Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Lasst uns die Finanzierungslücke klauen!

Eines meiner Lieblingskinderbücher war „Die gestohlene Zahnlücke“. Keine Ahnung, wie ich das heute fände, bei manchem zuckt man ja im Nachhinein, liest man es erneut.

Passt aber sogar zum Thema „Domwache“: Ging um eine schräge Schaustellertruppe, die eine Geisterbahn bespielt. Und ein Kind war für gruseliges Pfeiffen zuständig – mittels der Zahnlücke. Und die wurde geklaut. Ein Desaster. Geisterbahn ohne Soundeffekte!

Gruseliges Durchlückenpfeiffen erhält der interessierte St. Pauli-Fan heute auch von Seiten des Vereins, dessen Mitglied er ist:

„Derzeit sehen wir aber leider keine realistische Chance, eine externe Lösung zu finanzieren“, erklärt St. Paulis Geschäftsführer Michael Meeske. Die Kosten für den Neubau der Domwache beziffert Meeske laut den vorliegenden Planungen auf rund 1,25 Millionen Euro. „Hinzu kämen die geschätzten Kosten, die entstehen, wenn wir die Flächen in der Gegengerade für ein Museum ausbauen sowie die Kosten für die Einrichtung der Ausstellung“, so Meeske weiter. In der Summe rund eine weitere Million Euro. „Durch Mieteinnahmen könnten von diesen nun insgesamt etwa 2,15 Millionen Euro zirka 850.000 Euro gedeckt werden, so dass aber eine Lücke von 1,3 Millionen Euro bleibt. Ein Betrag, für den es gegenwärtig keine Finanzierungsmöglichkeit gibt.“

Ich empfinde es als strategische Unverschämtheit, nun die Museumspläne da auch noch hinein zu rechnen. Es wurde immerhin ein hochkarätig besetzter Förderverein gegründet; wieso Herr Meeske diesem erst mal ein paar Ohrfeigen verpasst, um die Wache in der Gegengerade durchzusetzen, ist mir ein Rätsel. Der scheint seinen Job nicht mehr machen zu wollen.

Realistisch ist das, was man beabsichtigt.

Und, wie heißt es so schön? Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Für ein Museum Sponsoren zu gewinnen, das dürfte nun noch ungleich leichter zu bewerkstelligen sein als für eine Polizeiwache. Man könnte z.B. endlich eine Vereinsstiftung ins Leben rufen, ein eventuell ja interessanteres Steuersparmodell als Umwidmungen der AFM.

Ansonsten ist es nichts als das übliche Blendertum dieser Geschäftsführung – mit irgendwelchen nicht weiter belegten Zahlen so zu jonglieren, dass auch ja ein weiteres Stück des bisherigen FC St. Pauli zu Grabe getragen wird zugunsten eines Parkhauses mit Polizeiwache.

Mich empört tatsächlich auch das Verhalten der Stadt. Dass diese sich auf Kosten einer der stärksten Marken Hamburgs ihre Einsätze auf dem Dom luxusfinanzieren lassen will, während sie dafür bekannt ist, bei Polizeiorchestern, Elbphilharmonie und Beamtenversorgung – nur wahrscheinlich NICHT jener der Krankenschwestern- und Pfleger und StreifenpolizistInnen – Gelder zu verschleudern und sich in Bankenskandale verstricken zu lassen, das ist schon ein starkes Stück.

Und es zeugt einfach von politischem Ungeschick der Vereinsführung, eine solche Situation sehenden Auges herbei geführt zu haben. Wie es ebenso ein krasser Kommunikations-GAU ist, nun erst, nachdem die Mopo darüber berichtete, weil die Fanszene mobilisiert, sich auch mal zu Worte zu melden.

Wir können ja im Museum schon mal eine kleine Ecke für das ehemalige Präsidium Orth, Stenger und Spiess einrichten.

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6 Antworten zu “Lasst uns die Finanzierungslücke klauen!

  1. Pingback: Ein paar Fragen zur Polizeiwache in der Gegengeraden vs FCSP Museum, Herr Meeske, Herr Spies, Herr Orth - SPNU

  2. momorulez September 13, 2012 um 12:07 pm

    Ich kopiere das als Information für das Meinungsbild eines jeden mal rein; wenn die AG Stadionbau was dagegen haben sollte, was ich bei öffentlichen Verlautbarungen nicht annehme, entferne ich es natürlich sofort wieder:

    Ein paar Anmerkungen, ohne jetzt zu tief in Interna einzusteigen, aber wenn Michael Meeske selbst Zahlen in den Raum stellt…

    Zitat – Mitteilung Verein hat folgendes geschrieben:

    Die Diskussionen um die Polizeiwache in der neuen Gegengerade sind in den letzten Wochen wieder neu entfacht.

