Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die Produktion des Defizitären – Normalisierungszweck erfüllt

„“Dass ich nicht ganz normal bin, habe ich zum ersten Mal in der siebten Klasse vermutet, als ich den achten Verweis innerhalb von drei Monaten kassierte. Jetzt habe ich es schwarz auf weiß: Meine Persönlichkeit ist im Arsch. Fast alle meine Eigenschaften sind im „nicht annehmbaren Zustand“. Sonja starrt mich an. „So kann es doch nicht weitergehen. Du bist orientierungslos, unsicher und du verschwendest deine Energie. Du lebst nicht effizient.““

Das Urteilen.

Die Rationalität, die der Verwertungslogik folgt und nicht der Emphatie, der Offenheit, der Akzeptanz.

Max Weber setzte kurioserweise die Wertrationalität der Zweckrationalität entgegen mit dem Argument, dass Selbstzweckhaftigkeit irrational sei, es irgendetwas geben müsse, woran sie sich orientiere, wolle sie vernünftig bleiben, die Rationalität. Horkheimer und Adorno geißelten wortgewaltig die instrumentelle Vernunft; Adornos Werk im Zeitraum der „Negativen Dialektik“ wie auch der „Ästhetischen Theorie“ lässt sich auch dahingehend lesen, dass er Praxen, die sich in Modi wie jenem der Mimesis als Versuche etablierte, dialektische Denkbewegungen als dynamisierte Formen der Vernunft zu vollziehen. Solche, die sich dem identifizierenden Denken, das so oft die Verurteilung gleich mit vollbringt, entziehen.

Liest sich schrecklich abstrakt, ist aber wichtig – auch das Gesamtwerk von Jürgen Habermas kann man als Unterfangen lesen, dem strategischen Vernunftgebrauch, der Menschen nur unterwerfen und benutzen will, das verständigungsorientierte Argumentieren entgegen zu stellen. Meiner Ansicht nach ist ihm das in der „Theorie des Kommunikativen Handelns“ passagenweise und in Grundgedanken gelungen, später nicht mehr.

Warum das wichtig ist? Weil Praktiken wie jene der Scientology – ich kann da nur auf die Recherchen anderer verweisen wie eben jenes Stern-Autoren und bin da wirklich kein Experte, beziehe mich somit auf dessen Text und nicht auf diese Organisation – ja nichts wären, was nur in Sekten und anderen Kirchen praktiziert würde. Die zeitweise etablierte Therapeutokratie mit Mitteln der Psychoanalyse

setzte ja auch so an: Erkunde das Defizit des Gegenübers und gehe über zur Reparatur.

Zwinge ihn zur Taufe, mache PISA-Studien und Eignungstests an Universitäten, um die Defizitären zu normieren.

Das ist auch gar nicht so schwierig, an sich ganz verständliche Verhaltensweisen zu pathologisieren zum Beispiel, um Individuen einzureden, sie seien ungenügend, unvollständig, unfähig; das hält die Gesellschaft ganz und gar praktisch zusammen. Weil so Normalisierungen, die oft auch als Vollzug des „Natürlichen“ behauptet werden, durchgesetzt werden können.

Ob „Aufmerksamkeitsdefizitssyndrom“ oder zu dick: Unzählige gesellschaftliche Prozesse sind darauf ausgerichtet, Effekte zu erzielen wie die geschilderten Test-Tricks. „Oh Schreck, ich bin orientierungslos!“ Als wäre das nicht weiter ungewöhnlich angesichts gesellschaftlicher Realitäten, im Rahmen derer man das Gefühl hat, geradezu notwendig bei irgendwelchen Schweinereien mitzumischen, wenn man mit macht. Da reicht es doch schon, ein Konto zu eröffnen.

Christliche Kirchen wussten das immer schon. Sie, die einst mittels Erbsünde und Schuld, Schuld, Schuld!, neuerdings mit Naturalisierungen und den Behauptungen „halbierter Vernunft“, die sie sich zum Teil auch noch bei der Kritischen Theorie zusammen geklaut haben, Gehirnwäsche bei ihren Schäfchen betrieben haben. Sie folgten ganz dem SM-Motto „Wer den Orgasmus des Sklaven beherrscht, beherrscht den Sklaven, also verbiete ihm Onanie!“ Das ist einfach eine Form von „Chastity“, wie das in Sadomasokreisen heißt, und z.B. ein Herr Kellogs, war er Pfingstler?, der mit den Cornflakes, war in dieser Frage ganz besonders kreativ. Ich meine, er hätte da ziemlich schmerzhafte Apparaturen erfunden, um dergleichen zu unterbinden.

Insofern fragte man sich ja schon manchmal, wieso die Scientology eigentlich als Sekte gilt, christliche Kirchen aber nicht.

Einer, der im Sinne letzterer schon lange agitiert, ist Robert Spaemann. Der fantasiert sich heute in der FAZ eine Idealgeschichte des Christentums als friedlich zusammen – und da der Herr, ja, ich habe Respekt vor seinem hohen Alter und seiner profunden, philosophischen Bildung, ja gerne mit Beispielen wie jenem des Kannibalen von Rothenburg oder an Lust implementierende Drähte auf OP-Tischen angeschlossene Gehirne hantiert, würde er auch kein Argument gegen „korrektive Vergewaltigung“ von Lesben in afrikanischen Staaten (und anderswo) anführen können, vermute ich.

Weil er wahlweise lügt oder aber etwas nicht mit bekommen hat:

„Christsein schließt die prinzipielle Bereitschaft ein, das Bekenntnis zu Gott und zu Jesus mit dem Tod zu bezahlen – allerdings mit dem eigenen Tod, nicht mit dem eines anderen.“

Ich weiß, der Herr ist Katholik, kein Evangelikaler – die Mega-Institution Katholische Kirche ist freilich auch nie dadurch aufgefallen, auch in jüngster Zeit nicht, gegen strafrechtliche Sanktion im Falle so called „homosexueller Praktiken“ etwas zu haben. Und es ist vielen Ländern, christlich begründet, schlicht die Todesstrafe, die gefordert und meines Wissens auch vollzogen wird. Und darüber hinaus:

„Jede einzelne von ihnen (christliche Organsiationen, MR) «rahmt ihre Agenda als authentisch afrikanisch in der Bemühung, Menschenrechtsanwälte als Gestalt eines neuen Kolonialismus zu brandmarken, der es darauf abgesehen hätte, kulturelle Traditionen und Werte zu zerstören», heißt es in dem Bericht. In den vergangenen fünf Jahren, so der Report weiter, haben alle «mit Anstrengungen begonnen oder sie ausgeweitet, welche dem Ziel gewidmet sind, ihre rechte christliche Weltsicht weltweit zu verbreiten. Ein loses Netwerk von rechten charismatischen Christen, genannt die Transformationsbewegung, reiht sich ein in den Versuch, die Flamen eines Kulturkriegs über Homosexualität und Abtreibung zu entfachen, indem sie prominenten afrikanischen Aktivisten und politischen Führern den Rücken stärken.»“

In der Hinsicht ist auch Herr Spaemann nicht ohne, dessen Autobiographie in allen Feuilletons jüngst wortgewaltig bejubelt wurde:

„Unter meinen guten Freunden sind mehrere Homosexuelle. Mit denen bin ich darin einig, dass die Abwesenheit der Anziehungskraft des anderen Geschlechts ein anthropologisches Manko ist.

WELT ONLINE: Wieso?

Spaemann: Weil auf dieser Anziehungskraft die Fortexistenz der menschlichen Gattung beruht. Darum kann man nicht sagen, die Abwesenheit dieser Anziehungskraft sei so normal wie die Existenz dieser Anziehungskraft. Auf dem einen beruht die Fortexistenz der Gattung und auf dem anderen eben nicht. Da fehlt etwas. Das muss jemand doch sogar, wenn es falsch wäre, sagen dürfen, ohne dass ihm Homosexuellenhass angehängt wird. Das ist geradezu lächerlich, wenn ich an meine homosexuellen Freunde denke.“

Na, die armen Freunde, würde ich mal sagen, die sich freiwillig an solch ein Denken hängen wie an einen Galgen.

Und klar, ganz wie bei dem Scientology-Test wird auf das „Manquo“, das Defizit, abgehoben – die übliche Manipulationsmasche.

So funktionierten auch Rassismen: Den Wilden fehlt es halt an Glauben, Denkfähigkeit und Zivilisiertheit, drum müssen wir sie in Ketten legen. Die Juden sind halt nicht getauft, nicht „kulturschöpferisch tätig“, können nur „zersetzen“ und sind deshalb „parasitär“.

Auch Frauenfeindlichkeit, historisch, ließ sich so begründen: Die sind halt nicht so vernünftig und entschlossen und sollten sich, dem Gattungszwecke folgend, auch lieber um die Kinder kümmern, und ’nen Schwanz haben sie auch nicht, also fehlt ihnen was. Bei Freud tauchte das dann als Theorem vom „Penisneid“ auf. Und war’s Nietzsche, auf den sich Spaemann so gerne beruft, überraschenderweise oder auch nicht, der sagte, „wenn Du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht?“

Eher anekdotisch interessant bei diesem Denken, dem ein Andreas Breivik problemlos zustimmen könnte, sind Phrasen wie die folgende:

„Generell ist die Meinungsfreiheit jetzt schon auf katastrophale Weise eingeschränkt im Vergleich zu den 50er Jahren. Wir lebten damals in einem viel freieren Land.“

Stimmt, damals konnte sogar noch das Verfassungsgericht so called „Homosexuelle“ öffentlich beschimpfen und irgendwas erfinden, wieso die dem „Volkskörper“, das ist ein Derivat von „Gattung“, doch so schädlich seien – Herr Spaemann polemisiert nicht umsonst gerne gegen den Topos von Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung; Andere redend ab- und entwerten ist sein Begriff von Freiheit wie bei allen anderen alten und neuen Rechten auch. Er möge ja sein Alter genießen, ich will ihm nichts persönlich, das sind einfach die üblichen Argumentationsfiguren, die er anwendet.

Und ich finde solche Sätze empörend angesichts dessen, dass in den 50ern „Homosexualität“ noch mittels Nazi-Paragraph verboten war, angesichts dessen, dass die christlichen Kirchen an ihrem Antisemitismus fest hielten, und angesichts dessen, dass selbst bei der Entschädigungsfrage von KZ-Opfern die Priorität von „Vertriebenen“ und Bombenofpern gefordert wurde. Dass punktuell, zum Beispiel in Düsseldorf, auch Katholiken verfolgt wurden, das weiß ich; ein Gegenbild zum Faschismus bildet der Katholizismus nicht, wie so oft, auch von Spaemann, behauptet wird. Er kann seinen Antimodernismus wenn, dann am frühen Mussolini und dessen Modernitätsrhetorik fest machen, an Franco schon nicht mehr. Und ästhetisch war der Nationalsozialismus dezidiert antimodern, zum Beispiel.

Es ist insofern auch wieder typisch, dass der folgende, ja völlig richtige Gedanke:

„Denn der reinen Demokratie wohnt ja immer der Hang inne, dass eine Mehrheit die Minderheit drangsaliert. In der Demokratie zählt der Mehrheitswille des Volkes – und wenn die Mehrheit des Volkes rabiat ist und sich durchsetzen will, dann kann sie das machen. Das Mehrheitsprinzip kann also durchaus auch zu Terror und Tyrannei führen.“

auf seine eigenen Überlegungen bei Fragen hinsichtlich dessen, ob nun „Blasphemie“ unter Strafe gestellt gehört oder ob Lesben und Schwule defizitär wären, nicht bezogen wird.

Die ja der Mehrheitsgesellschaft Lesben und Schwule auch nur dann oft akzeptabel erscheinen, wenn sie nachleben, was Heten ihnen vormachen.

Deshalb habe ich mit der Institution „Homo-Ehe“ immer schon meine Probleme gehabt, weil diese in emanzipatorischer Hinsicht ja in Ordnung ist, aber natürlich das „Defizitäre“ dieser Konstruktion fortwährend heraus gestellt wird, jüngst wieder vom deutschen Bundestag, und es eben eine Assimilation an bürgerlich-christlich-heterosexuelle Lebensweisen darstellt, somit der utopische Gehalt der Devianz gezähmt wird.

Das ist ja auch so ein Kuriosum der Katholiken, dass einerseits das „Sakrament der Ehe“ so gefeiert, der Priester aber nicht heiraten darf. Ja, ich weiß, angeblich, damit er sich ganz der heiligen Dreifaltigkeit, den Marienstatuetten und all den anderen Heiligen dieses vermeintlichen Monotheismus hingeben kann.

Dass ich das kanonisierte Christentum selbst für eine Art Blasphemie halte, brauche ich ja nicht immer wieder betonen; interessant ist dennoch, wie gerade nach dem Zeitalter der Aufklärung, im Zuge der Etablierung der bürgerlichen Gesellschaft, eher fixere Normierungen als Formen säkularisierten Christentums sich durchsetzten.

Michel Foucault hat in „Sexualität und Wahrheit 1: Der Wille zum Wissen“ herrlich pointiert ausgeführt, wie alle von der Fortpflanzung abweichenden Weisen, Sexualität zu leben, psychiatrisiert wurden, der „Homosexuelle“, die „hysterische Frau“, das onanierende Kind, man denke an Kellogs – ganz wie im Christentum, da heißt das halt „Sünde“. Die therapeutokratischen Rituale zum Beispiel im Falle der Psychoanalyse verbuchte er unter Fortsetzung der Beichtpraxis.

Und das alles natürlich auch, um die Reproduktionserfordernisse im Zuge der Industrialisierung zu gewährleisten und gleichzeitig „Unterschichten“ zu verbürgerlichen.

Der Funktionswandel des Christentums im Zuge der Etablierung des Kapitalismus, seine säkularisierten Formen wie auch das Ergänzungsverhältnis von Evangelikalen und Turbokapitalismus in den USA zeigt einfach, dass beides zusammen gehört und diese modischen Formen der christlichen Kapitalismuskritik nicht nur wegen der Vatikanbank verlogen sind. Das Christentum ist der Kitt des Kapitalismus, ob nun in sakraler oder säkularisierter Form.

Das alles hallt noch heute bei den Diskussionen um die „Hartz IV-Mütter“, die „Welfare Queens“, aber auch die Aufforderung an „erfolgreiche“ Frauen, sie mögen gebären, nach. Was nun gerade so gar nix gegen Mutterschaft, sehr viel aber über deren Instrumentalisierung dieser in ganz anderen Kontexten aussagen soll.

Denn klar: ‚Ne Frau braucht nicht nur die Peitsche, sondern auch einen Kerl, sonst ist sie irgendwie unvollständig.

Von frühesten Kindesbeinen an wird Frauen die Beziehungsarbeit und die Sorge um den Emotionshaushalt nahe gelegt – was noch in jeder TV-Schminzette nacherzählt wird: Frau definiert sich über die Beziehung zu einem Mann. DEN Druck immerhin muss man als Schwuler nicht nachleben, männliches Privileg. Da gibt es eher die antrainierte Neigung, mit dem Partner zu konkurrieren, wie Mann das unter Männern so macht.

Und wie kriegt man allesamt dazu, bei dem Spiel mitzuspielen? Klar – durch die Behauptung des Defizits. Wie immer schon. „Nicht beziehungsfähig“ sind so Slogans, die ich noch kenne, es wird neue geben, und das Institut für separatistischen Ausschlussfeminismus bringt es auf den Punkt:

„Aus den Normen, die meistens mit RZB einhergehen, ergeben sich gleichzeitig diese „Mängel“ als real erlebte Erfahrungen für viele Personen ohne Beziehung, da bestimmte Lebenssituationen, bestimmtes unterstützendes Verhalten untereinander, zusammen sein, sich nahe sein, füreinander da sein in Verbundenheit mit körperlicher Nähe (die nicht sexualisiert sein muss) oftmals nur mit RZB in Verbindung gebracht werden, oftmals nur in diesen erlebt werden. 
Ergo: keine Beziehung = fehlende Nähe = Druck, wieder eine Beziehung zu finden.

Dieser Druck wird wesentlich erhöht, wenn Personen in Beziehungen sich in öffentlichen Räumen als solche inszenieren. Der scheinbare Mangel wird deutlich vor Augen geführt und gesellschaftliche Beziehungsnormen ständig reproduziert.

Nur in einer RZB bist du ein vollständiger Mensch.“

;

Da funktioniert die Gesamt- und Mehrheitsgesellschaft wie ganztägig Scientology-Tests: Alle dazu drängen, sich permanent ihrer Unvollständigkeit, ihres Defizits bewusst zu sein und dann doch bitte den Reparaturbetrieben sich unterwerfen – die Normalisierten, gewissermaßen die höheren Grade im verallgemeinerten Sektengeschehen, sorgen schon dafür, indem sie Anerkennungsmuster, die zugleich Exklusion befördern, allgegenwärtig inszenieren.

Was hilft? Vielleicht wirklich am besten alleine auf dem Sofa Adorno lesen. Das kann nämlich Spaß machen!

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154 Antworten zu “Die Produktion des Defizitären – Normalisierungszweck erfüllt

  1. Muriel Juli 27, 2012 um 1:41 pm

    Während ich insbesondere am Anfang und zum Schluss starken Widerwillen verspüre (Von so professionellen Philosophen halte ich nicht viel und habe ich bisher trotz aufrichtigem Bemühen auch nichts Lesenswertes entdecken können.), bin ich insgesamt sehr nachdrücklich einverstanden.

  2. momorulez Juli 27, 2012 um 2:14 pm

    Das freut mich 😉 – für mich sind die genannten Herren schon sehr wichtig, wenn auch weniger im Laufe des letzten Jahres. Ich habe die angeführt, weil ich glaube, dass es Formen der Rationalität/Vernunft gibt, die quer stehen zu denen Konzepten, die unterwerfen. Was ich mir dann immer selbst als Mahnung ins Blog schreibe, um dran zu bleiben.

  3. Muriel Juli 27, 2012 um 2:18 pm

    Insbesondere bei Habermas krieg ich schon beim Namen Kiefersperre, aber es ist ja schön, dass es auch Leute gibt, die Freude am Werk dieser Figuren haben.

  4. momorulez Juli 27, 2012 um 2:25 pm

    Den finden ja viele furchtbar; ich finde das schon beeindruckend, das Werk, auch wenn ich da ab Mitte der 80er auch sehr vieles sehr falsch finde. Und in innerphilosophischen Debatten ist er mir allemal lieber als ein Spaemann, der da ja durchaus Big Name ist.

    Freude würde ich das im Falle von Habermas allerdings nicht nennen. Da hat mich oft wider Willen etwas überzeugt, mir etwas beigebracht, mir beim Verstehen geholfen. So richtig Freude habe ich dann auch eher bei Adorno teilweise, Foucault oder einem guten Krimi 😀 …

  5. Muriel Juli 27, 2012 um 2:33 pm

    Beeindruckend… Da könnte ich vielleicht nicht mal widersprechen. Er hat sich große Mühe gegeben und etwas sehr Umfangreiches produziert, keine Frage.

  6. momorulez Juli 27, 2012 um 3:19 pm

    Macht ja auch keinen Sinn, wenn ich ihn jetzt weiter verteidige 😉 … ist ja auch nur ein Randaspekt. Weil es mir bei der Rationalitätsthematik um das Urteilen geht und somit auch das Verurteilen und Herabwürdigen und da das Christentum auch in seinen säkularisierten und naturalisierten Varianten einfach Weltspitze ist. Und anderswo auch gar nicht begriffen wird, dass das Institut für separatistischen Ausschlussfeminismus ja gar nicht seinerseits nun Menschen, die in einer Paarbeziehung glücklich sind, verurteilen will, sondern auf den normativen Druck, den das auf Andere haben kann, verweist und fordert, dass dieser reflektiert werden müsse. Das führte in einem mehrheitsgesellschaftlich positionierten Blog dann zu einem Vergleich zwischen Scientology und dem Institut, was einigermaßen absurd ist. Aber auch das zeigt einfach, wie nachhaltig es Leuten wie Spaemann, PI usw. gelungen ist, bestimmte Effekte zu erzielen – ich wurde auch schon mal mit der IRA verglichen 😀 … weil seine Sprüche über Meinungsfreiheit in den 50ern, auch dem Jahrzehnt des KPD-Verbotes, eben auch nur Populismus im Sinne der Mehrheit sind. Das ist die verkappte „Man wird ja wohl noch sagen dürfen!“-Variante. Das kann ich mir bei so einem betagten Mann noch irgendwie biographisch erklären, aber ansonsten eigentlich nicht. Und die Kritik der Zweckrationalität/instrumentellen/strategischen Vernunft im Sinne eines erweiterten Begriffs von Vernunft kann man eben auch gegen ins Feld führen, die gerade bei den ganzen Religionsdebatten nun gebetsmühlenartig, passt ja, das sprachliche Klischee, den Herrn Kermani mit seinem „Vulgärrationalismus“ anführen, der auf die plumpen Naturalismen von Spaemann oder des Papstes ja viel besser passen würde. Und eben diese Kritik szientistisch verkürzter Vernunft, die bei den beiden Katholiken einfach nur mit Naturzweckhaftigkeit aufgeladen und dann vom Deskriptiven ins Normative überhöht und eher gestisch mit Gott versehen wird, ist halt DAS zentrale Thema bei Habermas: Die Eigenständigkeit des Normativen gegenüber dem Deskriptiven hervor zu heben und an Verfahren zu koppeln, die nicht mal eben so Personengruppen abqualifizieren. Und das Deskritptive nicht im Sinne einer Vulgärversion positivistischer Wissenschaft zu verstehen.

    Dass er für die ästhetischen Dimensionen keinen Sinn hat, das war der Punkt, wo das ganze Werk umkippte und selbst nur noch normativ unter Ignoranz tatsächlicher Verhältnisse auf Begründungsfragen fernab jeglicher Empirie in einem weit verstandenen Sinne setzte.

    Aber einen Sinn für Aisthesis und Ästhetik haben diese Dogmenreiter, die Glaube als das Befolgen von Regelsätzen begreifen, eben auch nicht.

    Was dann auch noch das, was zum Teil religionsgeschichtlich wirklich interessant ist und sich in der Kunstgeschichte zeigt, abschneidet, Musik, bildende Kunst. Bei Muslimen lese ich wenigstens noch von der Schönheit des Koran, die in der Sprache, aber auch seiner Rätselhaftigkeit sich zeige.

    Beim Isenheimer Altar sehe ich auch eine ganze Menge, was fernab dessen liegt, was Benedikt oder Spaemann verkünden. Und das sind eben auch Dimensionen der Erkenntnis, diese gestaltenden und erkennenden und emphatischen Praxen von Grünewald, die sogar noch den regelhaften Normativitäts- und Inszenierungsdruck beim Paarverhalten unterlaufen.

    Würden die Leute sich mal wechselseitig zeichnen, nicht als Karrikatur, sondern wirklich hingucken, käme auch eine ganz andere Spiritualität dabei raus – und nicht Kreuzzüge und Mord und Totschlag.

  7. David Juli 27, 2012 um 8:07 pm

    Von so professionellen Philosophen halte ich nicht viel und habe ich bisher trotz aufrichtigem Bemühen auch nichts Lesenswertes entdecken können.

    Angesichts des Umstands, daß kein Standpunkt möglich sein dürfte, den nicht auch irgendein professioneller Philosoph vehement vertritt, ist das schon ziemlich erstaunlich.

  8. momorulez Juli 27, 2012 um 8:22 pm

    Nee, nicht unbedingt. Das philosophische Operieren mit Begriffen arbeitet halt notwendig auf einem Allgemeinheitsniveau und mit einer objektivierenden Haltung, die andere Sprach- und Darstellungsweisen so gar nicht anstreben. Das ist ja das große Thema Adornos, dass die notwendige Allgemeinheit des Begriffs das Besondere subsummiert und ihm so Gewalt antut – und er hat sich schon mehr Mühe gegeben als andere, es aufzulösen, ist ihm vor lauter Totalisierungen aber auch nicht gelungen.

    Insofern mag es ja sein, dass die Themen in einer literarischen, journalistischen, verbloggt-verrührten Form die gleichen sind, dass aber gerade bei sich dem akademischen Zirkus fügen müssenden Berufsphilosophen die Herangehensweise nichtssagend werden kann. Das macht ja einen Nietzsche, einen Schopenhauer, auch einen Sartre trotz Eliteschulausbildung so anregend und tatsächlich auch einen Habermas so anstrengend, weil der immer gleich den annähernd gesamten Wissens- und Diskussionsstand im deutschen und angloamerikanischen Raum mit diskutiert und zudem auf die rhetorisch oft interessantere französische Philosophie typisch deutsch draufhaut.

  9. momorulez Juli 27, 2012 um 8:29 pm

    PS: Rorty hat das in „Ironie, Kontigenz, Solidarität“ am Beispiel von Derridas Postkartenbuch super heraus gearbeitet, und der Wahnwitz der hier vor noch gar nicht so langer Zeit anwesenden Hegelianer ist ja, dass sie Adorno und Derrida, der oft auch einfach nur Witze gerissen hat, um akademische Rituale zu verulken, ständig gegen deren Intention und auch Methode doktrinär lesen, um dann besoffen beim Namen Rorty loszurülpsen und anderswo Lesbenbashing zu betreiben.

  10. David Juli 27, 2012 um 8:39 pm

    “Ironie, Kontigenz, Solidarität” — das gemahnt mich wieder an meine Leseliste…

  11. momorulez Juli 27, 2012 um 9:17 pm

    Das Buch ist gerade dann prima, wenn man sich fasziniert von Logik auch nach Frege und der sprachanalytischen Philosophie zeigt. Weil er auch, inmitten der Derrida-Lektüre, plötzlich Bezüge z.B. zu Gilbert Ryle bei Derrida aufklärt, die den ganzen Wittgenstein & Co-Verweigerern immer entgehen, die aber echt erhellend sind. Ich meine mich zu erinnern, das viel über den Hund von Ryle, mal mit Anführungsstrichen, mal ohne, gewitzelt wird, aber durchaus tiefsinnig.

  12. mark793 Juli 27, 2012 um 9:22 pm

    Da funktioniert die Gesamt- und Mehrheitsgesellschaft wie ganztägig Scientology-Tests: Alle dazu drängen, sich permanent ihrer Unvollständigkeit, ihres Defizits bewusst zu sein

    Da ist was dran, nur sind Minderheitler-Zirkel auch nicht davor gefeit, solche Spielchen zu spielen. Ich habe da in letzter Zeit diverse Nachberichte zu allerlei „Camps“ gelesen, von Gender bis Noborder, und da ist das Arschkartenausteilen anscheinend ja wohl auch Lieblingsbeschäftigung – und zwar nicht mal so sehr an die Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft (oder den eigentlichenKlassenfeind whatsoever), sondern auch stark innerhalb der Bezugsgruppen: „Du hast Deine Privilegien noch nicht genügend hinterfragt“, „Du ziehst hier in-the-face-hetenperformance ab“, „Du als Einsneunzigtyp beanspruchst so viel mehr Luftraum, sensibilisier DIch mal dafür, was das mit vertikal Herausgeforderten macht“ undundund. Gut, letzteres Beispiel hab ich jetzt mal bewusst fiktiv überspitzt, aber ich denke, Du weißt, was ich meine.

  13. momorulez Juli 27, 2012 um 9:50 pm

    Ja, Du hast aber Unrecht 😀 – wie dieser ganze Zirkel da drüben in Ches Burschenschaftlerrunde. Das ist schon erstaunlich, wie die Mädchenmannschaft und ihr Umfeld, Noah auch, tatsächlich immer wieder die Ignoranz, schlichte Privilegienverteidigung, sich durch Abwertung Dritter aufwerten zu wollen, hervor kitzeln. Deshalb wird das Geschriebene ja in dem Sinne interpretiert, allerdings aus der hegemonialen Position heraus. Dass dann noch treffsicher die Nummer mit der Sekte kommt, zeigt einfach nur, wie katholisch wir allesamt sind. Das ist strukturell das, was auch die Polizei betreibt, wenn sie Fussballfans zu Delinquenten macht, nur eben ohne staatliches Gewaltmonopol. Workingclasshero mutiert allmählich auch zum Vorortspießer, wie diese SPD-Typen damals, als die Grünen aufkamen, Börner und solche – bei denen es bestimmt auch viel zu lachen gab, bei den Grünen, aber 1981 hatten die schon noch ein Anliegen, zumindest Ditfurth, Ebermann und solche.

    Das, was mich ja tatsächlich auch weiterhin bei diesen ganzen reaktionären Herrenrunden, ob bei Don Alfonso oder beim Che, bei dem einen lacht man halt über Schwarze, bei dem anderen über Schwule, Lesben und Feministinnen, ist die Weigerung, auch nur das Thema zu verstehen, um das es geht. Ihr müsst als WHM derart in Mechanismen von Macht, Manipulation, Urteil und Gericht verstrickt sein, dass euch schon der schlichteste Zugang zu Emotionen, die nicht eure eigenen sind, irgendwie verstellt zu sein scheint. Womit ich auch ein Defizit konstatiere, klar. Da scheint trotzdem in irgendeiner Form derart tief sitzend ein Profitieren von der Marginalisierung Anderer der Fall zu sein, das ist schon heavy.

