Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Was aus dem Protestantismus wurde … Staatskirchen sind halt immer schon falsch gewesen, lieber Kaiser Konstantin!

„Wörtlich heißt es in dem Beschluss der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens: „Die Landeskirche behält sich vor, in Einzelfällen gleichgeschlechtlichen Paaren das gemeinsame Leben im Pfarrhaus zu gestatten. Dies setzt die einmütige Zustimmung des zuständigen Kirchenvorstandes zwingend voraus und ist nur bei Eingetragenen Lebenspartnerschaften möglich.“ 

Na, hoffentlich denke ich morgen endlich daran, aus diesem Haufen, in den ich, ohne gefragt zu werden, hinein getauft wurde, endlich auszutreten.

Scheinbar war ja der Prostestantismus zunächst eine insofern gute Idee, dass er die Relation „Leser – Bibel – Gott“ an die Stelle von „Papst – Priester – Bibel – Gläubiger“ setzte. Wieso nun irgendwelche staatlich geförderten Landeskirchen in angeblich dieser Tradition ihren Angestellten die Lebensform vorschreiben oder genehmigen können wollen, das ist schon ziemlich krude. Mache ich als Arbeitgeber doch auch nicht.

Nun stehe ich auch gerade stark unter dem Eindruck dieses Buches, das eindrucksvoll die Nicht-Existenz eines historischen Menschen und Gottessohnes Jesus Christus wie auch die literarische Erfindung sogar des Paulus belegt (unter Berufung auf dieses Werk, hier die Website des Autoren), das zusammen mit den Forschungsergebnisse einer Elaine Pagels  das ganze „Neue Testament“ als Fake dann aufzeigt, wenn man es buchstäblich und nicht etwa allegorisch als Compilation aus diversen spirituellen Quellen von den alten Ägyptern (Osiris, Isis, Horus) über das Judentum (was ja immerhin allseits bekannt ist) und sogar Buddha und Krishna und mannigfaltigen heidnischen Vorgängern, so z.B. Dionysos, begreift. Die Symbolik von Tod und „Auferstehung“ ist zudem auch global Kennzeichen schamanischer Initiation.

Der ganze Kanoniserungsprozess eines vielfältigen Schriftums rund um die multipel ausgestaltete Messiahs (=Christus)-Vorstellung,  das einzig zu Bekehrungszwecken verfasst wurde, nicht etwa als Augenzeugenbericht einer realen Passion, war nichts als der Versuch, ein einheitliches „Christentum“ durch Ausgrenzung vermeintlicher „Häresie“ zu schaffen, das sich mit frühen Formen römischer Staatlichkeit als kompatibel erweisen könnte und zudem die Hoheit über den Glauben in die Hand der Kirche, nicht des spirituell Suchenden, legte.

So erfand (bzw. stellte zusammen aus diversen christlichen und nicht-christlichen Quellen, wobei „christlich“ einen Glauben an einen Messiahs in diesem Fall meint, der über das Judentum hinaus geht, und die Quellen z.B. das ägyptische Totenbuch waren) man ein ganzes Evangelium, das des Johannes, um dem kursierenden Thomas-Evangelium das Wasser abzugraben. Hatte in diesem „Jesus“ als literarische Figur doch verkündet, der Weg zum göttlichen Licht sei in jedem Individuum zu finden. Was freilich die Macht der sich formierenden Katholischen Kirche deutlich eingeschränkt hätte, die sich als Wegweiser ins Licht behauptete. So verfasste man im 2. Jahrhundert das Gegendokument, das als erstes überhaupt die These vom „Gottessohn“ bei Herakles und anderen klaute, im Gegenzug zum Zwecke der Selbstermächtigung. Diese Idee taucht in den anderen kanonischen Evangelien gar nicht auf.

Nun hätte der Protestantismus die Chance geboten, da Abhilfe zu schaffen – nur dass auch er den u.a nach Herrschaftsgesichtspunkten errichteten Kanon übernahm. Und viele der anderen, insbesondere gnostischen Schriften wurden ja in einer Art früher Bücherverbrennung der Vernichtung anheim gegeben und erst in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder entdeckt.

