Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Monatsarchive: Januar 2012

Ach ja. Seufz.

Sag zum Abschied … wo der Ralph Gunesch nun in die Stadt der Illuminaten und des Dr. Frankenstein wechselt, da steigen sie auf, die Erinnerungen, und tanzen wie Schatten auf einer Höhlenwand, derweil das Feuer der Ekstase im Rücken lodert. Vor allem dieses Spiel erscheint vor dem inneren Auge und flackert traumhaft:

„Diesen megastarken Hoppenheimer Kader niederzuringen, an die Wand zu kämpfen, platt zu laufen – also, das was unsere Jungs da gestern brachten, Hallelujah. In Ehrfucht jubeln und nicht nur in Liebe entbrannt, das passiert auch nicht alle Tage. Was haben die da gestern auf den Rasen gelegt, noch immer innerlich glückstaumelnd dringt durch schlicht Fassungslosigkeit im positivsten Sinne angesichts eines solchen Spiels.

Sich einfach nicht demoralisieren zu lassen von einem solchen Schiedsrichtergespann und solchen Top-Spielern, das ist einfach nur gigantisch. Und sogar mal so richtig effizient spielen wie in der ersten halben Stunde, als unsere Abwehr schwamm wie ‘n Stück Holz im Brackwasser, und dann doch dieses sensationelle 1:0 – wir dachten noch alle „Gott, wo spielt dieser Takyi nun wieder hin“, dann jedoch „rummms“ und Ludwig hämmert drauf und alle hüpfen. Wegen des Song 2. Das sind so Momente, da fehlen Worte und nur noch irgendwie tierisches Gebrüll entringt sich den Kehlen … reines Gefühl halt. Begeisterung.

Dann steht man in Halbzeit 2 am Bierstand, und plötzlich branden Laute auf, steigern sich, werden stadteilfüllend, die schöner sind als jede Symphonie – wenn dann der Song 2 einsetzt, dank Marcel Eger, da spürt man’s: Das wird noch viel großartiger heute am Vorabend!

Nachdem Pliquett bereits in Halbzeit 1 perfekt choreographierte Glanzparaden zelebrierte, rannten sie die Mannen Hopps nunmehr in Grund in Boden, und dieser Solo-Lauf von – wahlweise – Felgen- oder Gyros-Ralle als glanzvoller Schlußpunkt, also, was dann so in St. Pauli-Seelen vorgeht, das kann sich hier jeder noch mal anhören.“

Da stand die alte Haupttribüne noch, schluchz, nein, ich habe ihren Abriss nicht verwunden.

Da waren wir noch Underdogs, frisch aufgestiegen, hatten eine Hänger-Phase hinter uns, doch kurz zuvor schon dieses unglaubliche 5:0 gegen Freiburg:

„Ja, Wunder gibt es immer wieder. Man will „Amazing Grace“ anstimmen, singt stattdessen nicht minder euphorisch das eigentlich ja dumpfe „O, wie ist das schöööööön“ mit und findet das auch völlig in Ordnung. Weil’s ja wahr ist.

Dem Fußballgott möchte man irgendein Getier opfern vor Erleuchtung, wenn man sowas wie gestern erleben darf. Das Leben lohnt sich ja wirklich. Echt.“

und kaum einer glaubte, dass es gegen die Millionentruppe aus dem Kraichgau noch einmal so euphorisch würde. Doch weit gefehlt!

Dieser Solo-Lauf von Ralph Gunesch zum 3:1 über gefühlt den ganzen Platz, das ist mir am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben von all seinen Aktionen in all den Jahren.

Und es keimt die Nostalgie, vergleiche ich das Gefühl heute, wo immer so viele glauben, es müsste immer und jederzeit ganz toll und spitzenmannschaftsmäßig gespielt werden und der Blick auf Liga 1 gerichtet sein, mit jenen Auferstehungszeiten nach düsteren Jahren in der Regionalliga, als man sich noch freute, dass eher die Leidenschaft als der Status das Spiel getragen hat und man in Solidarität mit manchem Unvermögen und plötzlichen Ausreißern nach oben Liebe zu Millerntorgeschehen und Mannschaft empfand.

Na, auf jeden Fall viel Glück und Dankeschön für diesen Moment und so viele andere auch!