    Ich weiß ja nicht, wie ihr sonst so seid, bei Dir glaube ich anders beim Che auch nicht, dass Du durch und durch so funktionierst, Du kannst ja auch anders. Aber diese Zusammenrottungen sind schon gruselig.

    Das, was Du über den Hickhack in Subkulturen schreibst, gibt es auch in Schützenvereinen; ich glaube aber, dass die im Falle von marginalisierten Gruppen selbst Effekt der Marginalisierung sind. Und da muss man dann einfach noch mal unterscheiden, um was es jeweils geht: Wenn Lesben einfordern, wenigstens mal irgendwo unbehelligt vom heteronormativen Druck zu sein, die Safe Place-Regel halt, ist das was völlig anderes als Christen, die glauben, ihre „religiösen Gefühle“ würden verletzt, wenn zwei Männer miteinander knutschen. Und ihr setzt das in Ignoranz faktischer gesellschaftlicher Machtverhältnisse gleich. Deshalb ist auch Ches aktuelles Gejammer über den Aufbau von Hierarchien so erbärmlich – dass dieser Typ es überhaupt noch wagt, Worte wie Solidarität in den Mund zu nehmen, die es für ihn nur unter Heten gibt, ist an sich schon eine Frechheit. Er gehört einfach zu exakt den Arschlöchern, die das Herstellen von Symetrien aktiv verhindern wollen. Der blubbert den gleichen Scheiß wie diese Postgender-Piraten. Das sind ja auch oft so narzisstische, reaktionäre Knochen.

    Die Kirchen haben Macht als Kirchen, Schwule jedoch nicht als Schwule. Heten haben strukturell Macht als Heten, und das ganze Steuerrecht ist auf die Privilegierung von Paarbeziehungen aufgebaut. Darum geht es in dem Text bei den Auschlussfeminismus, dass Leute Steuerrecht inszenieren, ganz und gar verstaatlicht.

    Und wieder wird sofort versucht, den Blick auf Strukturen in Subkulturen zu richten, sobald die Mehrheitsgesellschaft mal Thema ist.

    Das ist, als wenn man beim Hartz IV-Thema sofort Familienverhältnisse in Hartz IV-Familien in den Mittelpunkt rückt, ganz entspannt aus der Perspektive der Nicht-Betroffenen, was Du hier machst gerade. Die eh schon Markierten markieren.

  14. Loellie Juli 27, 2012 um 10:39 pm

    Als es in der taz um die Prenez’lberger Rindviecher ging, haben aber alle so getan, als wüssten sie was gemeint ist. Offensichtlich wurde da nur der chauvinistische Dreck, in dem der Funke Wahrheit steckte goutiert.
    Wenn dem „hol mal deine Möppse raus“ keine gegenseitige Anmache vorrausgeht, ist das selbst auf einer Sexparty übergriffig. Was ist denn da los? Da ändert sich auch nichts dran, wenn jemand einen Slutwalk organisiert, der dann doch keiner sein darf, oder sich an anderer Stelle mit homophoben Ausfällen entblödet, oder ein gesellschaftliches Problem, das sich genausogut im Händchenhalten manifestieren kann, aufs Knutschen reduziert.
    Nach dem Motto, mir passt die Visage von dem linken Heini nicht in den Kram, jetzt werd ich Nazi … oder wie soll ich mir dieses mittlerweile flächendeckende Problem vorstellen? Frisch mit 50 in die Pubertät und das erste Bier drauf?
    Diskurs ist jedenfalls was anderes und Kommunikation auch, wenn man bei jeder Gelegenheit den gleichen Bullshit von vorne anfängt.

    „Womit ich auch ein Defizit konstatiere, klar“
    Pfff, ich war vorhin kurz davor die Konsultation eines Psychiaters anzuraten. Ernsthaft.

  15. momorulez Juli 27, 2012 um 11:01 pm

    Schön, dass Du wieder da bist 😀 – ich bekenne ja, nicht alles verstanden zu haben, was Du meinst, aber ich vermute, wir sind und einig – oder?

    Auch, wenn das zum Spaemann nicht mehr passt, ich verlinke noch mal auf den Stein des Anstoßes in Ches Neoreac-Blog, der dort dazu führte, sich über die Ausschlussfeministinnen zu erheben:

    https://linksunten.indymedia.org/de/node/64408

    Das ist ganz spannend, weil eben auch das Piraten-Postgender-Phänomen in abgeschwächter, aber nicht minder manipulativ-ignoranter Weise dargestellt wird und von vorne bis hinten zwar herunter gebetet wird, dass man ja Critical Whiteness wichtig fände, die Forderung, diese vielleicht auch mal zu praktizieren, dann mit stumpfen Phrasen wie „Identitätspolitik“ abzubügeln und in der Pointe zu landen, dass Schwarze ja die wahren Rassisten seien, indirekt – die Linke trifft einmal mehr Milton Friedman. Wer immer noch diskutieren will, wer denn nun Rassist sei, hat einfach einen Schuss nicht gehört, weil er auch nicht in die Situation käme, einem solchen ausgesetzt zu sein an der Grenze. Natürlich sind wir ALLE Rassisten, wir Weißen, Sexisten und homophob, bin ich auch, letzteres, und das andere auch. Und das beste Mittel, strukturell etwas zu ändern, ist die Schnauze halten und den jeweils marginalisierten Perspektiven zuzuhören. Und das ist weder individuelle Schuld noch Erbsünde, sondern eine gesellschaftliche Struktur, zu der ich mich verhalten kann.

    Nein, bitte nicht darauf verzichten, der eloquente, weiße, selbstverliebte Plenumsheld und führend in Fragen kritischer Analyse zu sein – ich schreibe lieber endlose Texte bei linksuntenmedia, die ich weniger verklausuliert auch bei den Bissigen Liberalen ohne Gnade veröffentlichen könnte.Kein Wunder, dass Che da auf seine Brüder im Geiste linkte.

    Schwierig finde ich übrigens, dass nun schon zum zweiten Mal die Alkohol-Debatte da geführt wurde. Ansonsten müsste man das noch mal Punkt für Punkt durchgehen; dass da nun offenkundig Flüchtlinge, wenn ich es richtig verstehe, des maoistischen Dominanzstrebens bezichtigt werden, das zeigt nur, wie nah an der CDU und ihren Integrationsvorstellungen manche auf der „Linken“ aufgestellt sind und das die meisten doch nur Liberale sind. Das ist schon hart. Aber exakt das wird ja an Schwule und Lesben heran getragen: Entweder Du spielst nach unseren Regeln, oder Solidarität findet nicht statt.

  16. Loellie Juli 28, 2012 um 12:11 am

    Ach … du warst das?

    Ja, nee, ich hab ja auch erhebliche Zweifel, ob die alle nun das richtige an Verbündeten sind, wenn da beim Küssen das evangelikale „get a room“ ausgepackt wird, Alkoholverbot ernsthaft diskutiert werden soll, falls das keine Provokation war, oder Lesben aus allen Ecken mich wegen diesem Altmeier wieder in den Schrank sperren wollen, weil ich widerlich und ekelhaft bin und plötzlich wieder alles Privatsache ist. Wulfs Privatkredite dann aber doch nicht.

    Aber das war ja mal wieder astreine Supremacy in dem NoBorder-Text, und wenn die sich da den ganzen Tag so benommen haben, hätte ich auch irgendwann nur noch dumm rumprovoziert. Eine Organisation, die AntiRa sein will, ihre Hirachien und Privilegien aber über ein wohlfeiles Papier von vor zehn Jahren hinaus nicht in den Griff bekommt, braucht auch kein Mensch.
    Ich habe keine Zweifel, dass die wichtige praktische Arbeit machen, aber fällt das nicht eher unter Nachbarschaftshilfe? Ist automatisch jede Hilfe die ich einem PoC entgegenbringe Anti-Rassistische arbeit? Meine Eltern sind doch auch keine Homo-Aktivisten, weil die in den 70ern einem Schwulen Paar eine Wohnung vermietet haben.
    Bei den CSDs wär ich ja auch völlig getickt, überhaupt erst die Frage, ob Parteien ausgeladen werden dürfen, und dann ausgerechnet noch ein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit hinterher. Am „Tag der Revolution“, und weils ja ständig Schwule Suizide-Bomber hat …

    Schuld und Sühne, Identitätspolitik, Dominazstreben und Machtausübung. Ganz bestimmt.

  17. mark793 Juli 28, 2012 um 12:28 am

    …dass Du durch und durch so funktionierst, Du kannst ja auch anders. Ich sitze da ehrlich gesagt etwas zwischen den Stühlen, weil ich zwar einerseits durchaus willens bin, mich in diesen Fragen weiter zu sensibilisieren, mir aber andererseits Abwehrreflexe und blinde Flecken auch nicht fremd sind – und irgendwo komme ich auch die Grenzen meiner Verarbeitungskapazität. Beim umfangreichen Nachlesen der Kinder-auf-dem-Gendercamp-Debatte hatte ich neulich schon etliche whiskey-tango-foxtrott-Momente, und zuletzt hat mir der an diversen Stellen verlinkte Nachbericht zu dem Noborder-Camp fast die Schuhe ausgezogen. Bessere Wichsvorlage für all die Poschardts und Fleischhauers da draußen hätten die Teilnehmer kaum liefern können. Von daher fand ich es eigentlich verschenkt vom Don, auf der Slutwalk-Kritik rumzureiten. Die kann ich nämlich ohne große Verrenkungen einigermaßen nachvollziehen.

    Und wieder wird sofort versucht, den Blick auf Strukturen in Subkulturen zu richten, sobald die Mehrheitsgesellschaft mal Thema ist. Ich sage ja nicht, dass die Mehrheitsgesellschaft nicht nach den Mechanismen funktioniert, die Du kritisierst. Ich frage mich nur, ob die Minderheitenzirkel und Subkulturen per se dagegen immun sind, ähnliche Mechanismen im kleineren Maßstab zu reproduzieren. Ob oder inwieweit das tatsächlich durch die Marginalisierung auf größerer Ebene mitbedingt oder gar verursacht sein sein mag, könnte eine spannende Frage sein, auch wenn sich das empirisch genausowenig beweisen ließe wie das Gegenteil.

  18. momorulez Juli 28, 2012 um 12:46 am

    @Loellie:

    In diesem Altmeier-Outing-Text wurde nicht gesagt, dass Schwule ekelhaft sind, sondern das Zwangsouting. Da habe ich aber auch gezuckt, weil ich diese Masche nun meinerseits von Lesben kenne, die ja häufig, nicht immer, schlicht schwulenfeindlich sind und sich dann lieber an Schwulen abarbeiten als am Patriachat im Allgemeinen. Trotzdem sehe ich in der „Ecke“ aktuell die avanciertesten Ansätze, und es ist ja nun auch nicht nur falsch, was da an der schwulen „Sub“ kritisiert wird. Da kann man ja auf eigene Abwehrreflexe auch mal verzichten.

    Dieser Linsuntenmedia-Text ist schlimm. Ja. Und dass diese Alkoholdiskussion wie ja auch Schwarzers Anti-SM- und PorNo-Debatte sehr schnell evangelikal werden kann, ja. Aber auch da sind andere gefährlicher.

  19. momorulez Juli 28, 2012 um 12:53 am

    @Mark:

    Ich glaube ja eher, dass der Linksuntenmedia-Text implizit aus Poschardt-Perspektive geschrieben ist. Und würde ich mich an meinem Verhalten an der Neuen Rechten orientieren, hätte ich doch eh schon verloren. Man muss diese Nasen jagen, und das scheint auf dem NoBorderCamp ja ganz gut gelungen zu sein, den Poschardt in Antifa- und Antirakreisen frei zu legen.

    Den Alphonso lese ich seit der Lampendiskussion nicht mehr. Wer so einen Rassistenstammtisch bei sich duldet, ist für mich durch und hat nix zu sagen, was relevant wäre.

    Und blinde Flecken und Empfindlichkeiten, wer hat die nicht? Die sind doch klar, schwierig wird es doch nur, wenn die selbst Politik werden.

  20. momorulez Juli 28, 2012 um 1:01 am

    @Mark:

    Der noch: Das ist zu beweisen, glaube ich. Bin nun lange aus schwulen Szenen raus; das, was ich da als quälend empfand, war eine Zerrspiegelung mehrheitsgesellschaftlicher Perspektiven. Und ich glaube, dass das auch in linken Subkulturen wie jenen, aus denen Che kommt, so ist. Die habe ich ja gemieden, und von in Göttingen in den 80ern lebenden Schwulen, die ich über meine Schwester kannte, weiß ich ja, dass exakt Typen wie Che, Workingclass Hero usw. denen natürlich jeden Lebensraum erstickt haben. Diese Göttinger Polit-Szene war die Vorhölle, und alle Bekannten und Freunde meiner Schwester, die da rein gerieten, kamen da auch nicht besser raus als bei Scientology. Aber auch das lag an dieser Insellage inmitten eines dumpfen Mainstreams. Das fördert Gruseliges, eben WEIL der Mainstream auch nicht besser ist, ganz im Gegenteil. Und weil man die subkulturimmanenten Mechanismen nur in Bezug auf Mehrheitsgesellschaft verstehen kann.

  21. Noergler Juli 29, 2012 um 8:25 am

    Die Vorgänge der Camps – Noborder zeigt, dass man immer noch eine Schippe drauflegen kann – fühlen sich an wie Fiktion. Ich drücke es mal so aus:

    Was dort Masken über Menschen verhängten, sind dystopische Glaziale aus Kafkas Welt.

    Der Vereisung der Hirne und der Herzen willfahrt Deine permutative Textexegese, „dass da nun offenkundig Flüchtlinge, wenn ich es richtig verstehe, des maoistischen Dominanzstrebens bezichtigt werden.“

    Nein, Du hast es nicht richtig verstanden, und die Frage, warum nicht, kann durch die Feststellung einer Mangelintelligenz des Momorulez nicht beantwortet werden, da Momorulez nicht mangelintelligent ist.
    Was der Bericht nachlesbar festhält, ist nämlich ganz im Gegenteil, dass der Berichterstattende den superioren Weißrotz schildert, dem die Flüchtlinge durch jene sich ausgesetzt sahen, denen Momorulzenz Solidarität ganz und gar gilt.

    „Und das beste Mittel, strukturell etwas zu ändern, ist die Schnauze halten und den jeweils marginalisierten Perspektiven zuzuhören.“
    Das werden die im Noborder-Camp geborderten Roma sich gedacht haben, als die selbstermächtigte Camp-Polizei ihr Essen überwachte.
    Aber unter Hitler war auch nicht alles gut, und Sinti und Roma sind schließlich Kummer gewohnt. –

    Entgegen Deiner Beteuerung liest Du selbstverständlich bei Che weiterhin kontinuierlich und intensiv mit. Daher ist Dir dies bereits bekannt:

    In der Praxis sah das dann so aus, dass PoC, die Dinge sagten, die der Diskussionsleitung nicht gefiel unterbrochen oder von der RednerInnenliste genommen wurden mit Ansage wie „Du bist zwar schwarz, aber was du sagst ist weiß“, während sich Weißdeutsche in geborgter Identität in einen wahren Betroffenheitsfuror hineinredeten und dann unbegrenzte Redezeit HATTEN.

    „Wer Jude ist, bestimme ich“, sagte mal wer, und wenn Schwarzsein von Weißen definiert wird, hat Momorulez keine Einwände. Sein Motto: ‚Wo Foucaults Theorie Anwendung findet, bestimme ich.’

  22. momorulez Juli 29, 2012 um 9:14 am

    Ach, wenn der Stürmer-Kommentator der Blogosphäre die anderen des Göring bezichtigt 😀 – das wirklich Nervtötende an Dir ist ja, dass Du so unfähig bist, mal was ja eigentlich Sachdienliches zu schreiben, ohne nunmehr irgendwelche Expertisen darüber, wie ich denn nun sei, abzusondern.

    Immerhin hatte Dein Scientology-Blödsinn den Eintrag inspiriert. Und nein, ich lese da nicht kontinuierlich; es ist nur erstaunlich, dass jedes Mal, wenn ich es doch mal wieder tue, was zumeist dann der Fall ist, wenn das Neoreac-Blog in meinen Referern verstärkt auftritt, mich das nackte Entsetzen packt.

    Dass der sich auch noch an den CSD ranwanzt empfinde ich als Zumutung, da hat der nun wirklich nichts zu suchen. Und diese Heimatfilm-Story, wie in die heile Welt der Solidarität irgendwelcher wie Patti Smith „Rock’n’Roll-N …“ gröhlenden, weißen Lederjackträger, die ganz solidarisch, harharhar, agierten, dann die zersetzenden Kräfte herrschsüchtiger Juden, äh, ja, kann ich auch, Du Pfeife, Lesben und der Cultural-Studies einbrachen, das ist schon erbärmlich.

    Die zwar, wie oft reflektiert, Ökonomie vernachlässigten, aber dafür jenseits identitären Murkses, wo WHM ihre Identität dergestalt generierten, dass sie für Andere sprachen, ganztägig, sich situierten.

    Das war auch jene so kurze Phase, wo in House-Clubs wenigstens im Nachtleben es tatsächlich mal schnurz war, wer Hete, wer schwul, wer Lesbe war – und wer da natürlich nicht mit zog, das waren die Umfelder der Autonomen, das hätte ja all ihre paternalistischen Macker – und Ritterlichkeitsideale infrage gestellt. Beim FC St. Pauli gibt es auch viele, die auf exakt diesem Trip hängen geblieben sind, und diese Abwehr gegen vermeintlich maoistische Lesben, die bei WCH, Netbitch, Dir, Bersarin und Che sich zeigt, die will einfach eine Haltung zementieren, die Privilegien absichert und Zugriff auf das Deviante fordert.

    Ich würde Roma zu dem Thema auch jederzeit zuhören, und, ob Du es glaubst oder nicht, ich sitze seit Wochen regelmäßig mit einer Sinti-Frau, einer sehr beeindruckenden, zusammen und mache genau das. Und Sujet ist vor allem, wie irrwitzig schwierig es für sie ist, einem weißen deutschen Mann die Geschichte ihres Volkes zu erzählen – man hört in jedem Satz Jahrhunderte der Marginalisierung. Da höre ich aber lieber ihr zu als diesem Linksunten-Heini, der um Deutungshoheit ringt.

    Das Phänomen, dass die Übernahme von Perspektiven der dominanten Kultur durch Marginalisierte möglich ist, das gibt es, ja, der LSVD ist da gewissermaßen das Paradebeispiel. Ich bin dann aber ganz bei Dir, dass eine Diagnostik dessen nicht Weißen obliegt. Ich habe hier keine Einträge zu verfassen, wie Condoleeza Rice tickt. Was ich schon geschrieben habe, ist, dass gerade in der Irgendwielinken von weißen Bürgerkids die Aufstiegsträume ökonomisch Marginalisierter häufig mit einer derart ätzenden Sauce von „Kommerzkritik“ überzogen werden, 50Cent zum Beispiel, die man sich auch erst mal leisten können muss.

    Und genau das ist doch der Punkt: Typen wie Che ertragen nur jene, die möglichst Flüchtlingsstatus haben, gefoltert wurden, Traumata erlitten, und sein Engagement diesbezüglich jst ja auch super.

    Wenn er freilich auf jene trifft, die sich auf Augenhöhe bewegen oder gar „Sorry, halt mal einfach die Schnauze, ihr seid gerade mal nicht dran, anders als in den letzten 500 Jahren“ rufen, rastet er – der ja ein Symptom ist für all diese in linken Szenen geprägten Männer, jener, die in den 80ern und 90ern sozialisiert wurden – aus. Und dann wird argumentiert wie bei den B.L.O.Gs oder PI. Und genau das macht auch dieser Linksunten-Spinner.

    Die Intervention der dort nicht näher genannten Gruppe zielten darauf, diese Struktur aufzuzeigen, vermute ich. Die Kommentare dort waren ja größtenteils furchtbar, aber da war eine Kommentatorin, die das ziemlich gut erläutert hat. Und so lange WHM nicht schnallen, dass ihnen da vorgeführt wird, was sie fortwährend mit Nicht-WHM machen, leben wir in einer Art Faschismus, und ganz weit vorn die Weißen, die sich mit Dreadlocks schmücken und die Antira-Arbeit okkupieren.

    Was mich im Grunde genommen verblüfft, ist, dass ihr offenkundig bis heute nicht geschnallt habt, was sich damals in der Kommentarsektion beim Che abgespielt habt, vorneweg dieses Oberarschloch Alter Bolschweik, aber die Normalisierungsavantgarde Netbitch eben auch. Ihr seid als Hetenkollektiv auf den Schwulen los gegangen, es gab sehr viel Raum für die homophobe Scheiße von Dean, aber ansonsten wurde alles dafür getan, schwule Perspektiven als Delikt zu behandeln.

    Ich habe so was tatsächlich erstmals in der Auseinandersetzung mit dem Übersteiger so krass erlebt und dann eben mit euch, das war schon erhellend. Weil man natürlich darauf getrimmt wird von Leuten wie euch, sich lieber ein Leben lang erst mal zu entschuldigen, dass man überhaupt eine eigene Perspektive jenseits der Heteronormativität einnimmt und zumeist einfach die Klappe hält, weil man ja weiß, dass ansonsten die Normierungsmacht zuschlägt und ein Dauerkonflikt das Leben bestimmt. Was dann ja auch passierte. Und so lange ihr das nicht schnallt, seid ihr politische Stabilisierungsfaktoren, sonst nix – Teil des falschen Ganzen.

  23. momorulez Juli 29, 2012 um 9:38 am

    Zum Thema Sinti und Roma noch das hier:

    http://www.hh-heute.de/abschiebung-auslanderbehorde-in-der-kritik/

    Innensenator Neumann ganz in der politischen Kontinuität von 1933, die Nazis fanden es ja zunächst mal auch cool, wenn Juden einfach ausreisten, und 1952 war die Empörung groß, dass Sinti & Roma entschädigt werden sollten. Übrigens sind große Teile dessen, was die Hochkulturvertreter und Kafka-Fans abwerten, eine kulturelle Leistung von Sinti & Roma, die sich häufig auch mit jüdischen Musikern zusammen taten.

    Passt auch zu Spaemann; Sinti und Roma buchstäblich zu verteufeln und ihnen Hexerei und böse Flüche anzudichten, das gehört ja auch zur Geschichte des Christentums und findet sich sogar noch in Stephen Kings „Thinner“, in der Esoterik vor allem in einer exotistischen Aneignung im Tarot.

  24. Noergler Juli 29, 2012 um 11:14 am

    „… wenn ich es richtig verstehe / … vermute ich …“
    Es wird jedoch falsch verstanden und unzutreffend vermutet. Allerdings indizieren jene einschränkenden Verstehens- und Vermutensphrasen einen noch vorhandenen Rest kritischer Selbstbesinnung.

    „Die Intervention der dort nicht näher genannten Gruppe zielten darauf, diese Struktur aufzuzeigen, vermute ich.“
    Wir sehen: Scientology existiert nur darum, um aufzuzeigen wie beschissen Scientology ist. Pol Pot und Stalin waren subversiv-listige Emanzipatoren, die kritisch darlegten, was der losgelassene Arbeiterbewegungsmarxismus vermag. Und die Finanzkapitalisten schicken komplette Völker ins Elend, um die Verelendeten über den Kapitalismus aufzuklären. Tschulligung Herr Vorsitzender, die Frau wurde nur darum von mir vergewaltigt, um die Ekelhaftigkeit des patriarchalischen Sexualrassismus zu erläutern.

    Ich allerdings frage mich, wo denn die Grenze sich befinden mag, jenseits derer das Durchgeknalltsein seiner selbst ansichtig würde werden können.

    Die Festellung: Was dort Masken über Menschen verhängten, sind dystopische Glaziale aus Kafkas Welt ist durchaus sachdienlich. Es expertisiert freilich zugleich Deine Person, indem Du die Verwandlung von Emanzipationscamps in in Kontrolllager affirmierst. Mal ganz konkret: Wie bewertest Du das Roma-Bashing? Oder möchtest Du Dir in dieser Frage weiterhin einen schlanken Fuß machen?

    Und: Sind wir nicht alle aufgerufen, wir, die wir den Eltern und Großeltern vorhalten: Warum seid ihr nicht zeternd auf die Straße gelaufen, als sie eure behinderten, zigeunerischen, jüdischen, schwulen, arbeitsverweigernden und meinungsabweichenden Nachbarn abholten? Hätten wir, die wir heute nicht in der Gefahr stehen, gleich mitdeportiert zu werden, nicht die Pflicht zur Bildung einer Gegenmacht sofort im nächsten von der Verlagerisierung bedrohten Camp?

    Und, Momorulez: Auf welcher Seite stündest Du?

  25. Loellie Juli 29, 2012 um 1:22 pm

    „Auf welcher Seite stündest Du?“

    Diese Frage ist von daher bemerkenswert, weils sie bereits vor Jahren von euch eindeutig beantwortet wurde. Zumindest was mich betrifft. Bei Momo hat es gute zwei Jahre länger gedauert.
    Erst mittels übelster Pathologisierungen rausmobben, so tun als sei nie was passiert, argumentativ nicht über „Halts Maul Schwuchtel“ hinaus kommend, und jetzt die Solidarität einfordern wollen, die von euch über Jahre militant verweigert wurde.
    Du arme Sau! Wirklich.

  26. momorulez Juli 29, 2012 um 1:22 pm

    „Wir sehen: Scientology existiert nur darum, um aufzuzeigen wie beschissen Scientology ist. Pol Pot und Stalin waren subversiv-listige Emanzipatoren, die kritisch darlegten, was der losgelassene Arbeiterbewegungsmarxismus vermag. Und die Finanzkapitalisten schicken komplette Völker ins Elend, um die Verelendeten über den Kapitalismus aufzuklären. Tschulligung Herr Vorsitzender, die Frau wurde nur darum von mir vergewaltigt, um die Ekelhaftigkeit des patriarchalischen Sexualrassismus zu erläutern.“

    Nörgler, Du musst Dich hier wirklich nicht noch auf Deine alten Tagen selbst dekonstruieren, indem Du nachweist, dass Du ins PI-Lager gewechselt bist und insgeheim Fan der „Protokolle der Weisen von Zion“. Mariginalsierte Minderheiten zum übermächtigen Menschheitsterror zu stilisieren ist nun knallhart rechtsradikal, und bald wirst Du hier vermutlich kommentieren, dass die Schwarzen doch nur „unsere Frauen“ vergewaltigen wollen. Bis Du schon wieder besoffen? Du ach so so großartiger, hegelmarxistischer Gesellschaftskritiker blendest ALLE realen, gesellschaftlichen Machtverhältnisse aus, um hier einen Popanz ganz im Sinne von evangelikalen Bestsellern wie „The Pink Swastika“ zu basteln. Das passt zwar zu Spaemann, ist aber Stammtisch übelster Sorte. Hätten wir eine mit Gewaltmonopol und Gerichtsbarkeit ausgestatte PoC-Diktatur, DANN könnte das vielleicht Sinn machen, aber doch nicht bei einem Antira-Camp. Du schreibst hier genau so einen Scheiß wie irgendwelche PI-Kommentatoren, die die Einführung der Schariah als Horrorszenario an den Wand malen. Das „Deutsche, wehrt euch!“ fehlte irgendwie noch, und das Erstaunliche ist ja, dass ihr immer an diesem Punkt weg kippt, ihr Hetenmänner, an Macht gewöhnt. Dein Finale ist wirklich so bescheuert, dass es sich ja gar nicht mehr lohnt, darauf auch noch einzugehen. Das ist ja noch blöder als Fleischauer und Konsorten.

    Ich kann das „Roma-Bashing“ nicht bewerten, weil es in dem Text instrumentell eingesetzt wird. ich weiß nicht, wie da nun wirklich geredet wurde, traue aber auch Roma zu, Fragen wie jene nach Sinn und Unsinn des Fleischverzehrs sinnvoll beantworten zu können. Und würde hier ein Roma, nicht Du, kommentieren, würde ich sofort auf dessen Seite schlagen. Das ist die Seite, wo ich dann jeweils stehe, auf der Seite, wo GEGENmacht entfaltet wird. Du quatscht hier wirklich im Sinne des Großkapitals und Michael Neumanns als hegemonieabsicherndes Arschloch.

  27. momorulez Juli 29, 2012 um 1:26 pm

    @Loellie:

    !

    Für katholische Kühe und andere Rechtsradikale steckt man die Schwulen per Ferndiagnose in die Psychiatrie. Der Klassiker. Typen wie Nörgler, Che und Netbitch sind exakt so drauf. Aber dann am CSD rumschmarotzen wie diese Dreadlockträger. Pack.

    Leitet Netbitch jetzt nicht sogar irgendeine Klinik? Würde passen.

