Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Respekt! Nur: Vor wem oder was?

Ich greife das auch hier noch mal auf; hier ist schon was spontan Kommentiertes. Stpauli.nu hat mir eine schöne Vorlage geliefert, und dass ich nun mit Moralphilosophie-Light-Abhandlungen zur Lösung des Problems noch weniger beitrage als jede Plakataktion, das ist mir schon klar.

Es geht um das folgende Plakat:

und stpauli.nu kommentiert:

„Probleme habe ich, wenn ich Begriffe wie “Normen und Werte” lese – dann wird es mir unwohl, denn ich vollziehe sofort den Gegengedanken: “Was wäre, wenn das der Innensenator oder ein CSU-Mitglied sagen würde?” – das hat mir schon viel Ärger eingebracht, auch unter St. Paulianern, dass ich darauf dränge da sehr eng zu differenzieren. Und in der Tat: wie schmal ist er  denn, der Grat auf dem wir uns bewegen? Wenn es um das Abwehren von Gewalt beim Schweinske Cupgeht, das “beschützen” unserer Lokale und der eine Schritt weiter nur für Eingeweihte sichtbar wird, das, wofür St. Pauli steht “nur” als Vorwand zu nehmen. Stil ohne Sinn, die andere Seite der Medaille. Derselben dummerweise.“

Das knüpft ja an sowohl an an die PC-Debatten als auch an „Integrationsdiskurse“.

Sowohl das Plakat – gegen jede Diskriminierung! Gegen Gewalt! – als auch das, was stpauli.nu dazu schreibt.

Mit „Werten“ habe ich auch ein Problem. Das Sprachuniversum, in dem von „Werten“ geredet wird, ist oft voll von willkürlichen Setzungen und dem Erfinden von Traditionen. Das sind meistens strukturell konservative Ansätze, die letztlich in Relativismen münden. Weil Werte schwer begründungsfähig sind,  und oft nur selbst mit Gewalt durchgesetzt werden können. Das ist die Welt der „Familienwerte“. Was mir etwas wert ist, kann und braucht für andere gar keine Rolle spielen. Man neigt dann dazu, Präferenzen zu generalisieren. Und das sind eher ästhetische Fragen.

In der aktuellen Print-Ausgabe von DIE ZEIT wird zum Beispiel in einer Buchbesprechung eine Tradition der Political Correctness erfunden, die angeblich überall herrsche und der schreckliche Gehirnwäsche und unerträglicher Konformitätsdruck unterstellt wird.

Da wird im Grunde genommen deutlich, wer spricht, nämlich jemand ohne Diskriminierungserfahrung, der es als einschränkend empfindet, nicht mehr einfach so auf Frauenärsche tatschen und N-Worte verwenden zu „dürfen“. Der schreibt wirklich von „Freiheit“ in diesem Zusammenhang, wobei ihm die Freiheit der Betatschten und PoC egal zu sein scheint. Das sind alles gerade Ausführungen zu „Wir sind gegen jede Form von Diskriminierung.“

Er verschwendet keinen einzigen Gedanken an den Konformitätsdruck, den Diskriminierungen hervor bringen. Auf beiden Seiten: Pass Dich an, Schwuler, und quatsch nicht auch noch fortwährend von „Deiner Sexualität“. Aber eben auch: Sei ein toller Hecht, der vor Kumpels den geilen Frauenaufreißer spielt. Auch dazu dient Homophobie, der Aufrechterhaltung von Gemackere, und ob das nun im linskliberalen Bildungsbürgergewand, post-autonom sich rough gebend oder einfach verprollt drastisch rüber kommt, das Phänomen dessen, der „seinen Mann zu stehen hat“, bleibt gleich. Und das stellt einen psychischen Druck dar.

Anders ist das bei Normen. Wenn sie denn nicht per vermeintlicher Gottesverlautbarung oder Parteiverordnung verfügt werden, müssen sie begründungsfähig sein, und man kann die Begründung verstehen und ihr folgen, sich überzeugen lassen. Moralische Normen gelten wechselseitig, intersubjektiv, nicht nur in eine Richtung.

