Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Vor der JHV: Konkretes – Dringlichkeitsantrag und Dr. Gernot Stenger

„Die Mitgliederversammlung möge beschließen, den Organen des Vereins die Veranlassung soge- nannter Vollkontrollen / Ganzkörperkontrollen von Heim- oder Gästefans bei den Spielen des FC St. Pauli zu untersagen und sie zugleich beauftragen, im Falle einer entsprechenden Veranlassung von staatlicher oder anderer Seite sämtliche rechtmäßig zur Verfügung stehenden Mittel, insbes. auch Rechtsmittel, auszuschöpfen, um die Durchführung abzuwenden.“

Ein nachgereichter Dringlichkeitsantrag, vollumfänglich zustimmungsfähig. Obwohl das Abtasten durch den attraktiven Ordner-Jüngling beim letzten Heimspiel ja schon fast erotisch war – 😀 – ist diese Perspektive eben nicht verallgemeinerbar.

Auch deshalb voll unterstützungsfähig. Diese Notiz aus dem Präsidiumsprotokoll erzählt ja eine lange Geschichte. Ganz wie DFL und DFB im Allgemeinen fällt das jenen in den Rücken, die sich für einen kontrollierten (!!!) Pyro-Einsatz stark machen.

Zudem ist diese seltsame Verdichtung „Keine Gewalt, keine Pyrotechnik“ eben der verkürzte Claim für derart viel rechtwidrigen Schindluder, dass es mich schüttelt, das das nun als zentrale Aussage aus diesem unsäglichen Papier heraus gelesen wurde. Da muss man ja Melonen auf den Augen haben.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass derart gravierende Änderungen an dem antidemokratischen Machwerk noch vorgenommen wurden nach der Präsidiumssitzung, dass Herr Stenger sich anschließend distanziert hätte. So lasen sich auch nicht die Verlautbarungen auf der Homepage, denen ja zu entnehmen war, dass erst auf Druck zu einem Zeitpunkt, da der volle Wortlaut sogar mir längst bekannt war, die Zustimmung dem Papier entzogen wurde.

Und genau DAS ist ja, was einen bei diesem Präsidium so ärgert. Dass die nicht ganz von selbst mal darauf kommen, fest zu stellen, was für ein Dreck da unter Ägide der DFL zusammen geschmiert wurde. Dieses hilflose „Fan-Beirat“ fordern, dem Boulevard in der JHV vorauseilender Propaganda kolportiert, finde ich zwar formal richtig. Einfach, weil der Ständige Fanausschuss nicht formaldemokratisch legitimiert ist.

Aber ansonsten ist es nun wirklich kein Kunststück oder auch keine für Ehrenamtliche allzu große Herausforderung, sich über Denkweisen und Positionen von Mitgliedern des Vereins, für den man zu sprechen vorgibt, zu informieren. Wie Herr Spies in der Süddeutschen ja demonstrierte.

Wieso dann also diese Haltung zu dem vermeintlichen „Sicherheitspapier“?

Das entspricht mutmaßlich der strategischen Orientierung zumindest Herrn Stengers, ganz einfach.

Bei aller persönlichen Sympathie: Diese Identifizierung des „Jolly Rouge“ einst in einer Pressekonferenz mit Blut und Gewalt lag auf der gleichen Linie und ist schlicht und ergreifend die Masche der Konservativen zur Verunglimpfung linker Politikansätze. Wahrscheinlich hätte er sich empört gezeigt, als Corny einst medienwirksam den Spiegel in der „Klappe“ zerschlug, oje, Gewalt, und wenn die Polizei so was macht, wird es schon richtig sein … das sei ja wohl Gebot der Toleranz, die da rum schnüffeln zu lassen.

Wollen wir diese Haltung beim FC St. Pauli in verantwortlich operativer Position haben? Ich nicht.

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5 Antworten zu “Vor der JHV: Konkretes – Dringlichkeitsantrag und Dr. Gernot Stenger

  1. Pingback: Wir müssen reden. #FCSP punktlos in Berlin und daheim mit Schaden – sowie Sicherheit ist kein Allheilmittel « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  2. vuvuzela//riotqueer November 22, 2012 um 10:42 pm

    Naja, bei der Musik vor dem jeweils anstehendem Heimspiel homo_nationaler Konventionen, hat sich die These von C.G. Jung in der Hinsicht bewahrheitet, das die Rotlichtviertel [auch lax mal Kiez genannt] den Wagner’schen Anspruch von Rheingold als Ausdruck der Korrespondenz mit Nietzsche die Marschmusik nicht sein lassen konnte, und die näheren Chiffrierung von Heterosexualität aus diesem Zeitfenster, nicht Nietzsche an die Schwelle des schizo_kapitalistischen Todes schwelen ließ, auch die des Vorstandes emanzipativer Repräsentanten.

    Echt,..die Sex-Ecke St.Pauli lebt, der Verein des Stadtteils geht in dieser Hinsicht den Bach runter konservativer Normen.

    http://lemixx.com

  3. momorulez November 22, 2012 um 11:13 pm

    Ich bin ehrlich: Ich versteh kein Wort 🙂 …

  4. vuvuzela//riotqueer November 23, 2012 um 1:53 am

    Hab ich von hier:http://www.nmz.de/artikel/ja-wir-sind-die-herren-der-welt
    Kann aber auch ein schizo_psychotischer Schub gewesen sein. Gute Nacht!

  5. Pingback: Die Blog- & Presseschau für Freitag, den 23.11.2012 | Fokus Fussball

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