Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Und die Diskussion schreitet fort: Nachschlag zu Critical Whiteness und dem Antira-Camp, bei dem ich nicht war.

„Critical Whiteness ist ein wichtiger Aspekt der kritischen Race-Studies und insofern sehr ernst zu nehmen. Aber leider bedient diese meist nur einen transnationalen Dialog zwischen akademischen Subkulturen. Das Ganze ist von realen Kämpfen weit weg.“

Vassilis Tsianos schlägt zu, verbal und diskursiv – mit ganz ähnlichen Argumenten wie Ex-Autonome. Die kennen sich bestimmt und haben sich an irgendeinem Stammtisch da hinein gesteigert 😀 …

Nur dass ich das in seinem Fall bedenkenswerter finde, was er im Interview mit der Jungle World sagt und was schon aus Gründen der Lauterkeit hier verlinkt gehört. Und dass ich als weißer, deutscher Mann nun auch nicht in der Position bin, über wahr und falsch oder richtig und unrichtig zu urteilen.

Nichtsdestotrotz kann ich seinen Formulierungen nun auch nicht die „Sprache des Ghettos“ entnehmen und vor allem nicht das, was ständig Thema ist in diesen Diskussionen: Nämlich den Verzicht auf Moralisierung. Was ist denn ein Satz wie:

„Leuten, die schreckliche Erfahrungen beim Überschreiten der Schengener Grenzen gemacht haben, hier in Europa entgegenzuhalten, dass sie Teil der rassistischen Kultur seien, ist wirklich eine ekelhafte neokoloniale Willkommensgeste.“

sonst, wenn nicht ein ziemlich deftiges und mutmaßlich zutreffendes, moralisches Verurteilen? Und wieso fragt die Jungle World nicht die Flüchtlinge selbst, sondern einen Universitätsangestellten (über dessen Biographie ich ansonsten wenig weiß)? Das würde mich wirklich, auch nach den Diskussionen mit Hannah unter einem anderen Eintrag, langsam mal interessieren, wie deren Perspektive aussieht.

Und wieso sind die Forderungen, die Tsianos erhebt, keine nach „Diskurshygiene“, aber die der anderen sind es? „Ekelhafte neokoloniale Willkommensgesten“ will er ja ganz zu recht auch nicht mit erleben müssen. Und will sie unterbinden. Wenn es da nicht zumindest auch um eine moralische Kategorie wie „Rücksichtnahme“ geht, worum denn dann? Auch, den Weg frei zu schaufeln für vernünftige Unterkünfte usw. Aber dass diese gefälligst bereit gestellt werden SOLLEN, ist amoralisch nicht zu begründen.

Ich empfinde das Interview aus meiner, als Weißem nun wirklich nicht neutralen Beobachterperspektive, selbst als ein durchgängiges Moralisieren. Ich finde es eher unsinnig, ständig so zu tun, als könne Moral da außen vor bleiben, „Foltere nicht und lass niemanden im Mittelmeer ersaufen und setz Dich nicht über Nicht-Bidlungsbürgerliche hinweg“ sind doch auch moralische Forderungem.

Dieser mittlerweile standardmäßg erhobenen Vorwurf des „Sektenhaften“, wo ich übrigens nun wiederum als Teil des „Homosexuellen-Milieus“ instinktiv allergisch reagiere, wenn im Sinne eines explizit geforderter Gemeinsinns auf irgendwelche sich angeblich abkapselnden Subkulturen eingedroschen wird, nervt auch, sorry, zudem, wenn da noch was von „Massenintelligenz“ steht, die dadurch behindert würde. Für die ja auch Norbert Geis von der CDU steht.

Irritiert bin ich auch von den folgenden Passagen:

„Rassismus hat hier mehr mit Deutschsein zu tun als mit Weißsein. Critical Whiteness ist hier deshalb eine unkritische Art, über Weiße zu reden und dabei die deutsche Geschichte aus dem Spiel zu bringen. Ich habe mich nie als »colored« wahrgenommen und Millionen Menschen, die diskriminiert werden, ebenso wenig. Unser Problem in Deutschland ist Deutschsein und nicht die weiße Hautfarbe.“

„Deutschsein“, also das, was der Durchschnittsvölkische darunter versteht, hat nun aber wieder sehr viel mit Weißsein zu tun – und Abgrenzung gegen „Südländer“ und „Schwarze“.

Es ist ein weißes Herrschaftsmittel, da allerlei Farbverläufe auseinander zu devidieren und gegeneinander auszuspielen, die stets auf weiß bezogen bleiben als dem Unmarkierten, und das ja nun so gar nicht unabhängig von deutscher Geschichte. Zu der auch die Kolonialgeschichte gehört, wo die schwarz/weiß-Zeichnung meines Wissens ziemlich erheblich war. Auch antisemitische Stereotype waren aufgeladen mit Orientalismen, die als „voraufgeklärt“ behauptet wurden – was eben heute auf Muslime vorzugsweise aufgepropft wird als Fehlbild und nun eine ganze Menge mit der Flüchtlingsthematik zu tun hat und wie auch mit den Zusammenhängen zwischen Ghettoisierung und dem Bildungssystem, z.B..

Was aber umgekehrt auch nicht zu weniger Rassimus gegenüber PoC-Christen führt.

Der Nationalsozialismus wie auch der Wilhelminismus sind ja nun nicht alles andere als frei von Vorstellungen des Weißseins, wie auch das Lebensborn-Projekt belegt. Sag ich mal so als Pimpf-Nachkomme. Und ich habe mich nun auch selbst selten als „pervers“ wahr genommen, kam allerdings vor; wirksam ist, dass Andere das ganz unabhängig davon behaupten, wie Marginalisierte sich selbst wahr nehmen.

Nee, da stimmt irgendwas nicht an der Gegenposition. Und auch, weil er da ja explizit rüffelt, auch zu recht: Es wird auch de facto als koloniale Geste wahr genommen, PoC wegen Homophobie zu rüffeln, und das im großen, politischen Gefüge zu recht. Aber ist damit dann schon alles gesagt?

Es gibt auch bei uns im Stadion Begegnungen zwischen „Ghetto“ und „Bildungsbürgertum“, die alles andere als konfliktfrei verlaufen, nun sowohl im Falle von PoC als auch von Weißen. Aber soll ich nun Homopobie zum Beispiel hin nehmen, wenn sie aus dem Ghetto kommt?

Das impliziert nun keineswegs den Diskurs, Bildungsbürger von Homophobie frei zu sprechen oder gar eine Ethnisierung derer zu vollziehen, die homophobsten Arschlöcher, die mir persönlich begegnet sind, waren Bildungsbürger, und die, die dann noch auf dem CSD rum lümmeln, sind oft die schlimmsten. Das liegt nun freilich auch daran, dass ich, zumindest was engere Kontakte betrifft, auch wenig Ghetto-Berührungen habe. Ganz alltäglich auf der Straße schon.

Aber wie man nun diesen Konflikt auflöst, der am Beispiel Sexismus ja auch Sujet ist im Interview? Mir kommt das immer so vor, als würden Doppeldoktoren, Universitätsangestellte und andere Bildungsbürger ihren Sexismus dadurch der Kritik entziehen wollen, dass sie sich auf Flüchtlinge berufen. Denen nun zuallererst darüber Belehrungen zu erteilen, das ist allerdings auch blöd.

Fazit: Ich weiß es ja auch nicht. Keine Ahnung.

Edith: Formulierungen wie „und der Hegemonie einer absolut kleinen Minorität“ würde ich unter strukturell rechtsradikal verbuchen, wenn sie sich z.B. auf Lesben, Schwarze versus andere PoC usw. beziehen würden. Das ist im Interview so eindeutig nicht.

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115 Antworten zu “Und die Diskussion schreitet fort: Nachschlag zu Critical Whiteness und dem Antira-Camp, bei dem ich nicht war.

  1. momorulez August 9, 2012 um 5:09 pm

    Zum Thema Weißsein und Deutschsein und Geschichte noch das:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Brown_Babies

    und das:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinlandbastard

    mit ausdrücklicher Triggerwarnung; zudem ich nicht gegen gecheckt habe, ob und inwiefern sich in die Texte selbst irgendetwas eingeschlichen hat, was das Triggern noch verstärkt.

  2. Jan August 9, 2012 um 5:41 pm

    „Dieser mittlerweile standardmäßg erhobenen Vorwurf des “Sektenhaften”, wo ich […] allergisch reagiere, wenn im Sinne eines explizit geforderter Gemeinsinns auf irgendwelche sich angeblich abkapselnden Subkulturen eingedroschen wird, nervt auch“

    Der Sektenvorwurf wird doch nur erhoben, weil sie sich eben nicht abkapseln, sondern ihre partikulare Meinung massiv „der Bewegung oktroyieren“, wie es im Interview heißt.
    Eine recht isolierte Position zu vertreten, sie aber mit einzigartiger Selbstgefälligkeit als Wahrheit zu postulieren und sich gegen jede Kritik mit Rassismusvorwürfen abzuschirmen, ist das sektenhafte Moment.
    Wenn Critical Whiteness-VertreterInnen einfach ihren Standpunkt so vertreten würden, wie andere ihren zur Gentrifizierungskritik, wer würde sich dann daran stören?

  3. momorulez August 9, 2012 um 6:01 pm

    Und wer stört sich Gentrifzierungskritik wirklich? Zumindest nicht die, die gentrifizieren, das geht denen nämlich schlicht am Arsch vorbei, so lange sie Kohle scheffeln können. Und dass irgendwelche Leute angeblich Bewegungen verschwulen würden, das kenne ich ja auch als Abwehrargument, ohne nun wirklich zu wissen, wie weit die Analogie da trägt.

    Meine Erfahrung ist bei solchen Diskussionen, dass es gar nicht anders geht, als den jeweils dominanten Gruppen vorrübergehend die Schnauze zu verbieten, Du dringst sonst einfach nicht durch und wirst behandelt wie der aus der Wohnung Vertriebene vom Investment-Fonds.

    Ebenfalls absurd finde ich allerdings, nun erstmal frisch dem Tode Entronnenen die newest State of Art der Sexismuskritik vermitteln zu wollen.

    Ich setze da jetzt noch einen drauf, wohl wissend, dass, wenn ich das sage, das eine krass rassistische Aussage ist, weil ich als Teil der dominant-hegemonialen Gruppe die Abweichung markiere: Wenn ich da lese „Ich habe mich nie coloured gefühlt“, lese ich das, von mir aus projektiv, in Analogie zu „Ich bin doch nicht schwul!“. Was, wie gesagt, von einem Weißen, mir, geäußert eben jene Trennlinie nunmehr Tsianos aufbürdet, die Zentrum der Critical Whiteness ist: Eben die Blickumkehr zu vollziehen und weiß statt schwarz, in Analogie hetero statt schwul in den Mittelpunkt zu rücken und PoC als Term zu nutzen, diese ganzen Taximonien in „Asiaten“, „Araber“, „Schwarze“ usw. mal bleiben zu lassen, die Weiße so gerne produzieren, um von der Herrschaft ihres Blickes abzulenken. Und genau das ist der Punkt, wo sie dann allesamt ausrasten, die whm und cisgender-Nicht-Behinderten. Erlebe ich hier seit Jahren.

    Falls das Ziel dieser angeblich „sektenhaften“ Gruppe ist, macht sie es genau richtig. Das ist aber nun wiederum eigentlich gar nichts von mir zu Diskutierendes, da dürfen mir jetzt alle PoC gerne über den Mund fahren.

    Das Spezifische an Sekten ist übrigens genau das Gegenteil dessen, was Du beschreibst: Zum einen Missionierung, zum anderen aber Abschottung und Isolation der Mitglieder aus ihren sonstigen sozialen Bezügen, Und nun frag mal die hessische Mutter eines Schwulen, wie die das empfindet, wenn ihr Sohn in die „Sub“ abtaucht … und wie oft das „Homosexuellen-Milieu“ als dem „Gemeinsinn“ entgegen stehend konstruiert wird. Diese kommunitaristischen Ansätze sind doch viel schlimmer als die identitären.

  4. hannah August 10, 2012 um 9:30 am

    Das Gegenteil, von dem, was jan beschreibt? Aber genau das machen RS doch: Andere Leute zu ihrer Auffassung von Criticial Whiteness missionieren zu wollen, ohne Rücksichtnahme darauf, wo die gerade stehen, wo dann auch mal einem gestandenen Kameruner Flüchtlingsaktivisten, der sagt, eigentlich funktioniere die Zusammenarbeit mit weißdeutschen UnterstützerInnen doch gut über den Mund gefahren wird und gesagt, Halts Maul, was Du da gerade sagst ist weiß, wo direkt von der Abschiebung bedrohten Roma erzählt werden soll, dass sie etrstmal den Veganismus für sich entdecken müssten, der ganze gesammelte protestantische Moralfundamentalismus deutscher AkademikerInnen kommt da missionarisch zur Anwendung gegenüber Leute aus antirassistischen assbewegungen, deren Praxis bislang ohne diese Agitation ausgekommen ist. Dazu dann eine Spezialsprache, die auch wieder als Selektionsinstrument verwendet wird: Wer sie nicht gebraucht, gehört nicht dazu.

  5. hannah August 10, 2012 um 9:32 am

    Basisbewegungen, nicht assbewegungen.

  6. momorulez August 10, 2012 um 10:20 am

    Es ist insofern das Gegenteil, dass die meisten Sekten missionieren, um in ihre Gruppe rein zu holen, nicht im Sinne hegemonialer Bestrebungen in der Mehrheitsgesellschaft. Scientology mag da eine Ausnahme sein.

    Schön, dass Du noch mal vorbei schaust!

    Und wenn das ernst gemeint gewesen sollte, dieses Kamerunern über den Mund fahren, dann finde ich das ja auch blöd, das hatten wir ja im Grunde genommen schon – ansonsten spiegelt das eben mehrheitsgesellschaftliches Verhalten. Du glaubst ja gar nicht, wie oft mir in meinem anderen Leben über den Mund gefahren wurde, nicht zu oft dieses schwule Zeugs zu thematisieren. Und würde ja auch weiterhin gerne mal Statements der Kameruner hören. Wenn

    Und ich sehe da wirklich auch weiterhin noch einen anderen Konflikt, der auch bei der „Blackface“-Diskussion auftauchte, als im Migazin von Türkischstämmigen Schwarzen erzählt wurde, wie denn in solchen Fällen Rassismus funktioniert und wie nicht. Insofern würde ich Vassilis Tsianos da auch gerade bei dem Statement zu Deutschsein und Weißsein eine Aufkündigung von Solidarität Schwarzen gegenüber unterstellen, die ja auch im akademischen Feld eben dort wildern, wo er das tut. Machen Kameruner Flüchtlinge ja in der Regel eher nicht, glaube ich, kann ich mich aber irren. Und wenn das so ist, benutzt er Flüchtlinge zur Absicherung seiner Position auch als Mann im akademischen Kontext. Zudem er ja immer wieder auf Gramscis/Spivaks „Subalterne“ anspielt, aber doch im Grunde genommen auch macht, was diese nun Derrida und Foucault diagnostiziert hat.

    „der ganze gesammelte protestantische Moralfundamentalismus deutscher AkademikerInnen kommt da missionarisch zur Anwendung gegenüber Leute aus antirassistischen Basisbewegungen, deren Praxis bislang ohne diese Agitation ausgekommen ist.

    Das lese ich ja mittlerweile selbst als eine Art Moralfundamentalismus, obwohl ich weiß, was Du meinst und mir das durchaus auch oft auf die Nerven geht. Aber nun ständig den anderen die reglementierende Moral rüber zu schieben, während man die eigene Dominanz moralsierend ausspielt, ist auch ein Spielchen, das nicht ohne ist.

    Die Asylrechtsabschaffung wurde durch die Basisbewegungen auch nicht verhindert oder das Absüppeln im Mittelmeer, Roma-Abschiebungen auch nicht. Ich habe nicht genug Einblick, was da nun genau funktioniert hat und was nicht, aber die Kritik an „Identitätspolitik“ – ich beziehe mich auf das Interview mit Tsianos – hat so viel nun auch noch nicht gebracht. Die wundervolle Sinti-Frau, mit der ich neulich mehrfach lange zusammen saß, für die war die Identität als Sinti Zentrum ihres ganzen Lebens. Und die hatte eher Probleme, ihre Kinder überhaupt auf „normale“ Schulen zu bekommen, weil man die meisten in Sonderschulen abschiebt. Und das ist doch ein Konflikt, der da die ganze Zeit mit rein spielt: Während die us-amerikanischen Ansätze eher prüfen, wie man das gesellschaftliche Positionszuweisungsspiel, dass sich auf dem Arbeitsmarkt, in Behörden, Parteien usw. abspielt, mal aufzumischen, wollen die meisten Linken lieber was in ihrem Umfeld, was sich paternalisieren lässt. Kenne ich als Schwuler auch: So lange ich „Danke, danke, dass ihr mich toleriert und so gar nicht homophob seid!“ signalsiere, sind Heten zuckersüß. Sage ich „Macht euch mal Gedanken, wie sich EURE Heterosexualität konstitituiert!“, geht die ganze homophobe Scheiße los.

    Ich habe hehren Respekt vor der Flüchtlingsarbeit, sie ist ungeheuer wichtig, werde aber das Gefühl nicht los, dass sie instrumentalisiert wird, um die rassistische, homophobe und sexistische Matrix zu stabilisieren, und das am liebsten so, dass die eigene Klassenposition geleugnet wird und auch noch das „Ghetto“ instrumentalisiert wird von lauter Akademikern.

    Und jetzt mal ganz ab von der konkreten Gruppe, in die Wunde MUSS man doch auch im Sinne der Flüchtlinge und Roma den Finger legen.

  7. hannah August 10, 2012 um 10:42 am

    Was in der Antira/Flüchtlingsarbeit gut klappt sind Dinge wie Kirchenasyl, Leute verstecken, durch Scheinheirat Bleiberecht verschaffen, Flüchtlingssozialarbeit. Alles Dinge, die hohes Grundvertrauen, sehr viel Respekt voreinander und ein Höchstmaß an Verbindlichkeit zur Vorraussetzung haben, über viele Jahre gewachsen. Und da sind ein paar Leute frisch von der Uni, aus Seminaren für Afrikastudien oder Interkulturelle Didaktik mit abstrakt im Seminar erlernten Cultural-Studies-Anwendungen in diese gewachsenen Flüchtlingszusammenhänge reinspaziert, um den alten Hasen im Frontalunterrichtsstil zu erzählen, wo es langgehtr

  8. hannah August 10, 2012 um 10:45 am

    Dass Flüchtlingsarbeit in paternalisierender Weise instrumentalisiert würde – nun, das ist genau die Kritik, die die von RS aufzumischen-versuchten Antiragruppen z.B. an kirchlichen Flüchtlingshilfsgruppen oder diakonischen Werken haben. Ihnen dasselbe zu unterstellen entbehrt nicht einer gewissen Komik.

  9. momorulez August 10, 2012 um 10:56 am

    Ich glaube, und diese Bethanien-Geschichte belegt das für mich, Hintergrund ist das teilweise unerträgliche Platzhirsch-Getue der „alten Hasen“ und auch, dass die auf allen Posten und Geldtöpfen sitzen. Während ja Motto derer zumindest, die ich da kenne, er ist: „Momo, räum Deinen Geschäftsführer-Posten und gebe ihn an eine PoC-Frau!“ Würde ich sogar sofort machen, aber, kein Scheiß, die Banken, von denen ich abhängig bin, würden das nicht akzeptieren.

    Ich sehe da ja im Grunde genommen ein Ergänzungsverhältnis – ich bewundere die Kirchenasylarbeit usw. sehr, wirklich. Aber auch angesichts dessen, dass ich mich aus guten Gründen gerade mit einem höheren, ehrenamtlichen Funktionär aus diesen Zusammenhängen krachend überworfen habe, verstehe ich das ziemlich gut, diesen Typen endlich einen auf die Nase zu geben. Was wirklich aktuell allen so geht, die ich kenne, die Antira, Antisexismus, Antihomophobie-Feldern auf diesen „Traditionsfeldern“ unterwegs sind, dass sie exakt diese „alten Hasen“ oft als größtes Problem erleben.

    Und diese „frisch von der Uni“-Nummer – ich bin seit ’95 raus aus akademischen Zusammenhängen, war allerdings auch nie in Kämpfe an der Front in Kurdistan verwickelt oder so etwas. In meiner Medienarbeit sind diese Ansätze ungeheuer brauchbar. Die ja nun auch im besten Falle zu einem Klima beiträgt, dass den strukturellen Rassismus perspektivisch angreift. Ich habe ganz vieles in meinem alltäglichen Zirkus auch viel besser begriffen, viele gesellschaftliche Mechanismen, bei denen hinten Schengen raus kommt. Und da setzen die ja eigentlich an, deswegen wäre die Performance in einer Rundfunkratsitzung mit Sicherheit noch gelungener, aber da komm mal rein …

  10. momorulez August 10, 2012 um 10:59 am

    Dass Flüchtlingsarbeit in paternalisierender Weise instrumentalisiert würde – nun, das ist genau die Kritik, die die von RS aufzumischen-versuchten Antiragruppen z.B. an kirchlichen Flüchtlingshilfsgruppen oder diakonischen Werken haben. Ihnen dasselbe zu unterstellen entbehrt nicht einer gewissen Komik.

    Na, das ist ja dieses „Immer die Anderen!“, das die nun gerade aufbrechen wollen. Da ist ja nun auch niemand vor gefeit, ich hier bloggend auch nicht, aber die geben einem doch das Instrumentarium an die Hand, das zu reflektieren.