Und zumeist ist die Begründung der Andere – was geht in ihm vor, wenn ich mich so oder so verhalte? Anders als im Strafrecht gilt bei moralischen Normen z.B. das Kriterium der Leidensfähigkeit – was andere verletzt, ist zu unterlassen. Anders als im Strafrecht, weil da die Sanktion eine Drohung mit Leid darstellt.

Es gibt ergänzend noch allerlei außermoralische und – rechtliche Normen, denen häufig Bewertungen zugrunde liegen, die lasse ich mal außen vor.

Paradox werden diese Diskussionen, wenn das, was der ein tut, den Anderen verletzt, das Sich-Wehren gegen diese Verletzung jedoch zurück verletzt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Lesben und Schwule sich gegen Doktrinen der katholischen Kirche wehren und Gläubige dieser Konfession im Gegenzug ihre „religiösen Gefühle“ verletzt sehen.

Wäre aber gar nicht nötig, würden die unsereins mal in Ruhe lassen, gäbe es diesen Konflikt gar nicht. Der geht ausschließlich von denen aus. Die operieren jenseits der Begründungsfähigkeit, indem sie etwas, das sie als religiöse Wahrheit begreifen, letztlich einfach so setzen und nicht weiter zur Disposition stellen und als Wertebasis ansehen, über das Leben Anderer verfügen zu dürfen. Und greifen dann zu allerlei biologistischen Ergänzungs“argumenten“, weil sie ja wissen, dass sie irrational agieren.

Was nun auch immer PC-Verfechtern unterstellt wird, dieses Verfügenwollen. Da kommt nun aber eine weitere Dimension dessen, was man als moderne Moral begreifen kann, ins Spiel, die Symmetrie. In asymmetrischen Machtverhältnissen, gesellschaftlich manifestiert, kann Moral in diesem Sinne verstanden nicht zur Entfaltung kommen, weil die Unterworfenen sich erst mal gegen die Übermacht zu Wehr setzen müssen. So ist übrigens selbst Brechts berühmtes Diktum „Erst kommt das Brot, dann die Moral“ zu verstehen: Wer so entmächtigt ist, dass er hungert, wird versuchen, für Abhilfe zu sorgen, solange er noch kann.

Es gibt zudem auch die Frage nach der Motivation zur jener Moral, die in Normen formuliert wird. Manche haben Moral einfach nicht nötig, z.B. die ganzen CDU-Vertreter, die so tun, als würden sie moralisch argumentieren, während sie Andere herabwürdigen, abwerten, was aber Quatsch ist. Die stellen sich außerhalb der begründungsfähigen Moral und genießen die nackte Macht der Mehrheit, die Minderheiten Rechte vorenthält, agieren somit, wie hieß es gerade so schön anderswo, moralisch verderbt.

Die Frage, was motiviert, einem Spiel beizutreten, mitzumachen, nach Spielregeln zu agieren, das ist eine gesellschaftliche Schlüsselfrage. Zudem es diverse außermoralische Spiele gibt, wie diese Unsitte des Klamottenziehens unter Fussballfans, oder gar des Verprügelns, solche, die zwar auch so was wie Normen formulieren, aber die jener Art, die das Kriterium des Vermeidens von subjektiv empfundenem Leid deutlich verletzen. Da ist das bekannte Problem, dass  Leute in ein Spiel hinein gezogen werden, die gar nicht ihre Bereitschaft zum Mitspielen erklärt haben. Das ist auf Feld der Macht schon übel genug, siehe die CDU, die wirkt halt auch auf jene ein, die nie beigetreten sind in deren Swinger-Club, und schnallt sie trotzdem ans Kreuz, metaphorisch gesprochen.

In dieser rundum verzwickten Lage ist nun auch dieses Plakat situiert. Es stellt eine Assymetrie durch Mehrheitsverhältnisse her und droht mit Ausschluss. Bei einem „Nazis raus!“ würde dem trotzdem jeder zustimmen, wie ich meine zu recht. Hier bin ich mir nicht sicher.

