Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: Oktober 2012

Nonkonforme Liebe!

Vor dem Spielbericht und audiovisuellen Auseinandersetzungen mit einem sich der Konformität ebenfalls verweigernden Spielverlaufes vorab das Banner der Desorganisierten St. Pauli zum gestrigen Spiel. Ließen auch in der Nord, wie man hörte, manche die Augen rollen, „oh nee, nicht schon wieder!“, als die Queerpass-Aktion „St. Pauli ist bunt!“ eher weg- als durchgesagt wurde vom Stadionsprecher: Ich bin völlig begeistert vom Basteldrang des Kleinen Todes und finde das Statement gelungen!

Nonkonforme Liebes- und Lebensläufe, vielfältige Begehrens- und Ausdrucksformen, Verständnisweisen und Perspektivenwechsel!

Gerade angesichts des Normalisierungskurses des aktuellen Präsidiums, das über ein plumpes „Toleranz“ hinaus, trotz Auftritten von Herrn Spiess bei irgendwelchen Veranstaltungen, mit dieser Rhetorik – „Toleranz“ halt, ungewollt und eben doch vor allem heteronormative Macht absichert durch Aushöhlung und Othering, haben wir da noch viel Luft nach oben, denke ich.

Ausprobieren statt Formatieren, Experimentieren statt Systematisieren – hey, das Leben ist ein Abenteuer! Packt einen manchmal auch die Angst der letzten 5 Minuten, am Ende wird manchmal eben doch alles gut.

Und was gäbe es besseres als die Liebe?

Texte, die passieren, wenn ich gerade mal hin höre … über den Zusammenhang von Fussball, Musik und Arrangement

Zwischen den Spielen. Der Herbst ist wieder richtig Herbst, es diesigt und döset im Dass. Höre DeeDee Bridgewaters „Midnight Sun“-Album und grübel über Form und Inhalt. Über „Sicherheit“ als Eindämmen von Spontanität und, ja, von Freude. Weil sie es transzendiert, das Formgesetz, in die wohl dosiert Freude am Risiko hinein … Fussball, gespielt zu diesen Klängen, das wäre ein ungewohntes Erleben von Männerkörpern. Schön!

Träume von Pässen, gespielt wie die Gesangslinien der großen, der übergroßen Frau Bridgewater, was wäre das für ein Fussballspiel! Ein eleganter Bogen in den Höhen, ein Nunancieren und Modulieren, auch nicht schwächer als bei der Caballé, aber anders; in Eleganz sich über die Noten erhebend, geschwungen und ausgekostet zu dribbelndem Piano; langsam, ruhig und virtuos. Eingängig und sophisticated. Der Bass führt ein Eigenleben im Hintergrund, wie jemand, der glücklich und befreit nachts unter der Midnight Sun im Regen auf der Straße tänzelt. Laternen umschmeichelt. Leben liebt. Die Seele und den Körper wiegt, weil Rythmen jede Melodie zum Leben erheben. Bis die Polizei kommt. Vermutlich. Spontane Lebensfreude ist verdächtig.

DFL und DFB, ganz polizeilich, mögen vermutlich Märsche und Kirmestechno. BWLer denken auch so. Innenminister ebenfalls. Das Präsidum des FC St. Pauli. Die brauchen das Gehege der Kalkulationen, die öde Formel des Marketings, die leere Form gerader Tribüneninnengänge. Und die Wucht der Erpressung, um die Leere ihres Denkens mit Druck und Angst zu füllen. Die wollen Formen aufprägen, anstatt mit ihnen zu spielen. Die leben vom Diktat, nicht von der Improvisation. Von DeeDee Bridgewater könnten die viel lernen.

Mochte das am Sonntag, das Spiel in Paderborn, im Livestream am Computer betrachtet. Diese neu gewonnene Ordnung hinten, zumeist, das Kompaktere, aus dem heraus sich die schnellen Vorstöße ergaben. Ein wenig wie auf ein paar schlichten, aber konzentrierten Grundakkorden improvisiert, spielten Bartels, Schindler, Ginzcek, Kringe und die anderen ihre je eigene Instrumenatalität.

