile These auf, ein Abwahlantrag habe nichts mit konstruktiver Kritik zu tun.

Die wirklich erschreckende Bildungslosigkeit in politischen Fragen bei diesem Herren ist erstaunlich und im Sinne des FC St. Pauli wirklich ein Skandal. Es ist die Pointe jeder Demokratie, dass man die abwählen kann, von denen man sich nicht gut vertreten fühlt. Amartya Sen hat einen Wirtschaftsnobelpreis erhalten dafür, dass er nachgewiesen hat, dass es in Demokratien keine Hungersnöte gibt. Bisher zumindest. Weil die, die repräsentieren und Verantwortung tragen, wiedergewählt werden wollen – so kümmern sie sich um die Interessen ihres Klientels.

Dass Herr Spiess dann noch das Argument des „Machtmissbrauchs“ angesichts dessen, was Demokratie ausmacht, nämlich eine Orientierung am Interesse und Willen des Souveräns, einwirft, zeigt nur, wessen Geistes Kinder in diesem Präsidium herrschen: Es sind Demokratieverächter.

Dabei hat bei allem Genervtsein der gestrige Abend gezeigt, dass diese funktioniert: Bei allen Fragen zum „Sicherheitspapier“ hat sich das Präsidium auf Linie der Fansicht begeben und auch für die entsprechenden Anträge gestimmt, für alle sichtbar. Beim Museum/Goliathswachenkomplex ebenso.

Da dann wieder, wie üblich bei Rechtskonservativen aus dem Publikum, vom „Mob“ zu sprechen, wo im Sinne der Demokratie Druck ausgeübt wird, das gab zu recht Kontra – zu der Möglichkeit, Druck auszuüben, zählen für mich auch Transparente in Stadien, die sich über die Glaubwürdigkeit von Mandatsträgern pointiert äußern. Wozu ich mit Sicherheit nicht „klein und gemein“ meine.

Und auch dieses vermeintliche „Herauspicken Einzelner“, das immer erwähnt wurde: Wer an Sicherheitspapieren mitarbeitet, sollte auch in der Lage sein, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass er das tut. Nun, gestern, endlich, durfte man als Vereinsmitglied auch mal erfahren, wie Herr Stenger seine Rolle da verstanden hat. War interessant zu hören, wie er Wege zum Ziel sich vorstellt. Überzeugt hat es mich nicht; man muss den Rechtfertigungsdruck umkehren, nicht etwa versuchen, bei falschen Anklagen einen Deal auszuhandeln wie vor Gericht.

Wenn Innensenatoren für ihre Politik kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert werden, wird ja auch nicht „ein Einzelner aus dem Senat heraus gepickt“. Das war auch beim Rauchen auf dem Balkon so oft zu hören, dass man sich wirklich fragt, ob Kurse zu den Grundlagen demokratischer Prozesse vielleicht obligatorisch in der Erwachsenenbildung verankert werden müssten. Überall ist Schulhof.

Und der Herr Schuldirektor. Dieses Präsidium hat wohl die Vorstellung des „guten Königs“, der dann zum Wohle der Untertanen agiert. Gestützt durch einen Utilitarismus für Anfänger, diese leere Formel „zum Wohle aller“. Der „gute König“ als Haltung zeigt sich ja auch bei schlechten Chefs. Wahrscheinlich halten sie uns für so was wie die naive Belegschaft, die vom wahren Business hinter den Kulissen ja eh keine Ahnung hat.

Und auf welchem Wege es möchte, dass wir die Güte der Monarchen mitbekommen, hat Herr Spies uns dann ja auch mitgeteilt: Durch das Leaken von Präsidiumsprotokollen. Anders erfährt man das ja nicht, was sie an Herrn Rauball und Herrn Niersbach schreiben, warum und wie sie in „Sicherheitskonferenzen“ agieren. Da empfahl er dieses als probates Mittel. Weil ansonsten die Außendarstellung des Präsidiums – ja, auf was denn eigentlich angelegt ist? Wir sind die coolen Manager? Wenn überhaupt.
Es gibt ja den Begriff „repräsentative Demokratie“. Verfechter von Rätesystemen, die idealerweise basisdemokratisch angelegt sind, haben das mit guten Gründen oft schon kritisiert. „Repräsentant“ ist dabei kein formaler Begriff, es geht schon auch darum, Interessen derer, die man vertritt, als Maßstab des eigenen Handelns zu begreifen, sie zu repräsentieren halt. Und in der schönen, neuen Medienwelt geht es dabei auch um die Außendarstellung der Institution oder Organisation, die man vertritt. Da nun als Weg das Leaken all der schönen Sätze zu wählen, die „intern“ gefallen sind, macht das Sinn?

