Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Grundsätzliches zur „deutschen Nation“

Da gerade alle dazu diskutieren, greife ich Mitläufer das auch mal auf 😉 – der Text derer vom Magischen FC liefert eine gute Vorlage:

„Liebe Leser, wir sind doch kritisch, was die Organisation von Menschen in Nationen angeht. Und das reduziert sich bei weitem nicht auf die deutsche Nation. No Borders, No Nations ist eine sehr schöne Utopie. Nun sind Nationen in ihrer Organisationsform in ihrer Verwaltungsform wohl leider notwendiges Übel des real existierenden Menschen.“

Mmmmh, ich stimme weitestgehend überein – mir gefällt nur die Gleichsetzung des deutschen Nationalismus mit jenem z.B. der Polen nicht. Letzterer kann genau so chauvinistisch und rassistisch werden, hat aber doch eine völlig andere Geschichte als der deutsche, was sich eben auch im Aktuellen zeigen kann.

Polen war als irgendwie „staatlich“ verfasstes Gebilde zeitweise nicht mehr existent, hier hat sich eine „Nation“ im vorstaatlichen Sinne gegen Unterdrücker und Besatzer

aus Russland und Deutschland behauptet, die ständig, noch nach dem 2. Weltkrieg, die Landesgrenzen verschoben haben – viele der Polen, die z.B. im ehemaligen Pommern ansässig gemacht wurden, waren ja ebenfalls „Vertriebene“.

Davon zu unterscheiden ist wiederum ein Begriff von Nation als demokratischer Partizipationsgemeinschaft, die sich z.B. gegen Monarchien behauptet.

In diesen gilt im besten Falle auch kein „Abstammungs-“ oder „Blutrecht“, sondern oft eher ein Terrotorialrecht: Wer innerhalb der Landesgrenzen geboren wurde, verfügt automatisch über die Staatsbürgerschaft und darf wählen. Punkt.

Der ganze Hickhack rund um die doppelte Staatsbürgerschaft, die von Deutschnationalen traktiert wurde, gruppiert sich rund um eine Art Mischform – Abstammung und Geburtsrecht kombiniert.

Es wäre aus emanzipatorischer Perspektive wünschenswert, dass jeder, der sich in einem Land länger aufhält, automatisch die Staatsbürgerschaft erhält und auch das Wahlrecht, so würde man dem Prinzip der Partizipation gerecht – wenn gleichzeitig die Grenzen offen wären.

Der partizipatorische Gedanke kommt vollkommen ohne Begriffe wie Sprache, Kultur, Herkunft aus und auch ohne einen Rekurs auf „identitätsstiftende“ Geschichte, die eh zumeist eine Konstruktion im Sinne derer darstellt, die gerade herrschen. „Stunde 0“ oder „Es wächst zusammen, was zusammen gehört“ sind solche Konstruktionen. Sehr drastisch konnte man in Serbien verfolgen, wie das „Amselfeld“ reaktiviert wurde. Das ZDF hat in „Die Deutschen“ irgendeine Schlacht bei Augsburg als Urgrund der „deutschen Seele“ behauptet, von der ich noch nie etwas gehört hatte.

Ein weiteres historisches Spezifikum sind jene Staaten, die man früher als „verspätete Nationen“ bezeichnete – mit Italien und Deutschland bemerkenswerterweise sind zwei dabei, in denen sich der Faschismus formierte, Spanien mit den nach Autonomie strebenden Katalanen und Basken ist ein analoges Phänomen, aber an Franco und wie der ans Ruder kam erinnert sich ja auch kaum wer gerne.

Es sind dieses Staaten (oder „Reiche“), die sich aus der Kleinstaaterei entwickelt haben. Insofern war die Nationsbewegung 1848 eine Mischform aus partizipatorischer und Einigungsbewegung.

