Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: September 2012

Mit Apps herum probieren und an das denken, was ich will!

Ja, okay, ich muss noch üben.

Die Dialoge sind schwach, die Bilder nicht optimal komponiert.

Liegt aber auch daran, dass die App ständig abstürzt und man zwischenspeichern muss. Ist aber ein Weg, all denen entgegen zu kommen, die stetes Schwurbeln, ungenügende Eingängigkeit und zu seltenes Pointieren mir diagnostizieren.

Die Übersetzung ins Comic-Genre birgt zwar auch die Gefahr, bedeutungsgesättigte Verdichtungen in Sprechblasen zu tippen; doch nein, ich bin der Versuchung nicht erlegen, so gar nicht 😀 – und werde nunmehr immer mal ein „Pow!“ in Bilder und Texte setzen.

Die Dramaturgie ist schlicht. Die Botschaft ist klar.

Und wühlt man sich durch all die Psycho-Coaching-Literatur selbst für an Burnout Erkrankte und Abnehmwillige, so ist immer wieder die Message klar: Konzentriere Dich auf das, was Du willst, nicht auf das, was Du nicht willst!

Finde positives Feedback im Unbewussten, im rein adaptiven, nicht-analystischen Raum Deines Erlebens! Suche jene Leitsätze und Zielbilder, die mit positiven Gefühlen assoziiert werden!

Drum, mein Comic-Tipp

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Regensburg – FC St. Pauli 3:0. Ein Twitterabend an der Bar.

@quotenrocker @ring2 Prost mit einem Becks!

Jetzt machen wir sie fertig!

Irgendwie machen wir uns gerade eher selbst fertig 😦 #fcsp

Und sie glauben immer noch, den tollen Pass spielen zu müssen, dann würde alles gut … – und lassen sich dann überlaufen. Oje, sitzt die Unsicherheit und Ratlosigkeit tief 😦 …

@kleinertod Ja, aber sie haben irgendeinen verdrehten Glauben an das, was sie können.

Immerhin wissen die Meistertrainer an der Bar neben mir ganz genau, was zu tun wäre! Soll ich Azzouzi deren Nummern besorgen? Die Meistertrainer haben auch Top-Ideen für die Budgetplanung. Voll die Bescheidwisser. Echte Fernguckprofis. Prost!

@ring2 Bei Tor war es Buchtmann …

@jawasdenn1910 Ja, sogar für Dropbox und Cloud 🙂 …

@ring2 Tor 1, meine ich.
Den Abend habe ich mir aber irgendwie anders vorgestellt …
Ein Scherbenhaufen funkelt im Regensburger Flutlicht wie eine Discokugel. Jetzt bitte „We will surwife“ anstimmen, Boys in Brown.
Oooooooooh, wie ist das schön …
Wenigstens hab ich Bruns noch nie so ausrasten sehen.
Frustfouls sind Menschenrecht!
@kleinertod Bei dem lohnt sich alles :). …
Meeske stellt Montag einen ausgeklügelten und gewinnträchtigen Plan vor, das Millerntor-Stadion in eine Bowling-Bahn umzuwandeln. Das Präsidium ist begeistert von den Erlösmöglichkeiten und stimmt zu. Unter der Bedingung, V.I.P.-Kugeln mit LED-Laufband einzuführen.
Dichten wir ABBA um!
The looser takes it all. The winner standing small besides his Victory. Hey, it’s history!
Dem Morgenrot entgegen…
Glückwunsch an Regensburg, wir werden von euch lernen!
(t.b.c.)

Es wird gebaut, aber nicht gestaltet. FC St. Pauli, der Controller-Verein?

Verzerrt. Falsch. Leblos. Es fühlte sich – so gar nicht mehr und nach gar nichts an. Nach dem Spiel. Während des Spiels. So leer. Pathos findet die treffenden, richtigen, melancholischen, wahren, poetischen Worte.