Ginzceck wirkt wie die Heavy-Metal-Gitarre, die auch mal verzerrt und gegen Pfosten krachen lässt, okay, die vorstößt, nicht die virtuose Variante mit den langen, perfekten Soli – eher der Rhythmus und der aggressive Akzent. Mehr Slash zum Song von Michael Jackson als Eddie van Halen. Bartels wirkt wie das schnelle und variantenreiche Bongo-Spiel, von peitschenden Streichersätzen begleitet, ein Hauch von Philly-Sound, nur nicht so opulent; Kringe tritt die kraftvolle die Basstrommel, die den Rhythmus vorgibt. Ja, sie proben noch, aber da war mal wieder Musik drin. Noch mit Dissonanzen, Abbrüchen, aber so arbeitet die Avantgarde: Sie nimmt sich eine klassische Form und übt sich im Vexierspiel zwischen Zertrümmern und Adaption, weil von nichts nichts kommt. Außer Free Jazz. Und der war auch prima. Aber für Fussball doch nicht ganz geeignet. Zumindest aktuell nicht für den unseren.

Die Blaskapelle in manchen Logen, die vermutlich nur in Repertoire-Opern geht und sich ärgert, wenn Mozart nicht in Plüsch und Pomb auf die Bühne gebracht wird, die den Sound-Effekt schon für Musik hält und nur die immergleichen Melodien von Profitmaximierung und Funktionalität dem Spiel entgegen setzen will – sie gehört hinfort gespielt vom prallen Leben. Ihrem Drill setzen wir Synkopen und Triolen, auch mal ein 4 on the Floor entgegen. Polyrhythmik. Eklektizismus. Aber bestimmt keinen gleich geschalteten Klatschpappenchor.

Katrin Rönicke und der Wohlfühlantirassismus

Ich bin hier die ganze Zeit hilflos am Gackern. Von Frau Rönicke habe ich in letzter Zeit einige schlimme Texte gelesen, was irgendwie egal wäre, würde sie damit nicht zu einer Stichwortgeberin für die sich gegen jegliche Kritik aus queerer, antirassistischer und feministischer Perspektive immunisierende, „linke“ Szene. Was um so absurder ist, da sie sich selbst wohl links und feministisch verorten würde.

Gackern muss ich, weil der Text zu Noah Sows „Deutschland schwarz/weiß“ von Frau Rönicke mit einer derartigen Unverfrorenheit agitiert, dass ich gar nicht mehr weiß, ob man das noch ernst nehmen kann. Muss man aber leider. Ähnlich wie der ausgiebig diskutierte Text von Tsianos et al. bedient Frau Rönicke die mehrgesellschaftliche Bedürfnislage mit Bravour. Laufmoos, Shehadistan und Takeoverbeta haben das bereits brilliant heraus gearbeitet; ich verstehe meinen Text als Ergänzung dazu.

Dieses verzweifelte Gelächter angesichts der beeindruckenden Sediertheit, im Rahmen derer Rönicke agiert, packt mich am Nachhaltigsten beim folgenden Satz:

„Ich fühlte mich dennoch nicht wohl.“

Als wäre Geschichte und Gegenwart des Rassismus Mehr von diesem Beitrag lesen

Da ich noch keinen Youtube-Kanal habe …

ein Facebook-Link. Momo hat gespielt.

Bitte so was auch mal von unserem Präsidium! Möglichst einem anderen …

Dieses Positionspapier der Aktiven Fanszene und dem Präsidium des 1. FC Uinion Berlin – als ich das soeben beim Capuccino las, habe ich bei jedem Wort, jedem Satz, jedem Gedanken, jedem Argument aber so was von applaudiert!

Herzlichen Danke, eine derart umfassende, gründliche, durchdachte und treffsichere Abhandlung zu dem Thema habe ich sonst nur beim Lichterkarussell gelesen.

