Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die Normalisierungsmacht der Neuen Rechten

Erstaunlich, wie der „Fall Kiyak“ bis in den Freitag weiter köchelt und Variationen von Kristina Schröders „Deutschenfeindlichkeits“-Rhetorik sich plötzlich mitten im „Freitag“ wieder finden. Und das auch noch mit der Conclusio „Wer antirassistisch agitiert, muss sich nicht wundern, wenn er Morddrohungen und wüsteste Beschimpfungen erntet“, wobei die Morddrohungen im „Freitag“ keinerlei Erwähnung finden.

Natürlich waren die ableistischen Äußerungen Kiyaks völlig daneben und wären das auch dann gewesen, wenn der Herr Sarrazin keine Gesichtslähmung hätte. Im Gegensatz zu ihm war Mely Kiyak aber in der Lage, um Entschuldigung zu bitten.

Die Beleidigungen und Herabwürdigen durch Sarrazin hingegen, die mittels mächtiger Springer-Presse und öffentich-rechtlichem Fernsehen verbreitet werden, akzeptiert der sich als links tarnende Neue Rechte hierzulande als Diskussionsgrundlage, mit der man sich gefälligst auseinanderzusetzen habe.

Einer selbstbewussten, unter „Migrantin“ verbuchten Journalisti jedoch, die gemeinhin über eine wirklich einzigartige Schreibe und originelle Denk- und Gedankengänge verfügt, stopft man stattdessen schon deshalb lieber das Maul, weil sie Individualität für sich beansprucht und nicht als Abziehbild weißer Vorurteile taugt und diese auch nicht fortwährend bestätigt.

Während es von langweiligen Autoren, die in Denkklischees agitieren wie Michael Ginsburg, in der deutschen Journaille nur so wimmelt. Sie verfassen Text als Vorkämpfer der Normalisierung dessen, was sie als „das Andere erleben“ und wollen offenkundig vor allem eines: Denen, die als „das Andere“ fortwährend produziert werden, die Gegenwehr austreiben. Das macht er wie folgt:

„Tenor: Jemandem, der andere würdelos behandelt, dem darf man auch die Würde nehmen. Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Im Saal wurde die Vermutung laut, 80 Prozent der Deutschen seien heimlich rechts. Ein „freies Land für freie Nazis“ eben, wie Kiyak schrieb. Kurz: Der Soli-Abend war ein voller Erfolg für die Profiteure einer Gesellschaftsspaltung.“

Die Kolumne über das „Freie Land für freie Nazis“ handelte davon, dass die mangelnde Aufklärung der NSU-Morde keinerlei Konsequenzen für die Ermittelnden und politisch Verantwortlichen hatte. Daraus nun die „Profiteure einer Gesellschaftspaltung“ zu basteln ist mehr als zynisch, meint er die NSU-Opfer?, erst recht, wenn es von einem geschrieben wird, der alle Privilegien des weißen, mutmaßlich heterosexuellen Mannes genießt und wahrscheinlich wenig Probleme damit hatte, dass Mordopfer zu Dönern erklärt wurden.

Er ist einfach der Vertreter einer Gesellschaft, die ständig Grenzziehungen reproduziert – mit und ohne Migrationshintergrund, schwarz und weiß, hetero und schwul, Mann und Frau -, um anschließend jenen, die so ausgeschlossen werden aus dem Allgemeinen, auch noch fortwährend unterzuschieben, die so Ausgegrenzten würden auch noch davon profitieren und ihnen die Exklusion vorzuwerfen.

Natürlich darf auch dieser alberne Hinweis, sie sei wohlauf und lebe in Freiheit, nicht fehlen, ja, da „wo die herkommt“, könnte es anders sein.

Zudem die Bewegungsfreiheit für Frauen in dieser Gesellschaft durch die permanente Androhung sexistischer Attacken eh schon nachhaltig eingeschränkt ist, PoC in manche Bereiche dieser Republik lieber nicht alleine fahren sollten, als Frau schon gar nicht, und man es sich gut überlegen muss, ob man als Mann öffentlich mit anderen Männer knutscht. Und Hartz IV-Empfänger sollen sich auch weder Anwälte noch öffentliche Verkehrsmittel leisten können.

