Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: April 2012

Wenn die Angst regiert, dann schießt man keine Tore …

Es ist ja schon erschütternd genug, wie der Komplex DFB-Medien-Polizei-Behörden sich als gigantische Einschüchterungsmaschinerie betätigt. Es gab einst einen Slogan im Kontext jener „Aufklärung“, die in identitären Sonn- und Festtagsreden so gerne missbräuchlich Erwähnung findet, diese sei der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit – wie die soeben genannte Erpresserbande, so meine Meinung, auf die menschliche Psyche einwirkt, um gegenaufklärerisch Mündigkeit zu verhindern, belegt die aktuellle Stellungnahme vom Präsidium des FC St. Pauli:

„Allen sollte bewusst sein, dass wir uns auf dem Präsentierteller befinden und jede noch so kleine Verfehlung spürbare Konsequenzen für den Verein zur Folge hat.“

Was für ein Rückfall des Präsidiums! Was für ein Kriterium!

Die Art und Weise, wie Unjournalisten wie Peter Wenig ohne Legitimation durch irgendwas auf das Präsidium einwirken wollen, ist ja schon erbärmlich genug, ich habe es ausführlich begründet; was hinter den Kulissen für Droh-Szenarien von anderen Akteuren ablaufen, das möchte ich auch lieber nicht wissen.

Das muss ein Präsidium wie jenes des FC St. Pauli allerdings aushalten können und sollte sich nicht dazu hinreißen lassen, nun ausgerechnet die Vorfälle beim Schweinske-Cup oder auch politische motivierte Wut- und Verzweiflungsschreie angesichts einer immer dreister agierenden Staatsmacht als „Unsportlichkeit“ zu werten.

Es wäre vielmehr geboten, in guter Vereinstradition die politische Dimension der Entwicklungen mit zu beachten selbst dann, wenn es sich immer noch um einen Sportverein handelt.

Falls es sich tatsächlich darum handelt, empfinde nunmehr ich es als persönliche Beleidigung durch das Präsidium, derartiges auf eine Stufe mit homophoben Beschimpfungen z.B. zu stellen. Da dieses eine Reaktion auf reales Fehlverhalten von „Ordnungshütern“ darstellt, nicht etwa eine Diskreditierung von sexuellen Präferenzen, Pigmentierungsformen oder Geschlechtszugehörigkeiten, die sich im Rahmen struktureller Dominanzverhältnisse bewegt und diese verstärkt und fort schreibt.

Dass nun ausgerechnet der FC St. Pauli, in dessen Vereinsleben der Antidiskriminierungsgedanke so zentral ist, hier zu einer Verwässerung und Verunklarung auch noch beiträgt, die darauf hinaus läuft, dass die „schwule Sau“ so zu behandeln sei wie ein „Schiri, Du Arschloch“ nach blödem Pfeiffen, das empfinde ich tatsächlich als skandalös.

Ebenso das faktische Zurückrudern im Falle des Schweinske-Cups, wo die Aufklärung durch eine unabhängige Instanz ja noch aussteht.

Hier überhaupt von „Unsportlichkeit“ daher zu quatschen ist wahlweise debil oder Ideologie. Siehe auch den Kleinen Tod zum Thema und das Lichterkarussell.

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Wie das „Neue Deutschland“ und die Vopos …

Gewitzte Vertreter des journalistischen Mittelstandes beklagten jüngst bei Facebook das Fehlen „bürgerlich-liberalen“ Pressewesens in der geliebten Hansestadt. Zu meiner Verwunderung, weil es an Verbürgerlichung nun wirklich nicht mangelt, begreift man diese im Sinne von Sittsamkeits- und Anstandforderungen und Tugendlehren, an ganze Bevölkerungsgruppen gerichtet.

Was ich mir wünschte wäre, das wäre eine KRITISCHE Gegenöffentlichkeit, die auch die Interessen NICHT-BÜRGERLICHER Schichten ernst nimmt – Hartz IV-Empfänger und sonstwie Marginalisierte. Und das nicht im Sinne des paternalistischen und diskreditierenden Nachmittagsprogramms auf RTL und auch nicht auf Basis von Begriffen wie Integration.

Stattdessen ist spätestens seit Voscherau, nicht erst seit Schill, jegliche Senatspolitik daran orientiert, diese zu verdrängen, möglichst dahin, wo kein Tourist hin kommt, und sie sonstwie mit Verordnungen zu belegen. Sei es nun diese Freier-Verordnung auf St. Georg, da ich bezweifel, dass diese den Huren hilft, sei es das Vertreiben von Jugendlichen aufgrund des „Konsumklimas“ aus der Innenstadt, sei es das permanente „Racial Profiling“, dem PoC im Alltag unterworfen sind,

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Wenn Jammerlappen plappern: Im Stilblütengarten des Maskulinismus

Bei diesem auf einmal allerorten aufploppenden, variantenreichen Maskulinismus, der von dem Gedanken zehrt, Männer seien das allseits diskriminierte Geschlecht, erstaunt die Stilblütenvielfalt dann doch. Was wohl auch daran liegt, dass in ihrem reggressiven Habitus die Neigung, jemand haben ihren Gefühlszuständen hinterher zu räumen, manch Männerpsyche dominiert und eben einfach Jammerlappen plappern.