Und da gesellschaftliche Mikro- und Makrostrukturen und Prozesse ja eben nicht, wie idealtypisch und kontrafaktisch in der  „BWL“/ „VWL“-Differenz konzipiert, gar nichts miteinander zu tun haben, sei der folgende Passus zitiert, nur eines der unzähligen Highlights des Positionspapieres:

 

„Als unmittelbar Beteiligter kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Art der Diskussion und ihr oftmals nur teilweise belegbarer Inhalt nur als Feigenblatt genutzt werden sollen, um die, ökonomisch zwar nachvollziehbare, aber doch jedenfalls kritisch zu hinterfragende Kommerzialisierung des „Premiumprodukts Bundesliga-Fußball“ voranzutreiben. Dabei drohen jedoch grundlegende soziale Prozesse, wie insbesondere der Charakter des Fußballs als einer Massen- und Jugendkultur, ignoriert zu werden, und die angesichts wegfallender sozialpädagogischer Angebote unfreiwillig gestiegene gesellschaftliche Verantwortung der Vereine wird untergraben. Die allzu blinde Verehrung des Taylor- Reports und der darauf aufbauenden Vorbildfunktion der Premier League sollte auch spätestens seit dem 12. September 2012 kritisch hinterfragt werden. Die Premier League ist sicherlich das beste Beispiel für eine gelungene Vermarktung des Sports Fußball, sie ist jedoch auch das vielleicht krasseste Beispiel dafür, wie eine Verdrängung breiter Bevölkerungsschichten, durch eine nachweislich falsche Einschätzung von Gefahren und Ursachen, soziale Probleme verlagern und damit verschärfen kann. Das Ziel der DFL, so wie, oder besser als die Premier League zu sein, ist also nicht nur aufgrund des beispiellosen Niedergangs der Fußballkultur innerhalb der englischen Stadien mehr zerstörerische Wahnvorstellung als attraktive und gemeinnützige Vision. DFB/DFL mögen es sich leisten können, ökonomisch langfristig und damit sozialpolitisch kurzsichtig zu denken und zu handeln, sie stehlen sich damit jedoch aus einer umfassenden sozialen Verantwortung, die sie nicht gewählt haben mögen, die ihnen als Verwalter und Vermarkter, jedoch nicht Besitzer, des Kulturguts Fußball ohne Wenn und Aber obliegt.“

 

Deutlich sollte sein, dass es kaum einen gesellschaftlichen Bereich gibt, wo analoge Prozesse nicht ablaufen. Angesichts dessen, dass auch Politik nur noch Besitzstandswahrung der sich „nach unten“ und nach nicht-weiß Abgrenzenden ist, auf Effekthascherei und Marketing bedacht, um hinter den Kulissen die Struktur von Großorganisationen zu nutzen, auch weiterhin Exklusion zu betreiben. Wie in den Logen des FC ST. Pauli.

Ja, und genau die Frage stellt im Moment halb Facebook:

WARUM ZUM TEUFEL BRINGT DAS PRÄSIDIUM DES FC ST. PAULI DERARTIGES NICHT ZUSTANDE?

So ganz von selbst und aus Überzeugung?

Nein, wir hören uns stattdessen auf JHVs Zahlensalate zu Business-Seats an, starten eine Protestwelle nach der anderen gegen LED-Banner, Goliathwachen usw., nunmehr ist die unklare Rolle Gernot Stengers bei  diesem unsäglichen Papier in den Focus gerückt. Das ja – wie auch die Stellungnahme meiner Desorgansierten filettiert – exakt das Gegeneteil von „Law and Order“, nämlich Unrecht und Willkür, institutionalisieren will. Wie auch Union hervorragend aufzeigt, unbedingt lesen – dieses seltsame Privatrecht, das DFB/DFL da installieren wollen über den Hebel des „Hausrechts“ ist allgemein politisch gesprochen das Äquivalent zur Privatisierung öffentlicher Räume und somit einer Totalisierung des Eieentumsrechtes als prioritär gegenüber anderen Grundrechten.

Die Leute, die im Falle von Kassenrollen und ähnlichem sich inständig einbildeten, sie würden eine „Law and Order“-Position einnehmen, reden letztlich dem Terror das Wort, nicht Recht noch Gesetz.

Und ich befürchte ja, dass das ein Kalkül des mir persönlich äußerst sympathischen Gernot Stenger sein könnte: Im Sinne von Mopo- und Facebook-Kommentatoren einen Graben innerhalb der Fanszene des FC St. Pauli zu vertiefen, um aus der reaktionären Ecke gekrochen jene, die die FC St. Pauli sich als eine Art kommerzialisierte Mischung aus Schlagermove und Kirchtentag vorstellen, ordentlich anzufüttern. Und das, um ganz andere Sachen hintenrum durchzukriegen.