In diesen Staaten herrschen andere Geschichtsbilder als im Falle von Frankreich, wo die Landesgrenzen einigermaßen stabil über Jahrhunderte als Einheit bestanden. Es kommt dann auch ein anderer Nationalismus dabei raus als im Falle Deutschlands, und die französische und auch die niederländische Rechte ist, sofern sie nationalistisch agiert, was Wilders durch die Ersatznation „Der Westen“ betreibt, eher im postkolonialen Kontext zu betrachten.

In Deutschland hingegen bildete sich im 19. Jahrhundert gleichzeitig eine andere Form von Nationsverständnis heraus, unter anderem als Reflex auf die napoleonische Besatzung und zunächst durchaus ergänzend inspiriert vom Partizipationsgedanken, der z.B. im Falle der rechtlichen Gleichstellung von Juden kontrovers diskutiert wurde.

Herder, die Gebrüder Grimm und andere waren Vorreiter eines Begriffs von „Kulturnation“, der Vorstellung, eine historisch tradierte kulturelle Eigenart würde das Verbindende zwischen den Klein- und Großstaaten (Preußen z.B.), Fürstentümern und freien Städten wie Hamburg darstellen. Das klingt noch in der Lammertschen „Leitkultur“ nach.

Das führte u.a. dazu, dass sehr lange diskutiert wurde, ob nun Österreich, Elsass und Böhmen mit dazu gehörten, weil die „Sprachgrenze“ nicht identisch war mit den Grenzen der jeweiligen Gebilde. Mit Österreich „im Boot“ hieß: „Großdeutsche Lösung“. Dass die ganze Diskussion auf Kosten von Dialekten geführt wurde, das versteht sich von selbst – insofern liegt hier aber immer auch schon eine Abgrenzung gegen „Unterschichten“ im Sinne des schriftkundigen Bildungsbürgertums vor.

Bismarck kam das sehr gelegen. Ihm gelang es, durch verschiedene Schachzüge eine dem preußischen Adel und den ostelbischen Junkern wie auch den sich ja gerade erst etablierenden Großindustriellen genehme „Lösung“ zu finden: Er strebte eine Reichsgründung ohne Österreich an, weil dadurch der preußische Adel ungestört dominieren konnte. Und er wollte den partizipatorisch-liberalen Kräften ebenso wie den Sozialisten das Wasser abgraben. Dazu nutzte er den etablierten Gedanken der „Kulturnation“ und schürte ein Nationalgefühl durch Aggression gegen die Nachbarn mittels der „Einigungskriege“ gegen Frankreich, Dänemark und Österreich. Der unverhohlene Chauvinismus zeigte sich zum Beispiel in der Krönung des Kaisers in Versailles.

Infolge wurde in Preußen das Dreiklassenwahlrecht eingeführt und die Sozialistengesetze erlassen, linke Kräfte also verboten. Zur Kompensation wurde die Sozialgesetzgebung eingeführt.

So vollzog sich die Reichgründung: Gegen links, im Sinne der wirtschaftlichen Eliten, gegen Partizipation gerichtet, mittels Krieg und Abwertung von Franzosen, Engländern und auch „Slaven“; aus Polen herrschte damals eine rege Arbeitsimmigration, Herr Wischnewsky. Und das alles war auch nötig, um im Zuge der Industrialisierung vor allem mit England konkurrieren zu können. Das funktionierte in einem großen, staatlichen Gebilde besser.

Trotzdem hing dem Ganzen etwas „Aufgepropftes“ an, da die regionalen Traditionen viel prägender waren und ja auch bis heute sind. Es gab zudem sowohl protestantisch als auch katholisch regierte Regionen, was noch die Politik der frühen Bundesrepublik sehr nachhaltig beeinflusste.

Ich denke, beim „Schland“-Wahn spürt man das mehr als überdeutlich, dieses Gekünstelte, diese aufgesetzte Großkotzigkeit. Womit ich keine Möglichkeit der „organischen“ Nation behaupten möchte.

Eine Identifikation mit dem Regionalen im Gegensatz hört man ja deutlichst auch bei den ganzen postmigrantischen Rappern hier in Hamburg z.B., das ist etwas, was sich sehr schnell und auch unabhängig von „Abstammung“ entwickelt, und da würde ich auch die Fussballvereinsfanschaft als Form des Lokalpatriotismus verorten, bei der jeder erst seit 3 Jahren in Hamburg befindliche Taxifahrer aus Ghana auch mit machen kann.

