Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Mal eine Frage, ein „Markt-Check“ – bestünde an so was Interesse in der FC St. Pauli-Community (und darüber hinaus)?

ROAR!!! – Geschichten vom Millerntor

Eine dystopisch-utopische eBook-Soap – vielleicht demnächst im Kindle-Shop erhältlich?

 

DAS SZENARIO

 

Hamburg 2020. Wir leben nach dem „großen Schnitt“, jener Zäsur 2015, da die nur noch formal existierende Demokratie auch offiziell abgeschafft wurde. Von einem Tag auf den anderen wurde verordnet, dass alle zu diesem Zeitpunkt gewählten Regierungen für die nächsten 25 Jahre im Amt bleiben. Punkt. Für die Bevölkerungen ist zunächst gar kein Unterschied spürbar.

Die Regierungen sind weisungsgebunden an ein Konglomerat aus EU-Kommission, Finanzmarktsakteuren, Rating-Agenturen und christlichen Kirchen, kurz; DIE KOMMISSION – ohne Glaubens-Kitt nix los im Westen. Sämtliche große Medien sind gleich geschaltet und berichten vor allem über Promi-Klatsch und wahre Liebe, natürlich die zwischen Mann und Frau. Im Internet freilich zeigt sich unkontrollierbarer Wildwuchs.

Denn die gewünschte Gleichschaltung funktioniert nicht wirklich. Sämtliche Sicherheitsorgane haben ein Eigenleben entfaltet, Armee, Geheimdienste wie auch die Polizei, und bedrohen die Vertreter offizieller Macht ebenso wie Teile der Bevölkerung. Private Sicherheitsfirmen regieren ganze Bezirke und schützen die Trutzburgen der Reichen. Manche Bereiche europäischer Länder und Städte werden von Neonazi-Gruppen kontrolliert, in anderen sind Outlaws jeglicher Form und politischen Orientierung an die Herrschaft gelangt – Anarchosyndikalisten ebenso wie K-Gruppen, Ableger der Pius-Brüder direkt neben sich selbst ermächtigenden Behörden und Amtsgerichten, und ergänzend allerlei mafiöse Strukturen, die intern für ihre Mitglieder sorgen, extern durch Drohungen und Schutzgeld ihre Macht absichern. Christliche Milizen marodieren durch die Städte und machen Jagd auf Muslime und Schwule, stürmen die Praxen von Ärzten, die Abtreibungen durchführen und prügeln Frauen an den Herd. Deren Militanz betrachten auch viele Christen mit Schaudern; sie beginnen zunehmend, die Urchristen aus „Quo Vadis“ zu imitieren, bilden Communities in Katakomben und ziehen friedlich singend durch die Straßen, was regelmäßig zu Zusammenstößen mit privaten Sicherheitsdiensten führt, nähern sie sich den abgeschotteten Quartieren der Reichen. Denn nicht nur die sind von der Lautstärke, der schlechten Musik und Märtyrergehabe genervt.

Seitdem der Euro zusammengebrochen ist, existieren verschiedene Währungen parallel – in Schwarzmarkt-Zonen wie auf dem Hein Köllisch-Platz hat sich sogar wieder die Zigarettenwährung etabliert.

Die Anderswelt kann all das nicht mehr mit ansehen. Zunehmend lösen sich die Grenzen zwischen realer und „Geister“-Welt auf. Der Gott Pan wurde auf der Reeperbahn gesichtet, und der Heilige Geist unter dem gleichnamigen Feld bekommt manchmal Wutanfälle und nebelt die Hamburger Innenstadt ein. Der Volkspark wird von Werwölfen beherrscht, die die gleichnamige Schrift von Herrmann Löns zu ihrer Bibel erkoren haben – manchmal fallen sie in die Städte ein und sorgen für nackten Horror. Insbesondere dann, wenn sie „Junggesellenabschiede“ feiern. Immer bei Vollmond. Immer blutig. Immer bunt und feuchtfröhlich und einen flotten Schlager auf den Lippen. Kurz „Aniiiiiiiita“ gegröhlt und dann zugebissen.

Mitten in der zusammengebrochenen, sozialdemokratischen Moderne haben sich Formen etablierter Kulturen tradiert. Im Rheinland Karnevals-, in Niedersachsen Schützenvereine, in Bayern Volkstanzgruppen.

Und auch der Fussball strahlt in konservativer Pracht: Durch geschickte Bündnispolitik haben DFB und DFL ihre Macht bewahrt und  feiern Riten aus vergangenen Zeiten. Nur haben sie sich umbenannt in Glanz.org. und Gloria.net, also die Glanz-Organisation und das Gloria-Netzwerk – um dem Internet-Zeitalter gerecht zu werden. Die tatsächlichen Domain-Inhaber wurden aus Gründen des Eigentumsschutzes kurzerhand standrechtlich erschossen, schließlich halten sich auch die Glanz-Organisation und das Gloria-Netzwerk private Sicherheitsarmeen. Die Glanz-Organisations-Gerichtsbarkeit ist zudem von DER KOMMISSION mit exekutiver Gewalt ausgestattet  worden und hat Arbeitslager für „Störer“ und „Gewaltäter“ eingerichtet, wo sie gemeinsam mit „Asylanten“, „Asozialen“ und sonstwie Devianten schuften – die Großindustrie freut’s, der Deal ist profitabel für beide Seiten.

