Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Spielball der US-Politik: Frauen und ihre Gesundheit“

Die Mädchenmannschaft über das Treiben der religiösen und anderen Formen der Rechten in den USA derzeit:

Denn wenn es um die Körper von Frauen geht, zählt schließlich nicht deren Wille, sondern die religiösen Bedenken … anderer Menschen. Bei einer Anhörung des republikanischen Abgeordneten Darrell Issa dazu durften folgerichtig nur Männer sprechen.

Wichtiger Text, weil – hier im Blog, vielleicht auch darüber hinaus in allerlei Debatten – manchmal, so scheint es mir, hinter der Kritik millionenschwerer, homophober Propaganda, die diese rechtsradikalen Menschenverächter verbreiten, deren Krieg gegen die Selbstbestimmung von Frauen verschwindet. Was ja fatal ist. Lesen!

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7 Antworten zu “„Spielball der US-Politik: Frauen und ihre Gesundheit“

  1. Sem März 6, 2012 um 5:18 pm

    Ich komme gar nicht mehr hinterher mit den wichtigen Dingen, weil sich die Neo-Konservativen zu allem und jedem äußern dürfen. (Mich regt auch Russland zur Zeit auf.)
    Auf feminist.us las ich, dass Rush Limbaurgh über eine Studentin, die ihn genau auf dieses Thema ansprechen wollte, „slut“ nannte. Und Mitt Romney sagte, er hätte nicht dieses Wort benutzt – aber gegen die Beschimpfung einer Frau, die eben nachfragt, warum sich dazu Männer nur äußern dürfen, darf beschimpft werden.
    http://www.feministe.us/blog/archives/2012/03/05/i-personally-prefer-the-classic-term-strumpet/

    Leider ist die Homepage von Comedy Central in Deutschland nicht so einfach aufrufbar, sonst hätte ich den Link von The Daily Show mit John Stewart vom 21. Februar gesetzt. Mit „Eye on the Ladies“ hat er genau das karikiert, dass sich da Männer über Frauen den Kopf zerbrechen und glauben, es auch noch tun zu dürfen. In schwarz-weiß gehalten, sitzt da eine Männerrunde, raucht Zigarren und lässt sich über ihrer Erfahrungen mit Frauen aus. Die einzige Frau in der Runde wird auf diesem Whisky-schwenk-Hinterzimmer-Niveau belacht. Erst, als sie sich einen Schnurrbart anklebt und die gleichen Dinge, die sie vorher auch schon gesagt hat, mit tiefer Stimme wiederholt, hören sie ihr zu. Etwas plakativ, aber treffend.

    http://www.comedycentral.co.uk/shows/the-daily-show/episodes/the-daily-show-feb-20-2012-alan-huffman-michael-rejebian/video/jon-stewart-s-eye-on-the-ladies-the-daily-show-735380/

    Ganz ehrlichen Dank für die politische Bildung.
    (Ich habe mich auch auf der Mädchenmannschaft blicken lassen lassen. Ich will dem Mathilda-Effekt nicht Vorschub leisten.)

  2. momorulez März 6, 2012 um 5:28 pm

    Der Loellie, Stammkommentator, hatte häufiger auch über den Krieg gegen Frauen von Seiten der US-Rechten berichtet. Ich komme da teilweise auch gar nicht mehr hinterher. Obgleich das bei Themen wie Bio-Macht, Macht über das Leben, ja immer auch eine große Rolle spielte – komme ja ursprünglich mal von Foucault, akademisch, und bin mir manchmal gar nicht so sicher, ob im Falle von dessen Rezeption die Verschlagwortung da nicht etwas zu krass wurde, so dass manchmal ignoriert wird, worum es ihm ging. Kann aber auch sein, dass ich das einfach nicht mehr mit bekomme.

    Was Du beschreibst, liest sich finster. Und ja, Russland. Habe immer ein wenig das Gefühl, dass im Falle der USA die Propagandamaschinerie schneller hier rüber schwappt, was vielleicht dazu verleitet, die Entwicklungen in „post-sozialistischen“ Ländern nicht so intensiv zu verfolgen. Wobei auch da ja die „Rückbesinnung“ auf Katholizismus oder aber orthodoxes Getue und Nationalismus auch so ein unheilvolles Gebräu hervor bringt.

    Achach ….

  3. Loellie März 7, 2012 um 10:29 pm

    Da kann man doch wirklich nur noch kindisch werden:

    http://www.youtube.com/watch?v=3REpfdNkJ0I

  4. momorulez März 8, 2012 um 1:36 am

    Papa halt 🙂 – entwickele mich gerade ein klein wenig zum „Kenner“ jener Phase, da „das Christentum“ mittels Polemik, Ignoranz dessen, was man als „Spiritualität“ bezeichnen kann, politischen Erwägungen zur Einheit der Kirche und dann irgendwann, weil „Staats“religion, mittels Bücherverbrennung und Todesstrafe gegen Ketzer und Häretiker ihr Lügen- und Fälschungswerk in die Welt setzte, mit nackter Gewalt die Erbauungsliteratur zur Wahrheit erhob.

