Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die Erfinder des Missionsdrangs da auslachen, wo es weh tut …

Ja, ich habe Respekt vor individuellem Glauben, hatte gerade gestern einen anregenden Dialog mit sehr denkoffenen und zudem noch feministisch orientierten Vertretern der evangelischen Gemeinde in Frankfurt undundund.

Und ja, ich glaube sogar, dass für diese weltgeschichtlich einzigartig brutale, bigotte und unheilsvolle Religion Hoffnung bestünde, wenn hierzulande wie in den USA mal die Funde von Nag Hammadi etwas ernster genommen würden. Es ist das Johannes-Evangelium, das gegen diese in Stellung gebracht wurde und das Desaster in die Wege leitete. Wenn sich die halbwegs weltoffenen, evangelischen Kirchen dem mal öffnen würden, was sich im Thomas-Evangelium findet und in dem der Maria Magdalena, dann wäre ganz schnell Schluss mit Dogmen und jeder Art des christlichen Fundamentalismus.

Und ja, ich halte Islamismus für fürchterlich, kann die Salafisten nicht beurteilen, bekomme bei Facebook aber mit, dass liberale Muslime angesichts derer auch nur noch kotzen. Aber nun einen derartigen Aufstand zu veranstalten, wenn die nicht etwa Märtyrer preisende Videos, sondern einfach nur den Koran verteilen, das ist die Lachnummer der Woche:

„Der NRW-Verfassungsschutz beobachtet die Vorgänge. Die Salafisten-Aktion sei aktueller Ausdruck der offensiven Missionierungsarbeit dieser islamistischen Strömung, erklärte das NRW-Innenministerium am Mittwoch. «Was sich als reine Koran-Verteilaktion präsentiert, ist in Wahrheit die subtile Verbreitung der salafistischen Ideologie», sagte ein Sprecher.“

Ich weiß ja nicht, ob der Verfassungsschutz auch die Evangelikalen, die Katholische Kirche oder die CDU Sachsen (mal abgesehen davon, dass der Mann dringend psychiatrische Hilfe braucht, gibt es eigentlich so was wie „Exit“ auch für Evangelikale und ein Kirchen-Aussteiger-Programm von Christina Schröder?) im Visier hat, bin aber noch in einer Welt aufgewachsen, da in fast jedem Hotel eine Bibel herum lag. In dieser ist auch die Todesstrafe für Schwule fest geschrieben, wird die Frau dem Manne untertan gemacht, bringt Jesus das Schwert und nicht den Frieden und all dieser Murks, den die Koransurendeuter vom rechten Rand seit Jahren aus diesem heraus sammeln, um ihre Bigotterie fortzuschreiben.

Dieser ekelhafte Missionierungsdrang ist eh eine christliche Erfindung, im Judentum gibt es den noch nicht, die römischen Staatsreligionen waren politische Veranstaltungen zum Gottkaisertum, und der buddhistische Weg ist ein individueller. Und die BILD hat vor gar nicht so langer Zeit doch eine Volksbibel verteilt. War da die Empörung in den vermeintlichen „Volksparteien“ auch so groß? Und hat der Verfassungsschutz das als „fundamentalistische Agitation“ misstrauisch beäugt, was angesichts der BILD ja eine plausible Möglichkeit wäre, wie nicht zuletzt die Sarrazin-Promotion mal wieder zeigte?

Vielmehr kann man darin sogar eine Chance sehen, wenn die völkischen Deutschen mal eine andere Form von Text in die Finger bekommen. Übrigens gerade dann, wenn sich das GEGEN die „vom Westen“ wie auch immer geförderten Islamisten geht. Man könnte sich nämlich angesichts dessen mal wieder mit den Arbeiten von Thomas Bauer beschäftigen, anstatt ständig den Koran durch die Brille der katholischen Dogmenlehre zu betrachten, und würde dann bei Gedanken wie den folgenden landen:

„Bauer spürt gesamtgesellschaftlich der Bedeutung von Ambiguität – und ihrer Tilgung nach. Hier wendet er sich unter anderem der arabischen Sprachwissenschaft zu. Sie habe bereits vor einigen Jahrhunderten den Stand der heutigen westlichen Sprachwissenschaft erreicht oder habe ihn womöglich schon damals übertroffen. Allerdings sei diese Leistung verkannt worden, weil mit der Moderne der Fokus auf Naturwissenschaften und Medizin gelegen habe. Aber selbst in den europäischen (und westlichen) Sprachwissenschaften habe man die weite Reflektion und weite Entwicklung der Sprache, in enger Verbindung mit Ambiguität, nicht zur Kenntnis genommen.

Mit „Sprachspiel und Sprachernst“ umreißt Bauer den spielerischen Umgang mit Sprache, ihre kunstvolle Ausdifferenzierung und die sprachwissenschaftliche Aufarbeitung. So beschäftigten sich arabische Autoren mit „Wörtern mit Gegensinn“, bei denen also ein Wort ein Ding und gleichzeitig das Gegending bezeichnet. Die Autoren taten dies dabei keineswegs dazu, um diese Uneindeutigkeiten zu vermeiden, sondern – wie es scheint – einfach aus Freude und Interesse an diesem mehrdeutigen Phänomen. Andere arabische Autoren wandten sich dem Wettstreit von Pflanzen, Tieren oder Gegenständen zu.