  11. hannah August 10, 2012 um 11:32 am

    @Ich glaube, und diese Bethanien-Geschichte belegt das für mich, Hintergrund ist das teilweise unerträgliche Platzhirsch-Getue der “alten Hasen” und auch, dass die auf allen Posten und Geldtöpfen sitzen. —- Posten und Geldtöpfe gibt es in den Antira-Zusammenhängen, die auf dem Camp zusammenkamen in nur sehr eingeschränktem Sinne, oder in einem sehr unmittelbaren: Blechdosen mit Münzen drin. Diejenigen, die hier anderen ihren Diskurs aufnötigen wollten hatten vorher selber gar nicht lange genug zugehört, um überhaupt herauszufinden, ob und wer da Platzhirsch ist.

  12. momorulez August 10, 2012 um 11:36 am

    Die erspürt man doch aber 😀 … die erkenne ich auf 100 m Entfernung mittlerweile.

  13. hannah August 10, 2012 um 11:47 am

    Für mich stellte sich das schlicht und einfach so dar, dass ein paar tumbe Toren mit theoretisch guten Ansätzen aber ohne jedes Gespür für das, was gruppendynamisch um sie herum abging und in was für Beziehungsgeflechten sie sich gerade bewegten Leuten, die aus der Praxis kamen, die teilweise auch selbst potentiell von Abschiebung Betroffene waren erzählen wollten wo es langgeht und wie sie sich gefälligst zu verhalten hätten. Ein übergriffiges Handen, welces ich durchaus als Nötigung bezeichnen würde.

  14. momorulez August 10, 2012 um 12:07 pm

    Wie es auf dem Camp nun wirklich war, das weiß ich ja auch nicht. Ich habe lediglich eher unfreiwillig hier bloggend gelernt, dass, wenn man sich mehrheitsgesellschaftlichen Gruppendynamiken beugt, das Maß an Selbstverleugnung und Entfremdung doch sehr hoch und man im Gegenzug einfach dazwischen hauen MUSS. Fanon hat das ja analog in „Schwarze Haut, weiße Masken“ treffend auseinander genommen, auf das sich der Interviewte implizit auch bezieht – der will als einer, der sich „nicht coloured“ fühlt, ja auch Schwarzen erzählen, dass sie weiße Masken aufsetzen würden.

    Das ist ja tatsächlich das Absurde an der Debatte, dass sich im Grunde lauter Privilegierte ständig das gleiche gegenseitig unter die Nase reiben.

    Und dass diese linke Zusammenhänge häufig ganz genau so funktionieren wie andere mehrheitsgesellschaftliche Veranstaltungen eben auch und sie an irgendeinem Punkt allesamt reagieren wie die Kommentatoren in DIE WELT, das wollte ich auch gar nicht wissen, durfte ich hier aber Schritt für Schritt kennen lernen.

    Was bei mir ganz persönlich zu einem gewaltigen Respektsverlust gegenüber den Aktiven und Bewegten geführt hat, ich kann die teilweise kaum noch ernst nehmen. Ihre Praxis schon, sie selbst aber nicht, und dass sie nun irgendwas Grundlegendes bewirkt hätten als sich selbst Wohnraum an der Hafenstraße erkämpfen, das kann man ja nun auch nicht behaupten. Okay, drumherum Sozialwohnungen.

    Was ja für mich, nun abseits der Camp-Situation, der Grund ist, wieso ich dazu überhaupt blogge.

    Der zweite ist schon das Moralthema. Da hat nämlich ein gewichtiges Argument eine ganz seltsame Entwicklung genommen. Ursprünglich war das ja ein Argument von marxistischer Seite gegen die Moralisierung von Theorie, wie sie z.B. Habermas ab Mitte der 80er Jahre dann tatsächlich passiert ist. Diese ginge auf Kosten einer fundierten Analyse und Kritik der Politischen Ökonomie. So weit stimmt da ja zumindest teilweise; die normativen und evaluativen Sprechweisen und Motivationen verschwinden dadurch aber nicht. Und jetzt ist es reine Abwehrrhetorik von lauter Moralisten geworden, die gegen Moralisierung moralisieren, um sich mit ihrem Sexismus, ihrer Homophobie und ihrem Rassismus nicht beschäftigen zu müssen, was mir echt auf die Nerven geht, weil es einfach völlig verlogen ist.

    Und die habermasiansiche Rolle stellt der Interviewte ja auch noch völlig falsch dar. Genau gegen die Vorstellung, Symmetrie-, Reziprozitäts- etc.-Bedingungen seien auf einem solchen Camp automatisch gegeben und erfüllt, weil es ja ein linker Diskussionszusammenhang sei, richtet sich doch die Agitation. Nee, sind sie nicht, deshalb hat man sie zu thematisieren. Ganz einfach.

    Höre hier gerade Cochise 😀 … kennt kaum noch wer, passt aber.

  15. Loellie August 10, 2012 um 4:07 pm

    „Dass Flüchtlingsarbeit in paternalisierender Weise instrumentalisiert würde – nun, das ist genau die Kritik, die die von RS aufzumischen-versuchten Antiragruppen z.B. an kirchlichen Flüchtlingshilfsgruppen oder diakonischen Werken haben. Ihnen dasselbe zu unterstellen entbehrt nicht einer gewissen Komik.“

    Lange Haare und knappe Budgets sind doch aber kein Garant gegen Paternalismus.
    Und warum empfindest du die Handlungsanweisungen von Tsianos nicht auch als Nötigung?
    Wieso ist der Moralismus Tsianos‘ nicht kritkwürdig?
    Wo ist denn in seinen Aeusserungen das Ghetto, dass er bei anderen so vermisst?
    Warum ist eine PoC-„Psychosekte“ problematisch, die rechten Anti-Deutschen aber nicht?

    Der Artikel auf LinksUnten und das Interview da oben sind in erster Linie genau von der Privilegienhaltung und den Abwehrreflexen geprägt, deren Aufzeigen und Kritik längst überfällig ist. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn es sich bei der konkreten Gruppe, um die es geht, um unterbelichtete Blindgänger handelt.
    Mir hängt das ja langsam aber sicher deshalb zum Hals raus, weil sich das mittlerweile alles liesst wie bei den „liberalen“ damals, bei denen am Ende dann ja doch das Konzept „Krankenkasse“ für alles Uebel dieser Welt verantwortlich war.

    „Dinge wie Kirchenasyl, Leute verstecken, durch Scheinheirat Bleiberecht verschaffen, Flüchtlingssozialarbeit“ … ändern ja aber alle nichts am System Schengen/FRONTEX, so nobel das auch alles ist. Oder die Tafeln, die den weiteren Abbau des Sozialstaats mit ermöglichen. Oder die Oeffnung der Ehe, laut Cameron ein konservatives Anliegen.
    Bei all diesen Punkten muss Kritik und Protest nicht nur möglich sein, er ist sogar erforderlich um überhaupt Ziele zu formulieren und Fortschitt zu ermöglichen. Das Autonome Umfeld ist davon nicht ausgenommen. Und beides, Kritik und Protest, die sich nur im Rahmen von Parametern bewegen, welche von den Empfängern derselben vorgegeben wurden, ist keiner und bleibt wirkungslos.
    Darüberhinaus gibt es Situationen, in denen man es sich auch nicht mehr leisten kann, darauf zu warten, bis jeder Aussenstehende nachvollziehen kann, worum es denn überhaupt geht. Die Kampagne gegen Westerwelle ist da ein gutes Beispiel, weil damals vor allem Linke und Sozialdemokraten dazu übergegangen sind, mit schlimmstmöglichem homophoben Dreck umsich zu werfen. Der meint dann ab irgendeinem Punkt aber auch mich, der Dreck, auch dann, wenn sich die Dreckwerfer dagegen wehren dies zur Kenntniss zu nehmen.
    Meine Güte, wenn ich mir anseh wie die gerade auf Queer.de auf den Klööckler losgehn, wird mir noch schlechter als von dem Typ selbst …

    Den vielzitierten Protestantismus suche ich ja schon die ganze Zeit bei Tim Wise sicher der prominentesten Vertreter des White-Privilege-Konzepts. Bisher allerdings vergeblich. Und das es auch in der Theorie Blindgänger gibt, haben wir hier auch schon am Thema Homo-Nationalismus durchgekaut. Ob hier zB personelle Ueberschneidungen bestehen, geht aus der Diskussion aber nicht hervor, was aber auch nichts daran ändern würde, dass die Problematik des Uebertragens US-amerikanischer Diskurse auf europäische Verhältnissse nun kein explizites Problem von Critical-Whiteness ist, sondern ein grundsätzliches, dass Linke genauso betrifft wie rechte Kriegshetzer und Klassenfeinde.
    Und natürlich hab auch ich offene Fragen, wie die sich das mit der theoretischen Grundlage vorstellen, was denn sonst …

    Und weil Tsianos die Black Panther nennt … Rhizom geht bei homophoben und sexistischen Uebergriffen ja auch einer ab, solange die ghettomässig genug daher kommen *läster* … die hatten aber auch reichlich Frontfrauen und sind offen auf die Schwulenbewegung zugegangen, zB. Den Grund, warum die Schwuppen damals den Schwanz eigezogen haben, kann man sich ja an einem Gliedmass abzählen …
    Ich versteh auch überhaupt nicht, wer sich da warum auf die BPP beruft, und diese vor welchem Hintergrund gegen wen in Stellung bringt. Wer da Ghetto herbeiassoziiert hat doch keinen einzigen Text von denen gelesen. Wer die Rassen- und Klassenfrage trennen will genausowenig. Das macht er aber doch mit seinem Deutschsein, oder war’s Deutschtum, ahistorisch das Thema „Rasse“ aus dem Diskurs drängen. Damit haben sich doch schon die weissen Linken Amis analytisch auf die Schnauze gelegt …

  16. Loellie August 10, 2012 um 4:18 pm

    Das die Afro-Deutschen quasi mit runtergelassener Hose dastehn, während Afro-Amerikaner auf mehr als ein Jahrhundert praktischer und theorethischer Auseindersetzung zurückgreiffen können, und diese, wenn auch noch immer krass unterepräsentiert, sehrwohl ein funktionierendes akademisches Netzwerk haben, interessiert bei alldem ja auch mal wieder niemand. Nicht das noch jemand auf die Idee kommt, die Leine mal ein Stück länger laufen zu lassen.

  17. momorulez August 10, 2012 um 4:39 pm

    „wenn auch noch immer krass unterepräsentiert, sehrwohl ein funktionierendes akademisches Netzwerk haben, interessiert bei alldem ja auch mal wieder niemand.

    Leute wie den Interviewten interessiert das schon, da geht es ja auch um Jobs. Das kann man ihm individuell nicht vorwerfen, der will halt auch sein Einkommen haben – aber dass nun gerade z.B. Noah, die nicht den akademischen Parcour durchlaufen hat, trotzdem im Rahmen der Queer AG den Hörsaal füllt und und ja eine der treibenden Kräfte bei dem Import der us-amerikanischen Konzepte ist, bei manchen migrantischen Mittelständlern auf wenig Wohlwollen trifft, das ist doch auch klar. Da kommen dann die Kommentatoren bei Bersarin mit „Pop-Antirassismus“ und so einem Scheiß um die Ecke, und andere kramen zum wiederholten Male ihre gefolterten Genossinnen aus, um der Konkurrenz das Maul zu stopfen. Und das ist ja das übergreifend Gruselige, was da mit drin steckt – dass ganz im Sinne des „Teile und herrsche“ der Weißen nun allmählich die eher südeuropäisch/türkisch irgendwo im weißen, deutschen Geist Verorteten sich gegen Schwarze aus anderen kulturellen Kontexten in Stellung bringen lassen, und das auch noch von linken und autonomen Umfeldern. Haarsträubend. Und gleichzeitig die „afrikanischen Eliten“ gegen Flüchtlinge und Roma ausgespielt werden. Das ist doch ein billiger Trick, um von sich selbst abzulenken, womit ich jetzt nicht Hannah meine, um deren Historie ich ja weiß. Das ist ein ziemlich perfides Marionettentheater, was da gespielt wird.

    Dass Angela Davis von dem vergessen wird, das ist in der Tat auch bemerkenswert.

    Mir hängt das ja langsam aber sicher deshalb zum Hals raus, weil sich das mittlerweile alles liesst wie bei den “liberalen” damals

    In der Tat.

  18. Jan August 11, 2012 um 3:15 pm

    „Und das ist ja das übergreifend Gruselige, was da mit drin steckt – dass ganz im Sinne des “Teile und herrsche” der Weißen nun allmählich die eher südeuropäisch/türkisch irgendwo im weißen, deutschen Geist Verorteten sich gegen Schwarze aus anderen kulturellen Kontexten in Stellung bringen lassen, und das auch noch von linken und autonomen Umfeldern. Haarsträubend.“

    Fällt es Dir selbst eigentlich nicht auf? Du bist gerade derjenige, der teilt, um zu herrschen. Ist ein Migrant nicht deiner Meinung, wird er zum Halb- oder Viertelbetroffenen, um seine Meinung vom Tisch wischen zu können. Spätestens, wenn sich jemand mit schwarzer Hautfarbe hinstellt und Critical Whiteness ablehnt, bist du aufgeschmissen.
    Du und andere Critical Whiteness Anhänger halluzinieren oder behaupten aus Kalkül heraus, Anhänger ihrer Theorie seien die legitimen Repräsentanten der Betroffenen. Darin liegt der Fehler, denn das stimmt natürlich nicht, es ist eine Haltung unter anderen, nicht per se besser oder schlechter als diese. Nur das könnt oder wollt ihr nicht begreifen, weil sich dann die ganze Argumentation an anderen Positionen messen lassen müsste und dabei nicht allzu gut wegkäme würde.

  19. Loellie August 11, 2012 um 3:32 pm

    Ja, da hast du natürlich recht mit den Jobs. Wobei das ja nun auch nicht im Sinne des Erfinders ist, dass die PoC den, von mir aus, Iraner um den Job bringt …

    Mir ging es aber gerade darum, dass zB. Cornell West Dauergast auf sämtlichen TV-Kanälen ist, oder Al Sharpton eine eigene Sendung hat, während man hier lange suchen muss, um überhaupt mal eine Wortmeldung auf SPON zu finden, oder, dass bei aller Kontroverse zu bestimmten Themen, die es innerhalb der Black-Community ja gibt, bei den Themen, bei denen unser „Mainstream“ bis tief in die Linke an die Decke geht, absoluter Konsens herrscht. Gezielte Provokationen aus der White-Supremacy Ecke mal aussen vor gelassen.

    Und die „Eliten“, das waren die Black Panther ja eben auch … irgendwelche Studenten, von denen etliche der Ueberlebenden heute an Hochschulen sitzen.

  20. Loellie August 11, 2012 um 5:15 pm

    Den seh ich ja jetzt erst …
    Meine Güte,

    was um alles in der Welt soll denn irgendwer mit Kategorien wie „aufgeschmissen“ … „besser oder schlechter“ … „gut wegkäme“

    Wir sind hier doch nicht im Sandlkasten beim Auto-Quartett 🙄

  21. momorulez August 11, 2012 um 5:52 pm

    @Jan:

    Ich meine, wir halluzinieren ja alle mal, aber nun beleg mir den hier mal:

    Ist ein Migrant nicht deiner Meinung, wird er zum Halb- oder Viertelbetroffenen, um seine Meinung vom Tisch wischen zu können.

    Wie kommst Du auf diesen Schwachsinn, und was motiviert Dich, mir das ins Blog zu kotzen? Für wen oder was sprichst Du denn hier gerade? „Critical Whitheness“ meint, sich die EIGENE Position im Konzert der Diskreditierung klar zu machen, inwiefern führt das dann zu Halluzinationen? Nur weil Du Dich akut im Delirium zu befinden scheinst, kannst Du ja vielleicht trotzdem zur Kenntnis nehmen, dass ich im Gegensatz zu Dir mich die ganze Zeit auseinander setze mit dem, was der Herr von der Hamburger Universität schreibt, nur dass da offenkundig keiner außer Loellie die Bereitschaft hat, dazu vielleicht auch mal zu sagen oder zu schreiben. Stattdessen kommt es dann zu Ergüssen wie dem folgenden:

    „Du und andere Critical Whiteness Anhänger halluzinieren oder behaupten aus Kalkül heraus, Anhänger ihrer Theorie seien die legitimen Repräsentanten der Betroffenen.

    Wo denn? Wann denn? Das ist doch wieder so ein Instant-Argument aus irgendeinem Uni-Proseminar, womit sich Typen mit weißen Arsch am Sack kraulen. Mach das mal an auch nur irgendetwas fest, was ich geschrieben habe. Diese seltsam selbstrefenterielle Selbstvergewisserung irgendwelcher Moralisten geht mir wirklich auf die Nerven.

    Darin liegt der Fehler, denn das stimmt natürlich nicht, es ist eine Haltung unter anderen, nicht per se besser oder schlechter als diese.

    Das ist ja noch nicht einmal eine Aussage, sondern irgendwie egalitär verbrämte Mengenlehre. Was willst Du denn damit sagen? Das ist kein Argument, sondern ein Anpissen: „Fühl Du Dich mal bloß als nichts Besseres!“ Wieso glaubst Du, mir das mitteilen zu müssen? Und was schwafelst dann ausgerechnet DU von Argumenten, wo Du offenkundig gar nicht an solchen interessiert bist, sondern lieber diskutierst, wer sich angeblich für etwas „besseres“ hielte?

    Ich frage mich immer, womit Typen wie Du eigentlich ihren Tag verbringen. Wieso sie Zeit damit verbringen, substanzlose, indirekte Beschimpfungen, die noch nicht einmal einen Inhalt haben, dann auch noch im Sinne irgendwelche Fantasien imaginärer Gruppierungen, dieses ewig „ihr“, anderen Leuten in ihre Blogs schreiben und damit vor allem die Unfähigkeit belegen, sich auf auch nur einen einzigen Satz sinnvoll zu beziehen. Was für ein Scheiß-Leben.

  22. momorulez August 11, 2012 um 6:14 pm

    @Loellie:

    Das kriege ich ja täglich mit, wie das läuft, dass Leute wie Jan dann trotz Nichtwissen irgendwann Redakteure bei öffentlich-rechtlichen Sendern sind und PoCs die Pop-Sendung moderieren dürfen. Bei den Talkshows werden sie dann von Frau Tietjen raus gemobbt.

    Das ist ja das Kuriosum an diesen ganzen Diskussionen, die sich wer weiß was darauf einbilden, nun getthoesk zu sein oder ganz im Sinne von „Brot für die Welt“ sich an Flüchtlingen zu laben: Da, wo wirklich die Macht sitzt, da gucken die noch nicht mal hin vor lauter Street-Credibilitiy. Die kämen doch im Gegensatz zu prominenten Critical-Whiteness-Vertretern auf der schwarzen Seite, das ist ja nix, was ich mir ausgedacht hätte, um mich als was „Bessseres“ zu fühlen, das wurde mir zuerst bei Shifting Reality deutlichst mit auf den Weg gegeben, wo jetzt dieser ekelhaft paternalistische „Alte Bolschewik“ das Netz mit Scheiße verschmiert, nicht auf die Idee, in der Bank einen schwarzen Sachbearbeiter zu FORDERN. Weil nur so das Machtkarussell mal in Schwingung gerät. So Typen wie Jan, die dann schreiben, wofür ihnen in irgendeiner antideutschen Selbsthilfegruppe von anderen Typen mit Dreadlocks und weißem Arsch zugejubelt wird, überliest ja Sätze wie „Räum Du mal Deinen Geschäftsführer-Posten für eine schwarze Frau“. Ja, drum geht es bei „Critical Whiteness“. Räum Deinen Platz. DAS ist die Botschaft von Frau Spivak in „Could the Subaltern speak“. Foucault, wenn Du an eine indische Frau, die mehr als die ganzen prowestlichen Spinner über Witwenverbrennung weiß als Du, Deinen Posten am Collége de France übergeben hast und stattdessen bei ihr putzt, DANN können wir sinnvoll miteinander reden. Und gerade DESHALB ist das doch so eine brisante Debatte – man kann dann nicht mehr wie einen Orden die Flüchtlingsratmitgliedschaft vor sich her tragen, sondern hat diese möglichst an PoC zu übergeben. Man hat sich von schwarzen Frauen die Texte redigieren zu lassen; habe ich gerade wieder gemacht und viel dabei gelernt. DESWEGEN gehen diese ganzen Kasper doch so ab – es geht da wirklich ans Eingemachte in alltäglich gelebter Ökonomie. Und weil das ALLE, von Bersarin über Che bis zum Nörgler WISSEN, gehen die so ab, wenn eine Nadine Lantzsch zeigt, dass SIE die ist, die den Redakteursposten und den an der Uni für sich beansprucht, damit diese ganzen Schwätzer mal zuhören müssen. Das ist eine Variante des Klassenkampfes, und da kriegen die weißen Jungs Angst. Und wenn dann einer „ICH habe mich nie „coloured“ gefühlt“ schreibt, dann ist doch offenkundig, worum es da geht. Das bekommt dem nämlich sehr schlecht in der nächsten Institutsratssitzung, wenn er auf einmal „Critical Whiteness“ einfordert. Dann ist das Leben echt kein Zuckerschlecken mehr. Das machen die ihm zur Hölle. So ein bißchen „Kanack Attack“, süß, das kriegt man literaturwissenschaftlich schon so hingebogen, dass man ja weiß, dass Goethe und Fontane, also, na, irgendwie müssen wir uns halt schmücken, dann darf auch so einer mal ran … aber „Critical Whiteness“? WIR sollen unseren Kant, unseren Marx, unseren Kafka infrage stellen, und dann kommt da so einer? Deswegen ist es ja so grotesk, dass der nun ausgerechnet sich auf das „Gehotto“ beruft, auch noch eine zweifelhafte Aneignung jüdischer Geschichte – was jeder Rapper gerne den ganzen Tag machen kann, aber doch nicht jemand, dessen Salaire in solchen Kontexten wie jenen des Akademischen überwiesen wird. Und ich weiß da übrigens sehr gut, wovon ich rede, deshalb berufe ich mich ja auch gar nicht erst auf so was.

