Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Texte, die passieren, wenn ich gerade mal hin höre … über den Zusammenhang von Fussball, Musik und Arrangement

Zwischen den Spielen. Der Herbst ist wieder richtig Herbst, es diesigt und döset im Dass. Höre DeeDee Bridgewaters „Midnight Sun“-Album und grübel über Form und Inhalt. Über „Sicherheit“ als Eindämmen von Spontanität und, ja, von Freude. Weil sie es transzendiert, das Formgesetz, in die wohl dosiert Freude am Risiko hinein … Fussball, gespielt zu diesen Klängen, das wäre ein ungewohntes Erleben von Männerkörpern. Schön!

Träume von Pässen, gespielt wie die Gesangslinien der großen, der übergroßen Frau Bridgewater, was wäre das für ein Fussballspiel! Ein eleganter Bogen in den Höhen, ein Nunancieren und Modulieren, auch nicht schwächer als bei der Caballé, aber anders; in Eleganz sich über die Noten erhebend, geschwungen und ausgekostet zu dribbelndem Piano; langsam, ruhig und virtuos. Eingängig und sophisticated. Der Bass führt ein Eigenleben im Hintergrund, wie jemand, der glücklich und befreit nachts unter der Midnight Sun im Regen auf der Straße tänzelt. Laternen umschmeichelt. Leben liebt. Die Seele und den Körper wiegt, weil Rythmen jede Melodie zum Leben erheben. Bis die Polizei kommt. Vermutlich. Spontane Lebensfreude ist verdächtig.

DFL und DFB, ganz polizeilich, mögen vermutlich Märsche und Kirmestechno. BWLer denken auch so. Innenminister ebenfalls. Das Präsidum des FC St. Pauli. Die brauchen das Gehege der Kalkulationen, die öde Formel des Marketings, die leere Form gerader Tribüneninnengänge. Und die Wucht der Erpressung, um die Leere ihres Denkens mit Druck und Angst zu füllen. Die wollen Formen aufprägen, anstatt mit ihnen zu spielen. Die leben vom Diktat, nicht von der Improvisation. Von DeeDee Bridgewater könnten die viel lernen.

Mochte das am Sonntag, das Spiel in Paderborn, im Livestream am Computer betrachtet. Diese neu gewonnene Ordnung hinten, zumeist, das Kompaktere, aus dem heraus sich die schnellen Vorstöße ergaben. Ein wenig wie auf ein paar schlichten, aber konzentrierten Grundakkorden improvisiert, spielten Bartels, Schindler, Ginzcek, Kringe und die anderen ihre je eigene Instrumenatalität.

Ginzceck wirkt wie die Heavy-Metal-Gitarre, die auch mal verzerrt und gegen Pfosten krachen lässt, okay, die vorstößt, nicht die virtuose Variante mit den langen, perfekten Soli – eher der Rhythmus und der aggressive Akzent. Mehr Slash zum Song von Michael Jackson als Eddie van Halen. Bartels wirkt wie das schnelle und variantenreiche Bongo-Spiel, von peitschenden Streichersätzen begleitet, ein Hauch von Philly-Sound, nur nicht so opulent; Kringe tritt die kraftvolle die Basstrommel, die den Rhythmus vorgibt. Ja, sie proben noch, aber da war mal wieder Musik drin. Noch mit Dissonanzen, Abbrüchen, aber so arbeitet die Avantgarde: Sie nimmt sich eine klassische Form und übt sich im Vexierspiel zwischen Zertrümmern und Adaption, weil von nichts nichts kommt. Außer Free Jazz. Und der war auch prima. Aber für Fussball doch nicht ganz geeignet. Zumindest aktuell nicht für den unseren.

Die Blaskapelle in manchen Logen, die vermutlich nur in Repertoire-Opern geht und sich ärgert, wenn Mozart nicht in Plüsch und Pomb auf die Bühne gebracht wird, die den Sound-Effekt schon für Musik hält und nur die immergleichen Melodien von Profitmaximierung und Funktionalität dem Spiel entgegen setzen will – sie gehört hinfort gespielt vom prallen Leben. Ihrem Drill setzen wir Synkopen und Triolen, auch mal ein 4 on the Floor entgegen. Polyrhythmik. Eklektizismus. Aber bestimmt keinen gleich geschalteten Klatschpappenchor.

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3 Antworten zu “Texte, die passieren, wenn ich gerade mal hin höre … über den Zusammenhang von Fussball, Musik und Arrangement

  1. riotqueer//vuvuzela Oktober 25, 2012 um 8:57 pm

    Danke! Sehr angenehm hier mal wieder rein zu ‚tunen‘ und deine Bewegungen mit zu bekommen. Angenehm auch die Vorstellung zu Deedee mal ein antifaschistischen ’sky‘-Abend des FC zu untermalen. Richtig recht hast Du natürlich mit den für Viele erlittenen Schmach der Ausdauer und Leidenschaft jedweder Latenz zu linksradikalen ‚x‘ to the ‚mess‘ lalilut was sich in Portalen und Foren als Repräsentanz schimpft. Genau: Etappensieg!‘ – kann es nur heißen und wird es weiterhin zu er_kämpfen sein.

    Einen transzendenten Gruß aus Bramfeld!

  2. momorulez Oktober 25, 2012 um 9:02 pm

    Gruß zurück! Und so ein Fussballspiel in DeeDees Weise, dagegen wären die disziplinierten Körper auf der Ballettbühne dann aber Auslaufmodelle … stell ich mir wirklich wunderschön vor 🙂 …

  3. riotqueer//vuvuzela Oktober 25, 2012 um 9:16 pm

    Zieh jetzt nicht über die Attraktion von Hamburg-Hamm her….hüstelee…..ein Kerker in meiner Magengegend und hier und jetzt: Ja,..ich habe nichts weiter vor, denn mich zu trollen in der deutschen, englischen, französischen und arabischen Sprach_Narrative gescheiterter ‚Apes’…

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