Um 1890 freilich brachen all die Komplexe auf, die dieses Gebilde aus Kleinstaaten und Fürstentümern gegenüber Nationen wie Frankreich und insbesondere auch dem englischen „Empire“ hatte. Da wollte man mitspielen im „Konzert der Großen“; die Wucht des Wagnerschen Werkes kann man sich auch so anhören, dass krampfhaft versucht wurde, einen Sozialmythos zu schaffen unter Rekurs auf Nibelungen und Co, der der als „groß“ empfundenen Geschichte der Anderen etwas entgegen setzte.

Nun wollte das Konstrukt „Deutsches Reich“ auch Kolonien haben (wirtschaftlich waren Brandenburg und andere zuvor schon z.B. in Westafrika aktiv) und irgendwann auf Teufel komm raus in den Krieg ziehen. Eben auch so groß sein wie die anderen.

In dieser Tradition würde ich die Schlandianer sehen, die aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen einen analogen Komplex wegen des „3. Reiches“ entwickelt haben.

Gleichzeitig wurde um die Inthronisierung Wilhelms des Zweiten in Verbänden, Parteien, Burschenschaften usw. eine rassistische Fundierung der Kulturnationsationsidee mittels eines pseudowissenschaftlichen Biologismus sehr populär, der ganz dezidiert gegen die liberale Partizipationsidee gerichtet war. Das ist wichtig für das Verständnis von Denkern wie Habermas, die in ihrem Werk auf die Wirkungsmacht dieser Vorstellungen reagieren, den anti-liberalen – wobei die Liberalen in Deutschland natürlich als „Nationalliberale“ auftraten und auch nach rechts weg kippten.

Dieser Rassismus, der auch den „modernen Antisemitismus“ im Gegensatz zum religiös motivierten, traditionellen Antijudaismus hervor brachte, war immer schon gegen die zeitgleich erstarkende Sozialdemokratie gerichtet, gegen den Internationalismus linker Bewegungen, die sich ja nicht zufällig in der „Internationalen“ organisierten. Diese beschimpfte man dann als „vaterlandslose Gesellen“, der Nationalismus war immer das Vehikel der Herrschenden, Arbeiter und Unterschichten von der Linken abzuziehen. Und historisches Desaster ist, dass die SPD selbst diesem Quatsch auch noch auf den Leim ging.

All das ist Teil der Vorgeschichte des Nationalsozialismus, selbst aber noch keiner. In der Weimarer Republik wirkte es z.B. in Form der DNVP nach, die noch im ersten Hitler-Kabinett saß. Deren Mentalitäten sind eher Vorreiter des Schlandianismus wie auch von Politikern wie später Dregger oder Roland Koch.

Und das ist auch meine These, dass all das unterschwellig wirkt – eben der Wilhelminismus und die sozialen Konstellationen jener Ära der deutschen Geschichte. Das reicht bis in das Staats- und Justizverständnis, diese seltsame Überhöhung von Institutionen, denen a priori Respekt gehöre – und das alles legitimiert durch einen Nationalismus, der gegen Partizipation und formale Gleichheit gerichtet ist und sich von der Aufwertung gegenüber anderen Nationen nährt, heute sind es halt die Griechen. Und gegen „rassisch“ geringerwertige“ – auch damals schon gegen PoC und Juden, die sehr „orientalisch“ dargestellt wurden.

Die Hauptdifferenz ist, dass sich im Kaiserreich das Ganze am Leitfaden des Militärs heraus bildete, heute an jenem der ökonomischen Überlegenheit, dem Wirtschaftswundernationalismus, und bei manchen tritt das als Überlegenheit des „Zivilisierten“, des „Westens“, „der Moderne“ auf. Letzteres ist ein fundamentaler Unterschied, der „britische Krämerseelengeist“ war damals noch das Niedere gegenüber „deutscher Tiefe“, verschwunden ist dieser Diskurs ja keineswegs und wurde über Adorno und andere vermittelt im Zuge der Kulturkritik in der Linken sehr populär. „Kultur“ und „Zivilisation“ wurden damals als Oppositionspaare verstanden.