Christoph Kucklick lässt seinen Text heute bei SpOn als „Essays“ bezeichnen, was in diesem Fall wohl daran liegt, dass er etwas versucht, was er in diesem Text nicht kann: Nämlich sinnvolle Gedanken auf halbwegs handfester empirischer Basis zu formulieren. Bemerkenswert ist, dass wie üblich darauf verzichtet wird, auch nur irgendeine rechtliche oder sozioökonomsiche Basis zu Gegenstand der Analyse zu erheben; so was gilt ja neuerdings auch als „Linksradikale Sozialstrukturanalyse“. Da finden sich dann Sätze wie:

„Über Männlichkeit wird schon seit 200 Jahren abfällig gedacht.“

Was mit Sicherheit noch nicht mal falsch ist, aber von wem denn? Wer durfte darüber publizieren, wann wurde das Frauenwahlrecht eingeführt, wann durften diese studieren – die Liste ist endlos weiter auszuführen; es ist eben nicht nur erheblich, was zufällig irgendwer irgendwann gedacht hat, sondern was davon reale Folgen hat, die sich in manifesten Sozialstrukturen abbilden.

Die „Hysterisierung der Frauen“ beispielsweise hatte klinische Relevanz und ist im Kontext des „Erfüllens ehelicher Pflichten“ zu begreifen; dass die eine oder andere der Vergewaltigten dann auch mal abwertend über Männer dachte, wird kaum Relevanz für Lehre, Forschung und faktische Kriminalistik gehabt haben. Und auch so populäre Sätze wie die eines Schopenhauer oder Nietzsche seien dabei auch nicht vergessen, ebenso wenig die Debatten zu „Frau am Steuer“, die ich noch in meiner Kindheit in den 70er Jahren verfolgen durfte,

Lustig auch Formulierungen wie die folgende:

„Frauen sind kommunikativer? Nö. Männer und Frauen reden etwa gleich viel.“

Na, aber über was denn wohl? Das ist meines Wissens nun tatsächlich ganz gut in der Jugendforschung belegt, dass Frauen auf Beziehungspflege und Partnerschaftverwaltung getrimmt werden, Männer auf Statuserwartungen. Das steht sogar in Ratgebern für Drehbuchautoren bei der Dialoggestaltung, darauf solle man achten: Männer reden über Status, Frauen über Beziehungen. Von daher reden Männer auch meistens über sich selbst, Frauen über Andere.

Das hat nun beides allerlei Folgen, dass ich z.B. auch oft genug vor den psychologisierend-manipulativen Seiten von Frauen davon gelaufen bin und mir so ein Egomane an meiner Seite weniger anstrengend erschien, gehört auch dazu. De facto ist das aber ein Ausgleich ungleicher Machtverhältnisse: Männer lernen, auf direktem Wege Bedürfnisse befriedigen zu dürfen, während Frauen sich doch bitte erst mal um Andere kümmern sollen. Und dann werden andere Wege der Macht gesucht, stelle ich einfach mal als These auf.

All das verweist auf nichts als auf das Wirtschaftssystem selbst, dessen zentrales Scharnier zur Aufrechterhaltung der Dominanz der Lohnarbeit für die breiten Massen die Kleinfamilie wurde. Noch zu Zeiten der frühen Industrialsierung war das komplexer, weil da Frauenarbeit gebraucht wurde und die von Kindern auch.

Heute gilt: Er wird der „Fortpflanzer“ und „Ernährer“ und von Kindesbeinen an darauf getrimmt, das anzustreben; dass es mittlerweile auch Väter gibt, die die Ernährer-Rolle gar nicht spielen wollen, um so besser. Erhellend ist dennoch wie üblich die Diskussion darüber, was passiert, wenn bei alleinerziehenden Müttern der „Ernährer“ abhanden gekommen ist, also abgewichen wird von der Norm – gegen die gibt es dann sogar Pressekampagnen.

Beim Gehalt-Thema entfaltet der „Essays“ erstaunlichweise genau das, was nun mal Kern ist: In Fragen der Ökonomie sind Frauen benachteiligt, weil das System darauf angelegt ist, dass sie die Mutterrolle spielen und ein „Ernährer“ an ihrer Seite steht.

Interessant freilich, was der Herr zum Thema Gewalt schreibt:

„In Sachen Gewalt sorgt unsere Gesellschaft mit Akribie dafür, dass vor allem Männer Gewaltopfer und -täter sind. Wir rekrutieren Männer, wenn es um Sterben, Beschädigung oder Straftaten gehen soll, von der Armee bis zu gefährlichen Berufen. Und wir ziehen vor allem Männer für Verbrechen zur Rechenschaft, in bemerkenswerter Ausschließlichkeit: Nur fünf Prozent aller Gefängnisinsassen sind weiblich – eine historisch Mini-Quote, frühere Zeiten sperrten durchaus paritätisch ein. Aber unser Rechtssystem sieht vor allem Männer als Täter.“

Wie kommt er von da aus nun zur „Männerphobie“? Das ist für eine Art „Critical Masculanity“ nun eigentlich ein spannendes Thema – warum landen denn Leute im Knast? Ich wette mal, dass in extrem vielen Fällen berechtigter Verurteilung wahlweise Status oder Ernährertum eine Rolle spielten. Sei es nun Drogenhandel oder Körperverletzung, ein gekränktes Ego oder Versicherungsbetrug – wofür verwenden denn Männer die Kohle? Na gut, Koks und Huren sollen auch vor kommen. Als Ausgleich vermutlich.