  28. Hannah Juli 29, 2012 um 1:53 pm

    Ich weiß nichts von eurer Vorgeschichte und Euren Konflikten untereinander, ganz sicher ist aber, dass hier vom Nobordercamp und den Geschehnissen dort nicht sehr viel bekannt ist. „Linksunten“ ist auch nicht irgend so ein Heinz mit Poschardt-Perspektive, sondern eine der ältesten und radikalsten Antiragruppen in Doitschland überhaupt, nämlich diese Initiative hier

    http://www.nolager.de/

    Was geschehen ist, war eine von bestimmten Leuten betriebene Steuerung von Stimmungen, z.B. saßen die strategisch verteilt in einem Plenum, um auf Zwinkern oder Nicken kollektiv zu klatschen oder zu lachen, wenn ein Argument ausgehebelt werden sollte, das ihnen nicht passte. Es galt eine uneingeschränkte Redefreiheit für Nichtweiße, die aber Solchen entzogen wurde, die etwas formulierten, was der Gesprächsleitung nicht passte, und wenn die sich bechwerten, wurde gesagt „Deine Haut ist braun, aber was Du sagst ist weiß, daher wirst Du nicht als PoC behandelt“. Der Konsens, dass die Ernährung auf dem Camp fleischfrei sein sollte wurde von einigen Roma nicht mitgetragen, die wollten für sich selber etwas grillen und wurden dafür harsch angegangen. Ich finde die Kritik von linksunten daran viel zu verhalten, das geht ja mehr so in die Richtung „waren ja nur ein paar, sollte nicht so ein Aufriß drum gemacht werden“. Nein! Es waren Leute aus der Gruppe, wegen denen es überhaupt ein Nobordercamp gab. Auf einer Veranstaltung, deren Anlass eine Mobilisierung gegen Abschiebungen von Roma ist kommen Deutsche daher und willen Roma vorschreiben, was sie essen sollen, das ist allerdings ein Skandal.

    Seit Jahrzehnten betreibt die autonome Linke in Westdeutschland eine Selbstethnisierung anhand derer festgelegt wird, wer dazugehört und wer nicht. In vielen Gruppen und Subszenen wird Einer recht eindeutig nahegelegt, dass eine vegetarische Ernährungsweise oder eine bestimmte Keiderordnung einzuhalten ist und viel Zeit mitgebracht werden muss um regelmäßig auf die wichtigsten Plena zu gehen, „wer nicht kommt ist nicht dabei“. Und inzwischen sind wir so weit, dass den Subjekten der internationalen Solidarität, den Flüchtlingen abverlangt wird, sich diesen Regeln des Lebensstils deutscher Autonomer anzuschließen. Was hier kritisiert wird ist ein im superantirassistischen Gewand daherkommender knallharter Paternalismus. Aus diesem Grund sind Gruppen aus France und Benelux gar nicht erst zum Nobordercamp gekommen.

  29. questionmark Juli 29, 2012 um 2:11 pm

    Das ist nämlich *unser* CSD und Dreadlocks bei Weißen sind nicht *authentisch*? An der Stelle setzt es bei mir aus.

  30. momorulez Juli 29, 2012 um 2:28 pm

    @Hannah:

    „Es galt eine uneingeschränkte Redefreiheit für Nichtweiße, die aber Solchen entzogen wurde, die etwas formulierten, was der Gesprächsleitung nicht passte, und wenn die sich bechwerten, wurde gesagt “Deine Haut ist braun, aber was Du sagst ist weiß, daher wirst Du nicht als PoC behandelt”.“

    War denn die Gesprächsleitung weiß? Dann ist das Scheiße. Ansonsten ist das exakt die Situation, der sich Schwule, PoC und auch Frauen doch ständig ausgesetzt sehen, nur eben karrikiert. Das ist mein Leben 😀 … wenn ich brav den „Danke, dass ihr mich toleriert“-Schwulen spiele, sind sie alle lammfromm und fühlen sie werweißwiegütig. Wenn ich eigenständige schwule Perspektiven formuliere oder gar eine eigenständige Perspektive auf Heten einnehme, setzt Mobbing, Mundverbot, Pathologisierung und Entsolidarisierung ein – wie eben bei che2001.blogger.de das üblich ist. Der ja auch so einer ist, der Antirassismus erfunden hat und seit 25 Jahren dabei ist und dann von den Cultural Studies und den angloamerikanischen Debatten folgenden PoC zersetzenden Geist bescheiigt. Auf diesem ganzen Antira-Feld sitzen lauter weiße Platzhirsche, sammeln öffentliche Gelder ein und schieben PoC an den Rand und die hinteren Plätze. So las sich bei mir auch der Text bei Linksunten.

    Ich habe mich auch schon mit anderen Schwulen gestritten, weil sie der Hetenperspektive auf den Leim gingen und bin denen dann über den Mund gefahren. Gaywestwordpress.com würde ich auch vom Podium fauchen. Aber ich könnte es nicht ertragen, wenn das Heten stellvertretend für mich täten.

    „Seit Jahrzehnten betreibt die autonome Linke in Westdeutschland eine Selbstethnisierung anhand derer festgelegt wird, wer dazugehört und wer nicht. In vielen Gruppen und Subszenen wird Einer recht eindeutig nahegelegt, dass eine vegetarische Ernährungsweise oder eine bestimmte Keiderordnung einzuhalten ist und viel Zeit mitgebracht werden muss um regelmäßig auf die wichtigsten Plena zu gehen, “wer nicht kommt ist nicht dabei”. Und inzwischen sind wir so weit, dass den Subjekten der internationalen Solidarität, den Flüchtlingen abverlangt wird, sich diesen Regeln des Lebensstils deutscher Autonomer anzuschließen.“

    Da bin ich ganz bei Dir, das macht mich auch wahnsinnig.

  31. momorulez Juli 29, 2012 um 2:39 pm

    @questionmark:

    Das würde ich ja auch gerne mal so sagen können 😀 – also, ihr mit eurer kirchlichen Trauung, da setzt es bei mir aus. Also, dass ihr uns das Adoptionsrecht nicht zugesteht, da setzt es mir bei mir aus. Geht nicht, Du kannst dem nicht ausweichen. Das Schauspiel wird ganztägig vor Deiner Nase aufgeführt.

    Es geht auch nicht um „authentisch“. Es geht darum, dass die Mehrheitsgesellschaftlicher sich kulturelle Leistungen Marginalisierter aneignet, um diese weiter an den Rand drücken zu können. Und hinterher kennt jeder Elvis Presley, aber keiner Solomon Burke. Und vorne steht Jan Delay, und die Background-Sängerinnen sind schwarz.

    Und das CSD-Beispiel bezieht ja nun auf einen Blogger, der sich Schwulen gegenüber wie der letzte Drecksack aufgeführt hat, aber dann ganz großartig CSD-Bilder in sein Blog stellt, um sich damit zu schmücken. Und auch das gibt es waaaaahnsinnig häufig. CSD ist anders als die Lederbar schon was, was sich ja auch an Heten dergestalt wenden sollte, dass denen klar wird: „Hey, Stonewall was a riot!“, und dass sie es waren, gegen die man allerlei durchsetzen musste – und dass eben Heteronormativität weiterhin gilt, was nicht so sein sollte.

    Das Dreadlock-Thema ist noch etwas komplexer, weil es da um die Spiritualität ehemaliger Sklaven geht, die sich meines Wissens an dem einzigen afrikanischen Land orientierten, in dem es keine Sklaverei geht. Und sich im Gegenzug aus dem Exodus-Mythos, der auch im Gospel eine große Rolle spielt, eben IHRE Religion, die nicht die der Sklavenhalter ist, bastelten.

    Und selbst wenn das grober Unfug sein sollte, den ich gerade schreibe – die rein modische Aneignung, ohne sich mit dem Hintergrund zu beschäftigen, entwertet ja die kulturelle Genese und lässt sie verschwinden, wofür mein Unwissen dann ein Beleg wäre.

  32. momorulez Juli 29, 2012 um 3:04 pm

    Zu den Dreadlocks noch aus kompetenterem Munde:

    „Man wird nicht weniger weiß, wenn man aus einer sozial benachteiligten Familie kommt. Man ist auch nicht weniger weiß, wenn man versucht, sich Dreads wachsen zu lassen, oder Schwarze imitiert. Du meinst es ja gar nicht böse, verhälst Dich aber leider wie ein ‚guter Kolonisator’: Du bedienst Dich Schwarzer Symbole, sogar der Befreiungssymbole, eignest sie Dir an, spielst mit ihnen und bekommst dafür von den anderen Weißen Aufmerksamkeit und/oder Bewunderung für Deinen ‚Mut’ und Deine Extravaganz. Die Schwarzen Symbole werden dadurch lächerlich gemacht, weil sie durch Weiße umgedeutet und besetzt werden.“
    (Sow, Noah: Deutschland Schwarz Weiß: Der alltägliche Rassismus S. 251. 2008: München, C. Bertelsmann.)

  33. Hannah Juli 29, 2012 um 3:11 pm

    @War denn die Gesprächsleitung weiß? Dann ist das Scheiße.

    Die war nicht durchgehend weiß, aber die PoC, die dabei waren gehörten nicht den Flüchtlingsdelegationen und auch nicht der Flüchtlingsselbstorganisation The Voice an, sondern weiße Antiras aus überwiegend Berliner Szenesumpf hatten sich „ihre“ PoC sozusagen mitgebracht.

  34. momorulez Juli 29, 2012 um 3:18 pm

    Das ist aber dann echt schon wieder die weiße „Teile und Herrsche“-Perspektive, PoC zum einen als Anhängsel von Weißen zu deuten und zum anderen Flüchtlinge gegen solche aus anderen Zusammenhängen zu sortieren und da von weißer Seite den Flüchtlingen gewissermaßen einen höheren Status zuzubilligen. Das macht das Che-Umfeld auch gerne – Schwarze mit ein wenig Geld auf dem Konto wird von weißer Seite die Glaubwürdigkeit abgesprochen, das ist selbst ein rassistisches Muster, dass ganz und gar krass in Pop-Kontexten zutage tritt.

    Wenn das, was Du geschildert hast, tatsächlich ausschließlich von PoC in einem weiß dominierten Raum, und das sind in Deutschland ALLE Räume, durchgezogen worden wäre, finde ich das erhellend, was die da gemacht haben – dann hätten sie einfach in ein Positiv übertragen, was PoC im Negativ ganztägig und in Deutschland Zeit ihres Lebens widerfährt. Und diese Diskussion, wo man nun weiße Perspektiven adaptiert und wo nicht, finde ich als Diskussion unter PoC nur plausibel. Wenn Weiße das zu diskutieren beginnen und sich stellvertretend ausleben, dann wird es schwierig.

  35. Loellie Juli 29, 2012 um 3:23 pm

    @ „Was geschehen ist, war eine von bestimmten Leuten betriebene Steuerung von Stimmungen, z.B. saßen die strategisch verteilt in einem Plenum, um auf Zwinkern oder Nicken kollektiv zu klatschen oder zu lachen, wenn ein Argument ausgehebelt werden sollte … “

    Den Eindruck, dass die Intervention im Sinne von Aktionstheater angelegt war, hatte ich auch beim lesen. Grundsätzlich finde ich das erstmal grossartig.

    @ „Ich weiß nichts von eurer Vorgeschichte und Euren Konflikten untereinander, ganz sicher ist aber, dass hier vom Nobordercamp und den Geschehnissen dort nicht sehr viel bekannt ist.“

    Das „Eure“ zeigt aber eines der Hauptprobleme auf.
    Kein Problem ist, dass die Vorgeschichte nicht zu einem sofortigen Bruch führte, sondern dieser erst nach Jahren der Auseinandersetzung erfolgte.
    Nun nimmt der Autor des NoBorder-Textes aber die gleiche Supremacyhaltung ein und operiert mit identischen Abwehrmechanismen, was eben zeigt, dass es hier nicht um ein individuelles, sondern um ein systemisches Problem geht. Desweiteren legt diese Kombination von Supremacy und Abwehr nahe, dass seine Schilderung der Vorgänge nicht zuverlässig ist, weil das umdeuten einer Reaktion zur völlig unbegründeten Aktion symptomatisch für deratige Konflikte ist. So wie ich damals natürlich völlig grundlos auf eine wackere alte Kämpferin losgegangen bin, „sie hat ja nur, die Arme“, und Momo, der bedauernswerte, ein Ventil für seine Neurosen brauchte.

    Man muss dem Autor allerdings zu gute halten, dass er zwischen der Gruppe selbst, Verbündeten, Sympathisanten und etwaige Trittbrettfahrern differenziert, denn die Frage, wer, wann, was in welcher Situation ja entscheidend ist.
    Zb, ob da irgendein ein Arschloch persönlich auf die Roma losgegangen ist, oder der Vorfall in einem Romafreien, weissdominierten Umfeld stattgefunden hat, und sich Gottweiswas davor abgespielt hat.

    „Auf einer Veranstaltung, deren Anlass eine Mobilisierung gegen Abschiebungen von Roma ist kommen Deutsche daher und willen Roma vorschreiben, was sie essen sollen, das ist allerdings ein Skandal.“

    Unbedingt! Ein Alkoholverbot ist selbst für mich Abstinenzler reine Idiotie, und die Fragen zur Sicherheit lesen sich wieder wie Provokation, nur …

    … ganz davon ab, befindet sich auf dem Blog dieser fürchterliche „Scientologen“ die Schilderung einer Konfrontation die mir beim lesen Salven an Flash-Backs bescherte. Allerdings als Bestätigung eigener Lebenserfahrung. Beim NoBorder-Text eben auch, weshalb ich aus guten Gründen die Zuverlässigkeit der dortigen Aussagen in Zweifel ziehe.

  36. momorulez Juli 29, 2012 um 3:27 pm

    „… ganz davon ab, befindet sich auf dem Blog dieser fürchterliche “Scientologen” die Schilderung einer Konfrontation die mir beim lesen Salven an Flash-Backs bescherte.

    Welche genau?

    Ansonsten in allem bei Dir. Auch gerade dieses „völlig grundlos“, „kann ja nur Satire sein“ usw., diese sofortige Entwertung. Ja.

  37. Loellie Juli 29, 2012 um 3:37 pm

    @ “ … weshalb ich aus guten Gründen die Zuverlässigkeit der dortigen Aussagen in Zweifel ziehe. …“

    Nicht für bare Münze nehme ist treffender!
    Unbenommen, dass es bei den ganzen Shitstürmen der letzten Jahre auch immer wieder unerträgliches Mea-Culpa-Geschwafel von vermeintlichen Verbündeten gab.

    Es geht auch nicht darum, die praktische Arbeit einzelner Gruppen und Personen herabzuwürdigen oder in Frage zu stellen, die kann aber im Gegenzug keine Rechtfertigung für rassistisches oder homophobes Verhalten sein.

  38. Loellie Juli 29, 2012 um 4:03 pm

    Die Katze ist ja eh‘ aus dem Sack.

    http://reclaimsociety.wordpress.com/2012/07/07/gedachtnisprotokoll-und-stellungnahme-bezuglich-der-ausstellung-tatort-stadion-ii-fusball-und-diskriminierung-und-den-geschehnissen-in-den-raumen-des-new-york-im-bethaniens/

    Auf das Mark wieder „etliche whiskey-tango-foxtrott-Momente“ erleidet.
    Ich lese solche Texte sprachlich als Versuch, die Schwierigkeit, eine Gewalttätige Situation in gewaltfreie Sprache zu fassen, aufzuzeigen, wie tief rassistische (etc) Stereotype in unserer Alltagssprache verwurzelt sind und als eine Form der Intervention.
    Desweiteren ist das ein Blue-Print sämtlicher Versuche meinerseits mit dem linken Millieu in Kontakt zu treten. Das ist in jedem einzelnen Fall so, oder so ähnlich gelaufen.
    Mit 16 bin ich im Stechschritt, mit Hitlergruss und „Sieg Heil“-johlend vor dem örtlichen „autonomen“ Jugend- und Kulturzentrum auf und ab paradiert, um mich dem Lokalkollorit anzupassen. Natürlich ist das pubertär, grundlos hab ich das aber auch nicht gemacht. Bleibt die Frage, weshalb ich nicht, ganz im Gegensatz zu den Neoracs, lebenslänglich über linke „Zecken“ herziehe.
    Das aktuelle Triumphgeheul tut da noch das übrige.

    Wie weit die Einschäzung der Ausstellung zutrifft, sei erstmal dahin gestellt. Die Zumutung, mich in einem mit Reichskriegsflaggen und „Sieg Heil“-Fanschals austaffierten Raum aufhalten zu sollen, verschlägt mir glatt die Sprache. Ich habe erhebliche Zweifel, dass ich so kulant reagiert hätte. Gut möglich, dass der Rotz bei mir aus dem Fenster geflogen wäre.
    Anti-Faschisten die unter Gewaltanwendung festlegen wollen, wieviel Dreck PoC gefälligst zu schlucken haben …
    Laut Ausstellungsmacher wurde die Ausstellung auch aus dem Bethanien verlegt. Warum wurde allerdings nicht gesagt …

  39. Noergler Juli 29, 2012 um 4:36 pm

    „Oberarschloch Alter Bolschewik“ – Da hatte der den Nerv getroffen, als er proletarischerseits dem Mittelschichtjüngelchen heimgeigte, höhö.

    Der Nörgler ist PI-Parteigänger und Antisemit, sagt Momorulez. Damit steht zweifelsfrei fest, dass der Nörgler ein eliminatorischer Antisemit ist, denn wenn Momorulez sagt, dass der Nörgler PI-Parteigänger und eliminatorischer Antisemit ist, dann ist der Nörgler PI-Parteigänger und Antisemit, weil Momorulez das sagt.

    Momorulez kann, wie wir sehen, sehr viel. Doch wiewohl er einen Auschwitz-Protagonisten – mich – sogleich erkennt, vermag er das Roma-Bashing nicht zu bewerten, weil es in dem Text instrumentell eingesetzt wird. Momorulez weiß nicht, wie da nun wirklich geredet wurde, traut aber den von ihm in seinen Text instrumentell eingesetzten Roma alles zu.

    Was aber er nicht sich zutraut, ist die einfache Antwort auf meine einfache Frage, auf welcher Seite er steht.

  40. momorulez Juli 29, 2012 um 5:23 pm

    @Loellie:

    An den Text erinnere ich mich gut; auch daran, dass ich ihn so unleserlich fand, aber eben, weil ich ganz wie Du da eher so was wie Ringen um eine Sprache, die es nicht gibt, weil sich in ihr alle Gewaltverhältnisse abbilden und es eben gar keine Möglichkeit, diese anders zu explizieren derzeit. Das ist auch bei meinem Broterwerb manchmal, ja, man will verstummen …

    Und gerade PoC-Frauen, aaaargh, was die zu erleiden haben, gerade von manchen Antifa-Ekeln, das ist ja noch mal ein Thema für Romane. Weil da dann auch noch die volle Sexualisierung der Exotisierten greift und weiße Männer selten Bereitschaft haben, auch nur 30 Sekunden zuzuhören. Und das ist bei diesen ganzen „postrassistischen“ Pseudo-Antifas, die ja zu Welterklärern werden müssen, um Status zu erlangen, oft noch am allerschlimmsten.

    Ich habe da ja auch eher am Rande dieser Szenen zu Hafenstraßenzeiten mich bewegt, da war das Umfeld aber noch zu breit aufgestellt, um so wegzusuppen wie in Göttingen, dazu ist Hamburg auch zu groß. Und beim FC St. Pauli sind die Jüngeren, das Lichterkarussell z.B., oft weiter, glaube ich, als ihre in den 90ern sozialisierten Kumpanen auf der Gegengeraden.

  41. momorulez Juli 29, 2012 um 5:42 pm

    @Nörgler:

    Du bist vermutlich wirklich besoffen – alleine schon „Jüngelchen“, die echten, proletarischen Kerle gegen die schwächliche Tunte, dass es letztlich um verkappte Gewaltandrohungen gegen Schwule geht in eurem Zirkel ist auch der Grund, warum ich außerhalb des Netzes eine solche Diskussion gar nicht führen würde. Klar, ihr wurdet so sozialisiert, aber dass Typen wie Che und ihr Gewaltfetisch da eh ein Problem haben, ist ja offenkundig. „Jüngelchen“, Du solltest mich mal sehen 😀 …

    Der Alte Bolschewik ist ein Arschloch, weil er wie auch viele Popmusikhistoriker eine rassistische, homophobe und frauenfeindliche Universitätsgeschichtsschreibung vollzieht. Dass er dann mit irgendeinem abgekupferten Trick aus Doppeldoktoren, leitenden Angestellten und Karl Kraus-Adepten eine Truppe von Vorzeigeproletariern bastelte, das war ja auch so ein Scherz in der ganzen Geschichte. Wenn Du noch mal über Klassismus lesen willst, dann lies Dir eigene Antworten an Loellie durch.

    „Sag mir wo Du stehst“ hat auch der Oktoberclub der FDJ immer gesungen, Du könntest der Ausnahmefall sein, auf den die Totalitarismustheorie zutrifft. Ansonsten sollte sich vielleicht nicht so empfindlich zeigen, wer gleich im ersten Kommentar mit Nazismusunterstellungen um sich wirft. Euer Verhalten Schwulen gegenüber macht einfach klar, dass ihr auch vor Attacken auf PoC, Juden, Sinti und Roma nicht zurück schrecken würdet, wenn es um euren Status geht. Loellie hat ja den entsprechenden Text verlinkt, wie man bei Leuten aus einem Umfeld wie jenem Ches in solchen Fragen agiert: Notfalls droht man PoC-Frauen Gewalt an.

    Frauenfeindlich und sexistisch bist Du ja eh im Extremmaß. Arme Sau. Dass Du, der als erstes mit dem „Kauft nich bei Juden!“ ankommst, Dich mit den Protokollen der Weisen von Zion als einem der zentralen Texte des europäischen Antisemitismus offenkundig gar nicht beschäftigt hast, zeigt sich immer daran, dass Du all die anderen da drüben auf der Heteronormativität zementierenden Seite, die im Kollektiv über Schwule herfällt, das entscheidende Argument nicht verstehen willst – dabei ist es so einfach.

  42. Noergler Juli 29, 2012 um 6:21 pm

    Wir wollen doch nicht übertreiben. Wie bereits erwähnt, war auch unter Hitler nicht alles gut.

  43. momorulez Juli 29, 2012 um 6:32 pm

    Darauf hoffe ich ja die ganze Zeit, dass Du mal zur Selbstpersiflage übergehst 😀 – bei Dir verstehe ich das tatsächlich nicht, dass Du manchmal wirklich mit Treffisicherheit glänzt und neben Mark als einziger im dem ganzen Klüngel auch verstanden hast, worum es überhaupt geht in dem Konflikt.

    Jetzt kommt was vielleicht Überraschendes: Du hast da in irgendeiner Debatte mit Hartmut beim Che einst einen Kommentar geschrieben, nach dessen Lektüre ich geschlagene 3 Stunden geheult habe und mich gar nicht einbekam.

    Weil ich mich in diesem ganzen Diskussionszirkel, zu dem ich T. Albert nicht zähle, der ist ja viel denkoffener, wirklich dieses eine Mal überhaupt VERSTANDEN gefühlt habe, was ich in diesen irgendwielinken Zirkeln schlicht und ergreifend nicht gewöhnt war – siehe auch Loellies Jugenderinnerungen oben.

    Das war wirklich eine heilsame Erfahrung für mich, dafür bin ich Dir echt nachhaltig dankbar. Bei dem Kommentar blieb sogar Loellie die Spucke weg damals.

    Und dann, meistens, wenn es irgendwie um Feminismus geht, drehst Du so derart am Rad, dass ich mir diese zwei Gesichter einfach nicht erklären kann.

    Leute wie Che sind einfach selbstbezogen und ignorant und wollen immer, dass sich alle mit ihnen beschäftigen, aber Du hast ja bei Deinem Gepolter auch eine hochsensitive Seite. Deswegen rede ich ja auch noch mit Dir, mit den anderen aber nicht.

    Ich kriege das bei Dir nicht unter einen Hut.

  44. Loellie Juli 29, 2012 um 6:33 pm

    „“Sag mir wo Du stehst” hat auch der Oktoberclub der FDJ immer gesungen“

    😆

    ————-

    Exemplarisch, weil du weiter oben die Bertelsmannautorin zur Klarstellung zitiert hast, ein kurzes Zitat eines „Anarchisten“ auf Linksunten:

    „Wer will kann auch mit Dreadlockträgern ins Gespräch kommen und ihnen erklären, dass es fragwürdige Hintergrundgeschichten (Rastafari) gibt, aber auch verstehen, dass sie in der Bewegung beliebt sind und für alternatives Leben und Subkultur stehen….. “

    Die gütige Erlaubnis zum Gespräch ist noch das geringste Problem, aber soll ich mich jetzt wirklich auf die Seite der völlig Ahnungslosen stellen?
    Und die wundern sich allen ernstes, wenn Leute anfangen sich erratisch zu benehmen und auf Kommunikationsverweigerung schalten?

  45. momorulez Juli 29, 2012 um 6:43 pm

    !

    Und zum Thema Bertelsmann: Schön wäre, wenn man sich so was aussuchen könnte. Denkste, Suhrkamp bringt das? Dazu ist Noah nicht ausreichend mit akademischen Weihen versehen, sie auch nicht angloamerikanisch, das geht da noch – aber gerade in solchen Zusammenhängen greifen nun alle sexistischen und White Supremacy-Haltungen aber so was von. Und kleinere Verlage wie der Aufbau-Verlag haben nicht die gleiche Reichweite. Noah arbeitet auch mit der Edition Essemblage zusammen, aber da hätte sie diese Wirkung gar nicht entfalten können. Irgendwie muss man ja auch noch Miete zahlen.

    Ich habe auch 15 Jahre lang in unmittelbarer Reichweite des Bauer-Verlages gearbeitet, auch nicht ohne. Die haben Hand in Hand mit Springer Kampagnen gefahren, obwohl es bei Schröder nicht den falschen traf, und verlegen verdammt viel sexistischen Schund.

    Ich wüsste auch im Nachhinein nicht, was das meine Alternative gewesen wäre. Mein Vater ist tot, mit meiner Mutter rede ich nicht mehr, da ist kein familiärer Background und auch kein Ehemann, der mich finanziell stützen könnte – so wie bei der ollen Roche, die einen auf Credibilty-Queen macht, aber auf mit Brainpool-Geldern gepimperten Terassen sitzt, Gärtner Gärten nach „Themen“ arrangiert anlegen lässt usw.

    Uni-Karriere und Behindertenarbeit hätte ich machen können, okay. Ich bin mir aber sicher, so eine ganz andere Reichweite erlangt zu haben. Das ist auch ein bißchen simpel, Deine Vorstellung. Klar, T. Albert ist es auch gelungen, auf Independant-Ebene sich durchzuschlagen. Der ist aber auch wirklich einer der ganz wenigen, die ich da kenne.

  46. questionmark Juli 30, 2012 um 12:25 am

    @ momorulez

    Schön, dass du weist, wie ich zu kirchlicher Trauung und Adoptionsrecht stehe. Darf ich als Hetero nicht auf einen CSD? Oder nur wenn ich über die Stonewall-Riots bescheid weiß? Oder nur wenn ich schonmal mit Männer-penetrierenden Sex-Praktiken experimentiert habe? Wer entscheidet das? (Wenn ich jetzt völlig danebenliege, mit dem was du meinst, dann sorry!)

    Mit deiner Antwort gehst du ein bisschen an dem Vorbei, was ich meinte (ist zugegebenermaßen bei dem zwei-Sätze-Kommentar von mir auch schwierig). Mein Eindruck ist jedenfalls, dass man mit einer solchen Perspektive ganz schnell wieder bei kulturalistischen Zuschreibungen und homogenen, statischen „Kulturen“ landet, die bestimmten Gruppen, am Ende gar „Völkern“, zugeschrieben werden. Gayatri Spivak hat das Problem damit mal sehr gut auf den Punkt gebracht: „Only the dominant self can be problematic; the self of the Other is authentic without a problem.“ Obwohl der Anspruch, kulturelle Praktiken originär und authentisch bestimmten Gruppen zuzuschreiben, Marginalisierten scheinbar eine Stimme gibt, entscheidet damit doch letztlich ein hegemonialer Diskurs wer mit welcher Stimme spricht.

    Natürlich werden sämtliche Formen widerständiger kulturelle Praktiken mit der Zeit integriert, ihnen wird der Zahn gezogen (s. Sex Pistols und Olympia-Eröffnung), und dabei ist es egal, ob sie von einfach, zweifach, oder zehnfach Diskriminierungs-Betroffenen stammen. Der Schluss daraus kann doch aber nicht sein, dass nicht mehr zitiert, aufgenommen, kopiert werden darf?

  47. T. Albert Juli 30, 2012 um 1:42 am

    Zurück aus den Bergen, wo ich über mein Independent-Leben nachdachte, um festzustellen, dass es mir gerade nicht mehr independent genug ist und ich mich fast wie ein Verräter fühle, erinnere ich mal an die Bakunin- und „Das-Kapital“-Ausgaben u. ä. die antifaschistischen Autoritäten stützende Literatur, die ich von Bertelsmann besass – in so nach Ost-Knast aussehen sollendes dunkelbraunes Papier von schwerer Grammatur eingebunden, das auch an bitteres Schwarzbrot erinnerte, während die Bücher dieses deutschen Verlages sonst doch eher in netterer, pastelliger Erscheinung Scheisse verbreiteten. Das blaue Zeug vom Dietz-Verlag war auch nicht besser.
    Ja, leider erschien das bezahlbar bei Bertelsmann. Richard Brautigan auch, und es war alles Pop und Pop machten alle.