Es fordert zudem Respekt für zwei völlig abstrakte Super-Subjekte ein: „Das Viertel“ und „die Fanszene“. Mmmmmh. Das ist, wie Respekt vor einer Fahne oder einer Nation einzufordern. Es kann gut sein, dass das eine Sprache ist, die von den Gemeinten sogar gut oder besser verstanden wird.

Aber da intervenieren zwei für mich entscheidende Faktoren: Zum einen möchte ich als potenziell von Diskriminierung, Homophobie, Betroffener nicht, dass man die Herabwürdigung bleiben lässt, weil man das Viertel oder die Fanszene respektiert, sondern MICH und jeden einzelnen Schwulen, jede Lesbe, alle Travestie-Künstler, Transgender und Bisexuelle auch.

Ich habe aus PoC-Kreisen ähnliches auch oft genug vernommen, dass sie sich bei solchen Plädoyers ignoriert fühlen. Antirassismus ohne Schwarze ist ja normal in Deutschland. Das kann aber ja nicht Botschaft sein, dass die Eigenschaften einer Fanszene wichtiger sind als das, was jene erleben, für die sie eintritt.

Weil das auf einen anderen Punkt verweist, der vielleicht eine Rolle spielt, ich weiß es nicht. Es gibt Formen des Respekt-Einforderns, die sich selbst aus Diskriminierungs- und Marginalsierungserfahrungen speisen: Alter, mit MIR nicht, und DU schon gar nicht!

Und je weiter „unten“ in sozialen Skalen man angesiedelt wird in allgemeinen, gesellschaftlichen Wertesystemen, je weniger Kapital, ökonomisch wie symbolisch, dem Betreffenden zur Verfügung steht, desto stärker rückt der Körper als Vehikel der Gegenmachtausübung in den Mittelpunkt. Diese Diagnose löst nun gar kein Problem, und ich weiß auch nicht, ob sie hier eine Rolle spielt. Nach allem, was ich weiß, ist da eine Grenze setzen tatsächlich auch die einzige Antwort, und das macht das Plakat ja gut. Habe z.B. mal einen Einblick in einen Jugendknast erhalten im Zuge meiner Arbeit, das war schon desillusionierend.

TROTZDEM: Da ja nun „Respekt!“ in manchen sozialen Sphären von jedem verstanden wird, und das meines Erachtens auch nichts ist, was man sich erst verdienen müsste (!!!! – Riesendiskussion nach den Riots in Paris), kann man den Appell nicht so formulieren, dass, wer Respekt EINFORDERT, diesen auch GEWÄHREN MUSS? In einem ganz fundamentalen Sinne?

Und dass man sich nun gerade KEINEN „verdient“, wenn man um sich prügelt  – dann verwechselt man nämlich Angst und ggf. die Anerkennung von Kumpels mit Respekt in jenem fundamentalen Sinne. Nun kann die Angst des Anderen eine Ermächtigung bedeuten, aber das ist schon eine ziemlich miese Tour. Wer nicht selbst nackte Macht und Gewalt erleben will, übt sie auch nicht aus, ganz einfach. Gilt meines Erachtens auch für die Polizei. Und wer es will, ist ein Arschloch.

Und gleichzeitig, was auf vielen Ebenen des Vereins ja mit Sicherheit schon passiert, in der Jugendarbeit zum Beispiel, die Marginalisierungs- und Degradierungserfahrungen kann man trotzdem ernster nehmen, als ein Antira-Flaggen-Schwenken dies tut. Und auch die klassistischen Aspekte mit thematisieren, die ja z.B. auch hinter Versitzplatzungsbemühungen stehen.

Der muss hier gar keine Rolle spielen, ist ja bekannt, dass auch Othmarschener Kiddies manchmal was erleben wollen und sich sozusagen darauf vorbereiten in Auseinandersetzungen nach Schanzenfesten, jene Tugenden zu erwerben, die ihre Väter in Chefetagen in anderen Formen ausleben können, wenn sie wollen.