So leer. So nichtig. Wie eine Hülle, wie ein ausgeblasenes Ei, das zu Ostern angemalt nicht mehr das Gelbe zum Frühstück mir schenken mag. Als wären die Vereinsfarben plötzlich Türkis und Magenta, weil jemand, „prinzipientreu“ stand im Abendblatt, ein 4-4-2 anstelle eines Teams aufgebaut hatte. Als würde Fussball so gespielt, als wäre das Leben eine Abfolge wie das Alphabet, das stur und willkürlich in eben dieser Reihung, basta, dem Leben, Lieben und Begehren entgegen steht und es zu unterwerfen hat.

Ich wünsche Herrn Schubert alles Gute für die Zukunft! Und danke ihm für die letzte Hinrunde, und dass er, auch, aber eben nicht nur einem coolen Team sei Dank, in der letzten Saison den erwarteten Abstiegskampf vermeiden half. Dass er uns sogar auf Platz 4 führte.

Man kann mich allerdings gerne dafür rüffeln, dass ich schon im letzten Frühjahr vieles spooky fand, was er getrieben hat. Dass ich mich gefreut hätte, wenn er zur Sommerpause gegangen worden wäre, dass ich bereits nach dem 1. Heimspiel Herrn Spiess zurief Mehr von diesem Beitrag lesen

Entmumifiziert und transformiert. Ein Fussball- und Kunstabend.

Ein Fussball. Ein Fussballabend. Warhol sein Siebdruck, mir mein iPad.

Wie ein Planet leuchtet der Ball.

Dabei leuchten Planeten gar nicht. Da gleichen sie Fussbällen – eigentlich nur runde Stücke, allerdings von Menschenhand gefertigt. Ohne Spieler ganz nutzlose Dinger.

Doch wie Planeten von der Sonne ihr Licht empfangen, damit sie strahlen können, ihre Ringe gar leuchtend der Sichtbarkeit schenken, so auch das Spiel mit den Dingen. Für Menschen nur. Ja, liebe Leute, das Universum ist FARBLOS.

Doch wir, wir haben diese Fähigkeit, Saturnringen wie Fussbällen sehend und spielend Pracht zu verleihen:  Der Ball lebt von der Energie jener, die aus ihm etwas machen, das größer ist als sie selbst!

Denn, wie schreibt die Mutter von Norman Bates, äh, der Gegengeraden-Gerd vom Dingens, äh, ja. Lehne mich zurück, nippe am Laphroaig Quarter Cask, danke, P.A., danke. S.! Der Whiskey umspült die verkaterte Zunge. Wärme breitet sich wohlig aus im Brustraum. Aromen finden freudige Begrüßung. Geschmacksnerven lehnen sich genüßlich zurück und spüren den Torf hinter der Schärfe. Das Auge trinkt mit, eine hübsche Farbe hat das Zeug. Weil ja der Gegengeraden-Gerd schrub:

„Kennt ihr vielleicht vom Camping.“

Eben. So heißt Mehr von diesem Beitrag lesen

„Analyse und Kritik“ als Vorkämpfer des politischen Liberalismus

Die geballte, universitäre Ladung verblüfft. Diversity-Forscherinnen der Humboldt-Universität, Soziologen von der Universität Hamburg und jener in Halle, ergänzt durch Aida Ibrahim vom Netzwerk für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung verfassen Texte, die sich fast so lesen, als seien sie von der Friedrich Naumann-Stiftung finanziert.

Was ich keineswegs vermute. Aber die würden sich freuen über diesen Text in der „Analyse und Kritik“.

Ich referiere jetzt nicht jede einzelne Verdrehung, die da vollzogen wird, sondern fokussiere mich auf die liberalen Lügen, die sich da eingeschlichen haben. Geht auch früh los:

„In diesem Konzept sind die »weißen« Institutionen und Diskurse so mächtig, dass sie die Individuen, die darin als »Weiße« konstruiert werden, vollständig entmündigen. Gleich, wie diese sich verhalten, sie sind »Profiteure«.“

Kurz: Leistung muss sich wieder lohnen. Wer ordentlich Flugblätter verteilt, hat sich einen Orden für „nicht rassistisch“ verdient. Und profitieren von etwas ist eh doof. In dem Punkt unterscheiden sie sich von der Naumann-Stiftung.