Und dass nun aus Männerphobie all die leckeren Jungs in den Schützengräben des 1. Weltkriegs oder in diversen Golfkriegen verheizt wurden, das bezweifele ich sehr. Die hätten mal lieber miteinander … na, make love not war gilt ja immer noch, aber genau vor dieser Art der Wehrkraftzersetzung haben Armeen Angst. Und warum führen Nationen Kriege? Mal von Neocon-Begründungen abgesehen, geht es auch da zumeist um Ressourcen oder um Kollektiv-Egos, also Status, an dem partizipiert wird, wie sie sich im Nationalismus zeigen.

Komischerweise geht darauf der Herr gar nicht ein, er betreibt lieber Literaturwissenschaft und sieht den Grund ebenfalls nicht im ja gar nicht primär „männerverachtenden“, sondern emanzipatorischen Feminismus. Was auch wieder so ein Megatrend ist, emanzipatorische Bestrebungen zwanghaft als Abwertung von irgendwas begreifen zu wollen.

Herr Kucklick sucht stattdessen irgendwelche Quellen in Schriften von Autoren, die kein Schwein mehr kennt, und ignoriert dabei, dass in faktischen, sozioökonomischen Strukturen die Identifizierung von Frauen mit Natur, Männern mit Geschichte, die natürlich von ihnen gemacht wird trotz Königin Victoria, die viel populärere, große Erzählung war. Was übrigens auch die ganzen analytischen Verknüpfungsmöglichkeiten mit dem Rassismuskomplex ermöglicht – die Kolonisierten sortierte man ganz ähnlich ein. Auch, weil Vernunft zugleich universal als auch männlich und weiß gedacht wurde, was das Ausklammern von Frauen aus dem Wahlrecht und Bildungsmöglichkeiten erklärt wie auch die Sklaverei – und aus Heeresführungen übrigens auch.

Diese im historischen Nichts situierten Ausführungen des Herrn Kucklick mögen als Albernheit ja schnell erkennbar sein – aber wo kommen diese Typen eigentlich auf einmal alle her? Ich finde die Frage, inwiefern herrschende Männlichkeitsideale Druck auch auf Männer ausüben, ziemlich interessant, und z.B. in homophoben Diskursen läuft ja tatsächlich oft eine Art „Männerphobie“ und Abwertung auch männlicher Körperlichkeit mit, eben jener, die sich nicht in Leistungsfähigkeit, Kraftmeierei und Potenz erschöpft.

Aber das könnte diese ganzen Spinner, die neuerdings auch beim Spiegelfechter ihre Tiraden ablassen, wohl nervös machen, das so weit zu denken …

Der „Störer“ ist vor allem die Polizei – trotzdem: Danke an die Mannschaft für 6 Punkte gegen Hansa!!!

Überraschung: Keine Polizeikette vor dem Park, in den ich ansonsten meinen Hund ausführe. Dabei ist der doch Teil des rechtsfreien Raumes „Gefahrengebiet“ – dass ein SPD-Senat dieses Unrechtsinstrument nicht nur nicht abschafft, sondern auch noch unkommentiert den Polizeiapparat anwenden lässt, mag zwar dank historischer Vorbilder wie Gustav Noske auch eine Art Traditionsbestand der Partei sein. Letztlich zeigt es aber einfach nur den immer endgültiger werdenden Abschied ehemaliger Volksparteien von der Demokratie (zum Hintergrund lese man zum Beispiel das hier und auch das, „Wir brauchen ein System, das Demonstranten Angst macht„, Hamburgs Polizei hat heute schon mal geübt, der spanischen Exektutive vorauseilend nachzueifern).

Sonst wäre ja nach Abwahl des CDU-Senates irgendein Wandel spürbar. Manchmal fragt man sich ja insgeheim, ob der Innensenator von der Polizei ebenso bedroht wird wie die Fans des FC St. Pauli oder ganz alltäglich PoC-Kids auf den Straßen …

Wären nicht Unmengen Uniformierter jenseits des Parks aufgefahren gewesen – es wäre ein ganz entspannter Marsch zum Stadion gewesen.

Ja, Orthographie ist nicht die Sache eines Jeden, meine ja auch nicht.

Auf dem Südkurvenvorplatz treffe ich den Kleinen Tod, den Magischen FC, zur großen Freude auch mal wieder den Herrn Pantoffelpunk – eine gute Stimmung, während der ersten Halbzeit lausche ich dort der Radio-Übertragung des Spiels. All die Protest-Transparente im Stadion werden verlesen, „niemand hat die Absicht, einen Polizeistaat zu errichten“; alle freuen sich. Es zeugt nur wieder von der Intensität des Kampfes gegen den Journalismus durch lokale Medien, dass darüber dann NICHT berichtet wird – immerhin ist das Abendblatt trotz unrühmlicher Springer-Tradition

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„Solidarität mit USP – gegen den autoritären Charakter!“

Ich habe mich bisher vom Verein sehr gut vertreten gefühlt in der Frage des Aussperrens der Rostocker. Die gestrige Verlautbarung freilich, musste das sein?