  23. Jan August 11, 2012 um 7:58 pm

    Momo, so ganz kann ich deinen Assoziationsketten nicht folgen, aber sei es drum. Verstehst du denn wirklich den Punkt nicht?
    Du schreibst: „das bekommt dem nämlich sehr schlecht in der nächsten Institutsratssitzung, wenn er auf einmal ‚Critical Whiteness‘ einfordert“ und siehst nicht, dass es einen Unterschied gibt, ob jemand eine politische Haltung vertritt und für sich daraus Konsequenzen ableitet oder ob er sie von anderen „einfordert“.
    Es ist mir so egal, ob du dir Texte von wem auch immer redigieren lässt, ob du deinen Job zugunsten eines PoC aufgibst etc. Genauso wie es mir egal ist, ob sich jemand vegan ernährt oder nicht.
    Aber wenn Leute aus ihrer eigenen partikularen, „protestantischen“ Ideologie neue Benimm- und Sprechregeln ableiten und sie von allen, auch von denen, die mit dieser Ideologie nichts anfangen können, „einfordern“, ist es dann verwunderlich, dass sich das manche nicht gefallen lassen?
    Würdest du nicht bei Veganern oder anderen ähnlich reagieren, wenn sie von dir etwas „einfordern“, obwohl du mit ihrer Moral und politischen Richtung keine Berührungspunkte hast?

  24. momorulez August 11, 2012 um 8:19 pm

    Steck Dir Dein „protestantisch“ mal gepflegt sonstwo hin. Dass Du Dir Antirassismus so vorstellst wie einen Ikebana-Kurs, wo man mal kurz irgendwo Servietten faltet und sich dann gepflegt mit seinen weißen Kumpels vom weißen Papi die Karriere finanzieren lässt, so wie mir meiner mein Studium finanzierte, geschenkt – Du kannst es Dir offenkundig erlauben, dass Dir das alles am Arsch vorbei geht, weil Du vermutlich so etwas wie eine marginalisierte Perspektive, die sich in feindlichen Umfeldern behaupten muss, gar nicht kennst. Dann kann man sich Deine Arroganz auch leisten.

    Natürlich FORDERE ich, dass man PoC- Perspektiven, solche von Frauen, Schwulen, Sinti und Roma und Hartz IV-Empfängern gefälligst zur Kenntnis nimmt, und wären die nicht so doof, sich ständig von weißen, heterosexuellen Männern auseinander dividieren zu lassen, hätten wir eine Chance.

    Leute wie Du diskutieren jenseits jeder realen Vorstellung realer Machtverhältnisse, deswegen können sie sich so einen Feld-, Wald- und Wiesenliberalismus ja erlauben. Hast Du je an so was teilgenommen wie einer Institusratssitzung? Das sind Gremien wie jene, auf denen Abschiebungen und Gesetze beschlossen werden.

    Wenn Du meine „Assoziationsketten“ nicht verstehst, warum versuchst Du es nicht wenigstens, bevor Du hier kommentierst? Sondern gibst stattdessen ein anderes Thema vor? So läuft es nämlich auch gesamtgesellschaftlich – weg drücken und andere Themen ansprechen. Ich habe mich zu Veganismus gar nicht geäußert. Das mag ja auf dem Camp eine Rolle gespielt haben, das ist hier aber gerade gar nicht Thema. Wir können jetzt auch über den Zustand der Hochmoore in Norddeutschland quasseln, aber warum?

    Weil Du persönlich anscheinend fasziniert von Tugendlehren bist, nenn mir mal einen Grund, wieso ich darauf eingeben sollte. Es geht hier nicht um Tugendlehren.

  25. momorulez August 11, 2012 um 8:30 pm

    Und, mal ab davon, dass das mit dem Protestantismus eh Quatsch ist, Du wie üblich keine der vorherigen Fragen beantwortet und keinen einzigen Beleg für auch nur irgendeine Deiner unsinnigen Behauptungen anführen kannst, aber ganz großartig von Argumentieren schwadronierst: Was veranlasst Dich denn, von mir zu fordern, nicht so protestantisch zu sein? Das ist ja immer noch die größte Verlogenheit, dass Tugendwächter wie Du immer so tun, als hätten sie damit gar nichts zu tun. Repressives Unterdrückerpack.

  26. Loellie August 11, 2012 um 10:39 pm

    Boah ey, voll ghetto

    http://www.grundrisse.net/grundrisse06/6knietief.htm

    Das ist nicht, wie sich Jan und der andere einbilden, nur eine geringe Abweichung von Positionen und Perspektiven,und es ist ja auch nicht alles falsch was die da schreiben, da sind aber etliche ganz grundsätzliche Punkte die ich völlig anders sehe, bzw, die komplett ausgeklammert werden. Critical Whiteness ist da noch das geringste Problem, auch wenn natürlich auffällt, dass der Text ausschliesslich Weisse zitiert.
    Kein Wunder, dass Tim Wise immer gegen den Eurozentrismus wettert.

    Das hier nur beispielhaft herausgegriffen:
    “ … Wir glauben, dass Etienne Balibars These vom “national-sozialen Staat” (Balibar 2001), die er in Anschluss an Poulantzas entwickelte, die theoretische Lücke schliessen kann. Balibar zufolge ist “die Regulierung […] der Klassenkämpfe durch die Sozialpolitik und die Institutionen zur kollektiven Sicherung zumindest eines Teiles der Lohnarbeiter, die als ‚Wohlfahrtsstaat’, Welfare State oder Sozialstaat bezeichnet wird, seit dem Ende des 19. Jahrhunderts absolut unentbehrlich für die Erhaltung der nationalen Form des Staates” (Balibar 2001: 14) … “

    Der Sozialstaat wird gerade durch Militarismus ersetzt, siehe hier
    http://www.taz.de/Bundeswehreinsatz-im-Inneren/!99382/
    und das bisschen Produktion, das noch benötigt wird, kann auch im privaten Prisson-Complex stattfinden. Auch ein Grund, weshalb Angela Davis das Abolition Movement aufgegriffen hat. Und nein, das hat nichts mit Protestantismus zu tun.

    Und das letzte wofür sich „der“ Neoliberalismus interessiert, ist der Nationalstaat (Desaster Capitalism), welcher sich gerade auflöst und durch private Expertengremien ersetzt wird.
    Davon ab, dass die Zerschlagung des öffentlichen Sektors und das Prinzip, den Staat durch Steuersenkungen in die Handlungsunfähigkeit zu treiben, „small gouvernment, low taxes“ was den Neoliberalismus konstituiert, definitiv eine direkte Abwehr des durch die Bürgerrechtsbewegung ermöglichten Zugriff auf Sozialleistungen durch Schwarze ist. Schwarze waren bis in die 70er vom sozialen Wohnungsbau, „Public Housing“ ausgeschlossen, um nur einen der vielen Punkte aufzuführen.
    Das hat erstmal alles nur peripher mit Theorie und überhaupt nichts mit Ideologie zu tun, aber ohne diese historischen Zusammenhänge und die Entwicklung in den USA zu kennen, lässt sich angesichts der imperialistischen Dominanz, die zB von den Kapitalmärkten ausgeht, keine vernünftige Theorie entwickeln.
    Da kommt dann am Ende heraus, dass „Disco Sucks“ eine zeitgenössische Interpretation von Adorno und Marx ist. Bravo.

    Und „Gehotto“ ist ein herrlicher Typo 😆

  27. Loellie August 11, 2012 um 10:46 pm

    „Ich frage mich immer, womit Typen wie Du eigentlich ihren Tag verbringen.“

    Bestimmt nicht mit dem eben von mir verlinkten Text. Dann platzt ihm nämlich der Kopp.

  28. Loellie August 11, 2012 um 10:54 pm

    Ich hab jetzt auch keinen Bock mehr,

    Guck doch wo die Hundemama ihre Welpen hinbringt, nachdem sie die aus dem brennenden Haus geholt hat. Jöööh, wie der Schweizer zu sagen pflegt …

    http://www.huffingtonpost.com/2012/08/10/dog-carries-puppies-out-fire_n_1765550.html

  29. momorulez August 11, 2012 um 11:26 pm

    Ich bekenne ja, dass mir angesichts des verlinkten Textes und auch Deiner Gedankengänge auch gerade der Kopfplatzt; das sagt nun. aber rein gar nichts über diese selbst aus. Für mich ist manchmal verwirrend, und das ist mein Problem, dass ich teilweise auf so völlig anderen Wegen zu manchem gekommen bin, was in dem Text auf auftaucht, dass ich da richtig Vermittlungsarbeit in meinem Kopf betreiben muss. Das ging mir auch bei Frau Spivak so, dass ich – vor allem durch Noah vermittelt – ständig mit der argumentierte, ohne sie zu kennen. Und das ich mal ab von Foucault, der immer auftaucht, auch viel aus der Beschäftigung mit Pop- und auch E-Musik, bald 20 Jahren Medienarbeit mit teils sehr großen Institutionen und auch den ganzen Diskussionen hier im Blog mir zusammen gereimt habe, dass das manchmal wie Übersetzungstätigkeit ist. Und ich zudem immer unsicherer werde, welche Formen da nun eigentlich angemessen sind, sich all dem anzunähern. Und dann kommen hier so völlig kontext- und gedankenfreie wie Jan an, die nicht merken, wie sie ihre Normalisierungsfunktion erfüllen, und das Problem derVermittlung tritt hinzu, dass also das, was man sich selbst schon übersetzen muss, dann auch noch solchen irgendwie aufbereitet werden müsste, und wenn man es versucht, kommen lauter Leute um die Ecke, die tiefer drin stecken, und fallen über die Vermittlungsarbeit her.

    Und dann sitzt man da und wird eskapistisch … das ist alles so verhakt … und für nichts gibt es wirklich eine Sprache außer für’s sich selbst reglementierende Bürgertum, so dass ständig das Sujet wird …

  30. Loellie August 12, 2012 um 12:32 am

    Dat iss ja nu auch keine Bettlektüre. Heute mittag musste ich das auch zweimal durchlesen …

    “ Und ich zudem immer unsicherer werde, welche Formen da nun eigentlich angemessen sind, sich all dem anzunähern“

    Ja, ich glaube, dass ich das anders sehe. Ich bin da fürs ausprobieren. „Mut zum Scheitern“, weil ich die eigene Reaktion auf den Hinweis, dass es „so“ nicht geht, für den entscheidenderen Punkt halte.
    Das meiste gelernt habe ich aus den Gesichtern von Menschen, die ich verletzt habe. Das dann zu artikulieren tatsächlich hier im Blog. Ich kann erstmal auch nur versuchen, künftige Uebergriffe zu vermeiden, indem ich Rückschlüsse aus der Vergangenheit ziehe, bin aber auch nur Mensch. Zuhören statt abwehren.
    Du kannst den Text jetzt auch nicht erst noah vorlegen und fragen, wie du damit umgehen sollst. Dann Platzt der auch noch der Kopf. Und das wollen wir ja auch nicht, oder?

    Hmmpf … meine Sozialisation, der tägliche und enge Umgang mit Schwarzen über Jahrzehnte macht mich nu auch nicht weniger weiss, einen Vorsprung verschafft mir das aber schon. Aber eben auch darin, Menschen verletzt zu haben. Da hat mich mancher Fehltritt schon in meiner Kindheit, mit 7, 8 Jahren geprägt, bei andern hats Jahrzehnte gedauert, bis der Groschen gefallen ist.
    Und wenn ich jetzt anfange Anekdoten zum besten zu geben, wird dann doch wieder nur darauf herumgetrampelt.

    „dass also das, was man sich selbst schon übersetzen muss, dann auch noch solchen irgendwie aufbereitet werden müsste, und wenn man es versucht, kommen lauter Leute um die Ecke, die tiefer drin stecken, und fallen über die Vermittlungsarbeit her.“

    Ja, das ist ein Konflikt, den ich verstehe, und dann wieder nicht. Bzw, „die weissen sollen ihren Rassismus schön selbst aufarbeiten, ich bin doch nicht der Erklärbär“, aber ohne Kommunikation geht das praktisch irgendwie auch nicht.
    Das deine Mitleser hier im Blog so nachhaltig schweigsam sind finde ich ja auch sehr schade, mir bleibt da ehrlich gesagt nur, das Schweigen als Zustimmung zu werten.
    Und dann weiss ich wieder nicht, wie weit ich dich überhaupt zum aus dem Nähkästchen plaudern anstifften will, wenn ich sowas anspreche.

    Ich werd jetzt gerade aber auch wirklich zu müde für sowas …
    dann mal gute Nacht, falls das überhaupt noch jemand liesst.

  31. momorulez August 12, 2012 um 12:46 am

    Gute Nacht, mitlesen tue ich sogar gerade noch, antworten werde ich ausführlicher morgen 🙂 … vielleicht der noch: So wahnsinnig viel ich von Noah gelernt habe, wirklich immens viel, und auch wenn wir zwei mal echt aneinander gerasselt sind – diese Frau ist viel zu großartig, als dass das nun eine Perspektive wäre, die mich einschränken würde in meinen Äußerungen. Letztlich macht sie sehr viel Mut. Mir und anderen.

    Nee, die Probleme, welche Formen denn nu angemessen sind, die sind eher hausgemacht und jene einer Philosophie- und Medienkarriere. Das sind aber zugleich die, die mich lebendig halten. Im Sinne des Try & Error. Deshalb bin ich froh, sie zu haben 😉 … die Probleme. Und Dich und T. Albert als Kommentatoren. Das hilft auch sehr!

  32. Hannah August 12, 2012 um 10:56 am

    Momo, ich verstehe nicht, was Du da oben darüber geschrieben hast, irgend welche wohl Weißdeutschen sollen ihre Mitgliedschaft in einem Flüchtlingsrat an PoC übergeben. Flüchtlingsräte sind ja keine Gremien, in die jemand gewählt wird, sondern Mitgliedsorganisationen, denen Menschen beitreten. Die Selbstorganisationen der Flüchtlinge und MigrantInnen sind in den Flüchtlingsräten selber schon vertreten, AnwältInnen, die sich in Flüchtlingsräten organisieren z.T. selbst Leute, die als Flüchtlinge ein Asylverfahren durchaufen haben, die Kompetenz der dort Engagierten basiert vor allem auf jahrelanger kontinuierlicher Arbeit dort. Diese Deine Forderung liest sich etwa so wie „Alle deutschen Mitglieder bei amnesty international sollen dort austreten, nachdem sie ein/n Asylbewerber/in als Nachfolgerin gefunden haben.“ symbolpolitisch eindrucksvoll, für die praktische Alltagsarbeit untauglich.

    Ich weiß auch nicht, warum ich ein Critical-Whiteness-Konzept in den Mittelpunkt meines Denkens stellen soll, wenn ein Zionismus-vs. Kolonialismus-Kontext, bei mir noch verbunden mit kritischer Theorie einfach mit meinen roots viel mehr zu tun hat. In der Vielfältigkeit der Perspektiven liegt ihre Stärke.

  33. momorulez August 12, 2012 um 11:24 am

    Danke für die Infos zu den Flüchtlingsräten, das wusste ich nicht, Dann war das Beispiel schlecht gewählt und sei z.B. auf Nachrichtentedaktionen übertragen 🙂 … Und was die Vielfältigkeit der Perspektiven betrifft: Aktuell gehen doch gerade auf das Critical Whiteness-Konzept los in einer Art und Weise, dass mir die Ohren schlackern. Das ist ja nackter Hass, der da aufbricht.

    Inwiefern das nun freilich in Israel oder auch allgemeiner beim Thema Kolonialismus / Zionismus im selben Sinne konzeptionalisierbar ist wie hierzulande, das weißt Du ja besser als ich. Ich finde aus meiner weißdeutschen Perspektive ja eher erstaunlich, dass Antisemitismus und Rassismus irgendwann auseinander dividiert wurden, das taucht im von Loellie verlinkten Text ja auch auf. Und mich erstaunt auch immer, wie bruchlos viele meines Erachtens zu Unrecht den Zioniismus im Kolonialismusparadigma diskutieren. Da wird es dann aber echt kompliziert.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Critical Whiteness ist ja kein Ansatz, der nun alles beantworten könnte. Der macht aber klar, wo sich wie Surpremacy-Haltungen manifestieren, die auch und gerade in Institutionen wirken und auch in großen Teilen der Linken. Und Kolonialismus ohne Rassismus zu diskutieren geht doch ebenso wenig Zionismus, den ich ja genuin als Fluchtbewegung vor einem mörderischen Rassismus begreife. Dass dann irgendwann, zumeist um den 6-Tage-Krieg herum, lauter Rechte fest stellten, dass sie sich israelische Juden herrlich zu Ersatzarieren basteln konnten und diese dann unter „weiß“ subsumiert wurden in hiesigen Debatten, und nur über die kann ich ja reden, ist allerdings auch ein Bezug zur Critical Whiteness-Diskussion.

  34. T. Albert August 12, 2012 um 12:38 pm

    @Und Dich und T. Albert als Kommentatoren.

    – Ja, aber jetzt hab ich erst mal wieder für ein Jahr Lehrer zu spielen und sehr wenig Zeit, mein Lebenswerk muss sich auch entwickeln, und um mal aus all dem rauszukommen, aber die Familie doch ernähren zu können, versuche ich auch wieder ins Geschäft mit der angewandten Kunst zu kommen und nochmal ein Büro zu gründen; mein fragiles Lebenswerk präzisiert sich glücklicherweise und wuchert fragmentiert vor sich hin – also hab ich wieder wenig Zeit und kann wenig sagen.

    Ausserdem kann ich zu diesem Thema eh nix sagen, weil ich bei nichts mehr mitmache, allerdings mir gerade überlege, ob ich mich nicht Sans-Papier-Leuten unterrichtend zur Verfügung stellen kann. Früher war ich ja immer nur auf der rein persönlichen Ebene, nicht im Rahmen organisierter Flüchtlingshilfe, mit diesen Dingen konfrontiert, wir haben uns gegenseitig geholfen, so weit das ging. Das war nicht immer spassig, weil die Freunde oder Familienmitglieder aus Todesangst nicht in ihre Botschaften gehen konnten, oder nicht in ihre Länder fliegen, sie wären ja nicht zurück gekommen. Ausserdem gab es die Geheimdienstler, die plötzlich immer mal auftauchten, die mordeten ja auch. Übrigens ist es ziemliche Scheisse, wenn man plötzlich mal keine Papiere mehr hat, ich weiss es, aber selbst meine relativ harmlose Geschichte, die aber bis heute Konsequenzen für meinen Umgang mit der Botschaft hat, erzähle ich keinem Arsch mehr, weil alle von der Sarrazin-Ideologie angefressen sind und einfaches Vorstellungsvermögen in sich selbst ausgeschaltet haben. Andererseits sollten die jeweiligen Einheimischen mal kapieren, wie es alleine ist, wenn man in zwischenstaatliche Mühlräder gerät oder deine Existenz plötzlich neu bestätgt werden muss, weil du als im Ausland geborener in irgendeinem Zentralregister für Auslandsgeborene einzutragen vergessen wurdest, was sie bemerken, wenn du schon 25 oder 28 bist.
    Es gibt einen Punkt, den ich dabei nicht verstehe und der mir angesichts der derzeitigen Entwicklungen immer unheimlicher wird: Die Leute sollen meinetwegen ihren beknackten ekelhaften rassistischen und antisemitischen Menschenhass bei sich nicht abschaffen, das ist ja schon schlimm genug, aber dass sie nicht verstehen, dass der als Begründung für ganze Rechtszusammenhänge sich gegen sie selbst wenden wird, als fortschreitende Abschaffung von Freiheitsrechten, die sie irgendwann selbst betreffen wird, weil uns alle – das ist das irre, der Selbsthass der Knechte, der da wirkt.

  35. Hannah August 12, 2012 um 2:15 pm

    Ich sehe das dann eben quergespiegelt zur israelischen und auch zur internationalen Antirassismusdiskussion, und die geht anders. Für Palis ist der Zionismus ein Kolonialrassismus, es gibt israelische Linke, die die Abschaffung des Staates Israel fordern. Nicht im Sinne seiner Zerstörung, sondern z.B. mit der Forderung der israelischen Staatsbürgerschaft für alle Palis anstelle der Zwei-Nationen-zwei-Staaten-Lösung und der Überlegung, dass Begriffe wie „Nation“ oder „Staatsbürgerschaft als Abstammungsgemeinschaft“ historisch völlig überholt sind. Was vor 70 Jahren richtig war muss dies nicht heute sein. Israel als sichere Zuflucht für jüdische Menschen ist Vergangenheit. Anhand der Attentatsdichte ist Israel eines der für jüdische Menschen sehr unsicheren Länder. Dann gibt es da die TraditionalistInnen, die am Konzept Israels als Safe Harbour festhalten, aber einen sozialistischen Staat Israel fordern und einen wirklich souveränen Staat Palästina, und es gibt Positionen, die sich dazwischen bewegen. Ich hatte lebhaftes Echo erzeugt, als ich Leute in Israel auf das Antisemitismuskapitel bei Adorno aufmerksam machte und sagte, hier wird ein Rassismus erklärt, der nicht notwendigerweise nur auf jüdische Menschen bezogen ist, Verachtung von Schwarzen oder Xenophobie und Antiziganismus finktionieren nach genau dem Muster. Diese Wahrnehmung war meinen GesprächspatnerInnen dort wirklich neu.