Ja, ich weiß, in anderen Diskussionszusammenhängen würden alle AutorInnen unter „PoC“ verbucht. Was nun mir nicht zusteht, da zu etikettieren. Können sie ja selbst sagen, wo sie sich sehen.

Insofern lese ich den Text als das, was er zum Ausdruck bringt:

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Wenn 11 Freunde über Schwule schreiben …

Ist das typisch für die 11 Freunde, die bei anderen Autoren Klischees beklagen? Berufen aufs Hörensagen? Keine Gegenrecherche?

„Seiner Meinung nach war es eine Provokation, dass man Hysén als Sprecher für die Eröffnungsfeier ausgewählt hatte. Die Argumentation zielte insbesondere darauf, dass der ehemalige Fußballstar sechs Jahre zuvor einen Mann niedergeschlagen hatte, der ihn auf einer Flughafentoilette bedrängte. Für den Kommentator repräsentierte Hysén »die hässliche Fratze der Homophobie«. Auch andere Meinungen deuteten an, dass er den Mann damals nicht deshalb geschlagen hatte, weil er sich bedroht fühlte, sondern weil der andere ihn für schwul hielt.“

Ich meine, hallo? Was ist denn das für eine Geschichte? Wurde Hysén dafür verurteilt? Was ist die Quelle? Was sagt der Mann dazu, der angeblich mal eben so auf der Toilette jemanden „bedrängt“ hat?

Nicht, dass es keinen Sex auf öffentlichen Toiletten zwischen Männern gäbe, aber böse klischeehaft ist das schon.

Wer sind denn die „anderen Meinungen“? Kann man das nicht spezifischer fassen? Nennt sich das Recherche? Das ist wie „Gerüchte besagen“ oder „Experten meinen“, also Unjournalismus.

Und was für Signale könnten denn das sein, die dazu animieren, jemanden neben sich auf der Flughafentoilette mal eben so in den Schritt zu langen? Was übrigens ein ganz besonders fieses Klischee ist, diese Vorstellung, dass Schwule bei jedem Schwanz, der sich zeigt, erst mal zulangen. Es mag ja so gewesen sein, aber wurde da vielleicht auch mal hinterfragt? Gibt es Polizeiberichte? Vermutlich sind die nur der Redaktion bekannt.

Anschließend eine so rührend dramatisierte Szene des reuigen Schlägers:

„Hysén griff danach und sah, wie seine Hand zitterte. Nie zuvor war er so nervös gewesen, nicht einmal, wenn er den Rasen des ausverkauften Wembleystadions betrat oder einen entscheidenden Elfmeter schießen musste.“

Was für eine kitschige Dramatisierung, die kann doch nur erfunden sein, folgt man den Ausführungen von Köster selbst. Und dann noch eins drauf:

„Dann schilderte er seine Version des Vorfalls auf dem Frankfurter Flughafen. Er erzählte, welche Angst er bekam, als ihm ein unbekannter Mann in den Schritt fasste. Wie er dem Mann aus reinem Reflex eine verpasst hatte. Es sei ihm nicht darum gegangen, dass es ein Mann war, der ihn angemacht hatte, es sei lediglich ein Verteidigungsreflex gewesen.“

Okay, wenigstens indirekte Rede. Das da schon wieder ein Ablauf völlig unhinterfragt als Möglichkeit im Raume steht, ohne dass eine Version dessen, der angeblich zulangte, vielleicht mal hinzugezogen wird, und das bei einer ja nun wirklich nicht harmlosen Story, es geht da knallhart um sexuelle Belästigung – ist das „journalistisches Handwerk“? Kann man da nicht mal genauer nachfragen? Nein, nicht die 11 Freunde:

„Aber manchmal macht er uns auch zu ängstlichen Herdentieren mit einer Schwulenphobie.« Der Applaus wurde langsam lauter, seine Nervosität nahm etwas ab. Das Mikro presste er trotzdem weiter fest ans Kinn.“

Schon wieder so eine Melodramatisierung.

Ich halte das übrigens für äußerst anrührend und glaubwürdig, wenn da der Vater von seinem Sohne spricht. Und auch schön geschrieben. Kurioserweise wusste der Chefredakteur der 11 Freunde solche Formulierungen Mehr von diesem Beitrag lesen

Ich bin dafür!