Ich verstehe, dass vorab klar gestellt werden wollte, dass man sich vorsichtshalber prophylaktisch von Gewalt distanziert, die statt finden könnte. Ist halt nur die Frage, von wem die denn nun eigentlich ausgeht, bisherige Erfahrungen zeigen, dass Gewalt von Seiten der Polizei zu befürchten ist. Was Ausfälle im eigenen Lager nicht verniedlichen soll.

Und ggf. von den Rostockern; dass man diese im Falle von Kundgebungen am Hauptbahnhof ggf. oder frei flottierend im Viertel schlechter in den Griff bekommt, als wenn man sie ins Stadion geleitet und wieder raus, das ist ja nun nicht von geplanten Radioübertragungen auf dem Südkurvenplatz initiiert worden.

Ich verstehe auch, dass die Befürchtung besteht, dass auf dem Weg durch die Instanzen eventuelle Vorkommnisse am Sonntag als problematisch angesehen werden könnten.

Ich verstehe allerdings nicht, wieso das nicht so gesagt wird, sondern stattdessen eine Boykottaktion der Ultras diskreditiert wird bei gleichzeitiger Suggestion, es könne wieder eine Blockade geplant sein. Das ist einfach nur Wasser auf die Mühlen des autoritär-konservativen Mobs im eigenen Stadion, das zu so verdrehten Slogans wie dem folgenden führt:

„ST.PAULIANER, GEBT DER ESKALATION DER GEWALT KEIN FUTTER, SYMPATHISIERT NICHT MIT EINER „RECHT AUF GEWALT“ – DEMO DER ROSTOCKER – DAS IST NICHT UNSER DING! GEHT INS STADION, SUPPORTET EUER TEAM!“

Was für ein horrender Schwachsinn. So was freilich hat nun das Präsidium befördert, das ja grundsätzlich sehr wohl in der Lage ist, gleichzeitig vehement gegen Gewalt und trotzdem für positive Rechte eines jeden Einzelnen einzutreten im Gegensatz zu jenen Apologeten, die St. Pauli nicht verstehen. Recht ist für viele wohl zu abstrakt, als dass sie es verstehen würden.

Das Präsidium hat hat nun eine Situation herbei geführt, die den Eindruck erweckt, dass, wer ins Stadion geht statt draußen bei USP zu bleiben, gegen deren Protest opponieren würde. Das ist fatal.

Protest, der schon dadurch Rechtfertigung findet, dass eine antidemokratische, polizeistaatliche Maßnahme wie die Errichtung eines „Gefahrengebietes“ nunmehr proklamiert wurde  – eine Maßnahme, die eher zu südamerikanischen Diktaturen oder der DDR gepasst hätte, bezieht man sie zumindest im Prinzipiellen auf eine grundrechtsbasierte Demokratie, deren Teil-Abschaffung offenkundig vom Hamburger Senat intendiert ist. Wie ja auch das polizeistaatliche Erzeugen eines „Konsumklimas“ in Innenstädten und dergleichen belegt; das sind einfach totalitäre Tendenzen.

USP ist es damit schon jetzt gelungen, den Beweis zu erbringen, dass ein Aussperren von Fans ungleich problematischer ist und ein weit höheres Gefährdungsrisiko bewirk, als so was mal lieber bleiben zu lassen. Sogar Teile der Hamburger Presse, ansonsten jede Behördendemagogie nachplappernd, haben das geschnallt.

Zitate wie das obige protestieren stattdessen vehement für die Etablierung antidemokratischer, STRUKTURELLER Gewalt, für einen Ersatz des Individualrechts durch Kollektivstrafen und somit für schlicht und ergreifend ein anderes Rechtssystem (ich meine dessen prinzipielle, nicht reale Form). Man muss sich nur mal zu Gemüte führen, was „Gefahrengebiet“ heißt:

„Gefahrengebiete konstruieren einen Generalverdacht gegenüber Menschen, die sich in bestimmten Stadtteilen aufhalten. Dieser Generalverdacht richtet sich insbesondere gegen polizeilich definierte „Zielgruppen“. In den Senatsantworten auf eine Kleine Anfragen der LINKEN werden folgende „Zielgruppen“ genannt:

·      „Personen, die sich in den Grenzen des Gefahrengebiets aufhalten und vom äußeren Erscheinungsbild und/oder ihrem Verhalten der Drogenszene zugeordnet werden können“ (Drogenkonsum),

·      „16-25-Jährige in Gruppen ab drei Personen oder Personen, die alkoholisiert sind und/oder sich auffällig verhalten.“ (Jugenddevianz)

·      „Einzelpersonen, die nach polizeiliche Erfahrung der gewaltbereiten Fußballszene zuzurechnen sind oder 16-35-Jährige in Gruppen ab drei Personen“ (Fußballfans)

·      „Personen, die augenscheinlich dem linken Spektrum zuzurechnen sind“ (links-alternative Demonstrationen),

Die Polizei verfügt per Gesetz über die Definitionshoheit, welche Personen an welchen Orten zu welchen Zeitpunkten kontrolliert und kriminalisiert werden. Praktiziert werden verdachtsunabhängige Personenkontrollen, die einen gravierenden Eingriff in die Grundrechte der informationellen Selbstbestimmung darstellen. Hierfür braucht die Polizei weder einen konkreten Anfangsverdacht noch eine konkrete Gefahr.“

Das ist sozusagen die Fortsetzung der „Verbotsverfügung“ mit anderen Mitteln, weil es sich im Rahmen ganz ähnlicher Parameter bewegt.

