Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Zur kurz gesprungen, Publikative!

„In der Berichterstattung über Rechtsextremismus wird zumeist von der rechten oder rechtsextremen „Szene“ gesprochen beziehungsweise geschrieben. Dies verharmlost die Komplexität und Schlagkraft des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland deutlich.“

Da hat „Publikative“ ja recht, auch mit der These, dass es sich nicht um irgendeine abgeschotettete Szene handelt, sondern eher den Charakter einer nicht organisierten „sozialen Bewegung“ annimmt – aber wieso wird, auch wenn es lediglich der erste Teil einer Artikelreihe ist, das ganze im Paradigma der Extremismustheorie diskutiert?

Rechtes Denken speist sich IMMER aus Abgrenzung gegen irgendwelche Exkludierten und gesellschaftliche Minderheiten und ist insofern IMMER etwas, das mit den als „Mitte“ sich Behauptenden sowieso schon eng zusammen hängt.

Wieso werden Wilders, Politically Incorrect, Sarrazin, Walser, Achse des Guten, Döpfner und Breivik da ignoriert?

Wieso der Kampf der US-Rechten gegen „Politcal Correctness“, seien es nun Evangelikale, Libertäre oder rechte Republikaner, und der Einfluss der unter Bush agierenden (und schon zuvor) Think Thanks wie jener von Daniel Pipes nicht thematisiert?

Bei allen Differenzen zur alten Nazi-Ideologie sind sie es doch, die zu einem aufnahmebereiten Klima für Rassismen, Homophobie und auch Frauenfeindlichkeit beitrugen, die sich mittlerweile sogar bei jenen zeigen, die sich als „linksradikal“ oder auch nur irgendwielinks behaupten und in Abwehrhaltung gegen die emanzipatorischen Neuen Sozialen Bewegungen der 60er und 70er Jahre ihre Pfründe sichern, indem sie diese historisieren und gegen vermeintliche „Keulen“ – sei es nun Auschwitz-, Homophobie – oder Rassismus-„Keule“ – wettern und nicht nur in Blog-Einträgen ihre Jugendsünden beweinen und so was wie Feminismus oft als ja gar nicht mehr nötig betrachten?

Es ist doch auch und gerade diese krude und verlogene Selbstverständnis eines post-rassistischen, post-feministischen und post-homophoben Deutschlands, das bis zu Wulffs Weihnachtansprache sich zeigt und natürlich total gegen Nazis ist, das jedoch durch die permanente Restabilsierung dieser Ideologie dazu übergegangen ist, Formen und Inhalte des rechten Denkens fortwährend zu tabuisieren, um ihnen freien Lauf zu lassen, und in Abwehrhaltungen dann jene, die einst und heute Opfer der Nazis waren und sind, fortwährend zu beschimpfen, sie würden eine „Opferrolle instrumentalisieren“ und sollten mal langsam sowieso ihre Schnauze halten und seien selbst die wahren Nazis.

Die Ergebnisse einer jüngst erschienenen Studie, die einen weit verbreiteten Antisemitismus in Deutschland belegt, zeigen doch vielmehr so etwas wie ein, freundlich gesprochen, Groll gegen die Opfer, die als permanente narzisstische Kränkung wohl angesehen werden, und das auch und gerade bei jenen, die sich am allerpostrassistischten usw. erleben. Eben frei nach dem von Broder immer zitierten Motto „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“. Lässt sich ja variieren.

Die Konstruktion des „Rechtsextremismus“ mag dann haltbar sein, wenn man „Extremismus“ als gewalthaltig v ersteht, das trifft dann auf die Abschiebepraxis aber auch zu, und DA liegt ja offenkundig das Problem der versagenden staatlichen Instituionen. Wie Publikative oft beschreibt.

Ansonsten wird fortwährend durch diese „Mitte“-„Extrem“-Entgegensetzung das ignoriert, was zu Beginn der 30er Jahre nun tatsächlich das Problem war: Dass zum einen KPD und SPD sich nicht zusammen taten, und dass zum anderen die Bürgerlichen mit den Nazis kooperierten. Gegen links.

Letzteres ist zwar implizit auch die These des Artikels, nur durch Konzentration auf die Burschenschaften, vereinfachend gesagt, kommt der ganze Rest zu kurz. Aber das ändert sich ja bestimmt in Teil 2.

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5 Antworten zu “Zur kurz gesprungen, Publikative!