Hat mal wer von euch in Köln gelebt? In der Enge schmaler Gassen, inmitten von Häusern, die fast alle gleich aussehen? Selbst auf Plätzen wie dem Neumarkt, ja, selbst beim Blick auf den Rhein von der Altstadt aus ließ mich das Gefühl von Beschränkheit nie los. Nie weit gucken können … ich musste bis Mühlheim hinauf laufen, wo der Fluss sich krümmt, um überhaupt ein anderes Gefühl von Räumlichkeit als jenes, gegen eine Wand oder den Dom zu laufen, zu entwickeln.

Was habe ich genossen, wieder in Hamburg zu leben nach einem Jahr Exil!!!

Alleine dieser Luxus des Blicks auf die Alster inmitten der Stadt, die Pracht der breiten Elbe mit Krümmung, der Weite des Hafens und auch des Heiligengeistfeldes inmitten der Stadt – Weitsicht! Raum für Visionen!

Nun macht das manchen, dem Innensenator zum Beispiel, vermutlich Angst. Es gibt das ja auch als Krankheitsbild, Panik auf großen, leeren Flächen, weil da so viel Raum für Vorstellbares vorhanden ist.

Manche brauchen es deshalb, eingehegt zu bleiben, so zum Beispiel alles Freie, Offene, Weite als Gefahrengebiet umzingeln zu wollen, und, kaum sind irgendwo 800 qm mal unbebaut, ruckzuck sollen da Gitter und Fesselungsgeräte, Mehr von diesem Beitrag lesen

Wenn einer reicht, genügt’s. Doch: Kann man sich Visionen wenigstens vom Arzt verschreiben lassen?

Herr Schubert ist stolz auf seine Spieler. Finde ich als Freund positiver Verstärkung gut. Herr Ebbers findet, dass 1 Punkt ja auch ausreicht. Im Prinzip schon, aber … Herr Orth ist vom Spiel gestern total begeistert laut Mopo, und Herr Meeske findet, dass wir nicht in einer idealen Welt leben und es doch schnurz ist, ob eine Polizeiwache nun 50 m weiter angesiedelt wird oder auch nicht. Und wir kämpfen für unsere Vergangenheit, also das Museum. Ich auch.

Aber: Was sind denn jetzt eigentlich unseren Visionen?????????????

Was für eine Zukunft wollen wir leben als FC St. Pauli? Und wofür sind wir denn nun? Für „haut ab“?

„Unter den Top 25 im Profifussball.“ Michael Meeske forciert ein gesichtsloses Business-Modell und findet, man erlebe das FC St. Pauli-Feeling bei einer Stadionführung. Klar ist er stolz auf das, was er da hat bauen lassen und dass es da steht.

Ich trauere hingegen um meine alten Holzbänke und habe mich an das neue Stadion noch nicht gewöhnt. Versteht er das?

Ich will mich auch nicht an Fussball wie den gestern gewöhnen. Ich verstehe nicht, was es da zu feiern gibt. Ich verstehe die Vision des Trainers nicht. Ich habe gestern lediglich durch einen Videobeamer vermittelt ein Spiel gesehen, das abgesehen von Tschauner fast nur aus individuellen Fehlern und Unzulänglichkeiten bestand. Gelegentlich blitzte kurz Zauber auf und verreckte jämmerlich.

Und habe mich gefragt, ob sich daraus nicht eine Vision entwickeln lässt, irgendwas underdogmäßiges. Ich mag ja fehlerhafte, unzulängliche Individualisten lieber als aalglatte Perfektionisten. Die haben Charme.

Und doch, es gelang mir nicht. Ich wusste gar nicht mehr, wie ich dazu nun emotional verhalten soll, und es ging um mich herum in der Kneipe allen so. Darauf ein Ouzo.

Und ich bekomme dieses Gefühl nicht weg, dass all das zusammen gehört: Das leere Kalkül des Michael Meeskes, der ein Vakuum ausfüllt, das ein meinem Eindruck nach etwas verpeiltes, völlig charismafreies und ideenloses Präsidium, aber auch wir Fans erzeugen. Ich noch viel mehr als all die Aktiven in den Gremien, bei den Fanräumen, im Jolly, bei USP.

