Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

»Wie ein reinigendes Gewitter«

„Und das ist Springers Schuld. Mit seiner Gleichsetzung von Israels Soldaten und der Naziwehrmacht, von Rommel und Dajan, hat er in die 68er Studenten, die gegen das Regime der alten Nazis in der Bundesrepublik aufstanden, jenen Antizionismus implantiert, der viele noch heute einseitig und absolut stets gegen Israel Partei ergreifen läßt.“

Na, vielleicht doch etwas überpointiert, nunmehr den, auf den reagiert wird, für diese Reaktion verantwortlich zu machen. Als wäre es unmöglich, sich unabhängig von Springers Großvorgaben mit dem Thema zu beschäftigen. Zudem im verlinkten Artikel allein schon das Thema Zionismus zu schlagwortartig abgehandelt wird.

Aber dafür steht da genug anderes – ein äußerst lesenswert Text zur Vorgeschichte des Instrumentalisierens Israels für ganz andere Diskussionslagen, hiesige Interessen eben, der aufzeigt, wie Springer-Blätter einst zu Zeiten des Sechs-Tage-Krieges Mosche Dajan zum „Rommel-Schüler“ verklärten und auch sonst äußerst selbstreferentiell Kontinuitäten herstellten:

„»Blitzkrieg – Blitzsieg« jubelt auch die Überschrift der Bunten, und bevor es noch soweit war, formulierte die begeisterte Welt: »Israels Panzer rollen dem Sieg entgegen.« Führten wir einst den totalen Krieg – so errang Israel heute den »totalen Sieg« (BZ).“

All das wird berichtet anlässlich einer Ausstellung aktuell im Jüdischen Museum in Frankfurt: »Bild dir dein Volk! Axel Springer und die Juden«.

Einst wurden vom Großverlag Motive in die Welt gesetzt, die bis zu den so called „Antideutschen“ wirken – teils von Ex-Nazis, die Projektionsfläche suchten ausgerechnet in jenem Staat, da viele ihrer Opfer und deren Nachkommen lebten. Otto Köhler, damals wohl Autor beim Spiegel, fasste schon 1967 pointiert und bitter die Haltung mancher derer zusammen:

„Die Israelis haben sich in die Herzen der Deutschen hineingesiegt, und wir alle sind fest entschlossen, den Juden unseren Antisemitismus von gestern nicht länger nachzutragen.“

Einer der Gründe, warum man vielleicht ausgerechnet in Deutschland zum Thema Israel nicht allzu weit die Schnauze aufreißen sollte, wenn man nicht sehr, sehr gut informiert ist. Das ist der Grund, warum hier im Blog so selten etwas dazu steht.

Da ich mich in hiesigen Diskussionslagen seit 1967 etwas besser auskenne, sei der verlinkte Text dringend zur Lektüre empfohlen.

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3 Antworten zu “»Wie ein reinigendes Gewitter«

  1. T.Albert März 23, 2012 um 5:59 pm

    Ja, ich hab ja mal Posener gegenüber den Carell-Schmidt-Gangster erwähnt, das hat er auch ignoriert. Man kann das schon länger sogar bei Wikipedia nachlesen, oder bei Benz, auch im Netz. Ich habe nie verstanden wie diese „judenfreundliche“ Umwidmung von Springer vor sich geht, als Jungs wussten wir doch wer das Zeug las, das waren nur Antisemiten, NUR. Alle, die ich kannte, die Springers Dajan-Elogen lasen, waren Antisemiten, ausnahmslos. WIchtig war DDR in Anführungszeichen. Letzteres ist weggefallen.

  2. momorulez März 23, 2012 um 7:05 pm

    Posener hat ja in manchen Hinsichten seit dem Bruch mit der Achse des Guten vielleicht sogar eine Hirnwende vollzogen, dass er das gart nicht mehr ignorieren würde.

    Das Schlimme finde ich, wie die selben Versatzstücke massenhaft sich für links haltende Youngster, durch die „Antideutschen“ vermittelt, verblöden. Allein schon, wie Panorama-Journalisten völlig unreflektiert Begriffe wie „Antiimperialisten“ verwenden als Synonym für Antisemiten in in ihren Publikationen, da sträubt sich mir wirklich alles. Es gibt allerlei antisemitische Hetzer unter den „Israel-Kritikern“, die machen halt spiegelverkehrt das Gleiche wie die „Antideutschen“. Und was dabei verschwindet, ist über die Folgen von Kolonialismus und Imperialismus sinnvoll reden zu können und gerade die Differenzen zu Israel, was ein historisch anderes Phänomen ist, heraus zu arbeiten. Und dann reden alle so daher, als seien heutige Siedlungspolitik und Theodor Herzl irgendwie das gleiche. Und was Antisemitismus historisch und heutig jeweils ist und in welchen Formen er auftritt, das interessiert gar keinen mehr.

    Da ist der Rechten echt ein strategischer Mega-Coup gelungen.

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