Was blieb, ist freilich die Unterscheidung zwischen „Gesellschaft“ und „Gemeinschaft“, ein in den 20er Jahren sehr populäres Motiv. Eine Gemeinschaft anzunehmen, die politischen Institutionen vorgängig sei, das ist das Gift, das auch in den Schlandianern schlummert.

Genau die ist es nämlich, die aufbricht und sich konstiuiert, wenn zum Pogrom wie in Hoyersverda gerufen wird … und die auch alle artikulieren, die sich „unpolitisch“ geben wie zum Beispiel die Rostocker Suptras. Diese „Gemeinschaft“ bildet sich auch gegen die „Extremisten“ – es ist der Mob.

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14 Antworten zu “Grundsätzliches zur „deutschen Nation“

  1. MartinM Juni 16, 2012 um 1:53 pm

    Danke für diesen ebenso guten wie scharfen wie unbequemen historischen Exkurs!
    Unbequem auch für mich. Die Gebrüder Grimm, immerhin Mitverfasser des Protestes der „Göttinger Sieben“, sind für mich z. B. positiv besetzt – weshalb ich dazu neige, ihre fatale Rolle bei den Konstruktion eine deutschen Nationalismus, die mir an sich bekannt ist, zu übersehen. (Es ist schon bezeichnend, dass Jacob Grimm, immerhin seine meine Ansicht nach großartige Pionierarbeit zur germanischen Religionsforschung „Deutsche Mythologie“ und nicht etwa „Süd- und Westgermanische Mythologie“ nannte,obwohl ihm schon klar war, dass zwischen der germanischen Stammesgesellschaft und der Entstehung einer „deutschen Kultur“ Jahrhunderte lagen.) Die Gebrüder Grimm sind aus heutiger Sicht ambivalent zu sehen, und eine Eigenart der gekünstelt großkotzigen „deutschen Mentalität“ (wie Du sie skizzierst) scheint mir zu sein, Ambivalenzen nicht erkennen, geschweige denn, ertragen zu können: es gibt nur Helden und Schurken, mehr nicht. (So gesehen ist Karl May ein „typisch deutscher“ Schriftsteller, so sehr er Kolonialismus und Rassismus, Obrigkeitsstaat sowie „bürgerlichen Mief“ verabscheute.) Dass die Grimms auch ihre negativen Seiten (und, was mich betrifft, Bismarck seine positiven Eigenschaften) hatte, fällt auch mir schwer zu akzeptieren – da bin ich wohl „deutscher“, als ich sein will.

    Ein Punkt, in dem ich Dir nicht ganz folgen mag, ist die Identifikation mit dem Regionalen. Zwar ist es in der Tat, einfacher „Hamburger“ oder „Berliner“ zu werden, bzw. als Neueinwanderer als solcher akzeptiert zu werden, als „Deutscher“, aber so ganz idyllisch ist der Regional- und Lokalpatriotismus besonders in Deutschland nicht.
    Die Hamburger Arroganz ist leider kein reines Klischee, ebenso wenig wie die Berliner Großkotzigkeit. Analoge lokale Überheblichkeit / Ausgrenzung und Abwertung von Menschen auch anderen Städten / Regionen kenne ich z. B. von Düsseldorf, Köln, Bremen, Stuttgart, Nürnberg, München, Rostock, Kiel, Lübeck, Leipzig – andere Städte sicher auch, nur da war ich wohl noch nicht oft genug. ^^
    Im Falle des „Freistaates Bayern“ kippt Regionalpatriotismus unangenehm oft regelrecht in Separat-Nationalismus um – überzeugte Bayern spielen gern „Nation“, und zwar mit allen Schikanen; die lange Zeit unangefochtene CSU-Herrschaft beruht größtenteils auf dieser Mentalität. Einen ähnlichen Hang, „Nation“ zu spielen, sehe ich auch in Hamburg, wenn auch nicht in der „breiten Bevölkerung“ als in den (selbsternannten) „Eliten“ – anders wäre z. B. die zeitweilige Begeisterung unter den als sparsam bekannten konservativen „Hanseaten“ für das Wahnsinnsprojekt Elbdisharmonie nicht zu erklären. Auch die Hamburger „Eventkultur“ hat manchmal Züge einer quasi nationalistischen Selbstüberschätzung. Der bajuwarische wie der hanseatische (Quasi-) Nationalismus unterscheidet sich zwar vom sehr gekünstelten, eher von Minderwertigkeitskomplexen als von selbstbewusster Heimatliebe geprägten
    deutschen, aber unangenehm und zum Fremdschämen anreizend ist er trotzdem.