Weil ich den Eindruck habe, dass sich bei uns herrlich mobilisieren lässt, wenn wir GEGEN etwas agitieren können, am besten gegen Präsidien. Aktuell ja völlig zurecht. Nun haben sie sich auch zum Ziel Museum bekannt, aber nicht gegen die Wache positioniert. Hmmm.

Aber WOFÜR sind wir denn nun eigentlich? Was für eine Vorstellung vom FC St. Pauli haben wir denn?

Jetzt stehen da neue Gebäude. In den kargen, gruseligen, langen Flur in der Haupt ist eine Kunstausstellung eingezogen, das ist super. In den die Gegengerade ziehen die Fanräume, noch besser.

Geht man freilich durch die V.I.P-Bereiche in der Haupt, sind zwar die Separés individuell gestaltet, die allgemeinen Räume sehen austauschbar aus. Es ist schon auffällig, dass die Süd noch irgendwie Style hat, das aber bei den anderen neuen Tribünen nicht der Fall ist. Bei der Gegengeraden kann sich das noch ändern, und immerhin haben wir die Kindertagesstätte in der Stadionecke. Und hoffentlich ein tolles Museum in der Gegengeradeen. Aber das ist wieder nur Vergangenheit.

USP machen immer wieder tolle Choreos, führen neue Gesänge ein, das „Wir sind ooooooooooooooh St. Pauli“ gab ja richtig Power. Aber was sind wir denn eigentlich noch außer musealer Vergangenheit, wenn wir mal nicht gegen irgendwas sind, so dass die Spieler schon fast so wirken, als würden sie gegen den Ball und den Sport als solchen kämpfen – kann es sein, dass sich das auf mystisch verschlungenen Wegen auf das Spiel der Mannschaft überträgt?

Ist die Frage verständlich, oder blogge ich dummes Zeug? Gibt es Doktoren, die Visionen verabreichen?

Wenn 11 Freunde über „Spielerfrauenzwang“ höhnen …

Die Frage, ob es Bielfeld wirklich gäbe, die ist ja auch nicht neu. Und vielleicht ist man als Familienvater aus der Region, da Niklas Luhmann tätig war, so auf die Beobachterperspektive abonniert, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, als Teilnehmer zu sprechen:

„Als bekennender Arminia-Bielefeld-Fan schrieb Köster bis Mai 2010 eine Kolumne in der Tageszeitung Neue Westfälische, die an jedem Spieltag von Arminia Bielefeld erschien.

Köster ist verheiratet, hat zwei Söhne und eine Tochter.“

Es sei wie in der Kommentarsektion bereits geschehen noch einmal betont: Dem Herren scheint gar nicht so ganz klar zu sein, über was er da schreibt, nämlich über zutiefst Persönliches. Da ist eine Verdinglichung im Gange, wenn über „Homosexualität“ Sätze in Tastaturen gehämmert werden, als würde es da nicht um Empfindungen, Begehren, Liebe, Gefühle, eben das, was Menschen zu Menschen auch zu Menschen macht, geschrieben, sondern über das verallgemeinerungsfähige Verhalten von Laborratten.

Vorgeblich agitiert Köster, um Klischees als Klischees zu entlarven und einen einsamen Kampf für die „journalistische Sorgfaltspflicht“ zu führen. Da kommt ein zumindest laut Wikipedia „Heterosexueller“ daher und formuliert Sätze wie die folgenden:

„Da ist die Tatsache, dass in dem Interview kaum ein Schwulenklischee ausgelassen wird, von der guten Freundin, die sich als Spielerfrau ausgibt, bis hin zur berühmten Duschszene, die ja streng genommen eher eine Phantasie verdruckster Hetereosexueller ist.