  36. Hannah August 12, 2012 um 2:34 pm

    Und dazu dann noch etwas, das ein Palästinenser mir mal sagte und dass die koloniale Dimension nochmal anders umreisst: „Was haben meine Urgroßeltern den europäischen Juden angetan? Wieso müssen wir für Verbrechen leiden, die Deutsche begangen und Briten und Amerikaner nicht verhindert haben? Warum hat man nicht Bayern zu Israel gemacht? Wir waren Kolonisierte der Türken, dann der Briten, dann der Israelis. Uns hat man nicht anders behandelt als Zulu oder Apache.“ Für mich hat das durchaus die Dimension einer klassischen Tragödie und auch von Fluch und Verdamnis: Die Menschengruppe, die die furchtbarsten Opfer des europäischen Rassismus zu beklagen hat – nicht nur des weißdeutschen, Ukrainer, Balten, Kroaten haben begeistert mitgemacht bei der Shoah – ist dazu verdammt, sich selber in kolonialistischen Spuren zu bewegen und das Erbe der westlichen Kolonialmacht Großbritannien fortzusetzen. Das Israel, das mit den Kibbuzim mal mit dem Experiment eines Basissozialismus startete ist tot, heute ist es eines der Länder mit den größten sozialen Ungleichheiten. Die Lösung? Keine Ahnung, wo die sein soll. Muss allerdings sagen, dass selbst mit Palis, die mir möglicherweise einmal mit der Waffe in der Hand als Feinde gegenüberstehen werden solche Diskussionen offener und entspannter sind als sie hier in Deutschland überhaupt geführt werden könnten.

  37. momorulez August 12, 2012 um 2:51 pm

    @T. Albert:

    Ich freu mich, wenn Du weiterhin hier rum schaust!

    Und das mit den Sans Papiers – ich erinnere mich daran, wie z.B. B. Travens „Totenschiff“ Teil des Kanons, der diskutiert wurde. Das war für mich das Buch, wo mir mit 15, 16 diese Problematik nahe gebracht wurde. Kennt das noch wer? Auch deshalb ist die Asylrechtsabschaffung ja wirklich ein Verbrechen, das warn Gangster damals im Bundestag.

    Das ist ja auch das Ärgerliche an Debatten wie diesen – dass man ständig in die Ecke derer geschoben wird, denen die egal seien. Nein, eben nicht!

  38. momorulez August 12, 2012 um 3:17 pm

    @Hannah:

    Das ist aber auch sauschwierig, nun ausgerechnet als Nachkomme der Täter dazu zu diskutieren. Und Du bekommst auch ziemlich deftig einen übergebügelt, wenn Du z.B. Benhabibs Erwägungen zur Staatsbürgerschaft im Falle Israels erwähnst.

    Ich halte dazu auch meistens meine Klappe, weil ich auch immer gar nicht weiß, ob es wichtig ist, dass nun ausgerechnet ich Sohn eines Pimpfes und Enkel von jemandem, der die Nazis hasste und sogar irgendeine Widerstandsrente erhalten hat, vermutlich aber in Riga an Deportationen beteiligt war, das nun unbedingt zu seinem Thema machen muss. Auch da gilt doch, dass es viel wichtiger ist, Dir zuzuhören, und ich danke ausdrücklich für Deine Kommentare. Würde ich exakt das gleiche schreiben, hätte ich sofort eine Meute „Antideutscher“ am Hals. Mir scheint es nur immer wichtig, die Situationen zur Gründung Israels, die Zeit Theodor Herzls, jene rund um den 6 Tage-Krieg und die heute zu unterscheiden. Du weißt da mehr als ich, aber das Verhalten von Briten wie auch der arabischen Bevölkerung in den 30er Jahren waren nun auch nicht witzig. Und so etwas wie ein „palästinensischer Nationalismus“ hat sich doch meines Wissens auch erst heraus gebildet, als die anderen, arabischen Staaten die dann erst zu Palästinensern werdenden hängen ließen, oder?

    Das mit „warum nicht Bayern?“, da ist natürlich was dran. Achmadineschad hat den auch mal gebracht, woraufhin Broder sinngemäß meinte, okay, Schleswig-Holstein nehmen wir 😀 … ja, äh, da kann ich doch auch nur „okay!“ sagen, aber was sonst?

    Du hast ja völlig recht mit der Verkrampfung der Debatten, die dann oft so enden, wer denn nun der Nazi in der Diskussion ist, weil das zumeist keiner sein will.

    Deswegen hebe ich aber ja auch immer auf die Konzepte rund um Hegemonie und Dominanz ab. Das unterscheidet eben Israel doch von anderen Staaten, dass eine seit Jahrtausenden verfolgte Gruppe erstmal die Hegemonie inne hat auf einem sehr kleinen Terrain. Und der Grad der Verfolgung ist halt nur zu vergleichen mit dem der Sinti & Roma, weil die Vernichtung so called „indigener“, ja, wie sagt mans jetzt, der First Nations, eben doch anders verlief. Und der Rassimus gegen Schwarze und der Massenmord auf den Sklavenschiffen und Plantagen und in den Kolonien auch.

    Aber kann bei alledem doch nicht sagen, dass „weiß“ da keine Rolle gespielt habe.

    Mit dem Antisemitismus-Kapitel in der DdA kann ich trotz Aversion gegen die Psychoanalyse auch viel anfangen. Die sind doch aber nichts, was durch CW nun unter den Tisch fiele. Gerade die Entstehung von Gewalt gegen Minderheiten, die da so eindrucksvoll erfasst wird, lässt sich doch kombinieren mit den US-Ansätzen.

  39. Hannah August 12, 2012 um 3:59 pm

    Du sagst selbst US-Ansätze, und das ist ein wichtiger Punkt. Da wird etwas importiert, das so auf die deutsche Gesellschaft nicht anwendbar ist. Schwarze in den USA leben dort seit Jahrhunderten, sie sind US-StaatsbürgerInnen und Teil der US-Gesellschaft von Anbeginn. Ihre Geschichte seit der Sklavenzeit ist fast kontinuierlich eine Geschichte von Emanzipationsprozessen gewesen. Das gilt für andere PoC weit weniger, zum Beispiel sind Latino-Einwanderer der aktuellen Generation sehr viel diskriminierter, first nations stehen nochmal völlig anders da. Es gibt eine lange Geschichte der affirmative actions zur gezielten Förderung ethnisch oder sozial diskriminierter Gruppen, die unter Bush gestoppt und unter Obama wiederbelebt wurden. Daran können critical whiteness actions in den USA ganz wunderbar anknüpfen.

    Schwarze in Deutschland sind in einer völlig anderen Situation, hier geborene Afrodeutsche eine ganz winzige Gruppe, die meisten hier lebenden Schwarzen entweder selber US-GIs oder Studierende aus subsaharischen Ländern oder Flüchtlinge. Deren Verhältnis zu den Studis ist aus oben schon mal geschilderten Gründen oft problematisch. Stell Dir mal vor, Da kommt ein Flüchtling aus Westafrika mit jahrelangen guten Kontakten zu deutschen oder auch gemischten Soligruppen zum Nobordercamp, und diejenigen Leute, die ihm erzählen wollen, wie Antirassismus funktioniert und wer was wem wie lange sagen darf sind zum Einen Weißdeutsche und zum Anderen der Nachwuchs der westafrikanischen Eliten vor denen man selber geflohen ist. Das sind keine Spaltungen, die teile und herrsche von Deutschen gemacht worden sind, das sind sozusagen eingewanderte Klassenwidersprüche.

    Die ungefähre soziale Rolle von Schwarzen in den USA haben in Deutschland Menschen türkischer, griechischer, sizilianischer oder exjugoslawischer Herkunft, wie auch der Verlinkte dort oben, und die verorten sich nicht als PoC, eher als Einheimische mediterraner Herkunft (oder polemisch-ironisierend Kanaken) und sie haben ihre eigene Geschichte sozialer Kämpfe, die mit denen der Flüchtlinge wenig bis kaum Berührung hat, nur da, wo es um politisches Asyl geht.

    Das sind die Grundvoraussetzungen, vor denen politische Diskussionen geführt werden müssen. Studierende aus Berlin und Potsdam, die in ein Camp hineinspazieren,um da 1:1 Teach-In-Actionen von US-Colleges nachzustellen ignorieren das alles komplett.

  40. T. Albert August 12, 2012 um 4:09 pm

    An das Ding von Ahmadi-Nejad erinnere ich mich gut. Ich habe mich dazu nie in Gesprächen geäussert, weil die Leute ja einen solchen Schrecken davon bekamen, dass sie in all unserer deutschen und europäischen Menschenliebe nicht fähig dazu waren zu sagen, ja, da könntet ihr Israelis gerne kommen, wir arrangieren das. Die Aufregung über A. hiess ja nur, nee, das könnt ihr Araber und Perser uns nicht zumuten, nach all unseren früheren Bemühungen. Ich kenn doch meine Leute.

  41. momorulez August 12, 2012 um 4:26 pm

    @Hannah:

    Ich glaube nicht, dass das so richtig ist – das ist eher Teil des Problems. Ich hatte ja oben schon die „Rheinlandbastarde“ und die „Brown Babies“ verlinkt, man kann aber problemlos auch weiter in der Geschichte zurück gehen und wird eine Menge schwarzen Lebens in Deutschland finden. Das ist eher Geil einer systematischen Verdrängung, was Du beschreibst. Wozu auch das Verdrängen der Kolonialgeschichte gehört. Schimmelmann hat hier in Hamburg vor gar nicht so langer Zeit noch ein Denkmal erhalten Joschka Fischer, auch so ein Gangster, hat den Hereros ins Gesicht gelacht, nicht tatsächlich, aber symbolisch, an denen ausprobiert wurde, was man später mit Juden machte. Bis in die DdA hinein ist diese ganze eurozentristische, rassistische Dünkel-Sauce in Abgrenzung zu den „Wilden“, „Unzivilisierten“ konstruiert, die dann immer die bürgerlich Herrschaft über „Unterschichten“ mit absichert. Das findest Du alles schon bei Kant.

    Wenn ich mir vorstelle, wie Du das meinem Kompagnon oder Noah ins Gesicht sagst, was Du hier gerade schreibst, das ist ja zu allem Überfluss auch noch verletzend.Mein Kompagnon hatte einen Vater aus Burundi, dem habe ich das erzählt, was Du zu den „afrikanischen Eliten“ geschrieben hast, da hatte der erst einen Lachanfall und dann den blanken Hass im Gesicht. Was Du hier betreibst, ist kurioserweise „White Supremacy“, weil Du ihn entmündigst. Dessen Vater war da auch nicht Unterschicht, sonst wäre er schlicht und ergreifend nicht hier. Was ihn nun aber auch nicht davor bewahrte, dass er sich all den rassistischen Scheiß anhören musste und seinen Freundinnen als „N….liebchen“ beschimpft wurden. Und Du erklärst seine Geschichte für irrelevant, die ja sehr schnell in ein „Ihr gehört hier historisch auch gar nicht hin!“ umschlägt. Seine Identifaktionsangebote waren „Brot für die Welt“-Plakate, die Kinder mit dem Biafra-Bauch und den Fliegen im Auge, und exakt das Bild reproduzierst Du hier gerade. Das hatten aber schon die Pietisten auf Schimmelmanns Plantagen, diese Herrnhuter, im Kopf, während sie den Kolonialismus stabilisierten.

    Natürlich gibt es Differenzen zur US-Situation; manches ist hier aber eher noch schlimmer, weil es in den USA den Hochkulturdünkel nicht so ausgeprägt gibt. Der schwindet hier zwar auch mittlerweile, taucht aber gerade bei den Islam-Debatten systematisch immer wieder auf.

    Die ganze Arbeitsmigration, da taucht das doch seltsamerweise variiert dann immer alles wider auf. Kurioserweise ist dann in Sonntagsreden die Berufung auf die Antike, vermengt mit jüdisch-christlich, auch so ein Witz, präsent und kurz darauf der faule, undisziplinierte und korrupte Grieche Thema. Was immer der Abstand zu „Natur“ ist, der sich da definiert, während „der Deutsche“ sich als fleißig und diszipliniert = Kultur begreift. Das Ganze wird dann noch zusammen gerührt mit Bildern von verlotterten „Unterschichten“ und beschwörend „Aufklärung!“ gerufen, und da erzähl mir dann mal, wo der große Unterschied zu den USA liegt. Hier „machistische Südländer“, da „Gangsterapper“. Du landest dann immer bei einer mit „weiß“ unterfütterten Vermengung von Klassismus und Rassismus, die Du übernimmst bei der Flüchtlingsfrage, nur zum Teil unter umgekehrtem Vorzeichen.

  42. momorulez August 12, 2012 um 4:41 pm

    @T. Albert:

    Bei allem, was ich an Achmadineschad, den ich immer so schreibe, wie ich das spreche, sorry, fürchterlich finde eben auch wegen dem, was er so vielen Iranern antun ließ, die so viele gerade gerne weg bomben wollen würden – den fand ich ja echt gut damals :D. Broder hat damals auch prima reagiert, und ich fand ihn ausnahmsweise sehr überzeugend.

    Das Unheimliche ist ja, ja, völlig richtig, was Du schreibst – ich bin neulich mal auf die Debatte zur Entschädigung von KZ-Opfern gestoßen, die auch von den Briten, nicht den Deutschen, initiiert wurde. Riesenaufstände, erstmal seien ja wohl die Ausgebombten und Vertriebenen dran! Da hätte ich fast gekotzt. Dass so was wie Sinti & Roma überhaupt welche wollten kam auch gar nicht gut an, in der Kontinuität stehen dann ja Innensenator Neumann und Bürgermeister Scholz mit ihrer Abschiebepraxis, Schwule blieben gleich erst mal verboten, Kommunisten später auch, und bei „den Juden“ war man froh, dass man die nach Israel los geworden war. Während dann der Marshall-Plan ordentlich Geld ins Land pumpte und die Amis mit Nazis Geheimdienste im „Brückenkopf“ installierten, formierte sich dann der ekelhafte D-Mark-Nationalismus, der noch rassistisch in der Euro-Krise nachwirkt und sich natürlich weiß definiert und ausrastet, wenn Özil die Nationalhymne nicht mit singt. Die Groteske ist ja auch, welche Rolle der Antikommunismus bei all dem spielte, 33 wie 49. Und übrigens auch bei der Zerschlagung der Black Panther mit Stasi-Methoden, Cointelpro. Dann doch lieber Kibbuzze in Schleswig-Holstein.

  43. Hannah August 12, 2012 um 5:23 pm

    @Und Du erklärst seine Geschichte für irrelevant, die ja sehr schnell in ein “Ihr gehört hier historisch auch gar nicht hin!” umschlägt. Seine Identifaktionsangebote waren “Brot für die Welt”-Plakate, die Kinder mit dem Biafra-Bauch und den Fliegen im Auge, und exakt das Bild reproduzierst Du hier gerade.— Wo tue ich das denn? Ich habe nichts über Deinen Kompagnon mit burundischen Roots erzählt von dem ich überhaupt nichts weiß, sondern darüber, dass auf dem Nobordercamp Flüchtlinge keinen Bock hatten, sich von denen, die ihnen schon immer erzählen wollen wo es langgeht, nämlich weißdeutschen Studis und schwarzen überwiegend StudienstipendiatInnen (bin ich auch, nur keine WoC) aus höherer Gesellschaftsschicht als sie selber mansplainen zu lassen auf welchen Platz sie gehören und wie sie zu reden hätten.

  44. T. Albert August 12, 2012 um 5:25 pm

    Du kannst den Herrn ja schreiben wie Dir ist. („-Nejad“ kenne ich eben privat.) Alle diese Sachen sind ja in ihrer camouflageartigen Verlogenheit dafür verantwortlich, dass wir über Israel keineswegs „entkrampft“ sprechen können. Das ist ja immer, wenn man rational argumentiert, auch ein Krieg nach hinten in die eigenen familiären und „freundschaftlichen“ Zusammenhänge (hab ich sauviele schon gecancelt deshalb) hinein.
    Der Ahmadi, wie die Iran-Atomdebatte, wie die Palästinenser sind ja nur vorgeschoben, um sich wieder und wieder nicht mit der eigenen Scheisse, die irgendwie immer weiter läuft, wie Du es gut zusammenfasst, konfrontieren zu müssen. Nichts daran ist ehrlich.
    Wenn jetzt junge Leute in Scharen den Nazischeiss wieder chic finden, hat das ja Gründe in „denkerischen“ Kontinuitäten, die in den Familien auch ausgesprochen werden, zumal es leichter ist, dem sozusagen nachzugeben, als sich einzugestehen, was unsere ehrlosen Gross- und Urgrosseltern getan haben.
    kürzlich hab ich diese Frau Baring im TV gesehen, die einen Opferdiskurs jetzt als Therapeutin für unsere deutschen Familien konstruiert, die ist ja nur unwesentlich älter als ich, und das einzige erstaunliche daran fand ich die Gnadenlosigkeit mit der das eigene Leiden an den Folgen des Selbstverursachten vertreten wurde. Irgendwie schlug mir da wieder diese Kälte entgegen – naja, lassen wir das.

  45. momorulez August 12, 2012 um 5:35 pm

    @Hannah:

    Doch, weil Du gegen die „afrikanischen“ Elitenkinder wetterst und ihn gegen die gequälten Flüchtlinge ausspielst. Dass letztere keinen Bock haben, sich von weißen Studis einen erzählen zu lassen, das ist doch unbestritten, das steht sogar schon oben im Eintrag, dass das Bullshit ist, so eine Praxis. Aber ich sehe mich außerstande, nun als Weißer da in der Diskussion zwischen Eliten und Flüchtlingen nun vehement Partei zu ergreifen. Dazu fehlt mir auch die Kompetenz, die Erfahrung, einfach alles. Ob Gadafi oder Mugabe, es gibt auf die immer Perspektiven, von denen ich noch nie gehört habe und die ich auch nicht wissen kann. Und ich hätte auch als Schwarzer wenig Lust darauf, mir nun von wem auch immer erzählen zu lassen, die Arbeitsmigration aus Südosteuopa sei doch eh relevanter, die Situation in den USA habe mit hier nichts zu tun und so was wie sie seien doch allenfalls Kinder von GIs, so was gab es doch hier vorher gar nicht. Und Schwarzen sollte eh nur zu hören, wenn sie wenigstens 3 Mal gefoltert wurden, fast ersoffen sind, aber auch auf jeden Fall bitterarm. Ansonsten verbitten wir uns deren Einmischung. Das ist doch ein Scheißspiel.

  46. Loellie August 12, 2012 um 5:44 pm

    Uhhh, da sind bei dem Loellie gerade sämtliche Alarmglocken losgegangen

    „kürzlich hab ich diese Frau Baring im TV“

    Wird die gerade gehypt? Das ist ja ein Sumpf übelster Art, diese Aufsteller. Ueber die bin ich im Zusammenhang mit dem TS*_Mädchen und der Berliner Charitee gestolpert.
    Ganz übel.

  47. T. Albert August 12, 2012 um 5:51 pm

    weiss nicht, ich hab die erst 1 mal gesehen, das reicht auch. Was hat die mit dem Mädchen zu tun? Klingt ungut.

  48. momorulez August 12, 2012 um 5:58 pm

    @T. Albert:

    Nee, das kann man nicht lassen, das ist ja Thema. Ich glaube übrigens, dass tatsächlich manchmal übersehen wird, dass da eine traumatisierte Generation am Ruder saß in der alten Bundesrepublik – der Scheiß ist ja, dass das gar nicht diskutierbar ist, ohne irgendwer darüber schwadroniert, Dresden sei ja militärisch gar nicht notwendig gewesen, und dann kommen da ZDF-Schmonzetten bei raus. Mein Vater ist viel zu früh gestorben, als dass ich ihn nach so was hätte fragen können, wie denn das nun wirklich für ihn war, mit 17 ein Bein zu verlieren in dem Wissen, entflammt für das fürchterlichste Regime aller Zeiten noch mitten in Westfalen auf britische Panzer losgehen zu wollen. Wie will man darüber sprechen? Er hat darüber geredet, wie das Bein immer weniger wurde, wie zeitweise der Knochen raus guckte und dann abgesägt wurde bei vollem Bewusstsein, was ja schon enorm ist für die Generation. Einerseits. Andererseits gab es Finger, die im Schnee von Stalingrad stecken blieben, auch in der heroischen Version. Und er konnte kaum fassen, dass die Freitags aus Amsterdam überhaupt mit ihm redeten im Jugoslawien-Urlaub, weil es Juden waren, die der Deportation entronnen waren. Ist im Kampf gegen die Wiederbewaffnung in die SPD eingetreten, worüber sich heute ja alle lustig machen, hat auf Stadtfesten für Wasserleitung in Indien gesammelt und ich habe mit Leuten aus Ghana WM-Eröffnungsspiele gesehen. Da war noch nichts von diesem triumphierenden „Gerade WEIL WIR das 3. Reich – oder wahlweise „2 Diktaturen“ – hier hatten, kœnnen wir jetzt die Welt über die Freiheit belehren und möglichst viele Serben und Iraner umbringen, wegen Auschwitz“, wie Gauck das so furchtbar durchzieht, wie ein Fischer das instrumentalisierte. Aber natürlich verbirgt sich hinter all dem individuelles Trauma, das wird auch irgendwie in mir fort wirken. Ich käme nur nicht auf die Idee, damit nun Auschwitz relativieren zu wollen. Und er hatte im Gegensatz zu von christlichen Milizen massakrierten Palästinensern halt das Glück, in der BRD Karriere machen zu können.