    Was entlastet, wenn man angesichts dieses gemarterten, aber ja oft ganz appetitlich anzusehenden Jesus-Körpers aufwuchs. Was ich auch immer schon wusste, Inquisition und Hexenverbrennung sind ja nix Unbekanntes – aber wie zwischen Einhundertirgendwas und 380 Blaupausen für all das folgende Unheil geschaffen wurden, das schnalle ich gerade erst vollumfänglich. Kein Wunder, dass Foucault und Gore Vidal genau an dem Punkt auch irgendwann landeten. Und Ratzinger weiß das alles, das macht den ja so gruselig. Der lügt, wenn er den Mund auf macht, wider besseren Wissens.

    Die haben aus was durchaus „Großem“ wirklich ein derart plattes Märchen aus Gewalt und Hass implementiert, das ist im Grunde genommen eine historische Unglaublichkeit und auch geschichtlich singulär. Dass das funktioniert hat ist schier unglaublich – aber mit Legionen im Rücken, die meucheln, bekommt man das wohl hin.

    Dagegen ist Khomeni ein Witz. Ein sehr schlimmer. „2012 nach Jesu Geburt“. Was eine Frechheit! Eine ganze Zeitrechnung auf dem Rücken einer Erfindung, einer Compilation aus diversen Quellen zu errichten, Isis, Osiris, Dionysos, jüdischer Quellen, Seneca usw. die verbirgt, was diese Quellen ggf. zu sagen hatten.

    Wie unglaublich unverschämt und zugleich im desaströsen Sinne folgenschwer dieser ganze irgendwann mit Eigendynamik versehene, na, Unsinn kann man da gar nicht schreiben, Popanz sich etabliert hat, das ist im Grunde genommen atemberaubend. Wie die bis heute ihren Terror auf reiner Fiktion gründen.

    In irgendwelchen Formen kommt da demnächst auch was hier imBlog; die Reichweite dieses christlichen Verbrecherregimes schnalle ich tatsächlich gerade wirklich erst in meiner Naivität. Man vergebe mir 😉 …

  5. momorulez März 8, 2012 um 2:09 am

    PS: Dass der „heilige Geist“, der vom Vater, dem Sohn und dem „heiligen Geist“ in den Ritualen, im Hebräischen eine weibliche Form hat, „Geistin“ sagt im Deutschen nicht zufällig kaum wer, das ist eines dieser Elemente. Habe ich heute gelernt. Was nix dran ändert, dass der Großteil der christlichen Lügen gar nichts mit Geschehnissen in Israel zu tun hat, sondern mit altgriechisch und dem Leben in Rom damals. Wo „Jesus“ erfunden wurde.

    Philip K. Dick hatte recht: Das „römische Reich“ lebt fort. Nur dass unter Nero gar keine „Christen“ im heutigen Sinne verfolgt wurden – der Komplex aus Mafia, Kirche, Geheimdiensten und Politik, gestützt auf „Glauben“, existiert trotzdem noch. Wirkungsmächtig.

  6. Sem März 8, 2012 um 10:16 am

    In diesem Zusammenhang lese ich die wunderbar ver-rückte Prof. Dr Uta Ranke-Heinemann sehr gern. Denn im Gegensatz zu den Atheisten wie Dawkins, die sich aus gutem Grund gegen die Evangeliserungstendenzen im englischsprachigen Raum wehren (müssen), argumentiert sie aus den Lehren der Kirche selbst – in diesem Fall vor allem der katholischen -; und das mit einem zutiefst menschlichen Verständnis. Und aus dem Glauben heraus.

    Die evangelische Kirche muss sich jetzt wieder vermehrt mit den Hexenprozessen und ihrer Rolle darin beschäftigen. In Dortmund soll ein Denkmal aufgestellt werden, in Wiesbaden die Verurteilten – es waren nicht nur Frauen – rehabilitiert werden. Nun geht es in den Auseinandersetzungen darum, ob die Urteile nach damaligen Recht rechtens waren und ob dewegen eine juristische Rehabilitierung möglich und erstrebenswert ist. Oder geht es eher um eine moralische Aufarbeitung der eigenen Schuld. Das nimmt wirklich wahnwitzige Züge an, wenn gerade die Kirchen sagen: ja, aber…. Und wir brauchen noch mehr Daten. So in der Art, eben.
    http://maedchenmannschaft.net/muschiballett-konsensdebatten-und-viel-lesestoff-kurz-verlinkt/

