Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Bitte so was auch mal von unserem Präsidium! Möglichst einem anderen …

Dieses Positionspapier der Aktiven Fanszene und dem Präsidium des 1. FC Uinion Berlin – als ich das soeben beim Capuccino las, habe ich bei jedem Wort, jedem Satz, jedem Gedanken, jedem Argument aber so was von applaudiert!

Herzlichen Danke, eine derart umfassende, gründliche, durchdachte und treffsichere Abhandlung zu dem Thema habe ich sonst nur beim Lichterkarussell gelesen.

Und da gesellschaftliche Mikro- und Makrostrukturen und Prozesse ja eben nicht, wie idealtypisch und kontrafaktisch in der  „BWL“/ „VWL“-Differenz konzipiert, gar nichts miteinander zu tun haben, sei der folgende Passus zitiert, nur eines der unzähligen Highlights des Positionspapieres:

 

„Als unmittelbar Beteiligter kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Art der Diskussion und ihr oftmals nur teilweise belegbarer Inhalt nur als Feigenblatt genutzt werden sollen, um die, ökonomisch zwar nachvollziehbare, aber doch jedenfalls kritisch zu hinterfragende Kommerzialisierung des „Premiumprodukts Bundesliga-Fußball“ voranzutreiben. Dabei drohen jedoch grundlegende soziale Prozesse, wie insbesondere der Charakter des Fußballs als einer Massen- und Jugendkultur, ignoriert zu werden, und die angesichts wegfallender sozialpädagogischer Angebote unfreiwillig gestiegene gesellschaftliche Verantwortung der Vereine wird untergraben. Die allzu blinde Verehrung des Taylor- Reports und der darauf aufbauenden Vorbildfunktion der Premier League sollte auch spätestens seit dem 12. September 2012 kritisch hinterfragt werden. Die Premier League ist sicherlich das beste Beispiel für eine gelungene Vermarktung des Sports Fußball, sie ist jedoch auch das vielleicht krasseste Beispiel dafür, wie eine Verdrängung breiter Bevölkerungsschichten, durch eine nachweislich falsche Einschätzung von Gefahren und Ursachen, soziale Probleme verlagern und damit verschärfen kann. Das Ziel der DFL, so wie, oder besser als die Premier League zu sein, ist also nicht nur aufgrund des beispiellosen Niedergangs der Fußballkultur innerhalb der englischen Stadien mehr zerstörerische Wahnvorstellung als attraktive und gemeinnützige Vision. DFB/DFL mögen es sich leisten können, ökonomisch langfristig und damit sozialpolitisch kurzsichtig zu denken und zu handeln, sie stehlen sich damit jedoch aus einer umfassenden sozialen Verantwortung, die sie nicht gewählt haben mögen, die ihnen als Verwalter und Vermarkter, jedoch nicht Besitzer, des Kulturguts Fußball ohne Wenn und Aber obliegt.“

 

Deutlich sollte sein, dass es kaum einen gesellschaftlichen Bereich gibt, wo analoge Prozesse nicht ablaufen. Angesichts dessen, dass auch Politik nur noch Besitzstandswahrung der sich „nach unten“ und nach nicht-weiß Abgrenzenden ist, auf Effekthascherei und Marketing bedacht, um hinter den Kulissen die Struktur von Großorganisationen zu nutzen, auch weiterhin Exklusion zu betreiben. Wie in den Logen des FC ST. Pauli.

Ja, und genau die Frage stellt im Moment halb Facebook:

WARUM ZUM TEUFEL BRINGT DAS PRÄSIDIUM DES FC ST. PAULI DERARTIGES NICHT ZUSTANDE?

So ganz von selbst und aus Überzeugung?

Nein, wir hören uns stattdessen auf JHVs Zahlensalate zu Business-Seats an, starten eine Protestwelle nach der anderen gegen LED-Banner, Goliathwachen usw., nunmehr ist die unklare Rolle Gernot Stengers bei  diesem unsäglichen Papier in den Focus gerückt. Das ja – wie auch die Stellungnahme meiner Desorgansierten filettiert – exakt das Gegeneteil von „Law and Order“, nämlich Unrecht und Willkür, institutionalisieren will. Wie auch Union hervorragend aufzeigt, unbedingt lesen – dieses seltsame Privatrecht, das DFB/DFL da installieren wollen über den Hebel des „Hausrechts“ ist allgemein politisch gesprochen das Äquivalent zur Privatisierung öffentlicher Räume und somit einer Totalisierung des Eieentumsrechtes als prioritär gegenüber anderen Grundrechten.