  2. momorulez Juni 16, 2012 um 4:37 pm

    Ja, alles irgendwie richtig – aber es hat halt historisch nicht so derart fatal gewirkt wie dieser übergestülpte Scheiß und referiert noch auf irgendwas wie „Mentalität“, was ich auf deutscher Ebene immer eher als schauerliches Schauspiel erlebe, wenn nun „Party“ und „Weltoffenheit“ gespielt wird, während man „kurdischstämmige“ Frauen darüber belehrt, sie hätten die „Werte der Verfassung“ nicht verstanden. Was übrigens auch auftreten kann, wenn Deutsche Franzosen darüber belehren, wie Scheiße deren Nationalismus ist.

    Wenn man sich hingegen irgendwelche Elbvorortler anguckt, die Volksentscheide initiieren, damit ihre Kinder nicht mit „Unterschichtlern“ und „Migranten“ auf eine Schule gehen, wird irgendwie klarer, was gespielt wird und wie „Hamburger Arroganz“ entstanden ist – der britisch inspirierte Containance-Code der Pfeffersäcke, der protestantischen.

    Habe trotzdem mit Lokalpatriotismus nicht so große Probleme. Da ist man doch auch viel bereiter, Differenzen hin zu nehmen und sich einfach ein anderes Umfeld zu suchen. Mein Jahr in Köln hat mir gereicht 😀 – ist bestimmt auch eine Vorstufe von Rassismus, mehr als einen Rheinländer auf einmal unerträglich zu finden, aber ist das jetzt so schlimm? Finde es angesichts des Schland-Flaggenwahnes immer eher ganz erhellend, dass ich mit manchen Amis besser verständigen kann, oft schwarz oder schwul, als mit vermutlich 80% der Sachsen, Schwaben oder Bayern. Ich verstehe die tatsächlich oft gar nicht, wenn die etwas schneller sprechen, da verstehe ich englisch besser.Deswegen ist dieses Sprachargument auch immer so schräg. Da verbindet mich doch mehr mit dem „türkischen Gemüsehändler“ gegenüber als mit fränkischen Landwirten. Auch wenn ich kein türkisch kann, und das auch eigentlich ein Skandal, das wir das nicht als Pflichtfach schon in der Grundschule hatten.

    Und es sind ja nun nicht alle böse, die Anfang des 19. Jahrhunderts etwas vorbereiten halfen, was dann schief ging. Die Grimms haben ja auch den Geschichtenschatz der „einfachen Leute“ geadelt, als kurz zuvor noch die Leibeigenschaft galt, oder gab es die da teilweise noch?, in Russland wurde die erst in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts,, glaube ich, abgeschafft. Nur dass diese romantischen, der Aufklärung, die nicht weniger Dreck am Stecken hatte, entgegen gesetzten Ansätze das Feld der Historie doch auch mit wirkungsgeschichtlich seltsamen Zügen versehen haben. Da hat ja Safranski ein wohl eindrucksvolles Buch, das ich nie gelesen habe 😀 , zu geschrieben.