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Wie Mann mit blumigen Worten das Frauenmusikzentrum vertreibt …

Zum Holocaust-Gedenktag

Angesichts der Gedenk- und Aufklärungsveranstaltung heute zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz und dem darauf folgenden Vortrag über die Homosexuellenverfolgung im „3. Reich“ sei vor allem auf Kontinuitäten zwischen Nazideutschland und der Bundesrepublik Deutschland verwiesen, es gab keine „Stunde 0“, die von den Regierungsparteien bis heute gerechtfertigt werden:

„Die Regierungsfraktionen sprechen sich jedoch gegen eine Aufhebung der Verurteilungen aus, da sie – anders als die Nazi-Urteile – rechtsstaatlich zustande gekommen worden seien. Der CDU-Abgeordnete Ansgar Heveling sieht in dem grünen Antrag einen Versuch „rückwirkend die deutsche Rechtsordnung und damit unsere Rechtsstaatlichkeit“ auszuhebeln. Zwar seien Homosexuelle von der Bundesrepublik „in höchstem Maße diskriminiert und stigmatisiert worden“, die „Rechtssicherheit“ sei aber wichtiger. Es spiele dabei keine Rolle, dass ein Sex-Verbot für Schwule „aus heutiger Sicht unvereinbar mit dem Grundgesetz“ sei. „Die Veränderungen können und dürfen aber auf keinen Fall dazu führen, Entscheidungen des demokratischen Rechtsstaates und seiner Gerichte pauschal als Unrecht zu bewerten.““

Dass mir jedes Mal der Atem stockt, wenn ich das wieder lese, ist vielleicht verständlich – es stellt ja unverblümt den Freibrief aus, dergleichen demokratisch erneut zu beschließen, wenn der Wind sich dreht. Was von Gutachtern der Bundesregierung exakt so auch geschrieben wurde.

Zwar gab es keine Vernichtungslager mehr nach 1949 in der Bundesrepublik Mehr von diesem Beitrag lesen

AUFARBEITUNG DER GEWALT BEIM SCHWEINSKE CUP – UNTERSUCHUNGSKOMMISSION VON ST. PAULI FANS EINGESETZT – AUFRUF AN AUGENZEUGEN BERICHTE ANZUFERTIGEN

Tugend, Moral und gesellschaftliche Ungleichheit

„Die Einteilung der Welt in „wir besseren“ und „ihr schlechteren“ ist eklatant auffällig. Gerne spricht man auch den anderen überhaupt die Fähigkeit ab, sich zu entwickeln. Das Antiaufklärerische an dieser Haltung wird durch die Grundannahme der eigenen Überlegenheit übertüncht. Die Aufklärung wird auf die Überwindung des Religiösen und die Erlangung der absoluten individuellen Freiheit reduziert und Meinungsfreiheit wird dann plötzlich vor allem für Rassisten gefordert, während man den Rassismuskritikern diese gern absprechen mag.“

Wohl wahr. Wie der ganze verlinkte Text. Vollkommen zustimmungsfähig.

Ich greife dennoch einen anderen Aspekt auf, der immer wieder aufs Neue Unsinn erzeugt in diversen Debatten: Wenn die moderne Moral zur Tugendethik verklärt wird, kommt eben Quatsch dabei raus. Wenn sie zur Frage nach dem „guten Menschen“ mutiert, schlägt zumeist das Christentum gnadenlos zu …

Es ist ja erstaunlich, wie sich die aristotelische Tugendethik bis in die Geometrie-Vorstellungen der politischen Landschaft fort pflanzt:

„„Die Tugend ist also ein Verhalten (eine Haltung) der Entscheidung, begründet in der Mitte in Bezug auf uns, einer Mitte, die durch Vernunft bestimmt wird und danach, wie sie der Verständige bestimmen würde.“

– Aristoteles: Nikomachische Ethik 1106b36–1107a2, Übers. Gigon[3]

Da Aristoteles Realist war, wusste er um die Schwierigkeit und Vielfalt der konkreten Umstände. Deshalb ergänzte er auch seine Definition der Tugend als rechter Mitte um den Zusatz, dass ein verständiger bzw. tugendhafter Mensch als Orientierung dienen kann. Diese Ergänzung folgt auch aus anderen Überlegungen der Tugendethik, die die Überzeugung vertritt, dass man richtiges und ethisch gutes Handeln erlernen kann und muss, um fortschreitend richtig und gut zu handeln und um sein Urteilsvermögen in Bezug darauf zu entfalten.