Und doch gruppieren sich um mache Vereine als Restbestände vergangener, demokratischer Ordnungen auch utopische Inseln des Freigeistes – natürlich so, dass die diversen Herrschenden es nicht merken. So spielt auch der FC St. Pauli weiterhin offiziell mit, statt Vereinslied muss jedoch, der Glanz-Organisation und dem Gloria-Netzwerk zufolge, das Vaterunser gebetet und „Lobe den Herren“ gesungen werden, womit zugleich der Glanz-Organsiations-Papst gemeint ist. Danach wird die Hymne „Der DFB ist gut und gerecht“ angestimmt, die unfreiwillig ein St. Pauli-Blogger initiierte.

Doch dann beginnt das Spiel, und dank der Leidenschaft, dem Kampfgeist und der Sexyness entfesselter Fussballer entsteht eine Gegenwelt der Utopie: Der ROAR!

 

DIE GESCHICHTEN

Aus dieser Community rekrutieren sich die Figuren der eBook-Soap  „ROAR – Geschichten vom Millerntor.“ Riot-Girls, Ultras, queere Kämpfer für das Gute und Neugründungen von Black Panther-Ablegern – WGs in sich gegen Gentrifzierung verschanzenden Häusern an der Seilerstraße, Veteranen mit Hafenstraßenkampferfahrung (mittlerweile wehrhaft zwischen 60 und 70 Jahre alt), die es ja schon immer gewusst haben, griechische Traditionskneipiers. Die Figuren müssten halt noch entwickelt werden.

99 Cent das Büchlein, eine Art Groschenroman in eBook-Form. Formales Vorbild wären die „Stadtgeschichten“ von Aminstead Maupin. Erscheinungsform unregelmäßig.

Es wären Fortsetzungsgeschichten mit Cliffhanger … Geschichten von Liebe und Wahnsinn, Macht und Ohnmacht, Abenteuer und Absurdität, Gefangenenbefreiungen und Leben in der Stadt der Zukunft – Geschichten rund Fussball zwischen Utopie und Dystopie. Ohne literarischen Anspruch; hier und da ein wenig Philosophie würde sich nicht vermeiden lassen.

Gäbe es Interesse an so etwas?

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18 Antworten zu “Mal eine Frage, ein „Markt-Check“ – bestünde an so was Interesse in der FC St. Pauli-Community (und darüber hinaus)?

  1. Gabi Juli 30, 2012 um 11:36 am

    ja, würde mir gefallen

  2. momorulez Juli 30, 2012 um 11:44 am

    Super! Das ist halt aufwändiger als Bloggen, dafür müsste ich meine sonstige „Lohnarbeit“ (isses ja faktisch immer noch) reduzieren, deshalb frage ich mal vorher in die Runde 😉 …

  3. ring2 Juli 30, 2012 um 11:49 am

    ich kaufe zwei Abos

  4. momorulez Juli 30, 2012 um 11:56 am

    Prima! Magst Du das bei Stpauli.nu mal fragen? ist ja nur eine Grundidee, aber das Setting böte den Raum, auch Aktualitäten aufzugreifen und trotzdem einfach drauflos zu fantasieren …

  5. momorulez Juli 30, 2012 um 1:52 pm

    Prima!!!

    Ich lege dann mal los 😀 …

  6. DRMfrei Juli 30, 2012 um 1:55 pm

    die idee find ich auch hochinteressant, aber geht aber auch ein offenes format wie epub? ohne drm? und vlt. eine etwas offenere plattform wie z.b. http://www.beam-ebooks.de?

  7. momorulez Juli 30, 2012 um 2:14 pm

    Das könnte ich alles noch prüfen, ich habe mich da bisher tatsächlich vor allem mit Amazon als Plattform beschäftigt. Weil bei allem, was man auch da meckern und kritisieren kann, das schon auch eine Revolution ist, was Veröffentlichungsmöglichkeiten betrifft, eine sehr nachhaltige sogar.

    Und es wäre zudem etwas, was so viel Aufwand bedeuten würde, dass ich dafür andere Arbeit, mit der ich Geld verdiene, reduzieren würde.

    Was nun weiß Gott keine generelle Debatte über all die Fragen, die da dran hängen, nach sich ziehen soll. Oder von mir aus auch das: Ich finde bei der Amazon-Variante interessant, dass da wenigstens nur ein Major relativ wenig abbeißt. Nach allem, was so geraunt wird, sollte man vom Appstore lieber die Finger lassen wegen vertraglicher Bedingungen. Die anderen Plattformen müsste ich mir noch anschauen.