    Schade ist ja umgekehrt auch, was so diskreditiert wurde, dass man sich NICHT meher darauf bezieht, der „Schauerroman“, E.T.A. Hoffmann und so zum Beispiel – halt nur sehr indirekt im Fantasy-Kontext. Aber Horror- und „Urban Fantasy“ die im angloamerikanischen Raum so tolle Sachen hervor bringen, sind hier irgendwie den „Werwolf“-Kommandos der Nazis anheim gefallen.

    Ein weites Feld 🙂 – Danke und gern geschehen auf jeden Fall.

  3. MartinM Juni 16, 2012 um 5:28 pm

    Etwas OT: ich habe gerade einen „Urban Fantasy“-Roman geschrieben (eigentlich besser „Contamporary Fantasy“, da das Umfeld eine wenig urbane deutsche Kleinstadt ist). Und Nazis, wenn auch „moderne“ und in allerdings leicht durchschaubaren „Maske von Demokraten“ auftretende, und der Umgang der „gesellschaftlichen Mitte“ mit ihnen (ignorieren, verharmlosen, in Randgruppen verorten und dann auf diese eindreschen) sind ein Thema – neben Magie, alten Opfermooren, geheimnisvollen alten Frauen usw. usw. Ich rechne aber nicht wirklich damit, dass ich dafür einen Verlag finde. (Dann kommt das Ding eben als „Fanroman“ raus, die Tantiemen sind bei „so was“ eh mau.) „Contemporary Fantasy“ besteht, wenn ich mich so in den Buchhandlungen umsehe, vor allem aus liebeskranken Vampiren (Soft Version) oder, etwas „härter“, aus der branchenintern so genannten FFÜ .

  4. momorulez Juni 16, 2012 um 5:54 pm

    Spannend! Hast Du Dich mal mit Kindle/eBook beschäftigt? Bin da auch gerade intensiv dabei, und da kannste den einfach hoch laden – und Du bist im Netz so bekannt, auch in der Paganiszen-Szene, da findeste auch Käufer. Ich würde es mir sofort runter laden!

    Zudem bemerkenswerterweise die berühmte Amanda Knox (???) mit Vampirromanen abräumte und in den deutschen Kindle-Zusammenhängen Titel wie „Berlin Gothic“ marktführend sind und vor allem Thriller/Horror/Krimi/Fantasy gut laufen. Und Ratgeber, wie man eBooks veröffentlicht 😀 …

    Michael Pahl und Christoph, der als Gegengeraden-Gerd hier manchmal Trackbacks schickt, sind mit ihrem vor einem Jahr erschienen St. Pauli-Buch, das jetzt als eBook erschienen ist, prompt in die Top 5 eingestiegen; klar, die wissen, wie man die St. Pauli-Netzcommunity aktiviert, was natürlich ein Startvorteil ist, so eine existente Fan-Base.

    Trotzdem, es gibt mittlerweile Fälle, wo Amazon auf die Leute zuging, um die englischsprachigen Rechte zu erwerben.

    Auf der Seite literaturcafe.de finden sich viele Tipps zu dem Thema.

  5. momorulez Juni 17, 2012 um 12:15 pm

    Borniert und bevormundend erregt sich auch Herr Poschardt über die Schland-Kritik – wenig überraschend, aber Publizisten-Pöbel (Pöbel, weil er pöbelt) wie dem muss man halt manchmal mitteilen, dass es solche gibt, mit denen man, und solche, über die man lacht:

    http://www.welt.de/kultur/article106607169/Antideutsche-erklaeren-dem-Patriotismus-den-Krieg.html

    Wie verkrampft die an ihrer verkackten 2006-Party kleben, völlig verbissen das Lockere beschwörend 😀 … stillos. „Erklären den Krieg“. Witzig!

  6. T. Albert Juni 17, 2012 um 9:00 pm

    Grossartig, der Poschardt. So voller Humor, wie wir das von den Rechten gar nicht erwartet haben.

  7. momorulez Juni 17, 2012 um 11:48 pm

    Herr Poschardt betoniert jetzt vermutlich seinen eigenen BMW in einer Parklücke in Berlin-Mitte ein und amüsiert sich königlich.