Da sind Äußerungen des Profis, die ratlos machen. Wenn er erzählt, Freundinnen als seine Frau auszugeben und das wie folgt begründet »Zu manchen Anlässen kann ich einfach nicht alleine kommen« und man sich fragt, zu welchen rätselhaften Anlässen ein Fußballprofi unbedingt eine Frau dabeihaben muss. Es gibt in der Bundesliga unzählige ledige, ungebundene Fußballprofis, die alleine oder mit Kollegen zu Galas, Events, Vereinsfeiern erscheinen – ohne Spielerfrauenzwang.“

Ich gestehe es „Heterosexuellen“ schlicht und ergreifend nicht zu, über „Schwulenklischees“ zu befinden.

Über das eigene Verdruckstsein von „Heterosexuellen“ können sie freilich gar nicht genug schreiben. Das ist zustimmungsfähig.

Es ist nämlich tatsächlich so, dass im Zuge auch nicht-identitären sich als schwul Begreifens nur die Wahl zwischen zwei Klischees bleibt: Denen, was ein Mann zu sein hat, und denen, die es über Schwule gibt.

Ersteres bedienen zumeist die Bürgerlichen und jene, die sie nachahmen: Richtige Männer sein wollen!!! Was glaubt der Herr Köster denn, was für Role-Models wir haben?

Letzteres, das „Tuntige“, ist konstitutiv für all die campy Varianten schwuler Subkulturen von „La Cage aux Folles“ bis zu Lilo Wanders und CSD-Kostümierungen. Ich halte das letztlich für die progressivere Variante, weil es patriachale Konstellationen, wie sie nirgends stärker wirken als im Fussball, infrage stellt und alles andere nur die Assimilation an das falsche Ganze darstellt.

Selbst cis-Mann – na. Köster, den Ausdruck mal gehört? – weiß ich, wie viel Ängste da hinter stehen, wenn der bürgerliche Weg gewählt wird. Oh Schreck! Ich könnte als „verweiblicht“ gelten!

Man muss durch das Klischee hindurch gehen, um es aufzulösen, wie Warhol, Pierre & Gilles, übrigens auch David Lynch und Priscilla in der Wüste belegen. Was auch jene vermeintlichen „Klischees“ betrifft, die Köster im Visier zu haben glaubt.

Zudem ist mir mindestens ein Fall bekannt,  wo tatsächlich eine Scheinehe eingegangen wurde, um einen hohen, staatlichen Posten zu erhalten. Und Familienväter können sich da ja gerne drüber erheben – es ist einfach so, dass Männer ab irgendeinem Alter verdächtig wirken, haben sie Frau und Kind nicht vorzuweisen. Durfte Herr Altmeier doch auch gerade erleben. Und natürlich würde ein schwuler Bundesligaprofi verstärkt unter Tarnungsdruck stehen als in dieser Hinsicht vielleicht entspanntere, „heterosexuelle“ Kollegen. Was macht denn daran bitte „ratlos“? Sie hinterm Status-Privileg „Familienvater“ verschanzend über die Nöte Devianter sich zu erheben ist zwar üblich, aber von einer hervorragenden Zeitung wie 11 Freunde dürfte man mehr erwarten.

Man muss doch nur das Buch von David Berger lesen und kann nachvollziehen, wieso es so viele Schwule in die Institutionen der Katholische Kirche treibt: Dieses gesellschaftlich verordnete, ungute Gefühl im Selbstverhältnis kann religiös stabilisiert und gegeißelt werden. Manche brauchen das seltsamerweise. Zugleich fällt keinem auf, dass keine Frau an der Seite vorzuzeigen ist. Und es ist eine zumeist reine Männerwelt – wie der Fussball.

Das ist es ja, was mich so ankotzt an dem, was der Herr Köster schreibt: Diese totale Befreiung von Emphatie.

Ja, merkt der denn gar nicht, wie intim das ist, öffentlich Interviews über das zu geben, was in alltäglichen Schimpftiraden als „Schwuchtel!“, „Arschficker!“ und „Schwanzlustscher“ erscheint? So als sich brav Reproduzierender mag man dafür keinen Sinn entwickeln, für Missionarsstellungen wird man allenfalls als „Ficker“ bezeichnet. Es wird ja noch nicht mal versucht sich vorzustellen, was in dem Interviewten vorgehen könnte, falls das Interview echt ist. Und DAS ist der typische Umgang mit Lesben und Schwulen in Deutschland: Es werden zwar Bekenntnisse erwartet, die kein „Heterosexueller“ je vollbringen müsste, aber was in denen vorgeht, die man dazu zwingt, ist scheißegal.