Aber selbst den Koran würdigte man – und würdigt ihn noch immer – für seine Mehrdeutigkeit. Die Frage „Spricht Gott mehrdeutig?“ bejaht Bauer für die Rezitationstraditionen des Korans. Genauer gesagt – und hier ist Bauer zu präzisieren – „spricht Gott“ damit aber „nicht mehrdeutig“, sondern vielmehr kann der Mensch stets nur eine begrenzte Sicht haben (denn der Mensch ist eben nicht „Gott“). Und es können so unterschiedliche Interpretationen vorkommen. Mehrere Deutungen von Passagen erschienen so eher als „göttliche Gnade“, die eine Erleichterung für die Menschen bedeute. Verschiedene Auslegungen konnten so gleichzeitig beanspruchen, „wahr“ zu sein.“

Das ist übrigens doppelt interessant, wenn man das auf das Werk Adornos und Horkheimers bezieht und die Psychoanalyse da mal raus lässt. Das ist auch viel spannender als wörtliche Bibel-Auslegung. DAS zu verbreiten ist wohl die beste Methode gegen jeden, genuin vom Christentum vorgezeichneten Dogmatismus und Fundamentalismus. Lasset uns doch diese frohe Botschaft mit verbreiten 😉 … die hoch gezüchteten Islamisten sind sozusagen Christen im Geiste, weil sie eine eher ästhetische Vernunft zugunsten strikter Moralität umformten, um sich vermeintlich gegen koloniale Übergriffe zur Wehr zu setzen, dabei im Grunde genommen aber erst die Kolonisierung vollendet haben. Das lässt sich beim fatalen Wirken von Christen in Afrika ja ebenso nachvollziehen – da wird dann auf einmal das, was nicht der Botschaft der Religion der Invasoren und Sklavenhändler- und – halter entspricht, „unafrikanisch“. Was ein historisches Drama!

Vielleicht können sich ja allesamt, Muslime wie Christen, davon endlich mal befreien?

26 Antworten zu “Die Erfinder des Missionsdrangs da auslachen, wo es weh tut …

  1. hrafnsgaldr April 12, 2012 um 11:38 am

    Zustimmung! Wobei es im antiken Judentum ja sehr wohl missionarische Tendenzen gab, und Buddhismus gerade auf dem Weg der „Mission“ verbreiter wurde und weiterhin verbreitet wird (die sich allerdings in mancher Hinsicht von der missionarischen Praxis der christliche Kirchen unterschiedet, deshalb die Anführungszeichen).
    Ich sehe jedenfalls keinen Unterschied zwischen „Jesus-Freaks“, die Bibeln verteilen, und „Mohammed-Freaks“, die das selbe mit dem Koran machen. Und dass früher (wie heute noch z. B. in den USA) in jeden Hotelzimmer eine Bibel lag, lag an diversen, meist christlich-fundamentalistischen (also die Bibel systematisch miss-verstehenden) Bibel- und Missionsgesellschaften. Das Gleiche „in grün“ machen die Salafisten – die meiner Ansicht nach islamische Puritaner sind.
    Hatte dazu mal vor einiger Zeit was gebloggt:
    http://www.nornirsaett.de/puritanismus-auf-islamisch/

  2. momorulez April 12, 2012 um 12:14 pm

    Ich glaube ja gar nicht mehr an die Möglichkeit des Bibel-Missverstehens, weil der ganze Kanonisierungsprozess nichts anderem diente als der Machtsicherung der sich formierenden Kirche, die von Anbeginn an ein hochaggressiver Haufen war, wenn es um „Andersgläubige“ in den eigenen Reihen ging. Als sie dann die Macht hatten, ging es gegen Heiden und Juden, bei denen sie sich vorher bedient haben.

    Das ist kein Glaube, der im Neuen Testament proklamiert wird, sondern ein reiner Herrschaftsanspruch, der darin gründet, dass sich „Experten“ den privilegierten Zugang zum Gottessohn zusprechen. Und da die Prostestanten so blöd waren, das zu übernehmen, was die katholischen Kirchenväter da zusammen gesammelt haben, wurde es ja fast noch schlimmer.

    Was das Alte Testament betrifft, ist das ja auch eher so was wie griechische Mythologie + Hygieneregeln, das als Gründungsmythos von Stämmen im Nahen Osten diente, die in sich hoch ausdifferenziert war – das ganze rabbinsiche und talmudische Judentum ist dann unter Diaspora-Bedingungen nach der Zerstörung des Tempels in einem völlig anderen soziohistorischen Kontext entstanden und schon deshalb mit dem Christentum gar nicht zu vergleichen. Wobei die Story vom „Exodus“ doch immer wieder ganz brauchbar für die Unterdrückten dieser Erde war.

    Und der Missionsbefehl, ist das nicht Paulus, der umgedeutete Gnostiker?

    Es ist auf jeden Fall so, dass orthodoxe, russische Staatskirche zur Zarensicherung hin, Methodisten, Baptisten, Pietisten, Puritaner, Lutheraner her die islamische Tradition bis zur Moderne die weit weniger orthodoxe, strikte Kultur hervor gebracht hat, historisch, obgleich die ja nun auch hochpatriachal waren, auch mit Sklaven handelten und einen Rassismus gegen Schwarze pflegten usw. – so krass wie das Christentum waren die meines Wissens nicht, bis die Rohstoffbedürfnisse der Industrialisierung zuschlugen mitsamt der vermeintlich säkularen Zweckrationalität und all dem rassistischen Dünkel, der zur „Aufklärung“ immer dazu gehörte und wo sich ja, jüdischer Aufklärung zum Trotze, im Grunde genommen der Protestantismus auch bei Atheisten tradierte.

