Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Strategien und Prämissen der Abwehrkommunikation Privilegierter

Das ist so schön zusammen gefasst, das verlinke ich jetzt mal, Danke, Lars!

Strategien und Prämissen weißer Abwehrargumentationen anhand von Hallervordens Statements lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: 

  1. Verteidigung des eigenen nicht-rassistischen Selbstbilds 
  2. Inanspruchnahme der Definitionshoheit, sowohl über Rassismus als auch darüber, welcher Kontext für die Deutung ausschlaggebend ist 
  3. Verkehrung der Rollen: die weißen rassistisch agierenden Theaterschaffenden werden zu Bedrohten, die Diskriminierten zu Täter_innen
  4. die eigene Unkenntnis von Protest und Kritik an rassistischen Strukturen wird universal gesetzt und so Schwarze Kritik unsichtbar gemacht
  5. Heranziehen falscher und unpassender Vergleiche und Gleichsetzungen von Positionen, um die Kritik ad absurdum zu führen
  6. das Absprechen von Expertise und die Pathologisierung der Kritiker_innen
  7. die neuerliche Behauptung der eigenen Definitionshoheit als universeller Wahrnehmung
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9 Antworten zu “Strategien und Prämissen der Abwehrkommunikation Privilegierter

  1. Fritz August 30, 2012 um 2:24 pm

    Sorry, so kann man doch nicht diskutieren. Da sagt jemand: „X ist rassistisch“ und jemand anders sagt „X ist nicht rassistisch“. Nun müssten beide eigentlich in eine Diskussion über Rassismus eintreten und versuchen, den Begriff zu klären, aber stattdessen sagt der erste „Sieh endlich ein, dass X rassistisch ist. Wenn du das nicht anerkennst, ohne kritische Fragen zu stellen, zeigst du nur um so mehr deinen Rassismus.“ Klassischer Fall von „Inanspruchnahme der Definitionshoheit, sowohl über Rassismus als auch darüber, welcher Kontext für die Deutung ausschlaggebend ist“ von seiten der Autorin.

    Klingt für mich verdammt nach einer Strategie zur Diskursvermeidung und zu Verabsolutierung des eigenen Standpunktes.

  2. momorulez August 30, 2012 um 4:08 pm

    Ja, das ist auch eine typische Abwehrstrategie, die Du gerade anwendest – aber klar, eigentlich geht da um die perfide Beherrschung und brutale Unterdrückung von Mehrheitsgesellschaftlern, der Gulag ist auch in Planung, die Guillotine steht bereit, Schauprozesse sind geplant, und das alles nicht sachlich, lediglich moralisch motiviert.

    Und ansonsten lies Dir den Text bitte durch. Es geht ja um mehr als „Aussage X trifft zu oder nicht zu“, sondern wer geht zu wem in welchem gesellschaftlichen Kontext was für eine Art von Beziehung ein und welche Position beansprucht er in diesem Zusammenhang – und welche Erfahrungen hat wer gemacht.

    Und das sind intersubjektive und strukturelle Phänomene, die ganz anderer Art sind als der Satz „Das Heidelberger Schloß ist rot“, also die simple Prädikation. Hier geht es um Bereiche, in denen jeder immer auch Akteur ist und manche von Diskriminierung betroffen sind, andere nicht. Erstere sind die Experten, weil sie da täglich was erleben, was die andere nicht erleben.

    Hättest Du den Text gelesen, dann wäre Dir auch die historische Dimension aufgegangen – die weiße Geschichtsschreibung allein schon gründet in Rassismus, die Sprache ist rassistisch usw. Und um das verifizieren zu können, um mal formal weiter zu spinnen, bist Du als Indikator dafür, dass Phänomen X vorliegt, auf die Erfahrung Betroffener angewiesen. Das Konstatieren des Zutreffens eines Satz bedarf ja der Verifikation.

    Da man zudem einen Satz nur dann versteht, wenn man seine Wahrheitsbedingungen kennt, Nicht-Betroffene aber nicht wissen, wie es ist, rassistisch unterworfen zu sein, können sie da nur zuhören oder sich zumindest auf die Quellen jener, die unterworfen sind, beziehen.

    Das liegt übrigens auch an der epistemischen wie auch veritativen Assymetrie zwischen der Perspektive der 1. und der 3. Person in Fragen des unmittelbaren epistemischen Selbstbewusstseins wie auch daran, dass in der 2. Person verschiedene Haltungen auftreten können, und Du plädierst hier sozusagen für eine Implementierung der Perspektive der 3. Person in jene der 2. Person, traditionell nannte man das „Verdinglichung“, das ist eine vergegenständlichende Haltung zu einem anderen Menschen. Und das, um natürlich den weißen Standpunkt zu verabsolutieren, weil Du Machtverhältnisse ignorierst. Und die beste Methode, da raus zu kommen, ist zuhören 😉 … und lesen, was da oben steht. Z. B. die Unterstellung individueller Neurosen ist ja nun auch nichts, was nun etwas über den Wahrheitsgehalt einer Aussage aussagt.