Hier braucht es gar keine politische Unterdrückung, das erledigt die Bevölkerung selber.

Dieser Begriff von „Freiheit“ ist ebenso perfide wie die Vorstellung, man dürfe nicht zurück schlagen, sondern habe sich ungeahndet beleidigen zu lassen und müsse auch noch vornehm-bildungsbürgerlich und höflich antworten, während man mit Dreck beworfen wird.

Da ist der ausgeprägte Sadismus der Neuen Rechten einmal mehr mitten in ein vermeintlich „linkes“ Selbstverständnis vorgedrungen, und das natürlich mit den üblichen Zumutungen: Integrationsforderungen und dem Behaupten einer Symmtrie zwischen gesellschaftlichen Positionen, die nie und nirgends der Fall ist.

Wobei es schon sein kann, dass Herr Ginsburg auch gerne Kolumnen für die Frankfurter Rundschau schreiben würde – ich verstehe gut, dass man ihn nicht lässt. Da mangelt es schlicht an Qualität.

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19 Antworten zu “Die Normalisierungsmacht der Neuen Rechten

  1. sibiuaner Juni 15, 2012 um 9:50 am

    „Plötzlich lag das Wort „Rassismus“ in der Luft. Was war geschehen?“ (einleitender Satz von Ginsburg) spricht bereits für sich. Rassismus in Deutschland war ja wohl das zentrale Thema der Veranstaltung – für ihn als weißer Mann ist Rassismus ein Wort in der Luft. Von „plötzlich“ mal ganz abgesehen. Nicht nur, dass er als Weißer Rassismus damit verharmlost, er spricht auch noch Menschen mit Rassismus-Erfahrung ab, diese bedrohliche Erfahrung in der Öffentlichkeit zu thematisieren. Als weißer Mann ohne Rassismus-Erfahrung diese Veranstaltung klein zu reden ist das eine, aber das auch noch in einem Medium zu publizieren … deine Überschrift bringt es auf den Punkt.

  2. momorulez Juni 15, 2012 um 10:15 am

    Die tun halt alles dafür, ein gesellschaftlich manifestes Problem zu tabuisieren, genau das thematisiert ja Frau Kiyak regelmäßig in ihren Kolumnen, und dafür (!!!) geben sie ihr Saures – und auch dafür, dass sie nicht die Frau Kelek gibt. Insofern darf auch „Rassismus“ nur ein manipulativ eingesetztes Wort sein und nicht etwas, was Menschen widerfährt, das dann von durchgeknallten Wichtigtuern zum eigenen Nutzen und aufgrund irgendwelcher Einbildungen nur und überhaupt im Raume stehen darf.

    Interessant übrigens auch der Kommentar beim Freitagunter dem Artikel über die „Sprache des Unmenschen“. Unbestritten war das mit der lispelnden Menschenkarrikatur daneben, hat Frau Kiyek ja auch gesagt; mit Nazis hat das wenig zu tun.

    Die sprachen von „unwertem Leben“, etwas, das sich bei der pränatalen Diagnostik alltäglich wiederholt, betrieben Euthanasie und Eugenik. Und letzteres, Eugenik, ist das Paradigma Sarrazins in seinem Bestseller über die Abschaffung sozialer Konstruktionen, wie unter anderem Herr Schirrmacher heraus gearbeitet hat.

    Das geht mir mittlerweile übrigens auch bei „eigenen Leuten“ auf die Nerven, dass durch diesen Rekurs auf die Nationalsozialisten regelmäßig andere Phänomene indirekt legitimiert werden – als wäre alles, was nicht gleich Nazi ist, irgendwie in Ordnung.

    Davon profitiert keiner mehr als die Neue Rechte, die sich ja oft noch nicht mal mehr als Konservative, sondern als Linke und Liberale tarnen.