Was all die Hater unter den vermeintlich so nächstenliebenden Christen aber nicht dazu brachte, sich über eine krude wörtliche Auslegung literarischer Texte zum Thema Spiritualität mal Gedanken zu machen, sondern stattdessen ganz im Sinne der Tradition weiterhin Unfug zu verbreiten. Und anderen die Lebensformen vorschreiben zu wollen.

Das ist ja das Ärgerliche, dass global unter Berufung auf diese alten Geschichten Lesben und Schwule gequält, herab gewürdigt und entrechtet werden. Und das nur, weil Irenäus und andere u.a. unter politischen Gesichtspunkten diese Schriften auswählten und entschieden, dass sie „göttlich inspiriert“ wären im Gegensatz zu den zahllosen anderen.

Und damit das so bleibt, quatscht dann ausgerechnet der Papst im Bundestag …

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6 Antworten zu “Was aus dem Protestantismus wurde … Staatskirchen sind halt immer schon falsch gewesen, lieber Kaiser Konstantin!

  1. flummi Januar 24, 2012 um 1:38 am

    Hallo Momorulez

    ich versuch jetzt mal zu formulieren, was ich schon so lange versuch zu formulieren und nicht zu formulieren fähig bin.

    der Protestantismus war für mich von klein ganz schrecklich piefig. unerträglich piefig. Nun hatte ich aber ausgerechnet einen protestantischn Pfaffen zum Vadder, dem ich noch heute zutiefst dankbar dafür bin, dass er mir den protestantischen Pief weitestgehend vom Halse hielt! So musste ich nie in die Kirche, mich nie irgendwelchen frömmlich dümmlichen Ritualen unterwerfen und durfte auch sonst tun u. lassen was mir beliebte! Er war selbst von rebellischer Natur, auch kein Gemeindepfarrer aber eben doch ein gäubiger Christ, der allerdings mit seinem Glauben niemals hausieren ging. Nein, es schien fast so, als wäre das eine Art Intimbereich in ihm, welchen er vor der Öffentlichkeit lieber verbarg. Den Mann konnte man morgens um 3 uhr anrufen wenn man ein Problem hatte, er kam, hörte zu, schien einzunicken nur um sich dann schlagartig aufzurichten und einen mit völlig irrsinnigen, skurilen Lösungsvorschlägen aus der tiefsten Krise förmlich herauszuschleudern…
    Und wenn er aber dann doch mal irgendwo eine Predigt hielt, so um die Gemeinde zu unterhalten. Was nun die Kirche betrifft, die war nunmal sein Arbeitgeber und letztlich eben unser Brötchengeber, an diese nicht unwesentliche Tatsache erinnerte mich mein Vadder dann auch ab u. an mal ganz gerne. Und dieser Brötchengeber ermöglichte meinem Vadder und anderen interkulturell vernetzten Genossen, Projekte zu verwirklichen und sich ihrer politische Arbeit widmen zu können, unter anderem in der Antiapartheidsbewegung, Flüchthlingshilfe and so on.

    Und nun zum Christus, der da auferstanden ward in Jesus, dem Menschensohn, da gehts mir wie meinem Vadder, da wird es ganz intim. Freude schöner Götterfunken und so… mir völlig schnppe ob man diesen Funken nun Christus, Buddha, Hermes oder wie auch immer nennt, my Heart is my Home and my Home is my Heart.

    Amen.

    ach ja, mich langweilt aktuell dieses ewige Christen-und Gläubigenbashing einfach nur. Es kommt immer so dermaßen allgemein daher, so völlig oberflächlich und verlogen. Ich hab mit der Kirche nix am Hut und keiner zwingt mich dazu, mit der Kirche etwas am Hut haben zu müssen. Sollen die sich mit ihrer Kirche auseinandersetzen, die damit etwas zu tun haben. Und ja, natürlich gibt es allen Grund Religion oder die Institution Kirche zu kritisieren, dabei muss ich aber nicht ständig alle irgendwie Gläubigen oder Christen für dumm verkaufen und als ungebildet, vormodern oder imperialistisch diffamieren. Un damit meine ich jetzt gar nicht mal dich ,-)

    so nun hab ich zwar immer noch nicht das formuliert, was ich wollte, aber immerhin etwas.

