Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Total egal?

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, heißt es … wieso nur kam mir das Spiel in Aue gar nicht wie ein Neuanfang vor? Trotz neuer Spieler?

Ok, es war nur der Videobeamer, es war das Bier, lecker, immerhin, und vielleicht auch die falschen Erwartungen. Aber mir schien das Spiel gegen Aue wie bleierne Schwere im Hemmschuh. Vielleicht ja auch nur der Effekt von Blasenbildung, weil die Schuhe noch nicht richtig eingelaufen sind. Vielleicht schwere Beine, noch von der Vorbereitung gequält. Und zudem ein Spiel in einem Stadion, in dem in der letzten Saison die Relegation vergeigt wurde. Weil trotz drückender Überlegenheit die Boys in Brown damals sich noch überlaufen ließen – aber wenigstens war das Spiel in der letzten Rückrunde keines, angesichts dessen ich mich einfach nur langweilte. Da habe ich mich wenigstens geärgert. Ja, ich verfickter Eventfan, der nur Stimmung konsumieren will, blablabla – aber wenn ich Spielweisen als reglementiert empfinde, sehne ich mich automatisch nach Freiheit.

Die vom Magischen FC merken zu recht an:

Nun ja, so wirklich optimistisch stimmt einen dieses Spiel nicht. Zu blutleer erschien die Vorstellung.

Mir scheint auch, dass da ein schwerwiegender, konzeptioneller Fehler vorliegt: Ein Thy, der einfach mal abzieht, ist definitiv ein Gewinn, und auch Ebbers hatte ja gute Chancen. Trotz wie immer spektakulärer als bei den Anderen aussehender Fehler machte Bruns das ja sehr gut; aber er scheint der einzige mit kreativen Ideen im ganzen Team zu sein. Als er dann raus war, lief gar nichts mehr. Als würde die Vision des Trainers nicht durchdringen, als hätte er als erfahrener Spieler das dann zu kompensieren. Und als würden im offensiven Mittelfeld mindestens zwei Spieler fehlen.

Und über allem lag diese bleierne Schwere der Beliebigkeit, die mir die meisten Spiele in der Schubert-Ära niederzudrücken scheint. Kann sich ja noch ändern.

Ausnahmen wie die beiden gegen 1860 – spektakuläres Hinspiel und tatsächlich strategische Meisterleistung im Rückspiel – oder jenes finale Match gegen Paderborn gab es, aber zumeist wird wie mit angezogener Handbremse gegen den Ball getreten. Ja, entfesselter Hurra-Fussball auf fremden Plätzen ist auch nicht immer richtig – aber wieso wirkt das alles so egal, dass selbst mir beim Zugucken es auf einmal fast schon egal wurde, ob noch ein Tor fällt oder nicht?

Der FC St. Pauli, ich glaube ja Fussball im Allgemeinen, lebt doch aus der Emotion und nicht aus dem Kalkül. Und gerade angesichts allgegenwärtigen kommerziellen Kalküls, politischen Kalküls, Kalküls von Sicherheitskräften undundund, was einprasselt auf alle, die zum Fussball gehen, angesichts allumfassenden Kontrollwahns und totalisierter Zweckrationalität in dieser Gesellschaft wünscht man sich doch ein wenig expressive Opposition auch auf dem Platz.

Wieso nur werde ich dieses Gefühl nicht los, dass der Trainer mit seinem Plan, aber nicht den Persönlichkeiten auf dem Platz arbeitet? Ist das der Grund, dass ein Bauchmensch wie Deniz Naki da nicht mehr aufläuft?

Mir gefiel das ganz und gar nicht. Da fehlten Wucht und Wille, so schien es mir zumindest als Fernzuschauer. Ich lasse mich für die Zukunft aber auch gerne eines Besseren belehren!

Vielleicht ist das beim nächsten Heimspiel ja schon anders – aber das war ja fast die Analogie zu einer Diskussion, in der man wechselseitig versucht, sich zu überzeugen, welches Team das bessere ist, so ganz unaufgeregt, anstatt sich zuzugestehen, sich wechselseitig so lange anzubrüllen, bis es fast schon Spaß macht. Auch für Wut, Frust und Leidenschaft sollte Fussball halt einen Raum erzeugen, den die Gesellschaft ansonsten nirgends bietet, weil immer irgendein Mächtigerer kommt und meint, man solle doch bitte „sachlich“ bleiben .

Eros statt Ratio hätte ich gerne! Den Liebestrieb zum Toreschießen! Damit ich nicht irgendwann aus Langeweile einfach weg bleiben muss, in Liebe zum FC St. Pauli weiterhin entflammt, abwartend, bis da wieder anderer Fussball gespielt wird … so, wie Hauptribünennachbarn von mir es ja auch schon machen, die setzen eine Saison aus.

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4 Antworten zu “Total egal?

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