Die Leute, die im Falle von Kassenrollen und ähnlichem sich inständig einbildeten, sie würden eine „Law and Order“-Position einnehmen, reden letztlich dem Terror das Wort, nicht Recht noch Gesetz.

Und ich befürchte ja, dass das ein Kalkül des mir persönlich äußerst sympathischen Gernot Stenger sein könnte: Im Sinne von Mopo- und Facebook-Kommentatoren einen Graben innerhalb der Fanszene des FC St. Pauli zu vertiefen, um aus der reaktionären Ecke gekrochen jene, die die FC St. Pauli sich als eine Art kommerzialisierte Mischung aus Schlagermove und Kirchtentag vorstellen, ordentlich anzufüttern. Und das, um ganz andere Sachen hintenrum durchzukriegen.

Ich würde mich freuen, wenn ich diesen Verdacht zu Unrecht hege. Wobei zu bemerken sei, dass in anderen Fällen Verdacht für Stadionverbote ausreicht. Ich finde das falsch.

Dass das alles auch anders geht, führt Union Berlin uns zum wiederholten Male vor. Ich wünschte mir, dass das bei uns auch so liefe und hätte von daher gerne zumindest ergänzend anderes Personal im Präsidium. Ich hoffe, dass der Aufsichtsrat uns dergleichen bei der JHV vorstellen wird. Dass wir eine Alternative haben.

Das Union-Berlin-Papier bietet dafür einen insofern sehr guten Anlass, weil dort Politik und Fussball auf eine höchst intelligente und profunde Art und Weise miteinander verknüpft werden. Kein Tunnelblick aus dem Geschäftsstellengang und dem vor den Logen zeigt sich da, sondern eine hinsichtlich gesellschaftlicher Probleme offene Perspektive.

Dass diese beim FC St. Pauli zwar auf den Rängen sich zeigt, aber nicht bei den Akteuren „im Verein“, das tut mir richtig weh. Wir haben doch Flora-Anwälte, ehemalige FCSR-Vertreter im Aufsichtsrat – werdet aktiv!

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9 Antworten zu “Bitte so was auch mal von unserem Präsidium! Möglichst einem anderen …

  1. kleinertod Oktober 17, 2012 um 2:58 pm

    Einfach nur Begeisterung für diese Stellungnahme aus Berlin! Die Eisernen haben es uns allen erneut gezeigt, wie man es machen sollte. Und auch, DASS es eben geht. Auch im Profifußball. Niemand muß hier anderen sonstwohin hineinkriechen, aus purem Kalkül und aus Sorge vor irgendwelchen Nachteilen – aufrecht für die eigenen Ideale einstehen und für das, wofür ein Verein steht – und die eigene Fanszene nicht verraten. Ist das denn so schwer?

    Heute ist ja das Treffen, heute wird sich zeigen, ob unsere Vereinsführung in der Lage ist, auf den Willen der Fanszene zu hören oder sich lieber der DFL unterwerfen möchte. Ich bin schon sehr gespannt, was daraus werden wird. Vielleicht haben wir morgen schon eine Antwort darauf, womöglich dauert es auch noch etwas länger. So offen wie bei Union sind die Türen für uns ja leider nicht, die da noch im Wege stehen.

    Wer auch immer Angst vor einem Wechsel im Präsium (wann auch immer) haben mag – das Positivbeispiel aus Berlin zeigt, was möglich sein kann. Inwieweit solche Personen zur Verfügung stehen ist damit ja noch lange nicht gesagt, der Wunsch danach, SO vertreten zu werden, wird durch dieses tolle Beispiel aber eindeutig angefeuert. BRAVO UNION!