Für so was plädiert jeder, der nun auf USP eindrischt – für nicht etwa formal das staatliche Gewaltmonopol, sondern dessen offenkundigen Missbrauch. Dass das Polizeirecht systematisch so angelegt ist, die Verfassung auszuhöhlen, das zumindest habe ich nun einmal mehr lernen dürfen. Wenn die Frage danach, wer denn nun als „Störer“ zu begreifen sei, Priorität vor Individualrechten hat, kann man sich ja nur noch an den Kopf fassen.

Und viele der Reaktionen zeigen nur einmal mehr, wie scheißegal den meisten Freiheitsrechte sind, so lange sie ihre „freie Fahrt für freie Bürger“ erhalten. Das ist auch so ekelhaft deutsch. Mir doch scheißegal, ob alle Nase lang PoC von der Polizei drangsaliert werden (gerade im Falle von „Gefahrengebieten“, eben auch nachts auf dem Kiez). Mir doch scheißegal, Hauptsache ICH kann ins Stadion, wann immer ich will.

Dass die immer noch nicht gepeilt haben, dass sie das dann in Braunschweig oder Dresden demnächst ggf. auch nicht mehr dürfen, zeigt nur einmal mehr die krude Selbstgerechtigkeit derer, die glauben, SIE könne es ja nicht treffen als „rechtschaffene Bürger“. Was immer nur heißt, dass alle anderen ihnen eh am Arsch vorbei gehen.

Nee, schade, dass das Präsidium es einem aufgrund all dessen im Grunde genommen unmöglich gemacht hat, ins Stadion zu gehen und stattdessen den Spaltpilz nährte, der wie ein Damokles-Schwert über der Fanszene des FC St. Pauli wuchert und sie noch weiter normalisieren könnte.

Vielleicht male ich aber auch ein „Solidarität mit USP – gegen den autoritären Charakter!“-Plakat und gehe trotzdem rein 😉 …

„Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet“ – wo bleibt eigentlich Herr Neumann?

Ja, Carl Schmitt. Das ist der, der nicht nur an den „Nürnberger Rassengesetzen“ mit herum geschmierfinkt hat, sondern auch den Notstandsgesetzen und ebenso antidemokratischem Ungemach wie dem „Patriot Act“ ihre Legitimation verschaffte.

Man muss nur möglichst viele Ausnahmen schaffen und Zustände beschwören, die Ausnahmezustände darstellen würden, dann kann man ungeachtet irgendwelcher grundrechtlichen Bedenken machen, was man will.

Die Exekutive LIEBT drum Carl Schmitt, ob sie will oder nicht oder ihn kennt oder auch nicht. Von den Fesseln des Rechts entbunden einfach so loslegen, was gerade Laune macht oder im Sinne systemimmanenter Parameter, also z.B. Behörden- oder Polizeiwachen-Befindlichkeiten und Erwägungen gerade Sinn macht, ach, das tut gut.

Die Theorie Schmitts ist sehr erhellend, der Typ war zwar gemeingefährlich, aber nicht doof:

„Der herrschenden Meinung der Rechtsphilosophie, vor allem aber dem Liberalismus, warf Schmitt vor, das selbständige Problem der Rechtsverwirklichung zu ignorieren.[97] Dieses Grundproblem ist für ihn unlösbar mit der Frage nach Souveränität, Ausnahmezustand und einem Hüter der Verfassung verknüpft. Anders als liberale Denker, denen er vorwarf, diese Fragen auszublenden, definierte Schmitt den Souverän als diejenige staatliche Gewalt, die in letzter Instanz, also ohne die Möglichkeit Rechtsmittel einzulegen, entscheidet.[98]Den Souverän betrachtet er als handelndes Subjekt und nicht als Rechtsfigur. Laut Schmitt ist er nicht juristisch geformt, aber durch ihn entsteht die juristische Form, indem der Souverän die Rahmenbedingungen des Rechts herstellt.“

Wer aber ist denn nun aktuell eigentlich „der Souverän“? Welche Instanzen sind es, die gewissermaßen vor (oder nach, sie umgehend) der Rechtssetzung maßgeblich sind?

Idealerweise ja die Wahlberechtigten, aber selbst das ist einem Verfassungsstaat so einfach nicht, weil die Grundrechte dem Grenzen setzen, was z.B. Mehrheiten über Minderheiten entscheiden dürften. Mehrheitsentscheidungen, Teile der Bevölkerung fortlaufend zu entwürdigen, sind zwar von vielen gewollt und wurden im Falle des §175 sogar höchstgerichtlich bestätigt in den 50er Jahren, die Hartz IV-Gestze Schröders verfolgten, ob bewusst oder unbewusst, wohl auch unter anderem einen solchen Zweck – aber eigentlich und idealerweise ist das hinsichtlich der Gesetzgebung zumindest formal nicht möglich.

Wobei da die Staatsangehörigkeit das Ausschlusskriterium liefert, Nicht-Deutsche zu entwürdigen ist ja sozusagen systematisches Bedürfnis der Rechtssicherheit, da muss man nur in Abschiebeknäste schauen.