Ich würde mich freuen, wenn ich diesen Verdacht zu Unrecht hege. Wobei zu bemerken sei, dass in anderen Fällen Verdacht für Stadionverbote ausreicht. Ich finde das falsch.

Dass das alles auch anders geht, führt Union Berlin uns zum wiederholten Male vor. Ich wünschte mir, dass das bei uns auch so liefe und hätte von daher gerne zumindest ergänzend anderes Personal im Präsidium. Ich hoffe, dass der Aufsichtsrat uns dergleichen bei der JHV vorstellen wird. Dass wir eine Alternative haben.

Das Union-Berlin-Papier bietet dafür einen insofern sehr guten Anlass, weil dort Politik und Fussball auf eine höchst intelligente und profunde Art und Weise miteinander verknüpft werden. Kein Tunnelblick aus dem Geschäftsstellengang und dem vor den Logen zeigt sich da, sondern eine hinsichtlich gesellschaftlicher Probleme offene Perspektive.

Dass diese beim FC St. Pauli zwar auf den Rängen sich zeigt, aber nicht bei den Akteuren „im Verein“, das tut mir richtig weh. Wir haben doch Flora-Anwälte, ehemalige FCSR-Vertreter im Aufsichtsrat – werdet aktiv!

Stellungnahme der Desorganisierten Sankt Pauli (DSP) zu dem als “Sicheres Stadionerlebnis” bezeichnetem Arbeitspapier der DFL-Arbeitsgruppe “Kommission Sicherheit”

Im folgenden die Stellungnahme der Desorganisierten St.Pauli, meinem Fanclub, zu den Plänen von DFL und DFB, einen Staat im Staate im Staate zu begründen. Einer, der den Begründungen, denen ansonsten Rechtsstaatlichkeit bei aller mangelnden empirischen Verwirklichung zu folgen hat, Hohn und Spott entgegen setzt. So zumindest meine Sicht der Dinge. Der Text ist aus der Perspektive eines Juristen formuliert, also nicht von mir 😀 , und lohnt gerade deshalb dieLektüre! Ebenso empfehlenswert jene der ergänzenden Links beim „Kleinen Tod„.

Stellungnahme der Desorganisierten Sankt Pauli (DSP), Fanclub des FC St. Pauli, zu dem verkürzt als “Sicheres Stadionerlebnis” bezeichnetem Arbeitspapier der DFL-Arbeitsgruppe “Kommission Sicherheit”

1. DSP fordert den FCSP auf, das vorliegende Arbeitspapier auf der Mitgliederversammlung der DFL abzulehnen sowie bereits im Vorfeld sich mit anderen Vereinen zu verständigen um zu erreichen, daß auch diese das Papier ablehnen.

2. Die “subjektive Wahrnehmung” in der Öffentlichkeit darf niemals dazu herangezogen werden, Mitmenschen mit Sanktionen zu belegen oder andere diese belastende Maßnahmen herbeizuführen.

3. Nur die Personen, die tatsächlich, also konkret und im Einzelfall, andere gefährden, dürfen Adressaten einer verhältnismäßigen und im Sinne der Rechtsordnung gerechtfertigten Maßnahme sein. Kollektivstrafen sind nicht hinnehmbar.

4. Es ist darauf hinzuwirken, daß die bislang eingesetzten Mittel “Stadionverbot” sowie die Datei “Gewalttäter Sport” umgehend überarbeitet werden, da diese bereits auf bloßen Verdacht Anwendung finden – allein die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens ist zur Aufnahme in die Datei oder zur Verhängung eines Stadionverbotes momentan ausreichend, was keine Aussage darüber trifft, ob die betroffene Person tatsächlich ein “Gewalttäter” ist und wobei die verhängten Maßnahmen sogar über die Einstellung des Ermittlungsverfahrens hinaus verhängt bleiben.

5. Die DFL beabsichtigt, den Vereinen über das Lizensierungsverfahren konkrete Maßnahmen, die unter den Begriff der “Sicherheit” fallen, in Zukunft direkt vorzuschreiben unter Umgehung des DFB. Aufgrund der gesellschaftlichen Ausnahmestellung des Fußballs sollten Maßnahmen dieses Gewichts aber weiterhin auf breiter Zustimmungsbasis erfolgen. Nur so können etwaige rein wirtschaftliche Interessen an Maßnahmen gegenüber der Allgemeinheit im Stadion zumindest durch die Kontrolle der DFB Mitglieder vermieden werden.