Aber da, wo das nicht greift: Die Asymmetrie darf man echt nicht vergessen, die z.B. zwischen Weißen und „Migrantisierten“ sofort sich auffächert, ob man dazu nun selbst dazu beiträgt oder nicht als Weißer, die wirkt, und ggf. ganz anders, als man glaubt. Vielleicht wäre ein offenerer Umgang mit der Frage gut für den FC St. Pauli.

Ich finde die Plakataktion gut, die genannten Punkte, die sehe ich wie stpauli.nu als problematisch an. Das ist nun alles nix für akute Situationen, aber ja vielleicht eine Denkanregung darüber hinaus.

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17 Antworten zu “Respekt! Nur: Vor wem oder was?

  1. kleinertod September 3, 2012 um 6:48 pm

    Danke für diesen wertvollen Beitrag. Ich hoffe, daß er berücksichtigt wird in zukünftigen Formulierungen. Die grundsätzliche Idee, Angriffe und Respektlosigkeiten zu lassen, ist ja voll zu unterstützen – es geht nur immer noch besser.

  2. Kralle September 3, 2012 um 6:57 pm

    kurz und knapp ist es ein Teufelskreis jedes Einzelnen denkenden Individuums und seiner persönlichen Definition der oben aufgeführten Worte…ich selbst habe auch „Probleme“ mit beiderlei Auslegungen…aber ein toller Denkanstoß/Paradoxon…

  3. Ring2 September 3, 2012 um 7:00 pm

    Da ist man doch immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich die Worte „Norm und Wert“ benutzt und verstanden werden können.

    Ich habe ja auch das Gefühl, dass 98% aller St. Paulianer_innen garnicht genau wissen, wer da gemeint ist. Ist ja auch so ein Problem dieses Flyers, dass da soviel Vorwissen nötig ist, Stichwort „Spielplatz“.

  4. momorulez September 3, 2012 um 7:28 pm

    @Kralle:

    Da entstehen tatsächlich ständig Zwickmühlen, ganz buchstäblich, je nachdem, wohin man den Stein geradevschiebt. Weil halt die erfahrbare Realität auf Kontrafaktisches, das Gesollte, Gewünschte, prallt.

    @Ring2:

    Welche Spielplatzszene jetzt genau, das wüsste ich noch nicht mal. Honorig und richtig ist ja, dass um das Migrantifizieren herum geeiert wird, finde ich wirklich gut, weil es nach allem, was ich gehört habe, so einfach auch nicht ist. Aber sich dann ganz seltsam trotzdem diese „Integrations“-Struktur, halte Dich ans Grundgesetz, sonst bist Du undeutsch (unsanktpaulianisch) und fliegst raus, wiederholt. Was auf eine verdrehte Art schon wieder gut ist, weil wir ja mal zeigen können, dass es vielleicht auch anders geht, das zu diskutieren.

    Das mit den Werten und Normen ist auch kompliziert. Das, was ich hier indirekt anwende, ist der Unterschied zwischen aristotelisch/hegelianischer und kantisch-liberaler Tradition. Und zwischen deontologischer, am Sollen und der Begründung von Regeln und dem Guten, also Bewertungen als gut im moralischen Sinne. Es gab Anfang der 90er Jahre dazu eine sehr intensive Diskussion rund um den „Kommunitarismus“, und was ich hier angewendet habe, ist dessen Kritik der US-Liberalen, die würde man hier linksliberal nennen. Und quer dazu stehen die Machtheorien von Foucault bis Butler und darüber hinaus und auch ein paar Gedanken aus der marxistischen Tradition.

    Nur, falls hier wer mitliest, der das vertiefen möchte. Da das zum Teil mein Examensthema war, ist das für mich manchmal nicht einfach, das in so komprimierter Form rüber zu bringen. Das sind Debatten, die bis in die Antike zurück reichen und mit Kant und der Aufklärung neu aufbrachen und auch auf ein neues Niveau gehoben wurden. Mann kann beiden viel anlasten, gerade bei dem Rassismusthema, da steckt aber zugleich das Gegengift mit drin, wenn man nicht auf Vernunft, sondern den konkreten Anderen Bezug nimmt. Das zum akademischen Hintergrund; weltfremd oder abgehoben ist das allerdings gar nicht.