  3. momorulez April 12, 2012 um 2:59 pm

    PS: Das mit den Walhabiten ist ganz spannend, auch, wann die sich auf ja im Grunde genommen einen Purismus, was eben auch sehr protestantisch ist, berufen haben. Umgekehrt sind die Auseinandersetzungen mit den Häretikern, die zunächst einfach exkommuniziert wurden und zunächst auch angesichts punktueller, keineswegs flächendeckender Christenverfolgung z.B. in Lyon und in Nordafrika, durch den staatlichen Rahmen erst richtig heftig geworden, nachdem es Staatsreligion wurde, was ein wenig Deiner These von der funktionierenden Justiz widerspricht – die wurde zwar gewissermaßen dadurch, dass andere Glaubensvorstellungen schlicht verboten wurden, weg von dem Sinne, in dem man heute „Justiz“ versteht, verändert, die Justiz, blieb aber im antiken Sinne staatlich. Und natürlich sind diese ganzen Kämpfe getränkt von Beschimpfungen, dem Teufel und der Verdammnis, möglichst gleich ewig, anheimzufallen. Was auch noch mal ganz interessant ist, dass die Vorstellung der „Hölle“ meines Wissens erstmals im Christentum auftaucht und auch der Satan hier eine andere Rolle spielt als analoge Vorstellungen im Alten Testament und im Christentum. Und ich weiß tatsächlich nicht, ob es im selben Sinne wie im Christentum im Islam diese Vorstellung des A priori verdorbenen Menschen gibt, der noch froh sein kann, wenn er überhaupt zu den vorbestimmt (!!!) Auserwählten gehört. Calvin war ja ein Sadist vor dem Herren, sozusagen … was für eine grausame Gottesvorstellung … da ist Luthersche Gnade dann doch die freundlichere Variante, die ja auch leistungsunabhängig gilt. Macht aber auch nicht besser, was Lutheraner so alles angerichtet haben. Und die Käfige für die Wiedertäufer hängen meines Wissens heute noch in Münster am Gotteshaus. Grausam.

  4. hrafnsgaldr April 13, 2012 um 1:10 pm

    Momo, das mit der „defekten Justiz“ bezieht sich auf Hexenverfolgungen, was ein Sonderfall religiös motivierter Verfolgung ist. Wobei im Sonderfall einer „Hexenverfolgung von oben“ die Justiz formal intakt sein kann (allerdings nicht unabhängig).

  5. T. Albert April 15, 2012 um 1:57 am

    Die angestrengt erkünstelte Aufregung über die Koranverschenkaktion passt zur ebenso angestrengten Aufregung über Grass. Bloss dass ich nach den letzten Tagen

    auch glaube, Du überschätzst das „Christliche“ daran, weil die Leute das gar nicht mehr drauf haben und es vielen auch auf unangenehme Weise wurscht ist. Traditionslosigkeit hat ja leider auch den Vorteil, dass man sorglos völkisches Zeug absondern kann, ohne dass man ein völkisches „Bewusstsein“ für sich beanspruchen müsste, das nämlich kaum existiert, um als Grundlage irgendeiner wie auch immer sich aussprechenden Reflexion zu erscheinen.
    Die Frage ist ja, aus welcher Tradition die Traditionslosigkeit kommt, die man für sich beansprucht.
    Also, ich habe jetzt einiges wieder über den Koran und seine Gefährlichkeit gelesen und gehört, dass ich mich vor Lachen nicht mehr eingekriegt habe, dazu passt aber auch die das Gerede von der „jüdisch-christlichen Kultur“ immer wieder durchstreichende Interpretation des Alten Testaments, mithin der Thora, als dem imaginativen Ort des bösen „jüdischen Gottes“ und der affirmativ beschriebenen Gewalttaten der Juden.
    Der Witz ist dabei aber inzwischen, wie ich finde, der, dass diesem alten Schwachsinn der Traditionsschwachsinn vom „christlichen Liebesgott“ nicht mehr gegenüber gestellt wird, sondern sogenannte Bibelkritik kippt in schlichten a-christlichen, sich aufgeklärt verstehenden Anti-Judaismus, aus dem heraus auch das eigene frühere Christentum abgelehnt wird; da wird auch das Dauer-Wort vom „eigentlichen“ Juden Jesus und der eigentlichen „jüdischen Sekte“, die das Christentum gewesen sei, zu einer antijüdischen Wendung. Das finde ich interessant, wenn diese „aufgeklärte“ Denkanstrengung dann auf den furchterregenden Koran stösst, der die Menschenrechte und die Frauen missachte – wie eben auch das AT, um sich dann fallweise über Salafisten, Muslime, Juden, Araber, Israelis, rechte oder linke Regierungen in Israel, Iraner, die Saudis, das iranische Regime, orthodoxe Juden, Hamas, Palästinenser, Gastarbeiter und überhaupt aufzuregen zu können: schliesslich können wir deren schlechtes Benehmen in AT und Koran gewissermassen nachlesen.

    Natürlich kriegt Grass sofort braune Unterstützung, das müsste ihm nun klar sein, und zwar auch wegen seiner jugendlichen Vergangenheit, logischerweise, und lustig ist daran, dass denen die Ästhetik des Gedichts aktuell völlig wurscht ist, während die aufgeregt tuenden Gedicht-Gegner ihr antimodernes ästhetisches Projekt auch hier deutlich machen, wenn sie es für nötig halten sich über dessen Form auszulassen, und eine Art gesunden Volksempfindens, wie ein Gedicht zu sein habe, postulieren. Da wirds dann echt eklig, wie der Umgang mit dem Koran, dem die Salafisten gerade recht kommen.