Im Vorfeld der JHV gab es einen guten Artikel und viele beleidigte Interviews und Sottisen gegen Blogger wie mich, wo wiederum Herr Orth per Mopo verkündete, das ginge ja nun schon mal gar nicht, hier und sonst im Internet Druck aufzubauen.

Warum nicht? „Medien“ als vierte Gewalt muss man schon auch ertragen können. Und da die „Fieslinge“-Mopo ebenso wie die „Mies“-Bild und der parteiische, sich als Teil von Vereinspolitik offenkundig begreifende Herr Wöckener auf ganzer Linie versagt haben und ihrer Informationspflicht sehr eingeschränkt durch Meinungsfreudigkeit nur nachkamen, müssen das ja andere übernehmen. Auch das zeigt wieder nur, in was für einer watteweichen „guter König“-Welt der Herr Orth lebt; er hat es gestern den ganzen Abend bewiesen. „Ihr honorieret meine Güte nicht!“

Was ich hier zusammen fasse, ist im Grunde genommen ein Konglomerat aus Elementen, die gestern auch die Diskussion prägten und einfach eine abstrakte Form der Zusammenfassung.

Ich fühlte mich allerdings sehr, sehr gut vertreten durch Herrn Gunkel – just hatte ich „wer inhaltlich nichts zu sagen hat, weicht auf Formfragen aus“ in mein iPad getippt, da formulierte er Ähnliches noch einmal pointierter. Ich fand den Aufsichtsrat sehr überzeugend, nur der Ehrenrat schien mir etwas zu christlich unterwegs. Vielleicht sollte lieber mal Heiko für die sprechen, der ist prägnanter.

Ich freue mich, dass die guten Anträge allesamt durch gingen. Ich freue mich, dass das Präsidium bei all den Fragen angeblich um „Sicherheit“, letztlich aber um das temporär und territorial eingeschränkte Umgestalten der verfassungsgemäßen Ordnung durch DFL und DFB, auf Linie gebracht wurde. Wenn dieser „Extremismusbegriff“ irgendwo Sinn macht, dann ja bei den Akteuren von DFB und DFL, die eben nichts anderes als eine Abschaffung rechtsstaatlicher Prinzipien und somit eine Abschaffung der Wirkung der Grundrechte zusammen mit Politikern und Polizeigewerkschaften anstreben.

Ich freue mich darüber, dass wenigstens beim Thema Rollifahrer und Läufer auch der Antidiskrimierungsgedanke eine Rolle spielte. Mal so nebenbei.

Gefreut habe ich mich darüber, einmal mehr den Beleg geliefert bekommen zu haben, dass wir hinsichtlich Stadionbau und wohl auch Vernetzung in die Politik hinein sowie Know-How bei der Abwicklung operativen Wirtschaftens ein offenkundig ziemlich gutes Präsidium haben. Da waren sich AFM, Aufrsichtsrat und Kassenprüfer ziemlich einig.

Reicht aber nicht. Für alles andere war das für mich wieder der Beleg, dass wir da schlicht und ergreifend die falschen Akteure haben, die auch eine wirklich erbärmliche Figur auf dem Podium abgaben. Da sich der Hamburger Boulevard von Mopo über BILD bis Abendblatt eh auf die Fans eingeschossen hat, ganz, wie das in postdemokratischen Ordnungen üblich ist, wo alle um die Gunst der Mächtigen buhlen, wird es medial nicht gegen die Akteure gewendet, im Sinne des Vereins ist das sogar ganz gut.

Ich traue den Akteuren nach den gestrigen Auftritten nichts Bahnbrechendes zu und glaube auch nicht, dass es ohne eine starke Persönlichkeit wie Corny zuvor, der alle entscheidenden Gleise legte, so weit gekommen wäre mit dem Stadionbau.