  5. momorulez September 3, 2012 um 7:34 pm

    @kleinertod:

    Danke! Und ja, klar, habe ja geschrieben, das ich die Aktion gut finde, das ist als konstruktiver Hinweis gemeint, wenn sich jetzt wer angegriffen fühlt, tut es mir leid, kann ich aber auch nicht ändern. Das ist ja nach allem, was ich so mitkriege, hochdiffizil, da kann man ja noch mal differenzieren.

  6. lars September 3, 2012 um 10:42 pm

    @ring2: als Grundregel habe ich mir den Unterschied zwischen Norm und Wert pragmatisch immer so zurechtgelegt – MR wird mich bestimmt gleich korrigieren ;-): Normen enthalten konkrete Verhaltensvorschriften, während Werte weniger konkret sind, was dafür anfällig macht, zur Referenz von Handeln herangezogen zu werden. Aus einem Wert wie folgt ja keine konkrete Handlungsaufforderung, was es ja so absurd macht, Gewalt im Namen solcher Werte wie „Respekt“ auszuüben. Da dreht sich ja die gesamte aktuelle Debatte um den Teddie-Adorno-Preis/Butler drum. Was umgekehrt nicht verhindert, dass es in der Realität verschiedene Werte mit konkreten Normen zu verbinden. Das ist ja dann die Frage von Hegemonialisierungen und all diese gewaltformigen Ansprüche an marginalisierte Gruppen, wie sie Momorulez hier immer wieder dokumentiert/thematisiert – wenn ich ihn richtig verstehe.

  7. momorulez September 3, 2012 um 11:01 pm

    @Lars:

    Ich korrigiere tatsächlich 😀 – Respekt würde ich nicht als Wert, sondern als Handlungs- und Haltungsregel konkreten Personen gegenüber verstehen. Wobei „konkret“ meint: Jeden Einzelnen, nicht als Abstraktum, sondern als Mensch mit Gefühlen, Persönlichkeit, Sichtweisen. Das ist von Sheyla Benhabib übernommen, theoretisch, aber auch gelebt – man kann da switchen.

    Philosophisch-sprachanalytisch ist das die Unterscheidung evaluativ/normativ bzw. deontologisch. Man kann auch die hegelianische Anerkennungs-Figur oder „Achtung“ im Sinne von „jemanden achten“ sagen oder schreiben und setzt dann andere Akzente. Und das steht immer in Relation zu „Was heißt es, eine Regel zu begründen?“, was beim Evaluativen, Bewertenden immer erst sekundär auftritt. Und irgendwer schrub bei Twitter, das sei doch alles zu theoretisch – ist es aber gar nicht. Das passiert gerade jetzt in einer Kneipe in Wanne-Eickel.

    Zu der Butler-Geschichte muss ich noch mal was schreiben, der Text in der FR war echt der Knaller. Da juckt es mir echt in den Fingern, damit hat sie ein völlig neues Diskussionsfeld eröffnet. Respekt 🙂 …

  8. lars September 3, 2012 um 11:41 pm

    Ja und nein. Respekt kann die Form einer Handlungsregel annehmen, muss es aber nicht. Das ist anerkennungstheoretisch der Unterschied zwischen Ehre und Würde. Ansonsten d’accord. War ja eher eine pragmatische Heuristik. Und bin ja eh moralphilosophischer Laie.

  9. momorulez September 3, 2012 um 11:45 pm

    Okay, man kann Respekt auch als Vorraussetzung von Handlungsregeln begreifen und leben 🙂 …

  10. Frank Jandera September 4, 2012 um 10:22 am

    Also, wenn ich hier so lese… Kommt’s mir vor wie ein Zirkel von Grundsatzdebattierern, die sich gern mal in ’nen Kopf machen um die exakte Wortwahl und ihre möglichen Auslegungsdefinitionen im Kontext der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen unter Berücksichtigung von besonderen Handlungsregeln vor dem Hintergrund von subjektiven Erfahrungen mit Gewalt in Familie, Politik und Szene… Alles klar? Weniger theoretisieren, mehr machen – auch ein Ansatz. Und den haben die Initiatoren des Aufrufs im Sinn gehabt. Und das ist richtig! Es geht um Widerstand, es geht um ein sichtbares Zeichen. Da ist es bestimmt prima, die Feinschnitttruppe hier im Forum versammelt zu wissen.