    (Eben nicht. Er findet stattdessen die Titanic witzig, wenn sie Blackface-Karrikaturen zu Obama veröffentlicht. DAS ist total witzig. Tabubruch! DER Tabubruch! Und auf der Basis des 2006-Flaggenmeers AN DER ZEIT! Diese verkrampften …)

  8. Grjasnyj Andrjuscha Juni 18, 2012 um 4:53 am

    Hallo Momorulez!

    >>Mein Jahr in Köln hat mir gereicht – ist bestimmt auch eine Vorstufe von Rassismus, mehr als einen Rheinländer auf einmal unerträglich zu finden, aber ist das jetzt so schlimm?<>[…]referiert noch auf irgendwas wie “Mentalität”,[…]<<

    Und mit "Mentalitäten", die man dann irgendwie schätzt oder eben ablehnt, darf man nun wirklich nie nie nie argumentieren. Denn dann könnte man das eigentlich als Wertungskategorie auf jedes x-beliebige sich durch soziokulturelle Konstellationen ergebende Kollektiv anwenden. Tut man dann vielleicht in manchen Fällen bewusst nicht, aber man bleibt halt anfällig für solche Affekte, weil man sich am Ursprungspunkt ihres Entstehens in einem selbst nicht selbst unter Beobachtung hat.

    Finde ich…

  9. momorulez Juni 18, 2012 um 7:44 am

    Ja, da hast Du ja recht. Wobei z.B. ein klassenspezifischer Habitus im Bourdieuschen Sinne, man lese den Text von Poschardt, ich meine des Autoren selbst, nicht jenen der „Antideutschen“, ja auch so was wie eine Mentalität ist. Und das mit den Rheinländern ist ja mein Problem und nicht deren und schon gar kein Argument, sondern Geplapper in einer Kommentarspalte und vor allem den Rheinländern egal. Da liegt ja keine von einer dominanten Kultur permanent reproduzierte, strukturelle Diskriminierung vor.

  10. cut Juni 18, 2012 um 11:43 am

    “ … und vor allem den Rheinländern egal …“ Ganz genau so ist es. 😉

  11. momorulez Juni 18, 2012 um 2:01 pm

    Geister, wie sie u.a. Poschardt anstachelte, der Bezug auf den Artikel in DIE WELT ist deutlich:

    http://blog.gruene-jugend.de/archives/4419

    Mit der DNVP lag ich gar nicht schlecht ….

  12. ring2 Juni 19, 2012 um 11:27 am

    Die „Party 2006“ war ja deswegen was besonderes, weil so viele andere Menschen noch mit dabei waren. So richtig da! Altona war an manchen Tagen voll mit Menschen aus Italien und der Elfenbeinküste (meine ich). Und nu lassen die uns mit den Sieg-Brüllern alleine.

    Das mit der Mentalität kann ich nachvollziehen. Freue mich immer wieder, wenn meine Tochter so richtig schön „Altonaisch“ spricht. Ein Dialekt, der ohne den wichtigen türkischen Einfluss bspw. gar nicht denkbar wäre.

  13. momorulez Juni 19, 2012 um 2:14 pm

    Jein zur Party 2006. Ich fand es ja damals zunächst auch cool, als das Heiligengeistfeld mit Ghana fieberte und auf einmal lauter Fans aus, weiß gar nicht mehr, wer das war, Ecuador?, durch die Innenstadt tobten. Das drehte sich aber mit dem Weiterkommen von Deutschland – mein Ex-Chef, den Du ja auch kennst, war bei Spiel gegen Argentinien meine ich im Stadion und sprach von 90 Minuten purem Hass. Je weiter die Mannschaft kam, desto aggressiver wurde das Ganze – am Anfang hat keiner viel erwartet, und gerade diese Bilder nach dem Portugal-Spiel waren zwar schön sind aber exakt, das verschleiert, wie viel Scheiße hier gärt.

    Und alle Studien belegen das ja, dass das eine Zäsur war, die zu mehr Ausgrenzung, Abwertung und aufgeblasenem Kollektiv-Ego führte.

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