    Ist von Fanseite – wenn man AG Stadionbau, Ständigen Fanausschuss usw. mitzählt – nie eingeschlafen.

    Zitat – Mitteilung Verein hat folgendes geschrieben:

    Sollte eine externe Lösung nicht erreicht werden, bedeutet dies allerdings nicht, dass es keine Möglichkeit geben wird, ein Museum in der Gegengerade zu errichten. Im südlichen Bereich der Tribüne stehen über 400 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, die unter anderem für ein Museum genutzt werden könnten, auch wenn dieses dann flächenbedingt gewissen Einschränkungen unterliegen würde.

    Das ist eine ziemlich exklusive Meinung der Vereinsführung. Von den rund 410qm in der südlichen Ecke würden nach Abzug von Eingangsbereich, ggf. Toiletten, Lüftung/Klima usw. wahrscheinlich maximal 320-350qm Ausstellungsfläche übrig bleiben. Für eine sinnvolle Kombination aus Dauerausstellung und wechselnden Sonderausstellungen unzureichend. Aufgrund der besonderen Geschichte des Vereins und der darzustellenden Verknüpfung mit dem Stadtteil benötigen wir eher *mehr* Fläche, als andere Vereine, hätten aber die bundesweit kleinste.

    Zitat – Mitteilung Verein hat folgendes geschrieben:
    Die Kosten für den Neubau der Domwache beziffert Meeske laut den vorliegenden Planungen auf rund 1,25 Millionen Euro. „Hinzu kämen die geschätzten Kosten, die entstehen, wenn wir die Flächen in der Gegengerade für ein Museum ausbauen sowie die Kosten für die Einrichtung der Ausstellung“, so Meeske weiter. In der Summe rund eine weitere Million Euro. „Durch Mieteinnahmen könnten von diesen nun insgesamt etwa 2,15 Millionen Euro zirka 850.000 Euro gedeckt werden, so dass aber eine Lücke von 1,3 Millionen Euro bleibt.

    Michael Meeske ist fähig und clever, das merkt man an derartigen Rechnungen, die er auch bei Pommes-Braun-Weiß angestellt hat. Es werden so lange wild Kosten addiert, bis man eine sehr hohe, geradezu erschreckende Zahl hat, dann wird ein Nebensatz nachgeschoben, der das wieder relativiert – hängen bleibt aber die hohe Zahl.

    Wir würden eine Diskussion um Zahlen eigentlich gerne vermeiden, da diese ohne Hintergrundinformationen weitestgehend als Propaganda genutzt werden können. Dafür muss man nicht mal lügen.

    Weniger erschreckend ist es, wenn man sich trotzdem ein paar andere Zahlen anguckt.

    0. Ein Teil der bisher angefallenen Kosten wäre vermeidbar gewesen, wenn die Vereinsführung rechtzeitig das Gemecker von Fans und einfachen Mitgliedern ernstgenommen hätte. Meeske hat natürlich Recht – das Geld muss jetzt auch vom Verein aufgebracht werden, aber da stehen die, die es vermasselt haben, zuerst in der Verantwortung. Da jegliche Kosten am Ende sowieso direkt oder indirekt von Fans und Mitgliedern aufgebracht werden, sollte das wenigstens zu maximalen Anstrenungen verpflichten.

    1. Er rechnet einen sechsstelligen Betrag für die Einrichtung der Ausstellung, Exponate usw. ein. Korrekt ist, daß das Museum natürlich zügig eingerichtet werden sollte, wenn man schon den Aufwand treibt und eine externe Wache ermöglicht. Aber: das ist keine unmittelbare und sofort zwingende Ausgabe und es kann auch als Zielstellung für den Förderverein gesehen werden, diese Summe z. B. innerhalb von 1-1,5 Jahren aufzubringen. Währenddessen könnte man durchaus schon temporäre Ausstellungen mit Materialien aus der Jahr100-Ausstellung machen. Vieles ist also möglich, aber die Ausgaben sind erstmal nicht zwingend.