  48. momorulez Juli 30, 2012 um 8:28 am

    @questionmark:

    Der Schluss kann für mich nur sein, dass man reflektiert, was man da tut, und dann das eine oder andere vielleicht auch lieber bleiben lässt. Ich habe als weißer,bildungsbürgerlicher Mann, 3 Dominanzpunkte, da auch keine Position zu, die so weit gehen würde wie die von Noah, das ist aber schnurz, da gilt ihre Position als Maßstab, sobald sie in den Diskurs eintritt.

    Und natürlich weiß ich nichts über Dich; generell gilt halt, dass es zunächst mal schnurz ist, was jene, die einer dominanten Gruppe zugehören, individuell für Ansichten haben, die Privilegien haben sie so oder so.

    Um Authentizität geht es nicht, ich vertrete hier keine Ursprungsphilosophien, wohl aber die, dass in Relation zu anderen jeder ein Recht hat, das, was er als seine Geschichte begreift, gegen hegemoniale Geschichtsschreibungen ins Feld zu führen.

    Diese Frage nach dem „Identitären“ lässt sich immer sehr luxuriös von der privilegierten Position stellen, und von da aus kann man sich dann auch erheben und wie mittlerweile üblich auf der Rechten – ich meine nicht Dich, ich meine Piraten, Antideutsche, Liberale und andere auch aus der Antifa-Ecke in dieser spezifischen Hinsicht – große Reden darüber schwingen, dass PoC ja die wahren Rassisten seien, das taucht bei Linksunten ja auch auf.

    Ich erlebe das mittlerweile als tatsächlich sadistische Praxis von Mehrheitsgesellschaftlern, diese diskursive Praxis. Weil natürlich sich Kommunikationssituationen schlagartig ändern, je nachdem, ob ich mich oute oder nicht. PoC haben diese Wahl noch nicht mal, und auch da ändert sich die Situation, je nachdem, ob einer dabei ist oder nicht. Da kommt bei Weißen auch oft prompt ein schlechtes Gewissen hoch, was dann direkt ins Unheil leitet, zum Beispiel. Weil dann sofort anschließend der Abwehr-White Supremacy-Film abläuft, so eine nachholende Geschichtsschreibung in Individuen, dass es doch richtig war DIE DA zu zivilisieren, auch so ein Scheißfilm,mder sich in der Islamdebatte zeigt und auch bei den Vorgängen im Bethanien.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Das sind eher relationale als identitäre Fragen. Und zunächst mal wird Dir ganz unabhängig von Deinem Selbstverständnis eine Identität verordnet, eine deviante, und der Mehrheitsgesellschaft tut alles dafür, dass diese eine Rolle spielt. Um gleichzeitig fortwährend das Gegenteil zu behaupten, darin liegt der Sadismus.

  49. momorulez Juli 30, 2012 um 8:38 am

    @T. Albert:

    Ich mach ja auch Pop 😦 – und bin mit Musikproduzenten befreundet, die auf Indie-Level Pop produzieren. Und ich bewundere Dich ja für Deine Konsequenz.

    Meine Oma, für die war der Buchclub damals eine ganz entscheidende Bezugswelt. Die ist als Tochter von Tagelöhnern unweit eines Guts in Pommern aufgewachsen, zeigte sich Zeit ihres Lebens fasziniert von Literatur, war Expertin in russischer Literatur und hat dann irgendwann Ende der 60er an einem Bertelsmann-Wettbewerb teil genommen mit einer Geschichte zwischen einer deutschen Magd und einem polnischen Häftling eines Nazi-Arbeitslagers. Und fand sich dann in einer Sammlung mit Erzählungen zwischen lauter wirklich bekannten Autoren wieder.

    Für die war der Besuch beim Buchclub Pflicht. Das ist jetzt so ein „Kleine Leute“-Mythos, aber von der Stiftung hätte sie vermutlich nichts gewusst.

  50. T. Albert Juli 30, 2012 um 1:04 pm

    Das hab ich gewiss nicht Deiner Oma gegenüber kritisch gemeint. Die hatte schon Recht.
    Ich meinte die Atmosphäre in meinen Kreisen, die, wenn ich ihr so nachfühle, mir auch das damalige Marx-, Benjamin-, Adornolesen als tätiger Pop erscheinen lässt. Selbst die Horlemann-, Semler-, Posener- K-Gruppe war ein Pop-Partikel, das seh ich jetzt etwas anders als noch vor drei, vier Jahren.
    Brautigan machen die bei B`mann immer noch, glaube ich.

  51. T. Albert Juli 30, 2012 um 1:17 pm

    ach so, Spaemann.
    Sehr fInster:
    „Stellen wir uns vor, es erschiene irgendwo das Bild einer Gaskammer mit der Überschrift „Arbeit macht frei“, in der sich zahllose halbtote Frösche befänden. Niemand würde hier bestreiten, dass das Beleidigtsein von Menschen objektiv gerechtfertigt ist. Die Leugnung des Mordes an sechs Millionen Juden sollte zwar so wenig strafbar sein wie die Leugnung des Kreuzestodes Jesu zum Beispiel im Koran. Sie ist einfach eine falsche Tatsachenbehauptung.“

  52. momorulez Juli 30, 2012 um 1:51 pm

    Bei dem Spaemann-Zitat habe ich auch gezuckt, weil er das besser weiß. Zum einen sind falsche Tatsachenbehauptungen auch sonst strafbar im Sinne übler Nachrede, Verleumdnung usw. Zum zweiten implementiert er damit ein fieses Bild. Zum dritten kennt er sich als Moralphilosoph hervorragend aus mit deskriptiven, normativen und evaluativen Sprachformen und weiß auch um die evaluativen Implikationen von so einem Scheiß. Ich befürchte, der lügt absichtlich.

    Marx war zu „meiner Zeit“, Ende der 80er, tatsächlich out. Aber den Pop-Marx der 70er habe ich noch ein wenig mit bekommen. Und in den ganzen Postmoderne-Diskussionen sind Adorno und Benjamin ja wieder aufgeploppt, bei letzterem vor allem der Kunstwerk-Aufsatz, auf den sich ja implizit sogar Leute wie Fiske, die Pop-Linke waren, berufen haben. Und im Grunde genommen wurde sogar das „Kulturindustrie“-Kapitel poppig gelesen, weil die da formulierte Kritik in die Pop-Welt hinein wuchs und dann auch auf die Neubauten, Philip Boa und so was bezogen wurde – und bei elektronischer Musik macht das ja teilweise sogar Sinn, auch wenn sich der in den Spex-Kontexten so intensiv gar nicht angenommen wurde. Adorno wurde in Relation zu Lyotard und Derrida gelesen, ganz deutlich ja in der Derrida-Einführung von Kimmerle, was allerdings auch zu einer Totalisierung der Kulturkritik führte, was eben in Adorno schon angelegt ist – der hat sich den kapitalistischen Produktions- und Lohnarbeitskontext über den Kantischen Schematismus erschlossen und nicht über die Oral History oder die Annales:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Annales-Schule

    Das ist ja das, was Che eigentlich meint, man kann aber einen Said, eine Spivak und den ganzen angloamerikanischen Diskurs nicht mal eben so ausblenden, und Stuart Hall hat da Vermittlungsarbeit geleistet, die hier doch gar nicht wirklich rezipiert wurde, eben weil der nicht weiß war.

  53. Hannah Juli 30, 2012 um 3:11 pm

    @Das ist aber dann echt schon wieder die weiße “Teile und Herrsche”-Perspektive, PoC zum einen als Anhängsel von Weißen zu deuten und zum anderen Flüchtlinge gegen solche aus anderen Zusammenhängen zu sortieren und da von weißer Seite den Flüchtlingen gewissermaßen einen höheren Status zuzubilligen. Nein, das ist etwas ganz Anderes. Es ist der Konflikt zwischen PoC, die als Angehörige afrikanischer Eliten in Deutschland studieren oder studiert haben und Seite an Seite mit

    Weißdeutschen Flüchtlingen, die z.T. vor den genannten afrikanischen Eliten geflohen sind erzählen wollen, wie sie zu reden haben. Für die akademischen Berliner PoCs kursieren unter Flüchtlingen Bezeichnungen wie „Pflanzerkids“.

  54. momorulez Juli 30, 2012 um 4:34 pm

    „Nein, das ist etwas ganz Anderes. Es ist der Konflikt zwischen PoC, die als Angehörige afrikanischer Eliten in Deutschland studieren oder studiert haben und Seite an Seite mit

    Weißdeutschen Flüchtlingen, die z.T. vor den genannten afrikanischen Eliten geflohen sind erzählen wollen, wie sie zu reden haben. Für die akademischen Berliner PoCs kursieren unter Flüchtlingen Bezeichnungen wie “Pflanzerkids”.“

    Ach, die bösen schwarzen Eliten, die sind ja NOCH schlimmer als die Weißen – das ist doch ein Entlastungsdiskurs, und exakt das haben nun Weiße echt nicht zu diskutieren, zumindest nicht als Kommentar zu einer innerschwarzen Diskussion. Das ist genau die Nummer, die ständig auf Schwule einhackt, weil die ja angeblich alle reich sind und den Migranten die Wohnungen weg nehmen. Und es lenkt eben ab von der Diskussion, wie Weiß sich konstituiert.

    Natürlich hat man auch die Klassen- und die Rassenfrage aufeinander zu beziehen, und die Klassenfrage im Allgemeinen, aber dann auf PoC loszugehen, die auch ihr Stück vom Kuchen abbekommen habe, das finde ich zynisch. Das ist klassisches Derailing. Auch, dass die nun vor den afrikanischen Eliten geflohen seien – in was für gesellschaftlichen Zusammenhängen werden die den „Eliten“? Da bist Du binnen kurzem wieder bei Rohstoffhändlern und irgendwelchen Multis, die sich an Bürgerkriegen eine goldene Nase verdienen und US-Evangelikalen, die das flankieren. Das ist einfach der Klassiker, der IMMER passiert in solchen Diskussionen – Weiße tun nach Möglichkeit alles dafür, dass über SIE möglichst nicht geredet wird, und wenn, dann natürlich als Individuen, und bei PoC prallen dann Elitenkollektive und Flüchtlingskollektive aufeinander. Das ist mir echt zu billig.

  55. mark793 Juli 30, 2012 um 5:15 pm

    Was mich im Grunde genommen verblüfft, ist, dass ihr offenkundig bis heute nicht geschnallt habt, was sich damals in der Kommentarsektion beim Che abgespielt habt,

    Wäre mir damals dieser Fachbegriff geläufig gewesen, hätte ich gesagt, da läuft „Kackscheisse“. 😉

    Aber es gab dazu ja auch eine Vorgeschichte, in der Du wegen der alten Anekdoten von Che und Netbitch auf eine Weise steil gegangen bist, die erst mal nicht so recht nachvollziehbar war und die (wohl nicht nur bei mir) zunächst so rüberkam, als würden die beiden für aktuellere Vorkommnisse in Deinem Fußballverein oder was auch immer mitgewatscht. Ich will damit nicht sagen, „selber schuld“ an dem, was dann abging, aber zunächst ging es nach meiner Beobachtung auch nicht darum, Dir ganz unabhängig von Deinem Selbstverständnis eine deviante Identität zu verordnen. Mir war es damals vielmehr so vorgekommen, als hättest Du ab einem gewissen Punkt der Debatte womöglich ganz bewusst und ohne Aufforderung das Schwulen-Ticket vorgezeigt (noergler hatte das ja auch so ähnlich gesehen, nur mit etwas weitergehenden Schlussfolgerungen). Wobei ich nach längerem Nachdenken über diese Frage auch nicht mehr mit Sicherheit sagen könnte, dass es eine echte Option für Dich gewesen wäre, dieses Ticket in der Tasche stecken zu lassen. Uns steht es jedenfalls nicht zu, darüber zu befinden, ob es für Dich nun notwendig war oder nicht, Dir diesen Schuh anzuziehen. Ich glaube nur, sagen zu können, dass es nicht in Ches oder Netbitchs Absicht lag, Dir diesen Schuh hinzustellen.

  56. momorulez Juli 30, 2012 um 7:23 pm

    Genau diese Absichtslosigkeit IST ja das Ärgerliche nach 5 Jahren Kommunikation. Dass Heten seltsame Filme und Ängste am Laufen haben, da können die ja zunächst mal auch nix für, wir wachsen ja in der gleichen Welt auf, und dass die Unmarkierten sich da gelegentlich wie die Wildsäue aufführen, ist zunächst mal so. Dieses „Pflanzerkids“ da oben müsste ich eigentlich löschen, woher kommen denn solche Sprüche bitte? Und was bringt nun eine weiße Frau dazu, da „afrikanische Eliten“ im Kontext hiesiger (!!!) Konflikte zur herrschenden Gruppe zu erklären?

    Ich hatte definitiv eine „jetzt reicht es aber endgültig!“-Reaktion, als diese Lesbenherrschaft da behauptet wurde. Weil ich es als beleidigend, enttäuschend und wirklich eine Frechheit empfand, dass nach all den Jahren der Kommunikation und nun wirklich eingehen auf einen Menschen in diversen Medien schon wieder diese evangelikale Perspektive von den unterdrückten Christen auftauchte, ohne dass auch nur ein Gedanke an das verschwendet wurde, worüber wir seit Jahren arbeiten. Dieser evangelikale Diskurs taucht da halt als von Lesben oder unter Berufung auf Lesben ausgeübte Herrschaft auf. Bei PI sind das dann die Schwulenlobbies, die christliche Eltern dazu zwingen, dass ihre Kinder sich mit so was Ekligem wie Schwulen beschäftigen muss, und siehe Spaemann oben, man ja gar nicht mehr sagen darf, dass Schwule minderwertig sind, bei den Nazis waren es die jüdischen Weltherrrschaftspläne, bei der Neuen Rechten ist es die Islamofaschisierung – und dann durften die in England noch nicht mal mehr Sparschweine verkaufen! Bei diesen Camp-Berichten ist das genau so – das kommt IMMER, wenn die dominante bzw. hegemoniale Kultur mal über sich selbst nachdenken soll. Dann wird auf Minderheiten eingeprügelt und der ganze Rotz bis hin zu „Wehret den Anfängen!“, siehe Nörgler oben, rinnt aus Nasen. Und das ist brandgefährlich, tatsächlich. Das geht Anschlägen und Pogromen voraus.

    Weil die Teile der dominanten und hegemonialen Kultur nicht wahr haben wollen, dass sie eben auch ihre Position im Machtkomplex haben und auf der Seite der Macht stehen. Sie glauben ja, sie sind ja das objektive, sachliche Allgemeine, und völlig grundlos rasten dann Tunten, Lesben und PoCs aus und gebärden sich boshaft. Loellie hat doch den Text oben dazu verlinkt.

    Da das dann zum wiederholten Male eine sehr deutliche Entsolidarisierung war, wie damals auf Loellie reagiert wurde, als die Klerikalfaschistin Cassie auf evangelikale Propaganda linkte, war ja auch eine Riesensauerei, sind die keine politischen Bündnispartner mehr. Ganz einfach. Die sind nichts anderes als alle anderen unterreflektierten Mehrheitsgesellschaftler auch.

    Das Ding ist doch, dass ich das nun zum zweihundertausendsten Mal schreibe, und es würde immer noch so weiter gelabert, als hätte ich nie einen Ton gesagt. Vielleicht kurz ein Mea Culpa, und dann liefe alles so weiter wie immer schon. Die Entsolidarisierung zeigte sich auch dadurch, dass auf einmal ganze Kommentarstränge voller homophober Hetze da standen. Che plauderte auch fröhlich weiter bei Alphonso, wo kübelweise rassistische Scheiße über Noah ausgeschüttet wurde. Das merkt der gar nicht.

    Die sollen ja leben, wie sie lustig sind, mit so einem bigotten, verlogenen und repressiven Pack will ich halt nichts zu tun haben, dafür ist mir meine Zeit zu schade.

  57. Loellie Juli 30, 2012 um 10:00 pm

    @ “ … eine Vorgeschichte, in der Du wegen der alten Anekdoten … “
    vor diese Vorgeschichte gab es Jahre andauernde kontinuierliche Diskussionen und eine ganze Reihe von Konflikten. Deshalb mal die ernste Frage … wenn du doch eh ignorierst, was hier geschrieben wird, was willst du dann eigentlich? Momo hat sich das ja offensichtlich alles nur eingebildet, das „Selbst neuerfinden“, diesen blöden „kommenden Aufstand“, die „Migranten“, die katholische Kuh, die Nummer, die Dean abgezogen hat und weiss ich nicht was alles noch, wenn die Vorgeschichte eine nicht nachvollziehbare Reaktion auf eine Anekdote war.
    Wie arm ist das denn?

    _____________

    Das mittlerweile Bombenleger herbeiassoziiert werden ist auch keine Absicht. Ganz bestimmt nicht. Gabs hier ja auch noch nicht. Ganz bestimmt nicht.

    „So versuchten Mitglieder von RS im Juli, die Ausstellung »Tatort Stadion« des »Bündnisses aktiver Fußballfans« im Künstlerhaus Bethanien in Berlin zu schließen“

    Steht jetzt in der Jungle-World. Wie beim Anarchisten da oben, bei dem aus „Unsichtbarmachen und Kolonisierung durch aneignen“ kulturastisches Gefasel von „Rastafari und Ansehen“ wird. Ausgerechnet. Denn darum geht es. Ansehen und Status und den Angriff genau darauf. Das ich nun der allerletzte bin, der sich von irgend jemand vorschreiben lässt, wie ich rumzulaufen habe und wie nicht, ändert nichts daran, dass die noch nicht mal in der Lage sind, das Thema das zur Diskussion stand zu benennen. Er hat ja nur ’ne Anekdote …

    Mittlerweile wird auf Linksunten noch nachgetreten. Da drunter liesst es sich dann endgültig, als hätten sie den Köppel von der Kette gelassen.
    Denen kann man wirklich nur noch raten: „Bringt eure Frauen und Kinder in Sicherheit und vernagelt Fenster und Türen. Die fressen kleine Kinder.“

  58. Loellie Juli 30, 2012 um 10:07 pm

    Und wenn der Zitterwolf heute beim Alfons Horst Wessel Lieder in die Kommentare kopiert, merkt das keine Sau mehr.

  59. Hannah Juli 30, 2012 um 10:45 pm

    @Ach, die bösen schwarzen Eliten, die sind ja NOCH schlimmer als die Weißen – das ist doch ein Entlastungsdiskurs, und exakt das haben nun Weiße echt nicht zu diskutieren, zumindest nicht als Kommentar zu einer innerschwarzen Diskussion. Das ist genau die Nummer, die ständig auf Schwule einhackt, weil die ja angeblich alle reich sind und den Migranten die Wohnungen weg nehmen. Und es lenkt eben ab von der Diskussion, wie Weiß sich konstituiert.

    Da bin ich jetzt von der Selbstverortung her etwas ratlos. Ich bin in Deutschland lebende linke Israelin und engagiere mich in der Flüchtlingssoli, weil das etwas mit meinen Wurzeln zu tun hat – Urgroßeltern aus Deutschland geflohen, ich über Stipendium nach Deutschland, sollte nach Israel zurückgeschickt werden, wehrte mich erfolgreich dagegen. Ich kann keine Kommentare zu einer innerschwarzen Diskussion bringen, wohl aber zu einer innerantirassistischen. Und da ist es nun einfach so, dass theoriealerte in Deutschland studierte PoCs gemeinsam mit deutschen Unilinken neuerdings Diskurse zu dominieren versuchen, in denen bis dato tatsächliche Flüchtlinge gemeinsam mit in der PRAXIS aktiven deutschen Antiras eigentlich sehr solidarisch und mutuel Gemeinschaftlichkeit im Engagement geschaffen hatten. Das wird von Denen sabotiert zur Aufwertung ihrer eigenen neu hinzugekommenen Gruppe.

    Was das Alles mit Schwulen zu tun hat weiß ich nicht, kommt mal nach Tel Aviv, da gibts ne geile völlig undogmatische Intergenderszene, und ansonsten befürchte ich, da in einen Inner Circle hineingestolpert zu sein, der über sehr persönliche Abrechnungen, aber nicht über Antirassismus diskutiert. Da schließt sich dann der Kreis zum Nobordercamp.

  60. momorulez Juli 30, 2012 um 10:48 pm

    Dieser Text in der Jungle World ist tatsächlich ganz aufschkussreich, wenn auch in ganz anderer Hinsicht, als die bigotte Swinger-Club-Fraktion das glaubt und die Überschrift es glauben machen will:

    http://jungle-world.com/artikel/2012/30/45919.html

    Was Emma da sagt, ist ja durchgängig zustimmungsfähig – was diese Nürnberger Karawanenfrau da von „PoC-Diktatur“ schwafelt ist eben das, was ich oben meinte: Wenn man irgendwie sinnvoll von „strukturellem Antisemitismus“ reden kann, dann in eben solchen Fällen. Einerseits über Residenzpflicht diskutieren zu wollen und dann solche Sprüche zu klopfen ist einfach nur entlarvend hinsichtlich dessen, wie sich Paternalismen bis in die „Flüchtlings“-Politik, da habe ich auch gerade wieder was gelernt von Emma und gelobe, das noch mal nachzulesen, fort schreiben. Auch dieses „wenn ich das jedes Mal wieder erklâren müssze“, das isses doch, was auch diesen Thread prägt. Lustig auch, dass die schlimmsten Moralisten, siehe Nörgler oben und seine Versuche oben, Erpressungsmanöver zu vollziehen, dann Moralisierung geißeln.

    Am besten gefällt mir aber der Satz mit dem „Täterschutz“: Mich hat tatsächlich NIE jemand gefragt, wie es mir geht mit all den Attacken von Genova, Cassandra, die von sexy Ärschen von 1860-Spielern auf die SA und andere Faschisten schloss, während sie mit Leuten paktiert, die die Todesstrafe für Schwule fordern, Hartmut, Netbitch,Dean, Nörgler und am ekelhaftesten Che mit seinen Psycho-Ferndiagnostiken, die gewagt waren für jemanden, der nie zuhört. Auch Mark nicht. Das scheint für euch normal zu sein. Es gab aber seitenweise Emphatie für die katholische Kuh, endlose Mails zu deren Privatleben. Es hat NIE jemand auch nur den Hauch des Verständnisses für Loellie geäußert. Aber ALLE kotzen einen mit den eigenen Befindlichkeiten voll, und das gehört ja auch zur Struktur, Angehörige von Minderheiten mit den Problemen, die se mit diesen haben, auch noch vollzunöhlen und fürchterlich beleidigt zu sein, wenn kein seliges Lächeln ob dieser Güte die Antwort ist. Es geht um Tâterschutz, sonst nichts. (ich nehme T. Albert wie üblich von dem „alle“ aus).

    Und, auch Jungle-World: Ganz schrecklich ist dann wieder die Angst, als Rassist gelten zu können. Das postnazistische Deutschland. Rassismus geht dem am Arsch vorbei, wichtig ist, kein „Rassist zu sein“, und wehe, PoC widersprechen, dann droht die Abschiebung …

  61. momorulez Juli 30, 2012 um 11:02 pm

    @Hannah:

    Das hat was mit Schwulen im Sinne des „Teile und herrsche“ zu tun. Da werden dann eben auch von WHM Abweichende gegeneinander ausgespielt – Schwule, angeblich durchgängig wohlhabend, gegen „Migranten“, angeblich durchgängig arm. Du spielst „afrikanische Eliten“ gegen „Flüchtlinge“ aus, wieder im Sinne von „arm“ gegen „reich“. Und hast bisher Deine eigene Position in dem Spiel nicht benannt.

    Und natürlich war das alles einfacher, als die Status-Differenz klar war. Das liebt der weiße Deutsche doch, für „Brot für die Welt“ zu spenden. Er setzt sich dann auf das Plenum und referiert über die eigene Güte, und der „Flüchtling“ darf brav „Massa, Du bist so gut zu mir!“ sagen.

    Das soll jetzt weiß Gott nicht die Flüchtlingsarbeit verächtlich machen, da haben ja selbst Kotzbrocken wie Che2001 Imposantes vorzuweisen, und in welchen Fällen das zutrifft und in welchen nicht, können nur betroffene „Flüchtlinge“ selber sagen, nicht ich, das ist ja der Kern der Debatte,

    Aber es ist schon auffällig, was WHM für ein Aggressions- und Erpressungspotenzial heraus nehmen, wenn Nicht-WHM auf deren eigenem Terrain wildern. Ratzfatz mutieren sie zu Rechtsradikalen.

    Wo Du nun in dem ganzen Spiel anzusiedeln bist, das weiß ich auch nicht.

  62. Hannah Juli 30, 2012 um 11:24 pm

    Ich bin vom Flüchtlingsstatus nicht so sehr weit entfernt – stamme ab von Flüchtlingen, kam nach Toitschland mit einem Abschiebestipendium – zurück, wenn Studium beendet. Dagegen habe ich mit Erfolg gekämpft. Und obwohl ich in meinen ersten Nächten in diesem Land monatelang von Auschwitz träumte will ich nicht zurück. Wegen Bombengefahr, schlechter sozialer Standards und einer Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft, die Ihr Euch wahrscheinlich nicht vorstellen könnt. Dass Schwule arm oder reich seien, davon habe ich nie was gehört. Mit dem Rest den Du so schreibst kann ich wenig anfangen, scheint alles sehr persönlich auf Leute bezogen zu sein die ich nichtkenne, ich kann zu meiner Verortung allerdings sagen Klasse gegen Klasse. Und den Konflikt gibt es eben auch zwischen Flüchtlingen und afrikanischen Studis aus Plantagenbesitzerfamilien in Deutschland, Die wenigen Bootsflüchtlinge die hier ankommen sind doch nicht nur vor den ungerechten Terms of Trades geflohen, sondern auch vor den Taylors und Mugabes, und die Kinder von deren Günstlingen studieren hier. Und ein kleiner Teil von denen will dann halt hier PoC-Communities dominieren. Ich käme nie auf die Idee, Palifrauen in Toitschland vorzuschreiben, wie sie sich zu verhalten hätten, es wäre korrekt, wenn sie mir was reinhauten in dem Fall. Ansonsten wird es mir langsam zu kompliziert, hier zu argumerntieren.

  63. Hannah Juli 30, 2012 um 11:34 pm

    Ein letztes noch: Ich komme aus einer Tradition von Opfern des härtesten Rassismus, den es je gab, lebte in einem Land, dessen Suprematiebevölkerung sich rassistisch verhält, ging in das Land der Verfolger meiner Vorfahren, solidarisiere mich da mit den rassistisch Unterdrücktesten, die es dort gibt und erlebe Debatten, die ich überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann und will.

    Irgendwie habt Ihr Deutschen alle was an der Waffel!

  64. mark793 Juli 30, 2012 um 11:40 pm

    wenn du doch eh ignorierst, was hier geschrieben wird, was willst du dann eigentlich?
    @Loellie: Weißt Du, ich guck ja kein Fernsehen, da suche ich mir halt andere Abendunterhaltung. Das führte irgendwann zu gelegentlichem Mitlesen hier und sporadischen Wortmeldungen, aber zugegebenermaßen nicht dazu, dass ich alle Beiträge und Threads auswendig gelernt hätte und jedem einzelnen Link auf irgendwas hinterherklicke, um stets auf Höhe der Debatte zu sein. Das kann man arm nennen oder wenns politisch genehmer ist auch auf meine üppige Polsterung mit diversen Privilegien schieben. Aber die ganze „neu erfinden“-Debatte war schon durch, bevor ich hier aufschlug, Dean hat seit Jahren auch schon in ganz anderen Zusammenhängen für manchen schrägen Film gesorgt, da wäre ich nun nicht unbedingt auf die Idee gekommen, in ihm einen dezidierten Schwulenfresser zu sehen. Und, und, und. Nun ist Momo mir gegenüber ja nicht rechenschaftspflichtig, ich versuche zu verstehen, was ihn so umtrieb, und das gelingt mir heute etwas besser als damals. Insofern: danke an die Beteiligten.

  65. momorulez Juli 30, 2012 um 11:47 pm

    @Hannah:

    Ich glaube, eine zumindest entfernte Vorstellung von der Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft zu haben. Und das sind nicht nur persönliche Konstellationen und Beziehungen, die hier diskutiert werden, das sind schon auch übergreifende Diskussionen, die natürlich irgendwie auch was mit Auschwitz zu tun haben. Weil ich einerseits, zumindest zum Teil, zu den Nachfahren derer gehöre, die da mit gemischt haben – mein Vater war noch Pimpf, die oben erwâhnte Oma hat die Nazis gehasst. Weil ich andererseits zu den Opfergruppen gehört hätte, die zudem danach nie entschädigt wurden und bis ’69 kriminalisiert blieben. Und das Gefühl, dass das schneller wieder losgehen kann als man das gemeinhin glaubt und dann „Die Linke“ das ebenso wenig stört wie immer schon, wenn sie gegen Eulenburg und Dekadenz hetzte und mittels der Psychoanalyse unsereins für krank, mittels proletarischer Mythen uns für degeneriert erklärte, die besteht ja fort. Wenn ich die Diskussionen über dieses Camp lese, weiß ich einfach, dass die, die gegen Emma wettern, auch mich meinen, und dass sie die ersten sein werden, die Elektroschocktherapien dann auch nicht weiter schlimm finden.