  1. momorulez Januar 24, 2012 um 3:14 pm

    Passt irgendwie dazu:

    http://www.boell.de/downloads/Antifeminismus-innen_endf.pdf

    Cooler Satz:

    „Statt die Variabilität des Gender-Konzeptes als Befreiung aus geschlechtlich-sozialen Zwangskorsetten zu betrachten, wird die Möglichkeit, sich anders als traditionell zu verhalten, zum Zwang uminterpre- tiert.“

  2. momorulez Januar 24, 2012 um 3:32 pm

    Auch das hier:

    „Wie bereits an den Beispielen von Anders Breivik und free-gender zu sehen ist, gibt es starke Überschneidungen zu Argumentationen und teilweise auch zu Netzwerken der Extremen und Neuen Rechten. Diese Nähe hängt auch damit zusammen, dass neonazistisches Gedankengut in der Regel antifeministi- sche Argumentationen beinhaltet. Dies lässt sich u.a. damit erklären, dass die Volksgemeinschaft und damit die Basis der rechten Ideologie, auf einer klaren geschlechtsspezifischen und biologisch begründeten Geschlechterordnung beruht: Der Mann als Kämpfer der Nation und die Frau als Mutter und Bewah- rerin der Werte.
    Aus der stark biologistischen Begründung für diese Geschlechterordnung ergibt sich, dass insbesondere der Begriff «Gender» von rechten Kreisen immer wieder vehement angegriffen wird.
    Gleichzeitig finden sich kaum Hinweise auf die männliche Opferideologie. Zwar gibt es auch für die Rechte eine Krise der Männlichkeit, diese erfüllt aller- dings eine spezifische Funktion: Damit das Bild des männlichen Kämpfers dauerhaft aufrechterhalten werden kann, muss es auch Gegner geben. Neben Bedrohungen, die von außerhalb des eigenen «Volkes» kommen, geht es hierbei vor allem um einen internen Werteverfall, welcher sich eben auch in der Krise der eigenen Männlichkeit zeigt. Die männliche Opferideologie hingegen käme einem Zugeständnis von Schwäche gleich und wird deshalb kaum rezipiert.
    Somit finden sich fast alle Ideologien, die für die antifeministische Männer- rechtsbewegung konstituierend sind, auch in rechten Kreisen wieder. Allerdings ist ihre Bedeutung in der rechten Szene normalerweise geringer. Dies gilt nicht für homophobe und rassistische Argumentationen, welche nur von einem Teil der antifeministischen Männerrechtsbewegung mitgetragen werden, während sie in der rechten Szene wesentlich stärker verbreitet sind.“

    ist wichtig, weil ja gar nicht nur Minderwertigkeits- oder „Überfremdungs“-Gefühle konstitutiv sind für rechtes Denkens, sondern ein implizit weißes Selbstverständnis voraus setzender, heteronormativer und männlicher Dünkel und „Supremacy“-Haltungen, die freilich durchaus aufgrund von Komplexen angenommen werden können, aber nicht müssen. Dass also die „weiße Kultur“ die überlegene sei (gibt es auch in den Varianten „deutsch“, „aufgeklärt“, „christlich“), Männer a priori bestimmte Jobs besser könnten usw. – eine Auffassung, die auch für die alten Nazis entscheidend war, da in deren Augen Juden „nicht kulturschöpferisch tätig sein könnten“ und sich in „Wirtsvölkern parasitär einnisten“, ein Motiv, das heute eher auf „Wirtschaftskraft“ bezogen auftaucht. Also die Nummer mit der „kulturellen Überlegenheit“ des „Deutschtums“ wurde von denen nationalistisch gedeutet und rassifiziert, und das ist dann ja nicht weit weg von Sarrazin und eben auch bei den „Pro-Westlern“ so angelegt, sofern sie nicht bei z.B. politischen Institutionen ansetzen, sondern bei „Kultur“.

  3. Nörgler Januar 24, 2012 um 4:43 pm

    „In Wirtsvölkern sich parasitär einnisten“ – „Einwanderung in die Sozialsysteme“

  4. georgi Januar 24, 2012 um 6:19 pm

    Antiimperialismus und Pazifismus sind nämlich antisemitisch. Und wer die staatsbürgerlichen Rechte von Bürgern mit orientalischen Ursprüngen achtet, der leugnet die Gefahr des politischen Islam. Der bereitet dem Faschismus den Weg. denn der politische Islam will den Holocaust! Alles lauter Keulen, zwei Antisemitismus- und eine Faschismuskeule!

    Und wo findet man die Antiimperialisten, Pazifisten, Islamversteher? Links! Deswegen gehen diese Keulen vornehmlich auf Linke nieder. Linke heißen Gutmenschen. Sie verbünden sich mit dem Islam, um die Juden zu vernichten! Deshalb nennt man Leute, denen die Sarrazin-Hetze nicht paßt, Terrorversteher.

    Und wer führt diese Keulen? Broder, Sarrazin, PI etc. PI bedeutet übrigens „politically incorrect“. Das sind nämlich die einzigen, die für Presse- und Meinungsfreiheit im Lande einstehen.

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