  7. momorulez März 8, 2012 um 11:23 am

    Elaine Pagels z.B., die das sehr spannende „Geheimnis des 5. Evangeliums“ geschrieben hat, ist auch gläubig in einem umfassenderen Sinne und legt ziemlich eindrucksvoll dar, wie durch die Kanonisierung, konkret Irenäus von Lyon und dessen Streitschrift gegen „Häretiker“, ganz viele Analogien zu Budhhismus, jüdischer Mystik, Taoismus usw. einfach gekappt wurden. Was in einer Tagesspiegel-Rezension prompt dazu führte, diese anderen Schriften „Mein Kampf“ zu vergleichen, was ja die aktuelle christliche Strategie ist, alles, was ihnen nicht zustimmt, mit Nazis zu identifzieren. Und sich selbst als große Widerstandsbewegung noch in Wikipedia-Einträge zur Kinderlandverschickung im 3. Reich hinein zu schreiben und zu behaupten, in KZs sei der christliche Gott vergast worden.

    Heute wie damals, um die Rolle der Institution Kirche zu stärken. Vieles dessen, was er da raus warf, tauchte später in teils auch rekationären, protestantischen Sekten zwar wieder auf – es ist aber unsinnig, die katholische Kanonisierung gegenüber Arianern, Valentianern, Marcioniten usw. als das „wahre Christentum“ zu behaupten, das war ein politischer Prozess, der dann von Theodosius I. im 4. Jahrhundert sozusagen finalisiert wurde. Was schlicht der Auftakt zum Mittelalter und einer ungeheuren kulturellen Verarmung war. Das ist ganz interessant, dass in Ägypten z.B. dieser Epochensprung profunder literarisch reflektiert wird:

    http://www.amazon.de/Azazel-Roman-Youssef-Ziedan/dp/3630873316/ref=sr_1_sc_1?s=books&ie=UTF8&qid=1331201177&sr=1-1-spell

    und in nicht zufällig in Spanien, das den Klerikalfaschismus erlebte, solche Filme die Zuschauer in Massen ins Kino treiben:

    http://www.amazon.de/Agora-Säulen-Himmels-Rachel-Weisz/dp/B003BY0S8G/ref=sr_1_sc_1?s=dvd&ie=UTF8&qid=1331201297&sr=1-1-spell

    während hierzulande von „christlich-jüdischer Leitkultur“ und „spätrömischer Dekadenz“ gefaselt wird. Und im Grunde genommen der „Einfall der Barbaren“ in Rom, der realhistorisch verglichen mit anderen Vorgängen eher harmlos war, immer wieder Erzählungen strukturiert. Die Goten waren auch Christen, aber eben eine andere Fraktion, Arianer, und mussten deshalb dämonisiert werden.

    Oder gar die Bibel wörtlich zu nehmen, so viel, wie da rum pfuschten, vernichteten und vor sich hin übersetzten. Was auch aus feministischer Perspektive u.U. interessant ist, weil viele der bekämpften christlichen Gruppen auch weibliche Propheten hatten, und im Zuge der Kriegsführung dann eben Frauen als Propheten generell als Unfug behauptet wurden. Zudem ist über den „Klau“ gnostischen Schriftgutes wie z.B. der Paulus-Briefe, an denen dann ein paar Änderungen vorgenommen wurden, die ganze leibfeindliche Tradition begründet, die durch die Vorstellung der „Sünde“ eine völlig andere Akzentsetzung erfuhr als in ostasiatischen Askese-Praktiken. Und infolge wurden häufig Frauen mit diesem „sündigen Fleisch“ identifiziert, was eben auch zum Hexenhammer usw. beitrug.

    Soll jetzt nicht heißen, dass die anderen nun durchgängig tolle Sachen zu sagen hatten, es macht aber wenig Sinn, ausschließlich über Bibelkanoninterpretationen irgendeinen Zugang zu dem zu finden, was „christliche“, also am Bild eines Messiahs orientierte Spiritualität so alles heißen kann.

    Auch für die Existenz eines historisch realen Jesus spricht derart wenig, dass wiederum Theologen wie Herr Detering davon ausgehen, dass es den schlichtweg nicht gab. Was all die Versuche auch von schwuler Seite, nun die wahren Jesus-Worte zu finden, schlicht ins Absurde führt. Habe ich ja auch versucht und fand was ganz anderes 😉 …

    Und genau das ist auch, was jeder in seinem Theologie-Studium zuerst lernt, wie mehrere Bücher zu berichten wissen. Die predigen etwas, obwohl sie im Studium lernten, dass es auf tönernen Füßen steht.

    Und ja, die evangelische Kirche lebt ganz gut davon, dass man sich immer an den Katholiken abarbeitet, als wäre sie selbst historisch nicht genau so schlimme Finger gewesen

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