Der Papst würde das Naturrecht als vor-rechtliche, quasi-souveräne Instanz begreifen, mit Gott hat es die Katholische Kirche ja nicht so. In Ägypten jüngst war es die Militär-Übergangsregierung, die im Sinne des Ausnahmezustands agierte, und in Lagern wie Guantanamo ist er es sowieso, der herrscht. Auch Euro-Rettungsschirme, ACTA und ähnliches werden zwar von einer gewählten Exekutive produziert, welche Rolle da freilich noch ganz andere Kräfte als Souverän spielen, das ist ja eine offene Frage, und keine Sorge, ich rede nicht von der jüdischen Weltverschwörung. EU-Wirtschaftregierungen sind ebenfalls Versuche, Dauer-Ausnahmezustände zu regieren, ebenso IWF und ähnliche Institutionen. Die ganze von Naomi Klein skizzierten Schock-Strategien dienen der permanenten Herstellung von Ausnahmezuständen, um störungsfreier im Sinne bestimmter Interessen regieren zu können. Was dabei raus kommt, kann man derzeit in Spanien verfolgen, und bei der Zunahme der ökonomischen Krisenfolgen wird das auch hier kommen, jede Wette.

Wer nun aber ist eigentlich der Souverän im Falle der Verbotsverfügung für den Kartenverkauf an Hansa-Fans am Sonntag? Formal sieht das alles nach Gewaltenteilung aus, immerhin mussten zwei gerichtliche Instanzen das durchwinken.

Wo aber ist die Politik? Hat Herr Neumann, Innensenator, nicht neulich gesagt, ich war dabei, er wolle sich an seinen Taten messen lassen? Wieso entsteht schon wieder der Eindruck, es mit einer frei flottierenden Polizei zu tun zu haben, die sich hervorragend aufgrund kontinuierlicher Zusammenarbeit mit den Gerichten mit diesen bestens versteht und im Grunde genommen machen kann, was sie will, ungeachtet irgendwelcher störenden Grundrechte wie jenem der Freizügigkeit, für das manche der Eltern der Hansa-Fans einst auf die Straße gingen?

Das könnte ja längst der Fall sein, dass gar nicht mehr die Politik der Souverän ist, sondern ein wildwüchsiger Behördendschungel, in dem es schnurz ist, wer da zufällig gerade gewählt wird. Das hieße dann aber Polizeistaat, tatsächlich. Dann wäre diese der Souverän im Sinne Schmitts.

Na ja, die Rechtsmittel allerdings, die gibt es formal ja noch. Kann man bei denen vom Magischen FC nachlesen.

Also noch nicht ganz, möchte man ausrufen, und wenn schon die Politik versagt und sich lieber mit dem „Konsumklima in Innenstädten“ und der Pseudo-Legitimierung von „Gefahrengebieten“ befasst, dann kann man eigentlich nur noch Hoffnung in die Gerichte setzen. Und mögen auch Verwaltungsgerichte bestimmte Fragen zum Glücknoch  offen lassen – es ist ja tatsächlich so, dass das Verfassungsgericht die einzige, letzte verbliebene, funktionierende, demokratische Instanz im Sinne der immanenten Begründung des Rechtsstaates in den letzten 10 Jahren war.

Dass nun schon Fraktionsführer die eigenen Parlamentarier entmündigen wollten zeigt ja, in welchem erbärmlichen Zustand die Legislative sich befindet. Auch wenn es auch da Hoffnungsschimmer gibt, weil das ja nicht durchgegangen ist.

Ebenso erstaunt wenig, dass aus der Politik, eben jenen Teilen, die mit der Exekutive vernetzt sind, das Bundesverfassungsgericht bereits scharf angegriffen wurde. So ginge das ja nicht.

Hoffen wir, dass es weitere Krisen- und Schockstrategien überleben wird, trotz Aufrüstung der EU-Institutionen …

PS: Hoffnungsschimmer gibt es auch ganz woanders – nämlich hier:

„Was genau diese Fans nicht gebrauchen können, sind Dummköpfe. Dummköpfe, die Pyrotechnik in vollbesetzte Gästeblöcke werfen. Dummköpfe, die das auch noch bejubeln. Dummköpfe, die ihre Gegner rassistisch herabwürdigen. Dummköpfe, die „schwul“ für das gerade richtige Schimpfwort halten. Und Dummköpfe, die all jene angreifen, die gegen ihre Dummheit mit Argumenten vorgehen.“

Wenn die aus ihrer Demo einen Zug gegen Homophobie und Rassismus machen würden, das wäre ja mal was! Liest sich ja so, als würden sie einen systematischen Zusammenhang zwischen Rechten für gesellschaftliche Minderheiten und dem, was sie für sich einfordern, begreifen. Wobei prinzipiell zu erwähnen ist, dass Rassismus oder Homophobie keine Bildungs- oder Intelligenzfrage sind, nicht umsonst lässt sich insbesondere Rassismus gerade bei den Gebildeten und sozial besser Gestellten nachweisen aktuell. Was allerdings keine Korrelation zwischen Bildung, Schichtzugehörigkeit und Intelligenz implizieren soll; ja, daneben gehauen, die Grundaussage stimmt trotzdem.