    Aber exakt all das wollen ja zugunsten von Stil, Überlegenheit und Größe und des „sich doch nicht mehr entschuldigen Müssens“ diese ganzen ach so postnazistischen Ekelpakete, nunmehr prowestlich rein gewaschen aber natürlich dank Thomas Mann, Ernst Jünger und Leni Riefenstahl auch ästhetisch Raymond Chandler, James Baldwin und Stephen King maßlos überlegen mit ihren gewienerten Stiefeln und gedrechseltem Sätzen und schaurigen Bildern, vergessen machen machen mit ihrem Hass auf Böll, Beuys, Ghandi und Nelson Mandela. Weil die Black Panthers ja Scheißmachos waren, aber wenigstens im Ghetto gestählt wie Ernst Jüngers Arbeiter, von Stahlgewittern geformt …

    Ich gebe zu, im letzten Absatz nun wirklich einiges durcheinander gebracht zu haben 😀 …

  49. momorulez August 12, 2012 um 5:58 pm

    Baring? Muss ich googeln.

  50. Hannah August 12, 2012 um 6:02 pm

    Momo, Du unterstellst mir da eben gerade eine ganze Menge völlig unterschiedliche Dinge, die ich weder gesagt noch gemeint habe. Dass irgendetwas „relevanter“ als etwas Anderes sei habe ich zum Beispiel an keiner Stelle gesagt. Sondern ich habe versucht, mich analytisch dem Grund des Zornes zu nähern, den da der Auftritt von RS bei bestimmten Leuten, u.a. westafrikanischen Flüchtlingen hervorgerufen hat. Ansonsten habe ich mehr und mehr den Eindruck, hier geht es ohnehin in erster Linie um Befindlichkeiten der Diskutanten untereinander. Da bleibe ich dann lieber weg.

  51. momorulez August 12, 2012 um 6:07 pm

    Nein, darum geht es nicht. Du hattest doch das mit den afrikanischen Eliten geschrieben. Das ist auch keine Frage meiner Befindlichkeit, die spielt beim Thema deutsche Geschichte eine Rolle, aber bei dem Thema afrikanischer Eliten eigentlich nicht. Charles Taylor und Mugabe hattest Du in dem anderen Thread eingeführt, das habe ich meinem Kompagnon erzählt, jetzt erzähle ich Dir, wie er das sah, das ist doch kein Befindlichkeiten austauschen.

  52. momorulez August 12, 2012 um 6:13 pm

    PS: Zudem da auch Antworten sind, wieso das alles in Deutschland o schwer zu diskutieren ist.

  53. Loellie August 12, 2012 um 6:29 pm

    “ … aber dass sie nicht verstehen, dass der als Begründung für ganze Rechtszusammenhänge sich gegen sie selbst wenden wird, als fortschreitende Abschaffung von Freiheitsrechten, die sie irgendwann selbst betreffen wird, …“

    Ja eben. In dem Text den ich oben verlinkt habe, schreiben sie ja richtig, dass der „Migrant“ eine rassistische Diskussion in einem nichtrassistischen Raum ermöglicht, und die judikativen Auswirkungen, erkennen aber nicht, dass dieser Begriff und seine Folgen das Konzept der Staatszugehörigkeit als solches angreift, und eben nicht nur ein Thema für „Zugewanderte“ und deren Nachfahren ist. Momo schreibt ja auch viel zur Produktion von Delinquenz. Deshalb der Verweis auf Davis (du hast ja auch schon Links aus der Ecke gebracht, gerade letztens erst). Natürlich ist der „3/5tel Mensch“ ein US-spezifisches Symptom, das Konzept, über die Justiz Bürgerrechte zu beschneiden aber eben nicht. Bei aller erforderlichen Differenzierung, kann man doch nicht so tun, als hätte das alles nichts miteinander zu tun. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Foucault die Wandlung der Sklaven zu „Fast-Menschen“ nicht berücksichtigt hat. (Momo?)

    Schengen/FRONTEX, bzw deren Entwicklung, ist doch auch eine direkte Folge des amerikanischen War on Terror. Die EU hatte doch, ganz besonders was Nordafrika angeht, eine völlig gegensätzliche Politik gefahren, mal ganz unabhängig davon, wie erfolgreich das mit der Mittelmeer Union gelaufen ist, oder welche Eigeninteressen da konkret zu berücksichtigen sind.

  54. Loellie August 12, 2012 um 6:46 pm

    Puuuh …

    Nee, die Baring selbst hat glaub ich nichts mit Alex zu tun, aber da gibt es erhebliche Verquickungen und Ueberschneidungen zu diesen Familienstellern, anderen obskuren esoterisch-katholischen Heilersekten und der Psychiaterclique in der Charitee, die national und international ganz dick die Finger bei diesen Listen im Spiel haben, mit denen Krankheiten definiert werden.
    Homo- und Transsexualität als prä-pubertäre Störung die mit Aversionstherapie kuriert werden sollen, eben auch unter Zwang.

    Um da konkret werden zu können, müsste ich die 800 Kommentare auf dem Beck-Blog nochmal durchackern. Was man eigentlich wirklich tun sollte, das ist ja alles von erheblicher Brisanz.

    Und natürlich Verstrickungen zumindest des obersten Familienstellers mit dem NS.
    Alles aus der Hüfte und erstmal unter vorbehalt.

  55. momorulez August 12, 2012 um 6:46 pm

    Ich weiß spontan gar nicht, ob Foucault zur Sklaverei etwas geschrieben hat. Der hat zwar Räume für eine Kritik des Eurozentrismus geschaffen, hat selbst aber nur über europäische Geschichte geschrieben – und ob in „Überwachen und Strafen“ Leibeigenschaft auftaucht, das müsste ich nachlesen. In seinem Spätwerk tauchen die Sklaven in der Antike auf, und es gibt in seinen Vorlesungen „In Verteidigung der Gesellschaft“ völlig abstruse Passagen zum „Krieg der Rassen“. Der war nicht völlig frei von us-libertären Einschlägen in der Zeit rund um 77, die sich ja auch bei Robert A. Wilson und solchen finden, was jetzt keine völlig absurde Verknüpfung ist. Weil er da viel in Berkeley war, erstmals die schwule Szene genoss, sich durch Saunen peitschte und auch viele Drogen nahm, glaube ich. Was irgendwas mit unserem Thema zu tun hat, was, weiß ich jetzt aber auch nicht 😀 … das mit der Produktion von Delinquenz ist Teil einer europäischen Gegengeschichtsschreibung, die er der Vorstellung wachsender Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit infolge der Aufklärung entgegen stellt. Nein, nix da, die Disziplinen und Human- und Sozialwissenschaften haben dje formalen Prinzipien, auf die sich immer alle berufen, gewissermaßen unterlaufen. Und dafür ist das, was Du beschreibst, auch Sarrazin ein gutes Beispiel. Für postkoloniale Theorien ist er so anregend, weil er den weißen Vernunft- und Wissenschaftsdünkel als vermachtende Strategien entlarvt hat und so auch die Neocon-Strategien von Hoover über Strauss bis Rumsfeld entlarvte.

  56. Loellie August 12, 2012 um 6:55 pm

    Klar, die Tatsache zB, dass Obama seit dem letzten Jahr sogar mit dem Black Caucus Stress hat, weil er Themen wie Affrmitiv Action nicht mal mit der Kneiffzange anfasst, und einen riesen Bogen um die Black Communities macht* steht im direkten Zusammenhang mit den Befindlickeiten der Kommentatoren untereinander hier im Blog. Was denn sonst …

    * Da darf ein Disclaimer hin, weil ich in den letzten Monaten nicht verfolgt habe, inwieweit sich daran im Zuge des Wahlkampfs was verändert hat.

  57. momorulez August 12, 2012 um 7:04 pm

    „Darauf haben wir uns in Mitteleuropa geeinigt, dass wir nacheinander reden“, knallt Baring dem türkischstämmigen Somuncu für eine kritische Zwischenbemerkung hin.“ (Gabriele Baring ist gemeint).

    Passt zu dem, was ich oben so schrub …

    http://www.sueddeutsche.de/medien/tv-debatte-zu-hitlers-mein-kampf-bei-anne-will-dieses-bloede-buch-1.1347088-2

  58. Loellie August 12, 2012 um 7:08 pm

    So, und weil mir schon den ganzen Tag von dem Wechselwetter der Kopf zu platzen droht, muss ich zur von mir angestellten Verwirrung von wegen „drei fünftel“ noch eine Strafarbeit nachreichen … 😦
    Und Kohldampf hab ich auch.

  59. momorulez August 12, 2012 um 7:10 pm

    Die Verbindung zu den Familienaufstellern habe ich gefunden, die zu den Charité-Leuten nicht ….

  60. Loellie August 12, 2012 um 9:19 pm

    Das Jugendamt hat den Eltern von Alex die Vormundschaft konkret in Gesundheitsfragen entzogen und eine unparteiische Betreuerin eingesetzt. Diese bietet ebenfalls Aufstellungen an. Und nachdem das und weitere Verbindungen ins katholische Obskuristan in der Diskussion auf Beck-Blog aufgeflogen waren, gab es eine Löschaktion auf einer ganzen Reihe von Webseiten. Da müsste man allerdings mit den Diskutant_innen von damals Kontakt aufnehmen, weil der Müller die Kommentare, welche diese Verbindungen aufgedeckt hatten, ebenfalls gelöscht hat. Weil es ja nicht anginge, dass da der Ruf von Akademikern geschädigt würde.
    Und seitens der Charite gab es ebenfalls Verbindungen zu irgendwelchen ganz merkwürdigen katholischen Schamanen, oder Geisterheilern oder was auch immer das für welche waren.
    Jedenfalls hatte sich da ein ideologischer, esoterischer, wissenschaftlicher und juristischer Kreis geschlossen, und die ganze Sache ergab einen Sinn. Allerdings komplex genug, dass ich jetzt aus der Hüfte nur noch verschwörerisches Geraune beisteuern kann.

    Die Anne Will-Sendung gabs auch auf youtube … die war das also.

  61. T. Albert August 12, 2012 um 9:22 pm

    Ja, das war genau diese Will-Sendung, grauenvoll war das und diese therapeutische Dame hat astrein vorgeführt wie man mehr oder weniger subkutan den Leuten ganz mainstreamig und als selbstdeklariertes Opfer Rassismus an den Kopf knallt und das chic gefunden wird. Der gehts ja um Revanchismus und Chauvinismus, da ist sie auf einer Linie mit ihrem Ehemann, der ständig in diesen Talkshows rumhängt, um zur Verwahrlosung aufzufordern. Also, der gehts nicht um Leute als Einzelne, die wie mein Vater von ihren Dreckslehrern als Kindersoldaten missbraucht worden sind.
    Ich fand die und teilweise die ganze Diskussion von genau der Kälte dieser Lehrer und Mütter, die ihre Söhne jubelnd verkauft haben, damit der Massenmord überhaupt ausgeführt werden konnte. Die ist das Problem, nach wie vor. Das meinte ich.

    Die Liste, wo die überall auftritt und sprechen darf auf der Verlagsseite ist ja enorm, ja, die wird gehypt, und sie wird nicht die einzige dieser Sorte sein.

  62. momorulez August 12, 2012 um 9:45 pm

    Das Schlimme ist ja, dass sie genau das Gegenteil dessen betreibt, was sie propagiert. Durch diesen Quatsch, dass die Erfahrungen der Eltern mittels morphogenetischer Felder, die sich in Zellen einnisten und dann vererbt werden, verhindert sie ja gerade eine Auseinandersetzung mit dem, was vielleicht wirklich an Erfahrungen in Feuerstürmen und Schützengräben gemacht und in irgendeiner Form dann ganz individuell weiter gegeben wurde, weil sie so ein Kollektivopferbrimborium betreibt und vor allem die Erfahrungen in Osteuropa mit den Deutschen dadurch verschwinden. Ich fand es nie verächtlich zu machen, dass meine Oma Pommern vermisst hat oder meine Mutter nicht im Dunkeln schlafen kann, weil sie Angst vor Verschüttung, lebendig begraben im Luftschutzbunker, hat. Aber von denen ist nun auch niemand auf die Idee gekommen, daraus nun krude, politische Konsequenzen zu ziehen oder zu bezweifeln, dass wohl keine andere Diktatur auf eine derartige Euphorie bei großen Teilen der Bevölkerung gestoßen ist. Hat meine Oma ja auch erzählt, wie aufregend sie die Fackelzüge fand. Was die Baring da zu beschreiben scheint, ist wohl eher so was „Es war so schrecklich für den Serienkiller, zuzusehen, wie die von ihm Enthauptete verblutete“, das ist doch selbst ein Fall für die Psychopathologie, so an ein solches Thema ran zu gehen. „Es war so schrecklich für uns, Täter zu sein, deshalb waren wir Opfer, als die Anderen sich wehrten.“ Das ist wirklich wie bei Leuten mit schwerer Emphatiestörung. Aber bestimmt total objektiv und formvollendet.

    @Loellie:

    Schade, dass das gelöscht wurde, das hätte mich echt interessiert. Die nutzt ja mit den „morphogentischen Feldern“ ein in der Esoterik tatsächlich sehr populäres Theorem, das dort aber mit völlig konträren Ideen auftritt und mit Katholizismus oder evangelikalem Quatsch absolut nicht fusionierbar ist, politisch ist das trotzdem hochproblematisch. Das ist in den USA wahnsinnig populär, oft über Ophra Winfrey vermittelt, und da sind sogar die Engel schwulenfreundlich. Deshalb würde mich das echt nicht wundern, wenn da Gegenprogramme mit dem selben Vokabular gestartet würden, die sich auch noch wissenschaftlich tarnen. Machen die Esoteriker ja auch unter Berufung auf die Quantenphysik. Das ist alles von Deepak Chopra bis zu „The Secret“ für Kirchen nicht ungefährlich. Für Opfergruppen allerdings auch nicht.

  63. Loellie August 12, 2012 um 9:56 pm

    Und dann geht eine unbedarfte Mutter, die Trennungsstress hat, mit ihrem Trans*-kind aufs Jugendamt, landet in der offiziellen Beratungsstelle bei einer von dieser Voodofraktion, und wird dann auch noch pathologisiert, weil sie ihr Kind nicht in der Geschlossenen umerziehen lassen will, sondern renitent auf ein unabhängiges Gutachten besteht, das nicht von der gleichen Sexologenseilschaft erstellt wird.

    „Der gehts ja um Revanchismus“
    Ja, die armen Täter die so unter dem leiden, was sie ihren Opfern antun mussten. Das ist der Hammer was einem da entgegenschlägt, wenn man da mal etwas herumgoogelt.

  64. momorulez August 12, 2012 um 10:04 pm

    „Voodoo“ nun ausgerechnet in dem Zusammenhang ist allerdings auch nicht ohne 😀 …

  65. Loellie August 12, 2012 um 10:50 pm

    Ich steh ja auch unter Drogen und bin deshalb nur bedingt zurechnungsfähig 😉

    http://www.via-mundi.net/77.0.html

    http://www.e-r-langlotz.de/familientherapie/familientherapeut.php

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bert_Hellinger

    Den Link zu der Pflegerin verkneiffe ich mir an dieser Stelle, der bringt auch keine weiteren Informationen. Was auf Beck-Blog gelöscht wurde, war der Nachweiss der Aufräumarbeiten auf Blogs und Wikipedia, der Rest ist noch da. Auch die Kommentare und Links zu der Sexologenseilschaft, deren Quellen, Wirkungsfeld usw.

    http://blog.beck.de/2012/03/24/kammergericht-pressemeldung-zwangseinweisung-eines-11jaehrigen-kindes-zur-therapie-seiner-geschlechtsorientie

  66. momorulez August 12, 2012 um 11:09 pm

    Oh je – da muss ich erst mal Beck-Blog durchforsten, um die Zusammenhänge zu den anderen Links zu verstehen. Wie verrufen die Familienaufstellung ist, das ist mir schon häufiger über den Weg gelaufen. Es gibt etwas Ähnliches in der Gestalttherapie, die Familienskulptur. Da erinnere ich mich zwar ungern dran, das war ungeheuer effektiv, hatte aber nix mit diesem autoritären Brimborium zu tun, was man zu Hellinger liest. Da wurden eher systemische Beziehungsmuster deutlich, die nun aber nicht wie bei Frau Baring direkt aus der Kriegserfahrung implementiert waren. Umgekehrt gibt es tatsächlich Ansätze, das mit dem afrikanischen Ahnenkult in Verbindung zu setzen, der ja da bis heute, ähnlich wie in China oder Japan, lebt.

    Was auffällt, auch bei dem, was dieser sich auf Schamanismus Berufende schreibt – das war klassisch eine Rolle der TwoSpirits, übrigens – ist das Ansetzen am Defizit oder aber der Extraktion, nicht an den Ressourcen. Das ist wie bei Scientology und hochmanipulativ – dass also nicht „Ich will, ich kann, ich bin“ im Mittelpunkt steht, sondern „Mir fehlt, ich werde übermächtigt, ich funktioniere nicht“. Das ist im therapeutokratischen Rahmen fatal. Das gibt es auch in der Psychoanalyse, und das geht voll nach hinten los. Da wird die Lösung zum Problem.

  67. Loellie August 13, 2012 um 12:46 am

    Ich kann da morgen auch nochmal drüber gehen. Da ist natürlich viel juristisches Zeugs dazwischen dass sich um die familienrechtliche Seite dreht.
    Das mail ich dir dann aber, weil das zuviel Text wird und ich auch keinen Bock hab einzelne Kommentare korrekt zu zitieren.

  68. Loellie August 13, 2012 um 2:38 pm

    Wenn wir’s schon von Quacksalbern haben …

    Egal wie lange ich mich mit diesen Themen beschäftige, die kriegen mich immmer wieder sprachlos. Es geht um diese „Studie“ aus den UsA über Kinder aus Homo-Beziehungen. Den Artikel habe ich nur grob überflogen, aber, WoW, 800.000$ für Junk-Science …

    http://holybulliesandheadlessmonsters.blogspot.ch/2012/08/regnerus-was-approached-to-do-anti-gay.html

    Und noch ’ne Anmerkung zur Unübertragbarkeit von Diskursen.
    Auch wenn das Leben an deutschen Schulen nicht angenehm ist, ist die gerne als „Bullying“ beschönigte Gewalt bei uns nicht der Volkssport wie in den USA, und ich hoffe ja sehr, dass sich bei uns auch wenigere Queere Teenager umbringen als bei denen, nun käme doch aber kein Mensch auf die Idee zu behaupten, dass es bei und keine Homophobie oder systemimamente Zusammenhänge gäbe.

  69. momorulez August 13, 2012 um 2:51 pm

    Das in dem verlinkten ist ja genau die Foucault-Anwendung. Es gibt halt keine Studien, was Hetero-Ehen so alles Furchtbares aus ihren Kindern machen, z.B. solche hervor bringen, die dann mittels Bullying andere in den Selbstmord treiben.

    Das ist das Zusatz-Perfide an der Baring-Nummer: Dass sozusagen familienimmanent über politische Großwetterlagen diskutiert wird. Als gäbe es keine Schule, keine Freunde der Eltern, keine Nachbarn … ich habe ja eher den Eindruck, dass die gut gewappnet sind, deren Eltern sich nicht abschotten und überall äußere Feinde wittern. Die in ein möglichst turbulentes, aber nicht unzuverlässiges Leben mit vielen EInflüssen hinein wachsen. Da war die alte Großfamilie der Kleinfamilie schon mal deutlich überlegen, und je mehr Optionen Kinder haben, desto freier wachsen sie auf.

  70. Hannah August 13, 2012 um 3:26 pm

    Es braucht ein ganzes Dorf ein Kind zu erziehen heißt es anderswo.

  71. Loellie August 13, 2012 um 5:11 pm

    Noch kurz zu meinem Holperer mit dem 3/5-Kompromiss gestern. Ich war verwirrt, weil ich vergessen hatte, dass der auf das Steuerrecht zurückgeht, dann aber doch als Grundlage genommen wurde, um Sklaven überhaupt vor Gericht stellen und ins Gefängniss sperren zu können. Der Haken war, dass darüber hinaus die Bürgerrechte aller Strafgefangen eingeschränkt werden mussten. Diese Einschränkungen bestehen bis heute weiter.
    Wen’s interessiert, kann sich das auch auf youtube von Angela Davies erklären lassen, mir ist das für ein Selbstgespräch, das dann doch wieder niemand zur Kenntnis nimmt, zu komplex um das aufzudröseln.
    Und das hätte ja alles gut zu Foucault gepasst, es passt ja vom Ansatz auch zu Hartz-IV Zumutungen zB.

  72. momorulez August 13, 2012 um 5:16 pm

    Ah, Danke! Und diese im Grunde genommen auf die Verwertungslogik in kapitalistischen Zusammenhängen bezogenen Hierarchiebildungen mit traditionell ja immer auch human- und sozialwissenschaftlicher Unterfütterung sind echt das Übel, da hatte Foucault einfach recht. Die Gleichheit vor dem Recht wird in der Hartz IV-Realität ja tatsächlich wie andere Grundrechte auch ebenso permanent unterlaufen im Sinne der Disziplinargesellschaft.