Der entscheidende Hinweis kam vom Aufsichtsrat: Die Angst, dass in schwierigen Situationen vom Präsidium in Panikreaktionen Entscheidungen getroffen werden, die schwer nach hinten los gehen könnten. Diese Angst habe ich angesichts des unsouveränen Theaters nun verstärkt.

Und es ist ja gut, dass beratend und formal verankert ein Fan-Gremium angepeilt wird. Nur dass auch da sich mittlerweile fast alle Aktionen wieder nur um „Fanrechte“ und „Stadiongestaltung“ drehten. Angesichts akuter Bedrohungen durch Sicherheitsorgane verständlich.

Nur kann nicht mal wieder irgendwas passieren, initiiert werden, was über „Respekt vor mir! Rechte für mich“!“ hinaus geht?

Rock’nRoll, bitte.

Dann macht man sich z.B. automatisch Gedanken über die Bedeutung der Black Music für uns alle – und wieso das Orthsche „Respekt“ schon deshalb eine Frechheit war, weil es auch das von Aretha Franklin gab. Und gibt.

EDITH: Hier ist jemand der Protokollantenpflicht nachgekommen; die Rede Orths, auf die ich oben Bezug nehme, taucht nicht mit auf.

EDITH 2: Und ein Protokoll mit Tweets!

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16 Antworten zu “Der FC St. Pauli, die „My Fair Lady“ unter den Fussballvereinen: Ein Grundkurs in Demokratie und wieso Herr Orth mal Aretha Franklin hören sollte

  1. astro November 27, 2012 um 1:58 pm

    Wäre natürlich auch schön gewesen, hättest Du Dich an der Diskussion auf der JHV beteiligt. Da wären ein paar Deiner Punkte eine Bereicherung gewesen.

  2. momorulez November 27, 2012 um 2:05 pm

    Ich wusste, dass das als erster Kommentar kommen würde und hatte sogar auf Dich getippt 😉 – das meiste wurde ja gesagt zumeist dann, wenn ich kurz davor war, mich aufzuraffen. Und das zu dem ganzen Antidiskriminierungskomplex in so einer Veranstaltung zu thematisieren, da hätte ich der Sache schlicht einen Bärendienst erwiesen. Da erntet man ggf. einen Shitstorm, dem ich mich nun auch nicht alltäglich gewachsen fühle.

    Für mich war der Drops mit der Ankündigung der Antragsteller gelutscht, dass sie es ja gar nicht so meinen. Es ist trotzdem toll, dass sie ihn gestellt haben. Höchster Respekt! Hat ja auch was gebracht, wie man am Abstimmungsverhalten des Präsidiums sehen konnte. Trotzdem machte es da schon keinen Sinn mehr, wirklich in den Kampf zu ziehen.

    Aber mein Job in dem Diskursgeschehen im Rahmen des FC St. Pauli ist doch das, was ich hier gerade mache. Das wirkt selten direkt, da muss man immer wieder sticheln, weil sehr schnell Abwehr kommt. Damit erreiche ich auch nur ein bestimmtes Klientel, das dann aber anschließend viel mehr Wirkung entfalten kann als ich, so wie ich nun mal im Kopf gebaut bin.

    Und in dem Musemsverein bin ich nun auch aus guten Gründen. Du rockst doch bei uns eher in den Klüngeln und nicht auf der JHV; jetzt gehe ich auch mal in einen rein.

    Außerdem konnte ich mich so was von vollumfänglich Alex Gunkel anschließen 😉 …

  3. astro November 27, 2012 um 2:33 pm

    Ey, ich hab immerhin nen Antrag durchgebracht. 😉 Ansonsten hätte ich durchaus noch eine Frage zum Präsidiumsbericht gehabt, aber die Debatte war zu schnell zu Ende. 😦

  4. momorulez November 27, 2012 um 2:49 pm

    Ja, hast Du! Prima! Die @Pauliane hat den von @jeky auch super vorgetragen, den habe ich im Text schändlicherweise vergessen.