    Bei den großen Verlagen, die ja die sind, die diese ganzen unappetitlichen Urheberrechtsverschärfungen voran treiben, aber eben selten im Sinne von Autoren agieren bzw. wenn, dann im Sinne derer, die eh schon erfolgreich sind, ist die Sachlage noch viel schwieriger, glaube ich.

    Das ist ja die die große Diskussionslage, auf die Du anspielst, und da ist in meinen anderen Leben auch mein Problem, dass all das, wo ich Urheberrechte generiere, in vertraglichen Konstellationen statt findet, die es annähernd aushebeln und zudem die Gestaltungsfreiheit sehr einschränken – und ich Autoren gegenüber ebenso vorgehen muss, weil meine Kunden das vertraglich verlangen. Ich aber von kreativer Arbeit meine Miete bezahlen muss.

    Damit will ich rechtfertigen, dass ich es zumindest auch verkaufen, also auch Geld dafür nehmen würde – anders als bei Fanzines, wo ja eher die Produktionskosten gedeckt werden. Z.B. ausgiebige ehrenamtliche Arbeit könnte ich mir schlicht nicht leisten. Ich lebe von dem Output, den ich ansonsten mit anderen hervor bringe, mehr oder minder rund um die Uhr – ich kann auch gar nichts anderes 😀 – in diesem Falle dann ggf. mal solo. Wenn es den Leuten das wert wäre, wäre das ja schön.

  8. Markus (@lemmster) Juli 30, 2012 um 3:11 pm

    +1 für eine DRM-freie Variante.

    Ohne die anvisierte Zielgruppe definiert oder genau analysiert zu habe, sollte sie sich bei dieser Art von „Content“/Inhalt m.E. mehrheitlich aus den „Zahlungswilligen“ zusammen setzen. Ein ähnliches Verhalten lässt sich zumindest bei verschiedenen (Indie-) Podcast-Produktionen beobachten.
    Weiterhin solltest du dir über den durch DRM verursachten Ausschluss einiger Leser im Klaren sein, die aus finanziellen oder ideellen Gründen keine passende Technik besitzen.

  9. andrepascal Juli 30, 2012 um 3:23 pm

    JO! Ich mag dat! Hat n bisschen wat von nem Endzeitszenario. Gerne mehr Momo…

  10. momorulez Juli 30, 2012 um 4:25 pm

    @Markus:

    Ich checke das wirklich alles noch mal gegen, ich bin da echt noch nicht firm genug. Ich will halt nicht selber dann aus finanziellen und ideellen Gründen in die Insolvenz gehen 😀 – aber diese Argumente sind mir klar und sehr bewusst! Ich freue mich ja aktuell schon über das Interesse und dass es so was wie einen Bedarf zu geben scheint – weil es ja Comics, Musik, diverse journalistische, Fanzine- und Blog-Angebote gibt, aber Fiction rund um unseren Verein ist ja noch rar gesät.

    @andrepascal:

    Das freut mich! Ich bleib jetzt auch am Ball, definitiv, und freue mich über die Resonanz!

  11. MartinM August 1, 2012 um 7:08 am

    Da es mit den Fans der Genres „Cyberpunk“ und „Urban Fantasy“ (auch wenn der Inhalt von „ROAR!!!“ selbstverständlich keine „Fantasy“ sein dürfte, aber wer düstere Fiction mag, dürfte auch „ROAR!!!“ mögen) eine weitere Zielgruppe außer den „St. Pauli-Affinen“ gibt, halte ich die „Marktchancen“ für gar nicht einmal so schlecht.

  12. momorulez August 1, 2012 um 8:44 am

    Ah, prima! Es formt sich auch was, und Fantasy halte ich mir explizit offen – ich finde bei Stephen King immer dieses Einbrechen des Fantastischen in die reale Welt so faszinierend, so was würde ich auch probieren. Passt auch zum „Magischen FC“ 🙂 …

  13. momorulez August 3, 2012 um 3:52 pm

    😉 – ich habe sogar schon angefangen! Werde diesen zwar wieder verwerfen, aber er wies mir sozusagen den Weg zum nächsten Schritt – macht richtig Spaß!

  14. c.k. August 4, 2012 um 7:08 am

    Ja! Und gerne auch mit Bezahlung. 99 ct sind ja schon fast kein Preis, eher eine Geste, vor allem wenn kein Verlag dazwischen ist.

  15. momorulez August 4, 2012 um 9:17 am

    Das gibt bei dem Amazon-Deal 50% für den Autor. Verkauft man es teurer, sind es 70%, glaube ich.

    Was ich mir vorstelle und woran ich sitze, wäre ja eine Art „Groschenroman“-Format, so zwischen 50 und 70 Taschenbuchseiten. Und dann halt regelmäßig neue Folgen, wie bei den „Stadtgeschichten“. Da sind 99 Cent , glaube ich, ganz angemessen.

    Sitze parallel an einem 300-Seiten Thriller, ganz unabhängig vom FC St. Pauli, spielt in der niedersächsischen Tiefebene :D, den würde ich auch für 2,99 hoch laden.

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