    2. Er rechnet also die Kosten bis zu einem bezugsfähig ausgestatteten Museum. Um das gleiche in der von der Vereinsführung bevorzugten südlichen Ecke auf 400qm zu realisieren, würden aber auch Kosten anfallen, denn die Fläche dort ist noch nicht ausgebaut, während die Räumlichkeiten auf der Polizeiwachenfläche schon weitestgehend fertig wären. Für einen fairen Vergleich müssen also die gesparten Kosten für die Herrichtung der 400qm abgezogen werden. Wir kennen das Angebot von Hellmich für diese Herrichtung und gehen davon aus, daß nach ein paar Kosten für Anpassungsarbeiten im Bereich der Polizeiwache eine Ersparnis von mindestens 300.000 Euro stehen müsste, die Meeske in seiner Rechnung „vergessen“ hat.

    3. Unabhängig von der tatsächlichen Größe der Polizeiwache blockiert diese den gesamten nördlichen Bereich (ca. 600qm) für eine (ob nun ideell oder wirtschaflich) „Wert schaffende“ Nutzung. Würde der Verein für die Verwirklichung seiner Ziele die gleiche Fläche extern anmieten, so wären das aktuell wahrscheinlich mindestens ca. 110.000 Euro pro Jahr, eher mehr und in der Tendenz stark steigend. Die Miete für die Polizeiwache wäre ein Bruchteil davon, über die genaue Summe ist Verschwiegenheit vereinbart, daran halten wir uns auch.
    Wird jährlich diese Mietsumme aufgebracht, so ist der Verein bzw. die MSB hinsichtlich der Bedienung der Kredite für den Stadionbau gleichgestellt mit der Realisierung einer internen Polizeiwache. Bis das Museum diese Miete selbst aufbringen kann, muss diese über anderweitige Mehreinnahmen (Förderverein, direkte Spenden, Kulturetat AFM …) aufgebracht werden. Auf viele Schultern verteilt ist das fast vernachlässigbar.
    Nebeneffekt: man hätte nicht nur finanziell einen „Gleichstand“, sondern zusätzlich noch eine Steigerung der ideellen Werte, Synergieeffekte mit anderen Einrichtungen im/am Stadion usw.

    4. Anschließend bleiben die Kosten für die externe Wache. Die sind noch relativ unklar. Der eigentliche Bau sollte unter den genannten 1,25 Mio Euro liegen, es gibt aber natürlich noch Nebenkosten wie die Abrisskosten für das alte Gebäude, andererseits aber auch Einsparungen durch die Nicht-Einrichtung der Polizeiwache in der GG, die natürlich mit fortschreitender Zeit immer geringer werden.
    Die von Meeske genannte Zahl ist möglich, erscheint aber sehr hochgegriffen. Wäre das ein Projekt, das er unbedingt durchsetzen will, würde er eine deutlich niedrigere Zahl nennen. Die Wahrheit läge dann wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.
    Ein gewisser Teil dieser Summe wäre durch die Miete der Polizei gegenfinanziert, der Rest müsste vom Verein „aufgefüllt“ werden. Auch hier gilt: es ist schon Geld, das wehtut, aber im Vergleich zum Gesamtbudget des Vereins eher gering und man kann darüber diskutieren, wie man Lasten ggf. verteilt. Schließlich will wohl niemand z. B. eine Schwächung des Mannschaftsetats.

    Klingt doch schon deutlich harmloser und realistischer, oder?

    Zitat – Mitteilung Verein hat folgendes geschrieben:

    “ Damit doch noch eine Wache außerhalb der Gegengerade realisiert werden kann, bedarf es alternativer Vorschläge zur Finanzierung. Hier sind nun alle gefragt. „Wir sind sehr offen für jede kreative Idee, die eine schnell umsetzbare Finanzierungsalternative darstellt.

    Wir haben bereits vor gut zwei Monaten einen „kreativen“ (aber grundsätzlich sachgerechten, also für solche Fälle üblichen) Vorschlag unterbreitet, der jetzt hoffentlich verfolgt wird. Weiterer Input wird gerne gesehen.“

    Quelle:

    http://www.stpauliforum.de/viewtopic.php?p=3482079#3482079

  3. Pingback: Infos der AG Stadionbau zusammengefasst | LICHTERKARUSSELL

  4. Pingback: Eine Lücke nicht nur in der Finanzierung – wie die #FCSP Vereinsführung über die Goliathwache zu stolpern droht « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  5. Pingback: Auf ein Wort Herr Meeske « und ich war jung

  6. Pingback: Tägliche Presseschau des magischen FC, 14.09.2012 | Blutgrätsche Deluxe

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