Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Zittersieg gegen den Tabellensiebzehnten: Wer nur vermeiden will, hat keinen Spaß!

Der Knipser ist kaputt.

Was ein Omen!

Also, der zum Dauerkartenabknipsen. Als ich rein gehe in diesen Vorbau unter der Kindertagesstätte zum Gang, der mich zur meinem angestammten Haupttribünenplatz geleitet, ist der kaputt, und meine Karte bleibt ein wenig unversehrter.

S. neben oben auf den Sitzen mir tippt ein 4:2. Mutig. Ich weiß nicht, was ich erwarten soll. Dann scheint mir, als würde die Mannschaft versuchen, sich von den mutmaßlichen Vorgaben des Trainers zu lösen. Als bemühte sie sich, mal wieder Spielfreude zu entwickeln, trotzdem die Angst in Person Schuberts ihnen mutmaßlich im Nacken sitzt. Und ganz, als habe sie das irgendwie verlernt, mal frisch nach vorne zu spielen, verdaddeln sie sehr viel. Und Karlsruhe spielt frisch und fetzig auf zur allgemeinen Überraschung. In der erstenHalbzeit fand ich die gut und mutig.

Dann fällt dieses großartige Tor:

und die Hoffnung keimt … na, ein Pflänzchen sollte nicht draus werden. Blieb als Keim ganz kümmerlich.
Eine bis kurz vor Schluß dominante, aber uninspirierte und kontrollierte zweite Halbzeitsmannschaftsleistung. Dann noch mal das große Bibbern, bitte nicht wieder wie in München – trotzdem, was an Vibrations rüber kam von dem, was die Mannschaft EIGENTLICH will (ja,ja, Scheiß-Jargon der Eigentlichkeit), das schuf wenigstens so was wie eine erotische Bindung an das Spiel.
Ich weiß, die bisher erfolgreichste Zweitliga-Saison der Vereinsgeschichte. Ich muss mich mancher Forums-Unke trotzdem anschließen: Ich mag das auch nicht, wie der Schubert die Mannschaft einstellt. Mal ab von dem Müchen-Spiel.
Wenn sie mal was über „Bloß kein Ballverlust und alle Mann defensiv mitarbeiten“ hinaus probieren, klappt ja gar nichts mehr. Obwohl der Wille da ist.
Das Spiel wirkte wie ein Kampf um den Spaß am  Job, der zugunsten der Angst verloren ging. Trotzdem wir gewonnen haben. Wenn normalerweise nicht allzu leicht zu beeindruckende Haudegen  wie Boll ständig dumme Fehler machen (auch wenn sich wieder alle um mich herum über Bruns ereiferten – der war der einzige mit guten Ideen), trotzdem wir ja auch keine Niederlagenserie in den Knochen haben, die für Unsicherheit sorgt, dann stimmt irgendetwas anderes nicht.
Gibt ja zwei Weisen, wie man Teams anleiten kann: Positive und negative Verstärkung. Motivation oder die Angst vor der Sanktion.
Das ist ein bißchen so wie positive und negative Freiheit – letztere will, dass niemand sich einmischt oder an etwas hindert. Erstere findet z.B. etwas gut und strebt es an und braucht Voraussetzungen.
Negativ-Verstärker sind Demontagen von Stürmern in der Presse – das will jeder vermeiden. Positiv-Verstärker sind Lob, Liebe, Lust und so was. Also, wenn ich mir z.B. gestern vorstellte, dass eine ganze Kurve voller knackiger Jungmänner gerade MICH ansingt „ich träum von Dir“ oder „ich liebe Dich“, dann ist ja ein fantasiegenerierter Ansporn, zuzuhören. So als Beispiel.
Wer mittels Negativverstärkung bearbeitet wird, will etwas VERMEIDEN. Wer über Positivverstärker motiviert wird, will etwas ERREICHEN.
Irre ich, dass Schubert zu sehr auf das Vermeiden setzt? Die Spielweise wirkt so. Man kann auch so Punkte holen, klar. Aber ist es das, was den FC St. Pauli normalerweise auszeichnet?
Klar, man steckt nicht drin, ist nicht beim Training dabei, nicht beim Smalltalk in der Kabine, und vielleicht irre ich kläglich und bitte dann gerne um um  Entschuldigung, Herr Schubert. Aber ich würde schon gerne mehr Spaß statt Anstrengung, mehr Leuchten in den Augen unserer heiß geliebten Boys in Brown sehen wollen … geht ja nicht nur um das Ergebnis, sondern auch um das Erlebnis.
Aber immerhin haben wir nach dem Spiel noch schnell die Sozialdemokratie gerettet. Man muss ja kein Sozialdemokrat sein, um dennoch die Kartoffelpuffer-Grillfeste mit der Arbeiterwohlfahrt in Kindheitstagen nostalgisch ins Gedächtnis rufen zu können und bei aller Sehnsucht nach der Utopie die Realpolitik mal wieder ein wenig visionärer auch in der SPD erleben zu wollen …
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4 Antworten zu “Zittersieg gegen den Tabellensiebzehnten: Wer nur vermeiden will, hat keinen Spaß!

  1. erik hauth (@ring2) März 13, 2012 um 12:45 pm

    Du könntest mal erwägen, eine Karriere als Motivationscoach anzustreben – das liegt Dir 😉

  2. momorulez März 13, 2012 um 12:52 pm

    Es war ein weiter Weg dahin 😀 – aber ich glaube schon, hoffe zumindest, dass ich in meiner Chef-Rolle im Alltag eher auf Motivation (und Hilfestellung, indem ich Defizite ausgleiche, um diese nicht in den Focus zu rücken, weil die Stärken wichtiger sind), setze, als auf diese Angst-Regime, die extrem weit verbreitet sind.

  3. Pingback: #FCSP Montagslangeweile trotz des Dreiers gegen Karlsruhe « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  4. Pingback: Ach ja … ähem … na ja … « Metalust & Subdiskurse Reloaded

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