Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Teile und herrsche

„Das Etappenziel dieser Marginalisierung ist erreicht. Die Fans zeigen nun gegenseitig mit Fingern auf sich. Der Tenor der moderaten Anhänger, die eine Sippenhaft befürchten: »Alles, weil ihr euch nicht benehmen könnt!« Der Tenor der Ultras, die sich zunehmend in die Enge gedrängt fühlen: »Alles, weil ihr die Verhältnisse abnickt!«“

11 Freunde bringt es auf den Punkt, sag ich als Haupttribünensitzer, und exakt das haben wir in der Fan-Community des FC St. Pauli schon ausgiebig durchlitten. Das ist wie bei schlechten Pädagogen, die ganze Klassen bestrafen, wenn sich der „Störer“ nicht meldet, und ungefähr auf diesem Schulhofniveau bewegt sich die Politik von Leuten wie Hape Friedrich: Paternalistische Heimtücke, die auf die niederen Instinkte autoritärer Charaktere im Sinne Adornos abzielt.

Dass sich da jemand hin stellt, dem gerade seine Geheimdienste um die Ohren fliegen und der, wenn ich das richtig verfolgt habe, diffamierende Auszüge aus Studien über „die Muslime“ an die BILD faxen lässt und angesichts all dessen noch den Moralisten spielt, das ist ja nun schon lächerlich genug. Solche Leute beschädigen das Amt des Innenministers nachhaltiger, als jeder Kritiker es könnte.

Dass er nun jenseits von Recht und Gerechtigkeit verortet Spielchen spielt, so meine Sicht der Dinge, das ist ja schlimm genug, aber bei so einer Partei auch nicht weiter erstaunlich. Freiheit ist für die nur Fliegenschiss, die freie Entfaltung der Persönlichkeit das zu Unterbindende und Drohen und Erpressung die Methode.

Sie erzeugen permanent die Gruppen, auf die mit dem Finger zu zeigen sei, erklären sie zum Freiwild für vermeintliche „Sicherheitsorgane“ und organisieren so den Spießer-Mob, der Anderen das Leben ganztägig zur Hölle macht. Und sie wissen mutmaßlich, dass sie dadurch jene Gewalt, gegen die sie zu agitieren vorgeben, allererst erzeugen – das funktioniert als eine Art Perpetum Mobile. DAS ist Gewalt, Herr Innenminister.

Ich finde Gewalt im Stadion auch Scheiße. Aber da werden Phänomene zur Gewalt stilisiert, die nur unter bestimmten Umständen welche sind, und es wird ohne ordentliche Gerichte sanktioniert, nur weil irgendwer ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat.

Und dieses Gerede dann von dem Vertreter einer Partei, die Gewalt gegen Schwule noch anstachelt mit ihrem Abstimmungsverhalten bei Gleichstellungsfragen, die Gewalt gegen PoC systematisch befördert mit ihren Islamdebatten, die gerade vom Verfassungsgericht bescheinigt bekam, dass sie Asylbewerber menschenunwürdig behandeln lässt und die für Gewalt in Griechenland die politische Verantwortung trägt – und damit das keiner merkt, bläst man die „Gewalt im Fussball“-Frage so weit auf.

Wie gesagt, nicht anders zu erwarten von solchen wie Hape Friedrich – dass sich dieser administrativen Nötigung (im mutmaßlich außerrechtlichen Sinne) dann aber Vertreter des FC St. Pauli beugen, das empfinde ich schon als vereinsschädigend im symbolischen Sinne:

„Es waren ja nicht nur die 36 Erst- und Zweitligisten, sondern auch die 20 Drittligisten zugegen, weil deutlich zu spüren ist, dass es einen sehr großen Druck der Politik gibt, jetzt überzureagieren und zum Beispiel ein generelles Verbot von Stehplätzen ins Auge zu fassen. Auch die Überwälzung der Kosten von Polizeiarbeit in und um Fußballstadien herum den Vereinen aufzubürden, wird immer wieder ins Rennen gebracht. Insofern ist es der richtige Schritt – auch von DFL/DFB – nach vorne zu gehen und mit diesem Verhaltenskodex zu sagen, es gibt ein Grundgerüst an Werten, die müssen eingehalten werden.“

Was ist denn „die Politik“, und was legitimiert die, da Druck auf Vereine auszuüben? Die Wahlbeteiligung wohl kaum, der Vertrauensverlust in die Legislative auch nicht – warum benennt man einen klaren Fallen von Machtmissbrauch nicht als solchen? Die Stehplatzfrage hat schlicht und ergreifend nichts mit der Gewaltfrage zu tun.

Pyro findet gar keine Erwähnung bei Meeske und Spies, dass Diktat statt Dialog die Agenda prägte, weil keine Fanvertreter anwesend waren, scheint auch egal, das Rumlavieren um die Stadionsverbotsfrage zeigt vor allem, dass da nur Willkürspielräume ausgelotet wurden wie bei DFL und DFB üblich – und wie kommen eigentlich Leute wie Friedrich dazu, die in Parteien sind, die die Bevölkerung durch Privatisierungen in den letzten 20 Jahren enteigneten und Hartz IV-Empfänger quälen, abstruse Drohkulissen hinsichtlich einer Regulierung der Körper auszusprechen, und der FC St. Pauli duckt sich weg, obwohl da in SEIN Stadion hinein regiert wird?

Während die in den großen Parteien Agierenden mit ihrer Entrechtungsstrategie bei gleichzeitiger permanenter Bedrohung von großen Bevölkerungsteilen durch immer neue Verbote und Sicherheitsgesetze die freiheitlich-demokratische Grundordnung einebnen? Weil sie Präventiv- an die Stelle von Individualrecht setzen und irgendwelche Verhandlungsmassen erfinden, die mit dem Gegenstand der Debatte gar nichts zu tun haben?

Nee, da nun auch noch deren Parameter in eigenen Entscheidungsfindungen zu übernehmen, das ist des FC St. Pauli nicht würdig.

Wehrt euch, leistet Widerstand wurde früher in solchen Fällen gesungen …

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7 Antworten zu “Teile und herrsche

  1. Pingback: » Magischer FC

  2. T. Albert Juli 19, 2012 um 12:11 pm

    Übelkeit!

    Diesen Mehrheitler habe ich gestern versehentlich entdeckt:

    „Vitzliputzlisresterampe“

    Ein Gutes hats ja, dieser widerliche vitzliputzli macht mal selbst deutlich, dass die faschistische Israel-Liebe auch von PI antisemitische Taktik ihres Moslem-Hasses ist.

  3. T. Albert Juli 19, 2012 um 12:13 pm

    Nee, sorry. Ich wollte den nicht hier verlinken, das war jetzt Compi-Automatismus. Ich wollte den nur hinschreiben. Machs wieder weg, bitte.

  4. momorulez Juli 19, 2012 um 12:13 pm

    Liebend gerne 😀 …

  5. T. Albert Juli 19, 2012 um 12:22 pm

    gut, merci!

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