6. Unverhältnismäßige Maßnahmen wie Körperuntersuchungen mit Ausziehen, Nacktscannern oder ähnliche übermäßige und die Menschenwürde einschränkende Kontrollen der Besucher eines Fußballspieles sind zu unterlassen. Bei dem Verdacht des Einschmuggelns gefährlicher Gegenstände darf keine Zivilperson eine intime Untersuchung durchführen oder diese anordnen – derartige Maßnahmen sind allein einer staatlichen Instanz mit der Möglichkeit einer rechtlichen Überprüfung im Nachhinein vorbehalten.

7. Das Erzwingen einer Unterwerfung unter eine “Fancharta” oder anderer vorgeschriebenen Regeln hat zu unterbleiben. Durch zivilrechtlichen Zwang (AGB, “Fancharta” o.ä.) dürfen zivilrechtlich nicht abdingbare Rechtsinstitute wie das Recht auf Notwehr (§ 227 BGB) nicht ausgeschlossen oder faktisch aufgehoben sowie nicht durch Sanktionen (z.B. Stadionverbot bei zivil- und strafrechtlich erlaubten Notwehrhandlungen oder gar die Weiterleitung von Geldstrafen deswegen) praktisch eingeschränkt werden.

8. Die Pflicht zur Angabe der Personalien gegenüber der Polizei darf nicht zu einer mittelbaren Pflicht zur Angabe dieser Daten gegenüber der DFL oder anderen privaten Organisationen werden. Die DFL hat kein Verlangen auf Herausgabe aller ermittelten Daten an den Staat zu stellen. Der Datenschutz ist unbedingt zu beachten und darf weder dem Wissenshunger Privater noch einem “subjektiven Sicherheitsempfinden” geopfert werden.

9. Stehplätze sind ohne jede Einschränkung zu erhalten. Sie sichern die Teilnahme der finanziell nicht so gut gestellten Bevölkerungsgruppen. Die Möglichkeit, ein Fußballspiel im Fernsehen zu verfolgen, ersetzt nicht im gleichen gesellschaftlichem Maße die Möglichkeit, ein Spiel zusammen mit anderen im Stadion zu erleben. Die von der Rechtsprechung anerkannte große gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Fußballs darf nicht durch rein wirtschaftliche Interessen nach einer gewinnoptimierten Vermarktung des Fußballs umgangen werden. Das Fehlverhalten Einzelner, welches, wie die Erfahrung zeigt (Becherwurf im Spiel des FC St. Pauli gegen Schalke, Entzünden von Pyrotechnik in rein für Sitzplätze zugelassenen europäischen Fußballspielen u.v.a.), genauso auch von Sitzplätzen ausgeht, darf nicht zulasten der Allgemeinheit und insbesondere der Stehplätze sowie der wirtschaftlich weniger gut gestellten Bevölkerungsgruppen gehen. Eine kollektive Haftung der Stehplatzinhaber für andere Fans ist abzulehnen.

10. Fanclubs sind ebenfalls von Kollektivstrafen auszunehmen. Kein Fanclub darf für etwaige Aktionen seiner Mitglieder haftbar gemacht werden. Eine zwangsweise Unterwerfung unter aufdiktierte Vorschriften, welche auch noch gegen die Rechtsordnung verstoßen, hat in jedem Fall zu unterbleiben (“Fancharta”).

11. Politik gehört ins Stadion. Äußerungen, die von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, dürfen nicht über den zivilrechtlichen Weg sanktioniert und unterbunden werden. Klärungen diesbezüglich sind über die Straf- sowie die Zivilgerichte herbeizuführen und nicht über den Weg des sportgerichtlichen Verfahrens. Hierzu gehört auch, daß keine Strafen gegenüber Vereinen verhängt werden dürfen, bevor diese nicht auf den normalen Rechtsweg (Straf- bzw. Zivilgericht) abschließend geklärt sind. Die dadurch entstehende Verzögerung ist zur Wahrung des Rechtsfriedens hinzunehmen. “Zero tolerance” darf nur für eindeutig strafbare Handlungen und Äußerungen gelten, nicht für lediglich subjektiv so empfundene Aktionen, welche rechtlich bereits als von der Meinungsfreiheit gedeckt anerkannt sind. Im Zweifel ist zuvor vor Straf- oder Zivilgerichten eine Klärung herbeizuführen. Gerechtigkeit ist wichtiger als Populismus.