Ergänzend sei hierauf und hierauf verwiesen und das zitiert:

„Mit den Ros­to­ckern ge­mein­sam de­mons­trie­ren? Nein, danke! Wir wol­len aber ähn­lich han­deln und wer­den das Spiel auf dem Süd­kur­ven­vor­platz am AFM-Con­tai­ner und den um­lie­gen­den Stra­ßen ver­brin­gen. Jahre nach dem Pro­test gegen Spiel­ver­le­gun­gen in den Volks­park gibt es also wie­der eine Ra­dio­par­ty am Mil­l­ern­tor. Das Ziel muss sein, eine Si­tua­ti­on zu schaf­fen, in der selbst der ver­blen­dets­te Po­li­zei­stra­te­ge die Maß­nah­me hin­ter­fragt.“

Melancholia – zwei laue Frühlingsabende, ein Fussballspiel und ein Konzert

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Zusammen altern. Eine Herausforderung.

Lebe zwar nicht in diesem kleinbürgerlichen Zwangskorsett „Familie“, das freiwillig zu wählen so vielen aufgenötigt wird; dieser primär kapitalismusstärkenden Institution, dieser dank Parzellierung in praktische Schließfachordnungen den Wohnungsmarkt fördernden Portiönchenlebensform.

Dank außerordentlich konstantem Umfeld seit mehr als 10 Jahren z.B. im recht familiären Arbeitsalltag sieht man um sich herum auch außerehelich nichtsdestrotz die Falten sich eingraben, die Fettpölsterchen wachsen, die Frustrationen sich kulminieren – und es gilt doch und trotz alledem: Lieber Fünfter als Fürther, wie irgendwer so treffend twitterte.

Weil ich gar nicht weiß, ob in fränkischen Mittelstädten Gedanken wie jene,

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Die Erfinder des Missionsdrangs da auslachen, wo es weh tut …

Ja, ich habe Respekt vor individuellem Glauben, hatte gerade gestern einen anregenden Dialog mit sehr denkoffenen und zudem noch feministisch orientierten Vertretern der evangelischen Gemeinde in Frankfurt undundund.

Und ja, ich glaube sogar, dass für diese weltgeschichtlich einzigartig brutale, bigotte und unheilsvolle Religion Hoffnung bestünde, wenn hierzulande wie in den USA mal die Funde von Nag Hammadi etwas ernster genommen würden. Es ist das Johannes-Evangelium, das gegen diese in Stellung gebracht wurde und das Desaster in die Wege leitete. Wenn sich die halbwegs weltoffenen, evangelischen Kirchen dem mal öffnen würden, was sich im Thomas-Evangelium findet und in dem der Maria Magdalena, dann wäre ganz schnell Schluss mit Dogmen und jeder Art des christlichen Fundamentalismus.

Und ja, ich halte Islamismus für fürchterlich, kann die Salafisten nicht beurteilen, bekomme bei Facebook aber mit, dass liberale Muslime angesichts derer auch nur noch kotzen. Aber nun einen derartigen Aufstand zu veranstalten, wenn die nicht etwa Märtyrer preisende Videos, sondern einfach nur den Koran verteilen, Mehr von diesem Beitrag lesen

Drama, Baby!

Ja! Ja! Ja! Mehr Kassenrollenwürfe – nur gewusst wie!

Und doch, es begann ein wenig tragisch. Bin ja versucht, jetzt einfach auch immer „wir“ zu schreiben, „wir stimmen mit denen vom Magischen FC in diesem Punkt vollkommen überein“ würde dann hier geschrieben stehen.

Und doch stand, als Jonas die Mannschaftsaufstellung verlas, noch ein einsamer Bene in der Ecke des Platzes und sammelte Bälle ein – stand da und guckte trübe beim übergroßen Jubel, den die Aufstellung von Philip Tschauner hervor rief. Das war unschön. Mal ab davon, dass Heerwagen sowieso am besten aussieht von den Dreien 😀 , ach, irgendwas passte mir da nicht. Egal. Rein gar nix gegen Tschauner, alles für ihn!, aber diese bescheuerten „Maskottchen im Tor“-Sprüche, ja, sie animieren zur Kritik der Leistungsgesellschaft, ein Paradox im Profifussball und in Halbzeit 1 doch auch von Relevanz: Da empfand ich es nämlich trotz guten Spieles unserer Mannschaft von ca. Minute 10 bis zum Gegentor so fernab von Glaube, Liebe und Hoffnung, stadionatmosphärisch, Begriffe, die man dem Papst nicht überlassen darf. All das freilich abgesehen von der so grandiosen Choreo von USP.

Die Berliner waren richtig laut, wirklich coole Fans, wie die mit ihrem Verein verwachsen sind, alles andere dazu hat ja das Gruppenblog Magischer FC  beobachtet. Von denen war zeitweise mehr zu hören als von der Gegengerade, unser Block auf der Haupt gab sich auch eher dem Gefühl hin „Mist, schon wieder Chance um Chance und der Ball geht nicht rein!“, obwohl zum Beispiel Daube wirklich so ganz groß aufspielte.

Und dann dieses Tor von Kruse, ein besonders schönes Exemplar, und es war wieder – ja, so, wie das Millerntor als Gesamtorganismus betrachtet eben sein soll! Irgendwer meinte hinterher „Drama, Baby!“, die Mannschaft steigerte sich minütlich, rannte an, ein meines Erachtens eindeutiger Elfmeter nach Umhauen von Bartels im Strafraum wurde nicht gegeben, und, wo ich hier schon gemeckert habe gegen den Herrn Schubert: Gestern schien er mir alles richtig zu machen.