    Was ich da ansonsten raus lese, korrigier mich, ist doch eher, dass auf alle „Eingewanderten“ ein Auslese-Druck ausgeübt wird, der dazu führt, dass Du Dich gegen andere wie z.B. „afrikanische Eliten“ behaupten musst. Das Problem ist doch aber, dass dieser Druck wie immer schon von weißen „Volksdeutschen“ ausgeübt wird. Was diese PoC lediglich explizit machen. Und ein Phämomen wie Charles Taylor ist doch keine Frage „schwarzer Eliten“, sondern der Geschichte Liberias. Die dadurch geprägt ist, dass „frei gelassene“, christianisierte Sklaven dort zum Zwecke der Kolonisierung angesiedelt wurden und sich einer für sie sehr fremden Welt gegenüber sahen, aber mit den Privilegien der Kolonisatoren ausgestattet waren. Teile und herrsche. Das prägt bis heute die Gesellschaft dort, und dass dann Fragen wichtig werden wie jene, wer die weiße Perspektive übernommen hat und wer nicht, das ist doch klar. Das steckte auch hinter dem „Konflikt“ zwischen Hutu und Tutsi in Ruanda, wo sogar germanische Rasselehren als Import wirkten. Und da spielte dann zu Zeiten des Genozids wiederum die Lage im Kongo hinein, wo um Rohstoffe gekämpft wurde und wird.

    Da ist doch nur klar, dass viele davon Geprägte das Eigene suchen.

    Und ja, das ist auch alles kompliziert.

  66. momorulez Juli 30, 2012 um 11:58 pm

    @Hannah:

    PS: Dass man jemandem, der aus Israel hierher kommt, solche Steine in den Weg legt, das macht mich übrigens auch schon wieder fassungslos. Da wünsche ich Dir echt alles erdenklich Gute, dass man Dich hier in Ruhe leben lässt, so lange Du hier leben willst.

  67. Loellie Juli 31, 2012 um 12:04 am

    Weist du Mark, es hätte auch gereicht, beim letzten mal, als dir T.Albert kleinklein erklärt hat, was mit „Inszenierung der Familie“ gemeint ist zu lesen, auch ohne jedem Link zu folgen oder alles zu lesen. Der hat nämlich Dir geantwortet. Stattdessen kommst du bei der nächstbesten Gelegenheit wieder an, stellst dich dumm und faselst woanders gerade wieder was von „mit Kindern nicht auf die Strasse dürfen“ und „T-Shirt machen zum Lesben auf den Sack gegen … harhar“.
    Und ich bin mir totsicher, dass du bei dem Text in der taz damals, das mit den Kampfmüttern in Prenz’lberg, mitgejohlt hast. Das hast du ja auch verstanden. Nur, wieso eigentlich?

    Du willst mir doch jetzt nicht allen ernstes erzählen, dass das Bsp mit den Rastalocken da oben deinen intellektuellen Horizont übersteigt. Selbst wenn du nicht verstehst, was „Aneignen“ konkret bedeutet, ist das doch offensichtlich was anderes als „negative Sachen wie Rastafari“.

  68. momorulez Juli 31, 2012 um 12:06 am

    @Mark:

    Rund um den zündenden Beitrag beim Che hat sich Dean dezidiert als Schwulenfresser gebährdet, hier im Blog noch unter falscher Identität. Zu Nörglers großer Begeisterung, der da mal wieder Staatsanwalt spielte auf eine ziemlich erbärmliche Art. Und Che hat da unkommentiert Beitrãge stehen lassen, ganz üble Nummern, für die umgekehrt der Hetenmob wochenlang rachsüchtig über mich hergefallen wäre. Das ist zumindest Netbitch damals aufgefallen, immerhin.

  69. momorulez Juli 31, 2012 um 12:10 am

    @Loellie:

    T-Shirts zum Lesben ärgern, harhar? Wo hat Mark denn das geschrieben? Dass zu Fortpflanzern Erzogene da empfindlich sind ist ja nix Neues, aber das ist schon hart, @Mark .

  70. Loellie Juli 31, 2012 um 12:26 am

    „Dass man jemandem, der aus Israel hierher kommt, solche Steine in den Weg legt, das macht mich übrigens auch schon wieder fassungslos.“

    Das ist mir auch neu und völlig unverständlich. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass einer Enkelin von Exildeutschen Juden der Flüchtlingsstatus zugemutet wird.

    @“ … Die wenigen Bootsflüchtlinge die hier ankommen sind doch nicht nur vor den ungerechten Terms of Trades geflohen, sondern auch vor den Taylors und Mugabes, und die Kinder von deren Günstlingen studieren hier. Und ein kleiner Teil von denen will dann halt hier PoC-Communities dominieren. … “

    Das ist natürlich möglich und müsste entsprechend aufgearbeitet werden, nur kann ich mich eben nur nach dem richten, was ich zu lesen bekomme, und da sehe ich die gleiche Haltung und Abwehrreflexe die ich leider nur zu gut aus der Linken Ecke kenne, wenn die aufsässige Schwuchtel mal wieder nicht die Klappe halten will. Die persönlichen Bezugnahmen in der Diskussion hier machen das einer Aussenstehenden bestimmt nicht leicht, es ist aber ein systemisches Problem, das selbst dann besteht, wenn da eine gezielte Unterwanderung der AntiRa laufen sollte.

  71. Loellie Juli 31, 2012 um 12:29 am

    @T-Shirt

    Hier in der letzten Diskussion vor ein paar Wochen und ansonsten Gottweiswo später nochmal. Irgend ein blöder Provo-Spruch … ich führ da auch nicht Buch.

  72. momorulez Juli 31, 2012 um 12:36 am

    Irgendwie habt Ihr Deutschen alle was an der Waffel!

    Sorry, meine App hatte mir den Kommentar nicht angezeigt 😦 – @Hannah, da hast Du völlig recht!!!

  73. Loellie Juli 31, 2012 um 12:49 am

    @ Dean … da war der hier aber doch schon x-mal rausgeflogen, weil er sich immer wieder wie Sau aufgeführt hat.

    Anyways, ich guck jetzt noch Quatsch. Bei dem hier weiss ich wenigstens, dass er nicht echt ist

    http://www.youtube.com/watch?v=khpnVRRowN4&feature=relmfu

    http://www.youtube.com/watch?v=7qjY6sU8n18&feature=relmfu

  74. Hannah Juli 31, 2012 um 9:57 am

    @Das ist mir auch neu und völlig unverständlich. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass einer Enkelin von Exildeutschen Juden der Flüchtlingsstatus zugemutet wird.

    Ganz so ist es nicht. Der andere Teil meiner Familie hat palästinensische Wurzeln. Ich hätte auf Wiedergutmachungsvereinbarungen mit der Jewish Claims Conference pochend von Anfang an ein Bleiberecht oder eine Einbürgerung erreichen können, aber das war nicht mein Weg. Ich kam als Studienstipendiatin

    Für StipentiatInnen aus außereuropäischen Ländern ist vorgesehen, dass die nach Abschluss ihres Studiums zum Ausreisenn veranlasst werdenb, da Sinn des Studiums die Erlangung von Qualifikationen zum Aufbau ihres Landes sei – sehr entwicklungspolitisch gedacht. Glaube allerdings kaum, dass Israel Entwicklungshilfe von Deutschland bräuchte. Vom Auslandsstipendiatinnenstatus zum Daueraufenthalt zu kommen, das war die bürokratische Schwierigkeit.

  75. momorulez Juli 31, 2012 um 10:17 am

    Das finde ich wirklich mehrfach eindrucksvoll, weil ja so ein Mythos hierzulande kursiert, dass amouröse Beziehungen zwischen Juden und Palästinensern ein NoGo seien.

    Und weil das ein Unding ist, Stipendiaten aus außereuropäischen Ländern dann wieder zurück zu schicken, was soll denn so ein Blödsinn schon wieder? Das empört mich jetzt aber auch.

    Das leitet aber indirekt zu den „afrikanischen Eliten“ über. Ein Kumpel von mir hat in Ghana eine schwarze Frau kennen gelernt, sie dort geheiratet, und wollte dann mit ihr zusammen nach Deutschland. Die Botschaft hat ALLES dafür getan, das zu verhindern. Woran man nur wieder sieht, wie tief das Völkische hier immer noch sitzt. Zum Kotzen. Vielleicht kommt man ja besser durch, wenn man Bestechungspotenzial hat.

  76. Noergler Juli 31, 2012 um 12:28 pm

    Es gibt einen Song von Franz-Josef Degenhardt, in dem er die durch „Bild“ befeuerte Pogromhetze mit den Worten „dir sollte man die Haare mit der Heckenschere abschneiden“ aufspießt.

    Die Einwände gegen die weiße Dreadlockerei sind inhaltlich allesamt richtig, obzwar ich hierin eher das heilige Vorrecht der Jugend auf schlechten Geschmack sehe.

    Aber die Differenz zwischen der Kritik einerseits und der Übergriffigkeit von Abschneideaufforderungen andererseits macht den Unterschied ums Ganze. Was von dergleichen Entgleisungen zu halten ist, liest man bei Adorno, Fraenkel-Brunswick et al. Kritik ist die eine Sache, aber „Cut it off“-Zettelchen zustecken (worauf die einzig angemessene Antwort „Piss off!“ lautet), Alkohol verbieten (wohl um nordamerikanischen Ethnien nicht kolonialpaternalistisch ihr Feuerwasser wegzusaufen), und Essensvorschriften für Roma (Schluß mit dem Sinti- und Roma-Schnitzel, hahaha!) sind mentale Schräglagen, die auf der F-Skala eindrucksvolle Werte erzielen.

    Und weil wir gerade so nett über weiße und schwarze Haartracht sprechen: Frau Knowles ist „Botschafterin“ (so nennt man neuerdings Reklameschlunzen) von L’Oreal. Sie bewirbt ein Haar“pflege“produkt, das mit Einsatz brutalster Chemie (laut Beipackzettel drohen bei unachtsamer Anwendung schwerste Augenschäden) bei Kraushaar die Molekülketten knackt, so daß weißes Glatthaar ermöglicht wird. Die Botschaft: Weiß gut, schwarz schlecht. Der Hersteller nennt es „ethnisches Marketing“, das den schwarzen Kundinnen „Freiheit“ ermöglicht.

    Mir kommen da ganz spontan so einige Sprüchlein in den Sinn, die man Beyoncé auf Zettelchen zustecken könnte.
    Aber die ZettelverteilerInnen müssen wohl erst noch die diversen Camps abarbeiten.

  77. momorulez Juli 31, 2012 um 12:49 pm

    Da machst Du aber gerade eine eines ganzen Weinkellers würdige Fässersammlung auf 😉 – das Beyoncé-Thema verschiebe ich mal auf später, das ist auch krumm, wenn Weiße Schwarzen erzählen wollen, sie sollten sich doch mal bitte schwärzer verhalten.Da spielt zudem die Unterscheidung „schwarze Unterhaltungsarbeiter“ und „weiße Künstler“ mit rein, deshalb hat Adorno in diesem Fall nix zu sagen.

    Ich bin ja bei der Alkoholfrage und dem aktiven Abschneiden ganz bei Dir, der macht aber nicht den Unterschied ums Ganze. Weil die Unterscheidung zwischen dominanten und marginalsierten Gruppen eben besteht. Deshalb ist das auch was anderes, wenn der deutsche Spießer gegen Langhaarige wettert, als wenn Noah dergleichen schreibt.

    Im Grunde genommen muss man da aber die ganze Geschichte weißer Gegenkulturen aufrollen, und das ist echt ein Mega-Thema.

  78. Loellie Juli 31, 2012 um 1:32 pm

    Das ist bei dem Fazit jetzt aber wirklich Nation of Islam und nicht Black Panther, und das es tatsächlich ausreicht, auch ohne Symbole oder Dresscodes einfach nur neben einem Schwarzen zu stehen, um von einem potentiellen Angreifer Schwarz gelesen zu werden, durfte ich wiederholt am eigenen Leib erfahren. Im Zweifel geht das ganz flott, dass man Privileg gehabt hat.
    Und wenn ich da jetzt Elvis Pressley schreibe statt Dreadlocks, weil der mit seinem Geteue und Gesinge Schwarze lächerlich macht, Amy Winehouse genauso, bist du der erste der austickt 😉

    Ich käme dann aber wieder nicht auf die Idee, dass ein akademisch gebildeter weisser AntiRa von „seinem“ Wiederstandssymbol spricht, sondern ganz genau weiss, was es mit Dreadlocks auf sich hat und was er tut. Das ist ja nochmal was anderes, als die Partymaus, die am Wochenende mit Funky-Dreads zum HipHop-Konzert geht. Oder sollte es zumindest sein.
    … So merkwürdig ich das schon immer fand, wenn weisse mit Dreads rumlaufen …

    Und das ich nicht in den Keller laufe, sobald Farakhan den Mund aufmacht, bei aller berechtigter Kritik, hab ich ja auch schon wiederholt geschrieben.

    Mein Punkt aber, und auch das kommt in dem Artikel rüber, ist, dass das Thema Dreads, und wie es verdreht wurde, obwohl ich mich jetzt schon min dreimal darauf bezogen habe, einfach komplett ignoriert wird. Ausser von dir. Es ist ja auch nur ein Bsp, aus einer ganzen Reihe in den mittlerweile diversen Texten und Kommentaren auf Linksunten und JW, und ich fresse einen Besen, wenn das in dem Lager anders gelaufen ist. An einem Ort, an dem man eigentlich 1. Diskursbereitschaft, 2. Offenheit und 3. ein mindestmass an Bildung voraussetzen können sollte.

    Und ärgern tut es mich auch, dass ich das schreibe, weil doch keine Sau von denen weiss, wer Farakhan und Cleaver sind, was die warum sagen, oder nicht, was Tim Wise zu White Privilege sagt, konsumgerecht auf Youtube, und diese Diskurse mit „das ist so in den USA, das lässt sich nicht übertragen“ abgebügelt werden. Ist ja Identitär. Wo Frontex ein NATO-Konzept ist, aus den USA, und sich am Lagerkomplex das Prinzip der grünen Zone in Bagdad aufzeigen lässt. Was sich übertragen lässt bestimmen wir. Weisses Privileg.
    Der Privatisierungswahnsinn des Neoliberalismus ist auch ein Konzept aus den USA. Entwickelt von Wissenschaftlern, die Atombomben konstruiert und deren strategischen Einsatz durchgeplant haben. Und was sollen diese Privatisierungsbomben vernichten? Richtig, Affirmative Action. Auch das macht ohne Rasse und Apartheit keinen Sinn.

    Natürlich sind bestimmte Strategien, vor allem im öffentlichen Diskurs auf europäische Verhältnisse spezifiziert, wer aber glaubt, er könne es sich sparen, sich auf den aktuellen Stand der Diskussion in den USA zu bringen, der kann auch nichts sinvolles zur Zerschlagung des Sozialstaates bis hin zur Aufstandsbekämpfung in Tottenham oder den Banlieus, zur Privatisierung, oder Frontex und zum Lagerkomplex beitragen. Instinktiv den direkt Betroffenen die Symptome lindern sicher, aber analytisch, theoretisch?

    Soweit so gut. Da oben, kaum war mir der Bertelsmann aus den Fingern gerutscht, kamen die „Pflanzerkids“ als Terror-Elite angedackelt, mal sehn was jetzt kommt.

  79. Loellie Juli 31, 2012 um 2:00 pm

    Ah … unser Nörgler, der ja mein Hauptargument ist.
    Zwei Stunden mit so einem Arschloch in einem Zelt und ich saufe mich besinnungslos und gröhl schweinische Lieder. Dann heist es nach meinem Rauswurf „Naziangriff aufs Camp erfolgreich abgewehrt“.

    Wo Beyonce nun schon wieder herkommt und was die hier verloren hat sei dahingestellt, du wirst es dennoch nicht erleben, dass ich deren Engagement beim Nestle Konzern anders bewerte als das von George Cloony. Nestle und Bertelsmann sind mit die grössten Probleme, hier in Europa und von Europa ausgehend für den ganzen Globus, und da gibt es keinen Jagdschein.

  80. momorulez Juli 31, 2012 um 3:29 pm

    „Und wenn ich da jetzt Elvis Pressley schreibe statt Dreadlocks, weil der mit seinem Geteue und Gesinge Schwarze lächerlich macht, Amy Winehouse genauso, bist du der erste der austickt“

    Nö. Bei Elvis ist das ambivalent, weil der einerseits als „white Trash“-Junge in Gospelkirchen sozialisiert wurde und man ihn, wenn man denn will, als Brückenschlag sehen kann – und der hat auch nicht einfach nur okkupiert und absorbiert, sondern sich fortwährend verbeugt. Trotzdem hat natürlich gerade er – bzw. seine Wirkung war so, geplant hat er das ja auch nicht – dieses Verdrängungsmoment sozusagen mit konzipiert, unfreiwillig, wofür ihn Chuck Berry Zeit seines Lebens gehasst hat, irgendwie ja zu recht. Und dass er gesungen hat wie der frühe Solomon Burke, das weiß auch kein Schwein, und das ist schon von Relevanz. Er war zudem im Gegensatz zu Lennon wirklich ein „Working Class Hero“, keine Bildungsbürgerspeisung, und somit vor den Aneignungen der 60er Jahre, die es ja sind, die bis heute wirken. In den 50ern waren das eher die von Norman Mailer beschriebenen „Hipster“, die Cool Jazz und BeBop hörten, und Mailer hat dafür zu recht viel Prügel bezogen. Elvis‘ Comeback-Special war eine einzige Verbeugung vor der schwarzen Kultur, dieses Setting, wie sie da im Kreis sitzen, er in schwarzem Leder, ist auch das Gegenteil von Jan Delay mit schwarzem Backgroundchor. „If I can dream“ huldigt Martin Luther King, und „In the Ghetto“ war so ohne nun auch nicht – was jetzt übrigens die Wiedergabe dessen ist, was mein PoC-Kompagnon neulich sagte, als er das zufällig irgendwo gesehen hat.

    Da gibt es viel zu kritteln, aber die Lage ist nicht so eindeutig wie bei Amy Winehouse, weil die die Sharon Jones and the Dap Kings mehr oder minder 1 zu 1 kopiert hat und dieser „Back to Black“-Slogan dann ja einerseits programmatisch ist und zugleich karrikiert wird. Dazu könnte Noah sich auch profunder äußern als ich. Wichtig ist doch zudem, dass in anderen medialen Aufbereitungen eben nicht jemand wie ich quatscht, sondern dass man PoC die Federführung überlässt, wo und wie auch immer das geht.

  81. Hannah Juli 31, 2012 um 6:03 pm

    @Was geschehen ist, war eine von bestimmten Leuten betriebene Steuerung von Stimmungen, z.B. saßen die strategisch verteilt in einem Plenum, um auf Zwinkern oder Nicken kollektiv zu klatschen oder zu lachen, wenn ein Argument ausgehebelt werden sollte … ”

    Den Eindruck, dass die Intervention im Sinne von Aktionstheater angelegt war, hatte ich auch beim lesen. Grundsätzlich finde ich das erstmal grossartig.

    Aktionstheater? Ja, die Stoppschilder schon, aber dieses Diskussionsverhalten würde ich schlicht als Einschüchtern, Auslachen und Niederbrüllen bezeichnen. Vielleicht wird aber auch demnächst Derailing zur olympischen Disziplin erhoben.

  82. Loellie Juli 31, 2012 um 6:53 pm

    Ja, und genau dieser autoritäre Dogmatismus, dieses bestimmen wollen, wer mit welchen Mitteln welchen Protest zu artikulieren hat und wer nicht, ist mein Problem in der Debatte.
    Das ist genau die totalitäre Nummer die du vorgibst zu kritisieren.

    Selbstverständlich finde ich es unter Umständen völlig legitim, eine Veranstaltung mit „Einschüchtern, Auslachen und Niederbrüllen“ zu sprengen. Was denn sonst?

    Als ob dieser polemische Einwurf die Diskussion jetzt auch nur um ein Komma weitergebracht hätte. Sagt der Polemiker 🙂 . Da muss schon mehr kommen, um mich davon zu überzeugen, dass die sich grundlos daneben benommen haben. Siehe oben.

  83. Loellie Juli 31, 2012 um 6:58 pm

    Zu den Dreadlocks, bzw der Frage, wie es zu einer derartigen Verdrehung eines Themas kommen kann, der Frage, inwieweit derartige Vorkommnisse der Grund für die beanstandeten Interventionen gewesen sein könnte, oder wie du reagieren würdest, wenn ein dir ernstes Anliegen mit „och, das ist doch aber chic und die sind beliebt“ abgebügelt würdest, äusserst du dich natürlich wieder nicht.

  84. momorulez Juli 31, 2012 um 8:16 pm

    @Hannah:

    Dieses Johlen, Abbügeln, Niedermachen, Sprechverbot erteilen usw. ist EXAKT das, was Marginalisierten permanent widerfährt, da braucht man nur als Schwuler in linken Blogs kommentieren, schwule Perspektiven in Medien unterzubringen versuchen oder als PoC-Frau Texte darüber zu schreiben, dass man keine Lesungen da abhält, wo Dokumente rassistischer Gewalt als putzige Dekorationen in Ecken herum stehen. Es ist hier noch nicht wie in St. Petersburg, dass es unter Strafe stünde, aber das gesamtgesellschaftliche Sprechverbot ist doch manifest. Ich habe z.B. das mit den Studenten aus außereuropäischen Ländern noch nie gehört.

    In meinen Augen haben die Aktivisten auf dem Camp genau das hervorragend spürbar gemacht – weil gerade die ach so aufrechten Antirassisten da ja oft ganz weit vorne sind bei Entmündigungen, weil SIE ja die Antira-Experten sind.

    Emma führt auch andere Gründe an, nämlich z.B. auch, dass Mehrheitsgesellschaftler einen ständig dazu nötigen, immer wieder das gleiche zu erzählen. Das ist so, und ich fahre denen da mittlerweile auch über den Mund.

    Nun verfügen aber weder PoC noch Schwule noch Feministinnen hierzulande über eine Gerichtsbarkeit noch über Knâste, sie prügeln nicht mit Gummiknüppeln um sich (vom Dildo-Gebrauch mal abgsehen), sie betreiben keine staatlichen Fernsehsender – und wie man sich in Medien anpasst, um noch Aufträge zu erhalten, das weiß ich ziemlich gut. Und das ist ja der Punkt, wo Nörglers „Wehret den Anfängen“ so schwachsinnig ist – keiner derer, über die er her fällt, verfügt über solche Möglichkeiten.

    Angesichts Deiner Geschichte wundert mich, dass das alles für Dich gar kein Thema zu sein scheint, meine ich ohne den Unterton, den man da jetzt rein lesen kann. Das wundert mich wirklich.

    @Loellie;0:

    Auf das Dreadlock-Thema geht keiner ein, weil es da ans Eingemachte geht, was die Gegenkulturen seit den Beatniks und Hippies, auch, eigentlich seit Picasso und „Les Fauves“ betrifft – deshalb ist Nörglers Verweis auf Degenhardt ja so verräterisch. Weil eben die ganze Welle seit den Rolling Stones, die ja auch noch viel schlechtere Musiker als all die schwarzen Virtuosen sind, von der Black Culture sich nährte. Und hört man sich dagegen den Musikantenstadl an, ist das halt bis heute erbärmlich.

    Schwierig wird die Diskussion, wenn man sie auf die Blackface-Diskussion bezieht, wo es ja auch darum ging, dass doch mal in schwarzer Hamlet oder Woyzek, auch Widerstandskultur, besetzt werden müsste, Weil man da die Diskussion nicht umkehren kann, und klar, das liegt auch an Assymetrien, die aufgehoben werden müssen, weil auch der Hochkulturzirkus durch und durch rassistisch ist und häufig auch darauf angelegt war, die Spuren von Sinti- und Roma-Einflüssen, die oft mit jüdischer „Folklore“ verwoben waren, zu tilgen und auch Rythmen zu eliminieren zugunsten dessen, was Nœrgler und Bersarin dann abfeiern.

    Umgekehrt würde sich Noah auch wundern, wenn ich beim nächsten Treffen mit Schmiss, Pickelhaube, Schützentracht oder SA-Uniform auflaufen würde, weil Weiße ja so was tragen.

    Ich finde deshalb die Dreadlock-Debatte wichtig und richtig, aber das ist noch nicht alles, was man dazu sagen kann, weil Kultur eben sowieso immer hybrid ist. Wichtig ist doch, dass man weiß, wo man klaut und das als Gelegenheit nutzt, die Geschichtsschreibung von Marginalisierten nicht wie der Alte Bolschewik zum Bildungsbürgerprinzip erklärt, um weiter im eigenen, ranzigen Saft zu schmoren – sondern ganz im Gegenteil als Chance sieht, etwas zu lernen, zuzuhören, anderen Raum zu lassen und zu geben, gerade, wenn man die dominante Position besetzt..

    Und was ein Eric Burdon, ein van Morrison, ein Dr. John, die Talking Heads oder Gang of Four gemacht haben, war vielleicht nicht immer performativ, aber zumindest musikalisch eine ganz intelligente Aneignung. Es darf halt nur nicht passieren, dass keiner mehr Donnie Hathaway, Gil Scott Heron oder Sam Cooke kennt, „A change is gonna come“ kennt ja kein weißes Schwein mehr. Wobei die Talking Heads oder Van Morrison ja auch kaum noch wer kennt, Silbermond aber alle.

    Kleine Randanekdote: Habe neulich das Vergnügen gehabt, mit dem langjährigen Gesangscoach von Beyoncé zusammen zu sitzen, ein großartiger Typ, stockschwul und Sohn einer schwarzen Opernsängerin, der mich völlig entsetzt anguckte,als ich meinte, dass in Deutschland kaum wer Donnie Hathaway kennt. Aber Dreadlocks mit sich rum schleppen …

  85. Hannah Juli 31, 2012 um 10:21 pm

    Angesichts Deiner Geschichte wundert mich, dass das alles für Dich gar kein Thema zu sein scheint, meine ich ohne den Unterton, den man da jetzt rein lesen kann. Das wundert mich wirklich.

    Wäre das eine Diskussion zwischen Jüdinnen/Juden und christlich sozialisierten Deutschen gewesen würde ich Dir zustimmen. So sah es aber nicht aus. Da waren vielmehr unterschiedliche Antirassismusgruppen, teils weißdeutsch, teils ethnisch gemischt, teils Roma, teils afrikanische Flüchtlingsselbstorganisationen, die großteils seit Jahren einvernehmlich, auch mit Kontroversen untereinander, in der Praxis zusammenarbeiten und gemeinsam Demo, Streiks, Kirchenasyle, Flüchtlinge verstecken oder durch Heirat retten organisiert haben und dabei zumindest teilweise zu einem freundlichem, auf gegenseitiger Akzeptanz beruhenden Miteinander gefunden haben, das ohne Rücksichtnahmen aller Beteiligten nicht möglich ist, und dann taucht da eine aus dieser Art von Praxis nicht bekannte Gruppe auf, sehr theoriefixiert und versucht, für Alle verbindliche Sprachregelungen und Verhaltensweisen zu erzwingen. Das war nur ein Reinprallen von abgehobenen Theoriewixern in gewachsene solidarische Zusammenhänge.

    Was Emma erzählt kann ich gut nachvollziehen, aber nicht, was da im Camp abging.

    In Diskussionen zwischen israelischen Pazis oder Linken und Palis wäre so etwas übrigens undenkbar, da geht es zuerst um Respekt vor der jeweils anderen Kultur. Schon in France oder Skandinavien schütteln Linke über diesen Diskurs nur noch den Kopf. Deshalb kamen sie gar nicht erst.

  86. T. Albert Juli 31, 2012 um 10:40 pm

    „Auf das Dreadlock-Thema geht keiner ein, weil es da ans Eingemachte geht,“
    Ja. Mach ich nicht, weil ich bei solchen Themen nach meinen Erfahrungen mit Student/innen und Körperornamentik mittlerweile echt fies werde. Mit Dreadlocks kann man prima den gerade immer mainstreamiger werdenden nationalistischen Mist ablassen wie mit Glatze. Wir vertun uns schon lange, was Formen angeht – auch mit der Zuschreibung „links“.

