Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Ich träum von Dir … in meinen Träumen …

Ach. Seufz. Es gibt manchmal das Offensichtliche, Sichtbare, und dann noch das, was es hervor bringt. Letzteres ist oft so schwer zu fassen. Diese doppelte Struktur als Weltdiagnostik gibt es von Platon über Hegel bis hin zu Chomskys generativer Grammatik: Eine Tiefenstruktur generiert das Manifeste. Idee und sinnliche Wirklichkeit, Wesen und Erscheinung, Trainer und Mannschaft?

Ach, seufz. Das Offensichtliche haben so viele derart treffsicher ob in Blogs:

„Gleich bilden sie nen Sitzkreis und fangen an, Kennenlernspiele zu spielen”, schießt mir das durch den Kopf. „Gut, dass wenigstens die Nachnamen auf den Trikots drauf stehen!“

und hier und hier und hier, ob im Forum, ob bei Twitter beschrieben, das braucht man wirklich nicht zu wiederholen: Nix lief in Cottbus. Es gab einen guten Spielzug in Halbzeit 1, angetrieben von Mahir Saglik, der verpuffte. Es gab in Halbzeit zwei, wenn ich mich recht entsinne, zwei brauchbare Sequenzen. 1. Ecke in der 64. Minute.

Mich hat das, trotzdem das Ergebnis ja sehr schmeichelhaft für uns ausfiel angesichts einer um einen Klassenunterschied besseren Mannschaft aus Cottbus mit 0:2, an das 0:6 in Lübeck einst erinnert. Da kamen wir auch kaum über die Mittellinie; auch da hatte sich beim zunächst noch recht optimistischen Auftakt in Frankfurt gegen Ende des Spiels am Main schnell offenbart, wo die Probleme liegen: An der Realitätsverweigerung des Trainers, der mir ungleich sympathischer war als Herr Schubert heute, das gebe ich ja zu. Und in einem falsch austarierten Kader.

Obgleich ich denke, dass der, mit dem wir in Cottbus aufliefen, im Grunde genommen ungleich mehr Potenzial hat als der damals. Er ist nur falsch zusammen gestellt. Und Bruns und Bartels können nicht alleine das berühmte Prinzip der Vorwärtsverteidigung, die eigentlich am gegnerischen Strafraum beginnen sollte, tragen, dafür sind sie gar nicht die Spielertypen, auch mit zwei Stürmern an ihrer Seite nicht. Zudem jeder halbwegs intelligente Trainer die Maxime ausgeben wird, Flo immer und unaufhörlich auf die Socken zu geben, und jede Ordnung schwindet aus dem Spiel – das haben die Cottbusser ja so gemacht, diese Klammerszene in Halbzeit 1, als der Cottbuser Spieler den Florian gar nicht mehr los lassen wollte, belegte es. Hoffentlich bleibt er unverletzt, wenn das so weiter geht.

Woran liegt es nun aber? Stpauli.nu hat schon recht, auch an Selbstüberschätzung und falschen Zielsetzungen. Wir sind gut, wenn wir der Underdog sind oder ein Gegner als „gleichwertig“ in der Kollektivpsyche des FC St. Pauli gilt. Deshalb sahen Spiele gegen 1860 oder Düsseldorf in der letzten Saison auch besser aus, weil sich da die Mannschaft wohl selbst besser motivierte. Aber sonst? Schweigen wir mal vom Finale gegen Paderborn, als alle dachten, der Trainer wäre schon weg.

Und daran mangelt es doch – wie kann Herr Schubert über „mangelnde Entschlossenheit“ lamentieren, ohne sich dabei an die eigene Nase zu fassen? Das war schon das Problem der Rückrunde, und so viel Leitungs- und Teambuilding-Erfahrung habe ich nun doch, dass das wirklich am Chef liegen kann, wie motiviert das Team agiert. Und dass man Charakterköpfe braucht, leitet man Teams, solche, die einen schon im Vorstellungsgespräch als „Schleimer“ beschimpfen 😀 – ist mir wirklich mal passiert, und es ist erwartungsgemäß eine der großartigsten und tollsten und menschlich überragendsten Mitarbeiterinnen, die ich dadurch gewonnen habe -, weil die antreiben und Akzente setzen; deswegen fehlen uns Typen wie Naki einfach. Nichts gegen auch nur irgendeinen der aktuellen Charaktere, die haben ja alle ihre Qualitäten und sind natürlich die Mannschaft, die ich als Mannschaft des FC St. Pauli liebe. Es fehlen aber solche, die wir im Abstiegskampf brauchen werden: Die Kratzenden, Beißenden, Wütenden, Impertinenten.

Aber wer stellt den Kader denn nun eigentlich zusammen? Das war im Forum zumindest umstritten. Wir haben tolle Typen als Einzelspieler, und ich käme auch nicht auf die Idee, nun über Tschauner wegen der Patzer herzufallen – aber warum funzt Azzouzi nicht und ergänzt mal treffsicher? Damals haben wir zur Rückrunde Chris und Nascimento geholt, da war es zu spät – und bei Spielen wie gegen Oberhausen  in der damaligen Zweitligaabstiegrunde sind wir an der eigenen Arroganz gescheitert und so in Liga 3 gerutscht. Will Azzouzi nicht gleich einen Machtkampf mit dem Trainer haben? Weil irgendwo Duve lauert? Weil das Präsidium keine Kohle raus rückt oder einfach keine da ist? Ich verstehe das ja alles wirklich nicht. Wo sitzt denn der Wurm? Da muss mal Zug zum Tor in den Gesamtkomplex hinein.

Ja, ich würde mich mich gerne zurück in jene Tage beamen, da wir frisch aus Liga 3 Niederlagen leichter hin nehmen konnten und jeder Sieg die Glückseligkeit des kleinen Stadtteilvereins hervor brachte. Und auch jetzt denken ja viele, dass das einfach nur übertrieben ist, was ich hier schreibe, cool bleiben, Mund abwischen und so, müsse sich einspielen.

Aber dieser Traum, dass da irgendwas passiert auf dem Platz, was zu uns passt, von mir aus saublöde Fehler, aber dann Kampfimpulse, ein Spiel genial, das nächste liebenswert grottenschlecht, aber immer mit den Vibrations, die dieser Verein bisher zu erzeugen wusste, den hätte ich gerne erfüllt.

FC St. Pauli, ich träum von Dir, in meinen Träumen, nee, ich muss keinen Europapokal haben, aber eine Spielweise, die an das gesittete und öde Publikum in Langnese-Familienblöcken erinnert, die kann es doch auch nicht sein. Obwohl, kindisch befreit könnte gar nicht schaden.

Es ist alleine schon so langweilig, hier immer wieder das gleiche zu bloggen. Ich bitte um Entschuldigung dafür, allmählich muss ich aufpassen, mich nun nicht auch noch bloggend in Stil und Verve dem anzupassen, was auf dem Platz passiert. Wir werden fad, grau, beliebig, emotions- und  interessenlos. Und das ist der absolute Albtraum, zumindest für mich.

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2 Antworten zu “Ich träum von Dir … in meinen Träumen …

  1. Pingback: Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Fremdenlegion

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