    Aber auch bei Phänomenen, die gar nicht unbedingt der Neuen Rechten zuzuordnen sind sondern eher der alten deutschnationalen wie diesem Schland-Flaggenmeer, verfehlt der Bezug zu den Nazis einfach sein Ziel – das ist die nationalistische Vorstellung einer vorpolitischen Kulturnation, die unter Wilhelm Zwo sich radikalisierte und später wohl bei der DNVP und solchen noch eine Rolle spielte, die zwar in Hitlers erstem Kabinett saßen, aber schon noch von den Nazis unterschieden waren:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschnationale_Volkspartei

    Solche Differenzen ständig zum Verschwinden zu bringen ist wenig zweckdienlich.

  3. sibiuaner Juni 15, 2012 um 11:25 am

    .. nur so lässt sich ja zusammenbringen, dass die Mehrheit zwar (Neo)Nazis böse und doof findet, während im Alltag ein weißes Nationalverständnis und Rassismus akzeptiert/ ignoriert wird. Das schließt sich eben nicht aus, sondern bedingt sich prima. Natürlich können Menschen, die Hitler ablehn(t)en, rassistisch sein. Aber hierzulande wird Rassismus in der Schule mit Blick auf Deutschland primär als Phänomen 33-45 gelehrt. Offenbar fällt es vielen weißen Deutschen schwer, Rassismus in seiner alltäglichen Präsenz losgelöst von den Nazis als gegenwärtiges Phänomen anzuerkennen. Rassismus wird meist als „Meinung“ verhandelt. („Liebe Zuschauende, wie rassistisch fandet ihr dies und das“/ „Sie/ er meinte das ja gar nicht rassistisch“ …)

  4. momorulez Juni 15, 2012 um 12:19 pm

    Ja, vollste Zustimmung.

  5. T. Albert Juni 15, 2012 um 1:20 pm

    ach, das ist ja lustig. das ist die superkolumne, deren link ich seit ihrem erscheinen freudig verteile.
    den rest habe ich hier im ausland, wo es genauso ist, noch nicht mitgekriegt.
    worüber regen diese ganzen leute sich auf? dass mal eine in ihrer normalen sprache der permanententgleisung in medien und alltag kontert, angesichts der trommelnden nazi-jungs, die jetzt ungehindert überall durch die städte ziehen? ach herrjeh.

  6. T. Albert Juni 15, 2012 um 1:25 pm

    (hatten wir nicht mal vor jahren einen merkwürdigen „streit“ mit jemandem beim rayson, der als ökonom grsagt hat, wenn jemand in seinem laden juden nichts verkaufen wollte, dann wäre das sein recht in freiheit? – war auch „anders“ gemeint.)

  7. momorulez Juni 15, 2012 um 1:50 pm

    Ja, ich erinnere mich bestens. Das ist eine Variante der Friedmanschen „Präferenz“-Theorie. Der Lehrer der Chicago-Boys war ja auch der Ansicht, bei Rassismus handele es sich einfach um so etwas wie eine negative Präferenz, was er zu Zeiten der Segregation schrub.

    Frau Kiyak hatte in ihrer Kolumne Herr Sarrazin als „lispelnde und stotternden Menschenkarrikatur“ bezeichnet oder so ähnlich, nicht wissend, dass der aufgrund einer Tumoroperation eine halbseitige Gesichtslähmung hat und hat sich daraufhin entschuldigt, weil man sich über körperliche Mängel nicht erheben sollte (und übrigens auch keine Bilder aus dieser Begriffswelt zur Beschimpfung nutzen, neulich bei einer Facebook-Diskussion regten sich Leute über Hitlergruß zeigende Schlandianer mittels „Spastis!“ auf, auch Scheiße).

    Seitdem tobt nun aber nicht nur übelste Hetze aus dem PI-Lager, auch die BILD schoss aus allen Rohren und forderte eine Entschuldigung, die längst vollzogen war. Und jetzt schießen sich alle möglichen Leute auf sie ein, die nur auf einen Anlass gewartet haben, und im Gegenzug gibt es Solidaritätsbekundungen- und Veranstaltungen. Die FR-Chefs haben sich übrigens deutlich hinter sie gestellt. Und dann kommt halt immer irgendein Ginsburg, Welding, Augstein um die Ecke und kontert von rechts.