  87. momorulez Juli 31, 2012 um 11:43 pm

    @Hannah:

    Das, was Emma erzählt, ist halt das, was ich „aus der Ecke“ so kenne, vor allem über Noah vermittelt. Und das ist halt etwas, was ich so gar nicht als Theoriegewixe wahrnehme, das war für mich entscheidend in einer Art nachholenden Empowerments, bin ja nicht mehr der Jüngste, übertragen auf die schwulen Konstellationen. Weil es mir gerade ganz und gar praktisch die Möglichkeit eröffnete, einfach mal „Halt die Schnauze, Du Arschloch“ zu sagen, anstatt letztlich theoretisch geprägt mich ständig auf Referate darüber einzulassen, was ich als traumatisch empfand. Es bot zudem einen Weg, das nicht immer zu relativieren, „Gott, denk doch mal an gefolterte Kurden und Bootsflüchtlinge, Schwuchtel! Jammer nicht!“, was nun weder gefolterteten Kurden noch mir sonderlich half. Aber WHM profitierten nachhaltig davon.

    Ich war nun aber auch nicht dabei, und bei Dir scheint es ja echt Wunden hinterlassen zu haben. Insofern bin ja auch froh darüber, kein Witz, dass Du so auf der Gegenposition insistierst 🙂 – keine Ahnung, wer hier so mit liest, sind ein paar mehr als sonst, und vielleicht ist ja gerade die Unauflöslichkeit etwas Erhellendes?

    PS: Über einen Begriff wie „Erhellendes“ könnte man nun auch wieder tiefsinnig werden; es war mir nicht aufgefallen. Bin eben zumindest auch WM, und ja, ich bitte darum, darauf einzugehen.

  88. momorulez Juli 31, 2012 um 11:59 pm

    @T. Albert:

    „Mit Dreadlocks kann man prima den gerade immer mainstreamiger werdenden nationalistischen Mist ablassen wie mit Glatze. Wir vertun uns schon lange, was Formen angeht – auch mit der Zuschreibung „links“

    Das ist mein Eindruck ja auch seit geraumer Zeit. Der sich deckt mit dem, was meine Freunde vom „Braunen Mob“ berichten, die sich manchmal nach aufrechten CSU-Mitgliedern sehnen, weil sie die ganzen Maßregelungen, Zurechtweisungen und Degradierungen „auf der Linken“ nicht mehr aushalten. Hatte da heute auch wieder Debatten bei Twitter mit an sich ganz süßen Antifa-Jungs, da schlackerten mir nur die Ohren. Da sprach Treitschke.

    Wobei, ich witter das ja bei der Jungle World und anderen „antideutschen“ Vorzeigearieren, wie auch in den ganzen in den 90ern geprägten Antira-Vorkämpfer-Arier-Gruppierungen, die formal deren Gegner sind, weil sie „Antiimperialisten“ sind, die dann Frauen und Schwule und Lesben imperial beackern.

    Hannah nimmt das aber ganz anderswo wahr, was mich nun doch irritiert. Weil auch immer diese Spiegelbildlichkeit aufscheint, dass sich lauter Weiße untereinander wechselseitig das gleiche vorwerfen, und notfalls gehen die Heten dann zu „Momo, äh, Röhm“ oder „Wehret den Anfängen!!!“ über, während Loellie ja zugleich recht hat, das Horst-Wessel-Lied würde beim Fonso in der Kommentarsektion nicht mehr bemerkt.

    Und Hannah steht daneben und konstantiert zu Recht (!!!), dass die Deutschen alle einen an der Waffel haben – obwohl hier gerade zwei Exilanten mit diskutieren.

    Was geht da eigentlich ab? Nachdem ich eben noch das vermeintliche Interview mit dem vermeintlichen Ex-Nazi bei Publikative.Org-Typen gelesen habe, habe ich manchmal den Eindruck, dass es diesmal gar kein Ermächtigungsgesetz braucht, und vorneweg marschieren dann … ich lasse das mal. Aber es ist nicht falsch.

  89. Noergler August 1, 2012 um 9:09 am

    Dass ich Loellie, Dein „Hauptargument“ sei, verwundert, denn bislang waren Deine Hauptargumente mir gegenüber doch Drohungen mit körperlicher Gewalt, mit Staatsanwalt, mit Verfassungsschutz. Dazu paßt, dass Momorulez mein Degenhardt-Zitat nicht gefällt. Entschuldigung, wenn ich Zwangshaarschnitte und Essens-Stasi nicht zwingend für emanzipatorische Veranstaltungen halte.

    Die Berufung auf Ditfurth und Ebermann darum so anmaßend und läppisch, weil die nämlich noch die Idee einer objektivierbaren und darum notwendig a-moralischen Kritik der Gesellschaft vertraten, so, dass Rudimente von bei Marx Gelerntem noch erkennbar schienen, während diverse aktuelle Grüppchen – welche die ja wohl mal kritisch intendierte Theorie der Critical Whitness in eine affirmative Dominanzkeule verdrehen – und deren Wurmfortsätze in diesem Thread Moralexzesse feiern, dass Robespierre vor Freude geweint hätte.

    Das Horst Wessel-Lied fiele beim Don mittlerweile nicht mehr auf. Genau, bei diesen Juden weiß man ja nie.

    Und so geht es weiter in fröhlicher Fahrt. Von den Zinnen der Hochmoral teilt man uns die Lesbenfeindlichkeit des „Slutwalk“ mit.
    Da ist jetzt mal von meiner Seite aus ein von Herzen kommendes „Shut up and listen!“ fällig.
    Wenn Netbitch Innenwahrnehmungen aus Frauenzusammenhängen beschreibt und feststellt, dass bestimmte Lesben als eine Art Avantgarde der Frauenbewegung wahrgenommen wurden inkl. der Verachtung von Heteras als „Schwanzlutscherinnen“, dann muß man schon arg panne sein, um da auf Poschardt zu kommen.

    Doch „wo bleibt das Positive, Herr Kästner?“ Hier ist es: Wenn Momorulez in meinen Äußerungen einen „Wehret den Anfängen“-Impuls wahrnimmt, so fühle ich mich von ihm verstanden. Denn nicht zum erstenmal bin ich Zeuge solcher Anfänge:

    K-Gruppen, „Anti“deutsche und Society-Reklamierer verdrehen die Kritik in Affirmation (K-Gruppen/Marx, AD/Adorno, Reclaim/CW), um aus Hypermoral und Tugendbesitz die Verpflichtung zu einem rigiden Vorgehen abzuleiten, das keine Skrupel mehr kennt.
    Wenn man weiß, wie Robespierre den Terreur mit Rousseau begründete, dann weiß man, mit welcher Sorte man es zu tun hat.

    Im Noboder Camp maßten Weiße sich an, für die PoC zu sprechen. Die Kommunikation wird überwacht, auf Abweichung folgt Strafe. Das muß auch so sein, denn wer leugnet, dass die Guillotine das Segenswerk der volonté générale vollbringt; wer bei Marx nicht lernte, dass die Partei immer echt hat; wer nicht begreift, dass Adorno heute mit Stars and Stripes durch die Straßen gerannt wäre, und wer nicht versteht, dass man als Weißer durchaus auch der bessere PoC sein kann, der ist noch nicht „clear“, wie eine andere Emanzipationsbewegung unserer Tage es ausdrückt.

    Daher besteht dieser Kommentar auch nur aus Äußerungen des mitleidswürdigen („arme Sau“) Nörgler, der seinen inneren Thetan noch nicht gefunden.

  90. momorulez August 1, 2012 um 9:26 am

    Nun spiel hier mal nicht die Unschuld vom Lande und lies mal Deine eigenen Kommentare durch; der einzige, der hier die ganze Zeit nichts anderes macht als stumpf und hoch aggressiv rumzumoralisieren bist Du unter Verzicht auf jegliche gesellschaftliche Analyse. Die Perspektive von Marginalisierten und zu subjektivieren, sich selbst hingegen als Vertreter der Objektivität zu gerieren, hat schon Katholizismus und Kolonialismus befeuert und ist Kern rassistischer, homophober und sexistischer Zurichtung, historisch wie gegenwärtig. Dass Typen wie Du sich immer wenn es ernst wird auf die Seite der nackten Macht schlagen ist ja das Gruselige. Mit Ebermann oder Ditfurth haben Deine Ausfâlle seit Jahren nichts mehr zu tun, Du willst einfach Schwarzen und Schwulen das Maul stopfen und weißt, dass Du gesellschaftlich auf der sicheren Seite stehen, anders als Degenhardt einst, übrigens, auf den sich jemand wie Du nun wirklich nicht berufen sollte, der nur mit moralischer Erpressung arbeitet, siehe oben Deine Interventionen.

    Dass Juden, zumindest die in Israel, sowieso allesamt völkische Rassisten sind, das hattest Du mir ins Blog gekotzt, Und dass Dons Kommentarsektion ein Ableger der jüdischen Gemeinde wåre, das wäre mir auch neu – dass der mit diesem DNVP-Klüngel da bündelt, das ist ja das Erstaunliche.

    Nee, die Kritik der Moralisierung von Gesellschaftskritik kannst Du nun wirklich nicht für Dich in Anspruch nehmen, Du moralisierst lieber gegen PoC, die gesellschaftliche Machtverhältnisse in Frage stellen, mittlerweile ja nur noch schrill verzerrt.

  91. momorulez August 1, 2012 um 10:06 am

    Ach, der hier noch, exklusiv für Dich, Nörgler, wo Dich ja vergewaltigte Frauen – also nicht etwa, dass sie vergewaltigt wurden, sondern vergewaltigte Frauen – auch immer so empören:

    http://maedchenmannschaft.net/reden-ueber-die-dunkelziffer-die-auswertung-von-ichhabnichtangezeigt/

    Daraus würdest Du doch jetzt wieder basteln, dass wüst denunzierende, marodierende Feministinnenbanden brandschatzend und kastrierend durch die Lande ziehen, die nichts besseres zu tu haben, als zu Unrecht und ausschließlich aus denunziatorischen Gründen widerrechtlich Männer vor Gericht zerren, ist doch einer Deiner Lieblingsempörungsaktivierungsrefelx.

    Um mir dann in krachledernden Moral immer wieder SAG MIR WO DU STEHST! SAG MIR WO DU STEHST! SAG MIR WO DU STEHST! zuzubrüllen, weil Du das widersinnigerweise für eine Interviewtechnik hälst, ganz auf den moralischen Appell reduziert ….

  92. Noergler August 1, 2012 um 10:59 am

    Dass Juden, zumindest die in Israel, alle völkische Rassisten sind, ist eine bekannt nörglertypische Äußerung. Da es kaum ein Blog gibt, auf dem ich dies nicht gleichfalls schon darlegte, ist mir gerade entfallen, wo ich das in Deinem Blog tat. Kannst Du mir weiterhelfen?

  93. momorulez August 1, 2012 um 11:13 am

    https://metalust.wordpress.com/2011/11/16/wann-fing-es-an-so-aufzuhoren/

    Siehe die Diskussion. Du bezogest es zunächst auf die israelische Rechte, aber angesichts der Verzerrungen und Unterstellungen, mit denen Du hier die ganze Zeit operierst, war der Wandel in eine „All-Aussage“ zulässig 😉 …

  94. Hannah August 1, 2012 um 1:32 pm

    Also so als Außenstehender ist es ausgesprochen schwer, die inhaltliche Debatte und das persönliche Gekabbel auseinanderzuhalten.

  95. Loellie August 1, 2012 um 1:39 pm

    „Drohungen mit körperlicher Gewalt, mit Staatsanwalt, mit Verfassungsschutz“

    Ja, sowas passiert Arschlöchern die volksverhetzende Reden schwingen. „Schlagt sie wo ihr sie seht!“*.

    *Das ist ein Zitat

    „Ernst Röhm war Schwul“ ist noch ein Zitat.

    Das ist Dein Umfeld, nicht meins 😉

  96. Loellie August 1, 2012 um 1:41 pm

    Hannah … wieso denn, der Noergler bringt doch nichts ausser persönlicher Attacken. Dass der sich inhaltlich an irgendeiner Diskussion beteiligt hat ist Jahre her.

  97. momorulez August 1, 2012 um 1:49 pm

    @Hannah:

    Das verstehe ich vollkommen 😀 – wir kabbeln uns ja seit mehr als 5 Jahren.

    Da steckten jetzt aber 2 übergreifend relevante Themen drin. Das zweite will ich Dir nicht aufdrängen, das erste ist zentral, weil das von Ex-Autonomen, Altmarxisten und „Antideutschen“ gleichzeitig in Anschlag gebracht wird. Das betrifft die Frage, ob die von den Cultural Studies entwickelten Konzepte von Spivak und Butler bis zur Theorie der Privilegien, PC, der Markierung und Critical Whiteness zu einer Moralisierung der Theorie und einer Depotenzierung der Gesellschaftskritik geführt habe. Was dann zumeist im Duktus der moralischen Empörung wie auch persönlich beleidigt geäußert wird, weil ja kein weißer Linker sich auf der Seite der Macht sieht, sondern in irgendeinem allgemeinen Raum vom Objektivität und Vernunft situiert sieht und selbstverständlich auf der Seite des moralisch Guten.

    Ich sehe ja eher ein Ergänzungsverhältnis, das, was die Cultural Studies untersuchen, gründet häufig in dem, was die Marxsche Kritik der politischen Ökonomie untersuchte. Und nachdem strukturelle Marx-Lektüren Akteure aus der Theorie warfen, führen die Cultural Studies sie wieder ein.

    Die andere Frage, die ich Dir wie gesagt nicht aufdrücken will, ist, wie oft Israel instrumentalisieren, es dazu kommen konnte, dass Antisemitismuskritik aus dem Paradigma der Rassismuskritik verschwanden, was häufig dazu führt, dass gerade bei den „Anti-Antiimps“ antisemitische Stereotypen reproduziert werden. Das war noch 1981 anders. Und das betrifft dann natürlich auch die Relation von Palästinensern und Juden in Israel indirekt und sehr verzerrt, weil die Diskussion im Land der Täter sehr instrumentell geführt wird.

    Das wirkt aber auch auf das, was generell in der Antira-Arbeit hierzulande abgeht. Und darum geht es auch in dem verlinkten Text.

  98. Hannah August 1, 2012 um 2:35 pm

    So Konzepte wie Zuhören-Lernen und Privilegienreflexion spielen in der Antira-Bewegung ja schon seit jeher eine zenrale Rolle, ohne das wären gar keine UnterstützerInnenplena für die Wohnheime möglich. Also das findet in der Antira und Antifa schon lange statt, dafür braucht es die RS nicht – die überführen das nur in eine sprachlich dogmatisch fixierte Form. Das ist so ähnlich wie früher mit dem ritualisierten Militanzfetisch bestimmter autonomer Gruppen: Wenn Vermummung und Knüppel nötig sind, um sich gegen Bullen- und Naziübergriffe zu verteidigen heißt das noch nicht, dass jede Demo vermummt 8und behelmt durchzuführen wäte
    Wenn es Sinn macht, mackerige Deutsche auf ihren Sprachgebrauch aufmerksam zu machen, heißt das nicht, dass es genauso Sinn macht, Leute, die seit Jahren in der Antira-Arbeit drinstecken ohne nähere Kenne ihrer Person sofort als Dummdeutsche zu behandeln, die erst mal aufgeklärt werden müssen. Das Verhalten der RS wirkt öfters wie das jener Altmarxisten, die früher daher kamen und ungefragt an den Tisch sich setzten und sagten „Wir erklären euch jetzt mal, wieso die OPEC kein Kartell ist“. Auch eine Art Derailing: Ohne sich irgendwie um die Interessen und Voraussetzungen des Gegenübers zu kümmern dieses belehren zu wollen, weil es „als weiß und typisiert gelesen“ wurde.

    @PC, Israel und Palästina: Den meisten Deutschen würden die Ohren abfallen, wenn sie hören würden, wie sich sowohl Isis als auch Palis über diese Thematiken unterhalten. Das wird vor allem mit viel schwarzem Humor behandelt.

    http://blog-admin.br-online.de/studio-tel-aviv/tag/humor

    Zu jedem Attentat gibt es auch einen Witz. Als im Dezember 2010 der Karmel von schrecklichen Waldbränden heimgesucht wurde und sich offenbarte, dass die israelische Feuerwehr schlecht ausgerüstet sei und über veraltete Fahrzeuge verfüge, da ging der Running Gag durch Tel Avivs Kneipen, wie könne es diesen Missstand nur geben, man wisse doch seit 70 Jahren, wie leicht Juden ins Brennen geraten. Sowas findet man in Israel richtig witzig.

    Der Umgang mit dem Thema Israel Kolonialmacht im Kleinen, Rassismus der Isis gegen die Palis usw.ist ein sehr ernster, aber ein wesentlich entspannterer, offenerer und rationalerer als in Deutschland. Unter linken und säkularen Leuten jedenfalls, die religiösen Fundis aller Fraktionen leben auf einem anderen Planeten.

  99. jingis August 1, 2012 um 3:39 pm

    Das ist dann bei Isis und Palis ganz anders als bei Türken und Kurden. Die Mehrzahl der staatstreuen Türken hält die Kurden entweder für nicht existent oder für kulturell und intellektuell unterentwickelt. Das ist ein knallharter Rassismus – der aber nicht davon abhält, gegen deutsche Übergriffe zusammenzuhalten. Soviel haben wir in der Diaspora auch begriffen, dass es ohne diese Solidarität nicht geht.

  100. momorulez August 1, 2012 um 3:48 pm

    @Hannah:

    Danke!

    Hier ist halt dieses Selbstverständnis, mit der „Stunde Null“, bei den ganzen linken Szenen dann eben mit ’68, dem Beginn der Autonomen oder was auch immer da angeführt wird, in einem postrassistischen Raum angekommen zu sein so dominant, dass daraufhin dann diese ganzen Irrationalitäten und Unentspannheiten auftreten. Das ist ja völlig verdreht in deutschen Köpfen, dieses „Nicht-mehr-so-sein“, dass sie es genau auf dem Wege wieder werden. Weil kurioserweise extrem viele glauben, ihr „Identität“, was auch immer das ist, irgendwie mit dem „3. Reich“ verknüpfen zu müssen. Ich würde jederzeit mein mediales Handeln, meine Haltung zu Nicht-Weißen etc. im Sinne eines „Nie Wieder!“ verstehen, aber Identität hole ich mir irgendwie anders.

    wie könne es diesen Missstand nur geben, man wisse doch seit 70 Jahren, wie leicht Juden ins Brennen geraten

    Oje … das Grauen ist ja, dass hierzulande dann immer viele glauben „Wenn die selbst solche Witze reißen, dann kann ich das Sinne des Kampfes gegen Political Correctness auch“; weil sie ja auch nicht schnallen, dass es einen Unterschied macht, ob ein Schwarzer das N-Wort verwendet oder ein Weißer.

    „Ohne sich irgendwie um die Interessen und Voraussetzungen des Gegenübers zu kümmern dieses belehren zu wollen, weil es “als weiß und typisiert gelesen” wurde.

    Da denke ich ja immer, dass insbesondere WHM nun seit 2000 Jahren ihre Voraussetzungen lautstark debattiert haben, dass sie dann auch mal damit leben müssen, dass sie mal vorrübergehend egal sind und auch mal keine Rücksicht auf sie genommen wird. Weil sie sonst wieder alles dafür tun, nur sich als Thema überhaupt zuzulassen und alles okkupieren und auch wieder die Diskussion steuern. Man ist ja als Schwuler nun auch fortwährend damit beschäftigt, anderen zu bestätigen, dass sie ja auf keinen Fall homophob sind, oh Gott, die Armen, man könnte sie ja für so was halten – dabei sind das doch eh alle incl. der meisten Schwulen zumindest. Was ich dann echt als das Gravierende betrachte – Weiße, die untereinander diskutieren, wer denn nun „Rassist ist“ und wer nicht, das finde ich ebenso enervierend wie Bestätigungsrituale, keiner „zu sein“. Ich finde es wichtiger, PoC-Perspektiven stark zu machen.

    „So Konzepte wie Zuhören-Lernen und Privilegienreflexion spielen in der Antira-Bewegung ja schon seit jeher eine zenrale Rolle, ohne das wären gar keine UnterstützerInnenplena für die Wohnheime möglich. Also das findet in der Antira und Antifa schon lange statt, dafür braucht es die RS nicht.

    Das bezweifele ich, dass das zumindest bei den Feld-, Wald und Wiesenantifas so ist. Die rasten bei den Priviligiendiskussionen doch völlig aus, habe ich alle zwei Tage bei Twitter, gestern wieder bei der Rastafari-Frage. IIIIIIIIIch doch nicht. Priviligiert und mächtig sind immer nur die Anderen! Und dann wird auf einmal diese Nicht-Priveligierten-Dominanz erfunden und fantasiert, Horden von Wilden würden Städte ziehen und unschuldigen Weißen die Haare abschneiden. Da mag beim Nörgler auch Kastrationsangst hinein spielen 😀 – aber da geht der ganze irrationale Kram doch immer erst so richtig los.

  101. momorulez August 1, 2012 um 3:55 pm

    @Jingis:

    Oje … bei dem Thema muss ich auch wirklich meine Schnauze halten, da kenne ich mich viel zu wenig aus. Was aber keine Diskussion abwürgen soll. Nur immer die Gefahr in sich birgt, dass dann irgendwelche „Volksdeutschen“ um die Ecke kommen und sagen: Siehste, siehste, die Türken doch auch!! Da hast Du’s! Dann sollen die sich mal nicht so anstellen, die sind doch VIEL schlimmer als wird. Und Rassismus gibt es auch in Südamerika, das ist halt ganz normal.

    Verflixte Gemengelage, das alles. Danke aber auf jeden Fall für den Kommentar.

  102. jingis August 1, 2012 um 3:59 pm

    Ey Hannah, lass uns mal ne Runde mit dem Beschneidungsmesser durch die Christenviertel ziehen;-)

  103. Loellie August 1, 2012 um 4:26 pm

    Auf Publikative wächst dann doch endlich zusammen, was zusammen gehört. Auch wenn das wenig überaschend kommt.

    “ … natürlich möchte ich mit 44 Jahren weiterleben. Das kann letztendlich nur als Lehrer oder Publizist sein. Es wäre falsch, meine Erfahrungen einfach zu begraben, ich will sie einbringen. …“

    Ich bin da ja klar für „ab in die Produktion“, Hartz-IV und ein gemütlicher Plattenbau.
    Gerade solche Blindgänger haben sich doch nachhaltig für eine Teilhabe am öffentlichen Diskurs disqualifiziert.
    Allein, die Naumannstiftung wird auch hier helfend mit einem Bildungs eV einspringen, Springer und Stern um die Memoiren buhlen und eine regelmässige Kolumne, vllt auf Publikative, „Nationalsozialismus im bürgerlichen Mäntelchen“, frei nach Kühnens „Der Homosexuelle und sein Vaterland“ findet sich bestimmt auch.

    —————-

    Hannah, ich würde mir ja auch weniger an der Waffel wünschen, und frag mich trotzdem manchmal, ob wir es nicht anders verdient haben, dass fast alle jüdischen Stimmen die halbwegs rezipiert werden am rechten Rand der CDU herumdümpeln. Das wir keine_n Jon Stewart, Sarah Silverman oder wenigstens eine Fran Drescher haben. Von „the nanny“ kann man ja nun auch halten was man will, aber wenn man sich das in englisch anguckt ist das ganz schön erschütternd wie bewusst einem wird, wie Nachhaltig alles was man jüdischen Alltag oder Kultur nennen könnte auch 70 Jahre später bei uns noch eliminiert ist. Judith Butler u.a. traut man sich da erst garnicht anzuführen …

    Bei sowas wie den Waldbränden, kommen wir aber eh nicht aus der Sprecherposition. Das muss auch nicht sein. Da finde ich es völlig angemessen, zum lachen schnell in den Keller zu laufen und sich solche Zoten zu verkneiffen. Mindestens.

  104. Bersarin August 1, 2012 um 4:30 pm

    Ich glaube, Momorulez und Loellie, bei Euch waren zu oft die Schranktassendiebe zu Hause. Wie so häufig geht keiner von Euch auf die Sätze des Nörglers ein, schon gar nicht auf die Details seiner Argumentation, sondern es kommt zusammengemurkster und -gerührter Kram, irgendwelche Tiraden und dazu Röhm, Vergewaltigung, Juden, Israel ins Spiel. Geht es eigentlich noch eine Nummer größer? Sollte der Nörgler aufgrund substanzmetaphysischen Aristotelismus nicht vielleicht sogar für den ontologischen Gottesbegriff, womöglich sogar für die Existenz Gottes selbst samt den daran anschließenden verübten Üblen im Namen des heteronormativen WHM-Herren zur Verantwortung gezogen werden? Am besten vor einem Tribunal. Denn: „Vergewaltiger, wir kriegen Euch!“

    Wie tief und lang muß eigentlich der Fall sein, bevor einer bemerkt, daß er ziemlich schräg aufschlagen wird? In Deiner Argumentationsweise, Momorulez, müßte ich dann Loellie unterstellen, er sei ein vom Berliner Verfassungsschutz gedungener Schwerstschläger, der es nicht nur bei Gewaltdrohungen beläßt, sondern diese umsetzt, sobald sich die Möglichkeit bietet. (Und die Verfassungsschutzverbindungen: Vielleicht sogar mit Einschlag nach Thüringen? Man weiß es nicht.) Und Du, Momorulez, treibst das Projekt Hegelianischer Selbstimmunisierung gegen Kritik auf eine solche Spitze, daß jener Hegel dagegen erblaßte und neidvoll auf Deinen Blog schaute. Hätte übrigens der Nörgler das Wort Kastrationsangst geschrieben: Du zaubertest in Deiner unnachahmlichen Logik dann pflugs eine Kastrationsdrohung gegen Schwule daraus. Momorulez, Du lebst nach dem Lied der Pipi Langstrumpf: Ich dreh mir die Welt, so wie sie mir gefällt.

    So, und nun lehne ich mich mit Genuß zurück und warte die wüsten Beschimpfungen des Herrn Momorulez ab: Was mag es diesmal für mich geben? Es ist wie Weihnachten: Vielleicht heteronormativer Hegelianismus mit einem Schuß Pink Swastika gemixt und dem typischen bildungsbürgerlichen Unverständnis des Prenzlauer-Biofleisch-Bergers für Marginalisierte? Oder eher Poschardt mit PI. Was serviert der Herr Momorulez heute als letztes Aufgebot oder als Gericht von der Tageskarte? Wir werden es sehen.

    Die einzige Teilnehmerin, der hier noch mit Interesse zuzuhören ist, scheint mir im Moment Hannah zu sein. Der Humor in Israel gefällt mir gut, wenngleich er Deutschen und Deutschinnen nicht ganz zusteht. Und die Humorfreiheit einer bestimmten Gruppe, die sich links glaubt, ist leider nicht zu leugnen. Das Kalkül dahinter ist die Diskursherrschschaft, wenigstens im kleinen. (Und leider ist die „Titanic“ auch nicht mehr das, was sie früher einmal war, um diesen Typinnen und Typen ihre Arschlochhaftigkeit vorzuhalten.) Aber diese Figuren haben – zumindest strukturell – allesamt ihren Carl Schmitt sehr gut im Hinterkopf, wenngleich sie es vehement leugnen. Ich kann die Franzosen sehr gut verstehen, gar nicht erst anzureisen. Und der Robespierre steckt manchen dieser selbsternannten Wächterinnen und Wächtern über die Tugend, diesen Mittelschichtlerinnen und Mittelschichtlern aus dem Studentenmilieu, tief im Denken. Mir sind sie noch allzugut vertraut.

    „Das Mittel der Volksregierung ist zugleich die Tugend und der Terror: die Tugend, ohne die Terror verhängnisvoll ist; der Terror, ohne den Tugend ohnmächtig ist. Der Terror ist nichts anderes als die schnelle, strenge und unerbittliche Gerechtigkeit; sie ist also eine Emanation der Tugend; …“ (Robespierre)

    Und Tugend, Moral, Regel und Diskursüberwachungen, Normierungen samt Triggerwarnungen sind deren Spielwiese. Wenn das alles nicht die Realität wäre, ich hielte es für Satire oder den derben Spaß eines boshaften Gottes, der es mit der politischen Linken aus Rachelust heraus nicht sehr gut meint. Wahrscheinlich ist letzteres sogar der Fall.

  105. Loellie August 1, 2012 um 4:34 pm

    In Berlin gibt es übrigens auch Schwule israelisch-palästinensische Partys. Einmal im Monat glaub ich.

    Und Kastrationsängste war bei den Rastalocken auch einer meiner ersten Gedanke 😆 ….. Altweiberfastnacht 😉

  106. Loellie August 1, 2012 um 4:48 pm

    Noch so eine arme Sau, die „Bekenne dich!“ für ein Argument hält.
    Und ja, auch dir darf als Reaktion auf volksverhetzenden Dreck die Fresse poliert werden. Was denn sonst? Da hat der Nörgler kein Exklusivrecht drauf.
    Autonome Linke nennen das nicht zu unrecht Notwehr.