Neben den vielen Fällen, in denen die Umstände über eine gute Handlung entscheiden, gibt es jedoch für Aristoteles auch Handlungen, die an sich schlecht sind. Bei diesen gibt es keine Mitte, weil es kein anderes Extrem gibt.“

Bei der Moral des liberalen oder kantischen Typs hingegen geht es um die NORMATIVE Forderung formaler Gleichheit, bei Hegel trat das Motiv intersubjektiver Anerkennung des konkreten So-oder-So-Seins des Anderen hinzu. Leider denkt der gleiche Philosoph dann auch noch auch konkrete Formen der Sittlichkeit hinzu, gewachsene Traditionen, weil diese historische Vernunft in sich tragen würden, das ist mit dem Anerkennungsmodell dann aber dialektisch kaum noch vermittelbar.

Während die Tugendlehren im Grunde genommen selbstbezüglich Mehr von diesem Beitrag lesen

Zur kurz gesprungen, Publikative!

„In der Berichterstattung über Rechtsextremismus wird zumeist von der rechten oder rechtsextremen „Szene“ gesprochen beziehungsweise geschrieben. Dies verharmlost die Komplexität und Schlagkraft des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland deutlich.“

Da hat „Publikative“ ja recht, auch mit der These, dass es sich nicht um irgendeine abgeschotettete Szene handelt, sondern eher den Charakter einer nicht organisierten „sozialen Bewegung“ annimmt – aber wieso wird, auch wenn es lediglich der erste Teil einer Artikelreihe ist, das ganze im Paradigma der Extremismustheorie diskutiert?

Rechtes Denken speist sich IMMER aus Abgrenzung gegen irgendwelche Exkludierten und gesellschaftliche Minderheiten und ist insofern IMMER etwas, das mit den als „Mitte“ sich Behauptenden sowieso schon eng zusammen hängt.

Wieso werden Wilders, Politically Incorrect, Sarrazin, Walser, Achse des Guten, Döpfner und Breivik da ignoriert?

Wieso der Kampf der US-Rechten gegen „Politcal Correctness“, seien es nun Evangelikale, Libertäre oder rechte Republikaner, und der Einfluss der unter Bush agierenden (und schon zuvor) Think Thanks wie jener von Daniel Pipes nicht thematisiert?

Bei allen Differenzen zur alten Nazi-Ideologie sind sie es doch, die zu einem aufnahmebereiten Klima für Rassismen, Homophobie und auch Frauenfeindlichkeit beitrugen, die sich mittlerweile sogar bei jenen zeigen, die sich als „linksradikal“ oder auch nur irgendwielinks behaupten und in Abwehrhaltung gegen die emanzipatorischen Neuen Sozialen Bewegungen der 60er und 70er Jahre ihre Pfründe sichern, indem sie diese historisieren und gegen vermeintliche „Keulen“ – sei es nun Auschwitz-, Homophobie – oder Rassismus-„Keule“ – wettern und nicht nur in Blog-Einträgen ihre Jugendsünden beweinen und so was wie Feminismus oft als ja gar nicht mehr nötig betrachten?

Es ist doch auch und gerade diese krude und verlogene Selbstverständnis eines post-rassistischen, post-feministischen und post-homophoben Deutschlands, das bis zu Wulffs Weihnachtansprache sich zeigt und natürlich total gegen Nazis ist, das jedoch durch die permanente Restabilsierung dieser Ideologie dazu übergegangen ist, Formen und Inhalte des rechten Denkens fortwährend zu tabuisieren, um ihnen freien Lauf zu lassen, und in Abwehrhaltungen dann jene, die einst und heute Opfer der Nazis waren und sind, fortwährend zu beschimpfen, sie würden eine „Opferrolle instrumentalisieren“ und sollten mal langsam sowieso ihre Schnauze halten und seien selbst die wahren Nazis.

Die Ergebnisse einer jüngst erschienenen Studie, die einen weit verbreiteten Antisemitismus in Deutschland belegt, zeigen doch vielmehr so etwas wie ein, freundlich gesprochen, Groll gegen die Opfer, die als permanente narzisstische Kränkung wohl angesehen werden, und das auch und gerade bei jenen, die sich am allerpostrassistischten usw. erleben. Eben frei nach dem von Broder immer zitierten Motto „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“. Lässt sich ja variieren.

Die Konstruktion des „Rechtsextremismus“ mag dann haltbar sein, wenn man „Extremismus“ als gewalthaltig v ersteht, das trifft dann auf die Abschiebepraxis aber auch zu, und DA liegt ja offenkundig das Problem der versagenden staatlichen Instituionen. Wie Publikative oft beschreibt.