  11. momorulez September 4, 2012 um 10:46 am

    Na ja, der Punkt, dass Respekt vor der Fanszene, aber Schwule etc. sind nur indirekt wichtig, weil es ja um Ruhm und Ehre der Tradition geht, das ist schon etwas, was mir persönlich praktisch durchaus nahe geht und übergreifend natürlich zu vielem beiträgt, was im Stadion schief läuft.

    Und was Du hier gerade vorführst ist so weit weg nun auch von dem, was das Plakat angreift. Da kommt dann auch schnell ein gedankenloser Aktionismus bei raus, der oft, nicht immer, auch nicht besser ist als das, was er zu bekämpfen vorgibt – was ich dem Plakat so ja gar nicht diagnostizieren würde. Ich fordere auch Respekt für Theoretisierer und finde solche Sprüche wie Deine nun auch nicht der Intention des Plakates gemäß. Zudem ich die nun als Schwuler, der in solche Mackerwelten wie Deine nicht rein passt, mir diesen Scheiß auch seit meinem 15. Lebensjahr anhören muss. Intellektuellenfeindlichkeit gehört by the way auch zur Geschichte des Präfaschismus.

  12. Frank Jandera September 4, 2012 um 10:27 pm

    Danke für die Aufklärung Einstein! Und für deine messerscharfen Schlußfolgerungen meine Intellektuellenfeindlichkeit betreffend…

  13. momorulez September 4, 2012 um 11:08 pm

    Ich bin doch kein Physiker, ich bitte Dich 😀 – und wenn ich mich geirrt habe, ist doch alles gut. Ist halt nicht nett, irgendwo reinzuplatzen und:

    „Da ist es bestimmt prima, die Feinschnitttruppe hier im Forum versammelt zu wissen.“

    Wir haben heute auch noch viel weiter diskutiert – ein angestammter Gegengeradensteher seit den frühen Neunzigern, der noch mit erlebte, wie die Northside aus dem Stadion gedrängt wurde, der schwarze Vater eines PoC-Kindes, dessen Sohn ständig ins Racial Profiling der Polizei gerät und der auch Erfahrungen in Jugendarbeit hat, ich mit meinem Background, mit USP-Mitgliedern habe ich das auch schon viel bequatscht.

    Und irgendwie wissen alle, siehe meinen Eintrag oben, dass deutliches Grenzen setzen jetzt dran und geboten ist, dass das auch in einer deutlichen und machtvollen Sprache erfolgen muss, vielleicht ist Dir auch nicht entgangen, dass ich die Plakataktion an sich ja gut finde.

    Aber wir wären doch nicht der FC St. Pauli, wenn man nicht auch in Richtung dessen gucken würde, wovon das, was an Scheiße auf dem Plakat deutlich und treffend benannt ist, was sich auch auf dem Schanzenfest zeigte, Symptom ist.

    Und da bin ich besser als im Straßenkampf, da nähme mich vermutlich auch keiner ernst, obgleich ich recht kräftig bin.

    Ich sehe das ja immer arbeitsteilig.

    Und da habe ich dann keine Lust, mich für meinen Anteil anpissen zu lassen.

  14. Pingback: Tägliche Presseschau des magischen FC, 05.09.2012 | Blutgrätsche Deluxe

  15. lars September 6, 2012 um 12:06 pm

    Nein, es ist nicht bloß Theorie-Diskussion. Aber die Aufforderung, sich mit Lebenspraxis für Kritik zu rechtfertigen, ist ja auch eine Form der Gewalt. Außerdem treiben sich hier doch eine ganze Menge verschiedene KommentatorInnen rum, die unterschiedlichste Anschlüsse in den Diskussionen suchen und finden.

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