  6. momorulez April 15, 2012 um 8:42 am

    Puh … da steckt jetzt zumindest dieses Riesenfass mit drin, dass Hitler und Stalin ja Atheisten gewesen seien und Moralität den christlichen Liebesgott brauche, oder? Natürlich lässt sich auf der Spruchebene selbst Christentumskritik in Antisemitismus wenden, und das Völkische kann antichristlich- heroisch auftreten mit Nietzsche, aber welche Rolle das aktuell spielt, global, nicht innerdeutsch, die ist sehr gering, würde ich mal sagen. Mir stellt es sich eher so dar, dass im Zuge der Auseinandersetzung mit einem zumindest historisch arg verzerrt dargestellten Islam wie auch dem Wegfall kommunistischer Positionen die christliche Rhetorik wie immer schon dazu dient, mit ihr als „sozialem Kitt“, Karitativem und dem Führen von Ablenkungsschlachten gegen Schwule und Frauen einfach nur die ökonomischen Schweinereien kaschiert werden, die das jeweilige Wirtschaftssystem so mit sich bringt. Je tiefer ich mich da einlese, desto klarer wird mir, dass weder Prostestantismus noch Katholizismus irgendwas mit einer Vorstellung des Göttlichen noch mit Liebe zu tun haben, das sind durch und durch autoritäre, lieblose Doktrinen. Und die jüdische Tradition ist wegen ihrer Herausbildung unter Diaspora-Bedingungen ein ganz anderes Paar Schuhe.

    Ich denke ja auch, dass unter sozusagen spirituell-literarischen Bedingungen mit der Jesus-Figur was anzufangen ist, aber bestimmt nicht im Sinne der etablierten Sekten. Und unterschätzen sollte man das nicht, die haben die postrealsozialistischen Staaten hervorragend im Griff, große Teile des afrikanischen Kontinents, die USA, in Südamerika gibt es wenigstens noch Gegenbewegungen. Wir leben hier einigermaßen auf einer Insel der Seligen, was das in Ruhe gelassen werden von der Religion betrifft; den Einfluss aber z.B. in öffentlich-rechtlichen Sendern durch dieses gottlose Gegeifer kannst Du Dir gar nicht vorstellen.

    Und Traditionen gibt es ja nun genug andere. Ich halte selbst esoterisch verbrämte schamanische Spiritualität mittlerweile als dem Christentum haushoch überlegen, was Liebe betrifft, obwohl ich weiß, dass auch da die Nazis andocken. Schlimm wird es aber immer dann, wenn Gottesstaat-Vorstellungen von denen adaptiert werden.

    Bei Facebook geht übrigens gerade rum, von Leuten gestreut, die sich da auskennen und in steter Gefahr für Leib und Leben und Einkommen leben aufgrund unverhohlener Drohungen katholischer Fundamentalisten, weil er Interna aus der Katholischen Kirche ausplauderte, dass der Papst als nächsten Coup die volle Rehabilitierung der Pius-Brüder und die Seligsprechung Lefebres oder wie der sich schreibt, plane. Das nicht nur zum Thema Antisemitismus, wo die christlichen Kirchen alles vorgeprägt haben, was dieVölkischen dann ins rassistische wandten, das ist gerade angesichts des permanenten Anstachelns ökonomischer Krisenszenarien durch die herrschende Klasse echt gemeingefährlich.

  7. momorulez April 15, 2012 um 9:11 am

    „Behörden fürchten religiöse Spannungen

    Berlin. Angesichts der Debatte über die Verteilung kostenloser Korane durch Salafisten fürchten die Sicherheitsbehörden wachsende Spannungen in Deutschland. Es bestehe die »Gefahr, daß das politische und religiöse Klima in Deutschland sich weiter aufheizt«, hieß es am Freitag in Sicherheitskreisen in Berlin. Die Behörden würden in den kommenden Wochen »ganz besonders sensibel« die Sicherheitslage beobachten. Die Koranverteilung soll weiter »sorgfältig beobachtet« werden. Am Wochenende solle sie an bundesweit mindestens 38 Ständen fortgesetzt werden, was die Sicherheitsbehörden vor eine »Herausforderung« stelle. (AFP/jW)

    Das kann mir doch keiner erzählen, dass das rein zufällig inmitten der Diskussion rund um Präventivschläge gegen den Iran gerade jetzt passiert. Das ist doch der alte Trick, Interessenpolitik durch vermeintlich religiöse Auseinandersetzungen zu tarnen. Und gleichzeitig das „Abendland“ zu rechristianisieren da, wo diese Aggressoren im Namen der Bibel Einfluss verloren haben.