Ansonsten wird fortwährend durch diese „Mitte“-„Extrem“-Entgegensetzung das ignoriert, was zu Beginn der 30er Jahre nun tatsächlich das Problem war: Dass zum einen KPD und SPD sich nicht zusammen taten, und dass zum anderen die Bürgerlichen mit den Nazis kooperierten. Gegen links.

Letzteres ist zwar implizit auch die These des Artikels, nur durch Konzentration auf die Burschenschaften, vereinfachend gesagt, kommt der ganze Rest zu kurz. Aber das ändert sich ja bestimmt in Teil 2.

Was aus dem Protestantismus wurde … Staatskirchen sind halt immer schon falsch gewesen, lieber Kaiser Konstantin!

„Wörtlich heißt es in dem Beschluss der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens: „Die Landeskirche behält sich vor, in Einzelfällen gleichgeschlechtlichen Paaren das gemeinsame Leben im Pfarrhaus zu gestatten. Dies setzt die einmütige Zustimmung des zuständigen Kirchenvorstandes zwingend voraus und ist nur bei Eingetragenen Lebenspartnerschaften möglich.“ 

Na, hoffentlich denke ich morgen endlich daran, aus diesem Haufen, in den ich, ohne gefragt zu werden, hinein getauft wurde, endlich auszutreten.

Scheinbar war ja der Prostestantismus zunächst eine insofern gute Idee, dass er die Relation „Leser – Bibel – Gott“ an die Stelle von „Papst – Priester – Bibel – Gläubiger“ setzte. Wieso nun irgendwelche staatlich geförderten Landeskirchen in angeblich dieser Tradition ihren Angestellten die Lebensform vorschreiben oder genehmigen können wollen, das ist schon ziemlich krude. Mache ich als Arbeitgeber doch auch nicht.

Nun stehe ich auch gerade stark unter dem Eindruck dieses Buches, das eindrucksvoll die Nicht-Existenz eines historischen Menschen und Gottessohnes Jesus Christus wie auch die literarische Erfindung sogar des Paulus belegt (unter Berufung auf dieses Werk, hier die Website des Autoren), das zusammen mit den Forschungsergebnisse einer Elaine Pagels  das ganze „Neue Testament“ als Fake dann aufzeigt, wenn man es buchstäblich und nicht etwa allegorisch als Compilation aus diversen spirituellen Quellen von den alten Ägyptern (Osiris, Isis, Horus) über das Judentum (was ja immerhin allseits bekannt ist) und sogar Buddha und Krishna und mannigfaltigen heidnischen Vorgängern, so z.B. Dionysos, begreift. Die Symbolik von Tod und „Auferstehung“ ist zudem auch global Kennzeichen schamanischer Initiation.

Der ganze Kanoniserungsprozess eines vielfältigen Schriftums rund um die multipel ausgestaltete Messiahs (=Christus)-Vorstellung,  das einzig zu Bekehrungszwecken verfasst wurde, nicht etwa als Augenzeugenbericht einer realen Passion, war nichts als der Versuch, ein einheitliches „Christentum“ durch Ausgrenzung vermeintlicher „Häresie“ zu schaffen, das sich mit frühen Formen römischer Staatlichkeit als kompatibel erweisen könnte und zudem die Hoheit über den Glauben in die Hand der Kirche, nicht des spirituell Suchenden, legte.

So erfand (bzw. stellte zusammen aus diversen christlichen und nicht-christlichen Quellen, wobei „christlich“ einen Glauben an einen Messiahs in diesem Fall meint, der über das Judentum hinaus geht, und die Quellen z.B. das ägyptische Totenbuch waren) man ein ganzes Evangelium, das des Johannes, um dem kursierenden Thomas-Evangelium das Wasser abzugraben. Hatte in diesem „Jesus“ als literarische Figur doch verkündet, der Weg zum göttlichen Licht sei in jedem Individuum zu finden. Was freilich die Macht der sich formierenden Katholischen Kirche deutlich eingeschränkt hätte, die sich als Wegweiser ins Licht behauptete. So verfasste man im 2. Jahrhundert das Gegendokument, das als erstes überhaupt die These vom „Gottessohn“ bei Herakles und anderen klaute, im Gegenzug zum Zwecke der Selbstermächtigung. Diese Idee taucht in den anderen kanonischen Evangelien gar nicht auf.

Nun hätte der Protestantismus die Chance geboten, da Abhilfe zu schaffen – nur dass auch er den u.a nach Herrschaftsgesichtspunkten errichteten Kanon übernahm. Und viele der anderen, insbesondere gnostischen Schriften wurden ja in einer Art früher Bücherverbrennung der Vernichtung anheim gegeben und erst in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder entdeckt.