    Und Du kriegst halt bei solchen Veranstaltungen, hattest Du ja selbst getwittert, Differenziertes nicht unter. Noch nicht mal in den Medien. Wenn die dann nachbeten, keiner habe sich so für Faninteressen eingesetzt wie Stenger, verschwindet die Frage danach, was er denn nun genau in dieser Kommission gemacht hat und was in diesem Papier steht. Das sind so Verschiebungen, gegen die man nur ankommt, wenn man immer wieder nörgelt. Genau so diese Instrumentalsierung von Begriffen wie „Toleranz“ und „Respekt“. Da wurde ein gesellschaftliches Klima geschaffen, dass man sofort eine Diskussion am Hals hat, man habe jemandem „Rassismus unterstellt“, damit man darüber, wie der funktioniert, auch ja nicht reden muss. Funktioniert prima.

    Die Präsidumsberichtsdebatte war, glaube ich, so schnell vorbei, weil alle auf die zum Stenger-Antrag warteten. Und ja, ich hätte das ändern können, das stimmt ja. Ich weiß aber auch, wann ich in der Form, bin, dass da auf einmal sehr Seltsames passiert, wenn ich mich zu Wort melde 😀 – und dann lasse ich es lieber.

  5. kleinertod November 27, 2012 um 2:58 pm

    Danke für diesen schnell und kritisch geschriebenen Blogbeitrag. Zum Thema selbst werde ich ja auch noch etwas schreiben, sobald ich etwas Zeit dazu finde – aber in einigen Punkten sind wir (und andere) uns – nicht verwunderlich – wieder einmal sehr nah.

    Der Auftritt des Präsidiums war extrem schlecht in Bezug auf deren Rollenverständnis und zeugte von äußerst geringem Respekt gegenüber den Mitgliedern. Wie hier sowie vor der JHV auf deren diversen Wegen versucht wurde, Druck aufzubauen, ist schon beachtlich und nicht im positiven Sinne. Daß sie gleichzeitig versuchen, nun im Sinne der Fanszene zu handeln, macht diesen widersprüchlichen Auftritt noch absurder.

    Das Schlimmste wäre, wenn nun der Versuch unternommen würde, jegliche Kritik am Präsidium in Zukunft über den Weg einer „Selbstreinigung der Fanszene“ zu unterdrücken. Ein gewisses Problem mit der Meinungsfreiheit bei Fantransparenten („Bullenschweine“ -> keine strafrechtliche Beleidigung, aber Strafe für eine „Beleidigung“ vom DFB sofort akzeptiert) ist ja schon zutage getreten. Hier müssen wir wachsam bleiben.

  6. momorulez November 27, 2012 um 3:10 pm

    Ja, eben! Und Danke für den Dank!

    Und ich habe den ja extra schnell noch unter dem emotionalen Eindruck der JHV geschrieben. Und natürlich kommen dann ganz schnell wieder die Stilfragenverfechter und finden ganz fürchterlich boshaft und empörend, wie ich über Herrn Orth schreibe.

    Aber hey, dessen seltsame Verschiebungen von der Antidiskriminierungsfrage hin zu Anstandsregeln und einem sinnentleerten Toleranz für alles und jedes bei gleichzeitigem „Respekt!“ einfordern für weiße, heterosexuelle Männer ist ein aktuell wirklich sehr weitreichendes, politisches Problem, das noch bis zu der Ignoranz der NSU-Morde reicht, wenn man das man gründlich durchdekliniert. Das erstickt alle Widerstände und forciert dieses ganze „postrassistisch, postsexistisch“ usw,-Ideologien, die durchaus ein Problem deutschlandweit, aber auch im Verein darstellen. Erst werden die Opfer instrumentalisiert und dann durch unzulässige Verknüpfungen ignoriert, das hast Du aktuell bis tief in die Linke hinein.

    Und es wäre zudem ein Novum, dass es nun auf einmal nicht auf die Persönlichkeit von Mandatsträgern ankäme, Bei Corny haben sich doch auch alle dran gerieben. Und das ist auch normal, wenn man so ein Amt antritt, dass solche Diskussionen aufkommen. Ich habe schon auch das Bedürfnis, da Leute sitzen zu sehen, wo ich spüre, dass die peilen, was uns zu dem machte, was wir mal waren, bevor diese Kirchentagsfraktion ihre Benimm-Debatte in die Mittelpunkt rückte.