  73. Sarah August 21, 2012 um 7:15 pm

    Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie ein unbeteiligter weißer Mann hier mit Gewissheit behaupten kann, auf dem Grenzcamp Köln hätte es seitens weißer, akademischer CW-Apologeten keine üblen Praxen gegeben, Macht über alle übrigen auszuüben und jegliche Diskussion über andere Themen abzuwürgen, z.B. praktische Perspektiven von Flüchtlingsarbeit. Auch kann ich nicht nachvollziehen, bei allem Respekt für angewandten Sophismus, das regelmäßig hochintensive Moralisieren und Schuldgefühleerweckenwollen einer Vielzahl von CW-AktivistInnen abzustreiten. Unterstützer und Freunde des CW-Flügels haben vor dem Hintergrund der geglückten Sprengung des Grenzcamps gejubelt wie Bolle.

    Echt toll sowas. Es fehlt nur noch ein bildungsbürgerlich aufgeladener Exkurs der Archgeigen hier über faire und glückende Kommunikation. Habermas , oder sowas. Sorry, ich bin da immer noch reichlich geladen und finde mich woanders viel eher wieder. Hier nämlich:

    http://de.indymedia.org/2012/08/333781.shtml

    Mir fehlt allerdings das Sprachrepertoire, um hier ernst genommen zu werden. Darum: Tschüss, Jungs!

  74. momorulez August 21, 2012 um 7:35 pm

    Na, dafür, dass Du hier gleich erst mal zur Begrüßung eine moralische Attacke nach der anderen fährst und mit einer Unterstellung endest, kann ich mir zumindest besser vorstellen, was da abgelaufen ist 🙂 … und ehrlich gesagt auch, warum gejubelt wurde.

    Ich kann überhaupt nichts mit Gewissheit sagen außer, dass die einzigen Äußerungen nicht-weißer Personen in der öffentlichen Diskussion, auf die ich mich ja nur beziehen kann, eine PoC-Frau in der Jungle-World und eine instrumentalisierte Aussage von einem Teilnehmer aus Sierra Leone in einem Blog, dass außer moralischer Erpressung und einer Annäherung an die Neue Rechte, wenn es um queere Fragen und jene des Feminismus geht, nicht mehr viel zu bieten hat außer hochinformativen Pressemeldungen. Und der Teilnehmer aus Sierra Leone meinte, die CW-Fraktion sei ein bißchen jung gewesen. Wird dann wohl so sein. Und dann war noch Hannah hier, hat hochinteressante und informative Sichtweisen berichtet.

    Und was wolltest Du jetzt mitteilen? Dass Du noch geladen bist – ich meine, Konflikte dieser Art sind doch dazu da, dass man was draus lernt.Und dass Du das Gefühl hast, die CW-Fraktion wolle allen ständig ein schlechtes Gewissen machen. Aber was machst Du denn hier gerade? Das ist doch eher ein Problem auf Seiten des Egos des Empfängers, ein schlechtes Gewissen, oder irre ich?

  75. momorulez August 21, 2012 um 7:49 pm

    PS: Den verlinkten Text habe ich ab dieser Passage nicht mehr weiter gelesen:

    „Nicht mehr der produktive, politische Konflikt soll in der eigenen Szene geführt werden, mit dem Ziel der Abschaffung von Hierarchien, statt dessen wird moralistisch aufgeladenes Buße tun á la „ich weiße, privilegierte, frauisierte Person…“ und ähnlich akademisches Dahergerede allen ernstes als Mittel gegen den szene-internen Rassismus propagiert.“

    Ab da wird der selbstwidersprüchlich und erpresserisch und eben einfach nur der Text einer ausschließlich moralisierenden Szenepolizei- und Tribunal in Personalunion.

    Und ohne zu wissen, was bei dem Camp wirklich abging, diese inquisitorisch-staatsanwaltlichen Tiraden linker Platzhirsche gehen mir nur noch auf die Nerven wie bei iindiemedia. Wer da mit „Buße tun“ um die Ecke kommt, hat exakt die gleichen Filme am Laufen wie Martin Walser und all diese narzißtisch gekränkten Egos, die sonst so herum lamentieren. Habe neulich mal das Bonmot geprägt „irgendwann fackeln sie schwule Kneipen ab und rufen dabei „Ihr habt uns homophob genannt, ihr Arschficker“. So ein Text ist das auch. Grausam.

  76. Hannah August 21, 2012 um 10:03 pm

    Na ja, wenn man ab einer bestimmten Stelle nicht mehr mitliest, aber kritisiert, dass Andere einem nicht zuhörten (so viel habe ich inzwischen mitbekommen) wird das sich Aneignen von Debatten selbstwidersprüchlich. Inhaltlich bin ich mit Sarah auf einer Linie, meine Töne sind vielleicht etwas leiser. Ein Mobilisierungscamp gegen Abschiebungen wurde gesprengt, ja. Um des richtigen Tones, der politisch korrekten Haltung und performativer Spielchen willen. Mit der möglichen Konsequenz, dass ein paar Abschiebungen weniger verhindert werden können. Zur Selbstreproduktion von BesserwisserInnen, die jahrelange Aufbauarbeit sabotieren. Tolle Wurst. Als Szenepolizei und -Tribunal habe ich die RS-Leute erlebt, allerdings, ohne dass diese zu der Szene, die sich ansonsten da traf überhaupt Zugang hatten, doppelt peinlich. Offen gesagt kann ich mit PFLP-Leuten, die vielleicht meine Verwandten töten werden besser diskutieren als mit solchen Diskursspinnern.

  77. momorulez August 22, 2012 um 8:30 am

    Ich gebe ja zu, ihn doch noch zu Ende gelesen zu haben 🙂 – der wurde ja immer schlimmer. Zum Schluss hieß es dann „PoC raus, und wie Antirassismusarbeit gemacht wird, verfügen Weiße“, und das ist dann gesellschaftlich manifest das, was auch Abschiebungen möglich macht. Da sind die einfach Teil des Systems, diese Leute, die bei Indymedia schreiben. Und sich dann auch noch auf das „deutsch statt weiß“ von diesem Uni-Heini zu beziehen – auch darauf geht ja auch Sarah vorsichtshalber nicht ein, was ich dazu oben geschrieben habe – ist wirklich die Krönung. Dieser Indymedia-Text ist einfach die perfidere Art von Rassismus. Da ruhen sich Leute auf ihrem „White Privilege“ aus, um Schwarze, die sich nicht fügen, aus der Antirassismusarbeit zu kicken. Das ist weit verbreitet, analog gibt es ja auch den Kampf gegen Homophobie ohne Lesben undSchwule, und WEHE, es wagt einer von denen sich zu Worte zu melden, dann heißt es ganz schnell „SCHWULE RAUS!“, und alle homophoben Ressentiments spritzen Dir entgegen wie aus Eiterbeulen. Übrigens auch und insbesondere oft aus der feministischen Ecke.

    Ich weiß ja wie gesagt nicht, wie es auf dem Camp wirklich gelaufen. Aber ich habe schallend gelacht an der Stelle, wo sich ein weißer Mann aufs Podium setzt und sagt, er sei jetzt PoC. Das ist selbst dann, wenn der das ernst meinen sollte, zum Brüllen komisch, weil der damit, ob nun absichtlich oder nicht, ja die Haltung des Indymedia-Autoren perfekt verulkt. Ich kenne doch diese Typen in- und auswendig.

    Abschiebungen wird es geben, so lange es ein exkludierendes Staatsbürgerrecht gibt, das von White Privilige und White Supremacy gestützt wird und Abweichungen von weiß katalogisiert. Und da diese Heinis alles dafür tun werden, dass sie selbst die Worftführer bleiben, tragen sie aktiv zu einer rassistischen Gesellschaft bei und sollten sich sowieso mal in eine ich-stärkende Therapie begeben, das hilft bei Schuldkomplexen. Leute mit Schuldgefühlen sind gemeingefährlich, rachsüchtig und unerträglich.

  78. Loellie August 22, 2012 um 4:21 pm

    “irgendwann fackeln sie schwule Kneipen ab und rufen dabei “Ihr habt uns homophob genannt, ihr Arschficker”. So ein Text ist das auch. Grausam.

    Ja. Und egal wie weit sie um den heissen Brei drumherum schwafeln, über „sitz still und kämm dir die Haare“ kommt keiner dieser Texte hinaus.

    Noch so einer von der Sorte.
    https://linksunten.indymedia.org/de/node/63674

    “ … Es sind einfach Menschen mit Migrationshintergrund und einer skurrilen Meinung. Die können sie ja haben, aber es hat halt für mich und mein Verständnis von Rassismus nicht die geringste Relevanz, mögen sie auch noch so laut RASSIST! krakeelen. …“

    Wie erfrischend direkt in den Kommentaren. Wo kommen wir denn hin, wenn Schwarze weissen erzählen wollen, was Rassismus ist …
    Aber auch darauf wird wieder niemand reagieren.

  79. momorulez August 22, 2012 um 5:07 pm

    Na, eine Reaktion habe ich hier gelöscht, weil ich mit diesem Typen echt nichts mehr zu schaffen haben will. Zudem das dieser ewige Quatsch ist, der mir auch zu beiden Ohren raus kommt, CW habe irgendwas mit christlicher Reinwaschung und Buße zu tun, die sind doch einfach völlig verbrettert, wenn die das so rezipieren – dann war die Abschaffung der Sklaverei auch nur so was wie Beichtpraxis, und Flüchtlingen helfen ist das auch. Und in den Kommentaren bei Indymedia lassen sie tatsächlich die Sau raus, das sind alles rechtsliberale Argumente, die wir uns jahrelang von Zettel, den Bissigen Liberalen usw. aufs Brot schmieren lassen haben.

    Ein Text, wo ich jetzt an einigen Stellen auch noch mal grübeln muss, weil die Entmenschlichung von Schwulen als „unnatürlich“ ja auch dauernd behauptet wird, ironischerweise im Gegensatz zum „Natur“, mit der Schwarze identifiziert werden – umgekehrt hat man zweifelsohne das White Privilege, ja. Und man kann sich tarnen.

    Zu der Debatte konkret folgendes, und auch wenn der Text ja recht hat mit den Differenzen zwischen schwarz und schwul, DAS, was da beschrieben wird, macht mich auch nur noch wütend und sonst gar nix mehr:

    „Additionally, white activism, especially white anti-racism, is predicated on an economy of gratitude. We are supposed to be grateful that a white person is willing to work with non-white people. We are supposed to be grateful that you actually want to work with us and that you give us your resources. I would like to know why you have those resources and others do not?

    Das ist nämlich der Punkt, wo im Falle der „Undankbartkeit“ sofort Solidarität entzogen wird.

    Sehr pointierter, verdichteter Text zum Thema. Und von James Baldwin zum Beispiel haben die meisten Nasen da bei indymedia noch nie was gehört, vermute ich.

    http://whyaminotsurprised.blogspot.se/2010/01/tamara-k-nopper-to-white-anti-racists.html

  80. momorulez August 22, 2012 um 7:51 pm

    @Loellie:

    Den Text, den Du verlinkt hast, die Kommentare habe ich noch nicht gelesen, finde ich aber gar nicht so dramatisch. Das ist ja achon der Versuch einer Auseinandersetzung und versucht zumindest, die nicht geteilte Position ernst zu nehmen und überhaupt mal wieder zu geben. Und kommt auch nicht mit diesen Erpressungsmanövern „Weil ihr Scheiß US-N… hier auftretet wie die Faschisten, saufen ganz viele Flüchtlinge im Mittelmeer ab!“ Und hält auch keine ekelhaft besserwisserischen Vorträge über Postfordismus und wie man nun den Weißen gleich richtig Theorie und Praxis vermittelt. Nur diese mir mittlerweile echt auf die Nerven gehende „Kritik der Identitätspolitik“, die ja selbst identitär auftritt, ist echt anstrengend, weil die zumeist angeführt wird, Erfahrungen derer , denen Identitäten aufgenötigt werden, weg zu drücken und eigene gesellschaftliche Position als weißer Akteur in einer weiß dominierten Welt mit einem diffusen Allgemeinen zu tarnen, das White Supremacy reproduziert.

    Mit diesen Thesen vom „Kulturkannibalismus“ habe ich ja auch manchmal meine Probleme. Das ist nämlich tatsächlich ein Topos des klassischen Antisemitismus, dieses „nicht kulturschöpferisch tätig sein können“ und gewissermaßen als Parasit sich in „Wirtsvœlkern“ einzunisten und diese auszusaugen. Ich finde das ja völlig richtig, die Dreadlockfrage zu stellen und bei allen popkulturellen Phänomenen immer auf die Entstehungsbedingungen in der Black-, Latino-, Gay-Culture zu verweisen, um deren Geschichte zur Geltung zu bringen – übrigens auch jene von Sinti und Roma, fast alles, was es an Folklore gibt in Europa, ist wahlweise keltisch, das wurde christlich unterdrückt, oder von Sinti und Roma, da historisch sehr häufig mit jüdischen Kulturen gemischt. Trotzdem ist selbst von Weißen gemachter Hip Hop immer auch ein Angriff auf den Kulturdünkel, der Neo Rauch ins Museum hängt und Götterplastiken auf dem Südamerika-Basar verramscht. Das Problem ist ja nicht nicht die Aneignung selbst, sondern das, was dadurch verschwindet -Jan Delay singt vorne, und die PoC-Frau singt Background für wenig Geld. Und die im Allgemeinen bestehende Machtverteilung in ökonomischen und kulturellen Feldern und dass da erst mal Platz gemacht werden muss für PoC, in den Weiße nicht rein quatschen. Und das eben auch auf Opernbühnen, in Universitäten und Programmdirektionen. Und vor allem auch in der Geschichtsschreibung. Und da finde ich diese Camps eh erstaunlich weltfremd – weil die sich gar nicht für die institutionellen Gefüge, wo Schengen usw. gestützt, erdacht usw. wird, sondern immer großartig rumtönen, sie würden sich ja angeblich um gesellschaftliche Strukturen kümmern, das tun sie aber gar nicht. Die gucken drauf, aber nicht rein. Da ist CW der viel weniger psychologisierende Ansatz.

  81. Loellie August 23, 2012 um 3:09 pm

    Der hat wohl nur mit weniger Wut im Bauch geschrieben, geht doch aber trotzdem in die gleiche Richtung. Angesichts der massiven Identifaktion als Anti-** und Aktivistin_in in dieser Szene, versteh‘ ich ja eh nicht was das mit der Kritik an Identitätspolitik soll, und es werden ja auch über das mutmassliche Fehlverhalten Einzelner Rückschlüsse auf CW gezogen …

    Der mMn entscheidende Satz bei Knopper ist ja

    „Moreover, I want to know when a discussion of whiteness, white supremacy and domination became seen as abstract and not rooted in the everyday concrete reality that we experience? „, oder als Gefühlsduselei.
    Wohingegen die Nummer mit den Masken und der dadurch stattfindenden Aneignung von Blackness nun wirklich totaler Quatsch ist.
    Andererseits beschreibt sie mit „… the idea that white people are being put into their place relies on the neo-conservative view of reverse racism that has characterized the backlash against non-whites, especially Blacks, in the post-civil rights era. …“ sehr treffend wie ich diesen Dauervorwurf, da strebten welche totalitär nach der Weltherrschaft und verbreiten Angst und Schrecken, lese.

    Zu den „Rastalocken“ schreibt eine Kommentatorin auf Indymedia
    “ … Wenn es bei New Yorker Che-Guevara T-shirts zu kaufen gibt, die wahrscheinlich unter beschissenen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden, um mit dem sexy Revolutionsflair Profit zu machen, regt mich das auf. Ich sehe das als Vereinnahmung von Widerstandssymbolen für das genaue Gegenteil von dem, was sie bedeuten. Das ist sicher keine solidarische Geste von New Yorker an die antikapitalistische Bewegung. … „, und wir hatten ja letztens die Autorin der Mädchenmannschaft, die es schafft mit Rastalocken durchs Ruhrgebiet zu laufen, ohne Peilung wo das herkommt, und sich in der linken Szene zu bewegen und aktive AntiRa-Arbeit zu machen, ohne dabei mit PoC in Berührung zu kommen. Was ich für eine stramme Leistung halte, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie es jemand gelingt in einer Stadt zu leben, und sich im Alltag und sozialen Umfeld PoC vom Hals zu halten. Da ist die Frisur nun wirklich das geringste Problem.

    Wenn ich mit bedauern feststelle, dass hetenfreie Bereiche immer weniger werden, oder mir das Messer im Sack aufgeht, wenn in München Veranstalter und andere Profiteure mit Politikern, alle heterosexuell, oder in Hamburg Pfaffen mit Politikern darüber verhandeln, wieviel Homophobie auszuhalten sei, wird das mittlerweile ja auch als Separatismus im Sinne von „Rassentrennung“ gedeutet, dafür gibt es aber ausser Unterstellungen keine theoretische Grundlage. Ganz im Gegensatz zu Black Nationalism / Supremacy. Die gibt es nämlich. Es gibt auch Strömungen im Post-Kolonalismus, die Homophobie in seiner gewaltätigstens Form als kulturelle Leistung/Eigenschaft bewahren wollen. Das sind dann auch diejenigen, die Leuten die Haare abschneiden wollen, und da ist mir ein zusammenhanglos in den Raum geworfener Baldwin oder Black Panther zu dünn, weil das genau nicht die Leute sind, die unter sich bleiben und Haareschneiden wollten.
    Ich verstehe wirklich nur zu gut, dass jemand keinen Bock hat, weisse an die Hand zu nehmen und bei jedem Satz darauf zu achten, bloss keine zarten Gefühle zu verletzen, ich versteh sogar noch besser, wenn jemand keinen Bock hat sich mit dem rechtsextremen Vorwurf des „Reverse Racism“ auseinander zu setzen, es geht hier doch aber um einen gelinde gesagt fragwürdigen Kulturbegriff und dessen offensichtliche Nähe zum National-Sozialismus. Da kann man doch wirklich einen etwas konkreteren Hinweis auf Quellen erwarten, auch dann, wenn die Linke sich darauf beschränkt CW als evangelikal zu denunzieren und andere mitleidig zu pathologisieren, bzw ihre eigene, dem Gegenüber unterstellte Gefühlsduselei, mit Kritik verwechselt.

  82. momorulez August 23, 2012 um 4:58 pm

    „sehr treffend wie ich diesen Dauervorwurf, da strebten welche totalitär nach der Weltherrschaft und verbreiten Angst und Schrecken, lese.“

    Ja, und das Gruselige ist ja, wie dieses genuin rechte US-Muster von Che über Genova bis zu Nörgler immer wieder adaptiert wird, von den Indymedia-Leute ja auch, wenn sie von „Missbrauch des Definitionsmachtskonzeptes“ lamentieren. Genau die Leute, die gegen Slogan wie „Missbrauch des Asylrechts“ wettern, vermutlich, weil das auch als Gunst und nicht als Recht verstanden haben.

    Bei dem letzten Absatz habe ich den Adressaten nicht ganz verstanden. Dass da die Queer-Theorien denen der Black Community weit hinterher hinken, das sehe ich allerdings auch so.

    Und die Debatte, ob Klassenkampf und „Homosexualität“ zusammen passen, die wird auf der Linken ja auch wieder offen geführt. Und manche wollen sich im Zuge der Identitätskritik ja auch gleich selbst auslöschen, weil sie glauben, dann mehr Sexualpartner zu finden 😀 – ja, gemein, ich schätze ihn ja weiterhin sehr. Der hat immerhin den Mut, sich in diese Schlacht rund um Butler und den Adorno-Preis zu werfen, was ich tunlichst vermeide, weil ich weiß, was dann abgeht – was aber mit dem Thema hier zusammen hängt. Da dreschen ja auch gerade lauter vermeintlich linke Spinner, eigentlich aber Antisemiten, auf eine Lesbe ein, deren Vorfahren Holocaust-Opfer waren, wildwütig, weil sie solchen bestimmt nicht das Feld, das sie zu ihrem gemacht haben, überlassen wollen. Und rühren wie blöd in diesem wirklich falschen Hamas-Zitat herum, das sie noch zurecht gerückt hat, hassen sie aber eigentlich dafür, dass sie die homphoben Duldungs- Kategorien der Linken zertrümmerte. Das ist ja das Absurde, dass sich hinter der Kritik des Identitären im Grunde genommen das Verschweigen der Identitätskonstituion weißer, heterosexueller Männer verbirgt. Und Schwule sind halt meistens so doof, dass sie das nachahmen. Rhizom forderte, sie solle den Preis wegen Adornos homophober Intrigen gegen Golo Mann nicht annehmen, das fand ich gut.

  83. Loellie August 23, 2012 um 5:38 pm

    Der Absatz ging an Knopper, dafür hast du jetzt unterschlagen, wen du schätzt und sich da so mutig in die Schlacht wirft …
    Das ist ja glatt an mir vorbei gegangen, wobei der Counter-Jihad mit seinen Hasskampagnen an Vorhersagbarkeit nicht zu überbieten ist. Dafür wurde dieses gefakte Video ja auch produziert.

  84. momorulez August 23, 2012 um 5:47 pm

    Rhizom war es – und den Absatz auf Knopper bezogen, das muss ich noch mal durchgehen. Ich glaube, viele Diskussionen und auch Probleme entstehen, weil zwischen theoretischen und praktischen Fragen nicht unterschieden wird. Und dann solche Fragen wie „Praktisch sind die Marginalisierten jetzt mal dran, Grenzen zu setzen und zu sprechen, und ihr hört zu und habt, wenn ihr das mit Antirassismus ernst meint, einfach den Raum zu schaffen, dass ANDERE als immer ihr zu Worte kommen“ – das mit den Karten in dem von Dir verlinkten Text – theoretisch beantwortet werden. Dabei ist das ein Mittel, sich klar zu machen, wo man Marginalisierten gegenüber übergriffig wird. Die meisten wissen das nicht, wo Rassismus oder Homophobie anfängt und merken es nicht. Und werden es auch nie merken, wenn sie noch ständig rein quatschen, weil sie in ihrer Plenumskarriere gewöhnt waren, die schlauesten Vorträge zum Postfordismus zu halten und daraus ihr Selbstbewusstsein ziehen.