Ich möchte zudem den Tag erleben, wo er ein Interview als Fake enttarnt, weil es voller „heterosexueller“, religiöser oder Familien-Klischees steckt.

In keiner anderen Welt wie der „heterosexuellen“  wird derart in Klischees geredet – „meine Familie gibt mir Halt!“. Ach, ist gar kein Klischee, sondern ist so?

Braucht man sich doch nur Hochzeitsfotos anschauen oder fern gucken oder Sonntags im Park spazieren gehen.

Ganze Seiten der 11 Freunde bestehen aus nichts anderem als „heterosexuellen“ Stereotypen. Und fortwährend reproduzierten Klischees von heroischer Männlichkeit. Gerade auch in der Sportfotografie, übrigens.

Und nun mittels des Hohns über den „Spielerfrauenzwang“ wieder so ein Tritt in die schwule Fresse. Allein schon diese ganze absurde Berichterstattung über Sylvie, Victoria und die anderen ist schon aus feministischer Perspektive ziemlich übles Spiel. Aber auf so einen Drive kommen Familienväter aus Westfalen wohl nicht. Die haben vermutlich „meine Frau!“.

„Für einige war es nicht so wichtig, ob das Interview echt ist, Hauptsache, das Thema Homosexualität im Fußball wird diskutiert.“

Es mag auch wichtig sein, ob es echt ist oder nicht, klar. Dass die 11 Freunde der zweite Teil nicht wirklich interessiert, das haben wir nun auch verstanden – und zum Bezweifeln müssen einfach bessere Gründe her. Wäre ich schwuler Fussballspieler, würde ich auch nicht wollen, dass die Redaktion weiß, wer ich bin. Wenigstens diese Erwägung könnte ja mal einbezogen werden.

Man denke an die These von der Umkehr der Sichtbarkeit Michel Foucaults: Während einst alle Augen auf die Monarchen sich richteten, die Macht verkörperten, geriet ab dem 19. Jahrhundert der Einzelne und seine identifizierende Erfassbarkeit in den Mittelpunkt der Machtpraktiken. Die Akte, die Nummer, der Name. „Homosexuell“, „Heterosexuell“. 11 Freunde.

So, wie Herr Köster aktuell agiert, wird sich so bald auch kein schwuler Fussballer mehr zu Worte melden. Denn angenommen, das Interview ist echt, und das ist ja zumindest möglich: Sofort geschieht das, was immer passiert. „Heterosexuelle“ kommen an und beginnen, schwule Erfahrungen als gültig und ungültig, wahrscheinlich oder unwahrscheinlich, wahr oder unwahr, gut oder schlecht zu interpretieren und zu werten. Deshalb halten die meisten Schwuppen ja lieber die Klappe, und Herr Köster trägt dazu bei, dass das so bleibt.

FÜR ein Museum, wie es die Welt noch nicht gesehen hat: Das FC St. Pauli-Museum. In der Gegengerade. Am Millerntor.

Positionspapier der Fanszene des FC St. Pauli

Museum statt Goliathwache!

(Quelle: Zeckensalon

Für eine sinnvolle Nutzung der neuen Gegengerade

Die Gegengerade des Millerntor-Stadions ist ein entscheidender Ort für die Geschichte des FC St. Pauli.

Dies ist der Ort, wo die ersten Totenkopf-Fahnen wehten. Dies ist der Ort, wo eine vollkommen neue Art der Fankultur entstand. Dies ist die Keimzelle des „Mythos St. Pauli“.

Wir sollten diesen Ort Leben lassen. Wir sollten ihn nutzen, um diesen unglaublichen Verein zu feiern. Und alle zu würdigen, die ihn ausmachen.

Wir haben die Chance dazu. Wir haben sie jetzt und nie wieder. In der Gegengerade sind 600 zusammenhängende Quadratmeter frei. Direkt neben den Fanräumen. Direkt neben dem zukünftigen Sitz des Fanladens. Eine Fläche von unschätzbarem Wert.