  8. AS Juni 15, 2012 um 2:16 pm

    Volle Zustimmung.
    Passend zum Beitrag von Ginsburg auch der Kommentarspalten-Mob, der halt einfach nur das deutlicher sagt, was die anderen sich nur anzudeuten trauen.

    „Eine linke Kurdin, die auf solche Weise „Gegner“ zum Untermenschen stempelt, für welche Freiheiten steht diese ein?
    Sie hat hier in Deutschland alle politischen Rechte, die ihr in ihrer Heimat nicht zustehen, aber die Werte unserer Verfassung hat sie wohl nicht begriffen.“

    Erst links, dann auch noch Kurdin und zu allem Überfluss hält sie sich nicht an die Regeln in Schland, wo sie ja schließlich nur Gast ist (denn ihre „Heimat“ ist schließlich wo anders). Freies Land für freie Nazis!

  9. T. Albert Juni 15, 2012 um 2:30 pm

    Es ging aber um einen anderen Artikel als den von Dir verlinkten, wo das ja nicht drinsteht. Das hat mich irritiert, nur deswegen.
    Hier ist zu sehen, dass es aber völlig egal ist, was die Frau schreibt, die zitierten Reaktionen auf ihren durchgedrehten Schwachsinnssatz zeigen, dass der durchgedrehte Schwachsinn von Rassisten und Frauenhassern sie auch ohne einen Satz trifft, der in ihrem Falle eine Entgleisung ist, bei ihnen die Sprache der Mitte, zB auch der „Spasti“, den ich im Unterricht alle 10 Minuten höre, da sind dann Hitlergrüssende halt auch mal“Spastis“.
    http://www.fr-online.de/meinung/in-eigener-sache-wider-die–hetzkampagne,1472602,16146246.html

  10. T. Albert Juni 15, 2012 um 2:32 pm

    jetzt haben AS und ich uns überschnitten

  11. momorulez Juni 15, 2012 um 3:34 pm

    Ja, der Artikel mit dem Sarrazin-Satz ist offline genommen, wegen dieses blöden Satzes, der verglichen mit Sarrazins Äußerungen ja einigermaßen harmlos ist. Da hat sie sich im Schimpfwort vergriffen in einem ansonsten ziemlich lustigen Text.

    Ja, @AS, sehe ich auch so. Und das mit dem „Die Verfassung begriffen“ – ist ja immer lustig, wer das das schreibt. Natürlich steht da der Diskrimierungsschutz drin, zunächst mal richtet sich das aber an den Gesetzgeber und staatliches Handeln. Man kann die Wahrung der Menschenwürde ärgerlicherweise nicht direkt einklagen.

    Ansonsten gilt, dass der Verstoß gegen Einzelgesetze im Strafrecht, Bürgerlichen Recht usw. geahndet werden kann. Das sind keine positiven Pflichten an den Bürger gerichtet, die finden sich Steuerrecht.

    Der Volksverhetzungsparagraph steht ja woanders, der den Zitierten nicht sonderlich zu interessieren scheint. Und die „Werte unsere Verfassung“ – das ist keine Werte-, sondern eine Regel- und Prinzipienordnung, wo eben jene Meinungsfreiheit auch fest geschrieben ist, die Frau Kiyak in Anspruch nimmt, auf die sich im Falle rechter Hetzer immer berufen wird, die Frau Kiyak aber diese ganzen Ausrastenden nicht zugestehen wollen, nun auch nicht verfassungskonform. Man kann von deutschem Recht halten was man will, die völkischen Komponenten stehen nicht in der Verfassung meines Wissens. Oder wo steht das mit dem Staatsbürgerrecht?