  107. momorulez August 1, 2012 um 4:52 pm

    @Bersarin:

    Jetzt mal im Ernst: Worauf soll man denn da jetzt bitte eingehen, und wo ist da ein Argument? Beim Nörgler schon war keines zu finden; was nun in Deinen Ausführungen irgendeine Substanz hätte, das entgeht mir gerade. Auf das mit der „Tugend“ und dem „Robespierre“ bin ich nun mehrfach eingegangen, das nimmt doch auch seit Jahren kein Schwein zur Kenntnis, weil ihr euch selbst so gerne reden hört. Du weißt doch gar nicht, was Du schreibst, wenn Du von Moral oder Tugend schreibst, weil Du Dich damit überhaupt nie beschäftigt hast, aber sie natürlich wie alle anderen permanent in Anspruch nimmst, auch in diesem Kommentar. Der ja eine einzige Tugendforderung darstellt.

    Dass, wenn man selbst nicht getriggert werden kann aufgrund eines Mangels an Diskreditierungserfahrungen, man sich darüber erheben kann, das ist ja gerade Ausdruck des Privilegs. Dass nun die Normalisierten die Normierung beklagen, ist ja auch ein schlechter Witz. Dieses merkwürdige Recht einzufordern, andere herabzuwürdigen und das als „Humor“ zu tarnen ist von Humorlosen geäußert nun auch nicht gerade ein Volltreffer. Und in wessen Denken nun der Robespierre angeblich wohne können wir ja gerne dann diskutieren, wenn Dich jemand auf die Guillotine schicken möchte. Geht’s noch ein wenig idealistischer? Aufforderungen zu Massenhinrichtungen habe ich nun in keinem der Texte, über die wir hier reden gelesen. Würdest Du auch nur eine Minute dem Anspruch gerecht, den Du formulierst, könntest Du keinen Deiner Sätze so stehen lasen.

    Dass Du über „Vergewaltiger, wir kriegen euch“ witzelst, zeigt dann wohl auch nur, wo Deine Prioritäten liegen und wo nicht.

    Was willst Du überhaupt hier, wenn Dich das eh alles nicht interessiert? Das Privileg hast Du ja – Leute wie Du brauchen sich um Sexismus, Homophobie und Rassismus nicht zu kümmern, klar. Die können auch langweilige, durchgängig falsche Texte über Ästhetik schreiben, sich als „L’art pour l’art“-Theoretiker inszenieren, in dem sie den üblichen weißen Bildungsbürger-Kanon nachplappern.

    „Momorulez, Du lebst nach dem Lied der Pipi Langstrumpf: Ich dreh mir die Welt, so wie sie mir gefällt.“

    Das sagt ja der richtige 😀 – ich bin da halt auch ganz Kind dieser Mehrheitsgesellschaft. Nur die hat im Gegensatz zu mir Abschiebeknäste, Racial profiling, verprügelt Schwule und fackelt „Migranten“ ab, damit die Welt so gemacht wird, wie es ihr gefällt.

    Das ist ja das Unverfrorene an Leuten wie Dir und dem Nörgler: Genau diese Intentionen dann denen unterzuschieben, die über Dunkelziffern bei der Anzeige von Vergewaltigungen bloggen. Wenn die darauf hinweisen, dass ein Inszenieren von Paarnormativität Effekte hat. Dass es da um eine Kritik von rechtlich positiv sanktionierter Moral geht, das fällt euch ja noch nicht einmal mehr auf.

    Peinlich, Bersarin, echt.

  108. momorulez August 1, 2012 um 4:54 pm

    Ich distanziere mich ausdrücklich vom Fresse polieren; aber auch da sei der Normalfall erwähnt, dass Heten Schwule vertrimmen. Umgekehrt ist mir das nicht geläufig als übliche, kulturelle Praxis.

  109. Bersarin August 1, 2012 um 5:02 pm

    „Und ja, auch dir darf als Reaktion auf volksverhetzenden Dreck die Fresse poliert werden.“

    Und wer darunter fällt, das bestimmt der liebe gute alte Loellie. Per order di Mufti oder als kommunikationstheoretisch ausbalancierte Veranstaltung im Rahmen herrschaftsfrei gewendeter Diskurse der idealen Diskursgemeinschaft? Dies fragt unschuldig dreinblickend der Sowjetische Stadtkommandant und schlenkert belustigt mit seiner AK-47.

    Wir haben nun den Lantzschismus, kommt als nächstes die Loellieoph(r)asie?

  110. Bersarin August 1, 2012 um 5:05 pm

    „aber auch da sei der Normalfall erwähnt, dass Heten Schwule vertrimmen. Umgekehrt ist mir das nicht geläufig als übliche, kulturelle Praxis.“

    Darin gebe ich Dir recht. Und das gibt es in Berlin zuhauf. Ich nehme diese Drohung dem Loellie auch nicht übel, zumal er sie nicht ausführen kann. Und wenn er mich kennte, so würde er sie nicht ausführen.

  111. momorulez August 1, 2012 um 5:05 pm

    „irgendwelche Tiraden und dazu Röhm, Vergewaltigung, Juden, Israel ins Spiel. Geht es eigentlich noch eine Nummer größer?“

    Und der Robespierre steckt manchen dieser selbsternannten Wächterinnen und Wächtern über die Tugend, diesen Mittelschichtlerinnen und Mittelschichtlern aus dem Studentenmilieu, tief im Denken.

    😀

    Lustig auch, dass der Hartmut mir den Röhm um die Ohren haute und der Nörgler Juden im Kontext Fonsos einführte und auf Lantzschis Definitonsmachttext los ging wie ein Stier aufs Tuch, das dann aber meine Welt ist, wie sie mir gefällt. Sadistenpack.

  112. momorulez August 1, 2012 um 5:07 pm

    Das mit dem „herrschaftsfreien Diskurs“ ist ja gerade falsch, dass der ohne weiteres möglich wäre. Deshalb der Hinweis darauf, dass man die Sprecherposition berücksichtigen sollte, will man nicht lügen.

  113. Loellie August 1, 2012 um 5:22 pm

    „Ich distanziere mich ausdrücklich vom Fresse polieren“

    Warum eigentlich? Auf Che2001 ist das eine Standardaufforderung im Umgang mit dem politischen Gegner und laut Ueberlieferung vielfach in der Praxis bewährt. Zumindest solange es sich um bildungsferne und sozial unterprivilegierte Protagonisten handelt. Ich wende diese Links-Autonome Diskursstrategie doch lediglich nach Inhalten an, anstatt nach Klassenzugehörigkeit.
    Ist das nicht OK? Mach ich da was falsch?

    *unschuldigguck*

  114. Bersarin August 1, 2012 um 5:27 pm

    Ja, das mit dem Herrschaftsfreien Diskurs weiß ich ja. Natürlich geht es da um Sprecherpositionen und damit eben auch um Machtverhältnissse.

    Diese „Vergewaltiger wir kriegen Euch“-Geschichte: Das ist eine komplexe Sache und nicht in drei Sätzen zusammenzufassen. Natürlich taugen diese Dinge nicht für Witze. Und ich sehe auch die Notwendigkeit für Schutzraume, deshalb eben Triggerwarnungen; aber es gibt ein Moment, wo Dinge überzogen werden und mit einer solchen Gravität vorgebracht werden, daß es dann ein wenig: nun ja: merkwürdig wirkt. Und dagegen richte ich meine Kritik: wenn etwas zum Jargon verkommt. Und darüber mache ich dann Witze. Das paßt nicht jeder und jedem, aber damit lebe ich seit 40 Jahren, seit meiner Grundschulzeit.

    Man kann über die Positionen von mir oder vom Nörgler ja diskutieren: ist es richtig oder falsch, Gesellschaft auf der Ebene der Struktur und im Sinne Politischer Ökonomie oder als Diskurskritik zu analysieren oder gibt es ein hinzutretendes Moment der Kritik, welches das Subjekt selber mehr in den Blick nimmt. Aber ich sehe und lese in keiner von Nörglers Äußerungen irgend einen Rassismus, Sexismus u.ä; zumal er sich in bezug auf diese Lampengeschichte bei Don Alphonso deutlich gegen einige der Peinlichkeiten dort im Blog positionierte, und zwar auf eine Weise, zu der kaum einer sprachlich und mit der nötigen Volte fähig ist.

  115. questionmark August 1, 2012 um 5:30 pm

    Nochmal zu den Dreads, aus heute für mich aktuellem Anlass. Ich traf den Bekannten eines Freundes, ein in Deutschland geborener Schwarzer (Eigenbezeichnung), der Dreads als modisches Accessoir trägt. Ich kenne ihn nicht sehr gut, gehe aber davon aus (und hake da auch selber nochmal nach), dass er zur Geschichte von Dreads als Teil widerständiger kultureller Praxis nix weiß. Also Butter bei die Fische (Die Wahrheit ist konkret 😉 ) – darf er die Tragen? Warum? Wenn nicht, warum nicht? Dürfte ich ihn als Weiße daraufhinweisen? Oder dürfen das nur andere PoC?

  116. momorulez August 1, 2012 um 5:58 pm

    @Loellie:

    Da ist natürlich was dran; Che beschimpfte mich einst wüst, als ich auf unsere differente Einstellung zur Gewalt verwies; und es ist schon erstaunlich, dass damit keiner der Herren, die hier von anderen Leuten Rastas abschneiden und der Guillotine fantasieren, damit je ein Problem hatte.

  117. momorulez August 1, 2012 um 6:26 pm

    @Bersarin:

    aber es gibt ein Moment, wo Dinge überzogen werden und mit einer solchen Gravität vorgebracht werden, daß es dann ein wenig: nun ja: merkwürdig wirkt

    Ach, das ist doch aber nun auch eine Maßregelung und übrigens eine Aufforderung, sich tugendhaft zu verhalten. Ich kann da ja nur von mir sprechen, und mich macht es buchstäblich irre, wie WHM ihre Lektüre selektieren, so dass man hinterher noch Hartmuts Röhm selbst aufs Brot geschmiert bekommt. Und das ist natürlich auch eine Supremacy-Haltung, die Du eben schlicht und ergreifend leisten kannst. Ich ja in Arbeitszusammenhängen meistens auch, aber hier im Netz reagiert man doch im Grunde genommen nur. Und ich entscheide dann jedes Mal neu: Ist der Spaemann mir jetzt wichtig genug, dass ich das Risiko in Kauf nehme, dass Nörgler hier rein platzt und mir irgendwelchen Blödsinn unterstellt?

    Nörgler analysiert doch gar keine politische Ökonomie. Der reagiert dann darauf, dass Leute angeblich Roma das Fleisch essen verbieten wollen, wozu man einfach mehr wissen müsste als aus diesem Indiemedia-Text steht, wie das gelaufen ist, worauf Loellie zu recht verweis. Und behauptet, irgendwelche Leute wollten wie die Spießer bei Degenhardt nun weißen Menschen die Rastalocken abschneiden.

    Der unterscheidet ja nun gerade NICHT zwischen Theorie und Praxis – und er diskutiert das in einem Fall, wo Aktionen einer Gruppe, in der unter anderem PoC beteiligt waren, für eine harsche Kontroverse sorgten. Das ist Derailing, sonst nichts.

    In einer sexistischen und rassistischen Matrix bewegen wir uns eh alle, siehe oben, Du, ich, Nörgler, Hannah. Das sind manifeste, gesellschaftliche Strukturen, zu denen man sich so oder so verhalten kann, aber es wird zur Lüge, wenn man behauptet, auf einen selbst würden sie nicht wirken. Critical Whiteness ist nun der Ansatz, sich die je eigene Prägung klar zu machen. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was dagegen nun einzuwenden ist. Und das nicht im Sinne individueller Reinwaschung, sondern weil man als gesellschaftlicher Akteur in diversen Bezügen steckt, wo das Thema relevant ist – wenn man z.B, daran beteiligt ist, wer eingestellt wird bei einem Arbeitgeber und wer nicht.

    Das Problem ist doch, dass Du, ganz weißer Mann, hier dann offenkundig einzig interessant findest, den Nörgler in Schutz zu nehmen, Deinen Artgenossen. Wo ich denke, dass, wer hier so rein platzt, eben mit den Antworten leben muss. Was dann wie immer passiert, ist, dass wieder über die Befindlichkeiten weißer Männer geredet wird. Das passiert kurioserweise immer, ob nun Bernhard oder Proust … der war wenigstens schwul, meines Wissens.

    Merkst Du das gar nicht? Es wird, wenn weiße, heterosexuelle Männer aufeinander treffen, sofort und instinktiv deren Befindlichkeit als gefälligst dominantes Thema gesetzt und alle anderen für wahlweise herrschsüchtig, Robespierre, Lenin, Stalin oder Hitler erklärt oder eben für völlig bekloppt, schwer neurotisch und sowieso unangemessen.

    Und außer Röhm findet man dann auch nicht allzu schnell wen, den man da sonst anführen könnte, seltsam. Bei PoC ist das leichter, da kann man Mugabe, Taylor, Idi Amin und notfalls noch Dschingis Khan anführen und die Türken vor Wien 😀 …

    Und welche Frau kann man da mal nehmen? Hmmm – Thatcher! Seltsam, wieso fällt die eigentlich niemanden ein? Pipi Langstrumpf, okay, die kam dann noch.

    Das Spiel besteht halt darin, den historischen Opfern der Nazis, Klerikalfaschisten, Sklaventreibern und übrigens auch Kommunisten den schwarzen Peter rüber zu schieben, weil ja die Weißen Riesen alle porentief rein sind und es rein gar nichts mit Race, Gender oder Heterormativität zu tun hatte, als Mütterkreuze verteilt, die „Rheinlandbastarde“ sterilisiert und ins KZ geschickt wurden und rosa Winkel verteilt.

    Aber die, die Paarnormativität kritisieren, sind ’ne Sekte. Wie praktisch.

  118. momorulez August 1, 2012 um 6:42 pm

    @questionmark:

    Wieso „dürfen“? Wer hätte denn hier die Befugnis zu verbieten? Es geht doch hier nicht um den Knigge. Habe jüngst bei Robert MCKee, einem Drehbuch-Guru, gelesen, in Deutschland gäbe es keine guten Komödien, weil die Gesellschaft so autoritär sei, was Deine Fragestellung ja belegt.

    Ich habe lustigerweise eine andere Geschichte heute gehört, dass ein schwarzer Deutscher keine Dreads tragen wolle, weil die ihm zu homophob sind. Was mich einen feuchten Kericht angeht, also nicht die Homophobie-Frage, aber die, was Dein Kumpel macht, weiß oder will oder auch nicht – es sei denn, er möchte mit mir darüber reden, dann kann er ja hier hinzustoßen, und ich werde alle Weißen weg beißen, die ihm einen erzählen wollen, weil die in der Regel eher auf mich als auf PoC oder Frauen reagieren – es sei denn, es geht um schwule Themen, da bin ich dann ja zumeist bekloppt aus Sicht heterosexueller Empfänger.

    Was mich angeht ist hingegen, dass systematisch schwarze und schwule, lesbische und weibliche Erfahrungen aus allen Geschichtsschreibungen verschwinden, und eben auch durch Aneignungen. Da drehen nun auf einmal irgendwelche Cockrocker mit Tom Cruise einen Film über den ach so rebellischen Bon Jovi- und Skid-Row-Heten-Mist aus den 80ern und inszenieren sich sogar noch als Opfer der evangelikalen Sittenwächter, während sie schlecht Glam kopieren und diese Christen in Wahrheit schwule Teenies in den Selbstmord treiben, massenhaft. So läuft das – und das hängt zusammen.

    Und ich bin in einer gesellschaftlichen Position, das thematisieren zu können, mir das Wissen aneignen zu können, deshalb verbringe ich viel Zeit damit, das auch zu tun. Weil ganz egal ob in Medien, Universitäten, bei der Kunst- oder der Literaturgeschichtsschreibung alles verdrängt wird, was sich nicht den Regeln weißer, heterosexueller Männer beugt. Weil sie es gewöhnt sind, dass sie es sind, die als Subjekte der Historie auftreten und alle anderen der Natur oder Unvernunft zuschlagen. Und um nichts anderes dreht es sich in diesen ganzen Diskussionen – das wird mit allen Mitteln verteidigt, dass das auch so bleibt. Und das ist auch der Hintergrund der Rasta-Frage.

    Es hat sich auch kein Schwein die Mühe gemacht, wenigstens mal einen Passus aus dem Mädchenmannschaft-text zu zitieren und zu sagen „Stimmt das überhaupt?“ Oder irgendeine Bezugnahme. Stattdessen fragt man nun mich, den weißen Mann, ob ein schwarzer Deutscher „Dreadlocks“ tragen „darf“. Womit die Machtkonstellation ja gewahrt bleibt. Klar „darf“ er. Wer bin ich denn, Schwarzen Vorschriften zu machen, was sie für Frisuren haben? Bist Du irgendwie mit Schimmelmann verwandt? Dessen Schergen haben diesbezüglich Vorschriften erlassen und Flüchtigen die Beine abgehackt, und das ist die Geschichte, die bei der Rasta-Frage eine Rolle spielt, die in Bersarins kunstgeschichtlichen Betrachtungen zugunsten von Urinalen verschwindet.

  119. Loellie August 1, 2012 um 6:48 pm

    Das hat doch alles seine Vorgeschichten …

    Wär ich so ein nachtragendes Arschloch wie die beiden, müsste ich jetzt Zeter und Mordio schreien, weil du diese Alt-Nazis, als die sie sich aufgeführt haben, hier nicht konsequent rausschmeisst. So wie die sich im Vorfeld aufgeführt hatten, als auf die kulturhistorische Darstellung der Schwulen Subkultur nach Stonewall mit Lebensborn und Rampe gekonntert wurde und mir gedroht wurde, mich neben den N*n an den Baum zu knüpfen. Weil ja der Schwule als Vollstrecker des Nationalsozialismus nicht das geringste mit Pink Swastika zu tun hat, Momo. Wie unverschämt von dir Pipi-Langstrumpferin sowas herbei zu assozieren!

    Was ja nun wieder symptomatisch für die ganzen Diskussionen ist, sich erst aufführen wie die letzte Sau und dann so tun, als wär das alles nicht passiert.

  120. momorulez August 1, 2012 um 7:05 pm

    Nörgler hat sein Rederecht im Rahmen dieses Blogs jetzt auch verwirkt – wenn die Kommentare 1 zu 1 auch bei DIE WELT oder PI erscheinen könnten und sich offenkundig jemand auf eine Redakteursstelle bei der Jungen Freiheit bewerben will, bringt der die Debatten hier nicht weiter. Rumtrollen kann er auch beim Che, bei Bersarin oder Fonso. Gesprächspartner wie Hannah, da freue ich mich!!!, aber dieser Quatsch, dass jeder Verweis auf Rassismus keinen anderen Zweck verfolge als einen denunziatorischen, den habe ich hier seit Hartmut fertig.

  121. questionmark August 1, 2012 um 7:33 pm

    @momorulez:

    Du verteidigst vehement die These, dass es eine Form kultureller Enteignung sei, wenn Weiße ohne Hintergrundwissen Dreads tragen. Jetzt frage ich dich, wie es sich verhält, wenn Schwarze das tun würden. Daraufhin kommt von dir nur die schwammige Ansage, du könntest dazu nichts sagen, das müssten schon PoC tun. Offensichtlich ja aber nicht irgendwelche, denn da gibt es ja anscheinend sehr heterogene Ansichten. Und damit berührt man meiner Meinung nach einen wichtigen Kern dieser Debatte: wenn die Debatte über Strukturen gesellschaftlicher Macht- und Unterdrückungsverhältnisse so stark subjektiviert wird, dann wird eine Analyse quasi unmöglich. Es gelingt dir nicht Kriterien für etwas zu benennen, das du andererseits als rassistisch und kolonialistische Aneignung kritisierst.

    Zum „dürfen“: das Kritik „rassistisch“ impliziert doch – zumindest in linken Zusammenhängen – sehr stark, dass die damit verbundene Handlung zu unterlassen ist, oder?

  122. momorulez August 1, 2012 um 7:52 pm

    Na, unterlassen kann man ja auch, weil man was geschnallt hat. Ich bin so naiv, an Lernprozesse zu glauben, die sich jenseits von Verbot/Gebot bewegen. Bei dem immer gleichen Verlauf von Diskussionen kommt der zwar manchmal ins Wanken … „ich habe da aber einen schwarzen Kumpel, der sagt X“ ist einer Punkte auf der Seite ‚Derailing for Dummies“, kannste ja mal lesen.
    Das Kriterium habe ich doch genannt, und das im Verlauf der Diskussion auch schon mehrfach: Wenn durch die Aneignung die dahinter stehende Erfahrung marginalisierter Perspektiven verdrängt wird und dem Vergessen anheim fällt, dann denke ich, man sollte es bleiben lassen und sich lieber mit dem Hintergrund eines Codes beschäftigen, ja. Und dazu beitragen, dass marginalisierte Perspektiven Gehör finden, und dann, wann immer sich die Gelegenheit dazu ergibt, zuhören und nicht als Stellvertreter agieren. Das ist eine Art Vorbereitung der Möglichkeit demokratischer Prozesse in emanzipatorischer Hinsicht und auch gar nicht so schwierig.

    Das Ding ist doch zudem, dass auch nicht alle PoC nun Lust haben, sich ganztägig mit der Geschichte der Sklaverei zu beschäftigen. Das triggert ja auch und ist nicht lustig, aber ganz und gar nicht. Was Hannah oben über die Witze in Israel erzählt, ist ja auch eine psychische Entlastung, wie soll man die Erinnerung an Auschwitz denn sonst auch aushalten als potenziell Betroffener?

    Wenn man freilich in der sozialen Position „weiß“ verortet ist und einen emanzipatorischen Anspruch erhebt, kommt man doch gar nicht darum herum, sich mit dem zu beschäftigen, was dem im Wege steht. Und dass es nicht immer nur die Anderen sind, sondern Machtbeziehungen mitten durch die Subjekte hindurch gehen, sich in Körper einschreiben, das zu reflektieren ist ja keine Selbstpraxis, sondern erzählt Dir was über gesellschaftliche Verhältnisse. Die sich dann ändern können, wenn Jan Delay im Background singt und vorne eine schwarze Frau steht und eben nicht nur Adele. Den Anteil der Anteilslosen einfordern nennt Zizek das.

  123. Hannah August 1, 2012 um 10:28 pm

    Das scheint mir ja hier ein fröhlicher Gesamtderailingclub zu sein. Eine eigentlich sehr wesentliche und sehr wichtige Debatte um Rassismus, Sexismus, Homophobie und was dagegen zu machen sei gleitet permanent ab in persönliche Vorwürfe der Diskutanten untereinander, die ich als Newbie nicht entwirren kann.

    Zu den politischen Hintergründen, ich werd mal objektivistisch und meinethalben auch autoritär:

    Beim Bordercamp haben sich Leute mit einem Allgemeinvertretungsanspruch für PoC blamiert, die von denen, um die es eigentlich ging, Flüchtlinge, nicht ernstgenommen wurden, weil sie sich nicht um deren konkrete Probleme kümmerten, sondern um Sprachregelungen und Umgangsformen, ohne jede Rücksichtnahme darauf, wie der Stand der Beteiligten im Kontakt untereinander bis dahin war.

    In Israel protestieren sozial Deprivilgierte gegen die knallharte Weise, in der sich der Klassenwiderspruch dort äußert, diese Proteste könnten Israel zerreißen. Die israelische Linke ist vom Staat Israel an sich nicht begeistert, Vorstellungen wie „Das Staatsbürgerrecht auch für die Palis“ oder „Zwei Staaten, beide demokratisch nebeneinander“ sind in der Diskussion. Auf Syrien wird geguckt mit der Befürchtung „Bedeutet der Sturz Assads den Sieg der Fundamentalisten?“ und „Wann marschiert der Türke da ein, oder müssen wir das machen, gibt es dann Krieg mit Iran, die Bomber dafür sind schon startbereit.“ Ohne die äußere Bedrohung stände Israel vor der sozialen Revolution. Diese Gesellschaft ist viel zerrissener als z.B. die griechische. Angesichts solcher möglichen Katastrophen erschenen mir die Bauchnabeldebatten deutscher Linker als Lullifuzz.

    Ich würde mir eher wünschen, dass die mal wieder antiimperialistisch würden, d. h. auf reale Weltkonflikte bezogen. Wer wie weißgelesen wird interressiert mich nicht. Sagt eine hellbraungelesene weibliche Frauin mit Wut im Bauch.

  124. momorulez August 1, 2012 um 11:12 pm

    Was die Bauchnabeldebatten der Linken als Lullifuzz betrifft: Ja, klar. Und nein, eben nicht 🙂 – ich finde, da gilt beides. Wenn ich mich homophob gedisst fühle, sehe ich das einerseits nicht in Relation zu den Entwicklungen in Syrien. Das ist ja so ein Brodersche Entwertungsstrategie – sei doch froh, dass man Dich nicht aufhängt wie im Iran. Nö, bin ich nicht.

    Du hast natürlich völlig recht, dass nichtsdestotrotz eine Ignoranz der Vorgänge in Syrien, Israel, Türkei nun für eine internationalistische Linke auch ein Unding ist, und natürlich geht es den Leuten da ungleich schlechter. Da bin ich für meinen Teil einfach so maulfaul, weil ich da zu wenig Ahnung habe und sowieso gar nichts mehr glaube, weil ich nicht weiß, wer mir darum nun was auch immer gerade vorgaukeln will. Liest sich jetzt richtig volldoof, aber ich finde das sehr entspannend trotz Schilderung der hochangespannten Lage, wenn Du mir aus Israel berichtest. Weil ich dem Glauben schenken kann. Weil das jenseits dieser „antideutsch- Antiimp“, „wer nicht auf der Stelle bereit ist, möglichst viele Iraner umzubringen, ist ein Feind Israels!“ usw. angesiedelt ist. Weil ich zumindest über den Iran auch Infos habe, die jenseits der Mainstream-Medien angesiedelt sind, und ich trotzdem ich Achmadineschad grauenhaft finde denen da nun auch nicht gönne, dass es ihnen ergeht wie dem Irak, ich aber schon auch im Prinzipiellen voll und ganz mit den Menschen in Israel solidarisch bin.

    Da finde ich Deine Perspektive super hilfreich!

    Aber was kann ich denn hierzulande machen? Ich habe doch als Medienarbeiter nur die Möglichkeit, Öffentlichkeiten, randständige, aber mehr als ein Flugblatt erreiche ich schon in meinem sonstigen Leben, etwas aufzubereiten, dass Perspektiven sprengt, die dazu beitragen, dass die BRD als politischer Akteur z.B. nicht mehr so brachialrassistisch agiert. Und dass es Israel z.B. nicht dahingehend instrumentalisiert, hiesigen antimuslimischen Rassismus zu forcieren, was ja oft geschieht völlig unabhängig von Vorgängen in Israel. Und das kann mir doch nur gelingen, wenn ich z.B. Critical Whiteness ernst nehme und nicht ständig die Diskussion führe, ob ich Rassist bin oder auch nicht. Habe ich gelernt wie alle anderen auch, bin ich also, und statt mich weiter mit mir zu beschäftigen, suche ich nach Perspektiven, die meinen gelernten Rassismus aufbrechen können und versuche, sie medial so stark zu machen wie irgendwie möglich. Und auf diesen Weg, der ja falsch sein kann, bin ich gekommen, weil Freunde mich durchaus auch mal barsch auf meine Position als weiß verwiesen haben. Und vielleicht ist das naiv, ich glaube aber, damit zu einem Klima beizutragen, das auch Flüchtlingen hilft, weil es einen Raum schaffen kann, dass es Leuten nicht mehr schnurz ist, ob die nun im Mittelmeer absaufen oder unter welchen Bedingungen sie hier leben müssen. Sondern dass es Subjekte sind – was die herrschende Sprache oft verunmöglicht, das zur Darstellung zu bringen.

    Aus so einer Perspektive und ganz ab von mir besteht dann doch aber ein Ergänzungsverhältnis zwischen dem, was die Performance-Truppe da machte, und dem, was die konkrete Flüchtlingsarbeit erreicht. Ich kann da noch insofern einen Gegensatz sehen, dass solche Diskussionen dann die Fragen konkreter Arbeit in Wohnheimen, an Bedürfnissen der Flüchtlinge im Alltag usw. erschweren. Aber Ziel kann doch nicht alleine sein, nun schönere Wohnheime oder Alternativen dazu, mehr Geld, mehr Bewegungsfreiheit weil keine Residenzpflicht usw., alles immens wichtige Fragen!, zu erreichen. Sondern eben auch, PoC mehr politisches Gewicht zu verleihen, ihren historischen wie aktuellen Bezügen zu lauterer Stimme zu verhelfen, ihrer eigenen, nicht meiner, und ihr Selbstverständnis als etwas zu begreifen, dem Respekt zu zollen ist.

    Das verhindert aber die weiße Mehrheitsgesellschaft mit allen Mitteln, und Schocktherapien sind doch ein Weg, das aufzubrechen. Und so verstehe ich die Interventionen von diesen Gruppen. Als Weg, PoC überhaupt erst zu politischen Akteuren, nicht nur Objekten zu machen – nicht im Sinne der Mitgliedschaft in einer Partei, sondern im Sinne dessen, dass sie entscheidend mitreden können. Und dazu müssen Weiße dann auch mal die Schnauze halten.

    Die Frage danach, was man denn in Richtung der Lage in Israel oder auch Syrien machen kann, meinte ich vollkommen ernst, ich bin da ratlos.