    Bei Knopper muss ich noch mal checken; ich glaube, ihr ging es darum, so was wie eine eigene Tradition des Denkens zu entfalten, um nicht ständig von der Tradition von Aristoteles bis Kant und Wiitgenstein okkupiert und überschrieben zu werden. Und das finde ich sinnvoll.

  85. momorulez August 23, 2012 um 7:51 pm

    Was Du mit fragwürdigem Kulturbegriff und Nähe zum National-Sozialismus meinst, das verstehe ich trotzdem nicht.

  86. momorulez August 23, 2012 um 10:11 pm

    Jetzt kommt wieder die Normalisierungsfraktion von anderswo um die Ecke, diagnostiziert wie diese Dreckslinken aus der Ecke immer schon irgendwelche Neurosen dem Schwulen, um zu begründen, dass sie kein Wort versteht und auch nicht verstehen will, Konzepte wie „White Supremacy“ auch nicht reflektieren WILL und auch immer noch nicht geschnallt hat, wovon vom Braunen Mob über die Mädchenmannschaft und auch in diesem Blog die Rede ist und wieso Ches Texte eine Zumutung sind.

    Dass diese Psycho-Terroristen immer noch nicht schnallen, dass es einem besser geht, wenn man von solchen wie ihnen nicht fortwährend belagert wird und mit ihrer heteronormativen Scheiße, ihrer Duldung krasser Homophobie mit ihrer Solidarisierung mit evangelikaler Propaganda und dass man sie deshalb weg beißt, weil es sich ohne sie besser schlicht denken, leben und genießen lässt, mir geht es so gut wie seit Jahren nicht, seitdem ich mich auf diesen Quatsch meistens nicht mehr einlasse.

    Nein, liebe Netbitch, ich leide gerade so gar nicht, ganz im Gegenteil. Ich bin sehr glücklich aktuell und froh, dass ihr alle weg seid.

    Das Recht, nun schwulen Freunden meiner Schwester, die angesichts der Göttinger Politszene schreiend die Stadt verlassen haben, weil sie das Rumgemackere von penetranten Platzhirschen aus der Autonomen Ecke einfach nicht ertragen haben, gibt es Dir dennoch nicht, und das ist Thema dieses Threads: Dass irgendwelche Indymedia-Autoren in Analogie zwar noch das Artikulieren leidvoller Erfahrung PoC zugestehen, aber es nicht dulden, wenn diese das Theorie- und Politikfeld mal ohne die Anleitung weißer Männer betreten, die in jede Erfahrung hinein quatschen wollen, um sie mit ihrer weißen, heterosexuellen und männlichen Gülle zuzuschütten.

    Kurz: Ihr seid einfach nur Scheiße, und belästigt mich nicht mit mehr mit Verlinkungen. Politisch taugt ihr auch nichts, allenfalls als Analyseobjekt dessen, was schief läuft, deshalb die Bezugnahmen – das Bündnis gibt es nicht mehr.

  87. Loellie August 24, 2012 um 3:30 pm

    Das würde sich jetzt mühelos aufklären lassen, aber ich hab ehrlich gesagt einfach die Schnauze voll. Jedesmal wenn man hier versucht egal was anzusprechen, kommt punktgenau irgendein Arschloch angeschissen und kübelt zusammenhanglos Dreck in der Gegend rum.
    Es tut mir ja leid und es ist ja auch nicht deine Schuld, aber offensichtlich funktioniert das mit diesem Internet einfach nicht. Schade eigentlich.

  88. momorulez August 24, 2012 um 4:04 pm

    Ich habe langsam auch das Gefühl, dass es nur mit wenigen funktioniert.

    Bei den Leuten, mit denen ich mich durchaus auch zoffte, oft rund um meinen geliebten Fussballverein, habe ich schon das Gefühl einer Entwicklung – dass die sich Gedanken machten und machten, warum ich wann wie reagiere, und man kommt dann auch gut zusammen, dann kann ich auch umgekehrt viel besser zuhören und annehmen. Bei einigen ging es auch daneben, bei anderen läuft es sehr gut – eben auch, weil man sich ja auch außerhalb des Netzes über den Weg läuft. Treffe auch häufig „stille Mitleser“, die ziemlich gut schnallen, was ich, was wir meinen, das tut sehr gut. Da hatte ich echt schon viele Smalltalks nach Spielen, die uns hier sehr den Rücken stärkten.

    Diese chronische Eingleisigkeit, dieses Niederbuttern durch ewige Wiederholung dessen, was in deren EIGENEN dominant vernetzten Hirnen vorgeht, wo immer wieder ein Referat der EIGENEN Intentionen, Befindlichkeiten, Historie geführt wird, um auch ja jedes Verständnis für andere zu ersticken, das habe ich so auch noch nicht erlebt, und das hat irgendwas mit den Spezifika linker Subkulturen der 80er und 90er Jahre zu tun. Konservative machen das auch, aber nicht so verlogen.

    Diese Mischung aus Egomanie und Selbstglorifizierung kann ja nicht nur an Drogen-Spätfolgen liegen. Extrem-Kiffer werden ja manchmal auch so. Das ist echt eine Groteske – wenn ich mir überlege, wie viel Aufwand betrieben wurde in all den Jahren, lang und breit die Intentionen und Biographien von katholischen Kühen und abgehalfterten Gewaltfetischisten, die es nicht ertragen, wenn man sich mal zwei Minuten nicht mit ihnen beschäftigt und als ersten Kommentar jeder öffentlichen Diskussion „Ich kriege keine Frau ab“ parkten, wie NULL Bereitschaft in all den Jahren bestand, das von uns Geschriebene mal nicht als hysterisches, persönliches Problem durchgeknallter Tunten zu rezipieren, ein Repressions- und Diskriminierungsklassiker – natürlich ärgert mich das auch noch, habe damit einfach viel zu viel Zeit verbracht, die sich als vergebene Liebesmüh entpuppte.

    Und mein Eindruck ist eben, dass die Interventionstruppe auf dem Camp AUCH keine Lust mehr hatte, sich nun die zweihundertfünfundsiebzigste Selbstverständnis- und Selbstglorifizierungsdebatten weißer Männer anzuhören, und die haben offenkundig wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen. Völlig zu recht. Und, was folgt? „Nicht integrierte Ausländer raus“. Bei Indymedia.

    Das ist ja auch gezielt ein Methode, Marginalsierte zum Verschwinden zu bringen, dass man deren Themen als persönliches, psychologisches Problem deutet. Das ist einfach Teil des Terrors, einfach eine Ergänzung dieses auch das Fernsehprogramm strukturierenden Wegdrückens, Ausblendens, Rausschneidens, Nicht-Sendens.

    Wie wenn in die Talkshow der Alibi-Muslim geholt wird, den alle anderen dann eine Stunde lang nieder brüllen, ihm ins Wort fallen, ihm erzählen, was er für einer ist und was seine Religion eigentlich meint bei gleichzeitiger, fortwährender Beschwörung des eigenen Aufgeklärtseins.

    Insofern ist der Zusammenhang zu der Camp-Debatte ja offenkundig.

    Ich ärgere mich da auch eher über mich selbst, diesen Arschlöchern so lange auf den Leim gegangen zu sein – und würde wetten, das geht diesen „Reclaim Society“, so heißen sie doch?, ganz genau so, wie Dein Link zu der Bethanien-Diskussion ja belegte. Dass sich Netbitch dann erdreistet, einen Text zu schreiben, um den Schwulen zu pathologisieren, damit wieder weiße, heterosexuelle Männer die Wortführerschaft übernehmen, zeigt ja im Grunde genommen nur, wie sehr sie selbst denen eben auch auf den Leim geht. Aber nun seine eigene, ach so gewichtige Göttinger Politszenen-Vergangenheit infrage zu stellen, das ist für solche Scheinidentitäten wohl zu gefährlich.

    Und muss mir echt abgewöhnen, auf die Referer zu klicken, das ist auch blöd von mir. Da offenbart sich jedes Mal die Vorhölle, und das ist ja der Trost in der Debatte: Mit denen tauschen möchte ich keine Sekunde meines Lebens. Da habe ich, glaube ich, mehr Spaß.

  89. Aramís September 11, 2012 um 1:18 pm

    „sowohl im Falle von PoC als auch von Weißen“

    Meinst du, es hilft, den Gegensatz farbig/weiß einfach durch den Gegenstaz PoC/weiß zu ersetzen? Ich muss kotzen, wenn ich so was lese oder: „Schwarze versus andere PoC“. Was soll das? Du kannst doch nicht die Masche, alles Nicht-„Weiße“ als das Unterschiedene und das Andere zu setzen, in einem Absatz kritisieren und im nächsten ebendas selbst bringen.

    Wer hat denn bitte schön Bock, als PoC bezeichnet zu werden? Das ist schlimmer als jede Beleidigung. Das lässt sich nicht mal dysphemistisch in eine Selbstbezeichnung umkehren. Nur people People-of-Bullshit verwenden so was.

    Schreib es wenigstens aus — und klein; denn du tust dem als das Andere markierten Anderen keinen Gefallen, wenn du es bei einem abgekürzten Eigennamen nennst.

  90. momorulez September 11, 2012 um 2:02 pm

    Das ist ja nix, was ich mir ausgedacht hätte; das sind Briefings, die ich erhalten habe. Wenn ich da andere kriege, dann lass ich es wieder sein.

    Und das ist auch keine „Masche“, das hat einen Grund. Und die PoC, von denen ich das habe, nutzen es als Selbstbezeichnung in der Abkürzung. Das musst Du schon ihnen ausreden und nicht mir. Jetzt mal ganz ab von Deinen Übelkeitsgefühlen.

    Und doch, ich kann das schon als Unterscheidung dann bringen, wenn ich z.B. bei Vertretern z.B. der deutschtürkischen Community den Eindruck habe, dass sie Schwarzen die Solidarität aufkündigen, wie ich das in letzter Zeit häufiger verfolgt habe. Da kann ich dann nicht stellvertretend für Betroffene reden, aber schon, dass es mir auffällt.

  91. hasan September 11, 2012 um 4:21 pm

    Nana, es gibt auch nicht DIE deutschtürkische Community. Da gibt es die getürkten Deutschen oder Deutschländer, das sind die stark Assimilierten, es gibt eine islamistische Community, eine bewusst das Ghetto inszenierende Szene, die sich selbst öfters Kanaken nennt und eine türkische radikale Linke in Deutschland. Die ent- und resolidarisierenden sich da in durchaus unterschiedlichem Maße. Der Streit auf dem Nobordercamp hat mit all dem aber gar nix zu tun. Das war eine Auseinandersetzung zwischen alten Flüchtlingsaktivisten, viele davon aus Westafrika stammend auf der einen seite und naseweisen berliner und potsdamer studis mit teil weissen und teils afrikanischem hintergrud auf der anderen. Es gibt da ein Seminar für Afrikastudien, wo sich neuer Szenenachwuchs entwickelt.

  92. momorulez September 11, 2012 um 4:31 pm

    Ja, Danke für den Rüffel mit „der Community“, hätte mir nicht passieren dürfen. Und das ist für mich auch ein allgemeineres Thema, das mich ja auch nur bedingt etwas angeht. Mir fiel das halt wegen Artikeln im Migazin zur „Blackface“-Frage auf, und die Haltung, die Vassilis Tsianos oben einnimmt, dass Weißsein ja gar nicht konstitutiv sei sondern Deutschsein, kann man auch so lesen. Und das mit den Flüchtlingsaktivisten und den angeblich „naseweisen“ kam ja schon mehrfach auf. Und ich käme nun nicht auf die Idee, da westafrikanischen Flüchtlingsaktivisten einem vom Pferd erzählen zu wollen – aber diese ganzen weißen Antira-Leute, die teils ja auch schon lange dabei sind, die gehen mir nicht hinsichtlich ihrer teils ehrenwerten Praxen wegen, sondern aufgrund ihrer Haltung und ihren Verlautbarungen bei Indymedia schwer auf die Nerven, und ich finde das teilweise krass, wie auf die „Naseweisen“ da reagiert wurde. Wie gesagt in Verlautbarungen im Netz, ich war ja nicht da.

  93. futuretwin September 21, 2012 um 10:00 am

    Tsianos und das Netzwerks kritische Migrations- und Grenzregimeforschung hat wieder zugeschlagen, diesmal theoretisch besser unterfüttertert, wie ich finde:
    http://www.akweb.de/ak_s/ak575/23.htm

    Ich hoffe ich darf das hier so einfach verlinken.

  94. momorulez September 21, 2012 um 10:13 am

    Ja, Danke. Das ist schon wieder dieser rassistische Heini, den ich oben schon verlinkt habe, der da mit schmierfinkt. Der Text ist einfach ein Paradebeispiel für „White Supremacy“ und atmet den Geist von Condoleeza Rice. Das ist auch krass schwulen- und lesbenfeindlich und ein Tritt in meine ganz persönlichen Eier. Das hat auch mit emanzipatorisch nix zu tun, das ist einfach eine Entmündigungsstrategie. Das ist auch der Grund, warum man die aktuelle Linke einfach in die Tonne treten kann, das sind einfach Platzhirsch-Drecksäcke, die herrschen wollen in dem Terrain, das sie abgesteckt haben. Wie diese beknackten LSVD-Schwulen. Alles liberale Scheiße und sonst nix.

    PS: Theoretisch fundiert ist da nix, und die Gegenposition wird auch verzerrt dargestellt, weil nur auf das Privilegienkonzept, nicht aber wirklich auf „White Supremacy“ als Perspektive eingegangen wird.

  95. futuretwin September 21, 2012 um 10:41 am

    Welcher rassistische Heini? Tsianos?

  96. momorulez September 21, 2012 um 10:44 am

    Ja. Ich finde sowohl das oben Verlinkte als auch den Text in der Analyse und Kritik offen rassistisch, weil es darum geht, Schwarzen das Maul zu stopfen. Und Schwulen und Lesben gleich mit. Das ist gerade trendy auf der Linken.

  97. Loellie September 21, 2012 um 4:47 pm

    Das liesst sich wirklich als wärs von Rayson.

  98. momorulez September 21, 2012 um 4:56 pm

    Ja, schlimm. Das hatten wir ja bei dem unaussprechlichen Gewaltfetischisten schon, dass die reihenweise in diese Muster kippten, die „Linken“. Für mich ist das immer Beleg, dass CW einfach der richtige Ansatz ist.

  99. qwertzu September 25, 2012 um 12:54 pm

    Hey BITTE atme mal tief durch. Ich schreibe hier unbekannterweise an Dich Momo, weil ich aus dem was ich bisher von Dir hier las (vielleicht nicht umfassend bildgebend, sorry, Textflut), denke daß es sich wirklich lohnt, da mitzudiskutieren. Das soll nicht herablassend klingen, ich kenn Dich einfach nicht. Aber gehts noch dramatischer, als Tsianos ernsthaft als Rassisten zu bezeichnen?
    Kommt Dir die Argumentation nicht bekannt vor: Linke die „sowas“ sagen (füge beliebiges ein), sind dann nur mehr „Linke“ mit “ „. Jetzt holst du die Rassismuskeule gegen Antirassisten raus, nur weil die eine Differenzierung einfordern, welche über identitäres Geschwafel hinausgeht und enge, Veränderung ausschließende Kategorien hinausgeht… bist Du denn gegen diese Differenzierung?
    Wenn ich das mal nach CW aufdrösele, muß ich Dir mit Deinem Rassismusvorwurf einen krassen Rassismusvorwurf zurückgeben. Du als weißer Deutscher (so lese ich Deine biographischen Einwürfe) möchtest tatsächlich jemanden, der von Rassismus unvergleichlich mehr betroffen sein muß als Du, als Rassisten bezeichnen? Hast Du schonmal von Kanak Attak gehört? Und Tsianos mal reden hören? Der hat so einen krassen Akzent daß jeder potentielle Vermieter sofort das Telephon auflegen würde.
    Andererseits könntest Du T gut und gern einen Mackervorwurf machen ohne daß Beteiligte von grober Übertreibung sprechen, und hast da wahrscheinlich mehr an Sensibilität zu bieten. Auf der Skala „akademischer Jargon vs leichte Sprache“ disqualifiziert Ihr Euch beide ähnlich. Und da steht Ihr dann im Patt: Wer darf hier über wen, von einer Position über dem anderen auf ihn herunter ihm welche Vorwürfe machen. Identitätsolympiade eben, wie im Text gesagt. Jetzt mal CW-Modus aus, Antwort: Keiner. Setzen. Respekt und Reden – OHNE daß ich damit Eure Positionen und Erfahrungen gleichzumachen versuche, und ohne daß Du so tust als hätte ich vorgeschlagen, Dich mit irgendeiner NPD-Fratze an einen Tisch zu setzen.
    Glauben Linke wirklich, sie könnten es sich leisten, sich noch in 879 Strömungen/Sekten/Faselfasel aufspalten und einander solche bitteren Vorwürfe zu machen, ohne daß ernsthaft ganz Grundlegendes zerstört wird? Ego-Scheiße. Oder hast Du Dich sowieso vom Linkssein verabschiedet? Wegen CW???
    Also komm doch bitte mal ein paar Töne runter. Es sind wichtige Fragen, zu wichtig als daß man sich da noch gegenseitig kaputtmacht.
    Ach ja, noch: Ich bin, unter anderem, nicht-weiße Deutsche. Damit Du weißt, an wen die nächste Rassismusklatsche geht 😦

  100. momorulez September 25, 2012 um 1:09 pm

    „Und da steht Ihr dann im Patt: Wer darf hier über wen, von einer Position über dem anderen auf ihn herunter ihm welche Vorwürfe machen.“

    Darauf gehe ich ja im Text ein. Und Herr Tsianos, den ich noch nicht reden hörte, weist doch nun gerade die Sprecherposition als irrelevant zurück. Das, was Du anführst, weist er dezidiert als Kriterium zurück. Zudem ich ja die Analogiebildung zu schwulen Lebenswelten nicht zufällig mache, die sehe ich da halt. Ansonsten gibt es für mich keine „Rassismuskeule“, und es ist sehr wahrscheinlich, dass mir welche unterlaufen, weil ich wie alle gelernter Rassist bin – normalerweise nehme ich da Hinweise zur Kenntnis und versuche das, worauf man mich hingewiesen hat, in Zukunft bleiben. Und so einen Text schreibe ich übrigens eigentlich, um Antworten zu erhalten. Nur dass mir Hinweise auf die Meriten der Schreiber da nichts hilft. Ich frage mich ja eher, wieso jemand mit dieser Vita, noch bei den Co-Autorinnen, solche Texte schreibt. Und würde mich freuen, wenn mir das mal jemand erläutern könnte, ohne RS zu „unreifen Bürgerkindern“ zu erklären.

    „Auf der Skala “akademischer Jargon vs leichte Sprache” disqualifiziert Ihr Euch beide ähnlich.“

    Ich spreche und denke so. Das bin ich. Und ich muss beruflich ständig übersetzen, deshalb gönne ich mir in meinem Blog, es bleiben zu lassen.

    Glauben Linke wirklich, sie könnten es sich leisten, sich noch in 879 Strömungen/Sekten/Faselfasel aufspalten und einander solche bitteren Vorwürfe zu machen, ohne daß ernsthaft ganz Grundlegendes zerstört wird?

    Mein aktueller Eindruck ist, dass nicht etwa RS da etwas kaputt machen, sondern dasss Rassismus-, Antisemitismus-, Homophobie- und Sexismus-Debatten in der Linken gar nicht mehr führbar sind und habe meinerseits hier in diesem Blog die Erfahrung gemacht, dass die mir bekannten Linken sehr aktiv und ambitioniert werden, wenn es darum geht, Frauen, insbesondere Lesben und Schwule kaputt zu machen. Ich gehe da deshalb so hoch, weil die ganze „No Border-Camp“-Debatte mich an manche in diesem und anderen Blogs erinnert, wo hochaggressiv alles dafür getan wurde, Schwulen das Maul zu stopfen und auch ja die Heroiserung der eigenen, linken Geschichte zu stabilisieren.

    Ich sehe das nicht als Identitätsolympiade, sondern darum, so was wie Subjektivität überhaupt erfahren zu können, und habe bei meinen PoC-Freunden ähnliches nun auch oft genug gehört. Darum geht es mir.

    Kaputt machen meines Erachtens die vier AutorInnen, nicht ich. Das ist auch immer so ein Heimatfilm-Story: In die heile Welt der Flüchtlingshilfe dringen dann die bösen, bürgerlichen Schwarzen ein und machen die heile Welt kaputt. Vielleicht sind aber die Bedingungen des Heileseins selbst Teil der rassistischen Matrix?

  101. hasan September 25, 2012 um 2:29 pm

    Kaputt machen, Maul stopfen, ist das nicht alles ein bißchen zu viel des Guten? Ich würde da ganz normal von kontroverser Kritik sprechen, was ja auch legitim ist. Eine heile Welt der Flüchtlingshilfe gibt es nicht, das ist eine Welt voller Elend und Schikanen. Dass in dieser Welt dann Newbies frisch aus dem Seminar auftauchen und einmal alten Hasen mit jahrzehntelangen Erfahrungen in der Antira-Arbeit erzählen, sie müssten jetzt aber dringend mal über ihren eigenen Rassismus nachdenken und dann auch gleichzeitig auch noch schwarzen Flüchtlingen vorschreiben wollen wie die zu reden hätten, das ist der Punkt.