12. Ein Vermummungsverbot im Stadion über die DFL hat zu unterbleiben. Sonnenbrillen, Mützen, Fanschals u.v.a., welche bereits darunter fallen können, sind normale Utensilien, welche insbesondere auch bei Kälte oder Sonneneinwirkung für notwendig zu erachten sind. Auch aus einem einfachen T-Shirt kann eine Vermummung in kürzester Zeit fachkundig herbeigeführt werden, so daß das Verbot nicht die beabsichtigte Gruppe treffen wird und damit unverhältnismäßig ist. Außerdem ist das Vermummungsverbot bereits im Versammlungsgesetz geregelt. Das Bestreben, die totale Überwachung der Besucher eines Fußballspieles durch vollständige Videoerfassung und anderer Techniken zu erreichen, hat hinter den Bedürfnissen der Menschen, sich so zu kleiden, wie sie es für richtig halten, zurückzustehen. Nur bei Gegenständen, welche ausschließlich dem Zweck der Vermummung dienen und die keine andere Funktion haben könnten, könnte eine andere Handhabung diskutiert werden.

13. Sämtliche Regeln in Stadionordnungen o.ä. unterliegen den gleichen Anforderungen wie alle AGB. Es sollten keine Vorgaben für AGB von der DFL, insbesondere nicht im Wege der Lizensierungsbedingungen, gemacht werden, welche den zivilrechtlichen Bestimmungen nicht entsprechen.

14. Die Erstellung eines detaillierten Strafkataloges für etwaige Verfehlungen der Vereine sollte Grundvoraussetzung für jede Strafe sein sein. Keine Strafe ohne Gesetz. Bei einer für möglich gehaltenen Weiterleitung einer Strafe an eine Einzelperson sollte der Anteil der Strafe, welche die Schuld und die persönlichen Umstände des Einzelnen berücksichtigt, konkret bezeichnet und der betroffenen Person zur Wahrung seiner Interessen die Möglichkeit gegeben werden, am Verfahren teilzunehmen. Das Ergebnis dieses Verfahrens darf für die betroffene Einzelperson nicht bindend sein, sondern soll nur eine ausufernde Haftung in einem etwaigen nachfolgenden Zivilprozeß von vornherein begrenzen.

15. In allen anderen Fällen, bei denen eine Fortwirkung auf Dritte (Fans/Besucher) in einem anderen Verfahren auszuschließen ist, hat sich die Sportgerichtsbarkeit herauszuhalten. Stadionverbote sollen auf dem normalen Rechtsweg nachprüfbar werden. Maßnahmen der DFL gegen Dritte sind allein vor ordentlichen Gerichten zu verhandeln.

16. Die in dem Papier erwähnte Forderung an den Gesetzgeber, für eine “Anpassung des Sprengstoffgesetzes im Hinblick auf Pyrotechnik” zu sorgen, zeigt nebenbei deutlich auf, daß nur der Gesetzgeber diese Bestimmungen trifft und nicht ein Fußballverband. Im Rahmen der vom Gesetzgeber vorgegebenen Möglichkeiten obliegt es den Fußballspielen Beteiligten, Verbänden wie Fans bzw. deren Vertreter, eine Lösung beim Einsatz von Pyrotechnik herbeizuführen. Ob hierbei ein totaler Verbot oder etwas anderes am Ende steht, ist Sache der Beteiligten. Der Ruf nach dem Gesetzgeber wirkt hier etwas hilflos, insbesondere im Anbetracht der Tatsache, daß der DFB sich beim Abbruch der Gespräche mit Fanvertretern auf die angeblich jeglichen Einsatz von Pyrotechnik verbietende Gesetzeslage berufen hat. Wenn Pyrotechnik im Stadion legal eingesetzt werden kann, sollte eine Lösung nicht von oben diktiert, sondern von allen Beteiligten gemeinschaftlich gesucht werden.