    Noah zufolge ist hellbraun übrigens auch PoC 😉 – was jetzt keine Zuweisung meinerseits sein soll, PoC zielt halt auf die Erkenntnis der Kategorie „weiß“ und ihrer sozialen Wirkung, ganz objektiv.

  125. T. Albert August 2, 2012 um 12:07 am

    „Was mich einen feuchten Kericht angeht, also nicht die Homophobie-Frage, aber die, was Dein Kumpel macht, weiß oder will oder auch nicht – es sei denn, er möchte mit mir darüber reden, dann kann er ja hier hinzustoßen, und ich werde alle Weißen weg beißen, die ihm einen erzählen wollen, weil die in der Regel eher auf mich als auf PoC oder Frauen reagieren“

    – was der ganze Punkt ist.
    Weshalb ich all die Probleme. die einige hier gerade haben, nicht wirklich verstehe.Ich bin ja ganz vorsichtig.
    Dennoch:
    (Làrt pour l`art: Ja, ein Kunstwerk sollte einen Ort der Interesselosigkeit zu erarbeiten versuchen, das den differenzierenden Blick zurück auf den verzweckten Menschen möglich werden lässt.
    Wir wissen nicht, wann das während des Formgebungsprozesses evtl. eintritt. „L`art pour l`art“ ist Ästhetisierung der Interessen. Wenn von „die Form“ die Rede ist – der verfolgte Antifaschist Paul Klee hat sich geweigert davon zu reden -, dann ist aller (meiner) Erfahrung nach ein als Natur behaupteter, als einzige Matrix behaupteter Klassizismus gemeint. „Form“ ist die Verbrämung des Lagers. Man kann sich auch die Rekonstruktion des Films „Dasein ohne Leben“ ansehen, um in den Genuss hervorragender Portrait-Aufnahmen menschlicher Gesichter zu kommen. Sagt der „werktätige Praktiker“ (Klee))

  126. Loellie August 2, 2012 um 12:42 am

    Sprech dich doch aus! Ich bitte darum! Schlimmer als es bis hierher schon ist, kanns ja nun auch nicht mehr werden.

  127. momorulez August 2, 2012 um 8:26 am

    Jetzt hatte ich zunächst Emil Nolde und Paul Klee durcheinander gebracht 😀 – und dachte schon, Du meintest was ganz anderes und das mit dem Antifaschisten sei Ironie. Nun habe ich den Klee aber wieder. Und „Form als Verbrämung des Lagers“ ist implizit auch ein Motiv bei Adorno, immer dann, wenn er auf den Kantischen Schematismus zu schreiben kommt.

    Der Mensch ist nur im Spiel er selbst … dieses berühmte Schillersche Diktum finde ich in dem Zusammenhang ja auch immer erwähnenswert. Und klar, es gibt auch Spiele mit Regeln, aber …

  128. T. Albert August 2, 2012 um 12:40 pm

    Ach, mich aussprechen – ich hab doch jetzt keinen Bock mit Nörgler und Bersarin rumzuzanken. Ich verstehe schon nicht, an wen sich dieses Robespierre-Ding nun richtete, das ist doch Abstraktion von Diskursen, meinetwegen, wie es sich anhört, eines teilweise gewalttätigen.

    (Und ich vollstrecke jetzt hier aber auch nicht dieses Distanzierungsgewäsch, das tugendterroristisch einem abverlangt wird, denn auch Nörgler könnte ja mal einfach davon ausgehen, dass hier strukturelle (wie Essvorschriften) und körperliche Gewalttätigkeit wie andern Leuten die Haare abzuschneiden von niemandem auszuüben beansprucht wird, und dass das auch nicht dadurch geschieht, wenn loellie aus sozusagen gesprächshistorischen bilateralen Gründen verbal der Kragen platzt oder wenn Momorulez zur Standortverschiebung auffordert, was man ja auch, ich jedenfalls, mit Grund irgendwann mit wachsender Ungeduld tut.)

    Ich finde auch, wenn sich hier Momorulez und Loellie und jetzt Hannah lebensgeschichtlich exponieren, dazu überhaupt in der Lage sind, dann sollten diejenigen, die ihren Standpunkt abiographisch, „amoralisch“, „objektiv“ formulieren, sich fragen, ob sich dann nicht das gesellschaftlich übliche Ungleichgewicht des Machtverhältnisses einstellt, bei dem derjenige, der seine Erfahrungen offenbart oder auf die Erfahrungen Anderer hinweist, zurechtgewiesen wird, um es vorsichtig auszudrücken. Das ist ja ein Grund dafür, warum ich das schon lange nicht mehr mache. Ich rede nicht über mich, damit man schulterklopfend oder auf mich einschlagend über mich redet.

    Das l`art-pour-l`art-Thema streife ich, weil sowohl Nörgler wie Bersarin es in den Kunstdebatten oft aufgreifen, für mich gehört das aber zum Komplex „Objektivierung“; mein Hinweis auf den Film „Dasein ohne Leben“ verdankt sich den Riefenstahl-Form-Diskussionen, der Film kam ohne Riefenstahl, aber nicht ohne „amoralische“ Form aus.

  129. momorulez August 2, 2012 um 2:05 pm

    Ich hab’s geflickt.

    „bei dem derjenige, der seine Erfahrungen offenbart oder auf die Erfahrungen Anderer hinweist, zurechtgewiesen wird, um es vorsichtig auszudrücken.“

    Ja, eben. Auch diese ganzen Zickigkeiten auf meiner Seite sind ja entstanden, weil ich einfach Raum, und nicht nur für mich und meine Erfahrungen, sondern eben auch für andere, dafür tatsächlich erkämpft werden muss, weil es den gesellschaftlich einfach nicht gibt – und das ja nun nicht mit Bajonetten und Bomben, sondern gelegentlich auch mal durch ein „Halt DU doch einfach mal die Schnauze, ihr seid doch sonst schon immer dran“. So fliegt dann halt immer mal wer raus, so what. Mein Blog ist ja weder Judikative noch Exekutive.

    „Dasein ohne Leben“ muss ich jetzt mal googeln; Dasein ist bei Heidegger ja das, was er aus dem Subjekt macht, und was er da daraus macht, das ist trotz seiner späteren Entwicklung zum Nazi in „Sein und Zeit“ schon ganz beeindruckend.

  130. momorulez August 2, 2012 um 2:21 pm

    Meinst Du den hier erwähnten Film?

    http://www.zeit.de/1995/38/Ansichten

    Das Grauen.

    Auch das ist ja großes Thema in der „Dialektik der Aufklärung“ und deren Entfaltung der Vernunftkritik, dass eben aus der Vernunft kein Argument gegen den Mord vorzubringen sei und der vergegenständlichende Blick, also reine Objektivität, dazu dient, Zugriff und Zurichtung zu ermöglichen.

    Das ist echt irritierend, da dann diesen Titel mit dem Heidegger-Term zu lesen und dann noch „Leben“ hinzu. Weil man die DdA eben auch als ein Stück Lebensphilosphie lesen kann, und auch „Leben“ ist im Sinne der „unwerten Form“, die die Nazis glaubten, identifizieren zu können, als qualitativer Begriff dann nicht ohne.

    Und der Falle entkommt man nur, wenn man sich nicht anmaßt, die Erfahrungen Anderer, Herabgewürdigter weg zu drücken oder stellvertretend zu antizipieren. Dieser Gedanke des „unwerten Lebens“ ist ja bis in die pränatale Diagnostik und diese Test, mit denen man nun das Down-Syndrom vorab fest stellen kann, ungebrochen populär, und er wird immer so vollzogen, dass von außen „Leid“ gerufen wird – ich habe das in meinem Zivildienst und beim Jobben danach aber sehr anders erlebt, und das waren starke Subjektivitäten, die mir da begegneten und die leben WOLLTEN und eben auch lachten und weinten, litten und sich freuten usw.

    Was ich nur ausführe, weil das eben alles nur subjektiv überhaupt verständlich gemacht werden kann. Und ergänzendes Kuriosum ist, dass das nun wieder großes Thema bei Bernhard ist, aus der Auseinandersetzung mit seiner Lungenkrankheit geboren.

    Deshalb halte ich ja wie Du dieses „Moralisierungsargument“ für teilgrotesk. Es gibt Moralvorstellungen, die Fürchterliches hervor bringen, siehe Spaemann, aber ohne spaziert kein Mensch durchs Universum außer tatsächlichen Psychopathen.

  131. Loellie August 2, 2012 um 3:10 pm

    „Ich rede nicht über mich, damit man schulterklopfend oder auf mich einschlagend über mich redet. “

    Was ja auch für mich einer der zentralen Gründe war und ist, immer wieder nachhaltig die Klappe zu halten. Und weil das von glatten Lügen getragene Verhalten dazu dient, Diskurs ganz gezielt zu verhindern. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann hier das letzte mal die Diskussion eines beliebigen Themas überhaupt möglich gewesen wäre.
    Wie soll ich in diesem Umfeld, dieser Atmosphäre mit Hannah über die Differenz von Theorie und Praxis sprechen, erklären, warum auch ihre Darstellung als Anwesende möglicherweise Lückenhaft ist, ohne dass der Eindruck entsteht, ich hielte sie für ein genauso blödes Arschloch wie diese Typen, die sich, btw, gerade ihr eigenes Kronstadt liefern. Ganz davon ab, dass genau solche Einwürfe, wie eben Kronstadt, die Sache noch verwirrender machen.
    Den sich hier zeigenden Sadismus unterstelle ich ja noch nichtmal dem Typ auf LinksUnten.

    An wen sich dieses Robespierre-Ding nun richtetet kann ich dir sagen. Da psychologisiere ich mal genauso fröhlich, wie das an uns immer exerziert wird. Das richtet sich an sie selbst. Das stalinistische Tribunal genauso. Da sassen nämlich weisse heterosexuelle Männer am Drücker, was sie ja auch wissen.
    Das hat Bruce LaBruce in „The Raspberry Reich“ ja so grossartig aufs Korn genommen, was passiert, wenn man diese ganzen gegen Schwule und andere Marginalisierte gerichteten Vorwürfe des totalitären Terrors übernimmt und darstellt. Und gerade die „zensierte“ Version finde ich besonders gelungen.

    Für die Nachfrage zu dem Zitat war ich gestern zu müde. Das liess beim flüchtigen lesen an Eindeutigkeit vermissen, denn ich halte es für hochproblematisch, im Zusammenhang mit einem Film, der für die Vernichtung der porträtierten plädiert, von Genuss zu sprechen. Auch wenn das Werk deshalb misslungen ist, weil es entgegen seines Ziels zu hervoragenden Portrait-Aufnahmen führte. Ermordet wurden diese Menschen aller Wahrscheinlichkeit ja doch.
    Da geht mir die Kritik meines Moralismus, der von Leuten kommt die Texte mit den Worten „mir wird schlecht“ beginnen, glatt am Allerwertesten vorbei.
    Und wenn ich selbst einen sensiblen Umgang mit zB kolonialen Bildnissen anmahne, treibt mich ja nicht die Aestethik, sondern die Frage nach Gedenken und Erinnerung. In Berlin läuft gerade eine Photo-Ausstellung „Der koloniale Blick“, die eine kritische Haltung für sich in Anspruch nimmt. Der Text zum Katalog spricht dann aber wieder von grossen Meisterweken, aber da kann man ja vor Ort prüfen, ob es den Machern gelungen ist, eine Völkerschau 2.0 zu vermeiden.

    „Ja, ein Kunstwerk sollte einen Ort der Interesselosigkeit zu erarbeiten versuchen, das den differenzierenden Blick zurück auf den verzweckten Menschen möglich werden lässt.“
    Inwieweit der verzweckte Mensch mit meiner Argumentation zu tun hat weiss ich nicht, dass es einen Ort der Interessenlosigkeit überhaupt geben kann, halte ich aber für unwahrscheinlich. Es passt dennoch gut zu meinem Einwurf weiter oben, Elvis Presley. Ich stimme den Ausführungen Momos ja zu, warum ich dem weissen Rasta nicht genauso unterstellen soll, dass der seine Haare als Zeichen der Solidarität sieht, und der ansonsten, wie Elvis, mit Schwarzen zusammen sitzt, oder warum der, selbst wenn es nicht so ist, nun anders zu bewerten sei, sehe ich trotzdem nicht. Dass es in der Theorie aber Widersprüche gibt, die es in der Praxis auszuhalten gilt, die sich nicht auflösen lassen und zu denen man sich nur Verhalten kann, ist ja eine Position die ich verschiedentlich schon eingenommen habe.

  132. T. Albert August 2, 2012 um 3:25 pm

    Ja, das ist der Film. Ich habe davon wirklich furchtbare Ausschnitte in einer italienischen Dok gesehen, oder zumindest italienischsprachig, ich weiss nicht wo das herkommt.

    Die „liebevoll“ ausgeleuchteten, unheimlich „gut“ fotographierten, durch ihre spezifischen Kontraste abstrahierende „Portraits“, unter Ausnutzung aller Erkennnisse des expressionistischen Films und konstruktivistischen Fotographie, um Menschen ihres Subjekts zu berauben und als Material, das man, wie die Off-Stimme sagt, gegen zu bbauende Häuser für „die Gesunden“ tauschen solle, indem man sie ökonomisch richtigerweise vernichtet, ja, sind dann halt als Form gut gemacht, entsprechend unsern an instrumentalisierter Mainstream-Moderne und Postmoderne und mittlerweile der Dritten oder Vierten Moderne ausgebildeten Sehgewohnheiten.
    Da müssen wir natürlich raus, steigen aber, wie die zunehmende Verschiebung nach Rechts, also von Links in die Mitte, in Europa zeigt, erst richtig und endlich ohne Scham wieder ein.

    Dort wird auch auf einen Spielfilm von Liebeneiner hingewiesen, der „Ich klage an“ heisst und in diesem Sinne den Selbstmord aus bewusster Einsicht der kranken Protagonistin herbei“moralisiert“, damit sie die Gesellschaft nicht zum Opfer ihrer Existenz macht.

    Aus dem gedächtnis zitiere ich Klee : Form ist schlecht, Form ist böse.

  133. T. Albert August 2, 2012 um 3:58 pm

    @loellie: ich habe den „Genuss“ absichtlich nicht in Anführungszeichen gesetzt. Es war nämlich genau dieser immer wieder an anderen sogenannten Kunstwerken abstrahierend und „formal“ diskutierte Aspekt der „Form“, der mich an dem Film schier in den Irrsinn getrrieben hat, als ich die Ausschnitte gesehen habe. Die Bilder der Menschen, die ermordet wurden, liessen den Film nicht „misslingen“, sie zeigten nämlich schon sadistischen „Genuss“, den der Filmenden.

    Und wenn man „Veit“ von Thomas Harlan gelesen hat,dann weiss man, was für eine Scheisse wir diskutieren. Richtige ästhetische Scheisse. Und anders als Adorno in seinem Versuch über Wagner und seinen überlegungenzu dem in der Asthet. Theorie, kann ich leider nicht „trotz allem“, das von den Avancierte-Form-Liebhabern so gern gegen seine Wagner-Kritik gelesen wird, irgendwas transzendierendes an der braunen Scheisse sehen.
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/zum-tode-thomas-harlans-ich-der-nazi-spross-a-723754.html

  134. momorulez August 2, 2012 um 4:58 pm

    @Loellie:

    Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann hier das letzte mal die Diskussion eines beliebigen Themas überhaupt möglich gewesen wäre.

    Ich habe auch parallel noch mal die Diskussion zu der Dreadlockfrage bei der Mädchenmannschaft gelesen, die eigentlich ziemlich gut ist, und die löschen ja auch konsequent weg oder schalten nicht frei, was ich da auch richtig finde. Für mich ist das im Sinne des Belegs halt trotzdem oft sinnvoll, dann auch diese ganzen Abwehrschlachten von Bersarin oder Nörgler stehen zu lassen – wobei ich den Nörgler dann ja auch irgendwann weg gelöscht habe. Nachdem er aber brav vorführte, worum es meines Erachtens dieser Interventionstruppe auf dem Camp ging. Du hast aber recht, dass das auf Kosten des Dialoges mit Hannah geht und dass das dann Scheiße ist.

    „Inwieweit der verzweckte Mensch mit meiner Argumentation zu tun hat weiss ich nicht, dass es einen Ort der Interessenlosigkeit überhaupt geben kann, halte ich aber für unwahrscheinlich.“

    Es gibt da keinen gesellschaftlichen Ort, aber schon Formen der künstlerischen Praxis (in Grenzen ja auch der journalistischen), die diesen als emphatisches Interesse am Sujet, was eben auch ein Subjekt sein kann, vollziehen. Die also nicht irgendwas überbügeln, wie T. Albert das bei diesem Nazi-Film so treffend beschreibt, auch noch kunstgeschichtlich belehrt, sondern die Darstellungsweise aus dem Interesse an dem, worauf sich das Künstlersubjekt bezieht, in einem nicht-instrumentellen Sinne vollziehen und ins Werk setzen. Oder aber die Ästhetisierung als Ästhetisierung auch thematisieren und so jegliche Abbildlichkeit boykottieren, was sich gerade bei dokumentarischen Formen empfiehlt. Und das ist schon eine Art Ethos, und da dann drauf einzuprügeln, das schafft einen Raum für diese Filme, da hat T.Albert einfach recht.

    Das gilt aber meines Erachtens auch für die Elvis versus Dreadlocks-Frage. Dass wegen ihm dann sehr viel schwarze Kultur gar nicht mehr zur Kenntnis genommen wurde, ist das soziologisch-historische Drama. Aber er hat in seiner Musik, am deutlichsten bei dem „How great though art“-Album und auch bei den späten Live-Aufnahmen, ja eine sehr intensive Auseinandersetzung mit Formen schwarzer Kultur gepflegt und die nicht einfach so geklaut. Er hat sie sich zueigen gemacht, ohne zu enteignen, zumindest meiner Ansicht nach. ich kann da falsch liegen, aber so wird die Sache ja diskussionsfähig, glaube ich zumindest.

  135. momorulez August 2, 2012 um 5:11 pm

    @T. Albert:

    Ich weiß jetzt auch gar nicht, was ich da noch hinzufügen sollte. Außer, dass gerade in Adornos populären Texten, z.B. jenem über die „bürgerliche Oper“, ja gerade aufzeigt wird, wie z.B. bei Wagners „Siegfried“ in die Form die Wahrheit der Brutalität des Progandistischen einbricht, jetzt mal sehr aus dem Gedächtnis zitiert. Der hat ja nun wirklich sehr genau auf die Werke geschaut und auch nachvollzogen, wann sie eine Eigenlogik entwickeln, die der Intention, Konzeption, dem Formendiskurs usw. sogar drastisch zuwider laufen können, und so was meint doch auch die „Autonomie der Kunst“.

    Diese ganzen Prozesse, die jeder Kreative kennt, wenn Figuren Eigenleben entwickeln, auf einmal im Subtext Aussagen auftauchen, von denen man vorher noch nicht einmal etwas geahnt hat, wenn ein Bild fordert, dass man ihm folgt und sich ihm hingibt und man sich hinterher daneben stellt und erstaunt ist, wie das aussieht – was nun exakt das Gegenteil dieses kühl kalkulierten Durchstylens ist.

    Das kann bei einem Interview auch sein, dass das Gegenüber ganz anders ist, als man erwartet hat, und wer dann noch seinen Fragenkatalog runter leiert, macht das einfach schlecht – es sei denn, er will einem Politiker eine bestimmte Aussage entlocken, okay, aber immer dann, wenn es um ein Gegenüber geht, folgt man, neugierig, überrascht, und presst den Leuten nicht irgendetwas auf.

    Wenn sie allerdings selber Arschlöcher sind, macht man am besten das Gegenteil 😀 – da hat ja Publikative gerade so vollends versagt.

    Aber dieses Aufprägen und Überbügeln ist im Grunde genommen Boulevard auch dann, wenn es sich es als Hochkultur tarnt.

  136. momorulez August 2, 2012 um 5:16 pm

    Ach so, der noch, @Loellie:

    „An wen sich dieses Robespierre-Ding nun richtetet kann ich dir sagen. Da psychologisiere ich mal genauso fröhlich, wie das an uns immer exerziert wird. Das richtet sich an sie selbst.“

    Ja, in der Tat. Exakt das hat ja der Nörgler hier gerade mit seinem „Sag mir wo Du stehst“-Krempel so vollendet bewiesen 😉 …

  137. T. Albert August 2, 2012 um 9:26 pm

    @und so was meint doch auch die “Autonomie der Kunst”.

    Ja, ich weiss nicht, ich kenne ja nur Croces Autonomie des Kunstwerks, und die bezieht sich erst mal nicht auf dreidimensionale Objekte und Bilder, geht ausserdem auch von der Schönheit als Ziel der Dichtung aus. – Mal schnell, weil wir jetzt hier Nowhere Boy gucken müssen. Ich find das aber wichtig.

  138. momorulez August 2, 2012 um 10:02 pm

    Ja. Traditionell geht man halt in der Philosophie von einer Ausdifferenzierung der Rationalitäten in praktische (Moral), theoretische (Wissenschaft) und Kunst (Urteilskraft) in Anlehnung an die drei Kantischen Kritiken aus, was dann zu Moralphilosophie, Ästhetik und Erkenntnistheorie (und Wissenschaftstheorie) als philosophischen Disziplinen führte. Adorno sieht, wenn ich mich recht entsinne, den Beginn der Ãsthetischen Moderne eher bei Baudelaire.

    Gesellschaftstheorie stand da schon immer seltsam quer zu, und nachdem lange die eher an Praxisphilosophien orientierten „Bewegungs“modelle prägten, kamen dann irgendwann die strukturalen und systemtheoretischen Modelle.

    Und irgendwie hat sich in den analytischen Trennungen dann irgendwann was verhakt, dass also die Wechselwirkungen und Zusammenhänge nicht mehr wirklich thematisiert wurden, sondern irgendwelche Leuten glaubten, fürchterlich nah an Wahrheiten zu sein, wenn sie sich auf einen dieser Sockel stellt und alle diffamierten, die etwas umfassendere Modelle von Rationalität vertraten. Was ja auch immer dazu dient, den Kritiker gegenüber dem Künstler, den Therapeuten gegenüber dem Klienten, den Politiker gegenüber dem Wähler und den Polizisten gegenüber dem Passanten zu erhöhen.

    Und es ist wieder mal Habermas, der da in der Theorie des Kommunikativen Handelns den komplexesten Versuch unternommen hat, das gleichzeitig zu differenzieren und doch im Bezug aufeinander zu konzipieren. Nur dass er nun gerade bei den ästhetischen und künstlerischen Formen komplett scheiterte, die bei ihm so eine Art volkspädagogisch-therapeutische Funktion übernehmen und unter „Wahrhaftigkeit“ verbucht werden. Und mit der Diskursethik hat er eine große Illusion in die Welt gepflanzt, weil keiner das „kontrafaktisch“ der Voraussetzungen gelingender Kommunikation mit gelesen hat.

    Was bei diesen ganzen Debatten hier unterschwellig eine Rolle spielt. Nörgler gehört noch zu den Theorie-Marxisten der 70er, für die Habermas der große Verräter war. Bersarin und ich sind ja gleichalt, ungefähr, und haben ganz ähnliche Themen beackert im Studium, mal ab von der Moralphilosophie, der er nicht kennt – da war Habermas mit seinem Umfeld und seinen Schülern aber derart dominant, dass manche sich alleine deshalb schon auf die Derrida-Seite geschlagen haben. Nur dass dann irgendwann eine doktrinäre Lesart entstand, die völlig vergessen hat, wogegen ein Lyotard, ein Foucault oder ein Adorno eigentlich opponierten. Und im Windschatten dessen bildeten sich diese ganzen Zynismen und Pop-Varianten heraus, ganz seltsam, die zugleich mit vorkritischen Vorstellungen von Wahrheit und Objektivität hantieren oder eben nur noch Ironie betreiben. Ganz seltsam. Und da hilft wirklich nur der Rückgang auf die Phänomenologie, um den ganzen Schlamassel aufzubrechen.

  139. T. Albert August 3, 2012 um 1:04 am

    @“Was ja auch immer dazu dient, den Kritiker gegenüber dem Künstler, den Therapeuten gegenüber dem Klienten, den Politiker gegenüber dem Wähler und den Polizisten gegenüber dem Passanten zu erhöhen.“
    „Und da hilft wirklich nur der Rückgang auf die Phänomenologie, um den ganzen Schlamassel aufzubrechen.“

    „Àsthetik bedeutet für einen Künstler genauso viel, wie Ornithologie für einen Vogel.“ B. Newman

  140. Loellie August 6, 2012 um 4:28 pm

    Man weiss zwar kaum noch was genau gemeint ist, wenn man liesst „Massaker in den USA“, aber dazu fällt mir wirklich nichts mehr ein:
    „White-Power Skinhead richtet Blutbad an; Motiv unklar“, so der Tenor zZt in den US-Medien …
    Man wundert sich ja schon fast, dass diesesmal der Begriff Terrorismus auftaucht.

  141. momorulez August 6, 2012 um 4:32 pm

    Das hatte ich diesmal gar nicht so verfolgt, eher all das Dubiose um diesen Batman-Attentäter, wobei man ja auch da wie üblich nicht weiß, was man da so glauben soll und was nicht.

    Habe nur das bei tagesschau.de gelesen, weißt Du mehr?

  142. Loellie August 6, 2012 um 4:58 pm

    Der war in einer WP-Band und hat auch auf entsprechenden Seiten Interviews gegeben, also schon aktiv in der Szene. Mittlerweile ist von „frustrierter Nazi“ die Rede. Das war zu dem Zeitpunkt ja aber schon bekannt, als in Berichten, in denen es um diese, wenn auch noch spärlichen, Hintergründe ging. Ich versteh ja wenn sich die Medien mit wilden Spekulationen zurückhalten, was sie sonst ja auch nicht tun, aber wo ist da bei dem Motiv was unklar? Ob er der Sikhs mit Moslems verwechselt hat ist noch unklar, aber sonst …
    Informationen sind ziemlich spärlich, weshalb sich das alles noch im Rahmen berechtigter Empörung und Anteilnahme bewegt.
    Den anderen hab ich dann wieder nur am Rande mitbekommen, das fand ich dann wieder Merkwürdig, wie der durch die Medien gejagt wurde. Ich glaubt aber nicht, dass sich da am verwirrten Einzeltäter was ändert, egal was da wirklich los war. Nee, Einteltäter ist er ja, ich mein jetzt Motiv über „Amok“ hinaus.

    DeMaiziere empört sich auch, darüber, wie mit der armen Olympia Oi-Braut umgegangen wurde …

  143. momorulez August 6, 2012 um 5:05 pm

    😀 – das erstaunt nicht. Nichts ist schlimmer in Deutschland als …

    Sie werden halt niemals dazu über gehen, Rechtsextremismus und Terrorismus als etwas Systematisches zu begreifen, was bei „Islam!“ oder „links“ sofort greift, schon wenn nur ein Auto in Flammen aufgeht und gar keiner weiß, wer das war. Und beim Aurora-Kino muss man ja den Hardcore-Verschwörungstheoretikern, insbesondere den Waffenlobbyisten, nun wirklich keinen Glauben schenken – dubios ist das aber trotzdem wieder. Bei solchen Fällen glaube ich mittlerweile keiner offiziellen Verlautbarung mehr.

  144. Loellie August 7, 2012 um 1:06 pm

    Man sagt den Jungs vom Pentagon ja das gleiche nach wie denen von der CIA, einmal dabei, immer dabei … oder so ähnlich. Ich finde es schon bemerkenswert, wenn ein Psy-Warrior in der rechten Szene so aktiv mitmischt. Zumindest könnte mal irgend ein Journalist auf die Idee kommen, an der Stelle nachzuhaken.
    Othering ist natürlich einfacher als Recherche und die NRA, stellvertretend Scott Walker, ist auch ein wohlfeileres Ziel als den Commander in Chief mal zu fragen, was seine Psy-Warrior mit ihren 20mrd$ Budget im Jahr denn so anstellen, oder wer von diesen WP-Freaks auf welcher Gehaltsliste steht.
    Was jetzt kein Gefasel von Black-Ops sein soll. Bommie Baumann hat die ihm zugesteckten Brandsätze ja auch alleine verteilt, und sogar gewusst, woher der Dope kam, den er verqualmt hat, und trotzdem Jahrzehnte gebraucht um sich mal zu fragen, wie autonom deren Entscheidungen damals tatsächlich waren.
    Das die Gewalt seit 911 ohne den Counter-Dschihad derart eskaliert wäre, halte ich für sehr unwahrscheinlich, um es vorsichtig auszudrücken, und das die gewaltbereite Szene in den USA weniger von Diensten unterwandert sein soll wie in Deutschland, glaube ich noch weniger.

    Anyways, hier die Quelle, auf die sich alle berufen

    http://www.splcenter.org/get-informed/news/alleged-sikh-temple-shooter-former-member-of-skinhead-band

  145. Pingback: Und die Diskussion schreitet fort: Nachschlag zu Critical Whiteness und dem Antira-Camp, bei dem ich nicht war. « Metalust & Subdiskurse Reloaded

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