    „Das Schlimmste wäre, wenn nun der Versuch unternommen würde, jegliche Kritik am Präsidium in Zukunft über den Weg einer “Selbstreinigung der Fanszene” zu unterdrücken. Ein gewisses Problem mit der Meinungsfreiheit bei Fantransparenten (“Bullenschweine” -> keine strafrechtliche Beleidigung, aber Strafe für eine “Beleidigung” vom DFB sofort akzeptiert) ist ja schon zutage getreten. Hier müssen wir wachsam bleiben.“

    Wohl wahr!!!

    Abgesehen davon agieren die echt wie Chefs, die sich über betriebliche Mitbestimmung echauffieren. Was ein ganz anderes Paradigma ist.

  7. goodsoul November 27, 2012 um 3:40 pm

    Danke für diesen sehr guten Bericht!

  8. momorulez November 27, 2012 um 3:41 pm

    Gerne geschehen 😉 …

  9. Pirandello November 27, 2012 um 3:45 pm

    Danke für den Text!

    Und meine Bewunderung für die großartige grafische Bearbeitung des Stimmzettels!

    Kann ich das als Poster bekommen? 😉

  10. momorulez November 27, 2012 um 3:48 pm

    Du kannst Dir gerne eines draus machen 😉 – und ich muss ja zu meiner Schande gestehen, dass das die „Grungestatstic“-App weitestgehend für mich übernommen hat. Lediglich die Foto-Perspektive kann ich mir wirklich zuschreiben …

  11. Pirandello November 27, 2012 um 3:51 pm

    Trotzdem geil! Die Idee zählt! 🙂

  12. Pingback: Der Mob und die Geisterfahrer – eine Nachbetrachtung zur JHV 2012 des #FCSP. #FCSPJHV « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  13. vuvuzela//riotqueer November 29, 2012 um 1:56 am

    Habe ein wenig mit meinen Lob für dein aesthetisch anmutendes Nüsse essen gewartet, da die Northern DerBii-Partie in Braunschweig einen besonderen Hintergrund bzgl. der ersten Bundesliga-Saison und das nutzen des Netzes der Irrwege katholischer Stadien-Gesänge im Falle des Einbruchs von ‚Innerer Sicherheit‘ und männlich_sozialisierte Identifikation mit dem ‚Jetzt erst recht!’_Chores,..für dein Gypsee Gyptte-Empfinden das Kompliment einer gewissen fluiden Apathee der Electroo_Union,…..gerade in Hamburg-St.Pauli ein ‚rotes‘ Mehr schaffte und//aber nicht wiederholt wurde….oder täusche ich mich hinsichtlich der medialen Mythenbildung, das der FC St.Pauli heute durch ein, von eineM antifaschistischen ’sky‘-Zuhörer die Banane ins Ohr gedrückt bekommen habe, ein Gedicht für Aveyor-‚The Rock‘-BamBaaTTaa ins dunkle der Nachbarschaft zielte, und Vereinsführung nur noch der Semantik des Open Source als Kampfbegriff sich zur Kindheitserinnerungen hinab lasse,…sich der Weg als ’supporter‘ weiterhin hier kritisch,….in einer verteeKalen ‚brother hood‘ hinterfragte,..und x to the mess – – – ein Salaam wie Nordkorea aktualisierte,…sich das wohnen im Nest auch ein Pride wiederfährt.

    Respekt!

  14. momorulez November 29, 2012 um 9:48 am

    Ich glaube, diesmal habe ich Passagen verstanden. Und glaub mal nicht, dass ich doof fände, was Du hier schreibst; ich weiß nur oft einfach keine Antwort. Aber sprachlich ist das allemal hochspannend. Nur eben nicht immer spontan „deutungsfähig“. Macht aber ja nix. Ist irgendwie eine Form von Literatur, und die Welt incl. mir ist vermutlich einfach noch nicht reif für Deine Metaphern.

  15. vuvuzela//riotqueer November 29, 2012 um 10:08 am

    Wenn Du wüsstest, was für ein Netz aus Kriegsveteranen für eine Sprache haben, und den Umstand dessen gewidmet, das jede 100000-Einwohner_innen Seele ein Ghetto hat, ich nur die Balance versuche zu halten bzgl. taktischen Mapping und Körperpolitiken.

  16. Bel November 29, 2012 um 10:23 am

    Für Alle anderen im Selbstrespekt, der sozialistische Männerkuss ist noch nicht von der Bühne!

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