  12. Pingback: Fundstücke « Serdargunes' Blog

  13. Jan Juni 18, 2012 um 4:48 pm

    Hätte Sarrazin geschrieben, „Die Türken, diese Menschenkarikaturen“, dann wäre er wegen Volksverhetzung verurteilt worden und du bzw. ihr wäret, vollkommen zurecht, ausgerastet.
    Gibt es für dich (oder euch) auch eine Grenze? Gibt es etwas, was ein „PoC“ nicht tun darf, etwas, wo er dann auch von eurer Seite kritisiert wird? Wenn ein Migrant Auschwitz leugnet, wird er dann von euch kritisiert? Oder ist die Kritik daran, auch nur wieder ein Versuch ihn Mundtod zu machen?
    Das soll jetzt keine Polemik sein, es interessiert mich ernsthaft! Gibt es auch für euch eine Grenze, wo ihr einen „PoC“ nicht mehr in Schutz nehmt?

  14. schwules Mädchen Juni 18, 2012 um 5:24 pm

    Sarrazin hat nicht geschrieben, Türken seien Menschenkarikaturen, er hat viel schlimmeres geschrieben, wofür er aus der Bundesbank entfernt wurde, um Schaden von der Bundesrepublik abzuwenden. Viele Leute sind wegen Sarrazin zu Recht ausgerastet. Im Gegensatz zu Frau Kiyak, die sich nur einmal danebenbenommen hat, kann es sich Sarrazin nicht leisten, sich zu entschuldigen, denn seine Thesen meint er und sein Mob ja vollkommen ernst. Das ist der Unterschied.

  15. T. Albert Juni 18, 2012 um 7:14 pm

    Och Jan, ich glaube, hier ist von der Grenze, die Frau Kiyak überschritteb hat, mehrere Male die Rede gewesen. Dass man sowas nicht tut, hat Momorulez oben irgendwo geschrieben, und das wurde einige Male bestätigt.
    AUschwitz-Leugnung: Sorry, aber jetzt beleidige ich Dich mal! Das soll keine Polemik sein!

  16. T. Albert Juni 18, 2012 um 7:16 pm

    (Mist, ich wollte eigentlich diesen ganzen Quatsch nicht mehr mitmachen.)

  17. momorulez Juni 18, 2012 um 7:57 pm

    @T. Albert:

    Doch, bitte, bleib!

    @Jan:

    Die anderen beiden haben ja schon treffend geantwortet; ist Sarrazin wegen Volksverhetzung verurteilt? Kannst Du das belegen, @schwules Mädchen? Das muss ich sonst bearbeiten wegen falscher Tatsachenbehauptung.

    Und @Jan, Du hast irgendwie ein Problem, zwischen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und individuellen Beleidigungen zu unterscheiden. Wenn ich schreibe „Idi Amin war ein schlimmer Diktator“ oder „war eine schwule Sau“ sind das zwei paar Schuhe und implizieren keine Aussage über PoC im Allgemeinen, letzteres ist im Bezug auf Schwule ein Fall gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aus einer dominanten Position heraus.

    Ungefähr im Sinne letzterer Diskursform und Haltung bewegt das Werk von Sarrazin sich durch den Blätterwald, allerdings mit Mitteln einer Statistik, die auf rassifizierten Kategorien und Fragestellungen aufbaut.

    Kiyak hat ein ableistisches Sprachbild verwendet, was ich schon im Eintrag oben als schwer daneben gekennnzeichnet habe. Natürlich ist die Darstellung einer körperlichen Dysfunktion als „Menschenkarrikatur“ alles andere als harmlos, es prägt allerdings nicht systematisch ihr Denken und Schreiben und sie hat um Entschuldigung gebeten und auch geschnallt, was an ihrem Text Scheiße war. Genau das ist doch der Schritt, der bei Leuten wie Kuttner, Hallervorden und wie sie alle heißen fehlt.

    Wie Du von da aus nun bei der Holocaust-Leugnung landest ist mir schlicht ein Rätsel. Dass freilich in Deutschland eine weitestgehende Verdrängung der Kolonialgeschichte wirkt, betrifft unsere Kommunikation. Da kannste Dich jetzt mal selbst verorten in diesem Spannungsfeld.

  18. momorulez Juni 18, 2012 um 8:03 pm

    PS: Ich habe zwar Anzeigen gegen Sarrazin wegen Volksverhetzung ergoogeln können, aber nur eingestellte Verfahren finden können. Wenn Du noch einen Beleg findest, her damit, habe den entsprechenden Satz erst mal raus genommen.

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