  8. T. Albert April 15, 2012 um 9:34 am

    „a steckt jetzt zumindest dieses Riesenfass mit drin, dass Hitler und Stalin ja Atheisten gewesen seien und Moralität den christlichen Liebesgott brauche, oder?“

    – Nein, so meine ich das eben nicht, weil ich das auch keineswegs glaube.( Ausserdem gibt es ja keinen islam., christl., jüd. Gott.)
    Ich meine, dass es sich eben um christliche Rhetorik handelt, die funktional ist, aber nicht aus einem „abendländischem jüdisch-christlichen Kontext“, oder wie der Käse immer so bezeichnet wird, kommt. Der ist auch funktionale Rhetorik.
    Das Wort „christlich“ bezeichnet inzwischen eine evangelikale Ideologie, der die 2000 Jahre alten katholischen und orthodoxen und äthiopischen Kirchen hinterherhecheln, die benutzen das Wort „christlich“ auch wie die Evangelikalen. Die Pius-Leute haben doch mit einer „Tradition“ so wenig zu tun wie die Salafisten.
    Ich glaube, dass es viel schlimmer ist, es geht letztlich um nichts als das antijüdische Ressentiment, dasr ja den „Liebesgott“ erst hervorgebracht hat, und das reproduziert sich gerade in evangelikaler Sprache, die sich überall unterlegt, wie Du sagst.
    Aber wie die Grass-Sache zeigt, brauche ich dieses „christlich“ gar nicht, um mein Ressentiment zu reproduzieren, wenn sich die Gelegenheit ergibt.
    …später mehr

  9. T. Albert April 15, 2012 um 9:36 am

    „Und gleichzeitig das “Abendland” zu rechristianisieren da, wo diese Aggressoren im Namen der Bibel Einfluss verloren haben.“

    ja. re- !

  10. momorulez April 15, 2012 um 11:54 am

    Na, ich glaube schon, dass die Pius-Brüder da in der Tradition verwurzelt sind. Dieses Buch „Schatten über Europa“, das ich hier neulich zitiert habe, ist zwar eine echte Polemik, aber wie der Bergner heißt er, glaube ich, da eine derart drastische kulturelle Verarmung, Analphabetisierung, Verblödung der Massen, Schließung von Theatern, Büchervernichtung aufzeigt, nachdem das Christentum römische Staatsreligion wurde, das ist schon beeindruckend. Und das ist aktuell die Programmatik der Pius-Brüder auch: Atheismus als Todsünde, Gottesstaat sei gefordert. Das ist manchmal schon atemberaubend, wie von christlicher Seite die eigene Praxis in den Islam hinein projiziert wurde – in den Kommentarspalten der großen Zeitungen liest man ja immer, der Islam wolle alle Lektüre auf die eines einzigen Buches reduzieren. Nee, das war die christliche Praxis – und Aristoteles kam über den arabischen Raum zurück zu Thomas von Aquin. Der Stalinismus ist die Fortsetzung des von der orthodoxen Kirche legitimierten Zarismus mit anderen Mitteln, die Schauprozesse waren dem Kampf gegen Ketzer und Häretiker nachempfunden. Und auch da ging es ja um den Zusammenhang zwischen Schriftauslegung und gesellschaftlicher Organisation.

    Manchmal fragt man sich ja, ob Khomeini nicht insgeheim katholischer Geistlicher war.

    Im Grunde genommen bin ich auf die wie auch die Evangelikalen auch so wütend, weil ich mich spirituell von denen habe verarschen lassen.

    Was Du schreibst, gibt es aber tatsächlich auch – und so sehr ich dieses Gehetze gegen Pazifismus aktuell abscheulich finde, das läuft schon das Motiv der ach so friedlichen, liebende Christenheit, die sich dem den Iran strafen wollenden, jüdischen Gott entgegen stellt. Das war ja von Anbeginn auch gnostischer Einfluss – hier der strafende, an Gesetzen orientierte jüdische Gott, da jener der Liebe und der Transzendenz. Die Paulus-Brief stammen ja ursprünglich aus dem Umfeld Marcions, der sich komplett gegen das Alte Testament wandte und nur ein Evangelium, ich glaube das des Markus, gelten lassen wollte, der ganz stark in diesem Sinne und zudem hochgradig leibfeindlich dachte.

    Aber Du hast recht, um antisemitischen Scheiß zu verbreiten, braucht man das Christentum gar nicht. Der Weg vom Stoecker-Adolf zum Hitler-Adolf ist trotzdem nicht weit, und die lutheranischen Kirchen sind ja genau so Staatskirchen gewesen.

  11. T. Albert April 15, 2012 um 12:51 pm

    Seh ich auch so; mit „Tradition“ meinte ich was anderes, das allerdings zumindest was das unangenehme und repressive Moment darin angeht, nicht von den beherrschenden theologischen, rhetorischen und politischen Traditionen zu trennen ist; ich meinte die einfache lebensweltliche Verfasstheit der christlichen, jüdischen, muslimischen Menschen, die ja auch viel pluraler und heterogener war, als das heute bereinigt gerne dargestellt wird, sowohl von apologetischer wie von ablehnender Seite. Auch oft viel offener, wie ich aus der Kunstgeschichte immer wieder lerne, auch im zwischenmenschlichen Umgang der Religionen miteinander, wo die kulturellen Differenzen regional gegen Null tendierten. Im allgemeinen muss man die Leute schon beträchtlich mit Hirnwäsche bearbeiten, um mir nichts dir nichts, weil sie sich angeblich doch nicht verstanden hätten, auf den Nachbarn loszugehen, nachdem sie früher ihren Schnaps zusammen getrunken haben.
    Davon schreibt ja auch der Thomas Bauer, endlich mal wieder einer, und ich finde das ziemlich wichtig.

  12. momorulez April 15, 2012 um 1:02 pm

    „ich meinte die einfache lebensweltliche Verfasstheit der christlichen, jüdischen, muslimischen Menschen, die ja auch viel pluraler und heterogener war, als das heute bereinigt gerne dargestellt wird, sowohl von apologetischer wie von ablehnender Seite.