17. Fans und ihre Vertreter dürfen nicht auf eine potentielle Störer-Rolle reduziert werden, sondern sollten auf Augenhöhe bei den Gesprächen, die sie betreffen, beteiligt werden. Nur eine solche Vorgehensweise berücksichtigt den hohen gesellschaftlichen Stellenwert des Fußballs.

18. DSP erwartet vom Verein, daß die Rolle der Mitwirkung des FC Sankt Pauli, insbesondere durch Herrn Stenger, an dem Arbeitspapier “Sicheres Stadionerlebnis”, welches als für alle Fußballfans unzumutbares und untragbares Produkt angesehen wird, dargelegt wird. Noch mehr wird aber erwartet, daß die Vereinsführung die Umsetzung des Arbeitspapieres nach Möglichkeit verhindert.

Die Desorganisierten Sankt Pauli (DSP)

 

Thrill me!

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James N. Frey ist voll der Checker, verdammt.

Pang!

Wie man verdammt gute Romane schreibt, wow!, das kann man bei ihm erfahren.

Yeah!

Und auch, BIBBER!, wie man einen verdammt guten Thriller schreibt! Wuuuuusch, mitten in die Magengrube.

7 Säulen, RUMMMS, lässt er vom Regelhimmel fallen, wie Kometen schlagen sie ein und stehen leicht windschief rund um das Millerntor-Stadion.

HOHES RISIKO: Es muss etwas auf dem Spiel stehen. Existenzen, Erfahrungsräume.

UNAUSWEICHLICHKEIT DER SITUATION: Die Mannschaft MUSS raus auf den Platz, keine Chance, einfach so den Spielbetrieb einzustellen.

SCHEINBARE AUSSICHTSLOSIGKEIT: Sind die Fähigkeiten der Boys in Brown zu limitiert für die Liga? Hat Schubert angeschlagene Spielerpsychen hinterlassen, das Team kaputt trainiert, alle Charaktertypen entfernt und wir haben nun die Sauce? Ist Frontzek ein Aufbruchssignal oder einfach nur die „Wir haben keine Ideen außer Glatzen!!“-Frisurenlösung? Wirkt sich das voraus ahnend auf das Spiel der Mannschaft aus? Sind, wenn wir schon die Aufsteiger nicht schlagen, die Gegner alle zu groß für uns? Mutierten wir vom Pseudo-Goliath präsidialer Propaganda zum David, dem nur noch die Steinschleuder hilft?

MORALISCHER KAMPF: Hey, wir sind doch die Guten! (Die Liga lacht, aber wir glauben das wirklich). Nimmt das Team den Kampf an, wie es sich für St. Pauli als Lebensform gehört, oder folgt es dem Präsidium ins Nichts und löst sich auf in Austauschbarkeit, Inhaltsleere und vorauseilenden Gehorsam angesichts der Unausweichlichkeit dessen, was Mächtigere vorgeben?

TICKENDE UHR: Das Spiel hat 90 Minuten. Die Spieltage, um noch Punkte zu holen, werden immer weniger.

BEDROHUNG: Sie ist real, sie hat andere Vereine schon ereilt – Stadionneubau, Abstieg in Liga 3. Wird das Team sich dem Abstiegskampf gewachsen zeigen?

ECHTE THRILLER-FIGUREN:

„Wie alle Figuren, die man in guter Spannungsliteratur findet, müssen Thriller-Figuren entschlossen und überlebensgroß sein. Dazu sollten sowohl die Helden als auch die Schurken über Cleverness und Einfallsreichtum verfügen.“

Stephen N. Frey, Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt, Köln 2011, S. 54; auch die obigen Stichworte sind den Seiten 54-55 entnommen)

Na, an Schurken mangelt es ja nicht in der Fussballwelt, man denke nur an Rauball, DFB und DFL und ihre den Rechtsstaat konterkarierenden Visionen einer totalitären Zukunft rund um den Fussball … und auch Hape Friedrich als treibende Kraft ist immer für die Schurkenrolle gut. Die „F_ck D_ch, DFB!“-Choreo war treffend.

Was nun freilich nicht den zentralen Plot des gestrigen Abends

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