  3. momorulez August 30, 2012 um 5:01 pm

    Allein schon Dein Imperativ „So KANN man das nicht diskutieren“ – typisches Priviligiertenverhalten, anderen vorschreiben zu wollen, wie sie zu diskutieren haben. Da spricht die Macht der Gewohnheit, den anderen Regeln zu verordnen und Vorschriften zu machen …

  4. Fritz September 1, 2012 um 6:22 pm

    Sorry, entweder Rassismus ist ein objektiv in der Realität vorkommendes Phänomen, oder Rassismus ist ein subjektives sich diskriminiert Fühlen irgendwelcher Leute. Dann sind die Neonazis, die sich in ihrem eigenen Land von Ausländern verdrängt fühlen, auch Opfer von Rassismus. Deine Position ist schlicht und einfach logisch inkonsistent (worüber das bildungsbürgerliche Wortgeklingel nicht hinwegtäuscht).

    Hier leigt offenbar aber auch ein Missverständnis meinerseits vor. ich bin nämlich davon ausgegangen, dass jemand einen Text auf einem Blog im Internet postet, weil er darüber diskutieren möchte, aber das ist bei dir offensichtlich nicht der Fall; du erwartest lediglich, dass man dir demonstrativ zustimmt und dir für die Weisheit deiner Äußerungen gratuliert. Das ist natürlich nicht meine Absicht.

  5. Trude September 1, 2012 um 7:10 pm

    Derailing at its best. Dler Kommentar von Kleinfritze hätte auch ein Neurechter bringen können! Das naive Pochen auf „objektive Realität“ ignoriert die Herrschaftsmechanismen weißer Objektivität. Diese muß erstmal dekonstruiert werden, genau wie die Scheinargumentationen von den deutschen Fritzen. Rassismus ist eine Seuche. Leute wie Fritz auch.

  6. momorulez September 1, 2012 um 7:32 pm

    @Fritz:

    Würdest Du diskutieren wollen, würdest Du ja auf das eingehen, was ich schreibe. Machst Du aber nicht. In Herrenmenschenattitüde spazierst Du in die Blogs anderer Leute und behauptest einfach irgendwas, was Du deshalb nicht belegen kannst, weil Du gar nichts sagst außer „Was irgendwelche blöden Schwarzen von sich geben hat keine Relevanz. Die sollen sich erst mal weiß anmalen.“

    Warum machst Du das?

    Dass Du der Meinung bist, dass der SS-Scherge das gleiche macht wie der Jude, bevor er deportiert wird, weil beide ja nur „Befindlichkeiten“ haben, ist freilich typisch deutsch. Auch die vergewaltigte Frau und ihre lächerlichen Gefühle, da muss erst mal ein deutsches Gericht entscheiden, ob sie die überhaupt hatte.

    Auch dieses einfach Drauflossabbeln, ohne auch nur die geringste Höflichkeitsregel, nämlich den Versuch zu unternehmen zu verstehen, was jemand sagt oder schreibt, ist Herrschaftstechnik, sonst nichts.

    Leute wie Du befördern Gewalttäter und legitimieren sie.

  7. momorulez September 1, 2012 um 7:33 pm

    @Trude:

    Wohl wahr. Und sorry, dass der Kommentar hier so lange unbeantwortet stand.

  8. Fritz September 6, 2012 um 8:50 am

    Wenn man von Nichtbetroffenen verlangt, sie sollten die Subjektivität von Betroffenen gefälligst akzeptieren, dann muss die Subjektivität von Betroffenen für die Nichtbetroffenen objektivierbar sein, ansonsten kommuniziert man nicht, sondern schreit nur rum (auch wenn man es mit Adorno-Zitaten garniert). Das ist das mindeste, was man verlangen kann, und was du nicht leistest, Naseweiß.

  9. momorulez September 6, 2012 um 9:42 am

    Ach, Süßer, Du magst Dein eigenes Verhalten ja damit treffend umschrieben haben, aber Leute, “ die „objektiv“ daher quatschen, aber noch nicht mal wissen, was ein Argument ist, sind eben Trolle, sonst nichts, die Spaß daran haben, sich öffentlich zu blamieren. Wenn es Dir gut dabei geht: Viel Glück! Aber bitte nicht mehr hier.

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