Was all die Hater unter den vermeintlich so nächstenliebenden Christen aber nicht dazu brachte, sich über eine krude wörtliche Auslegung literarischer Texte zum Thema Spiritualität mal Gedanken zu machen, sondern stattdessen ganz im Sinne der Tradition weiterhin Unfug zu verbreiten. Und anderen die Lebensformen vorschreiben zu wollen.

Das ist ja das Ärgerliche, dass global unter Berufung auf diese alten Geschichten Lesben und Schwule gequält, herab gewürdigt und entrechtet werden. Und das nur, weil Irenäus und andere u.a. unter politischen Gesichtspunkten diese Schriften auswählten und entschieden, dass sie „göttlich inspiriert“ wären im Gegensatz zu den zahllosen anderen.

Und damit das so bleibt, quatscht dann ausgerechnet der Papst im Bundestag …

Dance against Sexism & Homophobia …

heute Abend im Centro Sociale. U.a. dabei: Respect My Fist! Vielleicht sieht man sich ja.

Fragen nach dem Auftritt des Innensenators

„Es war nämlich Michael Neumann da. Was dabei bemerkenswert ist: Sein Vorgänger kommt zu einem offiziellem Empfang des Fanladens mit drei erkenntlichen Personenschützern, er kommt zu einer solchen Veranstaltung alleine und ohne Begleitung. Das muss man so erstmal zur Kenntnis nehmen und ist für mich erstmal ein anderes zugehen auf Leute. Er hat kurz geredet, hat ein zwei Fragen beantwortet und ist dann auch mehr oder minder (als einmal angemerkt wurde, dass man doch unter sich reden wollte) von sich aus gegangen. Und zwei Sätze sind wichtig.

Er hat gesagt, dass man die Vorfälle aufklären wolle. Auf die Frage wie man ihm das Glauben solle, wenn man sieht, wie die Jolly Vorfälle im Sande verlaufen sind, erwiderte er, dass man “überhaupt keine Beweis für seine Glaubwürdigkeit habe, man ihn aber in einem Jahr einen Lügner nennen könne”, wenn die Vorfälle nicht aufgeklärt wären. Er ergänzte “Ich lasse mich an meinen Worten messen, deswegen bin ich hier.”“

Die guten Filme laufen meistens spät im Fernsehen. Um 20.15 h präsentiert dem Publikumsbedürfnis gemäß das Sendungsbewusstsein Monumentalmist wie „Herr der Ringe“ oder spießige Anachronismen wie den „Tatort“. Doch ab 0.00 h findet sich manch Perle im Programm, so gestern eine mit Lawrence Fishburn in der Hauptrolle. Einen Putzmann  für ungewöhnliche Reinigungsaufgaben spielte der – die Blutspuren nach tödlichen Gewaltverbrechen hatte er zu reinigen. Er wurde an einen Schauplatz gerufen, der zu säubern sei, da noch gar keine Ermittlung statt gefunden hatte: Spuren getilgt. Eine Finte, hinter der sich nicht nur ein Liebesdrama verbarg, sondern ein Plot rund um korrupte Polizisten.

Ein anderer Film, sogar in der ARD zu sehen, der vor nicht allzu langer Zeit mich faszinierte, war „Der Yorkshire-Killer“. Der titelgebende Serienkiller stand gar nicht im Zentrum der ersten Folge. Stattdessen versuchte ein Journalist, Kindesmorde zu recherchieren und stieß dabei vor in ein Wespennest, gebildet aus einem Konglomerat selbstherrlicher Ordnungshüter, die mit Immobilienhaien ein Gewalt-Regime installieren und zusammen davon profitierten. Mehr von diesem Beitrag lesen

Der Leichentransport

Teil 4 des zusammen mit Ring2 verfassten Prosa-Experiments.

Teil 1

Teil 2

Teil 3

 

Piet nahm einen leichten Parfumgeruch in seiner Laube wahr. Er schnupperte an der Leiche – der Typ roch nach gar nichts. Noch nicht. Zum Glück. So weit sollte es auch nicht gar nicht erst kommen. Nur ein wenig nach nassen Klamotten. Wo kam der Geruch her?
„Hey, Kumpel, was mache ich denn jetzt mit Dir? Einfach verbuddeln im Garten will ich Dich nicht. Bei jeder Gurke, die ich esse, mir Deinen aktuellen Zustand vorstellen, nee. Nee, bitte nicht.“

Erleuchtung. Piet suchte dringend nach Erleuchtung.