Niemand im FC St. Pauli will, dass diese Fläche für einen vereinsfremden Zweck blockiert wird. Niemand will, dass eine Polizeiwache dort einzieht – als Ersatz für die alte Domwache, genutzt an allen Dom- und Spieltagen. Eine Nachbarschaft, die auch die Arbeit des Fanladens stark behindern würde.

Der FC St. Pauli steht im Wort. Sein Präsidium hat vor Jahren mündlich versprochen, der Stadt bei der Erneuerung der Domwache zu helfen. Im Gegenzug für Unterstützung bei der Stadion-Rekonstruktion.

Doch für den Standort einer Dom- und Stadionwache gibt es Alternativen. Für ein FC St. Pauli-Museum nicht. Auf einen solchen Ort zu verzichten, wäre eine historische Weichenstellung. Weg vom „Lebensgefühl St. Pauli“. Hin zu einer leeren Hülle.

Lange haben Fans auf dieses Risiko hingewiesen. Lange wurde intern verhandelt. Es ist spät, doch nicht zu spät. Darum machen wir Druck.

Und wir bieten unsere Hilfe an. Unsere Ideen. Unser Wissen. Unsere Hände. Unser Herz.  Wir sind viele. Wir sind entschlossen. Und gemeinsam schaffen wir nahezu alles.

Wir fordern das Präsidium des FC St. Pauli auf, den Auftrag der Jahres­haupt­versammlung 2010 zur Einrichtung eines Vereinsmuseums umzusetzen:

 

  • Macht ein FC St. Pauli-Museum in der Gegengerade möglich, das diesen Namen auch verdient!
  • Nehmt unsere Hilfe an!
  • Entscheidet Euch für Identität und Geschichte des FC St. Pauli!
  • Entscheidet Euch für ein gemeinsames Ziel, das alle St. Paulianerinnen und St. Paulianer eint!
  • Entscheidet Euch für eine Realisierung der Domwache außerhalb des Millerntor-Stadions!

 

FÜR eine gemeinsame Lösung von Verein und Stadt!

 

GEGEN eine Goliathwache in der Gegengerade!

 

FÜR ein Museum, wie es die Welt noch nicht gesehen hat:
Das FC St. Pauli-Museum. In der Gegengerade. Am Millerntor.

EDITH:

Und hier die Liste der Unterzeichnenden. Bisher:

Philip Schröder; Breitseite St. Pauli; Kleiner Tod; Desorganisierte St. Pauli; Backpackers St. Pauli; Catalunya St. Pauli; Kunstverein St. Pauli; Basis St. Pauli e.V.; 1. Autohof St. Pauli; Geomagisches Sankt Pauli; Roter Stern St. Pauli; Fanclub Confused State of Mind; Lorenz Henningsen; Tom S. Jäger; Helge Berlinke; Der Übersteiger; Thomas Wöhner; 18 auf 12; Fideles Sancti Pauli; magischerfc.de; Fanclub We köönt ok anners; Hamburg trinkt braun-weiß e.V.; Fabian Borgmann; Gerd Störmer & Silke Störmer; Fanclub Hafenklang; Marc Runge; Alexandra Frodermann; “Ja was denn!?”; Budenknäuel Sankt Pauli; FC Tartuga; Agnes Hermes; No-Tengo-Idea; Salim Warsi; Peer Rancke; G.A.S. St.Pauli, G.M.S. St.Pauli, Punkrock St.Pauli, Zeckensalon, Supra Magazin, Rhoihessefront, Maarten Thiele, Helge Schwiertz, Jonas Weber; Christoph Nagel, Optimistische Fatalisten, Gerhard von der Gegengerade, Kriemhild Schlott;
Christian Bettges – SMP Signed Media Produktion GmbH & Co KG; Momo Rulez; Metalust und Subdiskurs; Markus Trapp (Text & Blog); SPNU.DE; Sebastian Grandt

Und diverse andere Blogs, die nachgetragen werden, danke euch gerade ungenannten

(Falls jemand falsch geschrieben oder vergessen wurde: schreibt bitte an unterzeichnen@magischerfc.de )