    Ja, das ist selbstverständlich richtig. Mir geht es komplett um die Organisationen, die Kanonisierung, das Sich-Koppeln an weltliche Macht, die Dogmatik usw. – und auch wenn ich glaube, dass das, was ich unter Spiritualität verstehe und auch objektiv vertreten wurde, gezielt aus der Bibel geworfen wurde, schließt das überhaupt nicht aus, dass man individuell da viel raus ziehen kann, was zu den Dogmatikern, den Predigern von Schuld, Sünde und ewiger Verdammnis zuwider läuft. Da bin ich ganz bei Dir. Zwar auch nicht nur, weil in der Volksfrömmigkeit auch so ein Quatsch wie das Kindheitsevangelium und ähnliches wild rezipiert wurde, egal, da gab und gibt es halt auch solche und solche. In der Kunstgeschichte ist ja fast ein Gegendiskurs noch in den religiösen Darstellungen selbst angelegt, und auch da ist ja bezeichnend, dass zwischen dem Ende des 5. Jahrhunderts und Giotto nicht allzu viel passiert ist. Das ist immer auch die Rückkehr der heidnisch-antiken Einflüsse, die da öffnete.

  13. momorulez April 15, 2012 um 4:25 pm

    http://www.fr-online.de/debatte/zur-uebersetzbarkeit-des-islam-wir-wollen-sofort-verstehen,1473340,2822282.html

    Der hier noch, der stützt das von dem Islamwissenschaftler oben Skizzierte, hebt auch noch mal stark auf die SCHÖNHEIT des Koran in seiner einzigartigen Sprache ab – ich hatte ja schon immer den Eindruck, dass es sich zumindest im Kern im Falles des Islam eher um eine Ästhetik handelt, und die ganze auch Rabbinnern nicht fremde Diskussionsfreude rund um das Schriftauslegen und die Vielfalt der Rechtsschulen, die dezentrale Gerichtsbarkeit usw. Folgen eben dessen sind. Während die christlichen Schriften im Hinblick auf einerseits das Ritual rund um ein Menschenopfer sich entfalten und da eher magischen Ursprungs sind, im Hinblick auf Moral und Normatives andererseits und das hinsichtlich einer Kompatibilität mit dem römischen Staatswesen hin kanonisiert wurden. Wundervolle Passagen über die Schönheit des Lichtwesens Jesus hingegen wurden gekillt wie auch all der hochabstrakte Christus-Glaube, den es auch ohne Jesus gab. Das ist von Anfang an auf Verbuchstãblichung hin angelegt, aus Spiritualität forme Bauernweisheit und Märchen, und als Sittenlehre – wenn dann googelnd darauf stoße, wie Khomeini auf einmal die heilige Familie irgendeines der frühen Kalifen inklusive Fatima zum Vorbild erklärt und dabei an den Marienkult andockt, dann liest sich das auch wieder wie ein Re-Import christlicher Dogmatik.

    Zudem das Übersetzungsproblem ja im Christentum auch auftaucht, weil die Originale Griechisch sind, dann aber ins Lateinische übersetzt wurde. Luther ist wohl weit in die Originale zurück gegangen, im Falle des Alten Testaments auch ins Hebräische; Jesus, wenn es ihn denn gab, hätte aber wohl aramäisch gesprochen. Da ist von Anfang an auch sozusagen babylonischer Sprachenwirrwarr am Wirken. Die Stelle im Matthäus-Evangelium, da das Zölibat angeblich begründet wird, bezieht sich auf Eunuchen, eigentlich müssten die sich konsequenterweise kastrieren, ja, „Eunuchen für das Himmelreich“, und ist ansonsten so platte Prosa, wie diese kindischen Jünger da an Jesus kleben, das ist weit entfernt vom Erhabenen, das in manchen der Apokryphen ja spürbar ist. Auch in der Übersetzung 🙂 …

  14. T. Albert April 15, 2012 um 5:52 pm

    Weidner ist gut. Schönheit und dass die Schönheit ein Attribut Gottes ist, ist aber in unserem Denken nicht mehr vorgesehen, die meinen wir auch als verstanden abhaken zu können. Mit Ibn Hazm würde ich aber mal sagen: Ich bewache meine Blicke. (Meine „islamischen Erlebnisse“ vermittelten ja tatsächlich oft „Schönheit“.)

  15. ziggev April 16, 2012 um 6:26 pm

    noch mal zurück zum „jüdisch-christlichen …“

    wenn ich zurückdenke, dann war es Seligmann, der einmal in einer Talkshow diese Frage stellte: „was soll das eigentlich andauernd mit dem sog. ‚jüdisch-christlichem Abendland‘?.“ Und wo sie in meiner Erinnerung zuerst öffentlich (und auch privat) gestellt wurde. Schon lange her, vielleicht sogar End-90ger?

    bitteschön, was soll ausgerechnet in Deutschland die „jüdisch-christliche“ Tradition?

    Es lag doch auf das Hand, dass diese Frage zu stellen ist. Aber ohne mir die Frage wirklich in dieser Deutlichkeit gestellt zu haben, war da doch dieser Zweifel, wie unplausibel das doch ist, und ich hatte geglaubt, die ganze Sache gehe zurück auf die „Achsenzeit“, Hans Jonas, Jaspers, Nachkriegszeit usw.

    googelt sich gar nicht mal schlecht, Quellen scheinen nach überflüchtigstem Überfliegen recht solide

    nochmal Jaspers nachchecken, schrieb ich in mein im Nachhinein erfundenes Noitzheft.