  2. momorulez Januar 24, 2012 um 9:18 am

    Hallo zurück,

    das Problem ist halt, dass christliche Kirchen massiv Einfluss auf Gesetzgebungen nehmen, dass wir eine sich auf ein ominöses „christliches Menschenbild“ berufende Bundesregierung haben (womit die die „Erbsünde“ gar nicht mehr meint), die das ziemlich willkürlich einsetzt, dass wir die Kirchen in diversen politisch einflussreichen Institutionen sitzen haben, dass Evangelikale und Katholen Menschenjagd auf diversen Kontinenten anheizen, und das unter Berufung auf eine göttliche Autorität. Würden die im stillen Kämmerlein Erleuchtung suchen, wäre mir das doch schnurz – die auf einem Lügengebäude fußende Sicht des Papstes wird hingegen im Fernsehen übertragen. Und während der sich ergänzend auf krude, längst widerlegte Naturrechtsvorstellungen bezieht, ist der Feld-, Wald- und Wiesen homophobe Christ stets mit Zitaten aus dem Römerbrief bei der Hand eines erfundenen Paulus, die u.U. von einem verfasst wurden, der Sex sogar in der Ehe ablehnte und von der sich formierenden, Katholisches Kirche als Ketzer exkommuniziert wurde. Und diese Häresie-Masche durch Kanonisierung ist bis hin zu Stalin sozusagen Vorbild aller politischen Desaster. Der ja auch als eine Art Papst agierte.

    Was nun wer glaubt, ist davon völlig unberührt. Wenn der Herr Detering, der verlinkt ist, biblische Bilder analog zum Hören der h-Moll-Messe und deren Wahrheit versteht, habe ich das zum einen nicht zu kommentieren und zum anderen überzeugt mich das sogar.

    Was mich nicht überzeugt ist eine buchstäbliche und wörtliche Auslegung literarischer Texte und deren Überführen in Gesetzestexte und deren weltweit statt findendes Politischwerden. Das kann man zwar öde finden, den auch aufgrund evangelikaler Hetze Selbstmord begehenden, schwulen Teenagern in den USA hilft das aber wenig. Und gegen Apartheid kann man auch ohne Bibel sein, die dazu genutzt wurde, höchst rassistisch ganze Kontinente von ihren First Nations zu „säubern“.

  3. flummi Januar 24, 2012 um 9:49 am

    Ja natürlich, ich bitte nur darum, die Kritik auch entsprechend klar zu formulieren. Auch habe ich nicht behauptet, dass es eine Kirche bräuchte umd gegen Rassismus und Apartheid zu kämpfen. Ich wollte lediglich zaghaft andeuten, dass nicht alle Christen perse unterbelichete Idioten sind und nicht restlos alles was die Kirche tut, mörderisch ist. Genausowenig wie alle Musels Terroristen sind. Im übrigen finde ich genauso unerträglich wenn Christen abgeschlachtet werden, wie wenn Muslime, Juden oder Buddhisten oder „Ungläubige“ abgeschlachtet werden.
    Jetzt muss ich aber erstmal ein Stündchen pennen. Finde derzeit in der Nacht keinen Schlaf mehr.Dir noch einen wunderschönen Tag!

  4. flummi Januar 24, 2012 um 9:53 am

    PS: eins noch: im Grunde brauchen wir die Religion als Mordmotiv ja überhaupt nicht mehr, das Abschlachten funktioniert ja genausogut ohne.

  5. momorulez Januar 24, 2012 um 9:59 am

    Ja, da sind wir uns einig – ich habe übrigens über Christen im Allgemeinen doch gar nichts geschrieben? Sondern mich recht deutlich auf Staatskirchen und die Geschichte der biblischen Texte bezogen? Und kritisiert, wenn man Anderen Lebensformen vorschreiben will (oder diese als genehmigungspflichtig erachtet)?

  6. flummi Januar 24, 2012 um 10:10 am

    Ja, drum meinte ich hier ja auch gar nicht mal dich 😉 ^^

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