  102. qwertzu September 25, 2012 um 2:34 pm

    Oh Gott nein! Ist doch klar daß von Flüchtlingspastorin Dethloff bis Antira Nord-Elmshorn oder wer weiß ich dringend Nachhilfebedarf in allem möglichen besteht. Und heile Welt ist da lange nicht, das ist nur eine Vereinfachung, damit Dein Argument besser paßt! Ich habe mal ein Kirchenasyl begleitet, da tun sich Abgründe auf.
    Das ist doch genau was KritikerInnen, wie mich, so wütend macht: Total unnötige Dichotomien aufmachen und Komplexität, Widersprüchlichkeit und auch menschliche Unzulänglichkeit einfach ausblenden bzw draufhauen. Wer nicht für uns ist, etc.
    KEIN MENSCH sagt doch, daß CW nicht bitter nötig ist. Aber kann es im Ernst darum gehen, die Verhältnisse einfach umzudrehen, wie in Deinem anderen Beitrag (https://metalust.wordpress.com/2012/09/21/analyse-und-kritik-als-vorkampfer-des-politischen-liberalismus/#more-4039) gesagt:
    „RS mutieren dann auf einmal zu “unreife Bürgerkids”, wenn sie sich einfach mal genau so verhalten wie die ganzen weißen Platzhirsche allerorten.“
    also geht es darum, einfach, endlich mal so scheiße sein zu dürfen wie die anderen?
    Oder eher darum: „ein an die eigenen Nase fassen – und das meint ja Critical Whiteness.“ (a.a.O).
    Genau. Dann hast Du mich wohl falsch verstanden mit dem Patt: Das ist nicht das was ich toll finde, sondern eine Sackgasse in die man sich reinmanövriert wenn man die Sprecherposition dauernd reklamiert: Wer bietet mehr an Benachteiligungen und negativen Erfahrungen?
    Natürlich ist es wichtig, wer von welcher Position aus über wen spricht, so hat sich Kanak Attak vieles an Deutungshoheit zurückerobert. Aber dieser Größenwahn, daß CW uns jetzt die komplette Welt erklären soll? Hör erstmal auf Fleisch zu essen hier auf dem Camp, in dem es um die Erkämpfung deiner Rechte geht, dann erlaube ich dir, gleichberechtigt zu reden??

    Ich verstehe die Wut die Du empfindest, wenn Du sagst:
    „Ich gehe da deshalb so hoch, weil die ganze “No Border-Camp”-Debatte mich an manche in diesem und anderen Blogs erinnert, wo hochaggressiv alles dafür getan wurde, Schwulen das Maul zu stopfen und auch ja die Heroiserung der eigenen, linken Geschichte zu stabilisieren.“
    Das ist zum Kotzen. Und es gibt vielleicht ein Gefühl der Genugtuung, das umdrehen zu können, total berechtigt, (bitte versteh das nicht als gönnerhafte therapeutische Geste für ein gequältes Individuum). Es ist ein berechtigtes Gefühl. Aber das sind doch nicht die Verhältnisse wo wir wirklich hinwollen? Vor allem wenn dabei das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird, siehe Vorkommnisse auf dem Noborder-Camp. Mit Sicherheit wird das was Du beobachtest, nämlich
    “ dass Rassismus-, Antisemitismus-, Homophobie- und Sexismus-Debatten in der Linken gar nicht mehr führbar sind“ noch betoniert.
    „so was wie Subjektivität überhaupt erfahren zu können“ ist eine schöne Sache, die für alle gelten sollte. Aber was für eine? Eine zementierte, unveränderbare, unbelehrbare, die sich in der „Hautfarbe“ manifestiert? Den Scheiß geben mir Weiße („woher kommst du, ich meine wirklich“) Migranten („du bist keine Deutsche“) und jetzt auch noch „POC“: Du hast das falsche Bewußtsein, außen colour, innen white“ oder was??

    „Ich spreche und denke so. Das bin ich. Und ich muss beruflich ständig übersetzen, deshalb gönne ich mir in meinem Blog, es bleiben zu lassen.“
    Eben, gutes Beispiel! Da muß ich gleich anmerken, daß Du mit dem locker hingeworfenen „gönnen“ mal eben ganz konkrete Privilegien ausblendest, die Du hast. Durch die Klassismusbrille gesehen bin ich entsetzt von dem elitären Scheiß den du mir da ins Gesicht wirfst, die sich mit großer Mühe durch diese Texte ackert, um überhaupt an der Diskussion TEILHABEN zu können (jetzt mal übertrieben gesagt um das Beispiel zu verdeutlichen). Daß Du da so nonchalant drübergehen kannst? Soll ich Dich jetzt einfach als elitäres unbelehrbares A… abschreiben dem ich meine Wut ins Gesicht kotze und dann nie wieder mit ihm rede? Hier spielen Deine „unreifen Bürgerkids“ mit rein. Da wunderst Du Dich doch auch warum die als solche abgetan werden. Antwort: Weil diese Art der Positionierung so funktioniert. Bezeichne ich dich als dieses/jenes/…, kann ich dich damit erstmal in Grund und Boden stampfen. Brauchst gar nicht weiterfragen, Klassismus ist das Maß aller Dinge und wenn du das nicht verstehst dann brauchen wir einander nicht. So einfach ist das.
    Ne ist es nicht. Danke für die Diskussion!

  103. momorulez September 25, 2012 um 2:41 pm

    @hasan:

    Letzteres finde ich auch absurd. Aber natürlich wird, indem die Erfahrung, durch Betroffensein geformt zu sein und sich dazu verhalten zu müssen, als „bloß subjektiv“, aber ansonsten nicht relevant, das Maul gestopft, tatsächlich. Das habe ich nun wirklich schon oft genug erlebt, wenn Heten ÜBER Schwule reden und sehr allergisch reagieren, wenn die sich nun auch noch selbst, Frechheit, und das las „Tolerierte“, die Expertise in Homophobie-Fragen zusprechen.

    Und das gibt es an der Antira-Front doch genau so. Und mit „heile Welt“ meine ich nicht die der Flüchtlinge, sondern die der „alten Hasen“.

    Zudem hier jetzt bemerkenswerterweise auf überhaupt nichts eingegangen wird, was ich zu dem Text (zum anderen Thread) geschrieben habe, was irgendwie auch wieder typisch ist. Es wird wieder nur verhandelt, wer Rassist ist und wer nicht, dabei sind das doch eh alle.

    Kann man sich nicht mal darauf einigen, dass wir in einer strukturell rassistischen, homophoben und sexistischen Welt leben, alle gleichermaßen durch diese geprägt sind und man diese Strukturen reflektieren muss, um über sie hinaus zu kommen? Ich merke das doch bei jedem schwarzen Busfahrer, wie ich programmiert wurde. Und darum geht es CW: Das zu merken und zu schnallen, wie das auch ansonsten gesellschaftlich läuft. Ich verstehe den ganzen Aufruhr da im Grunde genommen nicht.

  104. momorulez September 25, 2012 um 3:02 pm

    @quertzu:

    „also geht es darum, einfach, endlich mal so scheiße sein zu dürfen wie die anderen?“

    Ich glaube tatsächlich, dass es sozusagen „Übergangsphasen“ gibt, wo der Spieß mal umgedreht werden muss. Ein Teil der leute schnallt dann, worum es geht, ein anderer wird eh nie was lernen.

    Ich verstehe aber ziemlich gut, was Du damit meinst:

    „Das ist doch genau was KritikerInnen, wie mich, so wütend macht: Total unnötige Dichotomien aufmachen und Komplexität, Widersprüchlichkeit und auch menschliche Unzulänglichkeit einfach ausblenden bzw draufhauen. Wer nicht für uns ist, etc.“

    Da hast Du recht. Aber der Text in der „Analyse und Kritik“ ist ja auch nicht ohne. Mein emotionales Engagement verdankt sich wie gesagt zum einen dem, dass ich analoge, recht heftige Debatten hier im Blog gerade hinter mir habe und die sofortige Entsolidarisierung vieler Linker, wenn man nicht bereit ist, nach deren Pfeiffe zu tanzen, mich entsetzt hat. Und ich habe PoC-Freunde, für die genau das auch immer mehr zum zentralen Schlachtfeld wird, die haben mehr Probleme mit den „alten, linken Hasen“ als mit Konservativen. Für den Punkt äußerst Du ja auch viel Verständnis; es macht einen völlig irre, man schreit immer lauter gegen eine Wand an.

    Den Scheiß geben mir Weiße (“woher kommst du, ich meine wirklich”) Migranten (“du bist keine Deutsche”) und jetzt auch noch “POC”: Du hast das falsche Bewußtsein, außen colour, innen white” oder was??

    Was soll ich dazu sagen können? ich kann dann nur die Analogie bilden: Die LSVD-Schwulen, die sich an Hetero-Welten assimilieren, gehen mir schwer auf den Geist. Die andere Debatte kann ich doch gar nicht führen, habe es oben andeutungsweise getan, und das tut mir im Nachhinein leid.

    Eben, gutes Beispiel! Da muß ich gleich anmerken, daß Du mit dem locker hingeworfenen “gönnen” mal eben ganz konkrete Privilegien ausblendest

    Ich blende die nicht aus, derer bin ich mir in der Hinsicht völlig bewusst. Klar das ist ein Privilieg, aus einem Bildungsbürger-Haushalt zu kommen und studiert zu haben. Das kann ich nicht ändern; was ich versuchen kann, ist, es zu nutzen, um Raum auch für andere zu schaffen und im Arbeitsalltag zurück zu treten. Was mir nun auch nicht gelänge, wenn ich mich hier schreibend verstellen und Dich bescheißen würde. Es ist übrigens tatsächlich so, dass häufiger in meinem Leben wegen „Intellektualität“ angefeindet wurde als wegen des Schwulseins 😉 – Privileg ist trotzdem, ja. Kann ich auch nicht anders ändern als erwähnt.

    Durch die Klassismusbrille gesehen bin ich entsetzt von dem elitären Scheiß den du mir da ins Gesicht wirfst, die sich mit großer Mühe durch diese Texte ackert, um überhaupt an der Diskussion TEILHABEN zu können (jetzt mal übertrieben gesagt um das Beispiel zu verdeutlichen). Daß Du da so nonchalant drübergehen kannst? Soll ich Dich jetzt einfach als elitäres unbelehrbares A… abschreiben dem ich meine Wut ins Gesicht kotze und dann nie wieder mit ihm rede? „

    Puuh, damit müsste ich wohl leben, fände ich schade. Ich kann hier jetzt nicht mein Berufsleben ausplaudern, und es ist auch nicht mehr so, dass ich da nun immer anders agieren würde. Es hilft Dir konkret hinsichtlich des Textes auch wenig, dass ich jahrelang für ein sehr breites Publikum agiert habe.

    Das mit dem Ausschluss ist ein Argument. Muss ich drüber nachdenken.

    Ich sehe das eigentlich so, dass ich in meiner Sprache in diesem Blog eben so agiere, wie ich nun mal denke. Ich glaube aber nicht, Leute, die nicht über diese Sprache verfügen, deswegen herab gewürdigt zu haben. Vor denen habe ich eher mehr Respekt als vor den Anderen.

    Eklig werde ich bei Leuten, die Bildungsbürgerlichkeit signalisieren, aber dann in deren Sprachwelten etwas suggerieren, was sie nicht einhalten können.

    Aber, ganz ehrlich: ich würde nicht bloggen, wenn ich mich da verbiegen müsste. Dann würde ich einfach verstummen.

    Ich bin übrigens gleich für ein paar Stunden weg; sorry, wenn ich nicht zeitnah antworte!!!

    Ich

  105. mark793 September 25, 2012 um 3:37 pm

    Ich glaube aber nicht, Leute, die nicht über diese Sprache verfügen, deswegen herab gewürdigt zu haben.

    Als ob die Herabgewürdigten selber das nicht besser beurteilen können. Da wird doch gleich wieder den Opfern mal erklärt, dass da eigentlich gar nichts war und dass die sich nicht so anstellen sollen. Sondern froh und dankbar sein, dass man sich zu ihnen herablässt.

    Für mich als Studienabbrecher ist das ein Tritt in die Eier, sorry. 😉

  106. momorulez September 25, 2012 um 4:15 pm

    Ist das so? White Supremacy stellt ja einen Bezug des Überlegenheitsdünkels her und will Schwarze u.a. über Rassismus aufklären. Habe ich quertzu gerade über Klassismus referiert? Ich wüsste in dem Fall im Rahmen dieses Blogs nicht, was ich da ändern sollte. Wenn ich jetzt anfänge, meine Sprache zu ändern, DANN begäbe ich mich doch in Supremacy-Haltung, oder?

    Ich weiß es wirklich nicht. (Aus dem Stadion gesendet)

  107. qwertzu September 25, 2012 um 4:26 pm

    „Kann man sich nicht mal darauf einigen, dass wir in einer strukturell rassistischen, homophoben und sexistischen Welt leben, alle gleichermaßen durch diese geprägt sind und man diese Strukturen reflektieren muss, um über sie hinaus zu kommen?“
    Darauf habe ich mich schon lange geeinigt! Und die AK auch finde ich, und ganz vielen andere ebenfalls :). Schade daß Du da blöde Entsolidarisierungs-Erfahrungen machst.

    „Puuh, damit müsste ich wohl leben, fände ich schade. (…)“
    Mein Klassismus-Ausbruch, das hätte ich wohl deutlicher markieren müssen, war nur ein Beispiel dafür, wie es eben nicht laufen sollte. Also ich mußte mich nicht „durchackern“, ich habe auch studiert (und trotzdem kann ich mich nicht so ausdrücken).
    Ich habe einfach die Position eingenommen: So *könnte* ich zu Dir sein, wenn Bildungsbenachteiligung für mich der Dreh- und Angelpunkt der Welt wäre. Wenn mir daran gelegen wäre, die Verhältnisse umzudrehen und dich spüren zu lassen, wie sehr wir beide in unseren radikal unterschiedlichen, subjektiven Lebenserfahrungen zementiert sind und egal worübr wir reden, du immer in erster Linie auf deine Identität „der Bildungsprivilegierte“ zurückgeworfen bleibst, und ich auf dein Gegenpart. Und ich dir aus dieser Position heraus einfach den Mund verbiete bzw türenknallend verschwinde (analog: RS macht nächstes Jahr sein eigenes noborder-Camp).
    Von daher war meine Frage, ob ich Dich als elitäres A… usw abschreiben solle (analog „du bist weiß=du bist immer in erster Linie Rassist“), natürlich nur der rhetorische Höhepunkt dieses Beispiels! Ich habe das so übertrieben, damit es rüberkommt.
    Aber es macht vielleicht deutlich, wohin diese Olympiade führen kann. Wer am Ende mehr Punkte hat darf reden, der/die andere muß sich für immer belehren lassen. Auf einmal mußt/willst Du Dich für Deine Veröffentlichungen rechtfertigen, für Deinen Schreibstil, Dein intellektuelles Niveau. Auch ich bin hier und da ordentlich privilegiert. Aber es reicht doch, mit unseren Privilegien verantwortungsvoll und sensibel umzugehen, sie zu reflektieren, und dafür zu sorgen, daß aus Privilegien Selbstverständlichkeiten für alle werden. Wem wäre gedient wenn Du verstummst? Eben, niemandem. Mit Spivak: We have to unlearn our privileges as our loss. Das ist doch schon schlimmt genug. Daher brauchen wir auch keine total-CW, die Redeverbote erteilt und Leuten sagt, wie sie ihre Haare tragen sollen.
    Den Artikel über den Artikel lese ich auch noch, boah was für eine Arbeit hier :).

  108. momorulez September 25, 2012 um 9:50 pm

    @quertzu:

    Danke auch für diesen wirklich enorm hilfreichen Kommentar!

    Ich komme gerade ziemlich angetrunken von einem schrecklichen Fussballspiel und bin drum nicht mehr fit. Da steckt aber seeeehr viel drin, in dem, was Du geschrieben hast, wo ich morgen in Ruhe und nüchtern drauf eingehen möchte. Ich sehe das eine oder andere nicht ganz so, aber verzeiht mir die verzögerte Antwort! Muss gerade noch Wunden lecken 😦 …

  109. qwertzu September 26, 2012 um 7:18 am

    Hey Momo, das ist doch klar, laß es ruhig angehen. Freut mich total daß Du verstehst was ich sagen wollte! Wir bleiben im Gespräch.

  110. momorulez September 26, 2012 um 9:58 am

    So, jetzt aber 😉 …

    So *könnte* ich zu Dir sein, wenn Bildungsbenachteiligung für mich der Dreh- und Angelpunkt der Welt wäre. Wenn mir daran gelegen wäre, die Verhältnisse umzudrehen und dich spüren zu lassen, wie sehr wir beide in unseren radikal unterschiedlichen, subjektiven Lebenserfahrungen zementiert sind und egal worübr wir reden, du immer in erster Linie auf deine Identität “der Bildungsprivilegierte” zurückgeworfen bleibst, und ich auf dein Gegenpart.

    Zum einen, Gott, wie soll ichs sagen – ich fände das völlig in Ordnung. Ich kann meinen Bildungsstatus ebenso wenig ändern, wie der sozialen Kategorie „weiß“ oder „Mann“ zugeordnet zu werden. Ich verstehe aber, dass Leute, die in Geiselhaft -istischer Zuschreibungen leben und erfahren, wütend werden auf die, die privilegiert leben und es gar nicht merken und sich dann noch mit aller „progressivem“ schmücken, obgleich sie jederzeit die Möglichkeit haben, das einfach bleiben zu lassen und sich in Privilegiertenzusammemhänge zurück zu ziehen. Ich denke, das muss man einfach aushalten.

    Ich weiß nur nicht so ganz genau, ob das bei dem Bildungsbrügerdingens so pauschal in Anwendung zu bringen ist und wenn ja, dann wie. Das ist ja häufig hier Thema und kommt zumeist von Doppeldoktoren, Klinikleitungen und sonstwie Studierten. Während im anderen Thread jemand zu lesen ist, der diesen institutionalisierten Bildungshintergrund nicht hat und all die ach so Gebildeten was Wissen und Analysefähigkeit betrifft locker in die Tasche steckt. Von dem kam das zumindest bisher nicht.

    Es gibt bis hin zu den Arbeitsagenturfluren da ein Privileg, auch, was die an der Uni verbrachte Lebenszeit betrifft. Auch in bestimmten beruflichen Zusammenhängen erlebe ich oft als erstes den Akademikercheck.

    Aber ob nun gerade Philosophen, Soziologen und Historiker, letztere ja noch am ehesten, nun sonderlich dominant in dieser Gesellschaft sind, das wage ich dennoch zu bezweifeln. Und nun zu schreiben wie die BILD, da ist ja gar nicht mehr möglich, Probleme in den Begriff zu bekommen. Was seit Ewigkeiten ein Problem der Linken ist – dass sie in Bezügen agiert, die mit den Lebenswelten der Adressaten wenig zu tun hat. Das ist ja auch der Vorwurf an RS. Aber ist deswegen falsch, die theoretische Ebene mit zu bedienen?

    Und die Probleme entstehen doch erst dann, wenn ich selbst als Teil einer dominanten Kultur mir Deutungshoheit über die Erfahrungen Unterworfener anmaße. Wenn ich jemanden ohne den gleichen Bildungshintergrund darüber belehre, wie es ist, von Hartz IV zu leben. Schwarze, was Rassismus sei und was nicht erläutere. Usw. Wenn ich mich vor jemandem aufbaue und verlange, er müsste erst mal „Das Kapital“ gelesen haben, bevor ich mit ihm rede.

    Und da weiß ich jetzt nicht wirklich nicht, ob ich automatisch in so ein Horn stoße, wenn ich so spreche und schreibe, wie ich denke.

    Du merkst, ich bin geneigt, das ernster zu nehmen, als Du es meintest 😉 …

    „Aber es reicht doch, mit unseren Privilegien verantwortungsvoll und sensibel umzugehen, sie zu reflektieren, und dafür zu sorgen, daß aus Privilegien Selbstverständlichkeiten für alle werden.

    Aber exakt das findet doch nicht statt. Die ganze Diskussion auf „Indymedia“ rund um das No Border Camp hat exakt das Gegenteil betrieben. In dem Analyse & Kritik-Text bevormunden Akademiker Nicht-Akademiker. Die PoC, mit denen ich zu tun habe und vehement CW verfechten und zum Teil auch in Deutschland erst bekannt gemacht haben, die haben diese akademischen Weihen nicht. Und Hasans Überheblichkeit den „unreifen Bürgerkids“ gegenüber macht das auch nicht.

  111. qwertzu September 26, 2012 um 11:45 am

    „Und die Probleme entstehen doch erst dann, wenn ich selbst als Teil einer dominanten Kultur mir Deutungshoheit über die Erfahrungen Unterworfener anmaße.“
    Wie ich im anderen Thread gerade schrieb, drehst Du Dir, wenn Du diesen Maßstab so anlegst wie Du ihn anscheinend wirklich meinst, selber den Saft ab. „Einem Schwarzen erklären was Rassismus ist“ darf ich dann natürlich auch nicht, auch wenn ich nicht-weiß bin. Aber: Als deutsche Paßinhaberin einem Duldungsinhaber? Als Studierte einem Analphabeten? Als nicht-Traumatisierte einem Traumatisierten?
    Müssen wir uns erst bis auf die Seele ausziehen um miteinander diskutieren zu dürfen, und ewig dazu gezwungen, mit mehr Gewichten in der Wagschale den anderen zu übertrumpfen? Das ist meine Vorstellung von Hölle.

  112. momorulez September 26, 2012 um 12:00 pm

    Nein, aber da, wo jemand sich zeigen WILL, ihn nicht dominieren. Das ist doch nicht die Hölle.

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