  16. ziggev April 16, 2012 um 6:49 pm

    oih, nein, gleich doppelt falsch: 1. Hans Joas und 2. Er sit ganz und gar nicht Nachkrigszeit, zu bschnell aus google falsche schlüsse gezogen.

  17. momorulez April 16, 2012 um 9:43 pm

    Ganz ehrlich – damit konnte ich jetzt gerade gar nix anfangen 😀 …

  18. ziggev April 16, 2012 um 9:52 pm

    die Rede vom „jüdisch-christlichem“ Erbe hatte ich zunächst der Rede von der „Achsenzeit“, siehe Jaspers, zugeordnt, Seligmann stelle zuerst die Frage nach dem sogenanntem. Ist das wirklich so schwer?

  19. momorulez April 16, 2012 um 11:41 pm

    Ich erinnere mich zu dunkel an das, was mit Achsenzeit gemeint ist 🙂 – ansonsten ist das recht simpel: Es gab intensive Kontroversen, ob das Alte Testament nun dem Christentum zugehörte oder nicht. Auch zur Kundenwerbung und Einbeziehung der Judenchristen, und das auch, weil Juden einen Sonderstatus im Römischen Reich hatten, hat man insbesondere das Matthäus-Evangelium auf das Alte Testament bezogen zurecht gebastelt und ich weiß jetzt gar nicht, ist es das Lukas-Evangelium?, die Bethlehem-Geschichte angefügt, um alttestamentliche Prophezeiungen zu erfüllen. Das ergab dann eine ziemliche Konfusion der Erbfolgen, irgendwie wurde aber im Zuge dessen auch ein Bezug zu König David hergestellt, es sind aber auch dem widersprechende angelegt.

    Das Jonannes-Evangelium war lange umstritten, erfüllte aber zum einen den Zweck, über die Gottessohnschaft auch eine deutliche Grenzziehung zur Vorstellung, es könne sich bei Jesus um einen jüdischen Reformer handeln, zu vollziehen. Durch die Paulus-Briefe wurde eine Anknüpfung an hellenistisch-römische Vorstellungen bei gleichzeitiger Distanznahme vollzogen, auch gnostische Spuren finden sich da wie auch im Johannes-Evangelium, die ja um diverse Ecken stark von Platon beeinflusst waren, ob bewusst oder einfach nur über tradierte Motive. Das ganze reicherte man dann noch mit einer gehörigen Portion Stoa an, vor allem Seneca, mixte ein wenig Osiris, Dionysos und Mithras-Kult hinein, legte all das eine Ebene flacher, und fertig war das konsensfähige Produkt.

    Sehr früh setzte dann ein vehementer Antijudaismus ein, ob nun deshalb, weil die Römer diese ewig Aufständigen und Eigensinnigen auch nicht mehr mochte, keine Ahung – und assimilierte sich an das römische Staatswesen mit wachsendem Erfolg, auch aufgrund einer gut vernetzten und hierarchischen Organisation. Die Judenchristen blieben dabei zunehmend auf der Strecke, und ich meine, antijüdische Hetze gab es schon bei Tertullian, bei Augustinus definitiv.

    Diese Haltung blieb bis zur Shoah recht stabil , wurde durch Luther noch verschãrft und bröckelte erst wirklich im Zeitraum der 60er-80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Irgendwie traute man sich dann nicht mehr so richtig; die Annäherung an die Pius-Brüder freilich des Papstes zeigt, dass so richtig die Aufgabe der „Judenmission“ und das Zweite Vatikanische Konzil dann doch nicht sich setzten, und was US-Evangelikale in ihren apokalyptischen Fantasien sich da zurecht denken, mag man gar nicht referieren.

    Die Rhetorik mit der „christlich-jüdischen Kultur“ scheint mir dann ein mieser Gag zu sein, all das zu kaschieren, u.a. durch die Auseinandersetzung mit „dem Islam“ ist das ein Kampfkonzept. Ganz besonders ekelhaft hat Benedikt diese Karte ausgerechnet in Auschwitz gespielt, als er, wo das mit dem Juden taufen schon fast 2000 Jahre nur ungenügend geklappt hat, eine volldreiste Eingemeindung derer in die Sphäre des gemeinsamen Gottes, der sinngemäß vergast worden sei, vollzog. Das natürlich, um den Mythos zu nähren, dass widerständig aufrechte Christen den Totalitarismen entgegen gestanden hätten. Das mag vereinzelt auf Katholiken oder Martin Niemöller zutreffen; die evangelische Kirche ist da trotzdem ehrlicher und gibt ihren Beitrag zu.

    Im KZ landeten die Zeugen Jehovas, nicht Katholiken oder Lutheraner. Und während unter Stalin die zaristischen Orthodoxen tatsächlich verfolgt wurden, haben die Klerikalfaschisten z.B. unter Franco eifrig mitgemischt.