  2. Pingback: “Sicheres Stadionerlebnis”? Stellungnahme der Desorganisierten Sankt Pauli (DSP) #FCSP « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  3. momorulez Oktober 17, 2012 um 3:08 pm

    In der Tat! das ganze Procedere ist doch auch wieder ein völlig anderes – die bauen ihr Stadion zusammen, wie auch die vom Magischen FC immer wieder betonen. Bei uns hat man eher den Eindruck, dass die mit einem „Der Verein sind wir, und dann sind da noch welche, die uns ständig mit kindischem Unsinn behelligen“-Claim im Kopf durch die Gegend laufen. Und sie reagieren erst auf Druck und basteln sich das ansonsten ihre kleine Geschäftsstellen- und Logen-Welt. Ich kann mich an kein einziges, proaktives Initiieren von irgendwas außerhalb des Selbstverständlichen erinnern. Sogar bei dem Museum macht es sich Spiess erst zueigen und scheint es dann wieder vergessen zu haben. Ich frage mich immer, was denn schlimmer als jetzt bei anderen Akteuren laufen sollte. Klar, das Stadion steht, die „Fan-Anleihe“ hat Meeske ausgeheckt, aber das hätte auch in der englischen Liga als Idee auftauchen können.

    Wenn Herr Stenger da in dieser Schundpapiere verfassenden Runde sitzt, hätte er doch die IDEALE Position, da aktiv zu werden, „So nicht!“, und sich dadurch auch ein Profil zu verschaffen. Der ist ja der einzige wirklich kommunikationsfähige und denkoffene in dem Haufen. Aber nein, NICHTS. Es ist nun bei uns völlig unproblematisch, auf Leute zu treffen, mit denen man so was wie Uniion Berlin auch machen könnte. Die kennen sie doch sogar namentlich.

    Wenn jetzt wieder nur auf Druck des FCSR etwas passiert, macht das auch nix besser. Da müssen andere Köpfe her.

  4. kleinertod Oktober 17, 2012 um 3:17 pm

    Zumindest die erste Reaktion nach dem Schweinske-Cup will ich dem aktuellen Präsidium positiv anrechnen. Doch wie sie dann die Strafen abgenickt haben, das zeigte schon wieder ein Abrücken von einer guten Position.

    Und daß sie nicht NOCH schlechter sind. Gibt ja eben noch schlimmere Beispiele anderswo. Aber dieser Gesichtspunkt ist einfach kein Grund, derartige Personen da oben in einer Positon zu belassen, mit der sie dem Verein nachhaltig schaden. Nicht in jeder Hinsicht, auch finanziell, so wie es ausschaut, zumindest kurzfristig betrachtet nicht. Aber ob mit einem Verrat der Fanszene der FCSP auf Dauer überleben kann, das sei mal mehr als nur in Frage gestellt.

    Hier geht es um Grundlegendes. Wie positioniert sich die Vereinsführung, wenn es von der DFL unter Einbezug des FCSP gegen die eigene Fanszene geht? Hier MUSS einfach eine klare Stellungnahme zugunsten der Fanszene und des ganzen Fußballs her. Alles andere wäre für mich ganz unabhängig von allem anderen ein schnellstmöglicher Abwahlgrund. Denn dann wäre endgültig der point of no return erreicht.

  5. momorulez Oktober 17, 2012 um 3:44 pm

    Das war ja nicht nur ein Abnicken, das war eine Rolle rückwärts aus Angst vor der eigenen Courage oder was weiß ich denn. Die Stellungnahme war prima, aber sonst?

    Und finanziellen Schaden haben die mit dem Schubert-Theater im Sommer sehr wohl angerichtet, die Fernsehgelder haben sich ja schon jetzt verringert, auch wenn die auf 3 Jahre Tabellenposition bezogen werden. Frontzeck ist auch keine „kleines Geld“-Lösung.

    Und es gibt ja nun allerlei, wo so ein Präsidium auch ansonsten aktiv werden könnte. NICHTS kam.

  6. kleinertod Oktober 17, 2012 um 3:47 pm

    Ist mir auch in vielerlei Hinsicht viel zu wenig. Positiv gestalten sieht wahrlich anders aus. Aber wenn jetzt DIESES Machwerk mitgetragen werden würde, dann wäre das Tischtuch ohne wenn und aber für alle Zeiten zerschnitten.

  7. Pingback: Sicheres Stadionerlebnis - St. Pauli | St. Pauli *NUSt. Pauli *NU

  8. Ring2 Oktober 17, 2012 um 4:31 pm

    g3nau das waren meine beiden Gedanken:

    Warum nicht St. Pauli?
    Und das hat doch so gut begonnen beim Schweinske-Cup

    … 😦

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