Fasern und so’n Zeug waren eh schon an dem Heini, also die Gartenhandschuhe an und mal in den Taschen wühlen. Ein Ausweis! John Zwo, geboren am 30.12. 1970, wohnhaft in der Ottenser Haupstraße. Der hieß tatsächlich so. Zwo. Der ewige Zweite, auch nicht schön.

Hmmm. Das Foto musste aus den 90ern sein, eine schrille Frisur wie für die Techno-Party und ein ziemlich verstrahltes Grinsen. H.P. Baxxter für Arme. Und eine Art Notizbuch. Seltsam, eine ganz andere Schrift als bei dem Brief …. später lesen. Erstmal den Kadaver entsorgen. Den Abschiedsbrief steckte er in die Tasche der praktischen, aber ins Piets Augen hässlichen Jacke. Der Kerl war ein Funktionsjackenträger.

Ein paar Quittungen, von einem Espressoladen auf der Schanze, ein Essen für mehrere Personen im „Cox“ auf St. Georg, eine von einer Änderungsschneiderei in der Neustadt. Alles nicht sonderlich aussagekräftig. Kein Portmonnaie, keine Brieftasche. Das Notizbuch behielt Piet, den Rest steckte er zurück … tief durchatmen. Der Kerl muss weg. Der macht nervös.

Dieser Parfumgeruch in der Laube, da kriegt man ja Kopfschmerzen  … hey, ist da jemand vorm Fenster? Bloß nicht, dass der Typ neben ihm tot war, das war ja offensichtlich.

Also der alte Trick. Der, der ihn schon vor Verhaftungen bewahrt hat. Den auch Edgar Alan Poe verewigt hat mit dem Brief auf dem Schreibtisch. Piet hatte ihn aus seiner wilden Zeit in Erinnerung, als er die Autobiographie von Bommi Baumann gelesen hat. Bewegung 2. Juni. Könnt ihr ja googeln. Was hatte er oft an den gedacht, wenn er in der Krankenkasse saß und Zahnersatz genehmigte, jetzt einfach eine Bombe zünden, und dann …

Direkt nach dem Bankraub, wenn er noch vor Angst schlotternd etwas zu essen kaufen ging, hatte er sich manchmal ein Schild „Polizeilich gesucht!“ umgehängt und laut sozialistische Lieder gesungen. Die Leute wichen ihm dann ängstlich aus oder fanden ihn einfach schräg; so lange er nicht übertrieb, hat aber auch keiner die Polizei gerufen. Bommi Baumann hatte einst „Bombentransport“ groß auf ein Auto geschrieben, als er eine ebensolche durch  Berlin fuhr, und kam damit durch – komm, Piet, no risk, no fun, und so machte er sich daran, den Leichnam in Säcke zu stecken. Ganz schön schwer, der Herr Funktionsjackenträger, zum Glück noch keine Leichenstarre. Piet kam ordentlich ins Schwitzen. Er holte die Schubkarre, hob ächzend den Körper hinein und malte ein hübsches Schild „Leichentransport“. Zog sich seine buntesten und zerfetztesten Klamotten an, setzte eine Clownsnase und eine falsche Brille auf und übte ein wenig den Gesang von „I shot the Sheriff“ und  machte sich auf den Weg. Die große, schlanke Frau, die sich hinter einem der Bäume des Nachbarsgartens versteckte, die übersah er …

Als er, die Schubkarre schiebend, an der U-Bahnstation Lattenkamp ankam, freute er sich. Freitagabend, schon dunkel, und eine fröhlich singende Horde von St. Pauli-Fans, ein paar zündeten Feuerwerkskörper an, wurde von massenhaft Polizei in voller Montur eskortiert . Optimal. Da fiel er gar nicht groß auf. Alle konzentrierten sich auf die Fussballfans, so dass er in einem Gebüsch etwas abseits des U-Bahn-Ausganges die Leiche einfach ablud. Uff, geschafft. Soll die Polizei doch mal ihre Arbeit tun, anstatt sich an Fussballfans abzuarbeiten … er zog die Säcke von dem Körper, die würde er verbrennen müssen, vielleicht hatte ja einer der St. Paulianer Feuer. Steckte die Pistole wieder in die Hand des Toten, dass der sich da nicht erschossen hat, würden die eh raus bekommen, hauchte ein „Ciao!“ …

Er erschrak fast zu Tode, als ihm jemand auf die Schulter klopfte.