    Das sind alberne Manöver im Zuge widersinniger Totalitarismus-Doktrinen, diese Behauptungen „jüdisch-christlicher Kultur“, die dazu dienen, die Opfer des „3. Reiches“ zu Tätern zu stempeln und sich in Unschuld zu wiegen. Es war auch der christliche Antijudaismus, dessen Homophobie, dessen Frauenfeindlichkeit, dessen Hass auf Sinti und Roma, der in den Vernichtungslagern kulminierte. Die haben all das vorgedacht, mag auch der Christentums-Kritiker Nietzsche zu einer Heroisierung der Motive, mögen auch Leute wie Gobineau und Chamberlain zu einer Rassifizierung beigetragen haben. Mag auch Augustinus gnädig proklamiert haben, man solle Juden als Zeichen der Schande in Unglück und Leid am Leben lassen. Nee, das ist nur ganz am Anfang jüdisch-christlich gewesen, die Kirchenväter, die der Papst so liebt, haben dem schnell den Garaus gemacht, und „jüdisch-christlich“ verhöhnt die Opfer.

  20. ziggev April 17, 2012 um 3:36 am

    all dem wollte ich nicht widersprochen haben. deshab ja so berechtigt Seligmanns Frage damals, als sich die evangelikalische Katastrophe erst anzubahnen begann. Nur die Antwort darauf, woher die Rede vom „jüdichsch-christlchen … “ bitteschön stamme, hätte eben auch lauten können, ‚das waren eben halt Jspers und so, Nachkriegszei’t.

  21. momorulez April 17, 2012 um 7:38 am

    Wobei man auf Jaspers nun wirklich keine Tradition gründen kann bzw. der sich in einer auf Kierkegaard aufbauenden bewegte. Die Existenzphilosophie ist ja nun über den Kierkegaard eher protestantisch geprägt und greift ansonsten auf vorchristliche, heidnische Motive zurück. Man kann den „Schöpfergott“ natürlich auch als ontologischen verstehen, aber das ist dann was ganz anderes, als die sonstigen Apologeten der „christlich-jüdischen Tradition“ meinen.

    Ganz interessant dazu vielleicht noch das hier:

    http://schmok.blogsport.eu/2012/04/13/kritische-juden-und-israelis-uber-gunter-grass/

    „Mittlerweile haben aber die Eliten dieses Landes einen leichteren Weg gefunden: Sie schwören dreimal täglich ihren Beistand für Israel, liefern Waffen und laden das ultra-nationalistische israelische Kabinett zur gemeinsamen Sitzung in Berlin ein. Weg mit Reflexion über historische Kontinuitäten und heutigen Rassismus in Deutschland, immer her mit Israels Sicherheit, Israels Rechte, Israels Sorgen.

    Ist das nicht schön? Ein öffentlicher TV-Sender macht eine Serie über die Krupps (!), man fährt weiterhin mit Volkswagen (!), singt ungestört das Deutschlandlied (!) und jubelt dann die „jüdisch-christliche Tradition“ Deutschlands (?!).“

  22. momorulez April 17, 2012 um 11:29 am

    PS: Kenne Jaspers nur peripher, philosophiegeschichtlich hat der wenig Wirkung gezeigt in den mir bekannten Sphären. Schnädelbach schrub ja mal, dass der nicht immer der Gefahr des philosophischen Sonntagsredners entgangen sein.

    Aus dem Wikipedia-Eintrag:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Jaspers

    ergibt sich trotz jahrelanger Freundschaft mit Hannah Arendt, die zu dem Thema nun wirklich viel Erhellendes zu sagen hatte, keine spezifische Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern eher mit der Schuld nach Auschwitz. Diese gönnerhafte „jüdisch-christliche“ Eingemeindung verstehen vermutlich viele auch als Sühne, aber da ist einfach wichtiger, was Hannah Arendt z.B. zum Pariah schrub und auch der Text zu ihrem Deutschlandbesuch 1947.

  23. ziggev April 17, 2012 um 12:21 pm

    bei jedweder politischen Lektüre bei mir leiter Totalfehlanzeige. Von Hannah Arendt kenne ich nur Vita activa., Jaspers fand ich dagegen eigentlich nicht so verlockend. Habe mich mit dem noch weniger beschäftigt. ls mir einiges zu Ohren gekommen war, welches besagte, es handele sich (zum Teil) um Existenzphilosophie, dann doch lieber irgendwann Sartre, Camu. Dann waren da ja immer diese vergilbenden 50er-jahre-Bändchen, die sich in so mancher – auch weniger philolsophisch ausgerichteten – Hausbibliothek oder -Büchersammlung, befanden. Nachkrigsgeneration. Die Beschäftigung mit der Schuld und qua Philosophie über den eigenen, allzunahen deutschen Tellerrand hinausblicken zu dürfen, das passte, so mein Eindruck, einfach zu gut. Aber so anziehend fand ich das dann auch wieder nicht. Und dann war da noch diese, ich möchte es mal Kulturtheorie nennen. Für „Kultutheorien“ hatte ich noch nie ein besonderes Faible, einfach alles zu umfangreich, allein Cassierer. und ich hätte mir den ganzen „Untergang des Abendlandes“-Müll reinziehen müssen, was ja das kriminalistische Interesse, jeder Spur nachzuzgehen, gefordert hätte. … Aber jetzt, wo ich´s schreibe: das war vieleicht so anziehend, nicht „der Untergang des Abendlandes“ als Kultur, mnja, ich schreibs trotzdem, -Philosophie, jetzt haben wir die Achsenzeit, das „jüdisch-christliche“ Erbe, so in etwa.

  24. Lovetar Juli 2, 2012 um 7:21 pm

    Interessante Text Jehovas Zeugen Ketzerische Kult; http://www.jariiivanainen.net/jehovaswitnesses.html

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s