Schon in Halbzeit 1, ein Freistoßtrick und ein paar richtig coole Spielzüge sahen aus wie richtiggehend einstudiert, aber packend wurde es, als der Gedanke an „Leistung, die bewertet wird“ verschwand und Leidenschaft an dessen Stelle trat. Passion!!!

Und dank Einwechslungen, die so wirkten, als ginge dem Trainer das ewige Gerede von „Defensivtaktik“ auch nur noch mächtig auf die Ostereier – wir haben mit 3 Stürmern gespielt! Auch Bruns, enorm passsicher, trieb das Spiel noch einmal deutlich nach vorne, unermüdlich, Saglik machte Dampf, der Wille wogte in immer neuen Wellen (ich liebe Stabreime 😀 ) wahrlich wagemutig und wild weiter und weiter auf das (mehr geht jetzt nicht) gegnerische Tor zu – und ja, Marius Ebbers, ich hätte Dich auch dann noch gefeiert für Deine Ehrlichkeit, wenn es durch irgendeinen bescheuerten Konter zum 1:2 gekommen wäre. Ja, auch ich erwähne hier den Namen Rösler, die Frankfurter haben in Liga 1 auch so ekelhaft gespielt, und da kann man sich ruhig mal einen Heiligenschein abholen, finde ich, um all die Mogelpackungen medienwirksam zu demütigen.

Und ich gebe ja zu, dass ich das sogar in meines finstersten Fantasien fast schon damit rechnete, dass wir uns noch einen fangen, obgleich wir 75 der 90 Minuten drückend überlegen waren und die Unioner übrigens ein mir als sehr fair spielendes Team erschienen, nebenbei bemerkt, deshalb kam der Schlussapplaus für sie in meinem Fall von ganzem Herzen.

Ach, dann die Durchsage „Nachspielzeit 3 Minuten“, das Stadion längst zu einem echten, einzigen Roaaaaaar mutiert, entfesselte Leiber sprangen auf der Haupttribüne durcheinander und kreischten, fluchten, krakelten, litten, ergingen sich ganz in Spannung, heizten sich auf, drehten fast durch – und Bartels macht es.

Er macht es tatsächlich.

Er macht es zum dramaturgisch perfektesten aller Zeitpunkte – auf einmal ist selbst die sehr nette, ansonsten aber zumeist nur höflich lächelnde Familie links von mir komplett am Durchdrehen, ein 15jähriger springt mir fast auf den Arm, sein Vater brüllt wie ein Stier, P.A. rechts von mir schreit nur noch ekstatisch „Jaaaaaaa!“, das ausgelutschte Bild vom Freudenhaus erfährt eine neue, tiefere Wahrheit … ach. Ächz. Erst um 3 Jahre gealtert, weil trotz all der Großchancen … und dann das. Jaaaaaaa!

Ein Twitter-Tross vor der Domschenke in annähernder Bestbesetzung, sogar der @moppelkotzer stieß mal wieder hinzu, Freude!!!, annähernd, weil ja die @pauliane uns fehlte, der @pantoffelpunk ist ja leider meistens nicht da, und wenn einen dann noch attraktive Männer auf dem Clo ansprechen, ganz klischeehaft 😀 , was will ich eigentlich noch mehr vom Leben als solche Abende am Millerntor?

Wider die Patrioten!

Ähem, ja. Renegaten allerorten instrumentalisieren einmal mehr Israel zur je eigenen Vergangenheitsbewältigung – machen also exakt das, was sie Grass völlig zu recht vorwerfen.

Heute: Götz Aly, dessen Wandel vom  hervorragenden Historiker zum Stichtwortgeber für Scheinliberale die Tragödie des Mentalitätenwandels im Deutschland der letzten 30 Jahre wohl hervorragend personifiziert. Entsprechend schleichen sich immer so merkwürdige Sätze in all die Kommentare wie der folgende:

„Er und seine Gesinnungsfreunde zählen zu jenen Westlern, die den glücklich verlaufenden Geschichtsbruch Wiedervereinigung nicht verwinden.“

??? Ich bin kein „Westler“, ich denke selbst. Was heißt hier „nicht verwinden“? Und was hat das jetzt mit dem Gedicht von Grass zu tun?

Ich habe bisher auch noch keinen Grund gefunden, meine damalige Position zur „Wieder“vereinigung zu revidieren, denke bis heute, dass Hoyersverda und Lichtenhagen und die NSU wie auch die unverschämte Begründung Joschka Fischers für den Kosvo-Einsatz (das impliziert kein Urteil über diesen selbst) mich in diesem bestätigen und komme trotzdem ganz gut damit klar, dass sie sich vollzogen hat. Hey, heute gegen Union Berlin spielen!

Ich denke eher, dass Herr Aly und so viele um ihn herum ihre eigene linke Vergangenheit nicht verwunden haben und sich durch den Bankrott des Staatskapitalismus Marke DDR geläutert wähnen. Kann man auch Opportunismus, Feigheit und Speichelleckerei nennen.

In der Demagogie aus dieser Ecke Mehr von diesem Beitrag lesen